Interaktionspotenzial bei Psychopharmaka Verordnungen

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1 Interaktionspotenzial bei Psychopharmaka Verordnungen Dr. rer. nat. Christian Franken Chief Pharmacist DocMorris Dr. rer. nat. Friederike Geiss Senior Pharmacist DocMorris Ing. Bogdan Vreuls Corporate Controlling DocMorris

2 Agenda Psychopharmaka eine Betrachtung aus Public Health Sicht Vorgehensweise Materialien und Methoden Resultate Ausblick

3 Psychopharmaka eine Betrachtung aus Public Health Sicht

4 Public Health Kenndaten Prävalenz: ca. 32% der erwachsenen Bundesbürger sind im Laufe ihres Lebens von einer psychischen Erkrankung betroffen. Mehr als 50% aller Menschen erkranken einmal im Leben an einer psychischen Störung. Die unipolare Depression steht unter der Betrachtung von YLD* an erster Stelle der Volkskrankheiten. WHO: Im Jahre 2020 werden Depression weltweit den zweiten Rang bei Behinderung verursachender Krankheiten einnehmen. Etwa 10% der in der hausärztlichen Praxis behandelten Patienten ist depressiv erkrankt. * Years Lived with Disability

5 Public Health Kenndaten Frauen erkranken häufiger als Männer. Je älter die Versicherten sind, desto häufiger wird die Diagnose Depression gestellt. Psychische Erkrankungen zählen zu den häufigsten und kostenintensivsten Erkrankungen. Psychische Erkrankungen stehen an der Spitze der durchschnittlichen Falldauer einer Arbeitsunfähigkeit. 31% der Frühberentungen (2004) durch Berufsunfähigkeit entfielen auf psychische Erkrankungen. Welche Konsequenzen hat dies im pharmakotherapeutischen Alltag?

6 Vorgehensweise Materialien und Methoden

7 Vorgehensweise ca. 1 Mio. Kunden und ca Rezepte je Tag Dokumentationspflicht Scholz Datenbank Stichtag Fokus auf ATC Code N05 und N06 (Psychopharmaka) Datenerhebung 2 Wochen vor und nach dem Stichtag Detektion klinisch relevanter Interaktionen Strukturierung der Interaktionen nach Schweregrad Strukturierung der Interaktionen nach Häufigkeit

8 Resultate

9 Basisdaten Patienten am N05 (Psycholeptika) & N06 (Psychoanaleptika) N05 & N06: 698 Patienten (12,2%) N05: 306 Patienten (43,8%), N06: 392 Patienten (56,2%)

10 Sulpirid Chlorprothixen Clozapin Ziprasidon Psycholeptika Flunitrazepam Lormetazepam Risperidon Melperon Anzahl Patienten mit N05 (Psycholeptika) Zopiclon Zolpidem Diazepam Lorazepam Bromazepam Quetiapin Lithium Oxazepam Olanzapin

11 Gefundene klinisch relevante Interaktionen: Psycholeptika & zentral dämpfende Wirkstoffe Potenzierung der unerwünschten Arzneimittelwirkung zentrale Dämpfung Einzelfälle: Interaktionspartner Perazin Biperiden Haloperidol Propafenon Benperidol Biperiden Flupenthixol Biperiden Clozapin Levodopa Sulpirid Bisoprolol Tiaprid Levodopa Wirkung Toxizität (Spätdyskinesien) Antiarrhythmische Wirkung Toxizität (Spätdyskinesien) Toxizität (Spätdyskinesien) Levodopa Wirkung Arrhythmierisiko Levodopa Wirkung

12 Klinisch relevante Interaktionen von Lithium im Untersuchungszeitraum Amitriptylin, Trimipramin (je 11%): Potenzierung UAW Diclofenac: Verminderte Li + -Elimination Lithium & Benperidol Li+-Spiegel erhöht Lithium & HCT Li+-Spiegel erhöht Lithium & ACE-Hemmer & AT II- Antagonisten Li+-Spiegel erhöht

13 Sertralin Ginkgo biloba Opipramol Venlafaxin Anzahl Patienten N06 (Psychoanaleptika) Amitriptylin Citalopram Trimipramin Doxepin Mirtazapin 4

14 Klinisch relevante Interaktionen mit TZA am Beispiel Amitriptylin im Untersuchungszeitraum Tramadol: Erniedrigung Krampfschwelle z.b. Metoprolol: Verstärkung Blutdrucksenkung z.b. Ramipril, Candesartan: Verstärkung Blutdrucksenkung Amisulprid, Haloperidol: Verlängerung QT Intervall

15 Over The Counter Ginkgo biloba und Johanniskraut Ginkgo biloba Diskussion: Erhöhung der Blutungsneigung 86% der Komedikation: Kombination ASS & Ginko biloba Johanniskraut Johanniskraut & Amitriptylin: Senkung der Amitriptylin (Nortriptylin) Plasmaspiegel um bis zu 40% (kein Fall im Untersuchungszeitraum). weitere klinisch relevante Interaktionen mit Phenprocoumon HIV-Protease Hemmer Ciclosporin Digoxin

16 Ausblick

17 Ausblick Darstellung eines kleinen Ausschnitts Fokus auf Psycholeptika und Psychoanaleptika Nur marginale Lehrbuch Interaktionen Zahlreiche Hypothesen möglich Weitere Datenerhebung und Auswertung in Planung und Umsetzung Wertung Variabilität der Datenquellen Von der Darstellung der Verordnungswirklichkeit zur klinischen Pharmakologie

18 Fragen

19 Quellen Scholz Datenbank (2008) Bundesgesundheitssurvey (1998/99) Dave Flockhards Drug Table (2008) Gutachten des Sachverständigenrates für die konzertierte Aktion im Gesundheitswesen (2001) DAK Gesundheitsreport (2004, 2005) Fachinformationen der im Vortrag erwähnten Wirkstoffe (2008) Pharmazie in unserer Zeit (2008), 3, 37:

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