E. Farin-Glattacker. Teilhabeforschung in Deutschland eine Positionsbeschreibung in Abgrenzung zur Versorgungsforschung und Rehabilitationsforschung

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1 E. Farin-Glattacker Teilhabeforschung in Deutschland eine Positionsbeschreibung in Abgrenzung zur Versorgungsforschung und Rehabilitationsforschung

2 Gliederung 1. Was ist Teilhabeforschung? 2. Abgrenzung zur Versorgungsforschung und Rehabilitationsforschung 3. Perspektiven der Teilhabeforschung Farin-Glattacker Teilhabeforschung Okt Folie Nr. 2

3 Was ist Teilhabe? Teilhabe ist dann gegeben, wenn eine Person sozial eingebunden ist, d. h. wenn individuelle und umweltbezogene Faktoren es ermöglichen, dass die Person die sozialen Rollen, die ihr wichtig und ihrer Lebenssituation angemessen sind (z. B. in der Familie, im Beruf, in der sozialen, religiösen und politischen Gemeinschaft), auch einnehmen und zu ihrer Zufriedenheit ausfüllen kann. Arbeitsgruppe Teilhabeforschung der Deutschen Vereinigung für Rehabilitation und der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (2012). Diskussionspapier Teilhabeforschung. Rehabilitation, 51(S1), S28-S33. Farin-Glattacker Teilhabeforschung Okt Folie Nr. 3

4 3 Gründe, warum Forscher sich für Teilhabe interessieren (sollten) Teilhabe ist facettenreich; es erlaubt verschiedene Perspektiven und verlangt interdisziplinäre Ansätze. Teilhabe ist relativ wenig beforscht. Es gibt einen hohen Bedarf, auch an grundlegenden Themen wie z.b. Messung von Teilhabe. Teilhabe ist ein gesellschaftlich und sozialpolitisch vielfach genutzter Begriff praktische Relevanz Farin-Glattacker Teilhabeforschung Okt Folie Nr. 4

5 Was hat Teilhabe mit Gesundheit und Gesundheitsversorgung zu tun? z.b. Barrierefreiheit, familiäre Unterstützung, Einstellung der Umwelt z.b. Bildung, sozioökonom. Status, krankheitsbedingte Störung von Körperfunktionen umweltbezogene Faktoren individuumsbezogene Faktoren Teilhabe Farin-Glattacker Teilhabeforschung Okt Folie Nr. 5

6 Teilhabeforschung erfordert Interdisziplinarität Pflege-/ Therapiewissenschaft (z.b. Gesundheitsförderung durch Sport) Medizin (z.b. Zusammenhang Körperfunktionen - Teilhabe) Psychologie Soziologie (z.b. Gesellschaftliche Ungleichheit) (z.b. sozialpsychologisches Rollen- Konzept) Rechtswissenschaft (z.b. Umsetzung UN- Behindertenrechtskonvention) Pädagogik (z.b. pädagogische Förderung geistig Behinderter) und weitere Kenntnis neuer Methoden und Perspektiven Verständnis der Begrenztheit eigener Konzepte Farin-Glattacker Teilhabeforschung Okt Folie Nr. 6

7 Was ist Teilhabeforschung? Teilhabeforschung versteht sich als interdisziplinäres Forschungsfeld und kann als Oberbegriff für Forschungsansätze verstanden werden, die durch folgende Zielsetzungen und Merkmale gekennzeichnet sind: Farin-Glattacker Teilhabeforschung Okt Folie Nr. 7

8 Was ist Teilhabeforschung? 1. Fokussierung auf Teilhabe und Selbstbestimmung 2. Kontextorientierter Ansatz: Berücksichtigung des individuelle Lebenshintergrund einer Person (z.b. mittels Kontextfaktoren der ICF) 3. Berücksichtigung und Einbeziehung der betroffenen Menschen (z.b. bei Planung und Umsetzung von Forschungsergebnissen) Vortrag Kirschning et al. 4. Interdisziplinarität 5. Träger- und institutionenübergreifender Ansatz 6. Sozial- und gesundheitspolitischer Anwendungsbezug Farin-Glattacker Teilhabeforschung Okt Folie Nr. 8

