Private Vorsorge für den Pflegefall

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1 Private Vorsorge für den Pflegefall Bericht der IW Consult GmbH Köln, 10. August 2012 Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult GmbH Konrad-Adenauer-Ufer Köln Postanschrift: Postfach Köln Geschäftsführer: Matthias Kenter, Dr. Karl Lichtblau Sitz der Gesellschaft ist Köln Eingetragen im Handelsregister Köln HRB Deutsche Bank Köln, BLZ , Konto

2 Ansprechpartner: IW Consult GmbH Dr. Sebastian van Baal Referent Tel.: Seite 2 von 13

3 Inhaltsverzeichnis Abbildungsverzeichnis 4 Tabellenverzeichnis 4 Zusammenfassung 5 1 Der Hintergrund 6 2 Die Befragung 6 3 Die Ergebnisse 7 Tabellenanhang 10 Über das IW-Arbeitnehmervotum 13 Seite 3 von 13

4 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Mehrheit der Arbeitnehmer hält spätere Pflegebedürftigkeit für wahrscheinlich 7 Abbildung 2: Pflegeabsicherung bei fast zwei Drittel der Arbeitnehmer unzureichend 8 Abbildung 3: Knappe Mehrheit von staatlicher Förderung beeinflusst 9 Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Zusammensetzung der Stichprobe 10 Tabelle 2: Mehrheit der Arbeitnehmer hält spätere Pflegebedürftigkeit für wahrscheinlich 11 Tabelle 3: Pflegeabsicherung bei fast zwei Drittel der Arbeitnehmer unzureichend 12 Tabelle 4: Knappe Mehrheit von staatlicher Förderung beeinflusst 13 Seite 4 von 13

5 Zusammenfassung Die Deutschen werden immer älter. Dadurch nimmt auch die Anzahl der Pflegebedürftigen zu. Als Reaktion darauf wurde 1995 die gesetzliche Pflegeversicherung eingeführt. Diese deckt allerdings nur einen Teil der Kosten ab, wenn es zum Pflegefall kommt. Aus diesem Grund hat die Politik beschlossen, private Pflegezusatzversicherungen zu fördern: Ab 2013 gibt der Staat monatlich fünf Euro dazu, wenn man sich für den Pflegefall zusätzlich absichert. Die staatliche Förderung soll ein Anreiz sein, privat zusätzlich vorzusorgen. Aber wie stehen die Arbeitnehmer dazu wie wichtig ist eine private Absicherung und welche Bedeutung hat die gesetzliche Förderung? Zu dieser Frage wurden im Juli und August 2012 insgesamt Arbeitnehmer online befragt. Die wesentlichen Befunde lauten wie folgt: Die eigene Pflegebedürftigkeit ist für viele Arbeitnehmer ein wahrscheinliches Szenario: Insgesamt 58,3 Prozent glauben, dass sie selbst in Zukunft auf Leistungen der Pflegeversicherung zurückgreifen müssen, während 41,7 Prozent das nicht glauben. Mit 35,6 Prozent fühlt sich etwas mehr als jeder dritte Arbeitnehmer für den Fall der Pflegebedürftigkeit hinreichend abgesichert. Umgekehrt fühlen sich 64,4 Prozent, also nahezu zwei Drittel der Arbeitnehmer nicht hinreichend abgesichert. Insbesondere Arbeitnehmer mit Haupt- bzw. Volksschulabschluss, Frauen und 35- bis 49- Jährige fühlen sich für den Pflegefall nicht ausreichend abgesichert. Für 52,0 Prozent der Arbeitnehmer ist die staatliche Förderung privater Pflegezusatzversicherungen in Höhe von monatlich fünf Euro für ihre Versicherungsentscheidung von Bedeutung. Im Umkehrschluss ist die staatliche Förderung für 48,0 Prozent irrelevant. Es zeigt sich also, dass die Arbeitnehmer hinsichtlich der Frage, ob die staatliche Förderung einen Einfluss auf ihre Versicherungsentscheidung hat, gespalten sind. Zwar besteht ein leichter Überhang derjenigen, für die die Förderung relevant ist. In dieser Gruppe ist allerdings auch der Anteil der unsicheren Einschätzungen besonders groß. Für Arbeitnehmer mit Haupt- bzw. Volksschulabschluss ist die Förderung besonders selten relevant: Dies ist die einzige nach dem Schulabschluss abgegrenzte Gruppe, in der der Anteil derjenigen überwiegt, die sich durch die Förderung nicht beeinflusst fühlen. Am größten ist der Anteil derjenigen, für die die Förderung relevant ist, bei Arbeitnehmern mit Real- bzw. Oberschulabschluss. Darüber hinaus hängt die Bedeutung der Förderung mit dem Alter zusammen: Während bei 16- bis 24-Jährigen ein besonders großer Anteil von der Förderung beeinflusst wird, ist der Anteil bei 50- bis 65-Jährigen besonders gering. Seite 5 von 13

