Warme Flächen warme Kante Isolierglas mit thermisch verbessertem Randverbund

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1 ECKELT I Randverbund Warm Edge I Seite 1 Warme Flächen warme Kante Isolierglas mit thermisch verbessertem Randverbund Mit dem Übergang von der Wärmeschutzverordnung zur Energieeinsparverordnung (EnEV) ändern sich nicht nur die baurechtlichen Anforderungen. Mindestens ebenso nachhaltig wirkt der gleichzeitige Übergang von bekannten nationalen Normen zu den neuen und meist komplexeren europäischen Regeln. Hier genügt es nicht, das Symbol "k" bzw. die Bezeichnung "k-wert" einfach durch den neuen Buchstaben "U" zu ersetzen und nun vom U-Wert zu sprechen. In aller Regel bedeutet dieser Wechsel der Grundlagen zudem eine indirekte Verschärfung der Anforderungen. Eine der wichtigsten Neuerungen der EnEV betrifft den Umgang mit Wärmebrücken: Während die alte Norm DIN 4108 Wärmebrücken noch weitgehend ignorierte, werden in der neuen Ausgabe "Mindestanforderungen im Bereich von Wärmebrücken" gestellt und auch die EnEV verlangt ausdrücklich die Berücksichtigung von Wärmebrücken. Was ist eine Wärmebrücke? Als Wärmebrücken werden Schwachstellen in der Außenhülle eines Gebäudes bezeichnet. Sie führen zu einem erhöhten Wärmeverlust und/oder zu geringen Oberflächentemperaturen auf der Raumseite und damit zur Gefahr der Bildung von Tauwasser und Schimmelpilzen. Beide Wirkungen werden in der Grundlagennorm EN mit Hilfe neuer Kennzahlen beschrieben: der Wärmeverlust durch den linearen Wärmedurchgangskoeffizienten ψ (Psi-Wert), die Tauwassergefahr durch den dimensionslosen Temperaturfaktor f.

2 ECKELT I Randverbund Warm Edge I Seite 2 Prinzipiell können diese Kennzahlen im Labor experimentell bestimmt werden. Einfacher (man benötigt keinen Probekörper) ist allerdings die rechnerische Ermittlung durch eine mehrdimensionale Wärmestromberechnung. Diese auch als Isothermenberechnung" bezeichnete Methode wird heute im allgemeinen verwendet, hierzu sind spezielle Programme am Markt verfügbar. Folgen für Fenster Die Wärmedämmung von Fenstern und Fassaden konnte in den letzten Jahren ganz wesentlich verbessert werden. Hoch wärmedämmende Beschichtungen und Gasfüllungen im Isolierglas bedeuten einen technologischen Quantensprung. Auch die Rahmenkonstruktionen wurden thermisch wesentlich verbessert. Mit dieser Entwicklung erfährt nun zwangsläufig auch der Einbau des Glases in den Rahmen und der Isolierglasrandverbund verstärkt Beachtung. Die thermographischen Aufnahmen (siehe Bilder 1 und 2) einer Fassade zeigen deutlich als Schwachstelle seitheriger Fenster den Übergang vom Glas zur Rahmenkonstruktion. Diese fensterimmanente Wärmebrücke wird zukünftig durch den linearen Wärmedurchgangskoeffizienten ψ fg oder kurz den ψ- Wert charakterisiert und in die Berechnung für den U-Wert des Fensters mit einbezogen. In neuer europäischer Schreibweise nach EN ISO wird der Wärmedurchgangskoeffizient eines Fensters aus den U- Werten für Glas und Rahmen mit den entsprechenden Flächen und eben dem ψ-wert mit dem Glasumfang berechnet wie folgt: U = A g U g A f U f +l fg Ψ fg w A g +A f

3 ECKELT I Randverbund Warm Edge I Seite 3 U w A g U g A f U f l fg ψ fg Wärmedurchgangskoeffizient des Fensters in W/(m²K)(Index w für window) Glasfläche in m² (Index g für glass) Wärmedurchgangskoeffizient des Glases in W/(m²K) Rahmenfläche in m² (Index f für frame) Wärmedurchgangskoeffizient des Rahmens in W/(m²K) Umfang des sichtbaren Glasrandes in m (Index fg für frame-glass) linearer Wärmedurchgangskoeffizient in W/(mK) Beispiel: Fenster 1,23 m x 1,48 m;gesamtfläche 1,82 m² Rahmen mit Uf = 1,4 W/(m²K) und Glas mit Ug =1,1 W/(m²K) Rahmenbreite 0,11 m; folglich Glas 1,01 m x 1,26 m mit Fläche 1,27 m² und Umfang 4,54 m ψ-wert 0,08 W(/mK) (üblicher Glaseinbau und Randverbund mit Aluminium-Abstandhalter) Berechnung nach DIN 4108:1981 1,27 m². 1,1 W / m².k + 0,55 m². 1,4 W / m².k k F = = 1,82 m² = (0,77+0,42) W / m².k = 1,2 W / m².k Berechnung nach DIN EN ISO :2001 1,27 m². 1,1 W / m².k + 0,55 m². 1,4 W / m².k + 4,54 m. 0,08 W / mk U W = = 1,82 m² = (0,77 + 0,42 + 0,20) W / m².k = 1,4 W / m².k Die Berücksichtigung der Wärmebrücke im Übergang vom Glas zum Rahmen mit Hilfe des ψ-wertes erhöht den berechneten Wärmedurchgangskoeffizienten eines Fensters mit konventionellem Isolierglasrandverbund (Abstandhalter aus

