Saarländisches Ärzteblatt

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1 Saarländisches Ärzteblatt 66. Jahrgang 2/2013 Neujahrsempfang der saarländischen Ärzteschaft Neue Rechtslage zur Befreiung von der gesetzlichen Rentenversicherung KVS: Praxisübergabeseminar Ärzteverband: Rechenschaftsbericht 2012 Neuwahlen beim Marburger Bund Saarland

2 Die neuen MEDIADATEN sind da! Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern Berliner Ärzte Ärzteblatt Sachsen Ärzteblatt Thüringen Hessisches Ärzteblatt Ärzteblatt Rheinland-Pfalz Saarländisches Ärzteblatt MEDIADATEN Leipziger Verlagsanstalt GmbH Paul-Gruner-Straße Leipzig Preisliste gültig ab Die Preisliste ersetzt alle bisher erschienenen Mediadaten Jetzt online unter: Oder einfach eine Faxbestellung an: Bitte senden Sie Ihre aktuelle Preisliste an folgende Anschrift: Ärzte n Berliner isches Ärzteblatt pommer en Hess burg-vor tt Mecklen Ärzteblatt Thüring es Ärzteblatt Ärztebla isch tt Sachsen Saarländ Ärztebla nd-pfalz tt Rheinla Ärztebla MEDIA H stalt Gmb g Leipzi Verlagsan Leipziger -Straße runer Paul-G ienenen gültig ab t alle bisher ersch Preisliste iste ersetz Die Preisl DATEN Mediadaten. 2013

3 EDITORIAL Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege, wer in den letzten Tagen aufmerksam die Pressemitteilungen verfolgt hat, konnte sich über zwei modellhafte medizinische Studien im Saarland informieren. Ein Projekt der IKK Südwest in Kooperation u. a. mit der KV Saarland soll dazu führen, Patienten mit dem Risiko eines plötzlichen Herztodes zu ermitteln. Hintergrund ist, dass viele Patienten gleichzeitig mehrere Medikamente einnehmen, die negative Auswirkungen auf die Herztätigkeit haben und zu Rhythmusstörungen führen können. Ein spezielles Software-Programm soll diese Risikogruppe ermitteln. Niedergelassene Kassenärzte im Saarland können die entsprechenden Informationen abrufen und somit Komplikationen vorbeugen. [SZ ; Eine interdisziplinäre Studie der Uniklinik Homburg in Kooperation mit der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände dient dem Ziel, die Einhaltung der Medikamenten-Verordnung bei Patienten mit chronischer Herzmuskelschwäche zu verbessern. Immerhin jeder zehnte Mensch über 70 Jahre leidet an einer chronischen Herzschwäche. Das Risiko für kardiale Komplikationen wird durch eine unzuverlässige Medikamenteneinnahme erhöht. [SZ 12./ ] In der aktuellen Ausgabe unseres Ärzteblattes wird ausführlich eine weitere, überregionale Studie vorgestellt. Vor fast zwanzig Jahren wurde am Uniklinikum Homburg die Deutsche Studiengruppe für Hochmaligne Non-Hodgkin-Lymphome (DSHNHL) gegründet. Diese Studiengruppe ist weltweit führend und hat mit ihren Studienaktivitäten in einem erheblichen Maße den derzeit weltweit geltenden Standard in der Behandlung aggressiver Non-Hodgkin-Lymphome geprägt. Um die Behandlungsergebnisse für Subpopulationen von Patienten mit hochmalignen Non-Hodgkin-Lymphomen trotz der bisherigen großen Erfolge weiter zu verbessern, sind zusätzliche multizentrische Studien erforderlich. Die vorbildlichen Forschungsaktivitäten der Homburger Uniklinik sollten auf diesem Wege weiter unterstützt werden. Über ein besonderes saarländisches Engagement berichtet auch ein weiterer Beitrag. Das Weiterbildungskonzept zur Zusatzweiterbildung Notfallmedizin geht in enger Kooperation zwischen den für den Notarztdienst verantwortlichen Ärzten und der Ärztekammer einen saarländischen Sonderweg, der auch bundesweit Beachtung findet und schon jetzt in die Diskussion des Ausschusses Notfallmedizin und Katastrophenschutz der Bundesärztekammer zur Optimierung von Ausbildung und Versorgung Einfluss gefunden hat. In einem ausführlichen Artikel berichtet der Ärztliche Leiter Rettungsdienst im Saarland, Dr. T. Schlechtriemen, über die Statistik und medizinischen Bilder von Notfallpatienten sowie die Details von Fort- und Weiterbildung. In der Notfall-Statistik dominieren unverändert internistische Erkrankungen, besonders des Herz-Kreislauf-Systems (37,5%) sowie neurologische Krankheitsbilder (19,1%), insbesondere der akute Apoplex. Die Zahl älterer Notfallpatienten steigt analog zu ihrem Anteil in der Bevölkerung und der höheren Lebenserwartung kontinuierlich an. Mehr als ein Fünftel aller notärztlich versorgten Patienten sind älter als 80 Jahre. Um die angehenden Notärzte optimal auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe vorzubereiten, haben wir im Saarland ein Simulatortraining definierter Notfallsituationen in die Weiterbildungsordnung aufgenommen. Die bisherigen Kurse wurden sehr positiv angenommen. Ich kann nur empfehlen, sich mit den herausragenden Aktivitäten im Saarland auf dem Gebiet der medizinischen Forschung ebenso wie bei der Gesundheitsversorgung und der Fort- und Weiterbildung zu beschäftigen. Wir brauchen unser Licht nicht unter den Scheffel zu stellen. Wie ich bei meiner Ansprache zum Neujahrsempfang feststellte, ist im Saarland durch eine gute Vernetzung und durch eine gegenseitige Wertschätzung vieles möglich, was überregionalen Modellcharakter haben kann. Hierauf dürfen wir zu Recht stolz sein. Mit herzlichen Grüßen Ihr Dr. med. Josef Mischo Präsident 3

4 INHALT 4 Editorial... 3 Aus der Ärztekammer Neujahrsempfang der saarländischen Ärzteschaft...5 Junge Kammer: Fortbildungsseminar Umgang mit schwierigen Patienten (Bericht)...8 Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen Das Versorgungswerk informiert: Neue Rechtslage zur Befreiung von der gesetzlichen Rentenversicherung Neue Urlaubsregelung für MFA...12 Verlust von Arztausweisen März: Klinisches Wochenende zum Thema Inklusion... 13, 34 Nachrichten Zahl des Monats: Aus Wissenschaft und Forschung Herausforderung Notarztdienst Weiterbildungskonzept für ein anspruchsvolles ärztliches Tätigkeitsfeld Studien der Deutschen Studiengruppe für Hochmaligne Non-Hodgkin-Lymphome (DSHNHL): Die Welt blickt nach Homburg Saarländischer Fachärztetag 2013 (Programm) Veranstaltungskalender...26 Kurs Notfallmedizin Notdienst-Seminar vom 1. bis Fallseminar VIII Palliativmedizin für Ärzte Klinisches Wochenende am : Inklusion im Gesundheitswesen Aus der Kassenärztlichen Vereinigung Praxisübergabeseminar Herausforderungen und Chancen...35 Ausschreibung von Vertragsarztsitzen Aus dem Ärzteverband Rechenschaftsbericht Veranstaltungen des Ärzteverbandes Verschiedenes Die Entmündigung des Arztberufes Bericht über die Bundeshauptversammlung des NAV-Virchow-Bundes am Adipositas-Netzwerk SAAR mit Förderpreis ausgezeichnet Neuwahlen beim Marburger Bund Saarland Saarländisches Facharzt-Forum: Mitgliederversammlung am Personalia Priv.-Dozent Dr. Daniel Schubert neuer Chefarzt am Klinikum Saarbrücken Prof. Dr. C. Cedzich neue Vorsitzende der Leitenden Krankenhausärzte im Saarland Prof. Dr. B. Käsmann-Kellner neue Landesärztin für blinde Menschen und Menschen mit Sehbehinderung Prof. Dr. Ulrich Laufs neuer Vorsitzender der DGFF Chronik Wir gratulieren Offizielles Mitteilungsblatt der Ärztekammer des Saarlandes, Abtei lung Ärzte und Zahnärzte, der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland, des Ärzteverbandes des Saarlandes und der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Saarland. Herausgeber: Redaktion: Ärztekammer des Saarlandes Faktoreistraße 4, Saarbrücken Andreas Kondziela Faktoreistraße 4, Saarbrücken Postfach , Saarbrücken Telefon Telefax Internet: Zuschriften redaktioneller Art bitten wir nur an diese Anschriften zu richten. Für die Richtigkeit der Darstellung der auf den vorstehenden Seiten ver öffentlichten Zuschriften wissenschaftlicher und standespolitischer Art kann die Redaktion keine Verantwortung übernehmen. Die darin geäußerten Ansichten decken sich nicht immer mit denen der Her ausgeber der Zeitschrift. Sie dienen dem freien Meinungsaustausch unter der Ärzteschaft und ihr nahestehender Kreise. Diese Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes bedarf der Zustimmung der Schrift leitung. Verlag: Geschäftsführer: Leipziger Verlagsanstalt GmbH, Paul-Gruner-Straße 62, Leipzig Telefon Telefax Internet: Dr. Rainer Stumpe Anzeigendisposition: Silke El Gendy-Johne, Melanie Bölsdorff Druck: Brühlsche Universitätsdruckerei GmbH & Co KG Am Urnenfeld 12, Gießen Zurzeit ist die Anzeigenpreisliste 2013 vom gültig. Erscheinungsweise und Bezug: Das Saarländische Ärzteblatt er scheint jeweils zum 1. eines Monats. Die Zeitschrift wird von allen Ärz ten und Zahnärzten des Saarlandes im Rahmen ihrer Mitgliedschaft zur Ärztekammer bezogen. Der Be zugs preis ist mit dem Mitgliedsbeitrag abgegolten. Nichtmitglieder können das Saarländische Ärzteblatt beim Verlag abonnieren. Der Jahres be zugs preis (12 Ausgaben) beträgt im Inland _ 113,50 (einschließlich Ver sand), innerhalb der EU _ 113,50 zzgl. Versandkosten. Die Kün digung des Abonnements ist nur schriftlich mit einer Frist von 2 Monaten zum Ablauf möglich. Einzelheft preis: _ 10,80 zzgl. _ 2,50 Versandkosten. Redaktionsschluss: 4. Februar 2013 ISSN: X

