Persönlichkeitsmerkmale und Kompetenzen von Sportlehrkräften

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1 V. Senn, E. Kornexl & K. Greier Persönlichkeitsmerkmale und Kompetenzen von Sportlehrkräften und deren Einfluss auf die Motivation von Schülerinnen und Schülern Zusammenfassung: Dieser Beitrag behandelt die Frage, in welcher Weise Persönlichkeitsmerkmale und Kompetenzen von Sportlehrkräften die Motivation der Schülerinnen und Schüler im Bewegungs- und Sportunterricht beeinflussen. Dazu wurden für den Sportunterricht relevante Persönlichkeitseigenschaften und Kompetenzen aufgeschlüsselt. Die Ergebnisse einer Fragebogenerhebung liefern einen Beitrag zur Klärung des Anforderungsprofils von Sportlehrpersonen und zur Verbesserung des Sportunterrichts. Darüber hinaus können die gewonnenen Erkenntnisse als Basis für eine universitäre Ausbildung angehender Sportlehrkräfte dienen, die ein Curriculum mit der verstärkten Schulung geforderter Merkmale und Kompetenzen vorsieht. Schlüsselwörter: Sportlehrperson, Motivation, Persönlichkeitsmerkmale, Unterrichtskompetenz Einleitung In den letzten Jahren sind vor allem in Deutschland mehrere Studien zum Sportunterricht und zu Sportlehrkräften erschienen. Die meisten vorliegenden Untersuchungen zeigen, dass neben vorteilhaften Rahmenbedingungen (z.b. ausreichende Anzahl an Sportstunden, angemessene Gruppengröße, gute Sporthallenausstattung, positives Schulklima etc.) vor allem die Persönlichkeitsstruktur von Sportlehrkräften eine entscheidende Rolle für einen gelingenden Sportunterricht spielt. Diese sollte daher vermehrt in den Forschungsfokus gerückt werden, denn sie scheint einen grundlegenden Faktor im Unterrichts- und Erziehungsgeschehen darzustellen. So stellte Roth (2011) in diesem Zusammenhang fest alles Lehren und Lernen findet im Rahmen der Persönlichkeit des Lehrenden und Lernenden und damit im Rahmen seiner kognitiven, emotionalen und motivationalen Fähigkeiten statt (Roth, 2011, S. 31). In einer älteren Untersuchung (Messing, 1980) wurden 14- bis 16-jährige Schülerinnen und Schüler über ihre Sicht von guten und schlechten Sportlehrkräften befragt, wobei vor allem Merkmale wie Fachkompetenz, Sportlichkeit, Kameradschaftlichkeit, Rücksichtnahme, Verständnis, Gerechtigkeit, Zuverlässigkeit, Kritikfähigkeit und Toleranz, als Eigenschaften von guten Sportlehrkräften angeführt wurden. Einen anderen Forschungsansatz verfolgte Bräutigam (1999). Er interviewte Schülerinnen und Schüler bezüglich ihres Sportunterrichts und ihrer Sportlehrkräfte und leitete daraus sechs Sündenfälle eines Sportlehrers ab, womit er eine Typisierung schlechter Sportlehrerinnen und Sportlehrer vornahm. Eine der größten aktuellen Befragungen zu Sportlehrkräften aus Schülersicht wurde im Zuge der DSB-Sprint- Studie durchgeführt. Insgesamt sind die Schülerinnen und Schüler dort mit ihren Sportlehrpersonen zufrieden, sie erwarten sich jedoch insbesondere im Bereich der personenbezogenen Merkmale noch mehr Verständnis, Ausgeglichenheit, Geduld und Gerechtigkeit von Seiten der Sportpädagoginnen und -pädagogen (DSB, 2006). Auch in anderen Untersuchungen zur Schülerwahrnehmung des Sportunterrichts wird deutlich, dass der Persönlichkeit der Sportlehrperson eine wesentliche Bedeutung für die Zufriedenheit mit dem