Forum Ernährung. Referent: Stefan Lux M.Sc. Public Health Nutrition -1-

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1 Forum Ernährung Ökologische Aspekte in der Ernährungsberatung Referent: Stefan Lux M.Sc. Public Health Nutrition -1-

2 Hintergrund Parallel zur Entfremdung der Lebensmittelherstellung und zubereitung wächst das Interesse an ernährungsökologischen Fragen Fragen zur Auswirkung des eigenen Ernährungsverhaltens erfahren zunehmenden Einzug in die Ernährungsberatung Ökologisch erzeugte Produkte und Produkte aus fairem Handel werden vermehrt nachgefragt Das Wegwerfen von Lebensmitteln kann als am leichtesten verhinderbares nicht nachhaltiges Handeln gesehen werden. -2-

3 Das Konzept der Ernährungsökologie und Nachhaltigkeitsaspekte Im Zuge globaler Märkte und Warenströme nimmt die Wahl der Lebensmittel bzw. deren Einkauf bedeutenden Einfluss auf die Umwelt. Die Zusammenhänge zwischen individuellem Verhalten hinsichtlich des Einkaufs- und Ernährungsverhaltens und globalen Umweltaspekten ist komplex (z.b. Rodung von Urwald für Palm-Monokulturen in Indonesien oder den Anbau von Soja in Brasilien) -3-

4 Fünf Dimensionen einer Nachhaltigen Ernährung Dieses Bild ist aus rechtlichen Gründen ausgeblendet (v. Koerber, 2014) -4-

5 Fünf Dimensionen einer Nachhaltigen Ernährung Kultur: - Beziehung zum Essen hat sich grundlegend gewandelt - Bevorzugung billiger Lebensmittel - In Schwellenländern nimmt der Konsum von Fleisch zu. Fleisch gilt als Statussymbol (Nutrition Transition). (v. Koerber, 2014) -5-

6 Fünf Dimensionen einer Nachhaltigen Ernährung Gesellschaft: - Globale Industrialisierung der Lebensmittelproduktion fördert Landflucht und Verstädterung in Entwicklungs- und Schwellenländern - Im Zuge der Verstädterung kommt es zur Veränderung der Ernährungsgewohnheiten (Nutrition Transition): mehr tierische und vorgefertigte/hoch verarbeitete Lebensmittel und Zunahme ernährungsassoziierter Erkrankungen (Health Transition) (v. Koerber, 2014) -6-

7 Fünf Dimensionen einer Nachhaltigen Ernährung Wirtschaft: - Der Ernährungsbereich ist der viertgrößte Industriezweig in Deutschland - Immer niedrigere Verbraucherpreise verursachen teilweise ruinöse Preiskämpfe - Hiervon sind insbesondere kleine und mittlere Betriebe (Landwirte, Verarbeiter und Händler) betroffen - Es kommt teilweise zu einer Externalisierung der Kosten (z.b. Subventionen) (v. Koerber, 2014) -7-

8 Fünf Dimensionen einer Nachhaltigen Ernährung Umwelt: - Naturressourcen werden knapper - Globalisierte Warenströme (Erzeugung, Verarbeitung und Transport) belasten die Umwelt - In Deutschland entfallen rund 20% der Treibhausgasemissionen auf den Ernährungsbereich - Anbau von Futterpflanzen verbraucht viel Land (v. Koerber, 2014) -8-

9 Fünf Dimensionen einer Nachhaltigen Ernährung Gesundheit: - Der Konsum von mehr pflanzlicher Kost und weniger (hoch verarbeiteten) tierischen Lebensmitteln: - führt durch großes Volumen zu verstärkter Sättigung und verdrängt energiereichere Lebensmittel - verbessert Versorgung mit Ballaststoffen - verbessert Versorgung mit sekundären Pflanzenstoffen - geringe Energiedichte (Kilokalorien pro Gramm Lebensmittel) und hohe Nährstoffdichte (Nährstoffgehalt in Bezug zu Energie) - in der Summe: tendenziell geringeres Risiko für HKE und bestimmte Krebsarten (v. Koerber, 2014) -9-

10 Sieben Grundsätze für eine nachhaltige Ernährung 1. Bevorzugung pflanzlicher Kost 2. Ökologisch erzeugte Lebensmittel 3. Regionale und saisonale Erzeugnisse 4. Bevorzugung gering verarbeiteter Lebensmittel 5. Fair gehandelte Produkte 6. Ressourcenschonendes Haushalten 7. Genussvolle und bekömmliche Speisen (v. Koerber, 2014) -10-

11 Wegwerfen von Lebensmitteln Täglich werden enorme Mengen von i.d.r. noch verzehrsfähigen Lebensmitteln weggeworfen. Dies belastet Umwelt und Ökonomie durch unnötigen Ressourcenverbrauch und verursacht weiterhin teilweise vermeidbare Aufwendungen in: Anbau Verarbeitung Verpackung Transport Vermarktung (?) -11-