5 Der Festsaal des Saarbrücker Rathauses bot in diesem Jahr wieder die ansprechende Kulisse für den Neujahrsempfang der ärztlichen Körperschaften, der am 16. Januar stattfand. Dr. Gunter Hauptmann konnte neben vielen Kolleginnen und Kollegen auch zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung in der guten Stube der Landeshauptstadt begrüßen, die der Einladung der Ärztekammer des Saarlandes und der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland gefolgt waren. Nach der Begrüßung war es turnusgemäß Aufgabe von Dr. Mischo auf das vergangene Jahr zurückzublicken und Zielsetzungen für die saarländische Ärzteschaft im neuen Jahr zu definieren sei mit drei Gesundheitsministern und drei unterschiedlichen persönlichen Schwerpunkten ein turbulentes Jahr in der saarländischen Gesundheitspolitik gewesen. Dennoch stellte dieser Wechsel für die Ärzteschaft kein Problem dar wir haben und hatten zu allen ein gutes, konstruktives Verhältnis, wofür an dieser Stelle bereits einmal gedankt sei, unterstrich der Kammerpräsident. Die Bundespolitik habe mehrere neue Gesetze oder Gesetzesänderungen beschert, so z.b. das GKV-Versorgungs strukturgesetz, das Patientenrechtegesetz, das Gesetz zur Neuausrichtung der Pflegeversicherung und Änderungen im Transplantationsgesetz. AUS DER ÄRZTEKAMMER Neujahrsempfang der saarländischen Ärzteschaft Deutschland würden zurzeit rund Menschen auf ein lebensrettendes Organ warten Patienten auf dieser Warteliste stürben pro Jahr, da nicht rechtzeitig ein Spenderorgan zur Verfügung stehe. Der Skandal habe sicherlich nicht zu einer Verbesserung der Situation beigetragen. Ich frage mich allerdings, so der Kammerpräsident, ob das Fehlverhalten einzelner Transplantationsverantwortlicher nicht für manche ein willkommener Anlass ist, die eigene Entscheidung für oder gegen Organspende negativ ausfallen zu lassen. Wünschen würde ich mir in der Öffentlichkeit und in den Medien eine differenzierte Darstellung der Probleme schwer kranker Menschen, die oftmals verzweifelt auf ein Spenderorgan warten. Wie so oft drängt sich der Eindruck auf, dass ein in der Tat skandalöses Fehlverhalten interessanter ist als die ernsten Probleme betroffener Patienten. Anzeige ÄRZTEKAMMER Mit dem GKV-Versorgungsstrukturgesetz werde das Ziel verfolgt, die wohnortnahe und bedarfsgerechte Versorgung im Gesundheitswesen sicherzustellen und dabei den stationären und ambulanten Bereich enger zu verzahnen. Durch Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wolle die Politik Anreize für niederlassungswillige Ärzte schaffen, in unterversorgten, besonders ländlichen Gebieten tätig zu werden. Mit dem Patientenrechtegesetz wolle der Gesetzgeber die Rechte der Patientinnen und Patienten gegenüber Ärzten und Krankenkassen stärken und transparenter machen. Die Patienten sollen besser informiert und intensiver als Partner in den Behandlungsprozess einbezogen werden. Durch die Förderung einer Fehlervermeidungskultur soll auf der Seite der Leistungserbringer die Qualität erhöht werden. Grundsätzlich sei es zu begrüßen, wenn Patienten besser informiert und aufgeklärt sind. Bei einem guten Arzt-Patienten-Verhältnis sei dies in der Vergangenheit bereits so gewesen. Die Frage wird sein, hob Dr. Josef Mischo hervor, ob die neuen gesetzlichen Vorgaben von den Ärzten mehr Dokumentations- und Informationszeit einfordern. Dies müsste dann von der übrigen patientenorientierten Arbeitszeit zusätzlich abgezweigt werden. Organspendeproblematik Mit dem neuen Gesetz zur Regelung der Entscheidungslösung im Transplantationsgesetz versuche der Gesetzgeber, die Bevölkerung zum Thema Organspende zu sensibilisieren. In Politik und Ärzteschaft hätten noch im Sommer 2012 Maßnahmen für eine stärkere Kontrolle und mehr Transparenz ergriffen. Alle Transplantationszentren würden jetzt regelmäßig mit großem Aufwand von einer Prüfungs- und Überdie persönlichere Note Vertrauen Sie unserer Erfahrung. Damit sich Ihre Finanzen bester Gesundheit erfreuen. Fachwissen, Engagement, Einfühlungsvermögen was Ihre Patienten von Ihnen als Mediziner erwarten, dürfen Sie auch von Ihrer Bank erwarten. Einen Partner, der mit Rat, Tat und einer Menge Erfahrung an Ihrer Seite steht. Einer, auf den man sich verlassen kann. Sie sind mit ganzem Herzen für Ihre Patienten da. Wir für Ihre Bankgeschäfte. 5

6 ÄRZTEKAMMER 6 AUS DER ÄRZTEKAMMER Im Dialog: Gesundheitsminister Andreas Storm (Bildmitte) im Gespräch auf dem Neujahrsempfang. In seiner Rede betonte er die gute Zusammenarbeit mit der Ärzteschaft und nahm sie gegen pauschale Verunglimpfungen in Schutz. Zudem regte er nach den Wahlen im Herbst einen Entbürokratisierungsgipfel auf Bundesebene an. wachungskommission von Bundesärztekammer, Deutscher Krankenhausgesellschaft und GKV-Spitzenverband visitiert und kontrolliert. Bei einem Viertel der Zentren ist dies bereits geschehen, mit Ausnahme von Leipzig ohne Auffälligkeiten. Das Fehlverhalten einzelner Ärzte sei, wie auch aktuell nochmals durch den Präsidenten der Bundesärztekammer Prof. Montgomery geschehen, ganz klar zu verurteilen. Sowohl berufsrechtliche und soweit möglich strafrechtliche Konsequenzen müssten erfolgen. Gleichwohl muss ich im Interesse der Patienten nochmals auf die persönliche Verantwortung jedes einzelnen zur Spendenbereitschaft hinweisen, sagte Dr. Josef Mischo. Die Anzahl der Organspender sei 2012 auf einen Tiefststand gesunken. Nach einer aktuellen Umfrage würden es 37 % der Bundesbürger ablehnen, Organe zu spenden; Tendenz steigend. Thema Korruption: Pauschale Diskreditierung der Ärzteschaft Bereits mehrfach im vergangenen Jahr und aktuell erneut stünde auch das Thema Korruption im Gesundheitswesen im Fokus der öffentlichen Diskussion. Pünktlich zur Eröffnung des Deutschen Ärztetages im Mai letzten Jahres sei durch Vertre ter der GKV der Presse eine so genannte Studie Korruptionspotential von Ärzten mitgeteilt worden. Demnach seien Vertragsärzte korrupt. Diese so genannte Studie habe auf einer Telefonbefragung der Universität Halle- Wittenberg beruht. Die Hochrechnung der Zahl angeblich korrupter Ärzte habe dann eine Eigenberechnung des GKV- Spitzenverbandes dargestellt. Die in der Presse veröffentlichten Aussagen stünden keinen wissenschaftlichen Kriterien zugrunde und seien als mehr als fragwürdig zu bezeichnen. Im Juni 2012 habe der BGH ein Urteil zur Strafbarkeit von Kassenärzten wegen Bestechlichkeit gefällt. Er habe dabei festgestellt, dass der freiberuflich tätige Kassenarzt weder Angestellter noch Funktionsträger einer öffentlichen Behörde sei. In der öffentlichen Diskussion wurde auch dies so dargestellt, als dürften Ärzte bestechlich sein, erläuterte Kam merpräsident Dr. Mischo. Verkannt wurde damals, ebenso wie in der aktuellen Diskussion zur Einführung einer entsprechenden gesetzlichen Regelung, dass Bestechlichkeit eindeutig durch das ärztliche Berufsrecht wie auch durch das Kas senarztrecht verboten ist. Allerdings können Ärztekammern hier erst aktiv werden, wenn sie entsprechende Hinweise erhalten. Und wir haben bisher auch keine besonderen Möglichkeiten und Rechte für weitergehende Ermittlungen, so Dr. Mischo. Durchaus würde die Ärzteschaft die vom Bundes gesundheitsministerium angedachte Verschärfung des Berufs- und Sozialrechts unterstützen. Gleichzeitig stimme man aber Prof. Montgomery zu, der Anfang des Jahres feststellte: Dabei kann es aber nicht um ein Gesetz allein gegen Ärzte gehen. Wer Betrug und Fehlverhalten im gesamten Gesundheitswesen wirksam bekämpfen will, der muss auch alle anderen Berufsgruppen vor allem aber die Geldgeber bei Korruptionsfällen mit einbeziehen. Und auch das Fehlverhalten der Krankenkassen muss auf den Prüfstand, sei es bei fragwürdigen Rabattverträgen, bei so genannten Abrechnungs optimierungen oder auch wie jüngst, wenn Schwerkranke aus ihrer Krankenkasse gemobbt werden. Völlig offen sei bei dieser Diskussion auch die Frage, welche Bedingungen genau den Tatbestand der Korruption erfüllen. Die pauschale Dif famierung eines gesamten Berufsstandes ist jedenfalls unerträglich, unterstrich Dr. Josef Mischo. Wenn wir davon ausgehen, dass die wiederholt geäußerten Korruptionsvorwürfe und auch die stellenweise tendenzielle Darstellung der Skandale im Bereich der Transplantationsmedizin nicht einer gezielten Kampagne entspringen, so müssen wir nach den Hintergründen derartiger Probleme fragen. Bürokratisierung und Ökonomisierung Im gesamten Bereich des Gesundheitswesens sei seit Jahren eine zunehmende Bürokratisierung und Ökonomisierung zu beobachten. Was zähle, sei die möglichst hohe Leistung, zu möglichst bester Qualität und zu möglichst geringen Kosten. Dabei sei es absolut legitim, dass die Gesellschaft für die Gelder, die sie für Gesundheitsleistungen ausgebe, sowohl eine angemessene Leistung als auch eine gute Qualität erhalten wolle. Im

