Soziale Sicherheit für Übersetzerinnen und Übersetzer

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1 Soziale Sicherheit für Übersetzerinnen und Übersetzer 6. Schweizerisches Symposium vom 12. September 2014 Referat von Yolanda Schweri, Rechtsanwältin

2 Risiken für Einkommensverlust Unfall / Krankheit Arbeitslosigkeit Militärdienst Mutterschaft Invalidität Alter Todesfall

3 Vorsorge: 3-Säulen-Prinzip 1. Säule 2. Säule 3. Säule Staatliche Vor- Berufliche Vor- private Vorsorge sorge sorge Existenz- Gewohnte Individuelle Sicherung Lebenshaltung Ergänzung AHV/IV BVG 3a / 3b (EL) (UVG) Merkblätter zu Versicherungszweigen, Leistungen und Beiträgen finden sich auf

4 Selbständige / Arbeitnehmer Kriterien für Selbständigkeit - Arbeiten unter eigenem Namen - auf eigene Rechnung - in unabhängiger Stellung - auf eigenes wirtschaftliches Risiko - mehrere Auftraggeber Kriterien für Arbeitnehmer-Eigenschaft - Weisungsgebundenheit - Eingliederung in fremde Arbeitsorganisation - Präsenzpflicht, Bindung an Arbeitszeiten - Bereitstellen von Arbeitsmaterial durch Arbeitgeber

5 Beispiele Selbständig sein kann z.b. die Tätigkeit: Übersetzer eines Romans im Auftrag eines Verlages; Übersetzerin von wissenschaftlichen Texten für verschiedene Auftraggeber; Übersetzer von Werbetexten über eine Vermittlungsagentur oder das Internet Arbeitnehmer sein können z.b.: Ständige Übersetzerinnen für wissenschaftliche oder Sachtexte für einen oder wenige Arbeitgeber, Dozentin an einer Fachhochschule; ständiger Übersetzer von Formularen und Reglementen für eine Versicherung; dramaturgische Tätigkeit für ein Stadttheater Entscheidend sind nicht die vertraglichen Bezeichnungen, sondern die wirtschaftlichen Verhältnisse in jedem Einzelfall! Informationen: AHV-Merkblatt Nr. 2.02,

6 UVG - Unfallversicherung Berufsunfallversicherung: Obligatorisch für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer! Prämien werden vom Arbeitgeber bezahlt. Nichtberufsunfallversicherung (NBU): Obligatorisch für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die mindestens 8 Stunden pro Woche bei einem Arbeitgeber beschäftigt sind. Prämien werden in der Regel vom Arbeitnehmer bezahlt. Beiträge: Hängen von den Versicherungsgesellschaften und von der Branche ab (Risikoberufe sind teurer). NBU-Beiträge bewegen sich um die 2% vom Bruttolohn. Selbständigerwerbende: Keine obligatorische Versicherungspflicht. Infos zur obligatorischen UVG: Merkblatt Nr. 6.05

7 UVG - Leistungen Taggelder bei Lohnausfall (80% des versicherten Lohnes; der maximal versicherbare Jahreslohn beträgt CHF ) Invalidenrente (wenn eine dauerhafte Invalidität verbleibt); massgebend ist der konkrete Grad der Invalidität; eine Rente wird ab einem IV-Grad von 10% bezahlt. Heilungskosten Achtung: wer längere Zeit keinen Arbeitgeber (und damit keine Unfallversicherung) hat, muss den Unfall unbedingt bei seiner Krankenkasse einschliessen!

8 Krankentaggeldversicherung Kein Versicherungsobligatorium in der Schweiz! Arbeitgeber können für ihre Mitarbeiter freiwillig eine Krankentaggeldversicherungen abschliessen. Leistungen: in der Regel Taggelder in Höhe von 80% des Lohnes, maximal 2 Jahre lang Prämien werden in der Regel hälftig von Arbeitgeber und Arbeitnehmer bezahlt Selbständigerwerbende: Können freiwillig Taggeldversicherungen abschliessen. Achtung: Einzelversicherungen sind erheblich teurer als Kollektiv-Versicherungen (bei Arbeitgebern, ggf. über einen Berufsverband erhältlich)

