Methodennutzung, -präferenz und -fortbildungsbedarfe in der deutschsprachigen

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1 Bernd Reuschenbach et al. Methodennutzung, -präferenz und -fortbildungsbedarfe in der deutschsprachigen Pflegewissenschaft Ergebnisse einer Online-Befragung 1 Use, preference and educational needs of research methods in nursing science in german speaking countries results of an online sur vey Between September 2009 and Februar y nurse researchers from Germany, Austria and Switzerland took par t in an online-sur vey assessing their methodological competencies and the research methods they teach. In addition, they were asked about their individual needs concerning research methodological training, as well as about their decision-making strategy when choosing and using research methods. The results show, that most par ticipants have competencies in qualitative and quantitative research methods. Almost 70% of the par ticipants are well schooled in both fields. The research methods most commonly used and taught were descriptive and correlative methods, as well as content-analysis, and a grounded theor y approach. A comparison between the individual methodological competencies and the needs expressed by the par ticipants concerning their methodological training revealed the necessity to improve communication within the scientific community. The results indicate that a general debate on the specific research methods used in nursing research versus the appropriate methods for the nursing field, is due for discussion. The study highlights some impor tant issues regarding future methodological developments in nursing science. The results also provide a useful basis for comparisons with other scientific disciplines. Keywords research methods, methodological competencies, methodological training, decision making in research Im Rahmen einer Online-Erhebung wurden zwischen September 2009 und Februar 2010 insgesamt 127 Pflegewissenschaftlerinnen und Pflegewissenschaftler aus Deutsch- 1 Die Studie wurde durch eine finanzielle Forschungsförderung der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft unterstützt. Für hilfreiche Kommentare und Unterstützung bei der Konzeption der Studie danken wir Katrin Koch, Inge Eberl, Gisela Kleinwechter, Regina Sauer und Andreas Lauterbach. eingereicht akzeptiert (nach Überarbeitung) 197

2 Beltz Juventa. Pflege& Gesellschaft 17. Jg H.3 land, Österreich und der Schweiz zu ihren gelehr ten und genutzten Forschungsmethoden befragt. Ergänzend wurden mittels offener Fragen For tbildungswünsche und Entscheidungsgründe für den Einsatz von Forschungsmethoden erhoben. Die Ergebnisse zeigen, dass unter den Befragten ein großes Reper toire an qualitativen und quantitativen Methoden vorgehalten wird. Knapp 70% der Befragten kennen sich auf beiden Terrains aus. Neben deskriptiven und korrelativen Ver fahren zählen die Inhalts - analyse und die Grounded Theor y zu den am häufigsten genutzten und gelehr ten Methoden. Ein Vergleich der Methodenkompetenzen und der For tbildungswünsche verdeutlicht, dass der kollegiale Austausch zukünftig gefördert werden sollte. Ebenso wird eine grundsätzliche Diskussion über fachspezifische Methoden und die Angemessenheit der Methoden vor dem Hintergrund des spezifischen pflegerischen Gegenstandes von den Befragten gefordert. Die Ergebnisse können Anhaltspunkte für die methodische Weiterentwicklung der Pflegewissenschaft geben und stellen eine Grundlage für den Vergleich mit anderen Wissenschaftsdisziplinen dar. Schlüsselwörter Forschungsmethoden, Gegenstandsangemessenheit, Curriculum, Methodologie, Erhebungsmethoden, Auswer tungsmethoden Forschungsmethoden sind konstituierendes Element einer wissenschaftlichen Disziplin und deren Weiterentwicklung ist Kennzeichen einer fortschrittsfähigen Wissenschaft (Popper 1979). Während Einigkeit darin besteht, dass es in der Pflegewissenschaft, analog zu den anderen Wissenschaften, des Einsatzes von Forschungsmethoden bedarf, herrscht Unklarheit darüber, ob es einen fachspezifischen Methodenkanon gibt und wenn ja, ob dieser angemessen zur Anwendung kommt (Barrett 1998). Vor allem die Frage, ob Pflegeforschung genuine Methoden anwendet (vgl. Bartholomeyczik 2000) oder anwenden sollte, wird kritisch diskutiert und benötigt darüber hinaus eine methodologische Diskussion. Die durch Hallberg (2006) angestoßene Debatte über notwendige Forschungsdesigns in der Pflegewissenschaft und ihre Positionierung zugunsten von Studien mit hoher externer Validität sowie die Repliken auf diesen Beitrag (Galvon et al. 2008; Borglin/Richards 2010) zeigen, wie schwierig es ist, Empfehlungen für die methodische Weiterentwicklung einer Wissenschaftsdisziplin aufzustellen, weil sie das wissenschaftliche Selbstverständnis und die individuellen Methodenkompetenzen berühren. 2 Um dieses konstituierende Merkmal einer Wissenschaft hinsichtlich der Angemessenheit zu bewerten, bedarf es zunächst einer deskriptiven Analyse der genutzten und gelehrten Methoden. Daraus lassen sich dann vor dem Hintergrund der Reflexion des originären pflegerischen/pflegewissenschaftlichen Gegenstandes und des beruflichen Selbstverständnisses Forderungen für die methodische Weiterentwicklung ableiten. Darüber hinaus ermöglicht die Erfassung des Status quo der Methodennutzung, (1) die besonderen Eigenheiten des Fachgebietes zu benennen, (2) einen Vergleich mit 2 Wie fruchtbar ein selbstkritischer Zugang ist, der zunächst die Dominanz einzelner Forschungsmethoden aufdeckt und diese mit dem Anspruch der Disziplin vergleicht, zeigt der Beitrag von Baumeister et al. (2007). 198