7 Wettkampf zwischen den einzelnen Kostenträgern, ambulanten und stationären Institutionen laufe aber inzwischen der Patient Gefahr, als kranker Mensch mit einer nicht selten existentiellen Lebenskrise übersehen zu werden. Damit die Leistungen erbracht würden, die z.b. aus der Sicht von Kranken hausträgern wirtschaftlich notwendig erscheinen, lassen sich leitende Ärzte Bonusvereinbarungen aufoktroyieren. Im niedergelassenen Be reich sind ärztliche Maßnahmen mit Zeittakten definiert. Die Pflege muss ihre Leistungen minutiös dokumentieren, die Zeiteinheiten für bestimmte Pflegemaßnahmen sind festgelegt. Wir gehen mit der zentralen Zielgruppe medizinischer Aktivitäten, dem kranken und leidenden Menschen, so um, wie wir mit Industrieprodukten umgehen, kritisierte der Kam mervorsitzende. Die Problematik der Ökonomisierung der Medizin werde von vielen, gerade auch von Medizinethikern zunehmend thematisiert. Der renommierte Freiburger Ethiker Giovanni Maio habe hierzu im letzten Jahr im Deutschen Ärzteblatt einen umfassenden Artikel publiziert. Ein Zitat aus diesem Text: Im Zuge der exzessiven Ökonomisierung scheint die Wertschätzung des Arztberufs abzunehmen. Dies zeigt sich auch an der mit der Ökonomisierung ausgebrochenen Dokumentationswut. Alles muss gemessen werden, alles belegt werden, und vor allen Dingen: Alles wird kontrolliert. Nichts mehr wird als selbstverständlich vorausgesetzt, sondern für alles muss der Arzt Rechenschaft ablegen; er sieht sich einem ständigen Generalverdacht ausgesetzt. Man traut den Ärzten nicht zu, dass sie von sich aus richtig handeln, sondern sie werden kontrolliert und sollen mit finanziellen Anreizen dazu gebracht werden, das Richtige zu tun. Dieser Homo oeconomicus ist das genaue Gegenteil des Arztes, der bedingungslos und vollkommen selbstverständlich hilft. [http://www.aerzteblatt.de/archiv/125072] Rationierung, Priorisierung? Zudem sehe sich die Ärzteschaft mit dem Problem begrenzter Ressourcen konfrontiert. Prof. Fritz Beske, bis Ende 2012 noch Direktor des Instituts für Gesundheitssystemforschung in Kiel, habe kürzlich bei der Vorstellung einer Studie zur gesundheitlichen Entwicklung mahnende Wort gefunden. Seine Studie mit der Hochrechnung von 59 Leistungen der Krankenhausversorgung, 53 Leistungsgruppen in der ambulanten Medizin, mit den 10 ausgabenstärksten Arzneimittelgruppen und der Versorgung Pflegebedürftiger zeige einen Anstieg aller Leistungsanforderungen, verstärkt ab Die Zahl stationärer und ambulanter Leistungen werde zwischen 2010 und 2040 AUS DER ÄRZTEKAMMER KV-Vorsitzender Dr. Hauptmann (1. von rechts) und Kammerpräsident Dr. Mischo (2. von rechts) bei der Begrüßung teilweise um über 90 % steigen, die Leistungsrate bezogen auf Einwohner um bis zu 130 % bis Bereits für 2040 sei alleine Demographie bedingt eine Finanzierungslücke im Gesundheitssystem von acht Milliarden Euro zu erwarten. Zu ähnlichen Überlegungen habe 2011 der damalige, inzwischen leider verstorbene Präsident der Bundesärztekammer, Professor Hoppe, gefordert: Bei begrenzten Ressourcen und steigender Morbidität ist die Diskussion um Priorisierung als Instrument der Verteilungsgerechtigkeit unabdingbar. Wir haben eine heimliche Rationierung. Das System ist unterfinanziert und die finanziellen Engpässe müssen irgendwie im Arzt- Patienten-Verhältnis aufgefangen werden. Aber Ärzte sind nicht legitimiert, zu rationieren. Das ist ethisch nicht vertretbar. Diese Entscheidungen müssen auf höherer Ebene getroffen werden. Diese Gedanken zusammenfassend ergäben sich für die Zukunft laut Dr. Mischo folgende grundsätzliche Forderungen: Kompetent im Medizinrecht Rechtsanwälte Heimes & Müller Trierer Straße Saarbrücken Telefax: Justizrat Dr. Bernd Luxenburger Fachanwalt für Medizinrecht Telefon: Sven Lichtschlag-Traut Fachanwalt für Medizinrecht Telefon: Unser umfassendes Angebot finden Sie unter: Anzeige ÄRZTEKAMMER 7

8 ÄRZTEKAMMER Im Mittelpunkt unseres Handelns muss der Mensch, insbesondere der kranke und leidende Patient, stehen. Es gilt grundsätzlich und allgemein, dass wir alle darauf achten müssen, dass sich unsere Gesellschaft nicht von ihrem sozialen, einem humanistischchristlich orientierten Weltund Menschenbild entfernt. AUS DER ÄRZTEKAMMER Es wird eine öffentliche Diskussion über die zukünftige Verwendung begrenzter Ressourcen notwendig sein. Die Eigenverantwortung und persönliche Gesund heitsprävention wird in stärkerem Maße als früher eingefordert werden müssen. Die Diskussion über den zukünftigen Weg muss ebenso wie das Aufzeigen und Auf arbeiten problematischer Ent wicklungen in gegenseitigem Respekt und nicht in pauschalen Generalvorwürfen erfolgen. Trotz der großen Herausforderungen zeigte sich Dr. Mischo optimistisch, dass hier im Saarland die geschilderten Probleme besser als andernorts in den Griff zu bekommen seien. So würden z. B. gemeinsam Lösungsstrategien erarbeitet, vermehrt junge Medizinabsolventen und Ärzte dazu zu bewegen, im Aus der Vogelperspektive: Blick auf das Auditorium im Festsaal des Saarbrücker Rathauses Saarland ärztlich tätig zu werden und so dem Ärztemangel entgegenzusteuern. Ich sehe sogar die Chance und vielleicht ist dies auch so etwas wie eine Verpflichtung, dass wir mit unseren Lösungsstrategien Vorbildfunktion übernehmen können. In unserem Land erfahre ich eine gute und konstruktive Form des Dialogs, vielleicht weil unsere Wege kürzer sind, weil man sich kennt und wir eine unkompliziertere Mentalität haben, so der Kammerpräsident. Fotos: aeksaar Junge Kammer: Fortbildungsseminar Umgang mit schwierigen Patienten 8 Am Samstag, dem 1. Dezember 2012, hatte die Junge Kammer zum zweiten Teil ihrer selbstorganisierten und mitkonzipierten Fortbildungsveranstaltung zum Thema Kommunikation eingeladen. Diese fand in den Räumlichkeiten der MediClin- Bliestalkliniken in Blieskastel statt. Leider war Frau Katharina Grotemeyer, die Vorsitzende der Jungen Kammer, kurzfristig erkrankt. Aus diesem Grund richtete Herr Dr. med. dent. Dr. phil. Mike Jacob als zahnärztlicher Stellvertreter die Grußworte der Jungen Kammer an die anwesenden Teilnehmer. Dabei erläuterte er den Grundgedanken, dass ebenso, wie ärztlich technisches Rüstzeug erlernt werden müsse, auch der Umgang mit Patienten in Kommunikation und Interaktion eingeübt werden sollte, um in schwierigen Situationen mit dem Patienten nicht an souveränem Handeln zu verlieren. Und genau an dieser Stelle, so versprach Dr. Dr. Mike Jacob, werde das sich anschließende Seminar mit vielen praktischen Übungen anknüpfen. Das Konzept der Fortbildung in interaktiver Seminarform beschreitet innovativ neue Wege. Der Gesamtleiter der Fortbildung, Prof. Dr. med. Volker Köllner von der Fachklinik für Psychosomatische Medizin (Bliestalkliniken) in Blieskastel, stellte so auch im Rahmen seiner ersten Ansprache an die Teilnehmer klar: Medizin wird aus einer rein technischen Sicht einem Patienten mitunter ganz und gar nicht gerecht. Hauptbestandteil des Seminarkonzepts sind dabei ausführliche und praktische Kommunikations- bzw. Interaktionsübungen im Rahmen von Kleingruppenarbeit. Doch zunächst führte Prof. Dr. Volker Köllner die Anwesenden in theoretische Grundlagen der Arzt-Patienten-Kommunikation ein, was er insbesondere an den Stadien von Verhaltensänderungsprozessen veranschaulichte. Beispielhaft versinnbildlichte er dies an der Thematik Raucherentwöhnung oder Ernährungs- und Zahnputzge wohnheiten. Danach ging es in einer ärztlichen sowie zwei zahnärztlichen Arbeitsgruppen mit praktischen Rollenspielen los.

9 AUS DER ÄRZTEKAMMER Homburg geleitet. Professor Köllner ging dabei insbesondere auf die kommunikativen Bedürfnisse im Aufklärungsgespräch und bei der Klärung offener Fragen ein. ÄRZTEKAMMER Abb. 1: Prof. Köllner bei der Übungsreflexion in der Ärztegruppe Engagiert waren hierzu sechs SchauspielerInnen, die sich im Vorfeld mehrere verschiedene Patienten-Rollen angeeignet hatten. Hierzu hatten sowohl Prof. Dr. Volker Köllner für die teilnehmenden Humanmediziner als auch Dr. Dr. Mike Jacob für die Zahnmediziner mehrere Drehbücher geschrieben. In der ärztlichen Gruppe (Abb. 1) ging es dabei u.a. um Verhaltensänderungen bei Patienten mit Herz-Kreislauf- Erkrankungen, wobei diesbezüglich unterschiedliche Voraussetzungen in der Raucherentwöhnung bearbeitet wurden. Dabei wurde in zwei verschiedenen Settings die Grenze zur Abhängigkeit verdeutlicht und der Übergang zwischen Precontemplation und Contemplation in den Blick genommen. Eine weitere Patientenrolle konfrontierte die Gruppe mit den auftretenden Schwierigkeiten bei aggressiv-fordernd auftretenden Patienten, was am Beispiel eines Patienten mit Medikamenten-Abusus verdeutlicht wurde. Außerdem ging es um den Umgang mit Angstpatienten in Bezug auf eine angenommene schwere Erkrankung oder das Erkennen einer möglichen depressiven Begleitproblematik im Rahmen somatischer Erkrankungen. Von Bedeutung ist es dabei zunächst, mit dem Patient ins Gespräch zu kommen, ohne ihm Vorwürfe zu machen. In den zahnärztlichen Gruppen wurde dual geübt. Während in der einen Gruppe problematische Interaktionen mit dem Patient im Mittelpunkt standen, ging es in der anderen Gruppe um solche Situationen, die teaminterne Interaktionsstörungen thematisierten und so einem reibungslosen professionellen Handlungsablauf entgegenwirken. Die erste Gruppe (Abb. 2) beschäftigte sich mit drei Misserfolgsfällen. Fall 1 war dabei auf einen konkreten Fehler zurückzuführen, Fall 2 führte aufgrund eines fordernden Patientenwillens zu einer riskanten Therapieentscheidung, die im weiteren Fallverlauf keinen guten Ausgang nahm, wohingegen Fall 3 auf einem Double Bind in Dentistry beruhte und ohne fehlerhaftes Vorgehen in der Behandlung zum Misserfolg führte. Es zeigte sich, dass bezüglich der Arzt-Patienten-Interaktion im letzteren, dritten Fall gänzlich andere Fallbedingungen entstanden als in den ersten beiden Settings, die ja auf einen konkreten Fehler zurückgeführt werden konnten. Gleichzeitig ging es in der zweiten Gruppe (Abb. 3) darum, wie Teammitglieder untereinander interagieren oder nicht. Auch hier wurden drei Fälle durchgespielt. Im ersten Fall blockte ein Teammitglied das Einarbeiten eines weiteren Kollegen ab, um die eigene Position nicht zu schwächen. Im nächsten Szenario ging es um Mobbing einer Kollegin, die nach einem Er ziehungsurlaub keine Akzeptanz mehr vorfand. Besonders komplex wurde es im letzten Fall, in dem eine Teamproblematik bearbeitet wurde, bei der sinnvolle bzw. nötige Informationen über die Patientengeschichte nicht ausreichend weitergetragen werden. Dieses Szenario mündete schließlich darin, dass das Teamwork empfindlich gestört wurde und letztlich ganz zum Erliegen kam. In all diesen Fällen wurde die Bedeutung einer strukturierten Reflexion der Teamkommunikation in den Focus gerückt. Die unterschiedlichen Muster wurden abschließend in Gruppenarbeit gegenübergestellt und die Strategien zur Vermeidung dieser Interaktionsstrukturen unter Moderation von Dr. Dr. Mike Jacob zusammengetragen. Abb. 2: Dr. Dr. Mike Jacob mit Zahnarztgruppe 1 bei der Besprechung eines interaktiv schwierigen Falls, Fotos: Sven Jungmann Die ärztliche Gruppe wurde von Professor Köllner und seinem eigenen Moderatorenteam mit hierin ausgebildeten Tutorinnen und Tutoren studentischer Anamnesegruppen an der Uniklinik Ärztliche wie zahnärztliche Teilnehmer zeigten sich nach den intensiven interaktiven Übungen sehr zufrieden und bestätigten in der abschließenden Runde die Relevanz für die professionelle Beziehung zum Patienten. Ein ganz besonderer Dank gilt an dieser Stelle den Schauspielpatienten, ohne deren Engagement der Lernertrag des Fortbildungsseminars unmöglich gewesen wäre. Außerdem sei auch das Engagement des Junge- Kammer-Mitglieds Sven Jungmann erwähnt, der die Fortbildung mit vielen Fotos festhielt. Dr. med. dent. Dr. phil. Mike Jacob 9

