Land grabbing. Flächenkonkurrenz: Wer will Land zu welchem Zweck nutzen?

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1 Land grabbing Flächenkonkurrenz: Wer will Land zu welchem Zweck nutzen?

2 Überblick 1. Was versteht man unter Land grabbing 2. Wer ist betroffen? 3. Wer betreibt warum Land grabbing? 4. Was sind die Folgen und die Ursachen? 5. Investitionen aus Deutschland 6. Lösungsansätze

3 1. Was versteht man unter Land grabbing / Landraub? Deutsch: Landnahme, Landraub, Land an sich reißen Transnationale Veränderungen der Besitzverhältnisse und Nutzungsrechte über Land, vornehmlich in Entwicklungs- und Schwellenländern Investoren aus dem Ausland an landwirtschaftlich nutbaren Flächen, die zuvor in irgendeiner Weise genutzt wurden Intransparenz und fehlende Partizipation der lokalen Bevölkerungen Industrielle Landwirtschaft als Ziel der Bewirtschaftung Ausrichtung auf den Export in den Weltmarkt Häufig Steuerfreiheit für Investoren Sehr lange Pachtverträge von 50 bis 100 Jahren

4 1. Was versteht man unter Land grabbing / Landraub? Verletzung von Menschenrechten beim Erwerb des Landes Verträge umfassen mindestens 200 Hektar Keine Berücksichtigung sozialer, ökonomischer und ökologischer Folgen für lokale Bevölkerung

5 2. Ausmaß der Landnahmen und Zielländer Seit dem Jahr transnationale abgeschlossene Verträge mit einem Volumen von ungefähr 36 Millionen Hektar (Quelle: landmatrix.org). Entspricht der Landesfläche Deutschlands. Länder in Südostasien und Subsahra-Afrika, aber auch Lateinamerika und Osteuropa Häufig Länder mit hohem Anteil von Hungernden und Länder mit hoher Korruption bzw. schlechter Regierungsführung Weitere 20 Millionen Ha sind laut Landmatrix in Verhandlung

6 Snapshot Land Matrix

7 2. Zielländer Papua-Neuguinea Indonesien Südsudan DR Kongo Mosambik Brasilien Ukraine Liberia Sudan Sierra Leone 3,799,169 ha 3,549,462 ha 3,491,453 ha 2,717,358 ha 2,167,882 ha 1,811,236 ha 1,600,179 ha 1,340,777 ha 1,191,013 ha 1,184,924 ha

8 3. Wer sind die Akteure? Private Agrarkonzerne Staaten und halbstaatliche Institutionen Private Finanzinvestoren und Pensionsfonds (institutionelle Investoren) Nationale Eliten Herkunft: Nach Größe der erworbenen Landfläche: Investoren aus den USA an erster Stelle, auch weitere Investoren aus Industriestaaten. Auch aus Schwellenländern.

9 3. Motive der Agrarinvestoren Erwartung von langfristig steigenden Nahrungsmittelpreisen Finanzkrise: Neue Anlagemöglichkeiten werden gesucht (stabil und unabhängig von Aktien- und Rentenmärkten) Sicherstellung für künftige Nahrungsmittelversorgung Produktion von Biokraftstoffen Trendumkehr im Agribusiness: Eigenproduktion statt Zukauf von Rohstoffen

10 4. Folgen und Ursachen Verschlechterung der Ernährungssicherheit für lokale Bevölkerung Verlust der Haupteinnahmequelle von Kleinbauern Umsiedlungen, Vertreibungen Unklare Rechtstitel für Land in vielen Entwicklungsländern Korruption und Willkür der Regime Aussicht auf Deviseneinnahmen für Staaten Verlust von heiligem oder kulturell bedeutsamen Land Zunahme von Konflikten zwischen Behörden und lokalen Bauern, zwischen Nomaden und Bauern, etc. Verschärfung der Wasserknappheit Unterschied von Nutzunsrecht (häufig informell) und Besitzrecht (formell, in Afrika beispielsweise häufig staatlich) Rechtssicherheit für Investoren, nicht jedoch für ländliche Bevölkerung