3 existierenden internationalen Studien zur Methodennutzung (Polit/Beck 2009) und (3) in der längsschnittlichen Betrachtung die Aufdeckung von Entwicklungstendenzen innerhalb der Pflegewissenschaft. 1. Problemstellung Als relativ junge Disziplin besitzt die Pflegewissenschaft in Deutschland einen Querschnittscharakter und greift verfügbares Wissen der Nachbardisziplinen und Bezugswissenschaften auf. Darüber hinaus muss sie aber auch originäre pflegerische Belange und Probleme bestimmen (Remmers 1999). Die Aufgabe der Pflegewissenschaft besteht daher in der Sammlung, Ordnung, Überprüfung und Generierung pflegerischen Wissens. Als Methode zur Bewältigung dieser Aufgabe wird die Pflegeforschung genutzt. Pflegeforschung dient damit der methodischen Wissensvermehrung in der Pflege und bearbeitet hierfür Fragestellungen zum Gegenstandsbereich der Pflege. Da der breit gefächerte Gegenstand Pflege zusätzlich unterschiedlich definiert wird, führt dies zu einer Vielzahl an unterschiedlichen Forschungsfragen (Panfil 2007). Angesichts der Mehrdimensionalität von Pflege bedarf es auch eines Pluralismus auf der methodischen Ebene (Stemmer 2001). Daher ist mittlerweile die Pflegeforschungsszene in Deutschland, wie auch in anderen Ländern, so groß, dass sie nicht im Einzelnen beschrieben werden kann (Schaeffer 2003: ). Klare Konturierungen der Pflegewissenschaft wie auch berufliche Eingrenzungen der Akteure (Wer gilt als Pflegewissenschaftlerin/Pflegewissenschaftler?) sind dadurch erschwert. Wenn über Forschungsmethoden gesprochen wird, muss immer auch die Frage nach dem zu Grunde liegenden Wissenschaftsverständnis, einem naturwissenschaftlichen oder einem sozialwissenschaftlichen Paradigma, beantwortet werden. Für die Weiterentwicklung und Professionalisierungsbestrebungen der Pflegewissenschaft wäre eine alleinige Orientierung am naturwissenschaftlichen Paradigma nicht sinnvoll. Dies würde die Vernachlässigung der individuellen Patientenperspektive bedeuten, denn pflegebedürftige Menschen haben nicht nur körperliche, sondern auch leibliche Bedürfnisse in existentiell belastenden Lebenssituationen (Friesacher 2008), die es für den Pflegebedarf interaktionistisch auszuhandeln gilt. Gerade die wissenschaftstheoretisch formulierte doppelte Handlungslogik der Pflegepraxis (Remmers 1999) zeigt auf, dass das Verstehen des individuellen Patientenproblems eine Verschränkung unterschiedlicher Wissensarten erfordert (Oevermann 1981, 1996). Nicht nur professionstheoretische Fragen, sondern auch die Anwendung der bestimmten Methoden zur Datenerhebung und -auswertung sind mit wissenschaftstheoretischen Positionen verbunden (Schaeffer 2002). Daher wird für die Pflegewissenschaft eine Integration qualitativer und quantitativer Ansätze, welche auch vor allem bei komplexen Fragestellungen im Sinne einer Triangulation gewinnbringend sind, gefordert (Bartholomeyczik 2004). Grundsätzlich sind Forschungsmethoden Werkzeuge, die aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Positionen zur Anwendung kommen können. Methoden sind in 199

4 Beltz Juventa. Pflege& Gesellschaft 17. Jg H.3 diesem Sinne ein spezielles System von (Handlungs-)Regeln, um an neue Erkenntnisse zu gelangen. Sie sind auf einen Prozess und ein bestimmtes Ziel, wie z. B. eine systematische Problemlösung, hin ausgerichtet und sind daher zielgerichtet auszuwählen (Brandenburg 2007). Diese zielgerichtete und auch zielführende Passung in der Auswahl von Methoden wird mit dem Begriff der Gegenstandsangemessenheit beschrieben. Trotz der bemerkenswerten Entwicklung der Pflegeforschung machen sich Defizite für die Weiterentwicklung von Pflegewissenschaft und Pflegeforschung bemerkbar. Eines der Defizite gründet sich in der Methodenwahl und -anwendung, denn es entsteht der Eindruck bevorzugter Themenschwerpunkte (Hasseler 2005). Etablierte Methoden zur Erfassung des Stellenwertes einzelner Methoden bedienten sich bisher bibliometrischer Analysen (Hausner 2006; Traynor 2001; Polit/Beck 2009; Scholes 2010). Die Ergebnisse solcher Studien sind ein Spiegelbild des (pflege)wissenschaftlichen Mainstreams und damit auch systematischen Verzerrungen unterworfen. So kann beispielsweise das Peer-Reviewing zu einer Unterordnung in einen etablierten Methodenkanon zwingen, oder bestimmte, nicht den aktuellen Trends entsprechende Arbeiten, werden gar nicht erst zur Publikation eingereicht. Auch die Analyse von Bildungsangeboten (z. B. anhand von Modulhandbüchern) oder Lehrbüchern ist diesen Verzerrungen unterworfen. Sie decken nicht den aktuellen Stand der Forschungsanwendung und möglicher Bedarfe auf, sondern beschreiben etablierte Angebote und die als langfristig relevant erachteten Methoden. Eine systematische Erfassung der angewendeten und gelehrten Forschungsmethoden aus Sicht der Anwender liegt im deutsprachigen Raum nicht vor. Eine Recherche in der Zeitschrift Pflege der Jahre ergibt eingeschränkte Hinweise. Die dort veröffentlichten Forschungsarbeiten weisen im Gegensatz zu anderen Ländern, die einen Überhang an qualitativen Methoden aufwiesen, auf eine steigende Bedeutung quantitativer Methoden hin. Triangulationen wurden selten verwendet und bestimmte Forschungsbereiche, wie die Methoden der historische Forschung, eher vernachlässigt (Bartholomeyczik 2004). Eine direkte Befragung der Pflegewissenschaftlerinnen und Pflegewissenschaftler ermöglicht unmittelbarere Hinweise auf die Methodenpräferenz und Lehrinhalte. Mit diesem Ziel wurde die Erhebung in der vorliegenden Studie als Online-Befragung durchgeführt. Ergänzend wurden zur Erfassung der perspektivischen Entwicklungsbedarfe die individuellen Fort- und Weiterbildungswünsche erfragt. Diese sind ein Spiegelbild der persönlichen Entwicklungsbedarfe, aber auch der disziplinspezifischen Entwicklungsperspektiven. Vier Fragestellungen stehen damit im Mittelpunkt der vorliegenden Studie: - Welche Forschungsmethoden werden von Lehrenden und Forschenden, die sich selbst der Pflegewissenschaft zuordnen, genutzt? - Welche Forschungsmethoden werden im deutschsprachigen Raum gelehrt? 200

5 - Welche Fort- und Weiterbildungswünsche werden bezüglich der Forschungsmethoden geäußert? - Was sind Entscheidungsgrundlagen für die Methodenwahl und Entwicklungsbedarfe? 2. Methode 2.1 Design und Teilnehmerinnen/Teilnehmer Die Erhebung wurde als Online-Befragung realisiert. Diese lief von September 2009 bis Februar Wie oben dargestellt ist die Pflegewissenschaft eine junge Disziplin mit Bezügen zu verschiedenen Disziplinen. In Anlehnung an die Aufgaben der Pflegewissenschaft sind daher aus unserer Sicht als Pflegewissenschaftlerinnen/Pflegewissenschaftler all diejenigen zu fassen, welche zur methodischen Wissensvermehrung der Pflege, sei es in Empirie oder Theorie, beitragen und sich selbst daher als Pflegewissenschaftlerin/ Pflegewissenschaftler definieren. Die Eingrenzung der Stichprobe ergibt sich durch den Zugang: Die Erhebung war über die Homepage der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft (DGP) zu erreichen. Um möglichst viele deutschsprachige Pflegewissenschaftlerinnen und -wissenschaftler für die Teilnahme an der Online-Befragung zu gewinnen, wurde der -Verteiler der DGP genutzt. Ergänzend wurden mittels einer Internetrecherche wissenschaftliche Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter und Lehrstuhlinhaber/Lehrstuhlinhaberinnen pflegebezogener Studiengänge an Universitäten und Fachhochschulen sowie pflegewissenschaftliche Forschungsinstitute in Deutschland, Österreich und der Schweiz ermittelt 3. Diese wurden via Mail mit einem integrierten nicht personalisierten Link eingeladen, an der Befragung teilzunehmen. Insgesamt wurden 323 Personen per Mail kontaktiert, 127 Personen haben sich an der Befragung beteiligt. Inhalte und Form des Online-Fragebogens wurden innerhalb der Sektion Forschungsmethoden der DGP erarbeitet und konsentiert. Im Rahmen eines Pretests wurden mit jeweils zehn Personen zwei verschiedene Papierversionen und zwei verschiedene Onlineversionen hinsichtlich Bearbeitungsdauer, Verständlichkeit und technischer Umsetzung bewertet. Auf dieser Grundlage wurde der finale Fragebogen entwickelt. Die Datenerhebung erfolgte anonym. Es wurden keine Rechneradressen (IP-Adressen) gespeichert. Der Abbruch der Befragung führte zum Löschen des jeweiligen Datensatzes. Freiwillig konnten Namen und -Adresse angegeben werden, um einen Pool 3 Auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft wurde zusätzlich ein Link zur Befragung platziert, der auch Personen erreichen sollte, die nicht per Mail angeschrieben wurden, sich aber als Pflegewissenschaftlerinnen/Pflegewissenschaftler verstehen. Eine genaue Bestimmung des Rücklaufs ist durch die Form der Ansprache nicht möglich. 201

