echo Nr 24 Wie gehen Sie mit Ihrem Personal Branding um?

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1 echo Die Zeitung der kaufmännischen Praxisfirmen Wie gehen Sie mit Ihrem Personal Branding um? Nr 24 Dezember 2015 helvartis.ch Mentoring zwischen Studierenden und Schülern 3 Personal Branding 4 Boreout Wenn das Nichtstun krank macht 6 Tipps und Tricks, Kalendar 8

2 E D I T O R I A L SELBSTBILD: SEIN ODER SCHEIN? Anhand zweier unterschiedlicher Themen richten wir in dieser Ausgabe unser Hauptaugenmerk auf die Bedeutung unseres Selbstbildes: Das Simulieren von Arbeitsüberlastung, um Untätigkeit zu vertuschen (Langeweile am Arbeitsplatz, S. 6-7) und das Herausarbeiten des Selbstbildes im Internet, um hip zu sein (Personal Branding, S. 4-5). Durch die Gesellschaft werden uns immer mehr Anforderungen aufgedrängt, die oftmals von uns selbst eine gewisse Inszenierung verlangen. Die sozialen Medien ermöglichen es uns beliebig zu präsentieren, was wir mit anderen teilen möchten. In dieser digitalen, permissiven Welt darf sich jeder online plakatieren, manchmal mit mehr oder weniger Fingerspitzengefühl Dabei wird öfter übersehen, dass das Internet ein offener Schauplatz ist, wo wir nicht mehr Herr über die Nutzung unserer geposteten Informationen sind. Parallel dazu ist bei einer Stellensuche der Selbstauftritt im Internet fast unabdingbar. Dennoch ist die Online-Sichtbarkeit alleine nicht genug denn konsistent zu kommunizieren, ist eine Kunst. Der ausschlaggebende Punkt ist dabei, sich laufend über Best Practices zu informieren und sich darüber im Klaren zu sein, welche persönliche Informationen im Netz von Nutzen sein könnten. Nichts im Internet gerät in Vergessenheit. Demnach liegt es an uns, unsere Persönlichkeitsmerkmale, die uns wirklich ausmachen, zu definieren und so zu veröffentlichen, dass wir uns anderen gegenüber bedenkenlos positionieren können. Wir wünschen Ihnen eine informative Lektüre! VÂNIA GONÇALVES Verantwortliche für den Marketing- & Kommunikationsbereich bei Helvartis Téléjournal, RTS1, v , 19h30 / P E R S P E K T I V E N MENTORING ZWISCHEN STUDIERENDEN UND SCHÜLERN Das Konzept Rock your life! 1 baut eine Brücke zwischen Schülern und Studierenden und bietet Jugendlichen unentgeltlich fachliche Unterstützung in allen Bereichen des Lebens Das angelsächsische Konzept Rock your life! (RYL) wurde 2014 in die Schweiz eingeführt. Nina Haldimann, verantwortlich für Mentoring/ Kommunikation bei RYL, stellt in einem Interview des Telejournals RTS1 2 dieses Projekt wie folgt dar: Das Prinzip ist einfach. Studierende (Mentoren) werden durch Seminare, Veranstaltungen, usw. von RYL speziell ausgebildet. Diese Mentoren engagieren sich ehrenamtlich Jugendliche (Mentees), meistens aus einem sozial schwachen Milieu, während der letzten 2 Jahre ihrer obligatorischen Schulzeit zu unterstützen, sei es bei den Schulaufgaben, der Berufswahl, der Suche einer Lehrstelle, im Privatleben, in der Freizeit. Das Potential der Schüler entwickeln Die Schüler sollen eine passende Anschlusslösung nach der Schule wählen und einen nahtlosen Übergang von der Schule in den Beruf schaffen. Mentor und Mentee treffen sich regelmässig jede Woche beziehungsweise alle 2 Wochen. Dabei soll das Potential der Schüler entfaltet, Fähigkeiten gestärkt und Perspektiven erweitert werden, so RYL. Laut Nina Haldimann wird die Unterstützung dringend benötigt, wenn die Eltern selber nicht unterstützen können, sie das Lehrsystem, -angebot nicht kennen oder wenn sie die hiesige Sprache nicht beherrschen. Die Studierenden stehen den Jugendlichen beratend