Das 1 Persoonkamer Concept. Warum das Meander Medisch Centrum auf Einzelzimmer setzt.

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1 Das 1 Persoonkamer Concept. Warum das Meander Medisch Centrum auf Einzelzimmer setzt. Das Management Neubau des Meander Medisch Centrums (MMC) 1 ist inzwischen in seinen Planungen vom VO beim DO angekommen, vom Voorloping Ontwerp zum Definitiv Ontwerp. Die vorläufigen Planungen für den Neubau des Krankenhauses in Amersfoort sind also in ein definitives Stadium eingetreten. Das besondere an dieser Planung? Wir wollten das Beste, und zwar erst einmal für unsere Patienten, betont André Willems vom Projectbureau Nieuwbouw MMC in bestem Deutsch. Und zitiert dann in Englisch: There are two worlds, the world we can measure with line and rule and the world that we feel with our hearts and imagination. 2 Und weiter: Es sind diese Soft Facts, die immer mehr in unsere Planungen für ein ganz neues Krankenhaus eingeflossen sind. Das Ergebnis ist unser 1 persoonkamer concept, und wir haben uns entschlossen, genau das zu realisieren. André Willems, im Meander Medisch Centrum im Lenkungsausschuss für das Neubauprojekt, erläutert die Orientierungsmöglichkeiten für Patienten und Besucher.Rechts der Architekt Hans van Beek vom Atelier Pro in Den Haag. André Willems kommt aus der Pflege. Und genau unter diesem Gesichtspunkt treibt er seit inzwischen zwanzig Jahren die Planungen voran, die in den Neubau des MMC aus seiner Sicht einfließen sollen. Das jetzige MMC ist ein massiger Bau am Rande von Amersfoort, dort, wo wenig weiter die Eem durch eine naturbelassene Landschaft meandert. Hier soll auch das neue MMC entstehen. Seit den ersten Planungen sind schon einige Jahre vergangen. Diese Zeit haben wir genutzt, um unsere Planungen intern in mehreren Arbeitsgruppen immer wieder zu überdenken. Auch in der Praxis wurde mit Patientenbefragungen, der praktischen Umsetzung unterschiedlicher Pflegezimmersituationen sowie mit externen Beratern und auf der Basis von Studien immer wieder überprüft und verbessert. 3 André Willems gerät ins Schwärmen, das 1 persoonkamer concept ist sein Kind. Aber es ist ja nur ein Teil des Ganzen. Geplant ist ein Haus mit 600 Betten und damit auch der räumliche Zusammenschluss der heutigen vier Standorte: neben Amersfoort auch Baarn und Soest, die mit insgesamt 200 Medizinern, Pflegekräften und weiteren (technischen) Mitarbeitern für die Versorgung der Einwohner der Region zuständig sind. 4 Die Klinik ist insgesamt dezentral ausgerichtet. Auf jeder Ebene gibt es eine Poststelle, Pflegearbeitsräume, Arbeits- und Sprechzimmer von Assistenzärzten sowie das Dienstzimmer der Pflege dienst leitung. Aufgelockerte Strukturen in naturbelassener Landschaft. Der Neubau hatte sich verzögert, weil das große Grundstück erst in einer etwas langwierigeren Prozedur aufgekauft werden musste. Nach acht Jahren war dann 2007 alles unter Dach und Fach. Die Zeit war genutzt worden, das Projekt von innen nach

2 außen zu strukturieren und auch kostenmäßig zu erfassen. 330 Mio. EUR sind dafür eingeplant. Wir hatten in einem ersten Schritt das Krankenhaus ausgeschrieben, etwa 15 Architekten hatten sich daran beteiligt. In einem zweiten Schritt haben wir dann die Planer der drei in unseren Augen besten Entwürfe noch einmal zu einer bezahlten Präsentation eingeladen bezahlt, um gegebenenfalls gute Ideen in den ausgewählten Entwurf einarbeiten zu können. Das Rennen machte ein Architekt, der im Krankenhausbau keineswegs erfahren war. Hans van Beek war der einzige, der sich von der üblichen Idee eines Krankenhauses entfernt hatte. Krankenhäuser werden gern auf die angeblichen Anforderungen der Mitarbeiter