Telefoninterviews mit beruflich qualifizierten Studieninteressierten. Zielgruppenanalyse im Rahmen des Projekts TUM Individual

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1 Telefoninterviews mit beruflich qualifizierten Studieninteressierten Zielgruppenanalyse im Rahmen des Projekts TUM Individual Erhebungsdesign: minütige, leitfadengestützte Telefoninterviews Themen: Bildungs- und Berufsbiographie, Studienmotivation, Studienformate 17 Interviews mit studieninteressierten beruflich Qualifizierten demographische Daten: - 8 weiblich, 9 männlich - Altersdurchschnitt 24,7 Alter Anzahl HZB durch Meister oder gleichgestellte Fortbildungsprüfung: 15 - HZB durch Berufsausbildung und anschließender Berufspraxis: 2 Charakteristik der Interviewten: Die Auswertung zeigt ein relativ homogenes Bild der beruflich Qualifizierten, die aufgrund eines Studienwunsches zu einem Beratungsgespräch an die TUM gekommen sind. Dies zeigen bereits die demographischen Daten: Die Interviewten BQI sind Mitte 20 (Mittel: 24,7), die meisten haben einen Meister oder eine gleichgestellte Fortbildungsprüfung absolviert. Auch in der Bildungsbiografie und der Motivation für ein Studium unterscheiden sie sich kaum: Bildungsbiografie Die Interviewten BQI haben in der Regel einen Realschulabschluss, zwei der Befragten haben einen Hauptschulabschluss und zwei haben das Gymnasium abgebrochen, aber mit dem Bestehen der 10. Klasse die Mittlere Reife erhalten. Nach dem Schulabschluss folgte jeweils die Berufsausbildung. Direkt anschließend oder nach einer kurzen Phase der Berufstätigkeit (1-4 Jahre) folgte dann die Weiterbildung zum Meister oder eine gleichgestellte Fortbildung. Diese

2 wurde von den Interviewten sowohl in Vollzeit als auch nebenberuflich absolviert. Spätestens während der Fortbildungszeit ist der Wunsch nach einem Studium entstanden. So folgte nach dem zweiten beruflichen Abschluss bei den meisten nur eine kurze Phase der Berufstätigkeit (1-3 Jahre), als Überbrückung der Zeit bis zum Studienbeginn. Drei der Interviewten haben versucht nach ihrer Ausbildung das Abitur nachzuholen, durch das Bayernkolleg, Telekolleg oder die BOS; alle haben aber wieder abgebrochen. Andere Interviewte haben zwischendurch noch zusätzliche Fortbildungsangebote wahrgenommen, wie fachspezifische Weiterbildungen oder Zusatzfortbildungen der IHK oder HWK. Während bei fast der Hälfte der Interviewten der Wunsch nach einem Studium während der letzten beruflichen Ausbildung (Meister oder ähnliche Fortbildung) entstand, bestand dieser Wunsch bei der anderen Hälfte der Interviewten schon seit der Ausbildungszeit. Diese haben gezielt darauf hingearbeitet ihre Hochschulreife zu erlangen, während bei den anderen erst mit der Möglichkeit des Hochschulzugangs als beruflich Qualifizierter die Idee eines Studiums entstanden ist. 13 der Interviewten kommen aus einem Elternhaus ohne Hochschulbildung. Studienmotivation Die interviewten BQI sind generell stärker intrinsisch als extrinsisch motiviert. Alle besitzen ein großes fachliches Interesse und die Motivation, sich Wissen anzueignen sowie Zeit und Geld in Bildung zu investieren. Auch die Aussicht auf ein besseres Gehalt und darauf, andere berufliche Positionen erreichen zu können, spielt eine Rolle, war aber bei keinem der Interviewten der ausschlaggebende Grund, ein Studium zu beginnen. Im Vordergrund steht eher der Wunsch nach Bildung und danach, Sachverhalte aus dem Berufsalltag auch theoretisch zu verstehen - meist hat sich das Studium dafür als die beste Weiterbildungsoption herausgestellt. Der Arbeitgeber war bei keinem der Interviewten in die Entscheidung für ein Studium involviert. Austausch mit Kollegen gab es dagegen schon. Kollegen, die sich nicht für ein Studium interessiert haben, wurden von den Interviewten als weniger motiviert eingeschätzt. Diese Kollegen haben sich oft schon mit der Meisterschule/Fortbildung schwer getan und diese nur aus finanziellen Gründen absolviert, aber kein tieferes Interesse an Weiterbildung gezeigt. Sie möchten lieber ihren Lebensstandard halten und sich in finanzieller Hinsicht nicht für ein Studium zurückschrauben müssen. Generell wurden die Interviewten durch ihr soziales Umfeld (Familie, Freunde, Partner) in ihrer Entscheidung unterstützt und oft auch beraten. Alle betonen aber, die Entscheidung selbst getroffen zu haben. Immer wieder wurde in den Interviews die Wichtigkeit des Austauschs mit Freunden oder Geschwistern, die studieren, für die Entscheidungsfindung betont. Gerade der Austausch mit Studierenden an der TUM hat zur Entscheidung für ein Studium an der TUM beigetragen. Zwei der Interviewten sind sich noch unsicher, an welcher Hochschule sie gerne studieren möchten und zwei der Interviewten haben sich gegen die TUM und für die Hochschule München entschieden. Diese gaben an, dass Fächerkombination und Praxisverknüpfung an der HM ihren Wünschen näherkommt, aber auch, dass sie ihre Chancen das Studium erfolgreich zu absolvieren, dort höher einschätzen. Die restlichen 13 Interviewten haben sich für ein Studium an der TUM entschieden.