10 ÄRZTEKAMMER AUS DER ÄRZTEKAMMER Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen Auf Initiative des Vorstandes der Ärztekammer des Saarlandes werden in regelmäßigen Abständen die Kolleginnen und Kollegen benannt, die ihre Facharztweiterbildungsprüfung, Prüfung Schwerpunktbezeichnung und Prüfung Zusatz-Wei terbildung erfolgreich abgelegt haben. Die Ärztekammer gratuliert sehr herzlich zur bestandenen Prüfung. Facharzt: Innere Medizin und Angiologie Dr. med. Tanja Meisel, Bexbach Facharzt: Innere Medizin und Gastroenterologie Julia Volkova, Saarbrücken Dr. med. Monica-Alexandrina Rusticeanu, Homburg 10 Erworbene Qualifikationen von Oktober bis Dezember 2012 Facharzt: Allgemeinmedizin Aziz Ahmad Azimi, Saarlouis Dr. med. Michaela Glaesner, Bous Dr. med. Marie-Luise Schöneberger, Spiesen-Elversberg Dr. med. Andreas Woll, Schwalbach Facharzt: Anästhesiologie Guy Danziger, Homburg Krisztina Makkai, Saarbrücken Andrea Neudert, Blieskastel Nina Paquet, Saarbrücken Facharzt: Augenheilkunde Dr. med. Matthias Hild, Saarbrücken Facharzt: Diagnostische Radiologie Martin Schreiber, Sprendlingen Dr. med. Karin Ziegler, Homburg Facharzt: Frauenheilkunde und Geburtshilfe Agnessa Arakelyan, 1354 Luxembourg (Luxembourg) Jennifer Irsch, Saarbrücken Peter-Michael Jankowski, Homburg Facharzt: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde Cihan Yüksel, Homburg Facharzt: Haut- und Geschlechtskrankheiten Judith Heger-Holz, Spicheren (Frankreich) Dr. med. Louisa Hinterberger, Saarbrücken Facharzt: Innere Medizin Dr. med. Anita Müller, Zweibrücken Facharzt: Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie Dr. med. Jörg Bittenbring, Homburg Facharzt: Innere Medizin und Kardiologie Christian Fissler, Zweibrücken Facharzt: Innere Medizin und Nephrologie Dr. med. Sarah Seiler, Neunkirchen Facharzt: Innere und Allgemeinmedizin (Hausarzt) Waldemar Keller, Kaiserslautern Facharzt: Kinder- und Jugendmedizin Dr. med. D. G. Thushari Sandamali Gomes, Homburg Stefanie Kölling, Homburg Facharzt: Neurochirurgie Dr. med. univ. Mohamed Chaaban, Forbach (Frankreich) Dr. med. Dörthe Keiner, Saarbrücken Facharzt: Neurologie Oliver Weber, Saarbrücken Facharzt: Nuklearmedizin Dr. Nadine Dietz, Neunkirchen Facharzt: Orthopädie und Unfallchirurgie Dr. med. Martin Decker, Rouhling (Frankreich) Peyman Izadi, Darmstadt Dr. med. Michael Kühne, Saarbrücken Facharzt: Psychiatrie und Psychotherapie Dr. Alexandra Kloß, Völklingen Linda Reinemer, Saarbrücken Roberto Horak, Sarreguemines (Frankreich) Facharzt: Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Manfred Litz Überherrn

11 Katharina Mosich Saarbrücken Facharzt: Radiologie Dr. med. Anna Zimmer, Homburg Facharzt: Strahlentherapie Dr. med. Barbara Gehler, Tübingen Facharzt: Transfusionsmedizin Christian Schleicher, Saarbrücken Facharzt: Urologie Rüdiger Fürst, Saarbrücken Facharzt: Viszeralchirurgie Dr. med. Jens Sperling, Göttingen Schwerpunkt: Angiologie Dr. med. Oliver Weingärtner, Homburg Schwerpunkt: Gastroenterologie Karl-Christoph Schmidt, Saarlouis AUS DER ÄRZTEKAMMER Zusatz-Weiterbildung: Geriatrie Dr. med. Heike Schönhofen Gersheim Zusatz-Weiterbildung: Intensivmedizin Christina Dold St. Ingbert Zusatz-Weiterbildung: Manuelle Medizin/Chirotherapie (bisher: Chirotherapie) Uwe Pönicke, Riegelsberg Sven Thielemann, 4860 Torgau Zusatz-Weiterbildung: Naturheilverfahren Alexander Gessler, Mettlach Dr. Refija Alickovic, Saarbrücken Zusatz-Weiterbildung: Notfallmedizin Sarah Dahlem, Saarlouis Karl Emanuel, Homburg ÄRZTEKAMMER Schwerpunkt: Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin Dr. med. Anette Russu, Großbliederstroff (Frankreich) Schwerpunkt: Nephrologie Dr. med. Jeannette Marell, Homburg Schwerpunkt: Neuroradiologie Luis Maximilian Geser, Saarbrücken Dr. med. Christian Roth, Homburg Schwerpunkt: Spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin Priv.-Doz. Dr. med. Gabriele Meyberg-Solomayer Waldmohr Dr./Imf Temeschburg Cornelia Wutzer, Merzig Zusatz-Weiterbildung: Akupunktur Dr. med. Elisabeth Maihoff, Kleinblittersdorf Zusatz-Weiterbildung: Allergologie Dr. med. Anja Haucke, Bechhofen Zusatz-Weiterbildung: Andrologie Dr. Edgar Treiyer, Homburg Zusatz-Weiterbildung: Ärztliches Qualitätsmanagement Dr. med. Martin Golinski, Göttingen Dr. med. Platon Kastriotis, Heusweiler Dominik Folz, Heusweiler Aude Mongoue Ngaha, Homburg Dr. med. Katharina Müller, Saarbrücken Patrick de Oliveira Krampe Resende, Merzig Dr. rer. nat. Melodie-Jo Wolfs, Saarbrücken Dr. med. Stephen Zewinger, Homburg Zusatz-Weiterbildung: Palliativmedizin Dr. med. Marion von Boch-Galhau Saarbrücken Zusatz-Weiterbildung: Proktologie Dr. med. Markus Endres, St. Wendel Zusatz-Weiterbildung: Psychotherapie fachgebunden tiefenpsychologisch fundiert Nina Markova, Saarbrücken Zusatz-Weiterbildung: Psychotherapie fachgebunden Verhaltenstherapie Prof. Dr. med. Michael Stimpel, Düsseldorf Zusatz-Weiterbildung: Spezielle Unfallchirurgie Dr. med. Karsten Kurz, Sarreguemines (Frankreich) Zusatz-Weiterbildung: Sportmedizin Carsten Kantelberg, Saarbrücken 11

12 ÄRZTEKAMMER AUS DER ÄRZTEKAMMER Das Versorgungswerk informiert: Neue Rechtslage zur Befreiung von der gesetzlichen Rentenversicherung Mit Entscheidung vom hat das Bundessozialgericht (BSG) festgelegt, dass entgegen der bisherigen Verwal tungspraxis der Deutschen Rentenversicherung Bund einer einmal ausgesprochenen Befreiung von der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung eine Rechtswirkung nur solange zugesprochen werden kann, wie der Betreffende seine Tätigkeit, für die die Befreiung einmal ausgesprochen worden ist, noch ausübt. Dies bedeutet, dass zukünftig alle Mitglieder, die ihren Arbeitgeber oder ihre berufsbezogene Tätigkeit wechseln, zwingend einen neuen Befreiungsantrag stellen müssen. Ein solcher Befreiungsantrag kann direkt beim Versorgungswerk angefordert sowie von der Homepage der Ärztekammer (http://www. aerztekammer-saarland.de/mitgliedschaft-vw) heruntergeladen werden. Das Versorgungswerk leitet die ausgefüllten Anträge der Mitglieder an die Deutsche Rentenversicherung weiter. Die Antragsfrist für eine Befreiung beträgt drei Monate ab Aufnahme der neuen Tätigkeit. Wird diese Frist nicht eingehalten, kann eine Befreiung erst ab dem Zeitpunkt der Antragstellung erfolgen, unabhängig davon, ob zuvor bereits die materiellen Befreiungsvoraussetzungen vorgelegen haben. Das Versorgungswerk rät daher, bei jedem Wechsel der Tätigkeit unverzüglich einen neuen Befreiungsantrag zu stellen. Geht der Antrag nicht fristgerecht innerhalb von drei Monaten nach Antritt der neuen Beschäftigung bei dem Versorgungswerk ein, tritt eine Doppelversicherung ein, die zu einer doppelten Beitragspflicht zum Versorgungswerk und zusätzlich zur Deutschen Renten versicherung führt. Bei Rückfragen: Petra Metz Versorgungswerk der Ärztekammer des Saarlandes Tel. (06 81) , Fax (06 81) Petra Rakowski Versorgungswerk der Ärztekammer des Saarlandes Tel. (06 81) , Fax (06 81) Neue Urlaubsregelung für MFA Seit 1. Januar 2013 gibt es für Medizinische Fachangestellte (MFA) eine neue Urlaubsregelung. Die Tarifparteien verständigten sich auf eine Änderung zum Manteltarifvertrag, wonach zukünftig MFA 28 Urlaubstage und ab dem vollendeten 55. Lebensjahr 30 Urlaubstage zustehen. MFA im Alter unter 30 Jahre erhalten somit zwei Tage mehr Urlaub im Jahr. Bei MFA im Alter von 30 bis 40 Jahren erfolgt keine Änderung. Statt wie bisher ab 40 erhalten MFA künftig erst ab 55 Jahren 30 Tage Urlaub. MFA, die vor Inkrafttreten des Änderungstarifvertrags 40 Jahre alt geworden sind, behalten im Sinne des Bestandsschutzes jedoch den Urlaubsanspruch von 30 Tagen bei. Die Änderung wurde umgesetzt, weil das Bundesarbeitsgericht am 20. März 2012 eine Staffelung von Urlaubstagen aus Altersgründen bereits ab dem 30. oder 40. Lebensjahr als unmittelbare, nicht gerechtfertigte Diskriminierung untersagt hatte. Der Manteltarifvertrag wurde aus diesem Grund entsprechend angepasst. Die Verlängerung der Laufzeit des gesamten Manteltarifvertrages erfolgt bis zum 31. März Verlust von Arztausweisen Nachstehend aufgeführte Arztausweise sind als gestohlen gemeldet und werden hiermit für ungültig erklärt: 12 Nr. 3315, ausgestellt für Frau Birgit Bienko; Nr , ausgestellt für Herrn Dr. med. Kai Brill.