9 Was ist Teilhabeforschung? bezüglich der Abgrenzung gegenüber älteren Konzepten wie Integrationsforschung, Inklusionsforschung und Disability Studies besteht bisher kein eindeutiger Konsens Vorteile des neuen Begriffs Teilhabeforschung sind die stärkere Verankerung im SGB IX, in der deutschen Übersetzungen der ICF und in der UN- Behindertenrechtskonvention Farin-Glattacker Teilhabeforschung Okt Folie Nr. 9

10 Abgrenzung zur Versorgungsforschung und Rehabilitationsforschung Farin-Glattacker Teilhabeforschung Okt Folie Nr. 10

11 Teilhabeforschung, Versorgungsforschung, Rehabilitationsforschung Farin-Glattacker Teilhabeforschung Okt Folie Nr. 11

12 Die Hauptprinzipien der drei Forschungsfelder Der Betroffene und seine Teilhabeprobleme stehen im Mittelpunkt Die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in der Praxis der Gesundheitsversorgung Das bio-psycho-soziale Verständnis von Gesundheit und Krankheit Farin-Glattacker Teilhabeforschung Okt Folie Nr. 12

13 Teilhabeforschung, Versorgungsforschung, Rehabilitationsforschung Farin-Glattacker Teilhabeforschung Okt Folie Nr. 13

14 Teilhabeforschung, Versorgungsforschung, Rehabilitationsforschung 1 z.b. Evaluation einer Intervention zur Beeinflussung der Einstellung gegenüber Behinderten am Arbeitsplatz mit Merkmalen der Teilhabeforschung wie z.b. Beteiligung von betroffenen Patienten an Studienplanung Berücksichtigung von Personen- und Umweltmerkmalen interprofessionelles Projektteam Farin-Glattacker Teilhabeforschung Okt Folie Nr. 14

15 Teilhabeforschung, Versorgungsforschung, Rehabilitationsforschung 2 z.b. Prädiktoren der Beeinträchtigung der sozialen Partizipation von Patienten nach Bypass-Operation mit Merkmalen der Teilhabeforschung (siehe Beispiele Folie 14) Farin-Glattacker Teilhabeforschung Okt Folie Nr. 15

16 Teilhabeforschung, Versorgungsforschung, Rehabilitationsforschung 3 z.b. RCT zur Bewertung einer Intervention, mit der die Selbstbestimmung von hochbetagten Patienten in der Geriatrischen Rehabilitation verbessert werden soll mit Merkmalen der Teilhabeforschung (siehe Folie 14) Farin-Glattacker Teilhabeforschung Okt Folie Nr. 16

17 Teilhabeforschung, Versorgungsforschung, Rehabilitationsforschung 4 z.b. Evaluation der beruflichen Rehabilitation unter besonderer Berücksichtigung der individuellen Berufsziele der Betroffenen mit Merkmalen der Teilhabeforschung (siehe Folie 14) Farin-Glattacker Teilhabeforschung Okt Folie Nr. 17

18 Perspektiven der Teilhabeforschung Farin-Glattacker Teilhabeforschung Okt Folie Nr. 18

19 Probleme und Perspektiven der Teilhabeforschung Akteure sind sehr heterogen; verschiedene Verbände, Institutionen, Berufs- und Forschergruppen Bedarf nach interdisziplinärer Vernetzung wenige und gering koordinierte Fördermöglichkeiten Bedarf nach strukturierten Förderinitiativen wissenschaftlicher Kenntnisstand nur in Teilbereichen zusammengetragen Bedarf nach systematischer Aufbereitung von Literaturbefunden aus verschiedenen Disziplinen Farin-Glattacker Teilhabeforschung Okt Folie Nr. 19

20 Teilhabeforschung - Versorgungsforschung Wo Teilhabeforschung sich u.u. an der Versorgungsforschung orientieren kann: Professionalisierung eines interdisziplinären Forschungsfeldes wie im DNVF erfolgreiche Umsetzung von Förderinitiativen Wo Versorgungsforschung sich u.u. an der Teilhabeforschung orientieren kann: Prinzipien partizipativer Forschung Betonung sozial-ökologischer Modelle (Person und Umwelt) Farin-Glattacker Teilhabeforschung Okt Folie Nr. 20

21 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Prof. Dr. Erik Farin-Glattacker Mail Tel / Bildnachweise: Folie 21: istockphoto.com/cginspiration Farin-Glattacker DKVF Theorien Versorgungsforschung Folie Nr. 21

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