3 Gründe der Interviewten für die TUM (nach Wichtigkeit): - Regionale Gebundenheit: keine Konkurrenzuni in der Umgebung - Guter Ruf der TUM: TUM gilt als renommierte Uni, mit guter Lehre, hohem Niveau und bei Arbeitgebern gern gesehenem Abschluss - Wissenschaftsorientierung der TUM, v.a. im Vergleich mit Fachhochschulen - Spezifisches Studienangebot: TUM bietet teilweise Studiengänge und Fächerkombinationen, die es an anderen Hochschulen nicht gibt - Pflichtauslandssemester Gründe gegen die TUM: - Studium an FHs praktischer, in kleineren Gruppen, bessere Betreuung, besserer Kontakt zu den Professoren, leichter - Studium an TUM ist dagegen schwieriger und nimmt mehr Zeit in Anspruch - an der FH wird mehr aus der Berufsausbildung anerkannt Oft wurde die Entscheidung für die TUM von den Interviewten aber auch nicht bewusst getroffen, so fanden nur in wenigen Fällen Vergleiche mit anderen Hochschularten oder mit Studienangeboten an anderen Universitäten statt. Ergebnisse Studienformate: Ein Teil des Interviews bezog sich auf verschiedene Studienformate, die zu einer Flexibilisierung des Studiums beitragen würden. Hier wurden die Meinungen und Einschätzungen der Interviewten abgefragt, die sich ebenso als recht homogen dargestellt haben. Es hat sich folgendes Meinungsbild gezeigt: Teilzeit und berufsbegleitend Zehn der Interviewten haben sich klar gegen ein Teilzeitstudium oder ein berufsbegleitendes Studium ausgesprochen, sieben würden wahrscheinlich diese Option für sich wählen, wenn ihr Wunschstudiengang im Teilzeitmodus angeboten werden würde. Generell haben die Interviewten in ihrer Argumentation nicht deutlich zwischen Teilzeitstudium und berufsbegleitendem Studium getrennt. Tendenziell wurde aber deutlich, dass ein berufsbegleitendes Studium weniger attraktiv erscheint als ein Teilzeitstudium. Zum einen aufgrund der höheren Kosten, zum anderen aber v.a. aufgrund der Doppelbelastung. Viele haben schon Erfahrung mit einer nebenberuflichen Weiterbildung gemacht und diese als sehr anstrengend empfunden. Für das Studium wünschen sich die Interviewten, sich mehr auf das Studium konzentrieren zu können, ohne von einer Berufstätigkeit abgelenkt oder eingeschränkt zu sein. Dies ist auch der Hauptgrund derjenigen Interviewten, für die eine Teilzeitoption nicht in Frage kommt. Sie möchten sich ganz auf ihr Studium konzentrieren und es lieber schneller als langsamer absolvieren, um auch bald wieder berufstätig sein zu können. Viele fühlen sich aufgrund ihres Alters unter Zeitdruck. Die Finanzierung des Studiums stellt für diese Interviewten kein großes Problem dar, meist besteht diese aus einer Kombination von Erspartem, Unterstützung durch die Eltern und Verdiensten aus geringfügiger Berufstätigkeit.