ausgelegt. Bei einem 600-Betten- Haus bedeutet das praktischerweise eine zentrale Achse mit vier Flügeln, die in Form eines Kreuzes in 90-Grad-Winkeln angelegt sind. Dazu lange Gänge zum Verlaufen und Pflegezimmer an Pflegezimmer, die von den Patienten nie wiedergefunden werden. Hans van Beek entwickelte mit seinem Architekturbüro Atelier Pro in Den Haag 5 einen ganz anderen Plan. Seine Idee besteht aus einem dreigegliederten Objekt mit einem vorgesetzten Komplex für die medizinische Versorgung. In der Mitte befinden sich mehrere bis zu 9-geschossige Einheiten, die als öffentliche und auch offen gestaltete Zonen beiderseits an eine Lane mit Aufzügen grenzen und u. a. für den Aufenthalt von Patienten und Besuchern gestaltet sind dazu gehören die Aufnahmen für die entsprechenden Stationen, Ruhe- und Gemeinschafts-Zonen, Restaurants einschließlich der größeren Freizeitbereiche, die als Court oder Wintergarten angelegt sind. Rechts an Der Architekt verlässt das übliche, kompakte Schema eines Krankenhauses und entwickelt einen aufgelockerten Gebäudekomplex, der sich harmonisch in die naturbelassene Landschaft am Rande der Stadt einfügt. Alle Pflegezimmer haben zwei Sichtzonen: Nach außen in die Landschaft und auf Wunsch nach innen in den Publiek-Bereich. Farbige Böden und Wände sowie die sich zur Lane hin öffnenden Flure bieten Orientierung. die Lane grenzt der hintere, viergeschossige Bereich mit den Pflegezimmern der einzelnen Stationen. Dieser ist aufgegliedert in fünf Trakte, die wie die Finger einer Hand in die naturbelassene Landschaft hineingebaut sind; ihre Flure öffnen sich jeweils zur Lane hin, untereinander sind die Trakte zusätzlich mit sog. Avenues querverbunden. Und das alles, wegen des hohen Grundwasserstandes, auf einem Hügel, einer Warft ähnlich, um die Parkgarage mit Stellplätzen nicht in einem Keller, sondern Parterre unterzubringen. Die Überlegungen zum Einzelzimmer-Konzept. Ursprünglich war ein Mix von Doppel- und Einzelzimmern geplant. Aber je mehr wir uns mit der Nutzung der Zimmer beschäftigten, desto mehr waren wir überzeugt, nur Einzelzimmer zu installieren. In diese Überlegungen bezogen wir eine Untersuchung von van Geest 6 mit ein, der ein durchgängiges Einzelzimmer-Konzept von allen Seiten durchleuchtete und nur Vorteile erkannt hatte. Die Untersuchungsergebnisse haben wir diesem Beitrag beigefügt. Tab. 1 zeigt die Vorteile aus

3 Untersuchungsergebnisse bei ausschließlich Einzelzimmern, 1 Reduzierung von Stress und Verbesserung der Lebens- und Gesundheitsqualität bei Patienten und Familie Untersuchungsergebnisse bei ausschließlich Einzelzimmern, 2 Erhöhung von Patientensicherheit und Versorgungsqualität Abnahme der Lärmbelästigung Reduzierung der räumlichen Desorientierung Verbesserung des Schlafmusters Zunahme der Nächstenliebe Abnahme depressiver Gefühle Verbesserung des Herzrhythmus Abnahme von Schmerzen (Medikation und Beschwerden) Abnahme des Gefühls der Hilflosigkeit Sorgt für Ablenkung Abnahme von Stress beim Patienten Abnahme nosocomialer Infektionen über die Luft Abnahme nosocomialer Infektionen über direkten Kontakt Abnahme von Medikationsfehlern Abnahme von Stürzen Verbesserung der Kommunikation Patient > Personal Verbesserung der Kommunikation Personal > Personal Verbesserung der Kommunikation Personal > Patient Verbesserung der Kommunikation Patient > Familie Verbesserung der Erfüllung des Handwaschprotokolls Verbesserung der Vertraulichkeit von Pat.