Sportunterricht beigemessen wird: In der Sicht der Schüler [ist es] ganz überwiegend die Person des Lehrers [...], die ihnen Unterricht als gut oder schlecht erscheinen lässt (Söll & Kern 2005, S. 81). Wie aus älteren und neueren Befragungen immer wieder hervorgeht, ist es ausdrücklich das Lehrer-Schüler-Verhältnis, das eine zentrale Bedeutung einnimmt: Wie zufrieden Schüler mit dem Sportunterricht sind, hängt [...] stark von der gefühlsmäßigen Beziehung zu ihrem Sportlehrer ab (Miethling, 1977, S. 10) oder Die Einstellung zum Sportunterricht hängt in hohem Maße von der geglückten Interaktion mit dem Sportlehrer oder der Sportlehrerin ab (Wydra, 2000, S. 27). 18 bewegung und sport

2 Abb. 1: Entwicklungspotential von Persönlichkeit (eigene Illustration; Senn, 2014, S. 27) Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit Persönlichkeitsmerkmalen und Kompetenzen von Sportlehrkräften und deren Einfluss auf die Motivation von Schülerinnen und Schülern. Er will aufzeigen, wie die Sportlehrerpersönlichkeit sein und handeln sollte, um Schülerinnen und Schüler in positiver Weise zu beeindrucken und in ihnen zeitüberdauernde motivations- und leistungsrelevante Haltungen zur fördern. Es wird somit a priori angenommen, dass die Lehrerpersönlichkeit in ihrer Begegnung mit den Lernenden eine Wirkgröße im kognitiven, emotionalen und motivationalen Bereich darstellt. Sportlehrkräfte mit ihrer Persönlichkeit und ihren Kompetenzen haben laut dieser These einen wesentlichen Einfluss auf die Lernbereitschaft, die Motivation und die persönliche Entwicklung von Schülerinnen und Schülern. Forschung zur Lehrerpersönlichkeit und Lehrerkompetenz Lerninhalte werden in besonderer Weise dann erinnert, wenn sie mit dem Erlebnis von Personen verbunden sind (Krautz & Schieren 2013, S. 7). Die Bedeutung der Lehrerpersönlichkeit und seiner/ihrer Kompetenzen für das Gelingen von Unterrichts- und Erziehungsarbeit ist hoch. Die beste Unterrichtsmethode und Unterrichtsvorbereitung nützen nichts, wenn sie die Lehrperson nicht mit Euphorie, Motivation und Kraft erfüllen. Auch die Kenntnis der kindlichen oder jugendlichen Individualität bleibt wenig hilfreich, wenn (Sport)-Lehrerkräfte es nicht verstehen, mit den Schülerinnen und Schülern richtig in Kontakt zu treten, sich verschiedensten Situationen anzupassen und Begeisterung und Interesse zu wecken. Nur das, was eine tatkräftige dynamische Lehrperson überzeugend ausstrahlt, wird die Schülerinnen und Schüler wirklich in ihrem Innersten bewegen und sich dauerhaft positiv auf ihr Lernen und ihre Motivation auswirken. Im Wissenschaftsdiskurs versteht man unter Lehrerpersönlichkeit die Gesamtheit von Eigenschaften bei einer Lehrerin oder einem Lehrer. Meist wird hierbei jedoch auf diejenigen Eigenschaften Bezug genommen, die als günstig für die Ausbildung des Berufes erachtet werden (Wisniewski, 2013, S. 16). Lehrpersonen sind dafür verantwortlich, dass die Atmosphäre und Leistungsbereitschaft in der Klasse stimmen. Ihre Einstellungen und Haltungen beeinflussen die Schülerinnen und Schüler maßgeblich. Positives Motivieren, aufbauende Rückmeldungen, Toleranz, Freundlichkeit, Verständnis, Hilfsbereitschaft, Humor, Geduld, Offenheit usw. die Liste an Persönlichkeitsmerkmalen und Kompetenzen, über die (Sport)-Lehrkräfte verfügen