9 ALV - Arbeitslosenversicherung Versichert sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Selbständigerwerbende können sich nicht versichern, auch nicht freiwillig! Anspruch erst, wenn innerhalb der letzten zwei Jahre vor Anmeldung mindestens 12 Monate gearbeitet wurde (Beitragszeit) Achtung: Für Angehörige von Berufen mit häufig wechselnden oder befristeten Anstellungen (u.a. künstlerische Berufe) werden die ersten 60 Tage eines befristeten Engagements doppelt gezählt! Leistungen: Arbeitslosentaggelder (70% - 80% vom Lohn), Arbeitsvermittlung, evtl. berufliche Massnahmen Beiträge: 2,2% vom Bruttolohn (je ½ von Arbeitnehmer und Arbeitgeber) Weitere Informationen:

10 EO/MSV Erwerbsersatzordnung und Mutterschaftsversicherung EO: Erwerbsersatz bei Militärdienstpflicht für Rekruten, Erwerbstätige und Nichterwerbstätige gibt es unterschiedliche Taggeldansätze für die Dienstzeit, vgl. Merkblatt Nr. 6.01, Mutterschaftsversicherung (Merkblatt Nr. 6.02, Anspruch: selbständig und unselbständig erwerbstätige Frauen Voraussetzungen: Mindestens 9 Monate vor Geburt obligatorisch versichert (wie AHV, also in der Schweiz wohnhaft und/oder erwerbstätig) In dieser Zeit mindestens 5 Monate erwerbstätig (Versicherungszeiten in EU/EFTA-Staaten werden ebenfalls berücksichtigt) Leistungen: Taggeld von 80% des vorherigen Lohnes (max. CHF 196 pro Tag) während max. 14 Wochen (Achtung: wird eine Erwerbstätigkeit ganz oder teilweise wieder aufgenommen, endet der Anspruch!)

11 AHV: Grundlagen Versicherte: Alle in der Schweiz erwerbstätigen und/oder wohnhaften Personen Leistungen im Alter (Frauen: 64, Männer: 65 Jahre): Altersrente (Kinderrenten für Kinder bis 18 oder in Ausbildung bis 25) Die Höhe der Rente ist abhängig von der Anzahl der Beitragsjahre und vom durchschnittlich versicherten Lohn während des gesamten Erwerbslebens. Berücksichtigt werden auch Erziehungs- und Betreuungsgutschriften; Einkommen von Verheirateten werden gesplittet. Eine volle Rente der AHV (maximale Beitragsdauer) beträgt je nach Lohnhöhe monatlich mindestens CHF 1 170, höchstens CHF Leistungen bei Tod (Hinterbliebenenrenten, Waisenrenten)

12 IV-Grundlagen Leistungen bei Invalidität: - Wiedereingliederungsmassnahmen (u.a. medizinische Massnahmen, berufliche Massnahmen wie Umschulung oder Arbeitsvermittlung - Hilfsmittel - Renten (Invalidenrenten, Kinderrenten); je nach Invaliditätsgrad: Viertelsrente (IV-Grad 40-49%) Halbe Rente (IV-Grad 50-69%) Ganze Rente (IV-Grad %) - Maximale IV-Rente: CHF Hilflosenentschädigungen für AHV- oder IV-BezügerInnen, die in mehreren Lebensbereichen eingeschränkt sind

13 1. Säule Beiträge Angestellte: AHV 8.4% IV 1.4% EO 0.5% Total: 10.3% (je ½ Arbeitgeber und Arbeitnehmer) Ausnahme: geringfügige Löhne unter CHF müssen nur abgerechnet werden, wenn der Arbeitnehmer dies ausdrücklich verlangt. Achtung: Gewisse Arbeitgeber müssen ab dem ersten Franken abrechnen! Tanz-/Theaterproduzenten, Orchester, Phono-/AV-Produzenten, Radio und Fernsehen, Schulen im künstlerischen Bereich Selbständige: AHV 7.8% IV 1.4% EO 0.5% Total: 9.7% Bei Jahreseinkommen unter CHF gilt eine abnehmende Beitragsskala (von 9.202% bis 5.223%); unter CHF muss grundsätzlich der Mindestbeitrag von CHF 480. bezahlt werden. Ausnahme: geringfügige Einkommen aus Nebenerwerb unter jährlich CHF sind nicht pflichtig.

