Predigt zu Markus 1, Januar 2017, 9.30 Uhr, Dorfkirche

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1 Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Veltheim Arnold Steiner Pfarrer Bachtelstrasse Winterthur Tel Predigt zu Markus 1, Januar 2017, 9.30 Uhr, Dorfkirche Liebe Gemeinde, das Markusevangelium beginnt mit diesem Satz: "Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes." - Das steht auch auf dem Spruchband, das der Markuslöwe im Gewölbe vom Chor unserer Dorfkirche trägt: "Initium evangelii Jesu Christi filii Dei." Das ist sozusagen der Titel über der ganzen Schriftrolle. Zwei Sachen möchte ich dabei hervorheben. Erstens. Das Evangelium ist die heilvolle Botschaft, die seit den Tagen von Jesus bis in unsere Zeit hinein verkündet und weitergesagt wird. Der Anfang des Evangeliums ist die Geschichte von Jesus. Das Ziel ist, dass es unser Leben verändert. Zweitens. Es geht um Jesus Christus, den Sohn Gottes. Müssen wir von Anfang an glauben, dass Jesus Gottes Sohn ist? Ich glaube nicht. Im Gegenteil. Am Anfang und während dem ganzen Bericht über Jesus steht immer wieder die Frage im Raum: Wer ist denn dieser Mann eigentlich? Und wenn Antworten dazu gegeben werden, so werden diese als Geheimnis bezeichnet. Erst nach dem Tod von Jesus spricht es der römische Hauptmann offen aus: Dieser war in Wahrheit Gottes Sohn.

2 So kann uns das Markusevangelium dazu führen, dass wir wie dieser Römer daran glauben, dass Jesus der Sohn Gottes war und ist. Aber um dies wirklich zu erkennen und mit dem Herzen zu glauben, muss man immer wieder suchen und fragen: Wer war dieser Jesus von Nazaret? - Die Neugier, das sich Wundern über diese ausserordentliche Gestalt Jesus, über seine unerhörten Worte und überraschenden Taten - das sich Wundern über Jesus kann die Seele darauf vorbereiten, ihn zu erkennen und zu empfangen als der, der er in Wahrheit ist. Darum möchte ich Ihnen bei der Lektüre des ganzen Markusevangeliums die Frage ans Herz legen: Wer war Jesus von Nazaret wirklich? Wenn wir die ersten Verse aus dem Markusevangelium lesen, so kann sich eine irritierende Antwort aufdrängen: Jesus von Nazaret war der Nachfolger von Johannes dem Täufer. Ja, mit den vielen Leuten, die aus Judäa und Jerusalem zu Johannes zogen, kam auch Jesus aus Galiläa an den Jordan. Dort hörte er die aufrüttelnde Botschaft des Predigers. Er erfuhr, dass Gott bald kommen werde und dass man sich darauf vorbereiten müsse. Jesus wurde ein Schüler bzw. Jünger des Johannes. Er wollte sein Leben ändern und sich ganz auf Gott ausrichten, der bald kommen und Gericht halten wird. Und so liess er sich von Johannes taufen. Was er dabei erlebte, darauf komme ich später zurück. Wie sein Lehrer, so musste sich dann auch Jesus in die Wüste zurückziehen und lange Zeit fasten. Dabei bereitete er sich auf seine Mission vor. Und dann, als Johannes gefangen und eingesperrt worden war, trat Jesus selber öffentlich auf und verkündete, dass Gott bald kommt. Kehrt um, sagte er, wie vorher Johannes, denn das Reich Gottes ist nahe herbei gekommen. Ich nehme an, dass die meisten Menschen damals so von Jesus dachten. Er gehörte zunächst zu den Jüngern von Johannes. Die Gemeinschaft der Jünger der Johannes hatte noch lange Bestand. Sie löste sich nicht auf, als Johannes tot war und Jesus zu predigen begonnen hatte. Möglicherweise sind die Mandäer, die heute noch als Religionsgemeinschaft im Irak leben, Nachfahren der Johannesjünger. War Jesus also ein Nachfolger von Johannes dem Täufer? Seite 2 von 5

