Lesung: 2. Könige a (siehe Lektionar) Pfr. Jörg Wegner, Freiburg

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1 Datum / 3. n. Ep Sonntag Text/Thema Joh 4, 46f Besonderes Notizen Wilhelm Peters, Helga Göttsching Lieder EL: 69 Der Morgenstern PS: 750 LL: 316, 1-2 Lobe den Herren HL: 583, 1-4 Teures Wort PL: 665 Wir haben Gottes SL: 170 Komm Herr Autor Lesung: 2. Könige a (siehe Lektionar) Pfr. Jörg Wegner, Freiburg Gnade und Friede sei mit euch von dem, der da war, der da ist und der da kommt. Amen TEXT: Und Jesus kam abermals nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte. Und es war ein Mann im Dienst des Königs; dessen Sohn lag krank in Kapernaum. 47 Dieser hörte, dass Jesus aus Judäa nach Galiläa kam, und ging hin zu ihm und bat ihn, herabzukommen und seinem Sohn zu helfen; denn der war todkrank. 48 Und Jesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht. 49 Der Mann sprach zu ihm: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt! 50 Jesus spricht zu ihm: Geh hin, dein Sohn lebt! Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. 51 Und während er hinabging, begegneten ihm seine Knechte und sagten: Dein Kind lebt. 52 Da erforschte er von ihnen die Stunde, in der es besser mit ihm geworden war. Und sie antworteten ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber. 53 Da merkte der Vater, dass es die Stunde war, in der Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt. Und er glaubte 1

2 mit seinem ganzen Hause. 54 Das ist nun das zweite Zeichen, das Jesus tat, als er aus Judäa nach Galiläa kam. Liebe Gemeinde, ist er hier mal richtig genervt? Hat er die Nase voll von Menschen, die immer nur das eine von ihm erwarten? Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht. Die Reaktion entspricht nicht meinem Bild vom liebevollen und sanftmütigen Menschenversteher Jesus. Warum ist er hier so dünnhäutig? Dem Vater ging es erst mal gar nicht um, den Glauben, sondern schlicht um seinen Sohn, der mit dem Leben kämpft oder besser: der mit dem Tod kämpft. Der hockt am Bett seines Sohnes. Dessen Hand hängt schlaff unter Wolldecke hervor. Der Vater hält sie und schaut mit fragenden Augen auf den Sohn. Alles haben sie schon probiert. Die Hoffnung stirbt da nicht zuletzt, sondern bald. Kaum ist noch ein Atemzug von dem Kind zu hören. Seine Lippen sind rissig und trocken wie altes Pergament. Nichts kann der Vater mehr tun, als ab und an den Mund des Sohnes mit Wasser benetzen. Die Luft ist in dem Haus ebenso erstarrt, wie die Menschen in ihrer Angst um ein Menschenleben. Da erzählt dann einer: Ich habe da von einem Jesus gehört. Der hat vor ein paar Wochen auf einer Hochzeit verrückte Dinge gemacht irgendein 2

3 Zauberzeug: Wasser verwandelte er in recht passablen Wein. Und auch sonst soll der schon besonders sein. Es rennen ja viele Wundertäter im Land herum. Aber dieser Jesus, der aus Nazareth kommt, soll wieder auf dem Weg in unsere Gegend sein. Vielleicht kann der auch die Krankheit deines Sohnes in Gesundheit verwandeln. Wasser zu Wein krank zu gesund so einfach. Da die Hoffnung noch nicht ganz gestorben war, wird sich der Vater auf den Weg gemacht haben. Und dann trifft er auf diesen Wunderrabbi. Er will ihn in sein Haus einladen an das Lager seines sterbenden Sohnes. Denn jetzt hilft nur noch ein Wunder. Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt! Das klingt wie eines der unzählbaren Gebete dieser Welt. Herr, komm herab, und ändere etwas. Herr, komm herab, wenn in Syrien die Menschen im Krieg sterben. Herr, komm herab, wenn Menschen auf dieser Welt hungern müssen. Herr, komm herab, wenn Kindern sterben müssen an Krankheiten, die niemand heilen kann. Herr, komm herab diesem Vater geht es nicht um Glauben, sondern zunächst nur um sein Kind. Aber Jesus kommt nicht herab! Er setzt sich nicht in Bewegung. Er setzt den Vater in Bewegung! Geh hin. 3