11 5. Land als Anlageklasse Auch deutsche Banken und institutionelle Anleger sind direkt, überwiegend aber indirekt an Landraub beteiligt Durch spezielle Investmentfonds werden Wertpapiere von Unternehmen gekauft, die in Fälle von Landraub involviert sind ( Agrarfonds ) Beispiele für solche Unternehmen sind: Cosan Ltd, Golden Agri, Bunge, Sime Darby, Wilmar International oder Olam International. Viele großen Banken haben inzwischen einen solchen Fonds, einige haben Richtlinien zu nachhaltigen Investments implementiert, die beispielsweise schwere Umweltzerstörungen und Menschenrechtsverletzungen minimieren sollen In der Praxis dennoch immer wieder Unternehmen in Fonds, denen beides nachgewiesen werden kann

12 5. Land als Anlageklasse Auch deutsche Banken und institutionelle Anleger sind direkt, überwiegend aber indirekt an Landraub beteiligt Durch spezielle Investmentfonds werden Wertpapiere von Unternehmen gekauft, die in Fälle von Landraub involviert sind ( Agrarfonds ) Beispiele für solche Unternehmen sind: Cosan Ltd, Golden Agri, Bunge, Sime Darby, Wilmar International oder Olam International. Viele großen Banken haben inzwischen einen solchen Fonds, einige haben Richtlinien zu nachhaltigen Investments implementiert, die beispielsweise schwere Umweltzerstörungen und Menschenrechtsverletzungen minimieren sollen In der Praxis dennoch immer wieder Unternehmen in Fonds, denen beides nachgewiesen werden kann

13 Mythen und Realität Der Umfang - mindestens 80 Millionen Ha bis zu 230 Mio. Ha! Landnahme als neue Form des Neokolonialismus! China kauft Afrika auf! Banken spekulieren auf Wertsteigerung von Land in großem Umfang Es wird Land gepachtet und gekauft, das brach liegt Aktuell: 35 Millionen Ha Die Akteure kommen ebenso aus Schwellenländern China ist nur einer von vielen Akteuren, momentan an 6 % der Verträge beteiligt, hauptsächlich in Asien Direkte Investitionen von Finanzinstitutionen sind für die Banken riskant, solche Deals sind (in Deutschland) eher die Ausnahme Im Gegenteil: Land, das bewirtschaftet wird und fruchtbar ist

14 Mythen und Realität Der Umfang - mindestens 80 Millionen Ha Landnahme als neue Form des Neokolonialismus Banken spekulieren auf Wertsteigerung von Land in großem Umfang Es wird Land gepachtet und gekauft, das brach liegt Höchstens 35 Millionen Ha Die Akteure kommen ebenso aus Schwellenländern Direkte Investitionen von Finanzinstitutionen sind für die Banken riskant, solche Deals sind eher die Ausnahme Im Gegenteil: Land, das bewirtschaftet wird und fruchtbar ist

15 ...aber es gibt zahlreiche sehr kritische Beispiele... Addax Bioenergy in Sierra Leone Daewoo in Madagaskar Neue Allianz für Ernährungssicherung Acazis AG in Äthiopien Wilmar und andere Palmölfirmen Khon Kaen Sugar Industry in Kambodscha

16 6. Lösungsansätze FAO-Leitlinen und verantwortungsvolle Investitionsrichtlinien der Weltbank: umstritten Unterstützung der Zivilgesellschaft und Bauern vor Ort Investition in Projekte, Organisationen, Unternehmen, Genossenschaften, etc., die kleinbäuerliche Landwirtschaft unterstützen und deren Produktiviät und Einkommenssituation verbessern, ohne die Umweltauswirkungen zu verschlechtern Stärkung traditioneller Landrechte

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