6 Beltz Juventa. Pflege& Gesellschaft 17. Jg H.3 an Expertinnen und Experten für Fortbildungsangebote zu generieren. Ein positives Votum der Ethik-Kommission der DGP lag vor Beginn der Studie vor. 2.2 Instrumente Die Befragung gliederte sich in vier Teile 1. Genutzte und gelehrte Forschungsmethoden, Fortbildungswünsche 2. Entscheidungsgründe und Entwicklungsbedarfe 3. Berufsbiografische Fragen 4. Freiwillige Angaben der Kontaktadresse Zur Erhebung der genutzten und gelehrten Forschungsmethoden wurde eine Auswahl gängiger Forschungsdesigns, Erhebungs- und Auswertungsmethoden, wie sie in den meisten Methodenlehrbüchern zu finden sind, vorgegeben. Hierzu konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dann angeben, ob diese von ihnen gelehrt, angewendet oder als Fortbildungsthemen gewünscht werden. Bei den qualitativen Zugängen wurden auch Methodologien (Grounded Theory, Phänomenologie etc.) in die Befragung aufgenommen. Weitere Methoden konnten als Freitext ergänzt werden. Nach der Bestandsaufnahme im ersten Teil wurden im zweiten Teil die Entscheidungsoptionen für die Methodenwahl und die Entwicklungsbedarfe mittels folgender aufgeführter offener Fragen erhoben: 1. Nach welchen Gesichtspunkten wählen Sie die Forschungsmethoden, die Sie anwenden wollen, aus? 2. Wo sehen Sie Entwicklungsbedarf auf dem Gebiet der Forschungsmethoden für die Pflegeforschung? Die Befragten wurden im dritten Teil gebeten, Angaben zu ihren Forschungsschwerpunkten, Tätigkeitsfeldern und zur ihrer Berufsbiographie zu machen. Auf freiwilliger Basis konnten am Ende persönliche Angaben (Name, Adresse, ) hinterlassen werden. 2.3 Analyse Die Antworten der standardisierten Fragen wurden mittels deskriptiver Statistik ausgewertet. Die Analyse erfolgte mit PASW Statistics 18 (SPSS Inc. 2009). Die Antworten zu den zwei offenen Fragen (Entscheidung für eine Methode, Entwicklungsbedarfe) wurden mit Hilfe von Atlas.ti (Atlas.ti GmbH, 2011) kodiert, thematisch geclustert und anschließend anhand der entstandenen Kategorien quantifiziert. 202

7 3. Ergebnisse Im Zeitraum von September 2009 bis Februar 2010 füllten 127 Personen den Fragebogen aus. Aufgrund der Angaben im dritten Teil des Fragebogens ergeben sich folgende Stichprobencharakteristika: Mehrheitlich nahmen Frauen (66%) an der Befragung teil. Von den 127 Personen, die Angaben machten, arbeiteten 45% zum Zeitpunkt der Befragung an einer Universität, 35% an einer Fachhochschule, 16% in einem Krankenhaus und 10% in einer Fort- und Weiterbildungseinrichtung (Mehrfachantworten waren möglich). Siebzehn Personen ergänzten zur Frage nach dem derzeitigen Arbeitsplatz freie Antworten. In vier dieser Fälle wurden Forschungsinstitute benannt. Die meisten der teilnehmenden Personen haben ein Diplom (55%), eine Promotion (41%) und/oder einen Masterabschluss (29%). Hinsichtlich der Art des Hochschulabschlusses dominiert ein Abschluss in Pflegewissenschaft (43%), gefolgt von Gesundheitswissenschaften (20%), Pädagogik/Erziehungswissenschaften (13%), Soziologie/Sozial - wissenschaften (12%) und Pflege (10%). Weitere Angaben bezogen sich auf Pflegemanagement (9%), Pflege als grundständigen Studiengang (10%), Psychologie (6%), Gerontologie (3%) und Medizin (1%). Hierbei waren Mehrfachantworten möglich. Von den teilnehmenden Personen absolvierten 78,8% eine Ausbildung in einem Pflegefachberuf. Die weitere Darstellung der Ergebnisse gliedert sich 3.1) in die Auswertung zu den gelehrten, genutzten und bevorzugten Methoden sowie 3.2) die Auswertung der offenen Fragen zu den Entscheidungsgrundlagen und Entwicklungsbedarfen. 3.1 Gelehrte, genutzte und für Fortbildungen präferierte Methoden In der Onlineerhebung wurden die persönlichen Einschätzungen zu Lehrinhalten, Nutzung und Fortbildungswünschen getrennt für Studiendesigns, Erhebungsmethoden, Auswertungsmethoden und qualitative Methoden/Methodologie erfragt Studiendesigns Bei der Abfrage zu den in der Lehre vermittelten Studiendesigns dominieren qualitative Designs, die von knapp der Hälfte der Befragten (49%) gelehrt werden (siehe Tabelle 1). Auf Platz zwei der am häufigsten genannten Lehrinhalte stehen Querschnittsstudien (36%) und auf Platz drei Längsschnittstudien (35%). Weniger häufig werden Validierungsstudien (16%) und epidemiologische Studien (17%) gelehrt. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Nutzung der Methoden: Auch hier dominieren qualitative Designs, die von 78% der Befragten als Teil ihres Methodenrepertoires genannt werden, gefolgt von Querschnittsstudien (50%) und Reviews (50%). Zu den Methoden, die weniger oft angewendet werden, gehören Metaanalysen (13%) und epidemiologische Studien (14%). Knapp ein Drittel der Befragten nennen Metaanalysen als für sie relevantes Fortbildungsthema (32%), gefolgt von randomisiert kontrollierten Studien (RCT) (26%) und Validierungsstudien (21%). 203