-Informationen Untersuchungsergebnisse bei ausschließlich Einzelzimmern, 3 Reduzierung von Stress und Ermüdung beim Personal, größere Effektivität der Gesundheitsversorgung Untersuchungsergebnisse bei ausschließlich Einzelzimmern, 4 Erhöhung der Versorgungsqualität im Allgemeinen und Senkung der Kosten Abnahme der Lärmbelästigung Verbesserung des Stellens der Arzneimittel Größere Zufriedenheit mit Arbeitsstelle/Job Abnahme der Verlegungen Abnahme der Ermüdung Verbesserung der Effektivität (direkte Versorgungszeit) Zunahme der Arbeitszufriedenheit Verkürzung der Liegezeiten Abnahme des Arzneimittelgebrauchs Abnahme von Patiententransfers Abnahme von Wiederaufnahmen Verbesserung des Einsatzes direkter Patientenversorgung Erhöhung der Patientenzufriedenheit über Versorgung Erhöhung der Patientenzufriedenheit über Personal Patientensicht und hebt auf die Verbesserung seiner Lebens- und Gesundheitsqualität ab, Tab. 2 verweist auf seine höhere Sicherheit und Versorgungsqualität. In Tab. 3 wird die Reduzierung von Stress beim Personal und damit auf eine größere Effektivität hingewiesen, Tab. 4 schließlich bewertet die Versorgungsqualität und die damit verbundene Senkung von Kosten. Das ist alles nachvollziehbar und entspricht auch unseren Erfahrungen. Allein die Abnahme der Patiententransfers, die ausbleibende Lärmbelästigung, die normalerweise eine Aufnahme, womöglich nachts, in einem Mehrbettzimmer mit sich bringt, die effiziente Versorgung, die direkt im Einzelzimmer vorgenommen werden kann, ganz zu schweigen von der Verbesserung des Schlafmusters und die Reduzierung von Stress, die ein Mehrbettzimmer sonst automatisch mit sich bringt, erläutert Willems die Untersuchungsergebnisse van Geests. Alle Vorteile sprechen für Einzelzimmer. Die Empfehlung des Lenkungsausschusses MMC an den Verwaltungsrat war eindeutig: Für die klinischen Abteilungen bitte nur Einzelzimmer. Die drei wichtigsten Argumente waren: 1. die Wahrung der Privatsphäre für Patient und Familie; 2. nachweislich die Reduzierung von Krankenhausinfektionen; 3. der Trend auf dem weltweiten Markt. Die Bedingungen waren: Patienten und Besucher müssen bequem in ausreichend vorhandene Aufenthaltsräume gelangen können, die Besuchszeiten selbst sollten auf 24 Stunden ausgedehnt und Rooming-in-Einrichtungen auf allen Zimmern vorhanden sein. Dafür gab es gewichtige Vorteile: Separate Untersuchungs- und Behandlungszimmer sind ebenso wie separate Besprechungszimmer nicht mehr nötig. Das bedeutet weniger Transfer, weniger Bring- und Holdienste, weniger Personalaufwand. Auf der Basis dieser Überlegungen hat van Geest dem Mehraufwand, der durch das Einzelzimmer- Konzept einmalig entsteht angefangen von den geräumigeren Zimmern über größere Badezimmer und die dezentralen Arbeitsplätze der Pflege bis hin zu Begegnungsräumen die Einsparungen pro Jahr gegenübergestellt: weniger Patiententransfers, weniger Stürze, weniger Infektionen, niedrigere

4 Jedes Einzelzimmer verfügt über eine Rooming-in-Gelegenheit sowie einen eigenen barrierefreien Sanitärbereich. Eine Schiebetür aus Glas in den Publiek Bereich ermöglicht dem Patienten, Kontakt mit anderen Patienten, seinem Besuch oder den Pflegekräften aufnehmen zu können. Auf Wunsch und zur Wahrung der Privat sphäre kann jederzeit ein Vorhang vor die Glasfront gezogen werden. Arzneimittelkosten, niedrigere Fluktuationszahlen. Das Ergebnis ist gar nicht mal überraschend: Die einmaligen Mehrkosten zahlen sich bereits nach 18 Monaten aus, die weiteren Einsparungen über die Jahre sind immens. 7 Die Zahlen von van Geest sind nicht evidenzbasiert, er leitet sie aber aus den bis heute viel intensiveren Untersuchungen in den USA ab. Die Ergebnisse zeigen etwa die Reduzierung der Sturzfälle um 75 Prozent (!) durch die bessere Beobachtung von dezentralen Stellen, die Reduzierung der Krankentransporte von 190 auf 25, 8 aber auch den Anstieg der Patientenzufriedenheit um 18 Prozent und eine Abnahme der Fluktuation der Pflegekräfte von 23 auf 3,8 Prozent. 