Überschuldung und Mikrofinanz Entwicklung eines Frühwarnindexes

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1 leading social investments Center for Microfinance University of Zurich Überschuldung und Mikrofinanz Entwicklung eines Frühwarnindexes Executive Zusammenfassung Summery

2 2 Überschuldung und Mikrofinanz «Diese Studie stellt einen wichtigen ersten Schritt in der Entwicklung eines Frühwarnindexes dar, der helfen kann, künftige Überschuldungskrisen in Mikrofinanzmärkten zu vermeiden.» Dr. Annette Krauss, Leiterin des Center for Microfinance am Institut für schweizerisches Bankwesen der Universität Zürich Wir möchten uns bei den Autorinnen, Vivien Kappel, Annette Krauss und Laura Lontzek des Center for Microfinance - Universität Zürich, für die Erstellung der Vollversion der Studie bedanken. Die Studie wurde von responsability Social Investments AG, Council of Microfinance Equity Funds sowie Triodos Investment Management BV in Auftrag gegeben. Die Studie ist unter: verfügbar.

3 Überschuldung und Mikrofinanz 3 Vorwort Der Mikrofinanzmarkt ist in den vergangenen Jahren dynamisch gewachsen und bietet heute Millionen von armen Menschen weltweit Zugang zu Finanzdienstleistungen. Mikrofinanz ist ein starkes Instrument, das armen Menschen neue Perspektiven eröffnet. Wie jeder wachsende Markt hat der Mikrofinanzmarkt mit seinem Erfolg zunehmend neue Anbieter angelockt. So können Mikrofinanzkunden in vielen Ländern heute nicht mehr nur bei einer einzigen Institution Kredit aufnehmen, sondern unter mehreren Kreditgebern auswählen. Zudem haben viele Kunden inzwischen Zugang zu (Mikro-)Spareinlagen und allgemeinen Zahlungsverkehrsleistungen. Der Aufbau eines «inclusive financial system» eines Finanzsystems, das für alle zugänglich ist war stets ein Kernanliegen der Mikrofinanzinitiative. Bis heute dominiert jedoch die Vergabe von Mikrokrediten. Ein Schlüssel zum Erfolg von Mikrokrediten ist die gründliche Prüfung der Rückzahlungsbereitschaft und -fähigkeit der Mikrokreditnehmer, die sich in hohen Rückzahlungsraten niederschlägt. Allerdings ist es in einigen Mikrofinanzmärkten zu Überhitzungserscheinungen gekommen. Kreditnehmer haben sich so hoch verschuldet, dass sie ihre Kredite letztlich nicht mehr zurückzahlen können. In diesen Fällen kann es zu einer Überschuldung kommen. Mögliche Ursachen einer Überschuldung in einem Mikrofinanzmarkt sind die häufig informellen Finanzierungsquellen und Geldverleiher, fehlende oder nicht ausreichend verlässlich operierende Kreditbüros oder aggressive Wachstumsstrategien bzw. eine wenig nachfrageorientierte Produktpolitik der Mikrofinanzinstitutionen (MFI). Auf dem Mikrofinanzmarkt ist das Phänomen der Überschuldung nichts Neues, da dieses Risiko zu einem gewissen Grad mit der Marktentwicklung einhergeht. Eine Überschuldung von Mikrokreditnehmern hat jedoch mehrere negative Folgen: Erstens kann die Unfähigkeit, die eigenen Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen, schwerwiegende psychische und soziale Folgen haben; zweitens kann eine Überschuldung die Entwicklung des Finanzsektors beeinträchtigen, indem sie die Vertrauensbeziehung zwischen (finanziell unerfahrenen) Mikrokreditnehmern und MFI erschüttert. Drittens stellt die Überschuldung ein erhebliches Risiko für die Qualität des MFI- Kreditportfolios und damit für Mikrofinanzinvestoren dar. Aufgrund der potenziell negativen Auswirkungen einer Überschuldung sollte alles unternommen werden, um eine Überhitzung der Märkte zu verhindern, ohne die gewünschte Marktentwicklung insgesamt zu bremsen. Für die gesamte Branche ist dies eine grosse Herausforderung. Die Mikrofinanzindustrie ist noch jung. Im Zuge ihres Reifungsprozesses wird sie ausgewogene Antworten auf anstehende Herausforderungen finden