Wichtige Kennzahlen der European Energy Exchange AG

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1 GESCHÄFTS- BERICHT

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3 Z u k u n f t = M a r k t + V e r t r a u e n G e s c h ä f t s b e r i c h t

4 W i c h t i g e K e n n z a h l e n

5 Wichtige Kennzahlen der European Energy Exchange AG Gewinn- und Verlustrechnung Veränderung 2009 zu 2008 Umsatzerlöse 1 T % Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) T % Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) T % Bilanz (zum 31. Dezember) Langfristige Vermögenswerte T % Eigenkapital T % Bilanzsumme T % Kennzahlen des Kerngeschäfts Spotmarkt Volumen Spotmarkt Strom TWh % Volumen Spotmarkt Emissionen t % Volumen Spotmarkt Gas GWh % Wert der gehandelten Produkte Spotmarkt Mio % Teilnehmer EEX Power Spot (2008)/ EPEX Spot (2009) % Teilnehmer EEX Spot Markets % Terminmarkt Volumen Terminmarkt Strom TWh % Volumen Terminmarkt Emissionen t % Volumen Terminmarkt Gas GWh % Volumen Terminmarkt Kohle t % Wert der gehandelten Produkte Terminmarkt Mio % Teilnehmer EEX Power Derivatives % Teilnehmer EEX Derivatives Markets % Kennzahlen des Unternehmens Mitarbeiter (Jahres-Durchschnitt) % Umsatzerlöse je Mitarbeiter T % Eigenkapitalrendite % 27 8 Eigenkapitalquote % Umsatzerlöse 2008 bereinigt um Umsatzerlöse der EPEX Spot (D/A/CH)

6 Anteilseigner (in %) Eurex Zürich AG 35,23 Landesbank Baden-Württemberg 22,96 LVV Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbh 7,38 Freistaat Sachsen 4,51 RWE Energy Beteiligungsgesellschaft mbh 3,85 E.ON Energy Trading SE 3,48 ATEL Aare-Tessin AG für Elektrizität 2,69 BHF-BANK AG 2,02 EnBW Trading GmbH 1,52 Vattenfall Deutschland GmbH 1,25 Nordostschweizerische Kraftwerke AG 1,01 Enovos International S.A. 1,00 MVV Energie AG 0,99 Avenis SA 0,76 Edison S.p.A 0,76 EDF Électricité de France 0,67 EnAlpin AG 0,51 Electrabel N.V. 0,51 RheinEnergie AG 0,51 BKW FMB Energie AG 0,50 DB Energie GmbH 0,50 e&t Energie Handelsgesellschaft m.b.h. 0,50 Elektrizitätswerk der Stadt Zürich 0,50 Essent Energy Trading B.V. 0,50 Iberdrola S.A. 0,50 Morgan Stanley Capital Group Inc. 0,50 Vattenfall Europe AG 0,50 Verbund-Austrian Power Trading AG 0,50 Deutsche Bank AG 0,32 Mainova AG 0,31 B. Metzler seel. Sohn & Co. 0,25 Bayerische Landesbank 0,25 citiworks AG 0,25 Commerzbank AG 0,25 InfraServ GmbH & Co. Höchst KG 0,25 Stadtwerke Bielefeld GmbH 0,25 Stadtwerke Düsseldorf AG 0,25 Stadtwerke Hannover AG 0,25 SWU Energie GmbH 0,25 Thüga AG 0,25 Trianel GmbH 0,25 UBS AG 0,25 ZEAG Energie AG 0,25 Stadt Leipzig 0,01

7 INH A LT Z u k u n f t = M a r k t + V e r t r a u e n 5 Andris Piebalgs A u f d e m W e g z u e i n e m i n t e g r i e r t e n e u r o p ä i s c h e n E n e r g i e m a r k t 6 Prof. Dr. Justus Haucap V e r t r a u e n u n d T r a n s p a r e n z s i n d g u t, K o n t r o l l e i s t ( m a n c h m a l ) b e s s e r 8 Jean-François Conil-Lacoste G e m e i n s a m s t a r k 12 Peter Heydecker E i n e W i n - w i n - K o n s t e l l a t i o n 16 Jens Michael Otte P r o f e s s i o n e l l e r u n d b e h a r r l i c h e r A n t r e i b e r 20 B e r i c h t d e s V o r s t a n d s 25 B e r i c h t d e s A u f s i c h t s r a t s 28 E n e r g i e w i r t s c h a f t l i c h e s U m f e l d 32 D a s J a h r a u f e i n e n B l i c k 36 T r a n s p a r e n z b i l a n z 38 K o n z e r n l a g e b e r i c h t K o n z e r n a b s c h l u s s 79