4 Er spiegelt die Bitte des Vaters auf ihn zurück. Er verwandelt das Komm herab in das Geh hin! so wie er einst Wasser in Wein verwandelt. Dieses Geh-hin bedeutet nicht die Abweisung eines lästigen Bittstellers. Es ist die Ermutigung, eines vom Schrecken erstarrten Menschen, wieder eigene Wege der Hoffnung zu gehen. Für den Vater hier heißt die Hoffnung : dein Sohn lebt. Wir hier mögen andere Hoffnungssätze finden, weil wir andere Probleme haben. Aber gleich ist, dass sich diese Probleme an - gehen lassen, wenn ich gehe, und nicht erwarte, Gott möge herab kommen und alles wird anders. Gott greift nicht einfach in mein Leben ein. Aber sein Geist will mich ergreifen, damit ich Kraft finde für mein Leben. Ich finde, nicht nur der gesunde Sohn ist das Wunder. Das eigentliche Wunder ist ein Mensch, der neues Leben findet. Der sterbende Sohn steht auch für das, was in diesem Vater zu sterben drohte: Hoffnung, Mut und ein unerschütterliches Vertrauen in das Leben. Es ist ein Wunder, dass der Vater Jesus nicht mehr als letzte Hoffnung anschaut, sondern als eine ganz neue Hoffnung, die er so noch nie gespürt hat Das setzt ihn in Bewegung. Und nicht erst am Ende des Weges, sondern als er noch auf dem Weg ist, findet sein Sohn das Leben wieder. 4

5 Hoffnung erfüllt sich. Ich habe es noch nicht mit eigenen Augen gesehen, aber es ist schon etwas passiert. Nicht allein der Sohn, auch der Vater hat neues Leben gefunden. Denn er hat gelernt, sich für die Hoffnung in Bewegung zu setzen. Nicht ein Zauberwort Jesu, sondern der Mann, der in der Begegnung das Hoffen wieder gelernt hatte, macht die Wende aus. Als er die Knechte fragte, wann das Wunder geschehen sei, war es zur Zeit als er die Worte hörte... dein Sohn lebt. Und dann ist er losgegangen, ohne zu wissen, dass die Rechnung aufgeht. Jesus hat ihm den Mut gegeben. Darum konnte er dem Geh hin! folgen und fand am Ende den geheilten Sohn und sein eigenes Heilwerden von aller Angst. Glauben geht nur so, dass wir Wege gehen. Zuviele Wege werden nicht gegangen. In unserem Glauben nicht, in unserem Leben nicht. Wir schalten dem ein Wenn und aber vor und lassen es bleiben. Wir sagen: wo kämen wir da hin und wagen nicht zu schauen, wohin wir kämen, wenn wir hin gingen. Mein schweizerischer Kollege, der Pfarrer Kurt Marti hat aus dieser Erfahrung ein Gedicht gemacht. Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte, wo kämen wir hin und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen. 5

6 Wie wäre es gegangen, wenn der Vater dem Ruf Jesu nicht gefolgt wäre Geh hin!? Hätte er dann wirklich für sich und seinen Sohn neues Leben gefunden? Nein, er wäre passiv geblieben, hätte nur Gott schön machen lassen. Aber das ist kein Weg der Reife, keines wirklichen Vertrauens, das für neues Leben notwendig ist, wie die Sonne für das Wachstum der Saat. Wer dieses Vertrauen aber hat, der fragt nicht immer, wo kämen wir da hin...?, der geht, vertraut und schaut, wohin wir kommen, wenn wir hingehen. Der hört dieses Geh hin!, der bewahrt sich die Hoffnung und die Neugierde. Ohne das befürchte ich würde ein Leben schnell krank daliegen, wie der Sohn des Vaters, geschwächt und ausgezehrt an Leib und Seele. Wir selbst brauchen es und diese Welt braucht es: Menschen, die im Vertrauen hingehen, um zu schauen, wohin wir kämen, wenn wir Gottes Geist folgen. AMEN 6

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