14 2. Säule: BVG Berufliche Vorsorge ergänzt die erste Säule AHV/IV Altersleistungen (Altersrente, Kinderrenten), i.d.r. abhängig vom angesparten Alterskapital bei der Pensionierung Hinterlassenenleistungen (Partnerrente, Kinderrenten) Invalidenleistungen (Invalidenrente, Kinderrenten), je nach Pensionskasse abhängig von der Höhe des Alterskapitals oder vom versicherten Lohn

15 BVG - Obligatorium Obligatorisch ist die Versicherung in einer Pensionskasse nur für ArbeitnehmerInnen, die: eine unbefristete Anstellung haben oder für eine Dauer von mindestens 3 Monaten engagiert sind; und einen Jahreslohn von mindestens CHF erzielen (bei unterjährigen Arbeitsverhältnissen wird der Lohn aufs Jahr hochgerechnet) Infos zur Anschlusspflicht: Merkblatt Nr. 6.06

16 Freiwillige Versicherung Für ArbeitnehmerInnen Wer häufig wechselnde und/ oder befristete Anstellungen hat, kann sich selber bei einer Pensionskasse versichern. Beteiligung der Arbeitgeber ist dann obligatorisch, wenn: - der Arbeitgeber im Voraus über die Versicherung informiert wurde - der Arbeitnehmer mit all seinen verschiedenen Engagements insgesamt mehr als CHF pro Jahr verdient Für Selbständigerwerbende Möglichkeit, sich bei einer Pensionskasse seines Berufsverbandes zu versichern. Alternative: Stiftung Auffangeinrichtung BVG. Vorausgesetzt ist also eine Mitgliedschaft bei einem Berufsverband, der eine Pensionskassenlösung anbietet Beiträge: Werden vollumfänglich vom Selbständigerwerbenden bezahlt. Beiträge sind steuerlich abzugsfähig!

17 Vorsorgeangebote des AdS PK Musik und Bildung Pläne für Mehrfachbeschäftigte und Selbständigerwerbende Wahlmöglichkeit für höhere oder tiefere Sparbeiträge Invalidenrente: 50% vom versicherten Verdienst Versicherung ab dem 1. Franken möglich Verzinsung der Alterskapitalien: 3.5% (Jahr 2014) Deckungsgrad: 105% Infos: PK Buch Ein Plan für Selbständigerwerbende Invalidenrente: 40% vom versicherten Verdienst Versicherung ab Jahreseinkommen von möglich Verzinsung der Alterskapitalien: 2.5% (Jahr 2013) Deckungsgrad: % Infos:

18 Gebundene Vorsorge: Bei Beendigung des Anstellungsverhältnisses wird die Versicherung aufgelöst; das angesparte Alterskapital wird als Freizügigkeitsleistung entweder an eine neue Vorsorgeeinrichtung überwiesen oder auf einem Freizügigkeitskonto parkiert. Vorbezug ist nur in engen Grenzen möglich: Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit Bezug für Wohneigentum Wegzug ins (Nicht-EU)Ausland

19 3. Säule: Private Vorsorge Säule 3a: gebundene Vorsorge bei: - einer Versicherung (inkl. Risikoversicherung von Tod und/oder Invalidität) - einer Bank (reines Sparen) Beiträge an die Säule 3a sind wie folgt steuerlich abzugsfähig: - bei Erwerbstätigen ohne 2. Säule: jährlich 20% des Netto- Erwerbseinkommens, maximal aber CHF bei Erwerbstätigen mit einer 2. Säule: maximal CHF pro Jahr. Säule 3b: Private Lebens- und ggf. Risikoversicherung, nicht gebunden und ohne steuerliche Privilegierung