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9 Zukunft = Markt + Vertrauen Die European Energy Exchange (EEX) gehört zu den führenden Handelsplätzen für Energie und energienahe Produkte in Europa. Diese Position ist Verantwortung und Verpflichtung zugleich: Die EEX versteht sich als wichtige Marktinstanz und parallel dazu als Impulsgeber im europäischen Energiehandel. Dazu gehört, bei Transparenz und Überwachung des Börsenhandels konsequent hohe Standards zu setzen und einzuhalten, um so nachhaltig das Vertrauen in den Marktplatz auszubauen. Begleitet und unterstützt werden diese Initiativen durch innovative Produktideen, den ständigen Dialog mit den Handelsteilnehmern sowie durch starke Partnerschaften. Dieser Geschäftsbericht zeigt, wie diese Maßnahmen der EEX und ihre Philosophie in der europäischen Energielandschaft wahrgenommen werden. Es wurden prominente Geschäftspartner, Wirtschaftsexperten und Handelsteilnehmer gebeten, ihre eigene Sicht auf die EEX zu beschreiben und Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit der Energiebörse zu schildern. G e s c h ä f t s b e r i c h t

10 Auf dem Weg zu einem integrierten europäischen Energiemarkt Andris Piebalgs Mitglied der europäischen Kommission, ehemaliger EU-Energiekommissar 6 G e s c h ä f t s b e r i c h t

11 Die Europäische Union verfolgt das erklärte Ziel eines sicheren europäischen Binnenmarktes für Energie. In diesem Prozess kommt dem Energiehandel an Börsen besondere Bedeutung zu. Energiebörsen bündeln Liquidität, bestimmen Preise auf der Grundlage von Nachfrage und Angebot und bilden somit einen Grundstein für einen liberalisierten und integrierten europäischen Energiemarkt. Die EEX hat sich aus ihren eigenen Ressourcen heraus zu einer europäischen Energiebörse entwickelt und ist so zu einem wichtigen Zentrum des europäischen Energiehandels geworden. In diesem Zusammenhang ist die Integrierung der Stromspotmärkte für Deutschland, Österreich, Frankreich und die Schweiz in der EPEX Spot ein großer Schritt. Das Florence Forum am 10. und 11. Dezember 2009 hat wichtige Empfehlungen zum europäischen Strommarkt gegeben. Dabei wurde eine starke Kopplung der Märkte über implizite Auktionen nach dem Modell der Preiskopplung als Zielmodell für ganz Europa festgelegt. Ich begrüße dies aufrichtig, da ich persönlich auch einige der Initiativen zur Marktkopplung verfolgt habe. Die Marktkopplung zwischen Frankreich, Belgien und den Niederlanden hat hierbei Pionierarbeit geleistet. Das Pentalaterale Energieforum, das auch Luxemburg und Deutschland umfasst, wird dieses Projekt auf zwei zusätzliche Länder und eine große Vielzahl weiterer Kunden ausdehnen. Wie das Ergebnis des Florence Forums zeigt, scheint das Konzept der Marktkopplung in ganz Europa an Interesse zu gewinnen. Die Marktkopplung bildet heute das Modell für die zukünftige Integration der Märkte. Deshalb müssen wir nun europaweite Lösungen entwickeln, die längerfristig beinahe jeden Teil der Europäischen Union abdecken könnten. Dabei ist es natürlich verständlich, dass nicht ganz Europa auf einmal zum Market Coupling übergehen kann. Die Mitgliedstaaten, die hier weiterentwickelt sind, sollten als erste diesen Schritt gehen. Allerdings sollte die Lösung auch offen sein, so dass sich andere Länder, sobald sie dazu bereit sind, zu gleichen Bedingungen anschließen können. All dies muss natürlich unter enger Überwachung durch die Regulatoren und der neuen, mit dem dritten Gesetzespaket auf dem EU-Binnenmarkt geschaffene Aufsichtsbehörde geschehen. Zu diesem Zweck hat das Florence Forum im Dezember 2009 ein Projekt befürwortet, in dessen Rahmen eine Governance-Struktur für diese europäische Lösung zum Market Coupling vorgeschlagen werden soll. Dabei muss das richtige Gleichgewicht zwischen den Strombörsen und den Übertragungsnetzbetreibern gefunden werden, so dass alle maßgeblichen Parteien eine angemessene Möglichkeit haben, die Entscheidungen zu beeinflussen. Überdies müssen die Strombörsen, da sie ein wesentliches Element des grenzüberschreitenden Stromhandels bilden werden, einer angemessenen Regulierung im Hinblick auf die von ihnen im grenzüberschreitenden Handel übernommenen Funktionen unterliegen. Die in Leipzig geschaffenen Normen und Verfahren zum Handel und Clearing haben einen Beitrag zu der für eine echte Integrierung des Marktes notwendigen Harmonisierung von Handelsplattformen in Europa geleistet. Ich bin überzeugt, dass die EPEX Spot und die EEX auch weiterhin ihre wichtige Rolle bei dieser Integration verantwortungsbewusst wahrnehmen werden. G e s c h ä f t s b e r i c h t