6 1 Der Hintergrund Da die Deutschen immer älter werden, nimmt auch die Anzahl der Pflegebedürftigen zu. Als Reaktion darauf wurde 1995 die gesetzliche Pflegeversicherung eingeführt. Diese ähnelt allerdings einer Teilkaskoversicherung, denn sie deckt nur einen Teil der Kosten ab, wenn es wirklich zum Pflegefall kommt. Aus diesem Grund hat die Politik im Juni 2012 beschlossen, private kapitalgedeckte Pflegezusatzversicherungen zu fördern: Ab 2013 gibt der Staat monatlich fünf Euro dazu, wenn man sich privat für den Pflegefall zusätzlich absichert. (Diese Förderung wird auch als Pflege- Bahr bezeichnet, nach Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr.) Ein Anspruch auf die Förderung besteht, wenn mindestens zehn Euro im Monat in eine förderfähige Pflegezusatzversicherung eingezahlt werden. Die staatliche Förderung soll ein Anreiz sein, privat zusätzlich für den Pflegefall vorzusorgen. Dadurch soll die Lücke zwischen den tatsächlichen Pflegekosten und den niedrigeren Leistungen der gesetzlichen Versicherung geschlossen werden. Aber wie stehen die Arbeitnehmer dazu wie wichtig ist eine private Absicherung und welche Bedeutung hat die gesetzliche Förderung? Dieser Frage ist das vorliegende IW-Arbeitnehmervotum gewidmet. 2 Die Befragung Für das IW-Arbeitnehmervotum wurden vom 20. Juli bis zum 2. August 2012 insgesamt Arbeitnehmer online befragt. Die Stichprobe wurde hinsichtlich soziodemografischer Merkmale entsprechend der Verteilung in Deutschland geschichtet (Tabelle 1 im Anhang). Im Einzelnen wurden die folgenden Fragen gestellt: Rechnen Sie damit, dass Sie selbst zukünftig Leistungen aus der Pflegeversicherung benötigen werden? Fühlen Sie sich ausreichend für den Pflegefall abgesichert? Zukünftig werden private Pflegezusatzversicherungen mit monatlich fünf Euro vom Staat gefördert. Hat diese Förderung einen Einfluss auf Ihre Entscheidung, ob Sie eine solche Versicherung abschließen bzw. beibehalten? Seite 6 von 13

7 3 Die Ergebnisse Pflegebedürftigkeit ist für viele Arbeitnehmer ein wahrscheinliches Szenario Insgesamt 58,3 Prozent der Arbeitnehmer glauben, dass sie selbst in Zukunft auf Leistungen der Pflegeversicherung zurückgreifen müssen, während 41,7 Prozent das nicht glauben (Abbildung 1). Dabei rechnen 12,6 Prozent der Arbeitnehmer sogar sicher damit, die Pflegeversicherung nutzen zu müssen, während 45,7 Prozent eher damit rechnen. Umgekehrt glauben 35,8 Prozent der Arbeitnehmer eher nicht, dass sie Leistungen benötigen werden. Weitere 5,9 Prozent sind sich dessen sicher. Abbildung 1: Mehrheit der Arbeitnehmer hält spätere Pflegebedürftigkeit für wahrscheinlich Rechnen Sie damit, dass Sie selbst zukünftig Leistungen aus der Pflegeversicherung benötigen werden? Prozent der Arbeitnehmer Nein; 5,9 Ja; 12,6 Eher nein; 35,8 Eher ja; 45,7 Ein Vergleich soziodemografisch abgegrenzter Gruppen (Tabelle 2 im Anhang) zeigt darüber hinaus, dass der Anteil derjenigen, die mit einer zukünftigen Pflegebedürftigkeit rechnen, bei Männern höher ist als bei Frauen und mit steigendem Alter zunimmt. Fast zwei Drittel der Arbeitnehmer fühlen sich nicht ausreichend für den Pflegefall abgesichert Mit 35,6 Prozent fühlt sich etwas mehr als jeder dritte Arbeitnehmer für den Fall der Pflegebedürftigkeit hinreichend abgesichert (Abbildung 2). Darunter sind 6,7 Prozent, die voll zustimmen, und 28,9 Prozent, die eher zustimmen. Umgekehrt fühlen sich 64,4 Prozent, also Seite 7 von 13

