Austerität und Lohnkürzung eine fatale wirtschaftspolitische Mischung Prof. Dr. Heiner Flassbeck

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1 Münster, 27. Oktober 2016 Austerität und Lohnkürzung eine fatale wirtschaftspolitische Mischung Prof. Dr. Heiner Flassbeck

2 01/ / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / / /2016 Index 2010 bzw = 100 Der große deutsche Aufschwung? ifo-geschäftsklima und Auftragseingänge Auftragseingänge 2) Geschäftsklima 1) 70 1) Geschäftsklima Deutschland, Indexwerte, 2005=100, saisonbereinigt. 2) Verarbeitendes Gewerbe Deutschland, Volumenindex, 2010 = 100, arbeitstäglich und saisonbereinigt.

3 Index 2010 = 100 Keine Belebung der Industrie in der EWU 120 Industrieproduktion 1) im Euroraum insgesamt und in den "Kernländern" 110 Deutschland EWU Frankreich 90 Italien 80 1) Arbeitstäglich und saisonbereinigter Volumenindex (2010 = 100) für Bergbau, Gewinnung von Steinen und Erden, verarbeitendes Gewerbe / Herstellung von Waren und Energieversorgung. Quelle: Eurostat.

4 Industrie in Südeuropa ohne Belebung

5 Index 2010 = 100 Und auch keine am Bau Bauproduktion 1) in der EWU Deutschland EWU 2) Frankreich ) Volumenindex der Bauproduktion 2010 = 100, arbeitstäglich und saisonbereinigt. 2) 19 EWU-Staaten. Quelle: Eurostat

6 Auch der Bau ist schwach in Südeuropa

7 Quote in % der Erwerbspersonen Die Arbeitslosigkeit bleibt hoch Arbeitslosigkeit 1) im internationalen Vergleich EWU 2) 10 8 USA 6 Japan ) Arbeitslose in vh der Erwerbspersonen, saisonbereinigt, harmonisiert. 2) 18 EWU-Staaten. Quelle: Eurostat

8 Quote in % der Erwerbspersonen Besonders in Italien und Frankreich Arbeitslosigkeit 1) in der EWU 14 Italien 12 EWU 2) 10 Frankreich 8 Deutschland ) Arbeitslose in vh der Erwerbspersonen, saisonbereinigt, harmonisiert. 2) 18 EWU-Staaten. Quelle: Eurostat

9 Arbeitslosigkeit in Südeuropa katastrophal

10 So bescheiden wird man

11 BIP-Wachstum in Europa ohne Deutschland seit 2008

12 Investitionen unter dem Niveau von 2008

13 Aber konjunkturbereinigte Primärsalden?

14 Italien in einer Dauerrezession

15 Griechenland in einer Dauerdepression

16 Portugal: Kaum Besserung

17 Spanien

18 Lettland

19 Arbeitslosenrate in % Wenn die Löhne sinken, sinkt auch die Arbeitslosigkeit Reallohn pro Stunde (in 2005er Preisen) Reallohn pro Stunde (Produzentenlohn) 2) Arbeitslosenrate 1) Reallohn pro Stunde (Konsumentenlohn) 3) ) Arbeitslose in %, im Verhätlnis von beschäftigten zu unbeschäftigten Personen; Definitiert von Eurostat, linke Skala 2) Vergütung von Angestellten pro tatsächlich gearbeiteter Stunde; BIP-Deflator einbezogen, rechte Skala 3) Vergütung von Angestellten pro tatsächlich gearbeiteter Stunde; Deflator für privaten Verbrauch einbezogen, rechte Skala Quelle: Ameco (Mai 2013), Werte für 2013 sind Schätzungen der EU-Kommission.

20 in Prozent des BIP Frankreich soll sparen? 6 4 Finanzierungssalden 1) der Wirtschaftssektoren in Frankreich private Haushalte 2 0 Ausland 2) -2-4 Staat Unternehmen ) In %des nominalen BIP; 2) Negative Werte bedeuten eine Verschuldung des Auslands Quelle: AMECO

21 in Prozent des BIP Italien auch? Finanzierungssalden 1) der Wirtschaftssektoren in Italien Ausland 2) private Haushalte Unternehmen Staat 1) In %des nominalen BIP; 2) Negative Werte bedeuten eine Verschuldung des Auslands Quelle: AMECO

22 Spanien kann nicht sparen

23 Auch Portugal kann es nicht

24 in Prozent des BIP Europa insgesamt 6 Finanzierungssalden 1) der Wirtschaftssektoren im Euroraum 4 private Haushalte Unternehmen Staat Ausland 2) ) In %des nominalen BIP; 2) Negative Werte bedeuten eine Verschuldung des Auslands Quelle: AMECO