12 Vertrauen und Transparenz sind gut, Kontrolle ist (manchmal) besser Prof. Dr. Justus Haucap Vorsitzender der Monopolkommission, Direktor des Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf 8 G e s c h ä f t s b e r i c h t

13 Die Leipziger Energiebörse EEX bewegt sich als Akteur insbesondere im Stromsektor auf einem hoch konzentrierten Markt. Als Handelsplatz hat sie dabei zuweilen Kritik und Effekte auszubaden, für die sie wenig oder gar nichts kann. Dem begegnet die EEX mit einem hohen Maß an Transparenz und Kontrolle einige Modifikationen wären aber denkbar. Die Höhe des Strompreises ist vielen Verbrauchern in Deutschland suspekt, das Verhalten der Stromerzeuger wird von vielen Beobachtern mit Argwohn betrachtet. Wohl auch deshalb hat die Monopolkommission die gesetzliche Pflicht, der Bundesregierung alle zwei Jahre Bericht über die Wettbewerbssituation auf dem Strom- und Gasmarkt zu erstatten. In ihrem letzten Gutachten aus dem Jahr 2009 kam die Monopolkommission erneut zu dem Befund, dass noch nicht in allen Teilen des Energiemarktes funktionsfähiger Wettbewerb herrscht. Nach wie vor erzeugen E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW den größten Teil des in Deutschland verbrauchten Stroms. Sicher: Vor einigen Jahren war die Dominanz noch deutlicher und durch den Eintritt neuer Anbieter hat es eine gewisse Dekonzentration gegeben. Legt man indes die üblichen Maßstäbe an, welche die Fusionskontrollrichtlinien der Europäischen Union vorgeben, muss man noch immer von einem konzentrierten Markt sprechen. Dass eine hohe Marktkonzentration nicht unbedingt einen intensiven Preiswettbewerb fördert, ist eine ökonomische Binsenweisheit. Diese Aus wir kungen hat allerdings auch die EEX zu spüren bekommen. Über Jahre hinweg war es ein beliebtes Argument der Stromversorger und jedes einzelnen Stadtwerks, Preiserhöhungen damit zu rechtfertigen, dass die Preise an der Börse angezogen hätten. Wohlgemerkt: Deren Aufgabe ist es allein, Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht zu bringen. Gleichwohl wurde die EEX gerade wegen des sehr konzentrierten Marktes und der wenigen großen Spieler im nächsten Atemzug implizit und explizit mit in Haftung genommen: Die Konzerne, hieß es, würfelten an der Leipziger Börse lediglich ihre Preise aus. Die Zeche zahle letzten Endes der Verbraucher. Auch wenn diese Argumentation auf den ersten Blick sehr holzschnittartig erscheinen mag, so sprechen doch manche Indizien für ein zumindest den Wettbewerb bremsendes Verhalten der großen Anbieter. Daher überprüft das Bundeskartellamt zurzeit in einer groß an gelegten Sektoruntersuchung auch die Börsen- und Großhandelspreisentwicklung für Strom in den Jahren 2006 und Es besteht der Verdacht, dass der Strompreis nicht nur an der Börse, sondern auch im OTC-Handel auf Seiten der großen Erzeuger durch einen strate - gi schen Einsatz der Kraftwerkskapazitäten künstlich hochgehalten wurde. Denn marktmächtige Erzeuger haben das Interesse und zugleich die Möglichkeit, Erzeugungskapazitäten auf dem Großhandelsmarkt zurückzuhalten. Die Rechnung ist denkbar einfach: In Spitzenlastzeiten kann es sich für Betreiber von Kraftwerksparks auszahlen, abzuwarten. Denn der erhöhte Bedarf lässt die Preise und Profite aus der Versorgung mit den Grundlastkraftwerken steigen. Wer nun ein Spitzenlastkraftwerk zuschaltet, senkt aktiv den Marktpreis und beschneidet die eigene Gewinnspanne ein großer Anreiz, sich ein bisschen zögerlich zu zeigen und zu warten, ob nicht die Kollegen G e s c h ä f t s b e r i c h t