8 Beltz Juventa. Pflege& Gesellschaft 17. Jg H.3 Methode Ich lehre Ich habe folgende Methoden in meiner Forschung angewendet Tab. 1: Gelehrte und angewandte Studiendesigns der Befragten sowie deren Fortbildungswünsche (N = 127) Ich wünsche mir Fortbildungen zu folgenden Themen % Rang % Rang % Rang Qualitative Designs 48,8 1 78,0 1 12,6 8 Querschnittsstudien 36,2 2 49,6 2 11,0 9 Längsschnittstudien 35,4 3 27,6 5 12,6 8 Reviews 33,9 4 49,6 2 15,0 7 RCTs 29,1 5 20,5 7 26,0 2 Quasi-Experiment 28,3 6 26,8 6 18,9 6 Analyse von Datenbeständen 28,3 6 39,4 4 19,7 4 Metaanalysen 26,0 8 13, ,5 1 Epidemiologische Studien 17,3 9 14,2 9 19,7 4 Validierungsstudien 15, ,0 8 21,3 3 Bei den freien Antworten zu den Fortbildungswünschen wurden genannt: Aktionsforschung (n=2), Metaanalysen (n=2), Metaethnographien (n=1), Mixed Methods (n=1) und phänomenologische Designs (n=1) Daten-Erhebungsmethoden Bei etwa der Hälfte der Befragten zählen Interviews zu den Lehrinhalten (51%), gefolgt von Fragebogenmethoden (43%), Beobachtungsmethoden (39%), Dokumentenanalysen (39%) und Fokusgruppen (26%). Eine ähnliche Rangreihe ergibt sich im Hinblick auf die Methodennutzung: Interviews (84%), Fragebogen (80%), Dokumentenanalyse (58%), Beobachtung (54%) und Fokusgruppen (38%). Weniger als 15% der Befragten wünschen sich Fortbildungen zu speziellen Erhebungsmethoden. Eine Ausnahme bilden Fokusgruppeninterviews, die von 22% der Befragten als Fortbildungsthema gewünscht werden Auswer tungsmethoden Quantitative Auswertungsmethoden werden insgesamt seltener gelehrt als quantitative Erhebungsmethoden, Studiendesigns oder qualitative Methoden. Ein Viertel der Befragten lehrt deskriptive Statistik (25%), gefolgt von varianzanalytischen Verfahren (19%), korrelativen Verfahren (16%) und multivariaten Verfahren (10%). Dennoch kommen diese Methoden häufig in der eigenen Forschung zur Anwendung: Deskriptive Statistik wird von 69% als Teil des Methodenrepertoires angegeben, varianzanalytische Verfahren von 57%, korrelative Verfahren von 47% und multivariate Verfahren von 32% (siehe Tabelle 2). In den freien Antwortmöglichkeiten wurden folgende spe- 204

9 zielle Auswertungsmethoden zur Nutzung genannt: Mehrebenenmodelle (n=5), Dimensionsreduktionen (n=1), Ereigniszeitanalysen (n=1), Bayesianische Statistik (n=1) und Propensity Scores (n=1). Methode Ich lehre Ich habe folgende Methoden in meiner Forschung angewendet Ich wünsche mir Fort - bildungen zu folgenden Themen % Rang % Rang % Rang Deskriptive Statistik 25,2 1 69,3 1 12,6 4 Varianzanalysen und Mittelwertvergleiche Korrelations- und Regressionsanalysen 18,9 2 56,7 2 15,0 3 15,7 3 47,2 3 18,1 2 Multivariate Verfahren 10,2 4 31,5 4 26,0 1 Tab 2: Gelehrte und angewandte Auswertungsmethoden der Befragten sowie deren Fortbildungswünsche (N=127) Fortbildungswünsche zu den Auswertungsmethoden werden weniger häufig genannt (< 18% der Befragten). Eine Ausnahme bilden multivariate Verfahren, die von 26% der Antwortenden als Thema gewünscht werden Qualitative Methoden/Methodologien Unter den Lehrinhalten wird der Grounded Theory-Ansatz von 34% der Befragten am häufigsten genannt, gefolgt von der Inhaltsanalyse (32%) und den Fallstudien (28%). Dies sind auch die drei methodischen Zugänge, die am häufigsten in der eigenen Forschung genutzt werden (siehe Tabelle 3). Von den 127 Befragten wünschen sich 21% Fortbildungen zur Aktionsforschung. An zweiter Stelle folgen phänomenologische Analysen (17%). Selten werden Fortbildungen zur Grounded Theory (11%) und zur Inhaltsanalyse (10%) gewünscht Verhältnis zwischen qualitativen und quantitativen Methoden Über die einzelnen Forschungsmethoden hinweg wurde eine gesonderte Analyse im Hinblick auf die Präferenz für eher quantitative vs. qualitative Methoden vorgenommen 4. Hierzu wurden 11 Auswahloptionen eher den quantitativen Methoden zugeordnet (RCT, Quasi-Experiment, Längsschnittstudien, Querschnittstudien, epidemiologische Studien, Validierungsstudien, Analyse von Datenbeständen, deskriptive Statis- 4 Die Unterscheidung quantitativ vs. qualitativ ist auf der methodischen Ebene schwieriger als auf der methodologischen oder epistemologischen Ebene (Haas 1994). Dennoch wird diese Unterscheidung hier gewählt, da sie tradiert ist und eine hilfreichen Systematisierung für die Ergebnisse darstellt. 205

10 Beltz Juventa. Pflege& Gesellschaft 17. Jg H.3 Methode/ Methodologien Ich lehre Ich habe folgende Methoden in meiner Forschung ange wendet Ich wünsche mir Fort - bildungen zu folgenden Themen % Rang % Rang % Rang Grounded Theory 33,9 1 37,8 2 11,0 9 Inhaltsanalyse 32,3 2 60,6 1 10,2 10 Fallstudien 28,3 3 35,4 3 12,6 6 Hermeneutische Analysen Phänomenologische Analysen Ethnographische Lebensweltanalyse 25,2 4 22,8 4 15,0 4 17,3 5 18,1 6 17,3 2 16,5 6 10,2 9 15,0 4 Biografieforschung 15,0 7 11,8 8 16,5 3 Aktionsforschung 15,0 7 18,9 5 21,3 1 Narrationsforschung 12,6 9 12,6 7 11,8 8 Historische Forschung 9, ,2 9 12,6 6 Tab. 3: Gelehrte und angewandte qualitativen Methoden und Methodologien (N = 127) tik, Varianzanalyse, Korrelations- und Regressionsanalyse, multivariate Verfahren) und 11 Auswahloptionen den qualitativen Methoden zugeordnet (qualitative Designs, Grounded Theory, hermeneutische Analysen, Inhaltsanalyse, phänomenologische Analysen, ethnografische Lebensweltanalyse, historische Forschung, Biografieforschung, Narrationsforschung, Aktionsforschung, Fallstudie). Durch die Anzahl der Nennungen in den beiden Kategorien lassen sich so für die Lehrinhalte, die Forschungsanwendung und die Fortbildungswünsche die Präferenzen vergleichen. Für die Lehrinhalte stellt sich folgendes Ergebnis dar: Im Schnitt werden 2,6 quantitative Themen pro befragter Person gewählt (SD = 3,4) und 2,5 qualitative Themen (SD = 3,0). Für die Nutzung einzelner Methoden zeigt sich, dass im Durchschnitt 3,9 quantitative Methoden (SD = 3,0) und 3,1 qualitative Methoden ausgewählt werden (SD = 2,3). Die überwiegende Mehrheit der Befragten nutzt für die eigene Forschung qualitative und quantitative Methoden (70%). Hinsichtlich der Fortbildungswünsche ergibt sich, dass die 127 Personen im Durchschnitt 1,5 (SD = 2,6) qualitative Themen wählen, während es von den 11 quantitativen Fortbildungsthemen durchschnittlich 2,0 (SD = 2,8) Themen sind. Im Sinne einer explorativen Datenanalyse wurden verschiedene mögliche Korrelate für die Präferenz qualitative und quantitativer Methoden untersucht. Dargestellt wird hier die Methodenpräferenz und Lehrinhalte in Fachhochschulen/Hochschulen und Universitäten (Tabelle 4). 206