sollten, ist lange. Die Forschung zur Lehrerpersönlichkeit hat eine längere Geschichte hinter sich und wurde von verschiedenen Paradigmen dominiert. Ein Überblick über diese Ansätze sollte helfen, den Kontext von Lehrpersonen und die Forschung zur Lehrerpersönlichkeit besser zu verstehen. Im 19. Jahrhundert fasste der Begriff Lehrerpersönlichkeit sozial erwünsche Werte, Einstellungen und Haltungen zusammen. Diese Merkmale sollte die Lehrperson nicht nur verinnerlichen, sondern als Haltung oder Habitus (vor-) leben (Wisniewski, 2013, S. 16). In dieser Phase wurden daher eher präskriptive, abstrakte Empfehlungen ausge bewegung und sport

3 sprochen. Daran anschließend, in den 1950er und 1960er Jahren, wurde intensiv im Bereich der Persönlichkeitspsychologie geforscht. Diese Forschung stand unter dem sogenannten Persönlichkeit-Paradigma (Helmke, 2009; Mienert & Pitcher 2011). Noch zu dieser Zeit wurden abstrakte Werte- und Tugendkataloge von Eigenschaftsmerkmalen zum idealen Lehrerbild zusammengetragen und bestimmte Führungsstile untersucht. Ebenso setzte man sich in späteren Jahrzehnten mit spekulativen Annahmen zum idealen Lehrer bzw. zur idealen Lehrerin auseinander. In der Forschung wurde auch von Merkmalen der positiven Lehrerpersönlichkeit gesprochen (Helmke, 2009). Für die Praxis waren diese Ergebnisse aber kaum relevant, weil die postulierten Merkmale der Lehrpersonen zu schul- und unterrichtsfremd waren und keine verlässlichen Aussagen über den Erfolg der Lehrtätigkeit getroffen wurden (Helmke, 2009). Man fand jedoch schwache Zusammenhänge zwischen Schülerleistungen und Lehrpersonen, die überdurchschnittliche Werte im Bereich der emotionalen Stabilität, Verträglichkeit, der persönlichen Beziehungen/Kooperation und des Tätigkeitsdrangs/der Tatkraft aufwiesen (Helmke, 2009). In den letzten Jahren lenkte die Erziehungswissenschaft und Psychologie wieder verstärkt ihren Fokus auf die empirische Persönlichkeitsforschung, wobei vor allem die Wirkung von Persönlichkeitsmerkmalen für ein erfolgreiches Handeln von Lehrpersonen im Zentrum des Forschungsinteresses stand. Es wird dabei eine relative Stabilität von Persönlichkeitsmerkmalen ab dem späten Jugendalter angenommen (Mayr & Neuweg, 2006; Mayr, 2011). Darüber hinaus wird postuliert, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale von Lehrpersonen Aspekte des Lehrerhandelns voraussagen können (Mayr & Neuweg, 2006). Persönlichkeit vs. Kompetenz von Lehrpersonen Im Gegensatz zum Persönlichkeitsbegriff wird der Kompetenzbegriff vor allem im Hinblick auf spezifische Situationen, Aufgaben und Anforderungen verwendet. Kompetenzen beziehen sich daher auf ein bestimmtes Tätigkeitsund Anwendungsfeld. Das Konzept einer Kompetenz hat somit Anwendungs- und Handlungsbezug (Bräutigam, 2003). Wann spricht man nun von einer kompetenten Person? Wenn die Erfordernisse der Situation mit dem individuellen Konglomerat von Fähigkeiten einer Person zusammentreffen, so besitzt die Person die Kompetenz zur Bewältigung einer Aufgabe oder eines Problems (Frey, 2004, S. 904). Ein Bündel an anwendungsspezifischen Fähigkeiten läuft daher unter dem Begriff Kompetenz, wohingegen ein Bündel an Eigenschaften und Verhaltensweisen unter dem Begriff Persönlichkeit gehandhabt wird. Miethling und Gieß-Stüber (2007) sprechen von einem Perspektivenwechsel je nachdem, ob sie von Persönlichkeit oder Kompetenz sprechen. Im Kontext von Persönlichkeit gehen sie auf grundlegende Dispositionen und im Temperament von Personen wurzelnde Aspekte ein (Miethling & Gieß- Stüber, 2007). Im Kontext von Kompetenzen sprechen sie von beruflichen Anforderungen und auszubildenden Fähigkeiten (Miethling & Gieß-Stüber, 2007). In der pädagogischen Literatur werden Einteilungen in verschiedene Kompetenzbereiche von Lehrpersonen vorgenommen. Häufig wird zwischen Fachkompetenz, Methodenkompetenz, Sozialkompetenz und Personalkompetenz unterschieden (Frey, 2004). Alternativ oder ergänzend dazu finden sich außerdem Begriffe wie Sachkompetenz, Selbstkompetenz und Schulentwicklungskompetenz (Miethling & Gieß-Stüber, 2007) (Abb. 2). Abb. 2: Kompetenzbereiche von Lehrpersonen (eigene Darstellung: Senn, 2014, S. 41). Schülerinnen und Schüler haben vermutlich unterschiedliche Ansichten über gute Sportlehrpersonen bzw. guten Sportunterricht und sind auch für andere Kriterien häufig sensibler als Sportlehrkräfte selbst. Kenntnisse über das Bild, das sich Lernende von ihren Lehrenden bilden, und die Faktoren, die beim Zustandekommen dieses Urteils einwirken, sind generell für die Profession einer Lehrkraft von Bedeutung. Die Lernenden bilden sich als entscheidende Zielgruppe des Sportunterrichts in jedem Fall Urteile über ihre Sportlehrkräfte, egal ob sie um ein Feedback gebeten werden oder nicht. Im vorliegenden Artikel wird deshalb als zu untersuchendes Qualitätskriterium für die gute Sportlehrperson die Freude und Motivation der Schülerinnen und Schüler im Fach Bewegung und Sport festgelegt. Es wird davon ausgegangen, dass sich positiv gewonnene Erfahrungen im Sportunterricht auch positiv auf das Sporttreiben außerhalb der Schule auswirken. Eine positive Einstellung zur Sportlehrperson und zum Sportunterricht allgemein sollen daher eher das Ziel des lebenslangen Sporttreibens ermöglichen. In diesem Zusammenhang schreibt Opper (1996): Es [hängt] weitgehend von den künftigen Sportlehrern [ab], ob und wie stark der Sportunterricht eine positive Einstellung zum Sport, und zwar bei allen Schülern möglichst gleichermaßen, stabilisiert und Anstöße zu einem möglichst lebenslangen sportlichen Engagement gibt (Opper, 1996, S. 354). 20 bewegung und sport

4 Foto: fotolia.de Untersuchung zu Persönlichkeitsmerkmalen und Kompetenzen von Sportlehrkräften und deren Einfluss auf die Motivation von Schülerinnen und Schülern Die hier mittels eines standardisierten Fragebogens untersuchte Stichprobe setzte sich aus 122 Schülerinnen und Schülern sowie Studierenden zusammen (87 ; 35 ). Um die Stichprobe homogener zu gestalten, wurden für die Untersuchung vorwiegend Maturantinnen und Maturanten, sowie Studierende niedrigerer Semester rekrutiert. Das durchschnittliche Alter des befragten Kollektivs lag bei 19 ±2 Jahren. Hinweis: Die Studierenden wurden über ihre Erfahrungen und Einstellungen während ihrer Schulzeit befragt. Wenn also nachfolgend von Schülerinnen und Schülern gesprochen wird, sind die Studierenden inkludiert. In der vorliegenden Untersuchung wurde der Fokus im Speziellen auf zwei Verhaltenskomplexe der Sportlehrperson und ihre Auswirkungen auf die Schülermotivation gelegt: Im ersten Komplex