14 eher auf den Startknopf drücken. Die Monopolkommission geht aufgrund der unelastischen Nachfrage und der technologischen Besonderheiten im Stromangebot insbesondere für Spitzenlastzeiten davon aus, dass Unternehmen diesen Trick durchaus ausnutzen konnten, ohne dass ihr Verhalten durch andere Marktteilnehmer oder Nachfrager sanktioniert wurde. Das Bundeskartellamt hat daher eine sehr aufwendige Ex-post-Untersuchung gestartet: Für die Jahre 2006 und 2007 wird im Viertelstundentakt erhoben, welche Preise es am Markt gegeben hat, welche Kraftwerke Strom produzierten und welche Angebote es gab. Natürlich kann es durchaus Gründe dafür geben, ein Kraftwerk nicht einzuschalten, obwohl der Marktpreis es betriebswirtschaftlich hergegeben hätte etwa bei einem Störfall oder einer Wartung. Allerdings befürchtet die Monopolkommission, dass auch Erzeugungskapazitäten aus den beschriebenen taktischen Erwägungen zurückgehalten wurden. Allein: Die Gründlichkeit der Untersuchung bringt auch einen entscheidenden Nachteil mit sich. Wenn sich nach Abschluss also möglicherweise im kommenden Jahr feststellen lässt, dass es Unregelmäßigkeiten gegeben hat, ist weitere kostbare Zeit ins Land gegangen. Und dann immerhin vier Jahre nach dem Ereignis festzustellen, dass es am Tag X einen überhöhten Preis gegeben hat, ist für alle Beteiligten unbefriedigend. Für eine bessere Lösung hält die Monopolkommission daher die Einführung eines systematischen Market Monitoring zur besseren zeitnahen Aufdeckung wettbewerbswidrigen Verhaltens idealerweise in Form einer unabhängigen Marktüberwachungsstelle. Sie könnte ebenfalls beim Bundeskartellamt angesiedelt werden und sollte sowohl finanziell als auch personell angemessen für ihre Aufgaben ausgestattet sein. Kurz gesagt, sollte die Marktüberwachungsstelle für den börslichen und außerbörslichen Stromgroßhandel relevante Informationen zeitnah also unmittelbar handelstäglich erheben und die Bietstrategien der Börsenteilnehmer auf marktkonformes Handeln und Manipulationsversuche überprüfen. Die Kompetenzen der Marktüberwachungsstelle müssen sich auf den vollständigen börslichen und außerbörslichen Stromgroßhandel sowie den benachbarten Markt für Regelenergie erstrecken. Die Informationsverpflichtung der Unternehmen ist aus Sicht der Monopolkommission gesetzlich zu verankern und muss über die derzeit freiwillig von den Marktakteuren gegenüber der EEX bereitgestellten, nicht börslichen Informationen hinausgehen. Diese Markt- oder Wettbewerbsüberwachungsstelle ist im Übrigen nur so lange notwendig, wie die hohe Marktkonzentration fortbesteht und noch nicht von einem gemeinsamen europäischen Binnenmarkt auszugehen ist. Die Forderung der Monopolkommission schmälert wohlgemerkt nicht die Anerkennung der Transparenzbemühungen und der Ergebnisse dieser Bemühungen, welche die EEX seit ihrer Gründung angestoßen und zu einem hohen Standard geführt hat. Deren aktueller Stand, die am 30. Oktober im Internet freigeschaltete Transparenzplattform transparency.eex.com, veröffentlicht marktnah an zentraler und neutraler Stelle marktrelevante Erzeugungs- und Verbrauchsdaten und erfüllt damit nicht nur gesetzliche Veröffentlichungspflichten, sondern ergänzt sie auf der Basis einer Selbstverpflichtung um die erwähnten freiwilligen Informationen aus der Branche. Ein ähnlich umfangreiches Paket ist europaweit nicht zu finden. 10 G e s c h ä f t s b e r i c h t