müssen. In dem Masse, wie Mikrofinanz integrierter Bestandteil lokaler und internationaler Finanzsysteme wird, muss sich die Branche auch mit den allgemeinen Problemen der Finanzindustrie auseinandersetzen. Um zu einer nachhaltigen Entwicklung der Branche beizutragen, müssen nachhaltig orientierte Investoren die Herausforderungen des Mikrofinanzsektors daher offen diskutieren. Als sozial orientierte Investoren haben wir der Reduzierung des Überschuldungsrisikos stets grösste Bedeutung beigemessen. Die von uns ausgewählten MFI erfüllen die Client Protection Principles und verfolgen eine umsichtige Risikopolitik. In einer idealen Welt würde ein präzises Frühwarnsystem kritische Marktentwicklungen früh genug melden und so eine Abwehr der schlimmsten Auswirkungen ermöglichen. Bis jetzt wurden Überschuldungskrisen, die ganze nationale Mikrofinanzsektoren aus dem Gleichgewicht gebracht haben, jedoch häufig erst erkannt, als die Überschuldung einzelner Kreditnehmer bereits sehr ausgeprägt war. Häufig genannte Beispiele sind Bolivien, Bosnien und Herzegowina sowie Marokko. Die Erfahrung dieser Überschuldungskrisen macht die Entwicklung eines Frühwarnsystems umso dringlicher: Auf der Grundlage der daraus gezogenen Lehren lassen sich künftige Risiken aktiv bekämpfen. Die Vollversion der Studie bietet einen ersten umfassenden und konsistenten methodischen Ansatz zur Entwicklung eines Frühwarnindexes für Überschuldungen im Mikrofinanzbereich. Ziel dieser Initiative ist es, der Mikrofinanzbranche zu helfen, künftige Krisen zu vermeiden. Das wichtigste Ergebnis dieser Studie ist ein Satz von 14 Indikatoren, die signalisieren, ob das Risiko einer Überschuldung in einem bestimmten Mikrofinanzmarkt zunimmt. Eine weitere wichtige Erkenntnis der Studie betrifft die Feststellung, dass das Fehlen genauer und konsistenter Daten eine fundierte quantitative Analyse zurückliegender Krisen erheblich erschwert. Dementsprechend vorsichtig sollten auch die Ergebnisse dieser Studie bewertet werden. So ist wichtig festzuhalten, dass ein Land mit einem hohen Indexwert nicht notwendigerweise auf eine Überschuldungskrise zusteuert. Die Studie behauptet in keiner Weise, dass MFI in Ländern mit einem höheren Indexwert ihren Kreditnehmern zu hohe Schulden aufbürden oder dass die Kreditvergabe an MFI in diesen Ländern gestoppt werden sollte. Auf der Grundlage der Lehren aus den Krisen der Vergangenheit können wir lediglich feststellen, dass die Signale in einigen Märkten auf ein erhöhtes Überschuldungsrisiko hinweisen.

4 4 Überschuldung und Mikrofinanz Der in dieser Studie vorgestellte Index berücksichtigt keine möglichen Präventivmassnahmen oder politischen Reaktionen auf einsetzende Krisen. Natürlich ist es möglich, dass ein Land mit einem erhöhten Überschuldungsrisiko eine Überschuldungskrise durch frühzeitiges Gegensteuern verhindern kann. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen jedoch, dass es in einigen Märkten ernstzunehmende Frühwarnsignale gibt, so dass dort vorbeugende Massnahmen getroffen werden müssen, um eine heftige Krise mit all ihren negativen Auswirkungen zu vermeiden. Das ist der Hauptzweck der Einführung eines solchen Frühwarnindexes. Als nachhaltig orientierte Investoren meinen wir, dass alle Anspruchsgruppen (Investoren, Regulierungsbehörden und MFI) in der Verantwortung stehen, die in dieser Studie beschriebenen Signale ernst zu nehmen und die nötigen Schritte einzuleiten, um das Risiko künftiger Überschuldungskrisen zu reduzieren. Wir werden uns weiter für die Entwicklung von Selbstregulierungsmechanismen einsetzen, politische Entscheidungsträger bei der Verbesserung der gesetzlichen Rahmenbedingungen unterstützen, für effizientere Kreditinformationssysteme eintreten und die Entwicklung eines nachhaltigen