Auswertung der freiwilligen Dokumentation Sozialpsychiatrische Dienste in Baden-Württemberg

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1 Auswertung der freiwilligen Dokumentation 2012 Sozialpsychiatrische Dienste in Baden-Württemberg

2 Datengrundlage: Über 95 Prozent der Dienste in Baden-Württemberg haben sich an der Auswertung der freiwilligen Dokumentation der Sozialpsychiatrischen Dienste in 2012 beteiligt.

3 Kernaussagen der Auswertung (1): Sprunghafter Anstieg der Nachfrage Die Nachfrage nach Hilfen durch die Sozialpsychiatrischen Dienste ist in 2012 stark gestiegen. Lag die Gesamtzahl der Hilfeanfragen in den Sozialpsychiatrischen Diensten 2011 bei Klienten, so stieg sie im Jahr 2012 auf Klienten. Dies entspricht einer Steigerung von 11,4%. Die Nachfrage steht im Zusammenhang eines bundesweiten Trends, der seit Jahren eine Zunahme bei der Behandlung von psychischen Erkrankungen aufzeigt.

4 Kernaussagen der Auswertung (2): Erhebung des Förderbeitrags des Landes Baden-Württemberg Das Land hat dankenswerterweise seinen Förderbeitrag im Jahre 2012 verdoppelt. Kommunen und Land beteiligen sich nun jeweils mit einer annähernd gleichen Pauschale (19.400,- ) an der Finanzierung eines Leistungskontingents. Ein Leistungskontingent entspricht pauschal der Arbeitskapazität einer vollzeitbeschäftigten Fachkraft. Durch den erhöhten Zuschuss des Landes konnten in einzelnen Diensten das Personal zwar erhöht werden. Allerdings hat sich durch die erhöhte Nachfrage die Belastung der Fachkräfte nicht wesentlich verringert. Auch in 2012 lag die Anzahl zu beratender Klienten pro Fachkraft bei 114 Personen.

5 Kernaussagen der Auswertung (3): Leistungsbereich Grundversorgung 88,9% der Klienten nahmen die Leistungen der Grundversorgung in Anspruch; 6,4% die Leistungen der Soziotherapie. Dies entspricht mit 95% der Gesamtleistung eines Sozialpsychiatrischen Dienstes. Betreutes Wohnen und andere vom Dienst erbrachten Leistungen sind dagegen minimal und treten in den Hintergrund. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Grundversorgung das wesentliche Leistungselement der Sozialpsychiatrischen Dienste ist. Soziotherapie, als die von den Krankenkassen finanzierte Leistung, ist mit 6,4% aller Klienten auf einem zu geringen Niveau.

6 Kernaussagen der Auswertung (3) Leistungsbereich Grundversorgung Beratung und Betreuung von Betroffenen vor und nach einer stationären Behandlung Ansprechpartner für das soziale Umfeld der Klienten (Angehörige, Nachbarn, Freunde, Arbeitgeber etc.) Planung und Koordination von Einzelfallhilfen Planung und Koordination von Hilfen im GPV Information, Auskunft und Vermittlung (Clearingstelle) Feststellung des Hilfebedarfs, Hilfeplanung und Hilfeprozessplanung

7 Kernaussagen der Auswertung (3) Leistungsbereich Grundversorgung Sicherstellung der materiellen Grundversorgung Kurzzeitbetreuungen, Langzeitbetreuungen Soziale Krisenintervention Fallbezogene psychiatrische Fachberatung Aufsuchende, nachgehende und begleitende Hilfen Erbringung der Kassenleistung Soziotherapie

8 Kernaussagen der Auswertung (4): Schwierige Lebenslage psychisch kranker Menschen Familienstand: Ledig 50,7% Geschieden 21,8% Verheiratet 16,0% Vergleich zu 53% der Erwachsenen in BaWü Alter: Jährige 9,3% Jährigen 20,1% Jährigen 54,4% Über 60 Jahre 15,0% Frauen 1149 Männer 588

9 Kernaussagen der Auswertung (4): Schwierige Lebenslage psychisch kranker Menschen Einkommensverhältnisse: Erwerbs-/ Berufstätigkeit 8,8% Gesamtbevölkerung 77,8% in BaWü EU-/Berufsunfähigkeitrente 29,5% ALG II 21,3% Hauptzuweisungswege: Psychiatrisches Krankenhaus 18,2% Eigeninitiative Klient/-in 15,9% Nachbarn / Angehörige 10,0% niedergl. Facharzt 9,8%

10 Kernaussagen der Auswertung (4): Schwierige Lebenslage psychisch kranker Menschen Diagnosen: Schizophrenie 40,6% Affektive Störungen 30,8% Persönlichkeits, Verhaltensstörungen 10,7% Gleichzeitig bestehende weitere Problematik: Behandlungsbedürftig körperl. Erkrankung 31,7% Behandlungsbedürftige Suchtproblematik 12,6%

11 Kernaussagen der Auswertung (4): Schwierige Lebenslage psychisch kranker Menschen Der größte Teil der psychisch kranken Menschen, die durch den Sozialpsychiatrischen Dienst begleitet werden, leben in relativer Armut. Sie haben sehr geringe Chancen durch eine Beschäftigung ihre Lebenssituation selbst entscheidend zu verbessern. Psychisch kranke Menschen profitieren auch nicht von der allgemeine guten Beschäftigungsquote. Eine aktuelle Studie der Universität Leipzig macht deutlich, dass insgesamt die Akzeptanz für psychiatrische Behandlungen gestiegen ist, dies aber auf die Haltung gegenüber Betroffenen sich nicht übertragen hat. Psychisch kranke Menschen leiden massiv unter gesellschaftlichen Stigmatisierungstendenzen. Sie haben diesbezüglich nur sehr eingeschränkte gesellschaftliche Teilhabechancen.

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