15 Quantität ist indes für sich allein noch kein valides Qualitätsmerkmal. Die EEX verweist gern und durchaus zu Recht darauf, dass sie auch im europäischen Vergleich zu den bestüberwachten Handelsplätzen zählt. Tatsächlich sind die Überwachung durch die Börsenaufsicht des Freistaates Sachsen zum einen, die Überwachung nach dem Wertpapierhandelsgesetz durch die BaFin zum anderen und das Bundeskartellamt, das verdachtsabhängig tätig wird, nominell relativ lückenlos. Diese dezentrale Organisation birgt aber für den hoch komplexen Markt, in dem sich die EEX bewegt, erhebliches Potenzial für Reibungsverluste naturgemäß hält jede Überwachungsinstitution im Wesentlichen die Aspekte für wichtig, für die sie zuständig ist. Die gegenseitige Kommu nikation indes so abzustimmen, dass dabei nicht ein wichtiger Aspekt durchs kollektive Aufmerksamkeitsraster fällt, bedeutet eine große Herausforderung und Verantwortung, der man mit einer zentralen Stelle besser begegnen könnte. In diese Richtung kann auch die Transparenz nicht weit genug gehen die Marktüberwachung, wer auch immer sie schließlich vornimmt, muss so viele verfügbare Informationen wie möglich geliefert bekommen. In die andere Richtung, also in die des Marktes, ist das Thema Transparenz zumindest aus wettbewerbsökonomischer Sicht durchaus ein zweischneidiges Schwert. Welche Informationen den Marktteilnehmern an der EEX zusätzlich zur Erhöhung der Transparenz verfügbar gemacht werden sollten, will zumindest aus Sicht der Monopolkommission wohl abgewogen sein. Denn ganz abgesehen davon, dass jeder Handel an einer Börse auch auf der Basis eines (legal erworbenen) Informationsvorsprunges basiert, ergeben sich aus wettbewerbsökonomischer Sicht bei einem Zuviel an Transparenz ganz schnell ganz handfeste Probleme. Um auf das Beispiel der Kraftwerkskapazitäten zurückzukommen: Wenn ein Energieversorger schon von vornherein weiß, dass die Konkurrenz ihr Spitzenlastkraftwerk anschaltet oder eben nicht erleichtert dies das beschriebene strategische Vorgehen erheblich. Ganz nebenbei: Ein Zuviel an Informationen begünstigt nicht zuletzt auch Kartelle. In der Regel gibt es dort eine Stelle, die alle Informationen sammelt und genau überwacht, was die Teilnehmer tun ob sie die Absprachen einhalten oder nicht. Dass es hoch problematisch wäre, wenn diese In formationen gewissermaßen frei Haus und unmittelbar vom Handelsplatz geliefert würden, liegt auf der Hand. Das Vertrauen, das der Markt und die Handelsteilnehmer der EEX entgegenbringen, die Integrität, Offenheit und Transparenz, mit der sich die EEX im Markt und im Umgang mit ihren Handelsteilnehmern bewegt, sind ein Pfund, mit dem der Handelsplatz Leipzig und, durch die Kooperation mit der Powernext nicht zuletzt auch der Handelsplatz Paris, wuchern können und sollten. Die Modifikationen, welche die Monopolkommission vorschlägt, sind vor allem Ausdruck und Ausfluss des hoch konzentrierten Marktes. Wer indes auf dieser Grundlage ein solides Fundament gelegt hat, sollte auch für den noch in der Zukunft liegenden europäischen Binnenmarkt gerüstet sein. G e s c h ä f t s b e r i c h t

16 Gemeinsam stark Jean-François Conil-Lacoste Chief Executive Officer der Powernext SA und EPEX Spot SE 12 G e s c h ä f t s b e r i c h t