25 in Prozent des BIP Europa ohne Deutschland kann nicht sparen Finanzierungssalden 1) der Wirtschaftssektoren im Euroraum (ohne Deutschland) 4 2 private Haushalte Ausland 2) Unternehmen Staat ) In %des nominalen BIP; 2) Negative Werte bedeuten eine Verschuldung des Auslands Quelle: AMECO

26 in Prozent des BIP Genau wie die USA Finanzierungssalden 1) der Wirtschaftssektoren in den USA Ausland 2) private Haushalte Unternehmen Staat 1) In % des nominalen BIP; 2) Negative Werte bedeuten eine Verschuldung des Auslands Quelle: AMECO

27 Japan kann schon 25 Jahre nicht mehr sparen

28 in Prozent des BIP Deutschland wächst ohne Schulden Finanzierungssalden 1) der Wirtschaftssektoren in Deutschland private Haushalte Unternehmen Staat Ausland 2) ) In %des nominalen BIP; 2) Negative Werte bedeuten eine Verschuldung des Auslands Quelle: AMECO

29 Saldo in % des BIP Als Deutschland noch ein normales Land war Westdeutschland Private Haushalte Ausland 2) Staat -6-8 Unternehmen -10 1) In Prozent des nominalen Bruttoinlandsprodukts. 2) Negative Werte bedeuten Verschuldung des Auslands in Westdeutschland. Quellen: Deutsche Bundesbank, Ameco Datenbank. Geneva and Zurich, February 2015

30 Schulden en masse, nur bei den anderen

31 Folgerungen Nur Deutschland kann den Euro retten Italien und Frankreich sind entscheidend Wir brauchen eine neue Wirtschaftspolitik und ein neues ökonomisches Denken Vorurteile und Ideologien müssen scheitern

32 In Milliarden EUR/DM Deutschland gewinnt schon wieder Deutscher Leistungsbilanzsaldo mit der EWU 1) ) EWU: 19 Länder; in Milliarden EUR/DM 2) Wert für 2016: Schätzung, Halbjahreswert x 2 Quelle: Deutsche Bundesbank

33 Bilanz in % des Nominal-BIPs Deutschland verstößt gegen die Regeln 1) %-Limit des MIP der Jahresdurchschnitt 2) -4-4%-Limit des MIP für Defizitländer -6 1) In vh des nominalen Bruttoinlandsprodukts; bis 1990 Westdeutschland; negative Werte Defizit, positive Werte Überschuss gegenüber dem Ausland. 2) Der Dreijahresdurchschnitt ist hier im jeweils letzten Jahr eingezeichnet, also etwa der Durchschnitt von 2012, 2013 und 2014 im Jahr Quellen: Deutsche Bundesbank, Statistisches Bundesamt, Ameco-Datenbank.

34 Ø jährl. Veränderung der Lohnstückkosten in % Inflation und Löhne in verschiedenen Ländern R² = 0,9955 Vereinigtes Königreich Italien Spanien Frankreich EWU (12 Länder) USA Westdeutschland ( ) Japan Deutschland ( ) Belgien ( ) Österreich ( ) Niederlande ( ) Quellen: Ameco, OECD Ø jährl. Veränderung des BIP-Deflators in %

35 Index 1999 = 100 Deutschland in der EWU 150 Griechenland Italien Spanien Frankreich 120 EZB Ziel: 1.9% Deutschland 90 1) Ratio of compensation per employee to real GDP per person employed; Index 1999 = 100 Quelle: AMECO. Geneva and Zurich, February 2015

36 Index 1999 = 100 Frankreich hat alles richtig gemacht Nominallohn und Produktivität, Frankreich (1999=100) Nominallohn pro Stunde 120 Produktivität Anmerkung: 2012er Werte für Arbeitsstunden der Beschäftigten geschätzt anhand von AMECO Daten. Quelle: AMECO Datenbank (Stand Nov-12); OECD Datenbank (Stand Apr-13); eigene Berechnungen

37 Index 1999 = 100 Deutschland betrieb Lohndumping Nominallohn und Produktivität, Deutschland (1999=100) Nominallohn pro Stunde Produktivität Anmerkungen: 1) Definiert als nominale Einkommen der abhängig Beschäftigten geteilt durch die Arbeitsstunden der abhängig Beschäftigten mal Anzahl der abhängig Beschäftigten. 2) Definiert als reales BIP geteilt durch Arbeitsstunden aller Beschäftigten mal Anzahl aller Beschäftigten. 3) 2012er Werte für Arbeitsstunden der Beschäftigten geschätzt anhand von Destatis Daten. Quelle: AMECO (Stand Nov-12); OECD Datenbank (Stand Apr-13); eig. Berechnungen

38 2010er Euro/Stunde Deutschland ist einfach produktiver als Frankreich Produktivität pro Stunde Frankreich Deutschland 35 Reales Bruttoinlandsprodukt je geleistete Arbeitsstunde der Erwerbstätigen; 2010er Euro pro Stunde Quelle: AMECO.

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