wurde die Wichtigkeit des Sozialverhaltens der Lehrperson im Umgang mit den Lernenden, vor allem das Verständnis und die Empathie im Sportunterricht sowie dem Umgang mit den Ängsten der Schülerinnen und Schüler untersucht. Der zweite Komplex umfasste die Leistungsorientierung der Sportlehrperson. Dort wurden die hohe Bewertung der Leistungsfähigkeit durch die Sportlehrperson, der von der Lehrperson gesetzte Fokus auf Training zur Leistungsverbesserung im Sportunterricht sowie die Art der Benotung untersucht. Um mögliche Motivationsunterschiede dieser Verhaltensweisen auf die verschiedenen Schülergruppen zeigen zu können, wurde die Stichprobe in sportliche und unsportliche Schülerinnen und Schüler, sowie in Mädchen und Knaben aufgeteilt. Sportlichkeit wurde dabei über die eigene Einschätzung bzw. durch die Sportnote definiert. Um eine schülerbezogene Einschätzung motivationsfördernder Eigenschaften und Verhaltensweisen von Sportlehrpersonen zu erhalten, wurden insgesamt 34 motivationsfördernde Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensweisen erstellt. Die Verhaltensweisen und Persönlichkeitsmerkmale der Sportlehrkräfte mussten die Befragten im Hinblick auf die Auswirkungen auf ihre Motivation mittels einer sechsteiligen Likert-Skala (1 trifft gar nicht zu bis 6 trifft eindeutig zu ) anführen. In Tabelle 1 sind die fünf am stärksten gewichteten Persönlichkeitsmerkmale und Kompetenzen angeführt. Dem befragten Untersuchungskollektiv erscheint es besonders wichtig, dass ihre Sportlehrkräfte die Sportartenwünsche der Lernenden im Sportunterricht berücksichtigen, dass es keine Bevorzugungen gibt, dass sie hohes Fachwissen besitzen, Toleranz und Verständnis für Wünsche und Anliegen der Schülerinnen und Schüler aufbringen und angemessenes Lob aussprechen. Als eher unwichtig empfinden die Befragten im Hinblick auf ihre Motivation, dass Sportlehrkräfte außerunterrichtliche Wettkämpfe und Schulsportveranstaltungen organisieren, regelmäßige Leistungstests für eine objektive Benotung durchführen und streng benoten (Tab. 2). In Tabelle 3 lässt sich ablesen, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensweisen der Sportlehrkräfte geschlechtsspezifisch unterschiedlich beurteilt werden. So stellt beispielsweise Ängste der Lernenden wahrnehmen, für Schülerinnen ein signifikant wichtigeres Lehrermerkmal dar, als für ihre männlichen Klassenkameraden. Hingegen wird die Motivation und Begeisterung im Sportunterricht bei Schülern gegenüber Schülerinnen signifikant stärker gefördert, wenn ihre Sportlehrpersonen Wettkämpfe ermöglichen. Sportliche und unsportliche Schülerinnen und Schüler bewerten einige Merkmale von Sportlehrpersonen signifikant unterschiedlich (Tabelle 4). So sind beispielsweise für die sportlichen Schülerinnen und Schüler die Merkmale Leistung, Strenge Benotung und Aufforderung zur Anstrengung wichtigere Bereiche als für das unsportliche Vergleichskollektiv. Die Merkmale Geduld, Toleranz und Konfliktlösung weisen hingegen bei den unsportlicheren Schülerinnen und Schülern eine höhere Zustimmung auf. Zusammenfassung und Ausblick In der vorliegenden Untersuchung wurden motivationsfördernde Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensweisen von Sportlehrkräften durch Schülerinnen und Schüler der 12./13. Schulstufe sowie Studierenden niedriger Semester bewegung und sport