4 ECKELT I Randverbund Warm Edge I Seite 4 Aluminium) um 0,2 W/m²K von 1,2 W/m²K auf 1,4 W/m²K. Dieser Effekt wird allerdings erst bei Fenstern mit gut wärmedämmender Rahmenkonstruktion und mit Wärmedämmglas deutlich. Alte Fenster, wie vor 1990 üblicherweise eingebaut, sind so schlecht, dass der schwache Rand nicht weiter auffällt (Bild 2). Die warme Kante ( warm edge ) Die Isothermenberechnungen zeigen, dass konventionelle Abstandhalter (z.b. aus Aluminium) eine wesentliche Ursache für die Wärmebrücke am Übergang vom Glas zum Rahmen sind. Alternativen sind einfach gedacht aber schwer zu realisieren, muss doch jeder Randverbund mechanisch stabil sein und dauerhaft die Anforderungen der Norm an Isoliergläser (Wasserdampf- und Gasdiffusion) erfüllen. Trotzdem sind heute thermisch verbesserte Randverbundsysteme verfügbar, welche den Wärmefluss am Übergang zwischen Glas und Rahmen deutlich verringern und die Oberflächentemperaturen auf der Innenseite zugleich anheben. Beispiel: Fenster 1,23 m x 1,48 m; Gesamtfläche 1,82 m² Rahmen mit U f = 1,4 W/(m²K) und Glas mit U g =1,1 W/(m²K) Rahmenbreite 0,11 m; folglich Glas 1,01 m x 1,26 m mit Fläche 1,27 m² und Umfang 4,54 m ψ-wert 0,04 W/(mK) (thermisch verbesserter Randverbund) 1,27 m². 1,1 W / m².k + 0,55 m². 1,4 W / m².k + 4,54 m. 0,04 W / m.k U W = = 1,82 m² = (0,77 + 0,42 + 0,10) W / m².k = 1,3 W / m².k Mit einem so thermisch verbesserten Randverbund ist die innere Glasoberfläche im Randbereich des Isolierglases wärmer

5 ECKELT I Randverbund Warm Edge I Seite 5 (daher warme Kante ) und somit das Risiko für die Bildung von Tauwasser dort deutlich geringer. Die neue Kennzahl hierfür ist der "f-faktor". In DIN : 2001 wird zur Vermeidung von Schimmelpilz an der Wand ein Mindestwert von 0,70 gefordert. Dieser Wert gilt z.b. für Wärmebrücken im Bereich von Bauanschlüssen, nicht aber für den Übergang vom Glas zur Rahmenkonstruktion in Fenstern, unter anderem weil dieser Bereich für die Bildung von Schimmelpilzen weniger empfindlich ist. Der f-faktor kann aber auch hier zur groben Orientierung dienen. Während ein konventioneller Randverbund mit Abstandhalter aus Aluminium zu einem f- Faktor von ca. 0,50 führt, wird bei Zweifach-Wärmedämmglas mit thermisch verbessertem Randverbund der Wert von 0,70 fast erreicht und bei Dreifach-Wärmedämmglas sogar überschritten. Ein thermisch verbesserter Randverbund mit den Vorteilen weniger Wärmeverlust und höhere Oberflächentemperatur ist heute bei modernen Fenstern und guten Wärmdämmgläsern eine sinnvolle Lösung. Wie gelangt man zum U w -Wert? Die Berechnungen für den Fenster-U-Wert U w sind exakter, aber auch komplizierter geworden, wie man der Tabelle 1 entnehmen kann. Einfach stellt sich die jeweilige Ermittlung der Flächeninhalte A g und A f dar. Hieraus ergibt sich der Umfang des sichtbaren Glasrandes l fg. Der U g -Wert wird wie bisher vom Glaslieferanten deklariert. Der U f -Wert wird durch das verwendete Rahmenprofil vorgegeben. Der längenbezogene Wärmedurchgangskoeffizient ψ fg hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine Darstellung hierzu findet sich in der Infobox. Wichtig ist der Hinweis: Erst nach Kenntnis aller Faktoren (Art des Glasrandverbundes, des Glaseinstandes, des Glases, der Rahmenkonstruktion) kann der ψ fg -Wert für das konkrete Fenster ermittelt werden. Um nach Ermittlung bzw. Erfassung der notwendigen

