seit dem letzten Bericht im Januar, ist einige Zeit vergangen und es ist Zeit für den zweiten Quartalsbericht.

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1 Liebe Leserinnen und Leser, seit dem letzten Bericht im Januar, ist einige Zeit vergangen und es ist Zeit für den zweiten Quartalsbericht. Ich werde an meinen ersten Bericht anknüpfen, den ich um Weihnachten/Silvester herum abgeschickt habe. CREAR (Centro Regional Educativo de Alternativas Rural), meine Partnerorganisation hatte über Weihnachten und Silvester zwei Wochen 'Winterferien'. In diesen zwei Wochen war ich mit einigen anderen Freiwilligen im Land unterwegs und habe ein paar wirklich schöne Ecken der Dominikanischen Republik gesehen. In den ersten Wochen des neuen Jahres, als der Alltag nach zwei Wochen Urlaub wieder losging, hat sich die Einstellung bezüglich meines Freiwilligendienstes in Rio Limpio verändert. Die ersten vier Monate waren vorbei und Deutschland immer weiter in die Ferne gerückt, der Alltag und das Leben hier aber immer weiter in den Vordergrund. Anfangs habe ich versucht möglichst viel mitzunehmen, alles kennenzulernen Erfahrungen zu sammeln und war von all den neuen Dingen im Endeffekt völlig überwältigt. Nach vier Monaten hat sich der Alltag normalisiert und ist eben zum Alltag geworden. Inzwischen birgt nicht mehr jeder Tag irgendwelche neuen Erfahrungen oder Überraschungen. An die meisten Dinge, die einen anfangs noch überrascht haben oder einem völlig fremd waren, gewöhnt man sich. Es überrascht mich zum Beispiel nicht mehr, wenn beim Essen plötzlich ein Huhn durch die Küche rennt oder ich mich auf dem Weg zur Arbeit vor einer Horde Kühe in Acht nehmen muss. Auch ist es inzwischen völlig normal, sich eine Pick-Up Ladenfläche für zwei Stunden mit zehn Dominikanern zu teilen, wenn dies die einzige Möglichkeit ist, heute noch aus dem Dorf zu kommen.. Ich bin zum Teil der Dorf-Gemeinschaft geworden, habe die Leute, ihre Eigenarten und ihre Lebensart kennengelernt. Kurz gesagt habe ich mich einfach an das Leben hier gewöhnt und bin nicht mehr nur zu Besuch, sondern wohne jetzt hier. Durch diese durchaus positiven Erfahrungen sind mir natürlich auch viele Probleme, welche die Entwicklung des Dorfes und der Menschen hier beeinträchtigen oder verlangsamen, aufgefallen. Viele dieser Probleme waren mir anfangs oft noch nicht klar und ich habe sie mir vor allem weniger komplex vorgestellt. Viel zu oft sind es politische Probleme, bei denen es im Endeffekt immer um Einfluss oder Geld geht. Teilweise kann man es schon als Machtkämpfe einzelner Personen des Dorfes bezeichnen, welche ihre persönlichen Probleme oder Streitigkeiten in den Vordergrund stellen, wenn es um die Durchführung sinnvoller Projekte geht. In der Vergangenheit sind schon zu viele Projekte an Problemen dieser Art gescheitert. Gregor, mein Mitfreiwilliger, oder ich sind davon zum Glück selten betroffen, wir bekommen sie aber trotzdem mit. Manchmal sind die Motive oder die Art und Weise so lächerlich, dass es der Motivation, hier etwas Sinnvolles zu tun, echt schadet. Naja, genug von allgemeinen Problemen des Dorfes und zu meiner Arbeit. Meine Tätigkeiten in CREAR (Centro Regional Educativo de Alternativas Rural) haben sich in den letzten Monaten nicht groß verändert. Drei Tage die Woche bin ich im Reforestationsprojekt, zusammen mit Gregor und unserem spanischen Tutor Ricardo, beschäftigt. Die restlichen zwei Tage unterrichte ich weiterhin Englisch und Informatik.