Mikrofinanzsektors fördern. Betonen möchten wir an dieser Stelle auch den Bedarf für weitere Forschung in diesem Bereich. Wir empfehlen, dass sich die Forschung in einem nächsten Schritt auf die Erhebung umfassender Daten, die Weiterentwicklung und Verbesserung der Indikatoren und die Prüfung und Validierung des entwickelten Frühwarnindexes konzentriert. Ideal wäre eine Ergänzung der verfügbaren Daten durch systematische Haushaltsumfragen. Ausserdem sollte der Index auf weitere Länder sowie einzelne Regionen innerhalb bestimmter Länder angewandt werden. Rochus Mommartz Member of the Management Board responsability Social Investments AG Liesbeth Soer Deputy Director Triodos Investment Management BV Deborah Drake Council Coordinator Council of Microfinance Equity Funds

5 Überschuldung und Mikrofinanz 5 Zusammenfassung Ziel der Studie Das Ziel dieser Studie ist es, die Basis für eine bessere Einschätzung des Überschuldungsrisikos und Indikatoren zu entwickeln, die der Mikrofinanzindustrie helfen, künftige Überschuldungskrisen zu vermeiden. Die Indikatoren beziehen sich auf vier verschiedene Ebenen: die gesamtwirtschaftliche Ebene, die Mikrofinanzmarktebene, die Unternehmensebene und die Haushaltsebene. Aus den zunächst 57 betrachteten Variablen wurden letztlich 14 für den OID Index ausgewählt. Der Begriff Überschuldung wurde wie folgt definiert: «Eine Einzelperson bzw. ein Haushalt sind überschuldet, wenn sie nicht mehr in der Lage sind, ihre Schulden vollständig und pünktlich zurückzuzahlen. Eine Überschuldung entsteht erst, wenn diese Situation regelmässig wiederkehrt, d.h. in mehreren aufeinanderfolgenden Perioden und gegen den Willen des Schuldners.» Das Center for Microfinance der Universität Zürich hat die erste umfassende und konsistente akademische Studie zu Frühwarnsignalen für Überschuldung in Mikrofinanzmärkten durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Studie sind vorläufig. Die Studie stellt einen ersten Schritt in der Identifizierung von Signalen dar, die helfen können, potenzielle Krisen rechtzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Ausserdem zeigt sie, in welchen Bereichen weiter geforscht werden muss. Methodik Am besten liesse sich das Überschuldungsrisiko anhand umfassender Informationen zu einzelnen Haushalten messen. Leider liegen derartige Informationen für Mikrofinanzmärkte nur in einem sehr begrenzten Umfang vor. Daher nutzt die Studie eine angepasste Version des «Signalisierungsansatzes» für den Aufbau eines Composite-Indexes: des «Over-Indebtedness Early Warning Sign Index» (OID Index). Dieser Index basiert auf Indikatoren, die signalisieren, ob das Überschuldungsrisiko in einem Markt zunimmt. Die Studie basiert auf einer Triangulierung von Daten aus qualitativen und quantitativen Quellen. Dazu gehören eine gross angelegte Umfrage unter 119 MFI, Experteninterviews und eine umfassende Sichtung der aktuellen akademischen Literatur sowie die umfangreiche Datenbank von MIX Market, einer Plattform für finanzielle und soziale Daten zu MFI, und weitere Quellen. Indikatoren Remittances (in USD) pro Kopf Marktdurchdringung Wachstumsrate des gesamten Kreditportfolios Qualität und Grad der Nutzung des Kreditinformationssystems Engagement von Geschäftsbanken Grad der Wettbewerbsintensität und Wettbewerbstrends Beobachtete Investitionsflüsse Liquidität der MFI Durchschnittlicher Kreditsaldo der Schuldner Kreditanforderungen und Kreditvergabemethodik Produktivität (Schuldner je Beschäftigten) Wachstum und Marktziele Mehrfachkreditvergabe Konsumkredite Weitere Details zu den Indikatoren finden Sie in der Vollversion der Studie. Die für die Studie ausgewählten Länder erfüllen folgende Bedingungen: Sie haben einen Mikrofinanzsektor, der bestimmte Grössenvorgaben erfüllt, sind