Psychiatrische Versorgung für traumatisierte Flüchtlinge

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1 Psychiatrische Versorgung für traumatisierte Flüchtlinge Dr. Michael Brune Psychiater haveno - Psychotherapie und interkulturelle Kommunikation -

2 Traumatisierte Flüchtlinge sind fast nie durch ein Trauma traumatisiert, sondern sie haben meistens mehrere Traumata, verteilt über einen längeren Zeitraum, erlebt.

3 Die modernen medizinischen geprägten Konzepte von Traumata und ihren Folgen stammen aus reichen Wohlstandsgesellschaften und bauen auf der Vorstellung: 1. Mensch lebt in einer sozial stabilen und sicheren Realität 2. Mensch erleidet ein Trauma 3. Mensch kehrt nach dem Trauma in seine sozial stabilen und sicheren Realität zurück Diese Konzepte sind auf die Realität von traumatisierten Menschen in armen und von Gewalt heimgesuchten Teilen dieser Welt nur begrenzt anwendbar.

4 Die in der somatischen Medizin üblichen Trennung zwischen Krankheiten und Verletzungen auch für die Psyche sinnvoll.

5 Flucht - Migration ist Verlagerung des Ort des Lebensmittelpunkt. Flucht ist auch eine Migration. - Der Flüchtling ist somit auch ein Auswanderer aus dem Herkunftsland und ein Einwanderer im neuen Land. - Das Thema Migration ist ein relevantes Thema für Flüchtlinge.

6 - Migration ist eine existenzielle Herausforderung aus welcher ein Mensch viel für sich lernen kann, aber sie kann ihn auch überfordern und krank machen. - Migration ist aber kein pathogener Faktor der zwingend zur Krankheit führt und vor allem ist Migration keine Krankheit!

7 Flucht Oft ohne Abschied Den Schleppern ausgeliefert Lebensgefährliche Fluchtsituationen (z.b. Überquerung des Mittelmeers in seeuntauglichen Booten) Ungewissheit über das Ziel über den Weg über die Zeitspanne über das Schicksal der Familie

8 Trauer und Trauma Flüchtlinge haben viel verloren: Die Heimat Den Arbeit/die Schule Die Nachbarschaft Kultur und Sprache Den sozialen Status Angehörige Freunde

9 Nicht jeder psychisch auffällige Flüchtling ist traumatisiert. Es gibt unter den Flüchtlingen auch Psychosen, Depressionen, Lebenskrisen, die nichts mit der Flucht oder Traumata zu tun haben, und Persönlichkeitsstörungen

10 Es gibt keine psychischen Störungen die für einen Kulturkreis spezifisch sind. Die universell bekannten Krankheiten gibt es überall, die Symptomatik kann aber unterschiedliche soziokulturelle Prägung haben. Es ist manchmal eine Anpassung der Behandlungsstrategien notwendig.

11 Unterschiedlicher Stellenwert von psychischen Störungen in unterschiedlichen soziokulturellen Kontexten

12 In manchen soziokulturellen Kontexten gibt es wesentlich mehr Vorurteile und Vorbehalte gegen die Psychiatrie, als in Westeuropa.

13 Bei Menschen, die im Grunde gesunde Persönlichkeitsstrukturen besitzen, sollte vermieden werden ihnen das Gefühl zu geben sie leiden an psychischen Krankheiten.

14 Es ist meist empfehlenswert traumatisierten Menschen zu sagen, dass ihre Symptome normale Reaktionen auf unnormale Ereignisse sind und dass eine fehlende Reaktion traumatische Ereignisse eher als krankhaft zu bezeichnen wäre.

15 Es gibt Fälle in denen vorbestehende psychiatrische Erkrankungen sich infolge von traumatischen Erfahrungen verschlimmern.

16 Traumatische Erfahrungen führen nicht zu psychiatrischen Erkrankungen im engeren Sinne, dennoch ist es häufig sinnvoll sie psychiatrisch diagnostisch einzuordnen.

17 In der klinischen Arbeit ist es oft nicht von Bedeutung, zu unterscheiden was Traumafolge und was Trauerreaktion ist.

18 - Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS oder PTSD) - Depressive Störungen - Angststörungen - Dissoziative Störungen - Suchtkrankheiten - Soziale oder psychosoziale Verhaltensstörungen - Mischformen der genannten Störungen

19 Psychiatrische Diagnosen bei traumatisierten Flüchtlingen Bei 141 durch organisierte Gewalt traumatisierte Flüchtlinge wurden bei Behandlungsbeginn folgende Hauptdiagnosen gestellt (Brune, 1999): PTBS 108 (77,1%) Depressive Störungen 20 (14,1%) Somatisierungsstörung 7 (5,0%) Angststörung 5 (3,5%) Wahnhafte (paranoide) Störung 1 (0,7%)

20 Manchmal kann es schwierig sein differenzialdiagnostisch zwischen Symptome einer Traumatisierung und Symptomen psychiatrischer Erkrankungen unterscheiden. Insbesondere gilt dies bei posttraumatischen dissoziativen und depressiven Symptomen.

21 Depressive Symptome stehen bei manchen posttraumatische Störungen im Vordergrund.

22 Somatisierung prägen manche posttraumatische Störungen, insbesondere in der Anfangsphase einer Behandlung bzw. Psychotherapie.

23 Eine Suchtstörung kann die Folge einer unbehandelten oder nicht adäquat behandelten posttraumatischen Störung sein.

24 Schutzfaktoren bei Traumaerfahrungen - Familie und soziales Umfeld intakt - Weltanschauung - Körperliche Gesundheit - Keine früheren psychischen Störungen

25 Die psychiatrischen Behandlungsmöglichkeiten bei Traumatisierungen sind im Wesentlichen die Verwendung von Psychopharmaka.

26 Neuroleptika Quetiapin Antidepressiva Paroxetin Mirtazapin Sertralin Amitryptilin Venlafaxin Keine Benzodiazepine!

27 Einweisungen in psychiatrische Kliniken sollte vermieden werden und ist nur in Ausnahmefällen, wie hoher Suizidgefahr oder extreme dissoziative Zustände, die psychosenahe sind. Wenn es spezialisierte Tageskliniken gibt, dann ist Einweisung manchmal sehr sinnvoll.

28 DANKE!!!

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