2 Auf Grund der Trockenzeit waren meine Tätigkeiten im Reforestationsprojekt meist auf das sogenannte 'Vivero' (eine Baumschule) beschränkt. Die jungen Bäume würden die Trockenzeit ohne Pflege nicht überleben und können daher nur in der Regenzeit eingepflanzt werden. Meist hat sich die Arbeit im 'Vivero' dann auf das Waschen, Zählen und Einpflanzen von Samen beschränkt. Vor kurzen wurde das Projekt jedoch fürs erste stillgelegt, da Ricardo unser spanischer Freund, Tutor und Leiter des Projekts vom Direktor von CREAR gekündigt wurde. Wirklich schade, dass auch dieses Projekt persönlichen Konflikten zwischen einzelnen Personen zum Opfer fallen musste. Außerdem haben Gregor und ich damit den Teil unsererer Arbeit verloren, der von Anfang an am meisten Spaß gemacht hat und auch am lehrreichsten war. Die 4 Unterrichtsstunden in Englisch habe ich mir inzwischen mit Gregor aufgeteilt. Anfangs haben wir noch zusammen unterrichtet, da es auf Grund unserer Spanisch Kenntnisse vor allem für mich einfacher war. Inzwischen hat jeder von uns seinen eigenen Jahrgang. Ich habe den jüngeren, das heißt Schüler im Alter zwischen 15 und 18 Jahren. Der Englischunterricht fällt mir von allen Aufgaben am schwersten und macht auch am wenigsten Spaß. Das Unterrichtsklima ist hier, wie schon in meinem letzten Bericht erwähnt, völlig anders als in Deutschland. Die Schüler sind um einiges unruhiger, haben reichlich wenig Respekt vor den meisten Lehrern und haben insgesamt einfach eine völlig andere Klassendynamik. Dazu kommt noch, dass bestimmt die Hälfte der Schüler keinerlei Interesse am Unterricht zeigt und eher stört als mitarbeitet. Inzwischen bin ich der Meinung, dass es von Anfang an viel sinnvoller gewesen wäre Kurse außerhalb der Schulzeit anzubieten. Unterricht ohne Anwesenheitspflicht oder Noten, in welche auch nur wirklich interessierte Schüler gekommen wären. Das wäre für mich einfacher gewesen und hätte dem Lernklima und dem Fortschritt des einzelnen Schülers nur geholfen. Außerdem bin ich der Meinung, dass es nicht meine Aufgabe als Freiwilliger ist, die Schüler mit Noten zu bewerten und noch viel weniger, die Stelle eines normalerweise bezahlten Lehrers einzunehmen. Nachdem ich im ersten Bericht den großen Bedarf an Computern im Informatikunterricht erwähnt habe, hat meine Mutter glücklicherweise insgesamt 9 ältere Laptops organisiert. Diese kamen im Februar mit Nikaulis, die dominikanische Betreuerin aller Freiwilligen, und Heiner von Ecoselva aus St. Augustin bei Aachen nach Rio Limpio. Nach einigem Arbeitsaufwand konnten wir fast alle Laptops mit einem spanischem Betriebssystem und anderen Standardprogrammen ausstatten und für den Unterricht herrichten. Die Unterrichtsstunden sind damit um einiges sinnvoller und natürlich auch spaßiger geworden. Sowohl für die Schüler als auch für uns. Neben dem Informatikunterricht können die Schüler die Laptops nun auch für Präsentationen oder Arbeiten in anderen Fächern nutzen. An dieser Stelle vielen Dank an alle Laptop-Spender. In Deutschland wären sie vielleicht zu alt und langsam, hier sind sie aber von großem Nutzen. Als kleines Nebenprojekt haben wir zusammen mit einigen Schülern eine bunte Weltkarte an eine zuvor ziemlich trostlose graue Wand gemalt, in der Hoffnung den Schülern dadurch ein besseres geographisches Verständnis zu geben. Außerhalb der Arbeit habe ich auf Grund der beschränkten Beschäftigungsmöglichkeiten viel Zeit für mich. Ich lese viel, gehe Joggen oder Slackline laufen. Ab und zu spiele ich auch Fußball mit einigen Haitianern. Abends spiele ich meistens mit Gregor und Stacey (einer amerikanischen Peace- Corpse Freiwilligen) Siedler von Catan. Ich denke man kann mich inzwischen schon als professionellen Siedler Spieler bezeichnen. Mit den Dominikanern selber beschränkt sich mein Kontakt oft auf ein paar Runden Domino oder