5 Tab. 1: Die fünf am stärksten gewichteten Persönlichkeitsmerkmale und Kompetenzen von Sportlehrperson für die Motivation der Schülerinnen und Schüler (=arithmetisches Mittel; =Standard Abweichung) Sportartenwünsche berücksichtigen 5,3 ± 1,2 5,6 ± 0,9 5,5 ± 1 keine SchülerInnen bevorzugen 5,1 ± 1,5 5,5 ± 1 5,4 ± 1,1 sich auskennen im Bereich des Sports und Trainings 5,3 ± 0,7 5,5 ± 0,8 5,4 ± 0,8 angemessen loben 5,1 ± 1,1 5,4 ± 0,9 5,3 ± 1 Toleranz und Verständnis für Wünsche und Anliegen aufbringen 5,1 ± 1,2 5,4 ± 0,8 5,3 ± 0,9 Tab. 2: Weniger wichtige Persönlichkeitsmerkmale und Kompetenzen von Sportlehrpersonen für die Motivation der Schülerinnen und Schüler (=arithmetisches Mittel; =Standard Abweichung) außerunterrichtliche Sportveranstaltung organisieren 3,9 ± 1,9 3,6 ± 1,5 3,7 ± 1,6 regelmäßige Leistungstests 3 ± 1,7 2,7 ± 1,4 2,8 ± 1,5 strenge Benotung 2,6 ± 1,5 2,2 ± 1,2 2,3 ± 1,3 Tab. 3: Geschlechtsspezifische Bewertung von Merkmalen und Kompetenzen von Sportlehrpersonen im Hinblick auf Schülermotivation (=arithmetisches Mittel; =Standard Abweichung; Signifikanz=p-Werte) Ängste wahrnehmen und mildern 4 ± 1,7 5,2 ± 1 0,000 Übungen und Spiele gut beherrschen 5 ± 0,9 5,4 ± 0,7 0,019 Wettkämpfe ermöglichen 4,5 ± 1,4 3,9 ± 1,5 0,023 Tab. 4: Bewertung von Merkmalen und Kompetenzen von Sportlehrpersonen durch sportliche und unsportliche Schülerinnen und Schüler im Hinblick auf Motivation (=arithmetisches Mittel; =Standard Abweichung; Signifikanz=p-Werte) Signifikanz Signifikanz Geduld haben 5,1 ± 0,9 5,6 ± 0,7 0,003 Wert auf gute Leistungen legen 4,4 ± 1,3 3,6 ± 1,5 0,006 Witze und Spaß machen 5 ± 1,1 5,5 ± 1 0,008 strenge Benotung 2,5 ± 1,3 1,9 ± 1,2 0,009 Toleranz und Verständnis für Wünsche 5,2 ± 1 5,6 ± 0,6 0,010 auffordern zu Anstrengung 4,1 ± 1,2 3,6 ± 1,1 0,013 offenes Ohr für persönliche Probleme haben 3,9 ± 1,5 4,6 ± 1,4 0,015 Talente fördern 4,2 ± 1,6 3,7 ± 1,4 0,024 Konflikte lösen 4,6 ± 1,2 5,1 ± 1,2 0,026 Sportunterricht als Training 4,3 ± 1,4 3,7 ± 1,7 0,048 im Hinblick auf ihre Motivation erhoben. Die Kenntnis der Persönlichkeitsmerkmale und Kompetenzen motivierender Sportlehrpersonen ist für diese selbst und für ihre Ausbildung von besonderer Bedeutung. Für die Lehrenden selbst bietet die Kenntnis motivierender Persönlichkeitszüge eine gute Möglichkeit, sich selbst wie in einem Spiegel zu prüfen. Eigenheiten, die einer erfolgreichen beruflichen Arbeit und damit der eigenen Berufszufriedenheit abträglich sind, können so bewusst reflektiert und bis zu einem gewissen Grad verändert werden. Andererseits können wünschenswerte Verhaltensweisen, die im Vergleich mangelhaft ausgeprägt sind, bewusst gefördert werden. Der soziale Umgang mit den Schülerinnen und Schülern sowie die Fachkompetenz treten als entscheidende Merkmale hervor, wohingegen strenge, leistungsbetonte Sportlehrpersonen bei einem Großteil der Schülerinnen und Schüler eher auf Ablehnung stoßen. Was die einzelnen Merkmale betrifft, so fällt generell auf, dass es vor allem das Berücksichtigen der Sportartenwünsche der Schülerinnen und Schüler im Sportunterricht ist, das den Lernenden durchgängig am motivationsförderndsten erscheint. Des Weiteren ist es für die Befragten nicht nur wichtig, in die Planung