Dominanz identitätspolitischer Auseinandersetzungen in der Schweiz und die Rolle der Medien.

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1 5. Schweizer Asylsymposium 30./31. Januar 2013 Bern / Schweiz Wege zu einer glaubwürdigeren Asylpolitik Medien und Migration Dominanz identitätspolitischer Auseinandersetzungen in der Schweiz und die Rolle der Medien. Input - Referat Prof. Dr. Kurt Imhof Schweizerische Flüchtlingshilfe SFH, Weyermannsstrasse 10, Postfach 8154, CH-3001 Bern Tel. +41 (0) , Fax +41 (0) , PC , UNHCR Büro für die Schweiz und Liechtenstein, 94, rue de Montbrillant, CH-1211 Genf, Tel. +41 (0) , Fax +41 (0) ,

2 Medien und Migration Dominanz identitätspolitischer Auseinandersetzungen in der Schweiz und die Rolle der Medien Asylsymposium 31. Januar 2013 Input - Referat Prof. Dr. Kurt Imhof

3 Problematisierung des Fremden in der Presse Seite Inhaltsanalytische Vermessung der Politikberichterstattung

4 Paid-media und free-media

5 Bedeutung internationaler Kommunikationsereignisse für die Wahrnehmung der Muslime in der Schweiz ( ) Berichterstattung über Muslime ist geprägt durch internationale Konflikte und Kriege Problematisierung der Muslime in der Schweiz in diesem Kontext seit 2004 n = 261 Kommunikationsereignisse (246 Muslime / 15 Juden & Muslime) mit insgesamt Beiträgen in 15 Leitmedien

6 Problematisierung des Fremden in der Presse Kategorien Mediensample: NZZ, TagesAnzeiger, Blick Seite Inhaltsanalytische Vermessung der Politikberichterstattung

7 Wahrnehmung der sozialen Ordnung: Skandalisierung

8 Resonanzverschiebung Parlament - Exekutive Langfristiger Resonanzverlust der Parlamentsgegenüber Bundesratswahlen Seite Inhaltsanalytische Vermessung der Politikberichterstattung

9 Auslandberichterstattung im Wandel (Blick, Tages-Anzeiger, NZZ)

10 Auslandberichterstattung im Wandel: öffentliches Radio

11 Aktuelle Erschliessung der Welt: Radio

12 Bedeutung des Ausländer- und Asylthemas in der Wahlkampfkommunikation Seite Inhaltsanalytische Vermessung der Politikberichterstattung

13 Dynamik der Wahlkampfkommunikation und der Problematisierung des Fremden vor den Wahlen 2007 Die strategische Bewirtschaftung segmentärer, stratifikatorischer und temporaler Differenzsemantiken durch rechtspopulistische Parteien im Wahlkampf 2007 profitiert von etablierten Problematisierungen des Fremden in der medialen Kommunikation

14 Politische Werbung - Inserate der Wahlkampfakteure SVP lanciert von allen Parteien und Verbänden am meisten Inserate (29%) SVP inseriert systematisch breit; auch in Boulevardmedien SVP inseriert systematisch im Sommerloch Agenda-Setting SVP reagiert mit ihren Inseraten systematisch auf Medienberichterstattung

15 Dynamik der Berichterstattung zur Minarettinitiative Plakat / Verbotsdiskussion späte Intensivierung der Berichterstattung und der Kampagnen Lancierung Minarettinitiative EKR-Bericht / NZZ-Interview Kurt Koch / SVP-Antrag ZH-Kantonsrat Einreichung Initiative Kritik der OIC Parlament. Debatten Provokationen erzielen hohe Aufmerksamkeit häufig Diskussion über Form statt Inhalte

16 Minarett-Initiative: Typisierungen und Pauschalisierungen überwiegend negative Typisierungen (3/4 der Fälle) hoher Grad an Pauschalisierungen ( der Islam, die Muslime )

17 Minarett-Initiative: Akteursresonanz Verhältnis der pro- und contra-parteien dreht sich in der Medienberichterstattung um geringes Engagement der Gegner der Initiative Stilsierung der Abstimmung zur Auseinandersetzung zwischen Initianten und Muslime

18 Hintergrundberichterstattung zur Minarettinitiative nach Pressetypen Eine thematische Berichterstattung, d.h. die Vermittlung von Hintergrundwissen und Ursache-Wirkungszusammenhängen, leisten primär die Abonnements- und Sonntagszeitungen n = 112 Frontseitenbeiträge

19 Thematische versus episodische Berichterstattung: Minarett- und Ausschaffungsinitiative n = 396 Beiträge

20 Etablierung von Deutungsperspektiven (frames) Seite Inhaltsanalytische Vermessung der Politikberichterstattung

21 Fazit 1. Direkte Demokratie und kulturalistischer Gemeinsamkeitsglaube schaffen gute Opportunitätsstrukturen für populistische Akteure. Diese Opportunitätsstrukturen verstärken sich noch in Perioden gesteigerter Zukunftsunsicherheit. 2. Der Strukturwandel der Immigration (Unterschichtungs- zu Durchmischungsmigration) und Globalisierungsängste erleichtert es politischen Akteuren, den Mittelstand mit rechtspopulistischen Positionen zu mobilisieren. 3. Der Strukturwandel der öffentlichen Kommunikation verschafft ressourcenstarken und provokativ agierenden Akteuren nicht nur sehr hohe Resonanzwerte sondern auch die Deutungshoheit über die Problematisierung in der öffentlichen Kommunikation. Dies gelingt umso eher, je stärker sich ein episodischer, konfliktstilisierender race-horse journalism durchsetzt (Gratismedien on- und offline). Auch der distanzierte Chronikjournalismus (Radio, TV, Abonnementszeitungen) honoriert die kampagnenstärkeren Akteure. Seite Inhaltsanalytische Vermessung der Politikberichterstattung

22 Fazit II 4. Im Effekt führt dies zu Rationalitätsdefiziten in der öffentlichen Kommunikation besonders bei identitätspolitischen Fragen: Argumentationsfreie, rein moralisch-affektive Provokationen via paid-media bestimmen die politische Agenda, schaffen die zentralen Resonanzwerte für Akteure und die Aufmerksamkeitswerte für die Problematisierungen in free-media. Konfliktachsen werden durch Nachrichtenwerte bestimmt und nicht durch politische Positionen. Pauschalisierungen und rigide Differenzsemantiken werden Regel nicht Ausnahme. Argumentationen gehorchen Kampagenstrategien und werden systematisch nicht mehr aneinander angeschlossen. Parlamentarische Debatten verlieren ihre strukturierende Wirkung für die medienvermittelte Auseinandersetzung. Seite Inhaltsanalytische Vermessung der Politikberichterstattung

23 Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit Inhaltsanalytische Seite 22 Vermessung der Politikberichterstattung

24 Negative Typisierungen: Etablierung und Reaktion Agenda-Setting durch SVP, Bundesrat Blocher und z.t. auch durch SP Ende Juni Wiederaufnahme Mitte August Heftige Reaktionen ab Ende August halten die Problematisierung des Fremden auf der Agenda

25 Typisierte Akteure und Grad der Pauschalisierung Ausländer (51%) respektive kriminelle Ausländer (25%), davon relativ oft Fokus auf Jugendliche Muslime (15%) oftmals als unbestimmtes Kollektiv pauschalisiert Andere Gruppen von Ausländern (z.b. Asyl Suchende) und andere ethnische beziehungsweise religiöse Minderheiten selten typisiert.

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