11 Nutzung von Forschungsmethoden Methodeninhalte in der Lehre Qualitative Methoden Quantitative Methoden Qualitative Methoden Quantitative Methoden Universität (57) 2,7 (1,9) 4,7 (3,1) 1,8 (2,2) 2,8 (3,7) Hochschulen/ Fachhochschulen (45) 3,4 (2,3) 3,6 (2,8) 4,2 (3,3) 3,4 (3,3) Tab. 4: Nutzung und Lehrinhalte unter den Befragten aus Universitäten (N= 57) und Fach - hochschulen/hochschulen (N=45). Dargestellt als Mittelwerte (und Standardabweichung) der Anzahl der ausgewählten qualitativen bzw. quantitativen Methoden aus den jeweils 11 Auswahloptionen Hinsichtlich der Nutzung von Methoden ist in Hochschulen/Fachhochschulen eine Gleichverteilung festzustellen, während bei den Mitarbeitenden der Universität die Anwendung quantitativer Methoden überwiegt. In der Lehre hingegen dominieren bei den Mitarbeitenden der Hochschulen/Fachhochschulen qualitative Methoden. 3.2 Entscheidungsgrundlagen und Entwicklungsbedarfe Die Entscheidungsgrundlagen und Entwicklungsbedarfe wurden mittels der folgenden Fragen erhoben: 1. Nach welchen Gesichtspunkten wählen Sie die Forschungsmethoden aus, die Sie anwenden wollen? (3.2.1) 2. Wo sehen Sie Entwicklungsbedarf auf dem Gebiet der Forschungsmethoden für die Pflegeforschung? (3.2.2) Auswahl von Forschungsmethoden Insgesamt haben von den 127 Befragten 114 Personen die Möglichkeit zu einer Freitexteingabe genutzt. Die Antworten konnten in 17 Kategorien zusammengefasst werden (siehe Tabelle 5). Die am häufigsten genannten Antworten waren nach der Forschungsfrage/ nach der Fragestellung (N=83) und nach der Gegenstandsangemessenheit/ nach dem Gegenstandsbezug (N=21). Weitere Entscheidungskriterien sind die eigene Kompetenz und Methodenerfahrung ( Bei Gleichrangigkeit hinsichtlich der Angemessenheit: jene, die ich besser beherrsche (138 5 ); Ich unterrichte die Forschungsmethoden, die ich beherrsche (154) und die Realisierbarkeit, was auch als Einschränkung wahrgenommen wird ( leider auch pragmatisch, 136). Ein weiterer Einflussfaktor auf die Methodenwahl sind die vorhandenen finanziellen (N=8) und zeitlichen (N=6) Ressourcen, aber auch die Erreichbarkeit der Zielgruppe (N=6). 5 Quellenangaben: Datensatz-ID 207

12 Beltz Juventa. Pflege& Gesellschaft 17. Jg H.3 Kategorie Anzahl nach der Fragestellung 83 nach dem Gegenstandsbezug 21 Ressourcen eigene Kenntnisse mit der Methode/ Erfahrungen 11 Praktikabilität 10 ökonomische Aspekte Geld 8 ökonomische Aspekte (Zeit) / Ressourcen Erreichbarkeit der Zielgruppe jeweils 6 passend zum Design 5 Ergebnisorientierung / vorhandene Ressourcen / Lehrziele im Studium jeweils 4 persönliches Interesse / Ressourcen Erfahrungen im Team jeweils 3 Theoretischer Bezugsrahmen / Aussagekraft/ Evidenz jeweils 2 Entwicklungsstand der zur Verfügung stehenden Methoden / ethische Vertretbarkeit jeweils 1 Tab. 5: Kategorien für die Auswahl von Forschungsmethoden nach Häufigkeit (N = 114 Angaben) Einige Befragte gaben an, die Forschungsmethode anhand der Zielgruppe der Studierenden und den damit verbundenen Lernzielen und Modulplänen (N=4) auszuwählen. Auch persönliche Interessenschwerpunkte (N=3) werden als Entscheidungskriterium genannt Entwicklungsbedar f auf dem Gebiet der Forschungsmethoden für die Pflegeforschung Zu dieser Frage haben 91 der 127 Befragten einen Kurztext formuliert. Das daraus gebildete Kategoriensystem zeigt die Tabelle 6. Die meisten Angaben beziehen sich auf konkrete Forschungsmethoden. So wird ein Entwicklungsbedarf in statistischen und quantitativen Verfahren (N=18) und im Methodenmix/Triangulation (N=14) formuliert. Generell lässt sich feststellen, dass die Antworten auf diese Frage das ganze Spektrum der quantitativen und qualitativen Verfahren abdecken, z. B. werden deskriptive und analytische Statistik ebenso genannt wie die Überprüfung etablierter Methoden und qualitative Ansätze. Eine weitere übergeordnete Kategorie sind Fragen der Methodendiskussion und -entwicklung. Sechs Personen thematisieren hier, dass ein methodologischer Diskurs in der Pflegewissenschaft notwendig ist. Dazu gehören die kritische Reflexion von EBN als nur ein Baustein (57), die kritische nüchterne Diskussion über Nutzen und Grenzen von RCTs (61) und die Einschätzung, dass sich viele Fragen in der Pflegewissenschaft nur qualitativ angemessen untersuchen lassen (50). 208

13 Kategorie Anzahl Entwicklungsbedarf in methodischen Verfahren Quantitative Verfahren und Statistik 18 Methodenmix/Triangulation 14 Interventionsforschung 5 Metasynthese, -ethnografie, -analyse 4 Aktionsforschung 3 epidemiologische Verfahren / experimentelle Forschung / qualitative Designs / hermeneutische und phänomenologische Zugänge / Interaktionsforschung / klinische Forschung / Lebensweltforschung Objektive Hermeneutik / Beobachtung / Teilnehmende Beobachtung / Evaluations - forschung / narrative Methode / Sekundärforschung / Methoden, die über den Gegensatz von quantitativ vs. qualitativ hinausgehen Methodologie, Methodendiskussion jeweils 2 jeweils 1 Methodendiskussion und -entwicklung in der Pflegewissenschaft ist kaum ausgebildet, Beginn eines methodologischen Diskurses 6 Kritische Beleuchtung von Evidence Based Nursing 4 Methodologie/Qualitative Forschung und Ethik / unideologische Methodenwahl jeweils 3 Verfahren der Bewertung qualitativer Studien, Überprüfung etablierter Methoden für Pflegewissenschaft Entscheidungsfindung innerhalb von Methodenanwendungen systematisieren, Entscheidungsschwierigkeiten bei fehlenden Methoden, Erhebungsmethoden/-instrumente speziell für geriatrische Patienten bzw. spezifische klinische Gruppen, Ethik, stärkere Einbindung qualitativer Verfahren Forschungsfelder Entwicklungsbedarf für neue Forschungsfelder 6 Erforschung der leibkörperbezogenen Interaktion 2 Praktische Fragen jeweils 2 jeweils 1 Ausbau der Strukturen für Lehre / Theorie-Praxis-Transfer jeweils 4 Finanzierung 3 Praktische Probleme im Forschungsfeld 2 Nutzen für die Pflege 1 Tab. 6: Antworthäufigkeiten der Kategorien zur Frage der Einschätzung des methodischen Entwicklungsbedarfs (N = 91 Angaben) 4. Diskussion Zentrales Ziel der Studie war es, die Methoden-Nutzung und entsprechende Lehrinhalte in der deutschsprachigen Pflegewissenschaft zu analysieren, dabei methodische Schwerpunktsetzungen zu identifizieren und persönliche Weiterentwicklungsbedarfe in der Selbstreflexion der Pflegewissenschaftlerinnen und Pflegewissenschaftler aufzudecken. 209