zur Seite und setzen ihre praktischen Fähigkeiten um, beziehungsweise erfahren eine neue Erfahrung zusätzlich zur Theorie an der Universität. So entwickeln sie auch wertvolle soziale Kompetenzen für den eigenen Einstieg ins Berufsleben weiter. Was RYL vorhat RYL möchte schweizweit tätig werden und möglichst viele Schüler und Studierende ansprechen so entsteht eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Laut RYL blüht das Konzept seit dessen Implementierung auf: Das junge Unternehmen blickt bereits auf die Zusammenführung von über Coaching-Beziehungen zwischen Mentoren und Mentees zurück und hat diverse Preise für das Konzept gewonnen wurde das Angebot in Bern, Zürich & St. Gallen und 2015 in Freiburg & Winterthur vorgestellt Teams in Basel und Chur sind im Aufbau. Das Projekt wird voraussichtlich 2016 auch in der Romandie eingeführt. BRIGITTE PIEL

3 I M F O K U S PRÄSENZ IM INTERNET: WIE GEHEN SIE MIT IHREM PERSONAL BRANDING UM? 4 5 Die Eigenmarke effizient gestalten Die Persönlichkeitsmerkmale, die uns ausmachen, helfen uns unser Personal Branding im Internet oder im realen Leben aufzubauen und zu pflegen. Die folgenden grundlegenden Fragen müssten vorab, bevor Sie im Internet auftreten, geklärt werden Wenn diese Anhaltspunkte definiert sind, können Sie dann Ihr Netzwerk aufbauen, angemessene und individuell zugeschnittene Textinhalte gestalten und Ihre persönlichen Informationen präsentieren. 1. Wer sind Sie? 2. Was sind Ihre Stärken? 3. Wie werden Sie wahrgenommen? 4. Was wollen Sie erreichen? 5. Welche Persönlichkeitsmerkmale möchten Sie hervorheben? Die Ratschläge einer Web-Spezialistin Die Imagepflege im Internet erfordert viel Arbeit und einen angemessenen Reflexionsprozess hinsichtlich Ihrer Tätigkeit und Persönlichkeit. Der Aufbau der Eigenmarke soll einer klar definierten Zielsetzung entsprechen. Die sozialen Netzwerke bieten uns einen wunderbaren Raum für die freie Meinungsäusserung sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich. Dennoch kommunizieren wir im Internet konsistent genug? Sind wir uns über die Wirkung unserer geposteten Informationen im Klaren? Wir können nunmehr alles Mögliche mit anderen teilen: Anekdoten aus unserem Alltag, Fotos, Videos, Musik, Berufserfahrungen oder Reiseberichte. Über 350 soziale Netzwerke sind in sämtlichen Kategorien verfügbar! Die digitale Welt ist in vollem Gange nur wenige Leute haben noch kein Web-Account. 30% der Unternehmen nutzen beim Rekrutierungsverfahren die sozialen Medien. Dabei ist der richtige Umgang mit der Eigenmarke oder dem Personal Branding besonders wichtig, da jede von uns gepostete Information zurückverfolgt werden kann. Wenn ein potentieller Arbeitgeber Ihren Namen in eine Suchmaschine eingibt, achten Sie darauf, dass das Eigenbild authentisch & glaubwürdig ist und Sie nicht verrät. Mélina Neuhaus, Mitgründerin und Leiterin des PR/Kommunikationsbereichs der Agentur Elitia in Rolle (VD) gibt uns einige Ratschläge über die Kunst in eigenem Namen online konsistent zu kommunizieren. Ein Unternehmer ist beispielsweise der beste Botschafter seiner Firma parallel zur Firmenkommunikation entwickelt er sein Netzwerk, spricht ein breiteres Zielpublikum gezielt an und steigert somit sein eigenes Bekanntheitsgrad und die Vermarktungschancen der Firmenprodukte. In diesem Fall geht es darum das Firmenimage nach Aussen zu transportieren und öffentlich bekannt zu werden dies zeichnet das Personal Branding oder die Eigenmarke aus. Wenn Ihre Online-Kommunikation effizient gestaltet und Ihre Persönlichkeit wahrheitsgetreu dargestellt wird, stehen die