17 Die enge Kooperation von EEX und Powernext hat alle Chancen, die Zukunft des integrierten europäischen Energiemarktes entscheidend mit zu prägen. Der Schlüssel dazu ist der gemeinsame Unternehmergeist und das mit solider Arbeit und Beharrlichkeit erworbene Vertrauen sowohl intern als auch extern. Das Jahr 2009 war sowohl für die EEX als auch für die Powernext zweifelsohne von großer Bedeutung. Nicht nur, weil wir unser umfassendes Kooperationsprojekt im Herbst auch formal abschließen konnten. Mit der Zusammenlegung der Spot- und Terminmärkte für Strom, dem ersten Jahr regulären Handelsbetriebs an den gemeinsamen Marktplätzen EPEX Spot und EEX Power Derivatives, haben wir auch dazu beigetragen, die Integration des Strommarktes für Deutschland, Österreich, die Schweiz und Frankreich, der für mehr als ein Drittel des Stromverbrauches in Europa steht, ein gutes Stück voranzubringen. Dass wir daran von Anfang an und auch weiterhin ein vitales Interesse haben, liegt auf der Hand. Was die EEX und die Powernext bereits vor den ersten gemeinsamen Schritten verbunden hat, war der auf beiden Seiten vorherrschende Entrepreneurial Spirit, der ausgeprägte Unternehmergeist. Schon unter diesem Aspekt ergab sich eine fast zwingende Logik, sich näher miteinander zu beschäftigen: Zwei bedeutende Spieler mit stark entwickelten Märkten mitten im Herzen Europas, die zusammen reichlich Schwungmasse aufbringen, die Marktintegration voranzutreiben, um eine entscheidende Rolle in diesem Prozess zu spielen. Natürlich treibt uns dabei nicht allein Altruismus an: Die Kooperation ist auch darauf ausgelegt, nachhaltig Wachstum und Profitabilität zu gewährleisten. Gleichwohl liegen die Vorteile in erster Linie bei unseren Kunden: Die gemeinsame Marktstruktur führt zu verbesserter Liquidität und macht den Markt für die Teilnehmer damit attrak tiver. Die Kooperation zwischen der EEX und der Powernext stellt einen transparenten und zuverlässigen Preisbildungsmechanismus für den Großhandelspreis sowie die zukünftige Stan dardisierung und Harmonisierung der Handels- und Clearingprozesse sicher. Auch hier ist die gemeinsame Abwicklung sämtlicher Spot- und Termingeschäfte über die EEX-Tochter European Commodity Clearing (ECC) ein zentraler Schritt, ebenso wie die Angleichung der Zulassungsverfahren, Handelsgebühren und -systeme und die Festlegung einheitlich hoher Transparenz- und Überwachungsstandards. Zudem sind wir davon überzeugt und arbeiten intensiv dafür dass unsere Zusammenarbeit den bereits 2008 zaghaft angestoßenen Marktkopplungsprozess zur besseren Bewirtschaftung von Netzengpässen in der Region Central Western Europe (Benelux, Deutschland, Frankreich) entscheidend erleichtern und beschleu nigen kann. Der zentrale Leitgedanke, der Oberbegriff, der über diesen Prozessen, dieser Entwicklung steht, heißt Vertrauen. Vertrauen, das auf allen Ebenen gefragt ist. Wenn zwei so wichtige Marktplätze, zwei so bedeutende Spieler wie die EEX und die Powernext, sich einander nähern, fallen zuerst die Unterschiede ins Auge. Dass es die gibt, bei den Prozessen, den formellen und informellen Regeln in beiden Unternehmen, der Herangehensweise an Geschäfte und den Lösungsansätzen bei Problemen, ist beinahe natürlich. Wenn dann noch ein gewisser zeitlicher Druck hinzukommt, den beide Partner mit ihrem anspruchsvollen Kooperations-Fahrplan zwar G e s c h ä f t s b e r i c h t

18 nicht forciert, aber doch in Kauf genommen haben, werden die Zusammenarbeit und vor allem die stetige Kommunikation aller Beteiligten zum Schlüsselfaktor. Dabei sind die Unterschiede durchaus ein produktives Element: Je genauer man sich mit ihnen beschäftigt, im Dialog nach Gründen und Erklärungen für ihr Vorhandensein sucht, desto besser versteht man sein Gegenüber, kann seine Sicht der Dinge nachvollziehen. Auf der Basis dieses Verständnisses wächst der gegenseitige Respekt, wird die Einordnung vieler Schritte einfacher. So kann schließlich Vertrauen entstehen und nicht zuletzt auch so etwas wie Freude an der gemeinsamen Arbeit. Natürlich ist eine Kooperation, ein Zusammengehen dieser Größenordnung schon deshalb kein einfacher Prozess, weil sie für alle Beteiligten auch die Preisgabe eines guten Stücks Souveränität bedeutet. Doch ich bin überzeugt, dass wir diese Herausforderung insgesamt und gemeinsam gut gemeistert haben. Dazu hat nicht nur beigetragen, dass Dr. Hans-Bernd Menzel und ich neben einem guten persön lichen Draht von Beginn an eine klare gemeinsame Vorstellung davon hatten, wohin der eingeschlagene Weg führen soll. Der Prozess wurde auch wesentlich dadurch gestärkt, dass alle mit der Kooperation betrauten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von den Projektteams der Anfangsphase über die Führungsebene bis in die jeweiligen Abteilungen sich ihrem direkten Gegenüber bei der täglichen Arbeit stetig annäherten und vertrauter wurden. Fast noch entscheidender als das Vertrauen nach innen wird in Zukunft das Vertrauen, dass EEX und Powernext von außen entgegengebracht wird. Wir bewegen uns in einem europäischen Markt, der zweifelsohne weiter von einem Konsolidierungsprozess geprägt sein wird. Gleichzeitig und das zeigt nicht nur das mühsame Vorankommen von Market-Coupling- Bemühungen gibt es immer noch regional und national geprägte Vorbehalte gegen diese Entwicklung. Deren Ausdruck sind mitunter regulatorische Spezialitäten und Hindernisse, denen zumindest aus unserer Sicht und aus unserer Erfahrung allein mit marktökonomischen Argumenten nur schwer beizukommen ist. Nicht nur deshalb haben wir unser Kooperationsmodell von Anfang an nicht auf aggressive Expansion ausgelegt, sondern vielmehr als Angebot einer Partnerschaft, der sich auch weitere Mitspieler anschließen können. Diesen Geist atmet auch die Kooperation, welche die EPEX Spot zum Jahresende 2009 mit der im Aufbau befindlichen ungarischen Strombörse HUPX eingegangen ist. Wenn deren operativer Betrieb startet geplant ist dieser Schritt für Juli 2010 werden die neue Börse und ihre Teilnehmer sowohl bei Handelssystemen und Dienstleistungen als auch beim Clearing von den Einrichtungen sowie den Erfahrungen, der Kompetenz und den hohen Normen der EPEX Spot bei der Entwicklung von Spotmärkten für Strom profitieren können. Das Ziel dieser Kooperation versteht sich fast von selbst: Eine Lösung für den Handel zu schaffen, die den Marktteilnehmern Liquidität, Betriebssicherheit sowie eine zuverlässige und transparente Preisbildung garantiert. Gleichzeitig machen wir damit deutlich, dass wir durchaus gewillt und bereit sind, die Rolle eines Schlüsselakteurs bei der Integration der Spotmärkte für Strom in Europa zu übernehmen. Die Schaffung eines tatsächlich integrierten europäischen Strommarktes kann natürlich nur in enger Zusammenarbeit mit anderen Strombörsen sowie sämtlichen Interessengruppen 14 G e s c h ä f t s b e r i c h t