des Sportunterrichts miteinbezogen zu werden, der Sportunterricht sollte auch abwechslungsreich sein und eine große Anzahl an Sportarten aufweisen. Der Wunsch nach Abwechslung und Vielfalt im Sportunterricht wird auch in anderen Schulsportstudien explizit gefordert (Messing, 1980; Bräutigam, 1999; Geist, 2000). Der Wunsch einer verständnisvollen, empathischen und gerechten Lehrperson ist dicht gefolgt vom Wunsch, dass die Sportlehrperson fachkompetent ist. Dies drückt sich darin aus, dass sie über Wissen im Bereich des Trainings und Sports verfügt und die Übungen selbst gut beherrscht. Sportlehrpersonen sollen somit sportlich sein, was auf persönlicher und emotionaler Ebene bedeutet, dass sie authentisch sind. Bei Untersuchungen von Messing (1980) und Voll (2006) wird die Sportlichkeit explizit als Wunschmerkmal von Schülern angeführt. Für viele Schülerinnen und Schüler drückt sich Kom 22 bewegung und sport

6 petenz auch dadurch aus, dass ihre Sportlehrpersonen selbst vormachen und demonstrieren (Bräutigam 1999). Die Untersuchung bestätigt die Notwendigkeit von sozial-emotionalen Persönlichkeitsmerkmalen und Kompetenzen von Sportlehrkräften für einen motivierenden Sportunterricht. Nicht vergessen werden darf, dass sich diese Kompetenzen auch auf die Unterrichtsplanung, den Führungsstil, die pädagogische Orientierung und die Haltung der Lehrpersonen gegenüber den Schülerinnen und Schülern auswirken. Neue Curriculums-Entwürfe für das Lehramtsstudium Bewegung und Sport sollten lern- und motivationspsychologische Themenbereiche vertiefend in Form von Theorie- und Praxiseinheiten anbieten. Darüber hinaus sollte eine gleichzeitige Persönlichkeitsentwicklung und -bildung angehender Sportlehrkräfte ermöglicht werden. Literatur Bräutigam, M. (1999). So schlecht ist er auch wieder nicht! Erste Zugänge auf die Frage nach dem schlechten Sportlehrer aus Schülersicht. Sportunterricht (48) 3, Bräutigam, M. (2003). Sach- und Selbstkompetenz in der Sportlehrerausbildung (Se-Se-Ko) Fragmente eines Entwurfs einer begrifflich-konzeptionellen Fundierung und Orientierung (unveröffentlichtes Manuskript). Dortmund: Institut für Sport und Didaktik. Deutscher Sportbund (DSB) (2006). DSB-Sprint-Studie. Eine Untersuchung zur Situation des Schulsports in Deutschland. Aachen: Meyer & Meyer. Frey, A. (2004). Die Kompetenzstruktur von Studierenden des Lehrerberufs. Eine internationale Studie. Zeitschrift für Pädagogik (50), Geist, S. (2000). Sportlehrer im Spiegel ihrer Schüler. Sportpädagogik 6, Helmke, A. (2009). Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität. Diagnose, Evaluation und Verbesserung des Unterrichts. 2. Aufl., Seelze: Kallmeyer. Krautz, J. & Schieren, J. (2013). Persönlichkeit und Beziehung als Grundlagen der Pädagogik. Beiträge zur Pädagogik der Person. Weinheim: Beltz Juventa. Mayr, J. (2011). Der Persönlichkeitsansatz in der Lehrerforschung. Konzepte, Befunde und Folgerungen. In E. Terhart, H. Bennewitz & M. Rothland (Hrsg.), Handbuch der Forschung zum Lehrerberuf. (S ). Münster: Waxmann. Mayr, J. & Neuweg, H. (2006). Der Persönlichkeitsansatz in der Lehrer/innen/forschung. Grundsätzliche Überlegungen, exemplarische Befunde und Implikationen für die Lehrer/innen/bildung. In M. Heinrich & U. Greiner (Hrsg.), Schauen, was