Erfolgschancen ausgezeichnet. Bleiben Sie stets positiv bei Ihrer Online-Präsentation, vermeiden Sie Rechtschreibfehler, pflegen Sie Ihren eigenen Schreibstil und posten Sie regelmässig Ihre Informationen. So bauen Sie nach und nach Ihre eigene Online- Präsenz auf. Die Kommunikation im eigenen Namen verantworten und kontrollieren Durch das Präsentieren von persönlichen Informationen in Blogs oder in eigenen Web-Accounts entscheiden Sie sich dazu den Zugang zu ihrer Privatsphäre zu gewähren, Ihre persönliche Meinung zu äussern und somit Ihr Privatleben bewusst in den Fokus zu rücken. Daher ist es umso wichtiger vorab zu definieren, was Sie genau mit anderen teilen möchten oder was Sie vermeiden sollten wie zum Beispiel das Posten von Fotos Ihrer Kinder oder von Meinungsäusserungen, welche für Gesprächsstoff sorgen könnten. Zum Aufbau Ihres Netzwerkes zeigen Sie auch grosses Interesse für die angesprochene Zielgruppe, interagieren Sie mit ihr und entwickeln Sie Ihren Sympathiebonus. INTERVIEW DURCH VÂNIA GONÇALVES

4 G E S E L L S C H A F T BOREOUT WENN DAS NICHTSTUN KRANK MACHT Für die Untätigkeit entlöhnt zu werden Diese Situation mag für manche Arbeitnehmer beneidenswert sein wenn der Traum aber zum Alptraum wird Das Erschöpfungssyndrom durch Überbeanspruchung (Burnout) wird als Berufskrankheit des Jahrhunderts bezeichnet. Können wir uns da überhaupt vorstellen, dass Langeweile am Arbeitsplatz problematisch wird? Das Boreout, durch Gefühle der Nutzlosigkeit und Mangel an geistiger Anregung, wird noch teilweise tabuisiert, führt dennoch, wie bei der Überforderung, zu ähnlichem Leidensdruck. 7 Quelle: Mehr als eine vorübergehend schwache Auslastung Jeder von uns kann im Job irgendwann mal vorübergehend unterfordert sein. Wenn Fehlbeanspruchung aber zum Dauerzustand wird, kann Unwohlsein entstehen. Das berufliche Erschöpfungssyndrom wurde 2007 durch zwei Schweizer Unternehmensberater, Philippe Rothlin und Peter Werder, in ihrem Buch Diagnose Boreout beschrieben. Boreout durch Langeweile wird erst jetzt durch Arbeitsmediziner ernst genommen. Dieses Syndrom trifft vor allem Berufe im tertiären Bereich oder solche mit anspruchslosen und monotonen Arbeitsvorgängen. Die Folgen des Syndroms sind vielfältig: Angstzustände, starke Müdigkeit, Verlust an Selbstwertgefühl. Für die Untätigkeit entlöhnt zu werden, löst bei den Betroffenen häufig Scham- und Schuldgefühle aus. Diese Personen wenden Strategien an, um die Inaktivität zu vertuschen, um den Job nicht zu verlieren, anstatt darüber zu reden. Sich neue Perspektiven schaffen Ein Gespräch mit dem Vorgesetzten oder der Personalabteilung kann auch manches bewegen durch Weiterbildung oder Unterstützung der überbelasteten Kollegen kann man seine eigenen Kompetenzen aufbauen und erweitern. Falls dies nicht realisierbar ist oder die Erfolgserlebnisse ausbleiben, ist die berufliche Neuorientierung auch eine Lösung. So kann die berufliche Zukunft konstruktiv und konkret in Angriff genommen werden. Durch den Abgang eines Mitarbeitenden wird das Leitungspersonal die Stellenbeschreibung möglicherweise entsprechend überdenken und effizienter gestalten müssen. Die Rolle des Unternehmens Die Bedürfnispyramide von Maslow Selbstverwirklichung Individualbedürfnisse Soziale Bedürfnisse Sicherheitsbedürfnisse Physiologische Grundbedürfnisse Um der Langeweile am Arbeitsplatz entgegenzuwirken, sind an erster Stelle die Arbeitgeber gefragt. Ein gut formuliertes Jobprofil müsste vorab erstellt werden, um die Einstellung einer überqualifizierten Person, und somit die Unterforderung zu vermeiden. Andere