8 nahezu zwei Drittel der Arbeitnehmer nicht hinreichend abgesichert: 13,6 Prozent stimmen überhaupt nicht zu, und 50,8 Prozent eher nicht. Abbildung 2: Pflegeabsicherung bei fast zwei Drittel der Arbeitnehmer unzureichend Fühlen Sie sich ausreichend für den Pflegefall abgesichert? Prozent der Arbeitnehmer Nein; 13,6 Ja; 6,7 Eher ja; 28,9 Eher nein; 50,8 Vergleiche zwischen Gruppen unter den Arbeitnehmern (Tabelle 3 im Anhang) verdeutlichen, dass sich insbesondere Arbeitnehmer mit Haupt- bzw. Volksschulabschluss, Frauen und 35- bis 49-Jährige nicht ausreichend abgesichert fühlen. Allerdings überwiegt der Anteil der Arbeitnehmer ohne hinreichende Absicherung in allen Gruppen in den genannten drei Gruppen ist der Überhang jedoch besonders groß. Pflege-Bahr für rund die Hälfte der Arbeitnehmer entscheidungsrelevant Für 52,0 Prozent der Arbeitnehmer ist die staatliche Förderung privater Pflegezusatzversicherungen in Höhe von monatlich fünf Euro für ihre Versicherungsentscheidung relevant (Abbildung 3). Allerdings stimmen dabei nur 10,1 Prozent voll zu, während 41,9 Prozent eher zustimmen. Im Umkehrschluss ist die staatliche Förderung für 48,0 Prozent irrelevant: 17,0 Prozent werden durch die Förderung überhaupt nicht beeinflusst und 31,0 Prozent eher nicht. Es zeigt sich also, dass die Arbeitnehmer hinsichtlich der Frage, ob die staatliche Förderung einen Einfluss auf ihre Versicherungsentscheidung hat, gespalten sind. Zwar besteht ein leichter Seite 8 von 13

9 Überhang derjenigen, für die die Förderung relevant ist. In dieser Gruppe ist allerdings auch der Anteil der unsicheren Einschätzungen besonders groß. Abbildung 3: Knappe Mehrheit von staatlicher Förderung beeinflusst Zukünftig werden private Pflegezusatzversicherungen mit monatlich fünf Euro vom Staat gefördert. Hat diese Förderung einen Einfluss auf Ihre Entscheidung, ob Sie eine solche Versicherung abschließen bzw. beibehalten? Prozent der Arbeitnehmer Nein; 17,0 Ja; 10,1 Eher nein; 31,0 Eher ja; 41,9 Wenn man die Arbeitnehmer in Gruppen unterteilt, zeigen sich insbesondere die folgenden Ergebnisse (Tabelle 4 im Anhang): Die staatliche Förderung ist für Arbeitnehmer mit Haupt- bzw. Volksschulabschluss besonders selten relevant. Dies ist auch die einzige nach dem Schulabschluss abgegrenzte Gruppe, in der der Anteil derjenigen überwiegt, die sich durch die Förderung nicht beeinflusst fühlen. Am größten ist der Anteil derjenigen, für die die Förderung relevant ist, bei Arbeitnehmern mit Realbzw. Oberschulabschluss. Der Anteil der Arbeitnehmer, für deren Versicherungsentscheidung die staatliche Förderung bedeutsam ist, nimmt mit steigendem Alter ab. Während bei 16- bis 24-Jährigen ein besonders großer Anteil von der Förderung beeinflusst wird, ist der Anteil bei 50- bis 65-Jährigen besonders gering. Seite 9 von 13

10 Tabellenanhang Tabelle 1: Zusammensetzung der Stichprobe Anzahl der Arbeitnehmer Altersgruppen Schulbildung Geschlecht Gesamt Männlich Haupt-/Volksschule Weiblich Gesamt Realschule/Polytechnische Oberschule Abitur/Fachhochschulreife Männlich Weiblich Gesamt Männlich Weiblich Gesamt Männlich Gesamt Weiblich Gesamt Seite 10 von 13