13 AUS DER ÄRZTEKAMMER / NACHRICHTEN 16. März: Klinisches Wochenende zum Thema Inklusion Leitgedanken der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) die nach ihrer Verabschiedung im Bundestag und Bundesrat im März 2009 verbindlich in Kraft trat ist die volle gesellschaftliche Teilhabe (Inklusion) verbunden mit der Achtung der Autonomie und der sozialen Wertschätzung behinderter Menschen. Behinderung wird darin nicht von vornherein als negativ bewertet, sondern als normaler Bestandteil des menschlichen Lebens und menschlicher Gesellschaft bejaht und als Quelle kultureller Bereicherung angesehen. Behinderung wird also nicht als Beeinträchtigung eines Individuums betrachtet, die es zu behandeln gibt. Es werden vielmehr die Wechselwirkungen zwischen Beeinträchtigungen bei einzelnen und den unterschiedlichen Barrieren, die ihrer Teilhabe am gesellschaftlichen Leben entgegenstehen, in den Blick genommen. Be hinderung ist danach kein individuell zu lösendes Problem, sondern die Gesellschaft ist so zu gestalten, dass möglichst alle umfassend an ihr teilhaben können. Saarland inklusiv Unser Land für alle so lautet das Leitmotiv, mit der das Land die Umsetzung der UN-Konvention im Saarland verwirklichen will. Wege entstehen, indem man sie geht, sagt ein Sprichwort. In diesem Sinn verstehen wir den Aktionsplan zur Umsetzung des Projektes als Startsignal für den gemeinsamen Weg in die inklusive Gesellschaft. Mit dem Bündnis für Inklusion soll gemeinsam mit Vereinen, Betroffenenverbänden, Institutionen und Einrichtungen dieser Aktionsplan gestaltet und die Behindertenrechtskonvention mit Leben gefüllt werden. Da die Umsetzung der UN-BRK ein gesamtgesellschaftliches Anliegen ist, arbeitet auch die Ärztekammer des Saarlandes an dieser Stelle mit. Im Fokus sollte hierbei Artikel 25 der UN-Konvention stehen, der u.a. Foto: Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie Zum Thema Inklusion und Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention veranstaltet die Ärztekammer am Samstag, 16. März 2013, ein Klinisches Wochenende. Mehr Informationen zu dieser Fortbildungsveranstaltung finden Sie auf Seite 34 im Veranstaltungskalender. fordert, dass Menschen mit Behinderung eine erschwingliche Gesund heitsversorgung in derselben Bandbreite, von derselben Qualität und auf demselben Standard zur Verfügung steht wie allen Menschen. Dies schließt Maßnahmen der Gesund heitsvorsorge, Früherkennung und Frühintervention ebenso ein wie eine gesundheitsbezogene Beratung. Diese Versorgung soll gemeindenah organisiert sein und geschlechtsspezifische Sonderbedarfe berücksichtigen. Links zum Thema: Bündnis für Inklusion: UN- Konvention: ÄRZTEKAMMER Zahl des Monats Die Einwohnerzahl Deutschlands hat nach einer Schätzung des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2012 erneut zugenommen. Am Jahresanfang lebten 81,8 Millionen Personen und am Jahresende voraussichtlich etwa 82,0 Millionen Perso nen in Deutschland. Nach acht Jahren Rückgang wird die Bevölkerungszahl damit das zweite Jahr in Folge steigen. Ursache hierfür sind die hohen Wanderungsgewinne gegenüber dem Ausland, die das Geburtendefizit die Differenz aus Geburten und Sterbefällen 2011 und 2012 mehr als nur ausgleichen konnten. Für das Jahr 2012 rechnen die Statistiker mit bis lebend geborenen Kindern und bis Sterbefällen. Das sich daraus ergebende Geburtendefizit liegt voraussichtlich bei etwa bis Im Jahr 2011 betrug es damals standen den Sterbefällen Geburten gegenüber. Der hohe Wanderungsgewinn im Jahr 2011 ( ) fiel der Schätzung zufolge 2012 nochmals deutlich höher aus: Es wird damit gerechnet, dass mindestens Personen mehr aus dem Ausland zugezogen als ins Ausland fortgezogen sind. Einen Wanderungsgewinn von mehr als Personen gab es zuletzt

14 AUS WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG Herausforderung Notarztdienst Weiterbildungskonzept für ein anspruchsvolles ärztliches Tätigkeitsfeld Von Schlechtriemen Th 1,3, Adler J 3, Armbruster W 2, Bartha C 3, Becker, K 5, Höhn M 3,4, Kubulus D 2, Morbe A 6, Reeb R 4, Schmidt D 2, Steiner, P 3, Wrobel M 2 Ärztliche Weiterbildung sollte die Kolleginnen und Kollegen bestmöglich auf ihren späteren Aufgabenbereich vorbereiten. Die Konzeption der Weiterbildung zur Zusatzbezeichnung Notfallmedizin muss sich daher an den Anforderungen orientieren, die die präklinische Versorgung von Notfallpatienten an den Notarzt stellt. Patientenspektrum im Notarztdienst 14 Im Zeitraum vom bis wurden durch die notärztlichen Kollegen der 14 saarländischen Notarztstandorte Patienten notärztlich versorgt bei ist eine differenzierte Diagnose dokumentiert (Datenvollständigkeit 88,8%). Abbildung 1 zeigt das Diagnosespektrum der Notarzteinsätze im saarländischen Rettungsdienst für diesen Zeitraum. Im Einzelnen ist festzustellen: Dominanz internistischer / neurologischer Krankheits bilder: Patienten mit Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems (37,5%) und neurologische Erkrankungen (19,1%) machen mehr als die Hälfte der notärztlich zu versorgenden Patienten aus. Es folgen Patienten mit Erkrankungen der Atmungsorgane (8,8%) und Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen (6,7%) hierin ist auch die große Gruppe der Intoxikationen mit Alkohol, Tabletten oder Drogen enthalten. Kleinere Anteile stellen Patienten mit Erkrankungen des Abdomens (5,1%) und des Stoffwechsels (3,4%). Führende Krankheitsbilder Akutes Koronarsyndrom und Akuter Schlaganfall: Häufigstes einzelnes präklinisches Krank heitsbild ist das akute Koronarsyndrom, das bei 13,0% aller notärztlich versorgter Patienten zu diagnostizieren war. Ein akuter Schlaganfall wurde bei 10,1% aller notärztlich versorgten Patienten dokumentiert. So waren allein im Jahr Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Saar (Ärztlicher Leiter Rettungsdienst Dr. Thomas Schlechtriemen) 2 Notfalltrainings- und Simulationszentrum der Universität des Saarlandes (Leitung: OA Dr. M. Wrobel) an der Klinik für Anästhe siologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie des Universitätsklinikums Homburg (Direktor: Prof. Dr. T. Volk) 3 Rettungsdienstschule Saar (Leiter C. Bartha, Ärztlicher Leiter Dr. Th. Schlechtriemen) 4 Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie, Klinikum Saarbrücken (Chefarzt PD Dr. K. Schwarzkopf) 5 Institut für Anatomie und Zellbiologie, Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes (Leiter der Prosektur: Dr. K. Becker) 6 Landesfeuerwehrschule des Saarlandes (stellv. Schulleiter BAR Klein) saarlandweit Patienten mit akutem Koronarsyndrom und Patienten mit akutem Schlaganfall notärztlich zu versorgen. Niedriger Anteil Traumapatienten: Verletzungen sind nur bei 13,3% der Notfallpatienten zu behandeln. Im Bereich der Notfalleinsätze ohne notärztliche Beteiligung (geringgradigere Verletzungen) ist der Anteil traumatologischer Patienten mit 39,8% deutlich höher. Niedrige Zahl Schwerverletzter: Die Zahl der Polytraumen ist mit 562 im gesamten Untersuchungszeitraum (entspricht 52,3 Polytraumen per anno saarlandweit oder 3,7 Polytraumen per anno und Notarztstandort) sehr gering. Ingesamt beträgt der Anteil polytraumatisierter Patienten an allen notärztlich versorgten Traumapatienten 1,7%. Besondere Notfallsituationen Reanimationen machen 2,0% aller notärztlichen Einsätze aus wobei hier nur Einsätze gezählt sind, bei denen noch Reanimationsmaßnahmen eingeleitet wurden. Todesfest stellungen ohne Reanimationsmaßnahmen wurden in dieser Aufstellung nicht berücksichtigt. Präklinische Geburten sind mit saarlandweit 74,1 Patientinnen per anno (5,3 Fälle je Notarztstandort und Jahr) sehr seltene Ereignisse (0,29% aller präklinischen Notarzteinsätze). Pädiatrische Notfälle: Säuglinge machen mit 152,9 Patienten pro Jahr 0,60 % aller notärztlich versorgter Einsätze aus, Kleinkinder (unterhalb des 6. Lebensjahres) sind mit 520,4 Patienten per anno (2,04 %) ebenfalls selten zu versorgen. Ältere und hochbetagte Patienten: Der Anteil der Notfallpatienten, die das 80. Lebensjahr überschritten haben beträgt 22,3% aller notärztlich versorgter Patienten (5.677,7 Patienten per anno). Älter als 95 Jahre sind 178,9 Notfallpatienten per anno (0,70 %). Dabei steigt die Zahl älterer Notfallpatienten analog zu ihrem Anteil in der Bevölkerung und der höheren Lebenserwartung kontinuierlich an. Im Jahr 2002 waren 98 Notfallpatienten älter als 95 Jahre, im Jahr 2011 bereits 252 Patienten.

