PSG I, II, III: Wie geht es der Pflege?

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1 PSG I, II, III: Wie geht es der Pflege? Versuch einer Abgrenzung zwischen den pflegerischen Betreuungsleistungen des SGB XI und den Assistenzleistungen der Eingliederungshilfe Fachtagung des Deutschen Vereins vom Juli 2017 Dr. Elisabeth Fix Berliner Büro des Deutschen Caritasverbands 1 Pflegerische Betreuungsmaßnahmen Definition nach 36 SGB XI Unterstützungsleistungen zur Bewältigung und Gestaltung des alltäglichen Lebens im häuslichen Umfeld Bei der Bewältigung psychosozialer Problemlagen oder Gefährdungen Bei der Orientierung, Tagesstrukturierung, Kommunikation, Aufrechterhaltung sozialer Kontakte Durch Maßnahmen der kognitiven Aktivierung 2 1

2 Assistenzleistungen Definition nach 78 SGB IX Leistungen für die allgemeinen Erledigungen des Alltags einschließlich Tagesstrukturierung Haushaltsführung Gestaltung sozialer Beziehungen Persönliche Lebensplanung Teilhabe am gemeinschaftlichen und kulturellen Leben Sicherstellung der Wirksamkeit der ärztlichen und ärztlich verordneten Leistungen Verständigung mit der Umwelt in all den genannten Bereichen 3 Assistenzleistungen 78 SGB IX Formen der Unterstützung: Übernahme oder teilweise Übernahme von Handlungen zur Alltagsbewältigung Begleitung, Anleitung, Motivation Hilfestellungen, Handreichungen Einüben, Training Organisation, Planung, Koordinierung 4 2

3 Abgrenzungsbereiche und fragen Assistenzleistungen und Teilhabeleistungen (Umsetzung in den Rahmenverträgen) Bewältigung des Alltags Tagesstrukturierung, Tag-Nacht-Rhythmus Soziale Beziehungen/soziale Kontakte Selbstversorgung: Körperpflege, hauswirtschaftliche Versorgung, An- und Ausziehen der Kleidung, Nahrungsaufnahme Mobilität 5 Ziele der Leistungen des SGB XI Ziel der Pflegeversicherung ( 2 Absatz 1 SGB XI): Die Leistungen der Pflegeversicherung sollen den Pflegebedürftigen helfen, trotz ihres Hilfebedarfs ein selbständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen, das der Würde des Menschen entspricht. Die Hilfen sind darauf auszurichten, die körperlichen, geistigen und seelischen Kräfte der Pflegebedürftigen wiederzugewinnen oder zu erhalten. 6 3

4 Ziele der Leistungen SGB IX Ziel der Eingliederungshilfe neu ( 91 Absatz 1 SGB IX): Aufgabe der Eingliederungshilfe ist es, Leistungsberechtigten eine individuelle Lebensführung zu ermöglichen, die der Würde des Menschen entspricht und ihre volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu fördern. Die Leistung der Eingliederungshilfe soll sie befähigen, ihre Lebensplanung und führung möglichst selbstbestimmt und eigenverantwortlich wahrnehmen zu können. 7 Vergleich der Ziele Ziele der Pflegeversicherung und der Eingliederungshilfe sind wesensverschieden Eingliederungshilfe Pflegeversicherung Ansatz Befähigung Hilfen Ziel der Unterstützung Ergebnisorientierung Fähigkeiten und Kompetenzen Individuelle, selbstbestimmte und eigenverantwortliche Lebensführung und - planung Volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe Entwicklung, Gewinnung, Weiterentwicklung Selbstbestimmte und selbständige Lebensführung Fähigkeiten wiedergewinnen oder erhalten Aufrechterhaltung oder Wiedergewinnung 8 4

5 Abgrenzungsfragen SGB XI/Eingliederungshilfe Alltag Tagesstrukturierung Soziale Interaktionen Kompetenzen Assistenzleistungen 124 SGB XI Häusliche Betreuung Eigenständige Bewältigung des Alltags Eigenständige Tagesstrukturierung Gestaltung sozialer Beziehungen Erwerb und Erhalt praktischer Fähigkeiten und Kenntnisse Unterstützung bei der Alltagsgestaltung Aufrechterhaltung der Tagesstrukturierung Aufrechterhaltung sozialer Kontakte Bedürfnisgerechte Beschäftigung 9 Beispiele: Formen der Unterstützung im Bereich Assistenzleistungen Hilfestellungen mit Blick auf Selbstwertgefühl, emotionales Gleichgewicht Förderung des sprachlichen Ausdrucks und des Auffassungsvermögens Einüben und Vermittlung von Konfliktbewältigungsstrategien (in Wohngruppe) Einüben/Training Aufräumen und Reinigen des Wohnraums, Organisation von Einkäufen Beratung im Umgang mit finanz. Angelegenheiten oder Behörden Erschließen von Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft, z.b. Vereine, Sport, Hobbys, Urlaub, Kultur, Teilhabe an Wahlen, Selbsthilfegruppen 10 5

6 Beispiele: Formen der Unterstützung im Bereich pflegerische Betreuung Stärkung der Selbstpflege der Betroffenen und der Pflegekompetenzen der Angehörigen durch Edukation und pflegefachliche Anleitung, z.b. im Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen Training der individuellen Ressourcen, z.b. im Bereich Mobilität, Selbstversorgung, Kommunikation Orientierungs- und Erinnerungshilfen Intervention bei kognitiven und psychischen Problemlagen Nicht nur passive Unterstützung bei der Haushaltsversorgung, sondern Unterstützung zu aktiver, selbstbestimmter Haushaltsführung Präventive und rehabilitative Leistungen 11 Fazit Gemeinsamkeiten der Ziele von Eingliederungshilfe und Pflege Stärkung der Selbständigkeit Stärkung der Selbstwirksamkeit Förderung der individuellen Ressourcen und Fähigkeiten Ermöglichung von Teilhabe Unterschiede Eingliederungshilfe stellt das Einüben, Trainieren, Entwickeln und Fortentwickeln in den Vordergrund Pflege will den Abbau von Fähigkeiten aufhalten und verlorengegangene Kompetenzen wiedergewinnen 12 6

7 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! 13 7

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