4 Diejenigen, die gerne in Teilzeit studieren wollen, sehen dagegen die Möglichkeit zu mehr Berufstätigkeit neben dem Studium als einen der größten Vorteile eines Teilzeitangebots. Für diese BQI stellt die Finanzierung des Studiums und des Lebensunterhalts durchaus eine Schwierigkeit dar. So wird das Teilzeitangebot von den Interviewten auch immer als besonders attraktiv für diejenigen Studierenden gesehen, die keine finanzielle Unterstützung erhalten und Kinder versorgen müssen. Generell wird ein Teilzeitstudium von allen Interviewten umso attraktiver eingeschätzt, je flexibler es gestaltet ist. Auch wenn Studieren in Teilzeit nicht für alle der Interviewten eine Option von Beginn des Studiums an darstellt, so fänden alle es gut, dieses Angebot während dem Studium als Möglichkeit zur Auswahl zu haben, falls durch unvorhergesehene Gründe weniger Zeit für das Studium zur Verfügung steht. Modulpakete Das Konzept der Modulpakete finden ohne Ausnahme alle Interviewten äußerst attraktiv und würden dieses Studienformat auch für sich in Betracht ziehen. Die Vorteile dieses Modells werden von den Interviewten überwiegend im Vorfeld eines Studiums gesehen: - Orientierung: Sagt der Studiengang zu? Ist es das Richtige zu studieren? - Eingewöhnung: ans Lernen gewöhnen; Studienorganisation kennenlernen - Vorbereitung: mehr Zeit um sich den Stoff anzueignen; Wissensniveau kennenlernen, sich darauf einstellen und vorbereiten Zum anderen sehen die Interviewten die Vorteile von Modulpaketen darin, das Studium schneller absolvieren zu können, indem man Module aus dem Master vorzieht. Gerade das Studium schnell absolvieren zu können und nicht unnötig in die Länge ziehen zu müssen, spielt für die Interviewten eine große Rolle. Von daher stellen Modulpakete im Master auch eine gute berufsbegleitende Option für sie dar. E-Learning Auch beim Thema E-Learning herrscht ein sehr homogenes Bild unter den Interviewten. Alle finden E-Learning als ergänzendes Angebot gut und wichtig, z.b. Vorlesungsaufzeichnungen, Online-Übungsmaterialien und -Skripten. Allerdings legt keiner der Interviewten wert auf einen starken Ausbau von E-Learning-Angeboten oder eine Ersetzung von Präsenzzeiten durch E- Learning-Elemente, denn allen ist der persönliche Kontakt zu Professoren, Dozenten und Kommilitonen im Studium sehr wichtig. Zum einen für den Austausch und gegenseitige Unterstützung, zum anderen auch als soziale Kontrolle, die zum Lernen anhält. Die Interviewten haben auch teilweise auch schon Erfahrungen mit Fernlernangeboten gemacht und dabei den mangelnden Kontakt als auch das hohe Maß an Eigeninitiative und Disziplin als die größten Probleme benannt. Zusammenfassend kann man sagen, dass E-Learning-Angebote als ergänzendes Angebot gewünscht werden, aber nicht als Alternative zu Präsenzveranstaltungen. Anrechnung Das Thema Anrechnung spielt bei den Befragten eine untergeordnete Rolle, sowohl für die Entscheidung ein Studium aufzunehmen, als auch für die Wahl des Studiengangs oder der Hochschule. Die Interviewten sehen Anrechnung durchaus positiv und wünschenswert, aber nicht als ausschlaggebenden Faktor, der eine Entscheidung beeinflussen würde. Vielmehr wird es als