12 Aufgliederung der Lebensmittelabfälle nach Vermeidbarkeit Lebensmittelabfälle = vermeidbar + teilweise vermeidbar + nicht vermeidbar Menge der geschätzten Lebensmittelabfälle aus Haushalten in Deutschland pro Jahr Lebensmittelabfälle = 3,14 Mio. t + 1,2 Mio. t + 2,34 Mio. t (modifiziert nach iswa, 2012) -12-

13 Finanzieller Verlust durch Lebensmittelverschwendung Die Menge vermeidbarer und teilweise vermeidbarer Lebensmittelabfälle aus Haushalten in Deutschland entspricht einem geschätzten Geldwert von 16,6-21,6 Mrd. EUR pro Jahr. Dies entspricht in etwa EUR vermeidbarer und teilweise vermeidbarer Kosten pro Einwohner. (iswa, 2012) -13-

14 Handel % Verteilung der Lebensmittelabfälle in Deutschland (Median: t/jahr) Industrie % Großverbrauc her % Haushalte % (iswa, 2012) -14-

15 Verteilung der Lebensmittelabfälle in Haushalten in Deutschland Speisereste 12% Getränke 7% Sonstiges 3% Obst 18% Teigwaren 5% Backwaren 15% Milchprodukte 8% Fleisch und Fisch 6% Gemüse 26% (iswa, 2012) -15-

16 Tipps zur Vermeidung von unnötigen Lebensmittelabfällen im Privathaushalt MHD (Mindesthaltbarkeitsdatum) ist nicht mit Verbrauchsdatum (z.b. bei Hackfleisch) gleichzusetzen. Hier geht es vielfach um technologische Eigenschaften der Lebensmittel. Sensorische Überprüfung reicht oft. Bedarfsgerechte Mengen einkaufen (z.b. XXL-Packungen vermeiden, wenn bekannt oder zu erwarten ist, dass ein Teil davon nicht verzehrt wird). Lagerbedingungen verbessern. Reste ggf. anderweitig verwerten (z.b. zu Eintöpfen/Suppen). -16-

17 Fazit Unsere Einkaufsentscheidungen haben teilweise globalen Einfluss Die Schaffung einer guten Ernährungskompetenz sollte früh beginnen, indem Kindern bereits Grundfertigkeiten und das Wissen über die Herkunft unserer Lebensmittel vermittelt werden Über eine gute Einkaufsplanung und fachgerechtes Lagern, sowie das Verwerten von Resten kann die vermeidbare Entsorgung von Lebensmitteln begrenzt werden (s

18 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! -18-

19 Quellenhinweise Claupein, E. & Hoffmann, I. (2011). Dimension Umwelt: Wie sich Ernährung auf das Klima auswirkt. In: Hoffman, I., Schneider, K., Leitzmann C. (Hrsg.) (2011). Ernährungsökologie. Komplexen Herausforderungen integrativ begegnen. München: oekom. iswa (Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft der Universität Stuttgart) (2012). Ermittlung der weggeworfenen Lebensmittelmengen und Vorschläge zur Verminderung der Wegwerfrate bei Lebensmitteln in Deutschland Kurzfassung. Verfügbar unter: hareddocs%2fdownloads%2fernaehrung%2fwvl%2fstudie_lebensmittelabfaelle_kur zfassung.pdf%3f blob%3dpublicationfile&lnkname=zugutfuerduetonne_kurzfassung v. Koerber, K. (2014). Fünf Dimensionen der Nachhaltigen Ernährung und weiterentwickelte Grundsätze Ein Update. Aid Infodienst. Ernährung im Fokus, ,

20 Weiterführende Literatur Bere, E. & Brug, J. (2008). Towards health-promoting and environmentally friendly regional diets a Nordic example. Public Health Nutrition, 12 (1), Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (2014). Aktion Zu gut für die Tonne. Verfügbar unter: https://www.zugutfuerdietonne.de/ Clonan A. & Holdsworth M. (2012). The challenges of eating a healthy and sustainable diet. American Journal of Clinical Nutrition, 96, Garnett, T. (2013). Food sustainability: problems, perspectives and solutions. Conference on Future food and health Symposium I: Sustainability and food security. Proceedings of the Nutrition Society, 72, Hoffman, I., Schneider, K. & Leitzmann C. (Hrsg.) (2011). Ernährungsökologie. Komplexen Herausforderungen integrativ begegnen. München: oekom. Johnston, J.L., Fanzo, J.C. & Cogill, B. (2014). Understanding Sustainable Diets: A Descriptive Analysis of the Determinants and Processes That Influence Diets and Their Impact on Health, Food Security, and Environmental Sustainability. American Society for Nutrition. Adv. Nutr., 5,

21 Weiterführende Literatur Macdiarmid, J. I. (2013). Is a healthy diet an environmentally sustainable diet? Conference on Future food and health Symposium I: Sustainability and food security. Proceedings of the Nutrition Society 72, Messet et al. (2014). Reducing energy intake and energy density for a sustainable diet: a study based on self-selected diets in French adults. American Journal of Clinical Nutrition, 99 (6),

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