6 ECKELT I Randverbund Warm Edge I Seite 6 Eingangsgrößen auf einfache Weise zum U w Wert zu gelangen, stellt der Bundesverband Flachglas, Troisdorf, das Programm WinU w zu Verfügung. Dieses Programm kann dort bezogen werden (www.bfflachglasverband.de). Mit dem Programm WinU w sind die Einflüsse von Fensterformat, Glas, Rahmen und Randverbund auf den Fenster-U-Wert schnell zu erkennen. Ferner werden Isothermenverlauf und Oberflächentemperaturen sowie Wärmeströme dargestellt. Basis dieses Programms sind die vorliegenden europäischen Normen und ein umfangreiches Forschungsprojekt des BF, durchgeführt vom ift. Dem Abschlußbericht sind auch die im Programm enthaltenen Beispiele entnommen. Diese Information wurde erstellt vom Arbeitskreis Warme Kante im Bundesverband Flachglas e.v. Literaturhinweis:Forschungsvorhaben ift Tabelle Bezeichnung des Wärmedurchgangskoeffizienten Bauteil derzeit gültig alt Einheit Glas U g (glass) k V (Verglasung) W/(m²K) Rahmen U f (frame) k R (Rahmen) W/(m²K) Glasrand ψ fg (oder kürzer ψ) W/(mK) Fenster U W (window) k F (Fenster) W/(m²K) A g.u g + A f.u f + l fg. Ψ fg UW = A g + A f kf = A v. k V +A R. k R A V + A R

7 ECKELT I Randverbund Warm Edge I Seite 7 INFOBOX Wechselwirkung von Rahmen und Verglasung Der längenbezogene Wärmedurchgangskoeffizient (Ψ-Wert) Der Wärmedurchgangskoeffizient eines Isolierglases beschreibt den Wärmestrom in Scheibenmitte, der Wärmedurchgangskoeffizient eines Rahmens beschreibt den Wärmestrom durch den Rahmen ohne Verglasung. Der längenbezogene Wärmedurchgangskoeffizient (Ψ-Wert) beschreibt den zusätzlichen Wärmestrom, welcher durch das Zusammenwirken von Rahmenprofil und Isolierglasrand, einschließlich des Einflusses der Abstandhalter, verursacht wird. Da die Messung längenbezogener Wärmedurchgangskoeffizienten recht aufwändig ist, bevorzugt man im Allgemeinen die Berechnung mit Programmen zur 2-dimensionalenAnalyse von Wärmeströmen. Hierzu wird der Querschnitt des Rahmenprofils einschließlich Glas und Glasrand detailliert im Rechner abgebildet und der 2-dimensionale thermische Leitwert berechnet. Zieht man hiervon die Leitwerte der Rahmen- und Glasfläche ab, so bleibt der längenbezogener Wärmedurchgangskoeffizienten. Das Verfahren wird in DIN EN ISO exakt beschrieben. Wie bei der Messung ist auch bei der Berechnung die Genauigkeit der Ergebnisse durch unvermeidbare Mess- bzw. Berechnungsfehler begrenzt. Wärmedurchgangskoeffizienten werden daher auf zwei wertanzeigende Ziffern gerundet. Der längenbezogene Wärmedurchgangskoeffizienten (Ψ-Wert) ergibt sich aus einer Differenz von Mess- bzw. Rechenwerten und ist daher besonders sensibel. Nach bisherige Erfahrung liegt der Berechnungsfehler bei ca. 0,005 W/(mK) so dass Unterschiede in dieser Größe nicht signifikant sind.

8 ECKELT I Randverbund Warm Edge I Seite 8 2D Ψ fg = L -U f b f -U g b g hierbei ist Ψ fg der längenbezogene Wärmedurchgangskoeffizient (Ψ-Wert) in W/(m K); 2D LΨ der berechnete 2-dimensionale thermische Leitwert in W/(m K) U f der Wärmedurchgangskoeffizient des Rahmens in W/(m 2 K); U g der Wärmedurchgangskoeffizient des Glases in W/(m 2 K); b f die Ansichtsbreite des Rahmens in m; b g die sichtbare Breite des Glases in m.

9 ECKELT I Randverbund Warm Edge I Seite 9 Fenster mit Wärmeschutzglas und üblichem Glasrand alte Fenster (um 1990)

10 ECKELT I Randverbund Warm Edge I Seite 10 CHROMATECH PLUS Aluminium Holzfenster mit Wärmschutzglas mit thermisch verbessertem Randverbund (warme Kante) Holzfenster mit Wärmeschutzglas üblichem Randverbund mit Alu- Abstandhalter (warme Kante)

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