5 Vorteil gesehen, Inhalte schon zu kennen und Vorwissen mit ins Studium zu nehmen. Dieses Vorwissen wird allerdings nur als Basiswissen eingeschätzt und eine Auffrischung und Vertiefung der Kenntnisse wird gewünscht. Dabei werden bekannte Inhalte gerne noch mal wiederholt. Propädeutikum Ein Teil der Interviewten wird als Vorbereitung auf den abzulegenden Mathe-Test bzw. auf das Studium, den angebotenen Mathe-Vorbereitungskurs an der TUM besuchen. Ein anderer Teil der Interviewten möchte sich eigenständig auf das Studium vorbereiten (mittels Lehrbücher und Hilfe durch Freunde und Verwandte, die das Studienniveau kennen) oder erst bei Bedarf im Studium Nachhilfe nehmen. Ein weiterer Teil der Studierenden ist noch auf der Suche nach einem geeigneten Vorbereitungskurs. Diese Interviewten wünschen sich einen intensiveren Vorbereitungskurs, als den an der TUM gebotenen. V.a. im Fach Mathematik herrscht Nachholungsbedarf. Hier wünschen sich die meisten der Interviewten einen Kurs, mit dem sie das Abitur-Niveau nachholen können. Neben Mathematik wird die Vorbereitung auch in den Fächer Chemie und Physik gewünscht. Gewünscht wurde von den Interviewten zudem eine studiengangsspezifische Vorbereitung in diesen Fächer, die auf die besonderen Anforderungen und Schwerpunkte des jeweiligen Studiengangs Rücksicht nimmt. Weiterhin sehen die Interviewten den Kontakt und Austausch mit anderen BQI, die sich bereits im Studium befinden als hilfreich an, um etwas über die Studienorganisation und die Schwerpunkte im Studiengang erfahren zu können und angeleitet zu werden. Mentoring-Programme werden stark gewünscht. Von der Studienberatung der TUM haben sich die Interviewten gut beraten und gut informiert gefühlt. Teilweise wünschen sie sich aber längere Vorlaufzeiten und eine bessere Information über Fristen und Prozesse. Gerade für berufstätige Studieninteressierte stellt der recht kurzfristige Bescheid über den Erhalt eines Studienplatzes ein großes Problem dar, ebenso die oft kurzfristige Vorbereitungsphase auf den Englisch- sowie Mathetest.

6 Zusammenfassung der Ergebnisse: Intrinsische Motivation zum Studium: Wunsch nach Weiterbildung. Eigenständige Entscheidung zum Studium, aber Unterstützung durch das Umfeld, oft auch finanziell. Finanzierung des Studiums durch Erspartes, Unterstützung durch die Eltern, geringfügige Nebentätigkeit. Meist nur eine kurze Phase der Berufstätigkeit zwischen beruflicher Ausbildung und Studienbeginn. Entscheidung für die TUM aufgrund des Standorts, der guten Reputation, dem spezifischen Studiengangsangebot. Vollzeitstudium wird einem Teilzeitstudium bzw. einem berufsbegleitendem Studium vorgezogen. Modulpakete erscheinen sehr attraktiv, sowohl im Vorfeld eines Studiums als auch nach dem Bachelor. E-Learning-Elemente werden als ergänzendes Angebot gewünscht, aber nicht als Alternative zum Präsenzstudium. Das Thema Anrechnung ist bei der Entscheidung für ein Studium, einen Studiengang oder eine Hochschule wenig relevant. Studiengangsspezifische Vorbereitungskurse und Mentoringprogramme werden gewünscht.

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