14 Beltz Juventa. Pflege& Gesellschaft 17. Jg H.3 Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass Personen, die sich selbst als Pflegewissenschaftlerinnen/Pflegewissenschaftler verstehen, ein großes Spektrum an wissenschaftlichen Methoden lehren und nutzen. Knapp 70% der Befragten kennen sich sowohl im Feld der qualitativen also auch der quantitativen Forschung aus. Innerhalb der qualitativen Methoden sind die Inhaltsanalyse und Grounded Theory die am häufigsten angewendeten Methoden. Die Daten zu den quantitativen Auswertungsmethoden verdeutlichen, dass von mehr als der Hälfte der Personen der Kanon von deskriptiven, korrelativen und varianzanalytischen Verfahren genutzt wird. In den knapp 40 Freitextantworten zu den genutzten Forschungsmethoden zeigt sich eine große Spannbreite an Methoden, die in der deutschsprachigen Pflegewissenschaft angewendet werden. Hier werden insbesondere auch für die Pflegewissenschaft neuere Methodenentwicklungen, wie z. B. Mehrebenenmodelle oder andere regressionsanalytische Verfahren genannt. In der Untersuchung überwiegen tendenziell quantitative Forschungsdesigns. Ein Vergleich der Methodennutzung zwischen Hochschulen/Fachhochschulen und Universitäten legt dabei nahe, dass im universitären Kontext quantitative Methoden häufiger zum Einsatz kommen. Personen an Fachhochschulen nutzen gleichberechtigt beide Methoden. Lediglich in der Lehre ist eine besondere Dominanz qualitativer Methoden an Fachhochschulen festzustellen. Wie lassen sich diese Unterschiede trotz gleichem Gegenstandsbereich erklären? Ein Erklärungsmodell ist die stärkere Beteiligung von Universitäten an hochdotierten Forschungsprojekten, die eher in Bereichen zu finden sind, in denen Quantifizierungen gefordert sind. Eine Verortung pflegewissenschaftlicher Abteilungen in medizinischen Fakultäten oder Universitätsklinika kann diesen Quantifizierungsdruck noch verstärken. Ebenso kann der Publikationsdruck in high-impact -Journals die Tendenz zur Nutzung quantitativer Forschung verstärken. Wenn dieses Erklärungsmodell zutrifft, dann sind also offensichtlich auch strategische Faktoren für die Methodenpräferenz entscheidend und nicht zwingend nur die Gegenstandsangemessenheit. Vor dem Hintergrund der hohen Relevanz von RCTs in der Versorgungsforschung und der Heranziehung entsprechender Studien für Standards, Leitlinien und Richtlinien im Gesundheitswesen (Hallberg 2006) ist aufgrund der Ergebnisse festzustellen, dass dieser Bedarf über Hochschultypen hinweg nicht gedeckt werden kann: Nur jede/r fünfte Befragte gibt an, solche Studiendesigns selbst einzusetzen. Offen bleibt dabei, warum diese Studiendesigns so selten genutzt werden. Die Erklärung einer mangelnden Nutzung aufgrund fehlenden Know-Hows scheint wenig plausibel, da nur knapp ein Viertel der Befragten etwa RCTs als wünschenswertes Fortbildungsthema auswählen. Als möglicher Grund könnte eine unzureichende Mittelausstattung für entsprechende Studien angeführt werden, denn international vergleichende Studien zeigen, dass mit steigenden Drittmitteln die Anzahl an patientenzentrierten Interventionsforschungsarbeiten steigt (Polit/Beck 2009). Außerdem ist die Durchführung solcher Studien in der Pflege auch mit besonderen forschungsethischen Probleme behaftet (Edwards et al. 1998). 210

15 Gleichzeitig werden bei der Abfrage der Entwicklungsbedarfe ebenfalls viele wünschenswerte Methodenkompetenzen genannt. Die Antworten reichen von deskriptiver und analytischer Statistik und multivariaten Analyseverfahren, Experimenten, Interventionsstudien und epidemiologischen Studiendesigns, narrativen Methoden, der Nutzung literaturwissenschaftlicher Methoden und komplexen Verfahren wie Kommunikations- und Interaktionsforschung bis hin zu Methodentriangulation, Reviews und Metaanalysen. Auch bei der Abfrage der Fortbildungswünsche im ersten Teil der Befragung zeigt sich ein Bedarf, besonders hinsichtlich der Methoden, die nur selten Lehr- und Forschungsinhalte sind. So werden häufig Fortbildungsbedarfe zur Metaanalyse, Fokusgruppen-Interviews, zur Aktionsforschung und zu phänomenologischen Analysen genannt. Aus den dargestellten Bedarfen lassen sich erste Anhaltspunkte für die Entwicklung von Methodenworkshops ableiten, die durch die Sektion Forschungsmethoden in der DGP nun auch realisiert werden sollen. Aus der Tatsache, dass 45 Personen ihre Bereitschaft bekundet haben, sich an Diskussionen zur Methodenentwicklung zu beteiligen und sich 17 Personen als Referentinnen oder Referenten für entsprechende Fortbildungen angeboten haben, wird deutlich, welche Ressourcen hier genutzt werden können. Die zentrale Frage, ob es eines erweiterten oder veränderten Methodeninventars bedarf, wird in den Antworten zu den Entscheidungsgrundlagen für die Methodenwahl diskutiert. So heißt es dort beispielsweise, der Fokus habe bisher zu sehr auf qualitativen Methoden gelegen (202), in einem anderen Datensatz wird dagegen die zu starke Orientierung an quantitativen Verfahren (116) hervorgehoben. Zu den RCTs heißt es: Solange RCT s als die einzig wahre Methode in Puncto Glaubwürdigkeit und Aussagekraft zu sein scheinen, beraubt sich die Wissenschaft (nicht nur die Pflegewissenschaft) vieler spannender Ergebnisse, welche im weiteren Verlauf möglicherweise durch höherwertige Methoden weiterentwickelt werden. Lobbyarbeit wäre also das Thema. (111) Das offensichtlich noch existente Akzeptanzproblem qualitativer Forschung klingt auch in einem weiteren Beitrag an: Sehe keinen Sinn darin, mit medizinischer, psychologischer, sozialwissenschaftlicher Forschung zu konkurrieren, sondern kontextspezifische kleine Methoden zu entwickeln, eher anwendungsorientiert (167). Andererseits wird auch ein Austausch mit Fachrichtungen wie Statistik, Psychologie vorgeschlagen (184) und sehr pragmatisch empfohlen, einen unideologischen gegenstandsangemessenen Zugang zu wählen und nicht in Kästchendenken zu verhaften (47). Zu dieser Forderung passt, dass relativ häufig auch Entwicklungsbedarfe im Bereich der Triangulation/mixed methods genannt werden, was auch Bartholomeyczik (2004) fordert. Von mehreren Befragten wird auf das Fehlen eines entsprechenden methodologischen Diskurses in der Pflegewissenschaft hingewiesen. Dies entspricht der Beobachtung von Moers und Schaeffer (2011), welche darauf hinweisen, dass eine vertiefende Fundierung pflegerischen Wissens in Form von Theoriebildung in den deutschsprachigen Ländern zurzeit noch ausbleibt. Auch bedingt durch die pflegewissenschaftliche Praxisnähe, könnte dies auf einen Mangel innerhalb der Disziplin hinweisen und dadurch Überformungsversuchen anderer Wissenschaftsdis- 211