9 Gleichzeitig verdeutlichen sie die verbesserte Schlafqualität, die Steigerung der Produktivität und der Kapazitätsauslastung. 10 Alles in allem überzeugende Zahlen, Daten und Fakten. Die Umsetzung des Einzelzimmer-Konzeptes. Wir haben also sämtliche Zimmer als Einzelzimmer konzipiert, ergänzt Hans van Beek. Wir haben in jedem Zimmer eine Roomingin-Gelegenheit vorgesehen. Wir haben jedem Pflegezimmer einen eigenen barrierefreien Sanitärbereich zugewiesen. Jedes Pflegezimmer hat zwei Fenster nach draußen in die Landschaft. Und jedes Pflegezimmer hat anstelle einer einfachen Tür eine Schiebetür aus Glas in den Publiek-Bereich, um jederzeit Kontakt mit anderen Patienten, seinem Besuch oder den Pflegekräften aufnehmen zu können. Auf Wunsch und zur Wahrung der Privatsphäre der Patienten kann jederzeit ein Vorhang vor die Glasfront gezogen werden. So wurde den Wünschen der Patienten entsprochen, die in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus der Planungsgruppe gerückt waren. Dazu gehören Wahrung der Privatsphäre, der Sicherheit und Autonomie in einem privaten Territorium genauso wie die Möglichkeiten zu sozialen Kontakten mit entsprechender Wahlfreiheit und Orientierungsmöglichkeit. Bedeutung hatte es für uns auch, Selbstpflege möglich zu machen, Besuch adäquat empfangen zu können und eigenständig über Temperatur, Licht, Belüftung und Schall entscheiden zu können, ergänzt Willems. Alle diese Freiheiten bedeuten natürlich auch, dass sich Patienten in dem großen und offenen Haus orientieren können. Die Böden der Flure sind unterschiedlich farbig gestaltet und weisen so den Weg zu kleineren Gemeinschaftszonen, zum Stationsempfang, zu den Aufzügen und größeren Gemeinschaftsbereichen. Die Flure selbst werden zum einen Ende hin breiter und bieten dort weitere Besucherecken. Alles ist darauf abgestimmt, dass sich die Menschen einfach und schnell zurechtfinden und sich gleichermaßen wohlfühlen, betont Hans van Beek. Ein unterschwelliges Orientierungssystem, das die vielfältigen baulichen Strukturen ergänzt und für Patienten informativ auflöst. Das dies alles so klappt wie wir es uns denken, so van Beek weiter, dafür haben wir das gesamte Objekt so digital animiert,

5 dass wir es an allen Ecken und Enden durchlaufen und die Praktikabilität jeglicher Planung auf dem Bildschirm prüfen können. Das betrifft natürlich auch Planung und Einrichtung der Einzelzimmer. Wie geht es weiter? Noch in diesem Jahr wird der erste paal geslagen, der Grundstein gelegt. Für den Bau rechnet van Beek mit drei Jahren, und 2012 wird dann das neue Meander Medisch Centrum festlich eröffnet. Auch Einzelzimmer für Einzelzimmer. Wir werden berichten. Völker AG Wullener Feld Witten Tel.: Fax: Anmerkungen: 1) Meander Medisch Centrum, Postbus 1502, 3800 BM Amersfoort; 2) Die Vision des MMC, der Auftrag lautet: Pflegen ist das Koordinieren der Pflege, das Beobachten, Melden und Betreuen, das Anregen der Selbstversorgung sowie das Übernehmen dieser Pflege dort, wo es nötig ist. 3) vgl.a. (Stichting Architectenonderzoek Gebouwen Gezondheidszorg) 4) /Dit is Meander 5) Atelier Pro, Director/ Architect Mr. Hans van Beek, 6) Diplomarb. J. van Geest, Master of healthcare management 7) van Geest, hier: Untersuchungsergebnisse bei ausschließlich Einbettzimmern: Die Effekte der Betriebskosten (imaginäres Krankenhaus, nicht evidenzbasiert) 8) van Geest: Untersuchungen im Clarian Health Hospital, Indianapolis 9) Untersuchungen im B.A.K. Cancer Institute, Detroit 10) van Geest: Untersuchungen des Bronson Methodist Hospital, Kalamazoo

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