relativ homogen (und daher häufig klein), bieten ausreichend verfügbare Daten und Informationen und zeichnen sich durch eine angemessene Rücklaufquote für die Umfrage aus. Aus unterschiedlichen Gründen, die mit der begrenzten Verfügbarkeit quantitativer Daten zusammenhängen, musste der Signalansatz angepasst werden. So nutzt die Studie exogene Faktoren wie die Bewertung vergangener Krisen und Expertenmeinungen für die Auswahl und Gewichtung der als Indikatoren ausgewählten Variablen. Die Auswahl berücksichtigt alle quantitativen Indikatoren, die signifikante (verzögerte) Korrelationen mit einer entstehenden Krise vorweisen, sowie alle qualitativen Variablen aus der Umfrage, die in der Literatur als einflussreich bewertet werden und eindeutige Aussagen mit klaren Trends generiert haben. Dabei gilt es zu beachten, dass die geringe Zahl der für eine Analyse zur Verfügung stehenden historischen Krisen zu einem relativ hohen Anteil an falschen Signalen führen könnte. Anders ausgedrückt: Signale, die vor vergangenen Krisen aufgetreten sind, müssen dies bei künftigen Krisen nicht unbedingt wieder tun. Anhand der Erfahrungen aus den Krisen in Bolivien (1999), Bosnien und Herzegowina (Ende 2008) und Marokko (Anfang 2008) konnten Indikatoren definiert werden, die auf das potenzielle Krisenrisiko hinweisen. Als Signale für den Ausbruch einer Krise wurden der Portfolio at Risk (PAR Anteil der säumigen Kredite am Portfolio), die Loan Loss Rates (LLR Ausfallraten) oder Abschreibungen (Write-Off Ratio, WOR) gewählt. Diese Indikatoren wurden dann für eine Reihe von Ländern bewertet. Der OID Index selbst nutzt eine Skala von 1 (geringe Frühwarnsignale für eine Überschuldungskrise) bis 10 (starke Frühwarnsignale für eine Überschuldungskrise). Der Index addiert die Werte der einzelnen Indikatoren für jedes Land. Für die jeweilige Gewichtung wurden (1) einheitliche Gewichtungsfaktoren für alle 14 Variablen genutzt, d.h. 1/14 für

6 6 Überschuldung und Mikrofinanz jede Variable, und (2) die in der Literatur und von den Experten als besonders wichtig betrachteten drei Variablen höher gewichtet: Mehrfachkreditvergabe, Kreditanforderungen und Kreditvergabemethodik sowie das Kreditinformationssystem. Ergebnisse Die Anwendung des OID Index unter Nutzung ungleicher Gewichtungen für die 14 Indexvariablen ermöglicht eine Klassifizierung der betrachteten Länder (siehe unten). Der Index misst, inwiefern aktuell Frühwarnsignale auf künftige Überschuldungskrisen in diesen Ländern hinweisen. Länderklassifizierung gemäss dem OID Index Niedrigstes Niveau Relativ niedriges Niveau Mittleres Niveau Mittleres bis hohes Niveau Relativ hohes Niveau Bolivien, Ecuador, El Salvador, Georgien Armenien, Paraguay, Tadschikistan Kolumbien, Ghana, Kosovo Bosnien und Herzegowina, Kambodscha, Peru Höchstes Niveau Bei einer alternativen einheitlichen Gewichtung der Indexvariablen würde sich die Länderklassifizierung nur an wenigen Stellen ändern. Insbesondere Ghana, Kosovo und Paraguay würden in die nächst höhere Kategorie aufrücken. Im Fall von Ghana kann dies auf die Abwesenheit eines Kreditinformationssystems sowie auf das relativ schlechte Abschneiden bei der Kreditvergabemethodik sowie den Kreditanforderungen zurückzuführen sein. Die Werte für Kosovo und Paraguay sind Grenzfälle. Dadurch würde selbst eine nur leicht unterdurchschnittliche Bewertung einer oder mehrerer der drei Variablen, auf denen der Schwerpunkt des für diese Studie gewählten gewichteten Ansatzes liegt, in der einheitlich gewichteten Version des Index zu einer Reklassifizierung führen. Die anderen Ländereinstufungen erscheinen relativ robust unabhängig vom Gewicht der gewählten Indexvariablen. Die Tatsache, dass Bosnien und Herzegowina rot hervorgehoben sind, bedeutet, dass die