16 Beltz Juventa. Pflege& Gesellschaft 17. Jg H.3 ziplinen entgegenkommen (Moers/Schaeffer 2011). Dahinter steckt die Forderung, dass ein Theoriediskurs dringend angeregt werden sollte, da Forschung und Theoriebildung eng miteinander verwoben sind. Dies könnte der Forderung einiger Studienteilnehmer entsprechen, die eine kritische Auswahl in der Anwendung der Methode fordern. 4.1 Limitationen Die Frage der Methodenangemessenheit ist auch für die Online-Befragung selbst zu diskutieren. Die Entscheidung für eine Online-Befragung begründet sich aus dem Ziel, viele Pflegewissenschaftlerinnen/-wissenschaftler mit geringem Aufwand zu erreichen. Dafür wurden methodenimmanente Limitation in Kauf genommen, die die Generalisierbarkeit und die Validität der Daten betreffen Generalisierbarkeit Den Angaben zufolge handelt es sich meist um diplomierte und/oder promovierte Personen, die sich selbst als Pflegewissenschaftler verstehen, aber nicht zwingend ein pflegewissenschaftliches Studium absolviert haben. Die Fokussierung auf diese Berufsgruppe wurde durch die Ansprache über den -Verteiler der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft und entsprechende Hinweis auf pflegewissenschaftlichen Konferenzen erreicht. Dies engt den Kreis der Personen ein. Dennoch ist der Begriff der Pflegewissenschaftler unscharf konturiert und es kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch fachverwandte Personen den Bogen ausgefüllt haben. Dass nahezu 80% über eine Ausbildung im Pflegebereich verfügen zeigt auf, dass die meisten Pflegewissenschaftler von der Praxis in die Wissenschaft wechselten. Die Heterogenität der universitären Abschlüsse, die nur zu 43% innerhalb pflegewissenschaftlicher Studiengänge absolviert wurden, zeigt eine Nähe zu den Bezugswissenschaften. Eine mögliche Einschränkung der Generalisierbarkeit ergibt sich durch den besonderen Zugang zur Befragung. So ist es möglich, dass Personen ausgeschlossen wurden, die durch einen fehlenden Internetzugang keine Informationen über die Befragung erhalten haben oder aber nicht in der Lage waren, aufgrund technischer Probleme den Fragebogen einzusehen ( Coverage-Effekt ). Gelegentlich gibt es Nonrespondents, die auf die Bitte zur Teilnahme nicht reagieren, weil sie dieser Form der Befragung skeptisch gegenüber stehen oder die Anonymität bedroht sehen (Jackob et al. 2008). Diese Verzerrungsmöglichkeiten müssen bei der Generalisierung der Ergebnisse berücksichtigt werden. Durch die Anonymität der Befragung, die Versendung eines nicht-personalisierten Links und die fehlende IP-Kontrollen kann nicht ausgeschlossen werden, dass Personen mehrfach an der Befragung teilgenommen haben. Gleichwohl wäre aber nach den Motiven zu fragen, wieso jemand an der knapp zehnminütigen Befragung mehrfach mitwirken sollte. Die Vielzahl der Freitextantworten (114 Bögen mit Freitextantwor- 212

17 ten bei insgesamt 127 vollständigen Datensätzen) und der Inhalt zeigen, dass die Personen reflektiert die Fragen beantwortet haben und ein hohes Interesse an der Weiterentwicklung der Forschungsmethodik in der Pflegewissenschaft bekundet wird Validität Aus Studien zum Vergleich von Paper-Pencil-Tests und Online-Tests ist bekannt, dass Verzerrungen durch Antworttendenzen im Sinne der sozialen Erwünschtheit bei solchen Befragungen reduziert sind. Durch die größere Anonymität werden also verlässlichere Angaben als bei anderen Formen der schriftlichen Befragung oder einem Vis-avis-Interview gemacht. So wundert es nicht, dass bei den offenen Fragen auch selbstkritische Stellungnahmen formuliert wurden, zum Beispiel, dass oft allein Zeitnot und fehlendes Fachwissen die Methodenwahl bestimmen. Bei offenen Fragen in Online-Befragungen besteht die Gefahr, dass Informationen semantisch verkürzt formuliert werden, die dann bei der Zuordnung in Kategorien einen Deutungsspielraum lassen. Nachfragen sind bei dieser Form der Abfrage nicht möglich und Verständnisschwierigkeiten lassen sich nicht angemessen klären. Daher wurden die Antworten hier nur im Sinne einer quantifizierenden Inhaltsanalyse ausgewertet. Der Vergleich der Ergebnisse, bei denen Auswahloptionen vorgegeben wurden und denen der freien Texte zeigt eine hohe Übereinstimmung, z. B. hinsichtlich der Fortbildungswünsche, so dass dies als Hinweis auf die Validität der Befragung gewertet werden kann. Im Gegensatz zu den häufig genutzten bibliometrischen Studien zur Methodennutzung beziehen sich die Abfragen unmittelbar auf die Einstellungen und Nutzungen der Pflegewissenschaftlerinnen und Pflegewissenschaftler und nicht auf deren Publikationsleistung. Damit ist eine personen-, zeit- und verhaltensnahe Einschätzung der Präferenz in Forschung und Lehre gelungen. Die durchgeführte deskriptive Befragung ist aber nicht geeignet, die Gegenstandsangemessenheit der genutzten oder gelehrten Methoden zu bewerten. Die Abfrage der Entwicklungsbedarfe wurde meist im Sinne einer persönlichen Entwicklung statt einer disziplinbezogenen Entwicklung interpretiert und müsste durch andere Studien dahingehend ergänzt werden. Die Ergebnisse der Studie zeigen Parallelen zwischen Bibliometrie und dieser Online-Studie. Beide Zugänge bestätigen, dass Methoden für Interventionsstudien (z. B. RCTs, multivariate Verfahren) eher selten zur Anwendung kommen, während qualitative oder mixed-method-studien häufiger zu finden sind (Polit/Beck 2009). Auch der Anteil an Personen, die laut Online Befragung Validierungsstudien durchführen, entspricht in etwa dem internationalen Trend von 12% (Polit/Beck 2009). Die vorliegenden Ergebnisse zeigen also trotz der beschriebenen Limitationen aktuelle Trends in der Methodennutzung und der Lehre. Im Längsschnittvergleich wird es spannend sein zu sehen, welche Veränderungen sich in den deutschsprachigen Ländern ergeben werden. Ob die genutzten und gelehrten Methoden für den Gegenstand angemessen sind, muss nun vor dem Hintergrund der Anforderungen diskutiert wer- 213