rauskommt. Kompetenzförderung, Evaluation und Systemsteuerung im Bildungswesen. (S ). Bern: LIT. Messing, M. (1980). Der gute und schlechte Sportlehrer aus Schülersicht. Berlin: Bertels & Wernitz KG,. Mienert, M. & Pitcher, S. (2011). Pädagogische Psychologie. Theorie und Praxis des Lebenslangen Lernens. Wiesbaden: VS. Miethling, W. (1977). Lehrer- und Schülerverhalten im Sportunterricht. Analysen und Innovationen für Schüler, Lehrer, Studenten. Bad Homburg: Limpert. Miethling, W. & Gieß-Stüber, P. (2007). Beruf: Sportlehrer/in. Über Persönlichkeit, Kompetenzen und Professionelles Selbst von Sportund Bewegungslehrern. Basiswissen Didaktik des Bewegungs- und Sportunterricht, Bd. 6. Hohengehren: Schneider Baltmannsweiler. Opper, E. (1996). Erleben Mädchen den Schulsport anders als Jungen? Sportunterricht (45), Roth, G. (2011). Bildung braucht Persönlichkeit. Wie Lernen gelingt. 4. Aufl., Stuttgart: Klett-Cotta. Senn, V. (2014). Bewegende Persönlichkeit Persönlichkeitsmerkmale und Kompetenzen von SportlehrerInnen und deren Einfluss auf die Motivation der SchülerInnen. Unveröffent. Diplomarbeit: Universität Innsbruck. Söll, W. & Kern, U. (2005). Alltagsprobleme des Sportunterrichts. 2. Aufl. Schorndorf: Hofmann. Voll, S. (2006). Welche Kompetenzen benötigt der Sportlehrer? Gegenwärtige Schülererwartungen an den Sportlehrer. In A. Thiel, H. Meier & H. Digel (Hrsg.), Der Sportlehrerberuf im Wandel. Jahrestagung der dvs-sektion Sportsoziologie in Zusammenarbeit mit den Sektionen Sportpädagogik und Sportgeschichte vom November 2005 in Tübingen. Hamburg: Czwalina. Wisniewski. B. (2013). Psychologie für die Lehrerbildung. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt. Wydra, G. (2000). Beliebtheit und Akzeptanz des Sportunterrichts. Eine empirische Erhebung zur Situation des Schulsports im Saarland. Sportwissenschaftliches Institut der Universität des Saarlandes. Saarbrücken. Zugriff am 5. Oktober 2014 Zu den Autoren: Mag. Verena Senn 1, em. Univ.Prof. Dr. Elmar Kornexl 1, PD Dr. Klaus Greier 1,2 1 Institut für Sportwissenschaft der Universität Innsbruck 2 Private Pädagogische Hochschule in Stams (KPH-ES) Korrespondierende Autorin Impressum Bewegung & Sport, 71. Jahrgang, 2017 (früher: Bewegungserziehung), Zeitschrift für Ausund Fortbildung in Kindergärten, Schulen und Vereinen (ISS ) Herausgeber und Verleger: Verlagsbuchhandlung Brüder Hollinek & Co GesmbH Luisenstraße 20, A-3002 Purkersdorf. 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Dr. Johannes Uhlig (Wien), Dr. Clemens Drenowatz (Feldkirch) Schriftleitung dieser Ausgabe: Klaus Greier Hersteller: Verlagsbuchhandlung Brüder Hollinek & Co GesmbH Satz: DI (FH) Elise Madl Druck: Druckerei Bösmüller, Josef-Sandhofer-Straße 3, 2000 Stockerau Bezugspreise: Jahresabonnement (5 Ausgaben): Euro 37, ; Studenten Euro 21, (nur mit gültiger Inskriptionsbestätigung). Die Bezugsdauer verlängert sich um jeweils ein Jahr, wenn nicht bis spätestens 15. Novem ber des Jahres für das Folgejahr gekündigt wird. Einzelheft: Euro 7,90; Preise inkl. 10 % Mwst. zuzügl. Porto. Anzeigenannahme: durch den Verlag Copyright: Alle Beiträge sind urheberrechtlich geschützt, Rechte vorbehalten. Nachdruck nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion und des Verlages mit vollständiger Quellenangabe. bewegung und sport