Behandlungsfehler. Pressekonferenz der Techniker Krankenkasse am 4. September 2002 in Berlin

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1 Behandlungsfehler Was erwarten die Menschen? Was kann man tun? Wo gibt es Hilfe? Was muss sich ändern? Pressekonferenz der Techniker Krankenkasse am 4. September 2002 in Berlin

2 Ausgangslage Valide Zahlen über Häufigkeit und Ausmaß von Behandlungsfehlern sind Mangelware. TK registriert starke Zunahme gemeldeter Fälle von vermuteten Behandlungsfehlern. Informationsdefizite in der Bevölkerung sind groß. Manche Regularien erschweren die Hilfe unnötig.

3 Die Zahl der Meldungen an die TK steigt stetig Der TK gemeldete Fälle Allein im Jahr 2001 gab es gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von fast 62 Prozent. Zum Vergleich: 1990 verzeichnete die TK nur 62 Meldungen. Quelle: TK

4 Forsa-Studie bevölkerungsrepräsentativ Stichprobengröße: Befragte Ziele / Fragestellungen: Erfahrungen und Erwartungen zum Thema Behandlungsfehler in der Bevölkerung sowie Anforderungen an Krankenversicherungen im Falle eines Behandlungsfehlers

5 Jeder Fünfte vermutet einen Behandlungsfehler nein: 80 % ja: 19 % * Die überwiegende Mehrheit glaubt nicht, schon einmal einen Behandlungsfehler erlitten zu haben. Aber: Fast jeder Fünfte vermutet bei sich persönlich eine Fehlbehandlung. * weiß nicht / keine Angabe Quelle: Forsa-Befragung

6 Wo hat sich die vermutete Fehlbehandlung ereignet? 10 % 33 % 8% 49 % Die Hälfte der Betroffenen vermutet eine Fehlbehandlung in der ambulanten Arztpraxis, ein weiteres Drittel bei einem stationären Krankenhausaufenthalt. beim niedergelassenen Arzt stationär im Krankenhaus ambulant im Krankenhaus Entbindung Basis: Befragte, die Behandlungsfehler vermuten; Quelle: Forsa-Befragung

7 Vermutete Behandlungsfehler nach Fachrichtung Chirurg 21% 20% Orthopäde 17% 16% Gynäkologe 11% 14% Forsa TK-Erhebung Allgemeinmediziner 6% 14% Internist 5% 8% Zahnarzt / Kieferorthopäde 8% 17% Basis: Befragte, die Behandlungsfehler vermuten; Quelle: Forsa-Befragung / TK

8 Die häufigsten sind nicht immer die schwersten Am seltensten wird mit nur 0,7 Prozent eine Fehlbehandlung in der Anästhesie vermutet. Zusammen mit den Behandlungsfehlern in der Geburtshilfe sind diese Fälle jedoch am kostenintensivsten. Sechsstellige Eurobeträge sind hier keine Seltenheit. Quelle: TK

9 Beispiele aus Anästhesie und Geburtshilfe Anästhesie Patient ist nach OP nicht aufgewacht, da er auf das Narkosemittel allergisch reagiert und der Anästhesist dies zu spät bemerkt hat. Finanzielle Dimension für die TK: bisher 1,3 Mio. EUR. Geburtshilfe Komplikationen führten zum Sauerstoffmangel. Ein offensichtlich überforderter Assistenzarzt führt den nötigen Kaiserschnitt zu spät durch. Finanzielle Dimension für die TK: bisher 1,5 Mio. EUR. Quelle: TK

10 Wem wurde die Vermutung gemeldet? niemandem 54% Arzt 38% Krankenkasse1 12% Krankenhaus Ärztekammer Verbraucherzentrale 1% 1% 6% Über die Hälfte derjenigen, die einen Behandlungsfehler vermuten, haben diesen Verdacht niemandem gemeldet. Rechtsanwalt 1% 1 zusätzlich gestützte Nachfrage Basis: Befragte, die Behandlungsfehler vermuten (Merfachnennungen möglich); Quelle: Forsa-Befragung

11 Gründe, den vermuteten Fehler nicht zu melden Behandlungsfehler nicht gemeldet, weil Nicht an Krankenkasse gewandt, weil Unwissenheit 12% 24% Fehler war nicht so schlimm 13% 21% nicht daran gedacht man hat sowieso keine Chance zu lange her 8% 9% 9% 11% 12% 13% Basis: Befragte, die Behandlungsfehler vermuten, Quelle: Forsa-Befragung

12 Informationsstand: Theorie und Praxis Wussten Sie vorher bzw. wissen Sie, an wen Sie sich im Falle eines Behandlungsfehlers wenden können? 100% 80% 60% 40% 20% 0% 64% 36% Patienten ohne Behandlungsfehler 82% 5% 13% Patienten, die Behandlungsfehler vermuten Wer nicht betroffen ist, überschätzt offenbar seinen Informationsstand. Aber selbst hier weiß nur ein Drittel, an wen man sich wenden kann. wn/ka ja nein Quelle: Forsa-Befragung

13 Erwartungen an die Krankenkassen umfassende Beratung fester Ansprechpartner telefonischer / persönlicher Kontakt Hilfe beim Verständnis der Gutachten ( Übersetzung ) Quelle: Forsa-Befragung

14 Service der TK umfassende Begleitung im gesamten Verfahren: - Gutachtenaufträge - Hilfe beim Verständnis der Gutachten - Beratung und Empfehlungen zum weiteren Vorgehen fester Ansprechpartner telefonischer / persönlicher Kontakt Informationsangebot Medizin & Gesundheit (Internet, telefonisch, per ) Quelle: TK

15 Vom TK-Engagement profitieren v.a. die Patienten Von den TK-Fällen, die zwischen 1996 und 2000 abgeschlossen wurden, konnten Ersatzansprüche geltend machen: 30% 20% Patienten: 27,7 % 10% TK: 9 % 0% Quelle: TK

16 Einigung meist ohne Klage In den meisten Fällen von kam eine Einigung zu Gunsten der Versicherten bzw. der TK ohne Klage zustande: 80% 70% 60% 50% 40% 72% 68% 30% 20% 10% 28% 32% 0% mit Klage ohne Klage Quelle: TK Versicherte TK

17 Forderungen der TK (1) gesetzliche Regelung zur Herausgabe der Unterlagen an die Patienten bzw. an die Krankenkassen, sofern sie vom Patienten dazu ermächtigt wurden Rechtssicherheit und schnelleres Verfahren obligatorische Kopie des Aufklärungsbogens für den Patienten kann Missverständnisse im Vorfeld vermeiden Quelle: TK

18 Forderungen der TK (2) Krankenkassen sollten auch unterstützen dürfen, wenn sie keine eigenen Ersatzansprüche geltend machen können. Quelle: TK stärkt die Position der Patienten Krankenkassen sollten die Kosten für die erste Rechtsberatung des Versicherten sowie für externe Gutachten übernehmen dürfen. schafft schneller Klarheit und verbessert die Position des Patienten

19 Grenzen Der Arzt schuldet dem Patienten nicht dessen Gesundheit, sondern nur die bestmögliche Behandlung. Schicksalhafte Verläufe lassen sich nicht vollständig ausschließen. Geld kann persönliches Leid nicht wettmachen. Krankenkassen können nicht die persönlichen Schadenersatz- oder Schmerzensgeldansprüche der Patienten durchsetzen. Quelle: TK

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