19 und Betroffenen funktionieren, seien sie privat oder staatlich organisiert. In diesem Sinne verstehen wir unsere Rolle neben den Kooperationsangeboten vor allem darin, Vorschläge zu machen. Mit der EPEX Spot sind wir bereits jetzt Katalysator, also Prozessbeschleuniger, für eine Initiative, die wir Price Coupling of Regions nennen, deren Ausdehnung im Idealfall von Finnland bis Portugal reichen kann. Voraussetzungen dafür sind die Beseitigung der Netzengpässe an den Grenzen der Marktgebiete und gleichzeitig die Beibehaltung des Prinzips der impliziten Auktion für die Netzkapazitäten. Die von einigen nationalen Regulierern bei der Europäischen Kommission eingebrachte Idee einer zentralen europäischen Einheit, die Kapazitäts-Nachfrage und -Angebot zusammenführt, scheint uns nicht nur keineswegs zielführend, sondern in ihrer Konsequenz sogar kontraproduktiv für einen integrierten europäischen Strommarkt mit starken Handelsplätzen, deren Aufgabe und Verpflichtung eben die Preis findung für Energie und Kapazitäten ist. Es kann also nicht überraschen, dass wir mit unserem ausgeprägten Unternehmergeist auch weiterhin auf die Marktmechanismen setzen wollen. Aus unserer Sicht ist und bleibt also der Preis nach wie vor das entscheidende Signal dafür, ob und wie weit die Integration des europäischen Energiemarktes fortgeschritten ist. Insofern bestätigt es unsere Sichtweise und stimmt uns optimistisch, dass die an der EEX und der EPEX Spot ermittelten Preise offenbar auch in Regionen als Referenzwerte dienen, in denen es noch andere Börsenplätze gibt. Ohne Zweifel: Wir befinden uns aktuell in einer spannenden, mitunter auch turbulenten Phase des Integrationsprozesses. Unser Ziel ist es dabei, den gesamteuropäischen Markt zu fördern, auszubauen und gleichzeitig auch unseren Anteil am gewachsenen Gesamtmarkt zu erhöhen. Das Potenzial dafür ist auf alle Fälle vorhanden: Der Strommarkt in Deutschland hat ein Volumen von gut 5000 Terawattstunden, von denen etwa ein Viertel über die Börse gehandelt wird. In Frankreich sind es rund 600 Terawattstunden, von denen bislang ein Sechstel über die Börse gehandelt wurde. Hier stimmen uns die erfreulichen Zahlen der EPEX Spot für das Jahr 2009 optimistisch, mit unserem Angebot dem Bedarf entgegenzukommen im Vergleich zum Vorjahr ist das Handelsvolumen im französischen Intra-Day-Handel um satte 40 Prozent ge stiegen. Das ist aus unserer Sicht nicht zuletzt auch ein Beweis des Vertrauens, das der Markt in uns setzt. Dass parallel auch der OTC-Handel stark zugelegt hat, ist für uns zum einen Bestätigung des großen Marktpotenzials, zum anderen aber auch eine Herausforderung für die Zukunft. G e s c h ä f t s b e r i c h t