3 einfache Gespräche. Diese immer ähnlichen Gespräche sind zwar oft unterhaltsam, jedoch vermisse ich tiefer gehende Themen. Die meisten Rio Limpianer machen eigentlich nichts außer ein bisschen zu arbeiten, im Dorf herum zu laufen und Domino zu spielen. Man kann es ihnen aber eigentlich auch nicht übel nehmen, da es hier einfach keine anderen Möglichkeiten gibt. Meinem Anschein nach fühlen sich die meisten in ihrer kleinen Welt und mit ihrer langsamen Lebensart auch ganz wohl. An den Wochenenden bin ich nach wie vor oft außerhalb von Rio Limpio unterwegs, da das Dorf außer Ruhe, wie gesagt, ziemlich wenig zu bieten hat. Außerdem habe ich hin und wieder mal Lust unter anderen Leuten zu sein oder einfach den Luxus von kalten Getränken, Restaurants, Handyoder Internetverbindung oder kurz gesagt von 'Zivilisation' zu genießen. Meist bin ich dann zusammen mit Gregor in Dajabon, der nächsten Stadt. Dort wohnt ein weiterer Ecoselva Freiwilliger, mit dem wir uns dann treffen. Nach ein paar Tagen in einer Stadt, die ähnlich viel zu bieten hat wie eine europäische, ist es immer wieder eine verrückte Erfahrung, wieder zurück nach Rio Limpio zu kommen. Plötzlich kennen mich alle und ich werde freundlich begrüßt. Die Leute freuen sich, fragen wo ich war. Dabei kommt mir trotz den unbequemen Umständen oft ein Gefühl von Heimat. Eine von vielen Erfahrungen, die mir mit Sicherheit lange in Erinnerung bleiben wird, war die Fahrt auf dem sogenannten 'International Highway'. Einer Straße, soweit man sie als solche bezeichnen kann, welche an der dominikanischen/haitianischen Grenze in den Süden führt. Der Trip war sowohl beeindruckend als auch erschreckend. Um den kompletten 'Highway' zu befahren fährt man um die 5 Stunden durch eine völlig degradierte, fast wüstenähnliche Berglandschaft. Die Tatsache, dass dieses Ödland vor einigen Jahrzehnten noch fast unberührter Regenwald war, ging mir nicht in den Kopf rein. Auf dem Weg passierten wir vereinzelt haitianische Dörfer in denen unserem Pickup dürre haitianische Kinder nach Essen bettelnd hinterher rannten. Es hat mich echt schockiert, wie viel ärmer Haiti ist und wie viel größer das Ausmaß der Umweltprobleme im Gegensatz zur DomRep dann doch ist. Gleichzeitig hat es mir gezeigt, wie sinnvoll und wirkungsvoll Entwicklungshilfe und Aufforstungsprojekte langfristig sein können, auch wenn man dabei zunächst keinen Erfolg sieht. Kein Wunder, dass so viele Haitianer mit der Hoffnung auf ein besseres Leben in die DomRep kommen. Hier sind sie meist nur die billigen Arbeitskräfte, welche Arbeiten erledigen, die kaum ein

4 Dominikaner machen will. Diskriminierung und Rassismus sind Alltag für die meisten, in der DomRep lebenden Haitianer. Oft werden die Haitianer für die hohe Kriminalitätsrate des Landes verantwortlich gemacht oder als dreckig und ungepflegt bezeichnet. Dazu kommt noch, dass sie beschuldigt werden den Dominikanern Arbeitsplätze wegzunehmen. Paradox, wenn man überlegt wie viele Dominikaner in der Hoffnung auf ein 'besseres' Leben, auf meist illegale Weise, in die USA gelangen und selber in kriminelle Kreise gelangen. Inzwischen wohnen so viele Dominikaner in den Staaten, dass nur in zwei dominikanischen Städten mehr Dominikaner als in New York leben. Hier noch ein Bericht von ARD über die Verhältnisse der Dominikanischen Republik und Haiti. In meiner Gastfamilie gibt es keine Veränderungen, Mama ist inzwischen 102 Jahre alt, kocht und spielt Domino. Ursula arbeitet in einer Kinderbetreuungsgruppe und verbessert ihre Nähkünste. Christopher langweilt sich bei seiner Oma und Uroma, wenn er gerade nicht in der Schule ist oder im Haushalt hilft. Mein Essen besteht in erster Linie aus Yuca, Reis und Bohnen, mal mit Ei oder Salami oder. In CREAR neigt sich das Schuljahr dem Ende zu. Die letzten Prüfungen finden Anfang Juni statt. Das Reforestationsprojekt ist durch den Rauswurf Ricardos auch gestorben. Mir bleiben jedoch noch vier Monate im Land, die ich dem Anschein nach nicht in CREAR verbringen werde. Als mir die Situation bewusst wurde, habe ich mich ein bisschen umgehört und bin auf eine Organisation im nächsten größeren Ort gestoßen, die Bedarf an Freiwilligen hat. Ein Mütterzentrum, in dem Lehrer für Englisch und Informatik gesucht werden. Mal sehen, was sich in nächster Zeit ergibt. Auch wenn meine Erzählungen vielleicht teilweise negative Eindrücke hinterlassen haben, bin ich unglaublich froh, in diesem trotz aller Probleme so wunderbaren und vielfältigen Land voller lebensfroher Menschen leben zu dürfen.

5 Vielen Dank für das Interesse, ich hoffe ihr konntet euch ein ungefähres Bild von den letzten 4 Monaten meines Lebens in der Dominikanischen Republik machen. In diesem Sinne, sonnige Grüße aus der Karibik. Hasta la proxima vez. Lukas Traup Rio Limpio

6 Mit Dennis an der haitianischen Grenze in Dajabon Ziegentransport

7 Eine Mutter mit Kindern auf dem Weg zurück von der Arbeit in Rio Limpio Metzgerei

8 Vor der fertigen Weltkarte, zusammen mit Gregor und einigen meiner Schüler.

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