15 AUS WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG Invasive notärztliche Maßnahmen: Durchschnittlich 965 Patienten mussten saarlandweit per anno präklinisch intubiert werden. Mit Einführung von CPAP-Modulen im Rettungsdienst hat sich die Zahl nichtinvasiver Beatmungen von 128 in 2002 auf 255 in 2011 fast verdoppelt. Intraossäre Zugänge, die bis vor wenigen Jahren nur im Säuglings- und Kleinkindalter eingesetzt wurden (2002: saarlandweit drei intraossäre Zugänge) werden nach Etablierung in die Behandlungsalgorithmen der kardiopulmonalen Reanimation sowie weiterer Notfall situationen und Einführung entsprechender Punktionsgeräte deutlich häufiger gelegt (saarlandweit bei 70 Patienten in 2011). Thoraxdrainagen wurden saarlandweit bei 7,9 Patienten per anno und damit extrem selten angelegt. Sondersituation Luftrettung: In der Luftrettung überwiegen zwar ebenfalls internistische und neurologische Notfälle, jedoch ist der Anteil traumatologischer Notfälle mit 34,3 % deutlich höher als im bodengebundener Rettungsdienst (13,3%). Innerhalb der Traumanotfälle sind mit einem Anteil von 12,6 % erheblich mehr Polytraumen zu versorgen (Saarland bodengebundener Rettungsdienst: 1,7%). Kindernotfälle insgesamt, sowie insbesondere pädiatrische Traumen sind in der Luftrettung deutlich häufiger als im bodengebundenen Rettungsdienst. Für die Luftrettung wurde auf Daten der ADAC-Luftrettung 2011 mit Einsätzen an 34 Luftrettungszentren in Deutschland zurückgegriffen. Zusammenfassend kann man im Blick auf die Konzeption der ärztlichen Weiterbildung für die notärztliche Tätigkeit feststellen, dass sich die Weiterbildungsinhalte an den dominierenden Erkrankungen aus dem internistischen und neurologischen Bereich insbesondere bei multimorbiden, älteren Patienten orientieren müssen. Die präklinische Versorgung des akuten Koronarsyndroms und des akuten Schlaganfalls müssen im Detail beherrscht werden. Andererseits sind extrem anspruchsvolle Notfallsituationen wie etwa die Schwerverletztenversorgung, pädiatrische Notfälle insbesondere im Säuglingsbereich oder eine präklinische Geburt so selten, dass die hier zu beherrschenden Versorgungsalgorithmen inklusive der dann evtl. notwendigen invasiven Maßnahmen (Intubation, differenzierte Beatmung, Thoraxdrainage, intraossäre Punktion) nicht in der präklinischen Einsatzroutine erlernt werden können. Hier sollte innerhalb der Weiterbildung die Möglichkeit bestehen, sehr praxisnah derartige seltene Notfallsituationen zu erleben und zu trainieren. Anforderderungsprofil für die notärztliche Tätigkeit Neben fundiertem Wissen zu den in der präklinischen Notfallmedizin häufigen Krankheitsbildern und Verletzungsmustern und entsprechenden praktischen Fähigkeiten man muss nicht nur wissen, dass ein Patient in einer bestimmten lebensbedrohlichen Situation intubiert werden muss, sondern muss es auch manuell umsetzen können benötigt der angehende Notarzt weitere Fähigkeiten, die sich aus den besonderen Rahmenbedingungen der notärztlichen Tätigkeit ableiten lassen. Das notärztliche Anforderungsprofil ist gekennzeichnet durch eine uneingeschränkt eigenständige ärztliche Tätigkeit. Anders als in der Klinik kann auch in Extremsituationen (etwa im Management des schwierigen Atemweges) nicht auf kollegiale Unterstützung oder einen oberärztlich fachärztlichen Hintergrunddienst zurückgegriffen werden. Auch kann nicht wie in der Klinik oder im Bereich der Vertragsärzte auf einen Konsiliarius verwiesen werden, der mit speziellem Fachwissen eine spezielle Notfallsituation abdeckt. In der Klinik würde nur im Extremfall ein Nichtgynäkologe eine Geburt ärztlich verantworten, präklinisch ist der Notarzt ärztlich auf sich allein gestellt. Zudem sind zeitkritische Entscheidungen und Maßnahmen nicht selten unter widrigen Umgebungsbedingungen zu treffen. Der eingeklemmte Schwerverletzte ist beispielsweise nur eingeschränkt zugänglich oder kann nicht optimal gelagert werden. Notfallpatienten sind grundsätzlich nicht nüchtern und haben damit bei Narkoseeinleitung ein deutlich höheres Aspirationsrisiko. Gravierende Vorerkrankungen sind bei multimorbiden internistischen Patienten nur eingeschränkt bekannt und können nicht immer in die Versorgungsplanung einbezogen werden. Letztlich benötigt der Notarzt erhebliche Nervenstärke in zumindest in einem Teil der Fälle medizinisch anspruchsvollen und menschlich schwierigen Notfallsituationen. Er muss das ihm zugeordnete Rettungsdienstfachpersonal mit fachlicher Souveränität und Sozialkompetenz führen und benötigt in einigen Einsatzsituationen etwa mit Beteiligung verschiedenster Hilfsdienste erhebliches Durchsetzungsvermögen um für den Patienten entscheidende Maßnahmen zeitkritisch und zielgerichtet umsetzen zu können. Würde man derartige Anforderungen in einer Stellenanzeige für eine klinische Position zusammenfassen, würde es sich am ehesten um eine Oberarztstelle, sicher aber um eine Facharztstelle handeln. Auch wenn damit die Forderung nach Facharztstatus in der Notfallmedizin sicherlich gut begründet werden könnte, lässt sich eine flächendeckende notärztliche Versorgung nur erreichen, wenn auch Kolleginnen und Kollegen in der Weiterbildung bereits in den Notarztdienst integriert werden können. Die Zusatzbezeichnung Notfallmedizin ist folgerichtig die einzige Zusatzbezeichnung, deren Erlangung nach der Weiterbildungsordnung bereits vor Ableistung einer Facharztprüfung möglich ist. Im Saarland werden mehr als die Hälfte der Notarzteinsätze durch Fachärzte absolviert im Zehnjahreszeitraum waren es im bodengebundenen Rettungsdienst 52,5%, was in den letzten 5 Jahren (Zeitraum ) sogar noch auf 55,8% gesteigert werden konnte. In der Luftrettung werden am Luftrettungszentrum Saarbrücken ausschließlich Fachärzte eingesetzt, an allen Luftrettungszentren der ADAC-Luftrettung betrug die Facharztquote ,8%. Weiß man zudem, dass im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern die 14 saarländischen Notarztstandorte auch in Zeiten sehr begrenzter ärztlicher Ressourcen kontinuierlich 24 Stunden an 365 Tagen ohne jede Abmeldung besetzt und einsatzfähig waren, so lässt dies das große gemeinsame 15

16 AUS WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG 16 Engagement insbesondere der örtlichen Notarzteinsatzleiter, aber auch die umfassende Unterstützung der saarländischen Kliniken und des ZRF Saar als Träger des bodengebundenen Rettungsdienstes im Saarland erkennen. Dabei sind mit 94,9% aller Notarzteinsätze Kolleginnen und Kollegen der klinischen Fächer in die Notarztgestellung eingebunden, die auch innerklinisch die Notfall- und Intensivmedizin zu verantworten haben. 41,8% der in zu absolvierende Notarzteinsätze wurden von anästhesiologischen Kolleginnen und Kollegen gefahren, in 36,8% waren es Internisten und in 16,4% Chirurgen. Zusatzbezeichnung Notfallmedizin Vorgaben der Bundesärzte kammer Nach 4 Absatz 2 des Saarländischen Rettungsdienstgesetzes ist die Zusatzbezeichnung Notfallmedizin verpflichtende gesetzliche Voraussetzung um als Notarzt im Saarland tätig werden zu können. Kolleginnen und Kollegen, die vor Einführung der Zusatzbezeichnung Notfallmedizin die Fachkunde Rettungsdienst absolviert haben, dürfen im Rahmen der Besitzstandswahrung auch weiterhin notärztlich tätig sein. Die Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer für die Zusatzbezeichnung Notfallmedizin sieht folgende Weiterbildungsinhalte vor: Voraussetzung: Weiterbildung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung im stationären Bereich für 24 Monate Weiterbildungszeit: 6 Monate Weiterbildung in Anästhesiologie, Intensivmedizin oder in der Notaufnahme 80 Stunden Kursweiterbildung in allgemeiner und spezieller Notfallmedizin anschließend: unter Anleitung eines verantwortlichen Notarztes Teilnahme an 50 Notarzteinsätzen in Notarztwagen oder Rettungshubschrauber Die Zusatzweiterbildung schließt mit einer mündlichen Prüfung vor dem Prüfungsausschuss der zuständigen Landes ärztekammer. Die Bundesärztekammer hat auf ihrer Internetseite (www.bundesaerztekammer.de) einen aktuellen Vergleich der Regelungen der einzelnen Landesärztekammern zur Notarztweiterbildung eingestellt, der auch die gesetzlichen Regelungen der jeweiligen Landesrettungsdienstgesetze enthält. Diese Regelungen verweisen zumeist direkt auf die Bestimmungen der jeweiligen ärztlichen Weiterbildungsordnung. Zusatzbezeichnung Notfallmedizin im Saarland Prinzipiell ist es sicherlich sinnvoll, im Rahmen einer bestmöglichen Vergleichbarkeit der ärztlichen Weiterbildung in Deutschland sich an die Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer in den Regelungen der einzelnen Landesärztekammern zu halten. Eine kontinuierliche Fort entwicklung von Weiterbildungsvorgaben sollte jedoch innova tive Ansätze berücksichtigen, die sich oftmals eher auf der Ebene einer Landesärztekammer umsetzen lassen. So hat die Landesärztekammer des Saarlandes in ihrer Novellierung der Weiterbildungsordnung 2012 an zwei Stellen bewusst Abweichungen von der Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer beschlossen: 1. Weiterbildungszeit Während bisher 24 Monate klinischer Weiterbildung und zusätzlich 6 Monate Weiterbildungszeit in Anästhesie, Intensivmedizin oder in der Notaufnahme und damit insgesamt 30 Monate klinische Tätigkeit Voraussetzung zum Beginn der Weiterbildung zur Zusatzbezeichnung Notfallmedizin waren, sind es nach der neuen Weiterbil dungsordnung 24 Monate inklusive der sechsmonatigen intensivmedizinischen Weiterbildungszeit. Dieser Änderung liegt die Erkenntnis zugrunde, dass zwar eine klinische Grundausbildung unabdingbare Voraussetzung für die notärztliche Tätigkeit ist, dass aber hierzu keine 24 Monate Weiterbildungszeit benötigt werden, in denen zwar klinischer Routinebetrieb, in der Regel aber nicht spezielle notärztliche Kenntnisse vermittelt werden. Durch Reduktion der Weiterbildungszeit können angehende notärztliche Kollegen künftig 6 Monate früher ihre Weiterbildung beginnen und stehen damit insbesondere den Notarztstandorten an Kliniken der Grundversorgung früher zur Verfügung, in denen die Fluktuation innerhalb der Weiterbildungszeit zum Facharzt wegen nicht bestehender voller Weiterbildungsermächtigung gerade fertige Notärzte häufig zu einem Klinikwechsel zwingt. Etwa die Hälfte der Landesärztekammern weicht in diesem Punkt in gleicher Weise von der Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer ab. 2. Ersatz von Hospitationen im Notarztdienst durch Simulationstraining Während bisher die Teilnahme an 50 Notarzteinsätzen unter der Anleitung eines erfahrenen Notarztes nachgewiesen werden musste, können zukünftig bis zu 25 Einsätze im Rahmen eines Simulationstrainings absolviert werden. Die Teilnahme an 50 Notarzteinsätzen führt nur bedingt zu einer guten praktischen Vorbereitung auf die notärztliche Tätigkeit. Sicherlich kann man hiermit erreichen, dass sich der angehende Notarzt intensiv mit der Material- und Medikamentenausstattung des Rettungsdienstes, den Verfahrensanweisungen und der Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienstfachpersonal beschäftigt. Insofern ist eine gewisse Zahl an Hospitationen unabdingbar. Kritisch hinterfragen muss man jedoch, ob innerhalb der 50 Pflichteinsätze die Breite des notfallmedizinischen Einsatzspektrums abgebildet werden kann. Es ist eher unwahrscheinlich, dass die angehenden Notärzte bei diesen Einsätzen mit einer Schwerverletztenversorgung, einer schwierigen Atem wegssicherung, einem Kindernotfall oder einer Thoraxdrainageanlage konfrontiert werden. Und wenn wäre zu hinterfragen, ob nicht in dieser Situation im Patienteninteresse der erfahrene Tutor die Versorgung übernehmen muss. Hier ist es deutlich sinnvoller, in einem Simulationstraining realitätsnah gezielt besonders zeitkritische oder komplexe Notfallversorgungen zu trainieren in einer Konstellation, in der