Überschuldungskrise hier noch andauert. Die wichtigsten Faktoren sind die hohe Marktdurchdringungsrate in Verbindung mit Mehrfachkreditvergabe und einem erhöhten Wert bei den Indikatoren Kreditvergabemethodik und Kreditanforderungen. Allerdings könnten das Kreditinformationssystem und die Schuldenberatungsleistungen, die beide erst vor kurzem eingeführt wurden, in der nahen Zukunft bessere Ergebnisse ermöglichen. Kambodschas erhöhtes Risiko einer Überschuldungskrise ist vor allem auf die Abwesenheit eines funktionierenden Kreditinformationssystems in einem dynamischen Mikrofinanzsektor zurückzuführen. Die Dynamik dieses Marktes schlägt sich im erhöhten Wachstum des Kreditportfolios, hohen Liquiditätszuwächsen sowie einem als sehr intensiv wahrgenommenen Wettbewerb und Investitionszuflüssen nieder. Der intensive Wettbewerb und die hohen Investitionszuflüsse sind natürlich positive Signale für die kambodschanische Mikrofinanzindustrie. Angesichts der Abwesenheit funktionierender Kreditbüros besteht jedoch das Risiko, dass eine drohende Überschuldungskrise erst dann erkannt wird, wenn es bereits zu spät ist. Aufgrund hoher Werte bei den meisten «subjektiven» Variablen (Wettbewerbssituation, Engagement von Geschäftsbanken, Investitionszuflüsse) in Verbindung mit einer hohen Liquidität in der Branche, der relativ häufigen Vergabe von Mehrfachkrediten sowie der starken Präsenz von Konsumkrediten zeichnet sich auch Peru durch ein relativ höheres (hellrot markiertes) Überschuldungsrisiko aus. In der Mitte des Spektrums liegt Kolumbien. Die orange Färbung zeigt an, dass das Land bei einigen Variablen erhöhte, aber (noch) nicht alarmierende Werte erreicht hat. Tadschikistan zeichnet sich durch ein mittleres Risiko (gelb) aus, was vor allem am starken Anstieg der Gesamtkreditportfolios, den überlasteten MFI-Beschäftigten (hohe Produktivität) und auch hier wieder der Abwesenheit eines Kreditinformationssystems liegt. Am anderen Ende des Spektrums zeichnen sich El Salvador und vor allem Ecuador durch ein geringeres Risiko einer Überschuldungskrise aus. Zurückzuführen ist dies vor allem auf die relativ positive Einschätzung der Kreditinformationssysteme, der Kreditvergabemethodik und der Kreditanforderungen sowie wie im Fall Ecuador auf die geringen Hinweise auf eine Häufung von Mehrfachkrediten. Allerdings gilt es zu beachten, dass die gewichteten aggregierten PAR-30-Werte für Ecuador und Kolumbien relativ hoch sind, was nicht komplett im Einklang mit ihrem OID Indexwert steht oder auf eine durch andere Faktoren als eine Überschuldung ausgelöste Rückzahlungsprobleme hinweisen könnte. Georgien liegt im hellgrünen Bereich, was vor allem an der geringen Marktdurchdringungsrate und der günstigen Bewertung der meisten Indikatoren mit Ausnahme der Liquidität und der Produktivität liegt. Letzeres bedeutet, dass die Kreditgeber in Georgien unter einem gewissen Druck stehen und die Risiken künftig zunehmen könnten. Bolivien zeichnet sich durch ein relativ geringes Überschuldungsrisiko aus. Die beobachtete hohe Wettbewerbsintensität der einzig hohe Wert für eine Indexvariable muss hier im Kontext eines funktionierenden Marktes gesehen werden, da die Werte der meisten anderen Variablen relativ niedriger sind. Der Mangel an genauen und konsistenten Daten erschwert eine fundierte quantitative Analyse der zurückliegenden Krisen. Der Frühwarnindex stellt lediglich einen Indikator für ein erhöhtes Risiko einer Überschuldungskrise dar. Die Bewertungen werden anhand einer Ordinalskala vorgenommen, was Ländervergleiche erschwert. Zudem ist es weiterhin möglich, dass ein Land, dem ein erhöhtes Risiko zugewiesen wird, eine Überschuldungskrise durch rechtzeitiges Gegensteuern vermeiden kann. Genau das wäre der wichtigste Vorteil eines OID Index.

