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2 Kollegen, Vereinskameraden, Ärzte die Frage an mögliche Tröster. Also muss diese Frage ergänzt werden um die Frage, die der Tröstende stellt: Was kann ich für den anderen, für den Trauernden tun? Es ist die Leitfrage, der wir nachgehen wollen. Warum ist sie so wichtig? Weil für Trauernde die Beziehungen zu den Menschen um sie herum wichtig sind auch wenn sie nicht immer reden, nicht überall dabei sein und einfach einmal allein sein wollen. Und weil Trauernde diese Unterstützung von außen suchen. Sie haben einen großen Verlust, einen tiefen Schmerz erlitten. Das, was ihnen widerfahren ist, möchten sie anderen mitteilen. Sie möchten ihren Schmerz ausdrücken dürfen. Sie möchten das auf ihre ganz eigene Art und Weise und zu einem Zeitpunkt tun dürfen, der stimmt für

3 sie. Es ist diese einfühlsame Unterstützung, nach der Trauernde so oft suchen, eine Unterstützung, die ihre individuellen Bedürfnisse respektiert. Sie wünschen sich diesen Beistand auch wenn sie diesen Wunsch oft nicht formulieren können.»ich hätte einfach nur jemanden gebraucht, der sich für fünf Minuten zu mir setzt und für mich da ist«, vertraut eine Frau einer Hospizbegleiterin an. Halten wir also fest: Es geht in dieser Perspektive nicht um den einzelnen trauernden Menschen, sondern um die Beziehung von Trauernden zu Menschen, die ihnen beistehen wollen. Es geht um eine tröstende Beziehung. Diese Perspektive wendet ihren Blick nicht vom trauernden Menschen ab, aber sie nimmt zusätzlich die Beziehung des Trostes in den

4 Blick. Sie weitet sich von der Trauer zum Trost. Denn in der Trauer ist der Mensch alleine, zum Trost gehören aber immer mindestens zwei Menschen. Es braucht den Blick auf den Tröster damit die Sehnsucht und die Suche des Trauernden nicht ins Leere laufen. Trauer sucht Trost. Trauernde brauchen Tröstende, Menschen, die ihnen beistehen. Deshalb wird in diesem Buch viel vom Trost die Rede sein. Wer trauert, ist also nicht allein. Sicherlich, seine Trauer und seinen Schmerz muss er selbst durchstehen. Er muss alleine mit seiner Trauer zurechtkommen, mit dem Verlust, womöglich mit dem Verlust desjenigen Menschen, den er am meisten geliebt, der ihn am meisten geliebt hat. Und der nun nicht mehr da ist. Er muss seine Trauer selbst verarbeiten. Aber da sind so viele Menschen, die ihm dabei helfen können,

5 weil sie ihm beistehen. Menschen, die trösten. Wer trauert, ist nicht allein? Wo aber sind sie denn, die Tröster? Sind da wirklich so viele, die noch da sind, wenn es darauf ankommt? Die zu einem Gespräch bereit sind? Die die Trauer des anderen, sein Klagen aushalten, es er-tragen? Und was ist er wert, ihr Trost? Die vielen schönen Worte, sind sie nicht billig zu geben? Wahrer Trost, kann den ein Mensch wirklich spenden? Und jemand, der trösten will, wo findet der Hilfe und Unterstützung? Wo findet er eine Bestätigung: Ja, es ist gut, dass ich jetzt etwas sage, etwas tue, und sei es nur eine kleine Geste? Denn da ist immer diese Unsicherheit. Was tut man zum Beispiel, wenn man in der Zeitung die Todesanzeige für den Vater der Nachbarin liest? Vielleicht istes so: Der

6 Verstorbene hat ein hohes Alter erreicht, hat nach allem, was man aus den Gesprächen und Plaudereien mit ihm oder seiner Tochter weiß, ein doch gutes, erfülltes Leben geführt. Da fällt es wahrscheinlich relativ leicht, der Nachbarin das Beileid auszusprechen, vielleicht sogar, sich mit ihr in einem längeren Gespräch auszutauschen. Vielleicht ist es aber auch ganz anders. Was ist, wenn die Zeitung nicht den Tod des Vaters, sondern des Sohnes anzeigt? Für diese Situation angemessene Worte oder andere Möglichkeiten der Unterstützung zu finden, ist sicherlich sehr schwer. Und man ist ganz schnell bei den ganz tiefen Fragen: Welchen Sinn hat so ein Schicksalsschlag? Gibt es einen Gott, der das wollen kann? Warum müssen wir leiden? Das Gespräch mit der trauernden Nachbarin droht sehr, sehr schwer zu werden. Das Beispiel zeigt: Es wäre gut, wenn man Vorbilder dafür hätte, wie man sich in einer solchen Situation verhalten kann, Vorbilder dafür, wie man Trauernden begegnen, ihnen helfen, wie Trost gelingen kann.

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