20 Eine Win-win- Konstellation Peter Heydecker Alpiq Holding AG, Leiter Trading & Services, Mitglied der Geschäftsleitung 16 G e s c h ä f t s b e r i c h t

21 Die Entwicklung der EEX zur führenden Energiebörse Kontinentaleuropas ist eng verknüpft mit den Schlagworten Transparenz, Liquidität und Sicherheit. Diese Begriffe hat sich bildlich gesprochen der Börsenrat auf die Fahnen geschrieben. Von der in diesem Gremium institutionalisierten stetigen Rückkopplung zwischen Börse und Marktteilnehmern profitieren alle Beteiligten. Im Spätsommer 2006 gab es in der Schweizer Energiebranche eine sehr engagierte Diskussion: Ist es zielführend, ja lohnt es sich, in unserem Land eine eigene Energiebörse aufzubauen? Die Stimmung war uneinheitlich zumal in den Nachbarländern Deutschland und Frankreich bereits zwei starke Handelsplätze existierten. Ein Argument übrigens, das je nach Position sowohl als Ansporn als auch als Bremse für die Börsenpläne funktionierte. Denn die EEX galt mit ihren Aktivitäten bereits damals als wichtigste Energiebörse des Kontinents. Heute bin ich durchaus stolz darauf, dass wir als einer von mehreren Marktteilnehmern mit Gewicht und Überzeugung von Beginn an mit dabei waren, als die EEX Ende des gleichen Jahres ihren Hub in der Schweiz startete und ab diesem Zeitpunkt eine glaubwürdige und zuverlässige Schweizer Spotpreisbildung garantierte. Die Diskussion war damit durch die Kraft des Faktischen entschieden: Wenn man sich die weitere Entwicklung anschaut, war der Schritt, auf eine eigene Börse zu verzichten, der richtige. Die EEX hat ihre Position als führende Energiebörse in Kontinentaleuropa weiter ausbauen können und nimmt heute eine zentrale Rolle für die Liquidität und die Preisbildung der Märkte ein. Diese beiden Eigenschaften sind auch für die Alpiq von zentraler Bedeutung immerhin sind wir als größtes Schweizer Utility europaweit in rund 30 Ländern im Stromhandel und -vertrieb aktiv. Der Geschäftsbereich Trading & Services macht dabei ein gutes Viertel unseres kumulierten Jahresumsatzes von 16 Milliarden Schweizer Franken aus. Dementsprechend engagiert beobachten und begleiten wir die Entwicklung. Nicht nur, dass unser Konzern mit einem Anteil von 11,6 Prozent am Pool beziehungsweise 3,45 Prozent an der EEX direkt mittlerweile nach RWE und E.ON der drittgrößte Aktionär ist, wir legen auch großen Wert auf die aktive Mitarbeit in den verschiedenen Gremien wie z. B. dem Aufsichtsund Börsenrat. Ich bin seit 2006 Mitglied dieses Gremiums und verstehe meine und unsere Rolle klar als die eines aktiven Mitgestalters. Gerade die mit der Institution Börsenrat auch organisatorisch verankerte Nähe der EEX zu den Marktteilnehmern erweist sich aus meiner Sicht als eines der wesentlichen Elemente für die Entwicklung und auch den Erfolg der letzten Jahre. Die stetige Rückkopplung ist sowohl für den Handelsplatz als auch für die Marktakteure von entscheidender Bedeutung. Denn selbst wenn die Geschäfte gut laufen, sollte nicht vergessen werden, dass sich die Lage angesichts der Volatilität der Märkte schnell ändern kann. Erinnert sei hier an den Rückgang der Volumina im französischen Terminmarkt. Es ist also im eigenen Interesse der Börse und des Börsenrats, die Marktakteure wie bisher laufend in die Ausgestaltung des Produktportfolios und des täglichen Betriebs mit einzubeziehen. Nicht zuletzt, weil eine der ersten und wichtigsten Regeln, die wohl jeder Kaufmann zu Beginn seiner Ausbildung lernt, unverändert gilt: Sind die Kunden, also die Marktteilnehmer, aus irgendwelchen G e s c h ä f t s b e r i c h t

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