20 2. Säule / 3. Säule Vor- und Nachteile der verschiedenen Vorsorgemöglichkeiten hängen von der individuellen Situation ab und sind für jeden Einzelfall zu klären, vor allem bei Selbständigerwerbenden, die keinem Obligatorium unterstehen. Unterschiede ergeben sich z.b. bei folgenden Faktoren: Steuerliche Aspekte Versicherungsbedarf /-möglichkeiten Flexibilität, Anpassungsmöglichkeiten Verzinsung, Anlagerisiken Kosten

21 EL - Ergänzungsleistungen Für Bezüger von AHV/IV-Renten Jährliche Ergänzungsleistungen, falls die Rente, allfälliges weiteres Einkommen und der anrechenbare Vermögensverzehr nicht ausreichen, um die minimalen Lebenskosten zu decken Vergütung von Krankheits- und Behinderungskosten (falls nicht bereits durch eine andere Versicherung zu vergüten) EL werden von den Kantonen ausgerichtet; es gibt deshalb auch kantonale Unterschiede Infos: Merkblätter Nr und 5.02

22 Obligatorische Sozialversicherungen Für Arbeitnehmer AHV IV EO/MSV ALV UVG (NBU) BVG (für alle: Krankenkasse) Für Selbständige AHV IV EO/MSV (für alle: Krankenkasse)

23 Internationale Koordination Versicherungsunterstellung (Schweiz/EU/EFTA): Grundsatz: Erwerbstätige Personen unterstehen dem Sozialversicherungssystem eines einzigen Landes! Rechtsgrundlagen: Freizügigkeitsabkommen (FZA) Schweiz-EU Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 (gilt weiterhin im Verhältnis CH-EFTA-Staaten) Verordnung (EG) Nr. 883/2004 (gilt seit dem 1. April 2012 im Verhältnis Schweiz- EU-Staaten) Verordnung (EU) Nr. 465/2012 (ändert die VO 883/2004 in einigen Punkten ab) in der Schweiz noch nicht in Kraft Achtung: Die Verordnungen sehen eine Übergangsfrist von 10 Jahren vor: Bei unveränderten Verhältnissen kann die bisherige Unterstellung noch während 10 Jahren beibehalten werden.

24 Unterstellung ArbeitnehmerInnen Grundsatz: Erwerbsort Wer in einem Land wohnt und in einem anderen Land arbeitet, ist grundsätzlich den Sozialversicherungen des Erwerbslandes unterstellt. Bei Tätigkeit in mehreren Staaten: Grundsatz: Wohnstaat Wenn in mehreren Staaten für verschiedene Arbeitgeber gearbeitet wird (mit oder ohne Arbeitgeber im Wohnland), erfolgt die gesamte Versicherungsunterstellung im Wohnland. Achtung: Sobald die Verordnung 465/2012 auch in der Schweiz in Kraft tritt, ist das Wohnland nur noch dann zuständig, wenn die verschiedenen Arbeitgeber alle ausserhalb des Wohnlandes sind. Ansonsten ist dasjenige Land zuständig, in dem die wesentliche Beschäftigung erfolgt. Ausnahme: Erwerbsstaat Wenn nur für einen Arbeitgeber (in mehreren Ländern) gearbeitet wird, ist derjenige Staat zuständig, in dem der wesentliche Teil (mind. 25%) der Beschäftigung ausgeübt wird. Dies kann natürlich auch das Wohnland sein.

25 Unterstellung Selbständige Grundsatz: Erwerbsort Selbständigerwerbende sind dort versichert, wo sich der Mittelpunkt ihrer Tätigkeit befindet. Das kann natürlich auch der Wohnstaat sein. Der Wohnstaat ist also nur dann auch der Ort der Versicherungsunterstellung, wenn dort der wesentliche Teil (mind. 25%) ihrer selbständigen Tätigkeit erfolgt.

26 Unterstellung AN / SE Grundsatz: Land der unselbständigen Tätigkeit Egal wo die selbständige Tätigkeit stattfindet, und unabhängig davon, ob sie Haupt- oder Nebentätigkeit ist: Die Unterstellung erfolgt in dem Land, wo die unselbständige Tätigkeit ausgeübt wird. Wenn in mehreren Ländern unselbständig gearbeitet wird, gelten die Koordinationsregeln für Unselbständige. Infos: (Faktenblatt Neue EU-Verordnungen)

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