Ansatzmöglichkeiten sind regelmässige Mitarbeitergespräche und die Förderung der internen Mobilität, das Mitarbeiterpotential durch anspruchsvollere Aufgaben weiterentwickeln und sich neue Kompetenzen aneignen, beziehungsweise neue Verantwortungsbereiche übernehmen. Bei der Arbeit nichts zu tun zu haben ; davon können nur überlastete Mitarbeiter träumen oder Personen, welche die Berufstätigkeit nicht als Teil der Persönlichkeitsentwicklung betrachten. Tagaus, tagein ist die Untätigkeit vielleicht noch anfangs zumutbar, dann entsteht aber Lustlosigkeit. Demzufolge steht der Mensch an einem Wendepunkt tun, was er seit Anbeginn der Zeit immer gerne getan hat: Erfinderisch & kreativ sein, Projekte entwerfen. Arbeitsbedingungen in der Schweiz Gemäss 2010 der letzten europäischen Erhebung über die Arbeitsbedingungen durch das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) haben 73% der Schweizer folgende Frage wie folgt beantwortet : Die Firma motiviert mich, meine beste Arbeitsleistung zu erbringen. Das Resultat in der Schweiz liegt eher gut im Vergleich zum EU-Durchschnitt : 62%. 27 % der Erwerbstätigen in der Schweiz beurteilen die Arbeit als positiver Effekt auf die Gesundheit. 11 % der Berufstätigen haben dennoch an Depressionen oder Angstgefühlen durch ihre Arbeit gelitten. Die Stichprobe bestand 2010 aus Mitarbeitenden aus der Deutschschweiz, Romandie und dem Tessin und ist repräsentativ für die gesamte Erwerbsbevölkerung. (SECO) VÂNIA GONÇALVES

5 T I P P S U N D T R I C K S LOKALES AUSTAUSCHSYSTEM (LETS) Sich einem lokalen Austauschsystem anschliessen, um mit Menschen verknüpft zu werden 8 KALENDER Das, LETS, L ocal E xchange Trading System, ist eine Non- Profit-Organisation. Diese baut ein Austausch-, Freundschafts- und Solidaritätsnetzwerk in einem Stadtviertel, einer Stadt oder einer Region auf. Das erste LETSystem wurde in den 80er Jahren in Kanada, 1993/1994 in der Schweiz und beispielsweise 2000 in Zürich ins Leben gerufen. Seitdem wurden zahlreiche Tauschkreise, jeweils durch lokale Gegebenheiten geprägt, schweizweit aufgebaut. Ziel ist es, die Nachbarschaftshilfe, Freundschaft und Solidarität zu fördern, Tauschgeschäfte auszuhandeln, Waren & Dienstleistungen auszutauschen und die Kompetenzen sämtlicher Mitglieder aufzuwerten. Das Austauschsystem ist offen für alle: Junge, Alte, Pensionierte, Hausfrauen, Erwerbstätige, Personen mit Beeinträchtigung, Arbeitssuchende, usw. und in allen Bereichen: Landwirtschaft, Handwerk, Haushalt, Gartenarbeit, Nahverkehr, Kunst, Kultur, usw. Jede Person kann mitmachen, da diese Leistungen unentgeltlich sind. Diese erfolgen beispielsweise durch eine Zeitabrechnung dies wird durch das jeweilige LETS-Komitee festgelegt. Beim LETSystem können Sie sich zum Beispiel ein Werkzeug leihen, Gitarrenunterricht bekommen, einem anderen Mitglied beim Umzug helfen, babysitten oder einen Aperitif vorbereiten... Das LETS ist nach dem Bedarfsprinzip aufgebaut jeder kann sein Glück finden und neue Menschen kennen lernen. Die Teilnahme an einem LETS ist für jeden eine Bereicherung. Auf folgender Webseite finden Sie hiesige LETS-Adressen: März Mai Februar 2016 Frühlingsseminar in Magglingen Swissmeet Internationale Messe der kaufmännischen Praxisfirmen in Luzern Seminar für die Projektträger Zürich Impressum Verlag Helvartis Chefredakteurin Vânia Gonçalves Übersetzung Brigitte Piel, Reto Ruetsch Logistik Marie-Claire Gigon Layout Kevin Udry Druck IDM 444 Erscheinungsweise quartalsweise Helvartis ist der Stiftung für Berufsbildung kaufmännischer Verband La Chaux-de-Fonds Neuchâtel angegliedert.