7 Überschuldung und Mikrofinanz 7 responsability Social Investments AG Die 2003 gegründete responsability Social Investments AG (responsability) gehört zu den weltweit führenden Vermögensverwaltern im Bereich der Social Investments. Anlageschwerpunkte sind Mikrofinanz, KMU-Finanzierung, Fair Trade und unabhängige Medien. Mit ihren Anlageprodukten eröffnet responsability Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern Zugang zu Märkten und Informationen sowie zu weiteren für ihre Entwicklung wichtigen Dienstleistungen. Private und institutionelle Investoren können so auf professionelle Weise zu einer positiven gesellschaftlichen Entwicklung beitragen und zugleich eine finanzielle Rendite erzielen. Center for Microfinance Universität Zürich Das Center for Microfinance (CMF) ist das Kompetenzzentrum für angewandte Forschung, Beratungsleistungen, Lehre und Managementtraining zu Mikrofinanzthemen an der Universität Zürich. Das zum Department of Banking & Finance (Institut des schweizerischen Bankwesens) gehörende CMF zielt darauf, Wissenslücken zwischen der Mikrofinanzindustrie, der akademischen Forschung sowie privaten und institutionellen Investoren zu schliessen. Als Teil einer führenden Forschungsinstitution in räumlicher Nähe zu marktführenden Anbietern und Investoren auf dem globalen Mikrofinanzmarkt verbindet das Center for Microfinance unabhängige Forschung mit der Berücksichtigung aktueller Trends in der Mikrofinanzindustrie. Das CMF untersucht die finanzielle und soziale Performance von Mikrofinanzinstitutionen und zielt auf die Stärkung der Beziehung zwischen Investoren, den Finanzmärkten und der Mikrofinanzindustrie. Triodos Investment Management BV Triodos Investment Management BV verwaltet eine Reihe von Fonds, die in Europa sowie in Entwicklungs- und Schwellenländern investieren. Diese Fonds eröffnen privaten und institutionellen Investoren Zugang zu Anlagechancen in nachhaltigen Sektoren wie Mikrofinanz, erneuerbare Energien und ökologische Landwirtschaft. Als Mikrofinanzinvestor wollen wir zur Entwicklung eines nachhaltigen Finanzsektors in Entwicklungsund Schwellenländern beitragen, der sich durch faire Preise, Transparenz, Armutsbekämpfung und Rücksicht auf unsere Umwelt auszeichnet. Triodos Investment Management ist eine hundertprozentige Tochter der Triodos Bank, einer der weltweit führenden Nachhaltigkeitsbanken. Council of Microfinance Equity Funds Der Council of Microfinance Equity Funds (CMEF) ist der Verband der führenden privaten Organisationen, die Eigenkapital in Mikrofinanzinstitutionen (MFI) in Entwicklungsund Schwellenändern investieren. Mit ihren Investitionen in Institutionen, die eine Vielzahl entwicklungsfördernder Finanzdienstleistungen für finanziell ausgeschlossene Bevölkerungsgruppen bieten, wollen die Mitglieder des Council eine soziale und finanzielle Rendite erzielen. Über den Council engagieren sich die Mitglieder für eine verbesserte Beaufsichtigung der MFI, in die sie investieren, eine Stärkung ihrer Investmentperformance sowie die Entwicklung von Best-Practices und Branchenstandards. Hauptziel von CMEF ist die Stärkung der Mikrofinanzindustrie und die Förderung des Wachstums des kommerziellen Mikrofinanzmarktes. Unser Ziel ist es, das Wissen über die Mechanismen des Mikrofinanzmarktes zu vertiefen und zur Wahrung der Qualität von Mikrofinanzinvestments beizutragen. Dieses Dokument wurde vom Center for Microfinance des Swiss Banking Institute der Universität Zürich für responsability Social Investments AG, Triodos Investment Management BV und dem Council of Microfinance Equity Funds (nachfolgend «Herausgeber») erstellt. Die in diesem Dokument enthaltenen Informationen (nachfolgend «Informationen») basieren auf Quellen, die als verlässlich betrachtet werden, jedoch besteht keine Garantie hinsichtlich Richtigkeit und Vollständigkeit derselben. Die Informationen könnten jederzeit geändert werden, ohne dass eine Verpflichtung besteht, den Empfänger darüber zu informieren. Ist nichts anderes vermerkt, sind alle Zahlen ungeprüft und nicht garantiert. Sämtliche Handlungen aufgrund der Informationen erfolgen auf eigene Haftung und Gefahr des Empfängers. Das Dokument dient ausschliesslich Informationszwecken. Die Informationen entbinden den Empfänger nicht von seiner eigenen Beurteilung. Weitere Informationen sind auf Anfrage erhältlich. Bitte kontaktieren Sie responsability Social Investments AG, Josefstrasse 59 - CH 8005 Zürich, +41 (0) , Dieses Dokument darf ohne schriftliche Genehmigung der Herausgeber weder auszugsweise noch vollständig in irgendeiner Form oder durch irgendein Mittel elektronisch, mechanisch, fotokopiert oder sonst wie vervielfältigt, in einem Archivierungssystem aufbewahrt oder weitergeleitet werden. Zusätzliche Informationen sind auf Wunsch erhältlich. Copyright, Center for Microfinance des Swiss Banking Institute der Universität Zürich, responsability Social Investments AG, Triodos Investment Management BV, Council of Microfinance Equity Funds, Alle Rechte vorbehalten.

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