3 Der Bibeltext erzählt aber noch eine andere Geschichte. Johannes der Täufer war der Vorläufer von Jesus, dem Messias. - Gerade umgekehrt. So sagt es das göttliche Wort, das Jesaja in den Mund gelegt worden war, das Schriftzitat: "Siehe, ich sende einen Boten vor dir her, der deinen Weg bereiten wird." Johannes ist also der Vorbote, der das Kommen des Herrn, das Kommen des Messias Gottes, vorbereiten soll. Weiter sagt Johannes selber: "Nach mir kommt einer, der viel stärker ist als ich; mir steht es nicht einmal zu, mich zu bücken und ihm die Schuhriemen zu lösen." Wiederum sagt nach der Taufe die Stimme aus dem Himmel zu Jesus: "Du bist mein geliebter Sohn. Du hast die Vollmacht, in meinem Namen zu wirken." Und schliesslich geht aus der Geschichte hervor: Johannes hat die Menschen getauft, um sie auf das Kommen Gottes vorzubereiten. Jesus selber aber hat nicht getauft, denn er war ja selbst der Gesalbte Gottes. Er musste nicht mehr vorbereiten. In ihm war Gott schon zu den Menschen gekommen. - Die biblische Geschichte sagt: Johannes war der Vorläufer von Jesus. Liebe Gemeinde, was wollen wir nun glauben? War Jesus der Nachfolger von Johannes oder war Johannes der Vorbote von Jesus? Ich denke, beides ist richtig. Aus menschlicher Sicht ist es wahrscheinlich, dass Jesus eine Unruhe verspürte in seinem Herzen. Darum ist er von Nazaret aufgebrochen, um die Predigt des Johannes zu hören. Dort wurde er wie gesagt dessen Schüler und ist dann schliesslich in seine Fussstapfen getreten. Aber aus göttlicher Sicht sieht es anders aus. Gott wollte durch Jesus selber zu den Menschen kommen, ihnen Hoffnung bringen, sie heilen, ihnen Erleichterung verschaffen von ihrem Leiden. Das war Gottes Plan. Darum sandte Gott Johannes als Vorboten. Darum führte Gott Jesus von Nazaret zu Johannes an den Jordan. Darum riss Gott nach der Taufe den Himmel auf, um seinen Geist auf Jesus herabzuschicken. Darum rief Gott zu Jesus: "Du bis mein geliebter Sohn. Dir gebe ich meine Vollmacht. Du sollst in meinem Namen König Seite 3 von 5

4 sein." Darum führte Gottes Geist Jesus in die Abgeschiedenheit der Wüste und schenkte ihm dort nach langem Ringen Klarheit über sein Wesen und Gewissheit über seinen Auftrag. Darum liess Gott Jesus schliesslich in Galiläa auftreten und verkünden: "Erfüllt ist die Zeit und nahe gekommen ist das Reich Gottes. Kehrt um und glaubt an das Evangelium." - Das ist die göttliche Geschichte vom Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes. Wie so oft in der Bibel und im Leben gibt es zwei verschiedene Sichtweisen. Eine mehr menschliche, vernünftige: Jesus war ein Profet in einer Reihe von Profeten. Heute sagt man: Jesus war ein Religionsstifter neben anderen, die wir auch achten sollen. Jesus Christus war eine Offenbarung Gottes neben anderen, denen wir ebenfalls glauben sollten. Er ist sozusagen der Bruder von Buddha, Sokrates und Mohammed. Jesus von Nazaret war eine überragende moralische Autorität der Menschheit neben anderen, auf die wir ebenfalls hören sollten. Beispielsweise Immanuel Kant. Oder die andere, mehr geistliche Sichtweise: Jesus ist der, in welchem Gott uns sein Herz offenbart. Jesus ist der, durch den uns Gott seine Hilfe schenkt. Jesus ist der, in dem uns Gott nahe kommen will. - Kann es sein, dass die menschliche Sichtweise mehr den Verstand anspricht und die geistliche mehr das Herz berührt? Liebe Gemeinde, wie ist das in unserem Leben? Ein Sprichworte sagt: Der Mensch denkt, Gott lenkt. Man setzt sich Ziele, trifft Entscheidungen, lässt sich manchmal gehen oder wird getrieben. Und so kommt man gewollt-ungewollt an einen Ort, wo man innehält und nachdenkt. Wo bin ich nun? Und manchmal stellt man zu seiner Überraschung fest: Es ist gut, dass ich da bin! Kürzlich erzählte mir jemand: Ich arbeite im Naturschutz. Eigentlich wollte ich schon immer Naturschützer werden, aber es ist erstaunlich, auf welchen Umwegen und Irrwegen ich dazu gekommen bin. - Kann man darin die Hand Gottes erkennen, die uns Menschen voll Weisheit lenkt? Bei diesen Gedanken schien mir, dass der Mann Vertrauen und Dankbarkeit empfand. Seite 4 von 5

5 Wenn es schon in unserem Leben eine weltliche Sicht gibt, wo Zufälle und Macht einen grossen Einfluss haben, und eine geistliche Sicht, wo Gottes Weisheit und Güte regiert, wie viel mehr dann bei Jesus? Das Markusevangelium gibt uns ein beredtes Zeugnis davon, dass Jesus nicht einfach ein besonderer Mensch war, sondern dass in ihm Gottes Geist war und wirkte, ja, dass in ihm Gott selbst zu den Menschen gekommen ist. Dazu helfe uns Gott, dass wir mehr und mehr erkennen: Jesus von Nazaret war der geliebte Sohn Gottes. Amen. Seite 5 von 5

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