17 AUS WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG Fehler gemacht werden dürfen und kein Patient gefährdet wird. Die konkrete Umsetzung ist der Kurs NASimSaar25 (Notarztsimulationstraining Saarland mit 25 Simulationen) siehe unten. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass die Freistellung von angehenden Notärzten zur Erlangung ihrer 50 Notarzteinsätze für die saarländischen Kliniken ein nicht unerheblicher Verzicht auf Personalressourcen darstellt. Die hospitierenden Kollegen können wollen sie nach Alarm den zügig ausrückenden Notarzt noch erreichen innerklinisch nur auf Abruf und damit bedingt eingesetzt werden. Insofern ist es auch im Interesse der Kliniken, die Hälfte der praktischen notärztlichen Weiterbildung in einem Simulationstraining auf drei Tage zu kondensieren. Kurs Zusatzbezeichnung Notfallmedizin Abbildung 2: Praktisches Übungsszenario in der Rettungsdienstarena Foto: Rettungsdienstschule Saar Sowohl die Vorgaben der Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer als auch die Festlegungen der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer des Saarlandes sehen zum Erwerb der Zusatzbezeichnung Notfallmedizin die Absolvierung eines 80stündigen Kurses in allgemeiner und spezieller Notfallmedizin vor. Hier sollen anhand des von der Bundesärztekammer festgelegten Curriculums die theoretischen Grundlagen des späteren notärztlichen Einsatzes vermittelt werden. Dieser Kurs hat sich von einer mehr oder weniger reinen Vortragsveranstaltung in den Anfangsjahren notärztlicher Weiterbildung zu einem interaktiven, sehr praxisorientierten Kurskonzept weiterentwickelt, das insbesondere gekennzeichnet ist durch: Realitätsnahes Lernumfeld: Die Ärztekammer hat den Kurs seit 2010 teilweise und seit 2011 komplett in die Räumlichkeiten der Rettungsarena der Rettungsdienstschule Saar (Gesellschafter: DRK Landesverband Saar, Klinikum Saar brücken) ausgelagert. Damit wird an diesem Trainingszentrum nicht nur das saarländische Rettungsdienstfachpersonal, sondern auch die saarländische Notärzteschaft aus- und weitergebildet Dies fördert den in der präklinischen Notfallmedizin sehr wichtigen Teamaspekt der Patientenversorgung nachhaltig. In der Rettungsarena steht neben zwei medial gut ausgestatteten Hörsälen insbesondere eine große Trainingshalle zur Verfügung, in der eine Vielzahl von Notfallsituationen vom Verkehrsunfall über den Baustellenunfall bis zum Ertrinkungsunfall am Teich oder der Verbrennung am Grill bereits szenisch aufgebaut sind und sehr realitätsnah beübt werden können. Zudem kann in einer Übungswohnung mit Küche, Bad, Wohn- und Schlafzimmer sowie Treppenhaus die Versorgung internistischer Patienten unter realistischen Bedingungen etwa in den beengten Verhältnissen eines Badezimmers trainiert werden. Dabei lassen die an einigen Kurstagen zum Einsatz kommenden geschminkten Mimen die Kursteilnehmer sehr schnell vergessen, dass sie keine echten Patienten zu versorgen haben. Zur Patientenversorgung stehen die realen Fahrzeuge und Geräte des Rettungsdienstes zur Verfügung, auf die zu Kursbeginn eine differenzierte Einweisung erfolgt. Abbil dung 2 zeigt ein entsprechendes Übungsszenario in der Rettungs arena. Ein Kurstag findet an der neu in 2012 erbauten Rettungsleitstelle des Saarlandes mit Demonstration der technischen und einsatztaktischen Unterstützungsmöglichkeiten für den Notarzt statt an diesem Tag wird auch die Luftrettungsstation Christoph 16 besucht und die medizinischen wie einsatztaktischen Potentiale der Luftrettung demonstriert. Kompetente Referenten und Tutoren: Mit Ausnahme von wenigen Referenten mit sehr speziellen Themen (z.b. Rechtsmedizin, klinische Spezialfächer) sind alle Referenten und Tutoren langjährig aktive Notärzte und Lehrrettungsassistenten. Sie vermitteln ihr Fachgebiet authentisch, aktuell und praxisbezogen. Die in den Praktika eingesetzten Kolleginnen und Kollegen haben alle an entsprechenden nationalen wie internationalen Kursformaten teilgenommen (ERC -Kurs, Kurs TraumaManagement, PHTLS ) bzw. sind in diesen Formaten als Instruktor oder Kursdirektor tätig. Die saarländischen Notarzteinsatzleiter engagieren sich ebenfalls als Referenten im Kurs. Interaktives Lernen in Kleingruppen: Die Kursgröße ist auf insgesamt 40 Teilnehmer beschränkt. Praktika, Workshops und Demonstrationen, die über 40% der gesamten Kurszeit ausmachen, erfolgen in Kleingruppen von 10 Teilnehmern, die von jeweils 2 Tutoren betreut werden. So werden alle Kursteilnehmer praktisch gefordert mit kurzem Weg zu ihren Tutoren bei Unklarheiten und Fragen. Das Kurskonzept sieht ein ganztägiges Reanimationstraining nach ERC -Standard, ein ganztägiges Training zur Schwerverletztenversorgung nach Kurskonzept TraumaManagement sowie halbtägige Trainings zur pädiatrischen Notfallversorgung und zur Sichtung beim Massenanfall von Verletzten vor. Interaktive Workshops werden zum Material und den Fahrzeugen im Rettungsdienst, zur EKG-Analyse im Rettungsdienst, zum Narkosemanagement in der Präklinik sowie zur Einsatztaktik durchgeführt. Live-Demonstrationen von Fallbeispielen erfolgen zur Reanimation, zum akuten Koronarsyndrom, zum akuten Schlaganfall und zur Polytraumaversorgung. Dabei wird eine (möglichst) optimale präklinische Erstversorgung dieser Patienten durch die Tutoren gezeigt. 17

18 AUS WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG 18 Gute Kursvorbereitung durch die Teilnehmer: Wie in aktuellen Kursformaten üblich, erfolgt zur Vorbereitung der Teilnehmer auf den Kurs der Versand eines Lehrbuches sechs Wochen vor Kursbeginn. Ein Pretest ermöglicht es den Teilnehmern, das erarbeitete Wissen zu überprüfen. So wird zumindest nachhaltig darauf hingewiesen, dass eine für den Teilnehmer (und später den Notfallpatienten) gewinnbringende Kursteilnahme einer gewissen theoretischen Vorbereitung bedarf. Es ist sicherlich eine Illusion, allein durch Teilnahme an einem 80stündigen Kurs das notwendige Fachwissen zur notärztlichen Tätigkeit erwerben zu können. Der Kurs zur Zusatzbezeichnung Notfallmedizin der Ärztekammer des Saarlandes wird in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutscher Notärzte durchgeführt und findet in 2013 vom bis statt. Die Kursanmeldung erfolgt über die Ärztekammer des Saarlandes, Frau Görlinger-Beyer, Tel. (06 81) , margit. Simulationstraining für angehende Notärzte Kurs NASimSaar25 Wie oben benannt, hat die Ärztekammer des Saarlandes in der Novellierung ihrer Weiterbildungsordnung 2012 festgelegt, dass die Hälfte der zum Erwerb der Zusatzbezeichnung Notfallmedizin notwendigen 50 Hospitationen bei Notarzteinsätzen durch ein Simulationstraining ersetzt werden kann. Ein derartiges Konzept ist in seiner Umsetzung sehr anspruchsvoll und setzt erhebliche personelle wie materielle Ressourcen voraus. In Zusammenarbeit mit dem Notfalltrainings- und Simu la torzentrum Homburg des Universitätsklinikums des Saarlandes und der Rettungsdienstschule Saar wurde im Vorfeld der Änderung der Weiterbildungsordnung ein Kurskonzept erarbeitet, das an drei Tagen jeweils 8 (9) einstündige Fallsimulationen vorsieht. Die Teilnehmer üben dabei in Kleingruppen jeweils 25 Minuten on Scene Notfallsituationen, die mittels Übungsphantomen oder durch realistisch geschminkte Mimen dargestellt werden. Im Anschluss erfolgt ein 25minütiges hot debriefing eine sofortige Fallbesprechung zwischen Tutoren und Übungsteilnehmern. Zum Teil wird die Notfallversorgung mit Video aufgenommen, sodass der Teilnehmer in der Nachbesprechung sich einzelne Versorgungsaspekte aus Beobachterperspektive ansehen und konstruktiv-kritisch diskutieren kann. Insbesondere die Interaktion im Team verbal wie nonverbal kann so hinterfragt und optimiert werden. Thematisch werden an den beiden ersten Kurstagen im Simulationszentrum des Universitätsklinikums Notfall situationen aus der Inneren Medizin, der Neurologie und der Pädiatrie bearbeitet. Der dritte Kurstag an der Rettungsdienstschule Saar steht im Zeichen traumatologischer Notfälle. In 2012 wurden zwei initiale Kurse durchgeführt, die von den Teilnehmern sehr gut bewertet und angenommen wurden. Abbildung 3, 4 und 5 vermitteln einen optischen Eindruck von der Einführung dieses Kursformates. Die konstruktiv-kritischen Rückmeldungen der Teilnehmer fließen in die Kursplanung Abbildung 3: Teilnehmer und Tutoren des Initialkurses NASimSaar Foto: L. Hoor, ZRF Saar 2013 ein. In 2013 werden zwei NASimSaar25-Kurse am 7. bis 9. Juni 2013 und am 11. bis 13. Oktober 2013 stattfinden. Anmeldungen nimmt das Sekretariat der Rettungsdienstschule Saar, Tel. ( ) , entgegen. Der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehr alarmierung unterstützt als Träger des bodengebundenen Rettungsdienstes im Saarland die Weiterbildung angehender Notärzte und erstattet auch in 2013 ein Drittel der Kursgebühr von 900, an den Notarzt zurück, wenn dieser seine notärztliche Tätigkeit an einem saarländischen Notarztstandort beginnt. Ein Teil der saarländischen Kliniken subventioniert darüber hinaus ein weiteres Drittel der Kurskosten, sodass der Teilnehmer nur ein Drittel der Kursgebühr selbst tragen muss. Fortbildung für Notärzte Um für die präklinische Notfallversorgung gerüstet zu sein, bedarf es sicherlich nicht nur einer fundierten Weiterbildung, sondern auch einer kontinuierlichen Fortbildung. Dies gilt sowohl für die als Notarzt eingesetzten Kolleginnen und Kollegen als auch für das Rettungsdienstfachpersonal, das seine verpflichtende 30stündige Jahresfortbildung in der Regel an der Rettungsdienstschule Saar absolviert. Das notfallmedizinische Fortbildungsangebot umfasst im Saarland: Fortbildung für Notärzte Jeden zweiten Mittwoch im Monat findet mit Ausnahme der Ferienmonate Juli und August eine zweistündige Vortragsfortbildung mit notfallmedizinischen Themen statt. Diese Fortbildungsreihe wird zentral vom Ärztlichen Leiter Rettungsdienst organisiert und an wechselnden Notarztstandorten unter der Mitverantwortung des jeweiligen Notarzteinsatzleiters durchgeführt. So wird zum einen erreicht, dass die einzelnen Notarztstandorte ihre jeweiligen Stärken und thematischen Schwerpunkte in die Fortbildung einbringen können (so etwa den pädiatrischen Schwerpunkt des Notarztstandortes am Marienhausklinikum St. Josef Neunkirchen Kohlhof, die luftrettungsspezifische Kompetenz des Klinikums