18 Beltz Juventa. Pflege& Gesellschaft 17. Jg H.3 den. Entsprechende Diskurse zu entfalten ist auch eine wichtige Forderung der Studienteilnehmer ebenso wie die Aufforderung, durch das Miteinander von Forschenden verschiedener Forschungsrichtungen die eigene Methodenkompetenz zu stärken. Die Online-Befragung selbst, die in der Zusammenarbeit von Pflegewissenschaftlern aus unterschiedlichen Methodenfeldern entstanden ist, ist ein Beleg für die fruchtbare interdisziplinäre und multimethodale Zusammenarbeit. Literatur ATLAS.ti Scientific Software Development GmbH (2011): ATLAS.ti. Version 5.7 [Computer software].berlin: ATLAS ti GmbH Barrett, E.A.M (1998): Unique nursing research methods: The diversity chant of pioneers. In: Nursing Science Quarterly 11, Bartholomeyczik, S. (2004): Pflegeforschung: Entwicklungen und Perspektiven in deutschsprachigen Ländern. Vorwort zur deutschen Ausgabe. In Polit, D. F./Beck, C. T./Hungler, B. P.: Lehrbuch Pflegeforschung. Methodik, Beurteilung und Anwendung. Bern/Göttingen/Toronto/Seattle: Verlag Hans Huber, Bartholomeyczik, S. (2000): Gegenstand, Entwicklung und Fragestellung pflegewissenschaftlicher Forschung. In: Rennen-Allhoff, B./Schaeffer, D. (Hrsg.): Handbuch Pflegewissenschaft, Weinheim: Juventa, Baumeister, R. F./Vohs, K. D./Funder, D. C. (2007): Psychology as the science of self-reports and finger movements: Whatever happened to actual behavior? In: Perspectives on Psychological Science 2, Borglin, G.A./Richards, D. (2010): Bias in experimental nusing reserach: Strategies to improve the quality and explanatory power of nursing science. In: International Journal of Nursing Studies 47, Brandenburg, H. (2007): Wissenschaftstheoretische Positionen, Designs und Methoden in der Pflegeforschung. In: Pflegewissenschaft 2. Lehr- und Arbeitsbuch zur Einführung in die Pflegeforschung. Brandenburg, H./; Panfil, E.-M./Mayer, H. ( Hrsg.). Bern: Huber Verlag, Edwards, S.J.L. /Lilforf, R.J./Braunholts, D.A/ Jacksion,J.C:/ Hewison, J./ Thornton, J. (1998): Ethical issues in the design and conduct of randomised controlled trials. in: Health Technology Assessment 2, 15. (http://www.hta.ac.uk/fullmono/mon215.pdf, Stand vom ) Friesacher, H. (2008): Theorie und Praxis pflegerischen Handelns. Begründung und Entwurf einer kritischen Theorie der Pflegewissenschaft. Göttingen: Universitätsverlag Osnabrück, V & R Unipress Galvon, K./ Emami, A./Dahlberg, K./ Bach, S./ Ekebergh, M./ Rosser, E./ Powell, J./ Edlund, B./ Bondas, T./Uhrenfeldt, L. (2008): Challenges for future caring science research: a response to Hallberg (2006). In: International Journal of Nursing Studies 45, Hallberg, I.R. (2006): Challenges for future nursing research: Providing evidence for health-care practice. In: International Journal of Nursing Studies 43, Hasseler, M. (2005): Pflegewissenschaft und Pflegeforschung Quo vadis? In: Pflege 18, ) Hausner, E. (2006): Veröffentlichungen der Zeitschrift Pflege von 1988 bis Abschlussarbeit im Studiengang Bachelor of Science in Nursing. Witten: Universität Witten/Herdecke Jackob, N./ Schoen, H./Zerback, T. (2008): Sozialforschung im Internet. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften Moers, M./Schaeffer, D. (2011): Too busy to think? Essay über die spärliche Theoriebildung der deutschen Pflegewissenschaft. In: Pflege 24, 6, Oevermann, U. (1981): Professionalisierungstheorie. Vorlesungsmanuskript. Frankfurt am Main Oevermann, U. (1996): Theoretische Skizze einer revidierten Theorie professionalisierten Handelns. In: Combe, A., Helsper, W. (Hrsg.): Pädagogische Professionalität. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag,

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20 Beltz Juventa. Pflege& Gesellschaft 17. Jg H.3 Ingrid Darmann-Finck Wirkungen einer akademischen Erstausbildung von professionell Pflegenden im Spiegel internationaler Studien Effects of a basic academic training for nurses in the light of international studies The ar ticle investigates whether benefits can be expected from nurses taking a Bachelor`s degree and receiving basic academic training. The findings are based on literature research in two internationally relevant data bases. No studies were found that indicate any causal relationships. The literature does provide convincing evidence that there is a significant positive association between the number of nursing staff possessing a Bachelor degree and the patient outcome. However the findings are ambiguous with regard to the development of nursing competences. In the following the methodical limitations of the studies reviewed and the conclusions to be drawn when designing programs of study are pointed out. Keywords Bachelor Degree in Nursing, Patient Outcome, Nursing Competence Der Ar tikel geht auf der Basis einer Literaturrecherche in zwei internationalen Fachdatenbanken der Frage nach, welche Zugewinne von einer Erstausbildung von Pflegenden auf Bachelorniveau für die Kompetenzen von Pflegenden einerseits und das Patienten - outcome andererseits zu er war ten sind. Auch wenn die gefundenen Studien nicht geeignet sind, kausale Zusammenhänge festzustellen, kann aber als gesicher t gelten, dass ein signifikanter positiver Zusammenhang zwischen dem Anteil von Pflegenden mit einer Bachelorqualifikation und dem Patientenoutcome besteht. Bezogen auf die Kompetenz bzw. Per formanz der Bachelorpflegenden ist die Studienlage nicht eindeutig. In der Diskussion wird auf methodische Limitierungen ebenso hingewiesen wie auf Konsequenzen für die Konzeption von primärqualifizierenden Studiengängen. Schlüsselwörter Erstausbildung auf Bachelorniveau, Patientenoutcome, Pflegekompetenz 1. Hintergrund 2010 wurden in Deutschland 22 grundständige, überwiegend duale pflegeausbildende Bachelorstudiengänge angeboten (Stöcker et al. 2010). 1 Weitere Studiengänge an verschiedenen Standorten sind inzwischen an den Start gegangen bzw. befinden sich in Planung. Der deutsche Bildungsrat für Pflegeberufe sieht mit der Etablierung dieser 1 Vier davon sind nicht mit einer Berufszulassung verknüpft. eingereicht akzeptiert (nach Überarbeitung) 216

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