11 Tabelle 2: Mehrheit der Arbeitnehmer hält spätere Pflegebedürftigkeit für wahrscheinlich Rechnen Sie damit, dass Sie selbst zukünftig Leistungen aus der Pflegeversicherung benötigen werden? Prozent der Arbeitnehmer Ja Eher ja Eher nein Nein Gesamt Saldo ja/nein Gesamt 12,6 45,7 35,8 5,9 100,0 16,6 Schulbildung Haupt-/Volksschule 13,2 44,9 34,7 7,3 100,0 16,1 Realschule/Polytechnische Oberschule Abitur/Fachhochschulreife 12,7 43,1 38,8 5,4 100,0 11,6 12,0 49,4 33,4 5,2 100,0 22,8 Geschlecht Männlich 14,2 46,9 33,5 5,5 100,0 22,1 Weiblich 10,7 44,3 38,6 6,4 100,0 10,0 Altersgruppen ,6 33,3 45,0 9,0 100,0-8, ,3 41,1 34,5 7,1 100,0 16, ,1 47,4 35,8 4,7 100,0 19, ,9 51,5 32,8 5,7 100,0 22,9 Seite 11 von 13

12 Tabelle 3: Pflegeabsicherung bei fast zwei Drittel der Arbeitnehmer unzureichend Fühlen Sie sich ausreichend für den Pflegefall abgesichert? Prozent der Arbeitnehmer Ja Eher ja Eher nein Nein Gesamt Saldo ja/nein Gesamt 6,7 28,9 50,8 13,6 100,0-28,8 Schulbildung Haupt-/Volksschule 7,6 26,7 49,8 15,8 100,0-31,3 Realschule/Polytechnische Oberschule Abitur/Fachhochschulreife 5,7 30,7 49,9 13,7 100,0-27,2 7,1 28,8 52,8 11,3 100,0-28,2 Geschlecht Männlich 5,9 32,2 50,2 11,8 100,0-23,9 Weiblich 7,7 25,0 51,5 15,8 100,0-34,6 Altersgruppen ,3 34,2 46,8 12,6 100,0-18, ,1 35,0 45,2 11,7 100,0-13, ,9 25,1 55,1 14,9 100,0-40, ,8 28,2 49,6 13,4 100,0-26,0 Seite 12 von 13

13 Tabelle 4: Knappe Mehrheit von staatlicher Förderung beeinflusst Zukünftig werden private Pflegezusatzversicherungen mit monatlich fünf Euro vom Staat gefördert. Hat diese Förderung einen Einfluss auf Ihre Entscheidung, ob Sie eine solche Versicherung abschließen bzw. beibehalten? Prozent der Arbeitnehmer Ja Eher ja Eher nein Nein Gesamt Saldo ja/nein Gesamt 10,1 41,9 31,0 17,0 100,0 4,0 Schulbildung Haupt-/Volksschule 9,6 36,3 33,7 20,5 100,0-8,3 Realschule/Polytechnische Oberschule Abitur/Fachhochschulreife 11,6 45,3 28,0 15,1 100,0 13,8 8,9 43,3 31,9 16,0 100,0 4,3 Geschlecht Männlich 8,8 42,5 29,8 18,9 100,0 2,6 Weiblich 11,6 41,2 32,5 14,7 100,0 5,6 Altersgruppen ,9 50,5 25,2 14,4 100,0 20, ,2 48,7 27,4 13,7 100,0 17, ,8 41,4 34,0 14,9 100,0 2, ,7 34,0 31,3 24,0 100,0-10,6 Über das IW-Arbeitnehmervotum Für das IW-Arbeitnehmervotum werden vier Mal im Jahr Arbeitnehmer in Deutschland zu aktuellen wirtschaftlichen und politischen Vorgängen online befragt. Die Stichprobe der Arbeitnehmer zwischen 16 und 65 Jahren wird entsprechend der Verteilung in Deutschland nach Schulbildung, Geschlecht und Altersgruppen geschichtet. Nicht berücksichtigt werden Arbeitnehmer ohne Schulbildung. Konzipiert wird die Befragung von der IW Consult, einer Tochtergesellschaft des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Seite 13 von 13

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