19 AUS WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG Saarbrücken oder die Spezialkompetenzen des Univer sitätsklinikums Homburg). Zum anderen führt dieser Standortwechsel auch dazu, dass für die notärztlichen Kollegen jeweils arbeitsplatznah Fortbildungen angeboten werden können. Themen und Termine der Fortbildungen finden Sie im Veranstaltungskalender des Saarländischen Ärzteblattes sowie auf der Internetseite des ZRF Saar (www.zrf-saar.de) oder der Rettungsdienstschule Saar (www.rdss.de). Abbildung 4: Pädiatrisches Notfallszenario beim Kurs NASimSaar25 im Simulationszentrum des Universitätsklinikums Homburg Foto: Notfalltrainings- und Simulatorzentrum, Universitätsklinikum Homburg Abbildung 5: Nachbesprechung eines Notfallszenarios im Kurs NASimSaar25 an der Rettungsdienstschule Saar Foto: Rettungsdienstschule Saar Abbildung 6: Thoraxdrainage am Schweinemodel im Kurs TraumaManagement Foto: Rettungsdienstschule Saar Kurs TraumaManagement : Die Schwerverletztenversorgung ist eine seltene Notfallsituation, die vom Notarzt und seinem Team eine sehr zeitkritische Erstversorgung nach klaren diagnostischen und therapeutischen Prioritäten (ABCDE-Schema) erfordert. In einem dreitägigen Kurs wird im Teamtraining Notarzt Rettungsassistent sehr praxisorientiert an realistisch geschminkten Mimen die Traumaversorgung trainiert. Im Kursverlauf hat jeder Teilnehmer in Kleingruppen (4, maximal 5 Teilnehmer pro Gruppe) die Gelegenheit, an insgesamt 14 derartiger Trauma-Fallbeispielen teilzunehmen. Medizinische Fertigkeiten werden an Übungsphantomen oder am Tiermodel demonstriert und beübt (siehe Abbildung 6, Anlage einer Thoraxdrainage am Schweinemodel). Theoretische Vorträge sind auf komprimierte Übersichten und Vermittlung von Versorgungsalgorithmen beschränkt. Ein besonderer Schwerpunkt des Kurses sind die Themen Kommunikation und Team- Ressource-Management. Das Kurskonzept ist national durch die DIVI (Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin) zertifiziert und von der DGU (Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie) unterstützt und befürwortet. Seit 2010 fanden ingesamt 9 TraumaManagement -Kurse in St. Ingbert statt. In 2013 werden an der Rettungsdienstschule Saar vier Kurse angeboten ( Januar, März; Juni und November). Die Kursgebühr beträgt 650,-- und wird vom ZRF Saar für die Rettungsassistenten des saarländischen Rettungsdienstes übernommen. Anmeldungen nimmt das Sekretariat der Rettungsdienstschule Saar, Tel. ( ) , entgegen. Kurs Invasive Maßnahmen: Koniotomie, Thoraxdrainage und Anlage eines intraossären Zuganges sind invasive notfallmedizinische Maßnahmen, die praktische Übung erfordern. Zum Teil kann diese Übung im klinischen Alltag erworben werden etwa die Anlage von Thoraxdrainagen auf Intensivstation oder im chirurgischen Bereich, zum Teil ist dies auch im kli nischen Umfeld wegen der seltenen Notwendigkeit nur ein geschränkt zu erlernen (z. B. Koniotomie). Daher führen die Kliniken für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Klinikums Saarbrücken und die Medizinische Fakultät Homburg der Universität des Saarlandes in Zusammenarbeit mit dem Anatomischen Institut des Universitätsklinikums Homburg alljährlich (in 2013 am ) einen Kurs durch, in dem notärztliche Kolle ginnen und Kollegen diese invasi ven Maßnahmen an den für den Präparationskurs im Wintersemester aufgelegten Leichen beüben können. Die Teilnehmerzahl ist auf 25 beschränkt. Somit kann jeder Teilnehmer eine Koniotomie, zwei Thorax drainagepunktionen 19

20 AUS WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG 20 Abbildung 7: Koniotomie am Leichenpräparat im Kurs Invasive Maßnahmen Foto: Dr. K. Becker, Prosektur, Universitätsklinikum Homburg und zwei Anlagen intraossärer Zugänge durchführen (siehe Abbildung 7: Koniotomie am Leichen präparat). Anmeldungen nimmt das Sekretariat der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Klinikums Saar brücken, Tel. (06 81) , entgegen. Kurs Patientengerechtes Retten: Die Rettung eines schwerverletzten Unfallpatienten ist Teamwork und bedarf einer abgestimmten Zusammenarbeit zwischen technischer Rettung in Verantwortung der Feuerwehr, Absicherung der Unfallstelle insbesondere auch zum Eigenschutz der Rettungskräfte in der Verantwortung der Polizei und medizinischer Versorgung der Notfallpatienten durch den Rettungsdienst. Der Notarzt ist hier nicht nur als Arzt gefordert, sondern muss in enger Absprache mit dem Einsatzleiter der Feuerwehr die medizinische Versorgung mit der technischen Rettung abstimmen und Führungsaufgaben übernehmen. Um in derartigen, nicht allzu häufig vorkommenden Einsatzsituationen suffizient arbeiten zu können, bedarf es einer gewissen Übung, die im Kurs Patientengerechtes Retten vermittelt wird. In diesem dreitägigen Kurs an der Landesfeuerwehrschule des Saarlandes üben Einsatzkräfte der saarländischen Feuerwehren, der Polizei des Saarlandes und des saarländischen Rettungsdienstes realistische Unfallsituationen auf dem Übungsgelände der Landesfeuerwehrschule. Kurstermine im Jahr 2013 sind: März, Mai, Juli, Juli und Oktober. Anmeldungen für die rettungsdienstlichen Teilnehmer nimmt das Sekretariat der Rettungsdienstschule Saar, Tel. ( ) , entgegen. Unterstützung im Einsatzalltag Zur Unterstützung der notärztlichen Kolleginnen und Kollegen im Einsatzalltag sind die Versorgungsvorgaben der wichtigsten Einsatzsituationen bei besonders vitalbedrohenden und zeitkritischen Notfallbildern (Akutes Koronarsyndrom, Akuter Schlaganfall, Schwerverletztenversorgung, Reanimation, Difficult Airway Management) in verbindlichen Verfahrens anweisungen festgelegt. Diese Verfahrensanweisungen geben die Vorgaben der medizinischen wissenschaftlichen Fachge sellschaften zum jeweiligen Notfallbild wieder und sind vom Ärztlichen Leiter Rettungsdienst und den Notarzteinsatzleitern etwa bezüglich der Zielklinikwahl auf die Einsatzsituation des saarländischen Rettungsdienstes adaptiert. Sie sind auf allen Wachen und Notarztstandorten in einem separaten Ordner und auf den Internetseiten des ZRF Saar (www.zrf-saar.de) und der Rettungsdienstschule Saar (www.rdss.de) einsehbar und für die eingesetzten rettungsdienstlichen Teams verbindlich. Selbstverständlich kann und muss der notärztliche Kollege im Rahmen seiner ärztlichen Therapiefreiheit in begründetem Fall von diesen generellen Vorgaben abweichen. Diese Ver fahrensanweisungen sind auch Inhalt der notärztlichen Wei terbildung im Rahmen der Zusatzbezeichnung Not fallmedizin. Fazit Das Arbeitsumfeld des Notarztes ist ein sehr vielschichtiges ärztliches Tätigkeitsfeld, in dem in zeitkritischen Einsatzsituationen eine prioritätenorientierte ärztliche Diagnostik und Therapie gefordert ist. Ärztliche Fort- und Weiterbildung muss die als Notarzt eingesetzten Kolleginnen und Kollegen auf diese verantwortungsvolle Aufgabe bestmöglich vorbereiten. Die Ärztekammer des Saarlandes bemüht sich, hierzu ein fundiertes Konzept anzubieten und nutzt die für das Saarland typischen kurzen Wege zu den Partnern in der rettungsdienstlichen Patientenversorgung. Für die Verfasser: Dr. med. Thomas Schlechtriemen Ärztlicher Leiter Rettungsdienst des Saarlandes Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Saar Saarpfalz-Park 9, Bexbach Kurs zum Erwerb der Zusatzbezeichnung Notfallmedizin 27. April 4. Mai 2013 Rettungsarena, Rettungsdienstschule Saar, Im Schiffelland 21, St. Ingbert Der nach der Weiterbildungsordnung geforderte 80-stündige Kurs über allgemeine und spezielle Notfallbehandlung zum Erwerb der Zusatzbezeichnung Notfallmedizin wird in der Zeit vom 27. April bis 4. Mai 2013 angeboten. Kursgebühr: 650,-- Anmeldung und Auskunft: Ärztekammer des Saarlandes, Frau M. Görlinger-Beyer Tel. (06 81) Fax: (06 81)

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