EU-Zuwanderung: eine Chance für alle?

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1 EU-Zuwanderung: eine Chance für alle? Auftaktveranstaltung EU-Zuwanderung Integrationschancen und Herausforderungen, Diakonisches Werk Hamburg, 30. Juni 2016 Vesela Kovacheva Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI)

2 Drei Aspekte Merkmale der EU-Zuwanderung: Ausmaß und soziodemographische Struktur Situation in den Herkunftsländern: Wirtschaft, Demographie und Gesellschaft Situation in Deutschland: Arbeitsmarkt Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Seite 2

3 I. Merkmale der EU-Zuwanderung Migration von Unionsbürgern nach Deutschland ( ) ,3% aller Zuzüge 56,0% aller Fortzüge Saldo Zuzüge Fortzüge Quelle: Statistisches Bundesamt Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Seite 3

4 Nettomigration von Unionsbürgern nach Herkunftsregionen ( ) EU-14 EU-10 EU-2 EU insgesamt Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Seite 4

5 Die größten Herkunftsländer: Polen, Rumänien und Bulgarien Zuwachs % BG +517% RO +154% PL 9% % 8% 7% % % 6% 5% 4% 3% 2% % Bulgaren Rumänen Polen Bulgaren, in % aller Ausländer Rumänen, in % aller Ausländer Polen, in % aller Ausländer 0% Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Seite 5

6 Merkmale der EU-Zuwanderung Mehrheitlich integrationsfördernde Merkmale der Unionsbürger Bedürftige und Hilfesuchende als Begleiterscheinung Hohe Flexibilität der Mobiltät Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Seite 6

7 II. Situation in den Herkunftsländern Demographische Entwicklung In % Bulgarien 8,9 Mio 7,5 Mio 7,2 Mio - 1,7 Mio - 20% Rumänien 23,1 Mio 21,1 Mio 19,8 Mio - 3,2 Mio - 14% Polen 37,8 Mio 38,1 Mio 38,0 Mio + 121, ,3% Auswanderung verstärkt das demographische Problem (Alterungsprozesse und Bevölkerungsrückgang) Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Seite 7

8 Wirtschaftliche Situation 2015 BIP in KKS (Index) Arbeitslosenquote Mindestlohn Bulgarien 46 9,2% 184,07 Euro Rumänien 57 6,8% 217,50 Euro Polen 69 7,5% 409,53 Euro Deutschland 125 4,6% 1.473,00 Euro Armut und soziale Ausgrenzung 48,0% 40,4% 25,8% 20,3% Sozio-ökonomische Lage als treibender Faktor der Mobilität Arbeitslosigkeit und Armut entgegenwirken Arbeitskräftemangel verschärfen Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Seite 8

9 Gesellschaftliche Entwicklungen Wachsende regionale Ungleichgewichte zwischen Regionen Stark gefährdete Gruppen in der Gesellschaft Rücküberweisungen:Verringerung von Armut, Investitionen in Bildung und Unternehmen Bulgarien: 1,8% (2004) auf 4,3% (2012) des BIP Rumänien: 2,3% (2001) auf 4,5% (2009) des BIP Polen: 2,0 (2008) des BIP Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Seite 9

10 III. Situation der EU-Zuwanderer auf dem deutschen Arbeitsmarkt Beschäftigungsquote in Prozent ( ) Balkan 42,5 45,3 Kriegs- und Krisenländer 17 26,7 EU4 EU8 EU2 EU insgesamt Ausländer 53,9 53,8 47,8 46,4 51,3 48,8 49,6 48,4 43,8 45, Insgesamt Quelle: IAB-Zuwanderungsmonitor , eigene Darstellung Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Seite 10

11 Arbeitslosenquote in Prozent ( ) Balkan 16,8 17 Kriegs- und Krisenländer 37,9 43,8 EU4 EU8 EU2 EU insgesamt Ausländer Insgesamt 11 11,4 10,1 10,8 11,3 10,6 10,1 10,4 14,8 14,8 7,2 7, Quelle: IAB-Zuwanderungsmonitor , eigene Darstellung Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Seite 11

12 Mermale der Beschäftigung Wirtschaftszweige: überproportional in bestimmten Sektoren (Leiharbeit, sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen, Gast- und Baugewerbe) Anforderungsniveau: viele als Helfer, aber auch als Fachkräfte Entlohnungsstruktur: viele im Niedriglohnsektor, schlechter entlohnt als Deutsche Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Seite 12

13 Problemfeld: prekäre Beschäftigung Verletzung von arbeitsrechtlichen Mindeststandards als Zeichen prekärer Beschäftigung Besonders betroffene Beschäftigungsformen: Entsendung, grenzüberschreitende Leiharbeit, Scheinselbstständige, Werkvertragsbeschäftigte Besonders betroffene Branchen: Baugewerbe, Gebäudereinigung, Schlachtindustrie, Pflege Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Seite 13

14 Verletzung von arbeitsrechtlichen Mindeststandards: Umfragen in Berlin (2011) und Hamburg (2013) sonstige Verletzung Drohung mit Kündigung bei Krankheit keinen bezahlten Urlaub 5% 6% 6% gefährliche Arbeiten ohne Schutzvorrichtungen oder Schutzkleidung leisten Lohn für mehr als einen Monat nicht erhalten Lohn für einige Tage nicht erhalten umfangreiche unvereinbarte Überstunden 12% 15% 17% 17% Arbeit ohne Vertrag und Sozialversicherungen 31% Betroffene von Rechtsverletzung 42% 45% 0% 5% 10% 15% 20% 25% 30% 35% 40% 45% 50% Menschen mit bulgarischem Hintergrund in Hamburg, 2013 (n=349) Albanisch- und bulgarischsprachige Migranten in Berlin, 2011 (n=140) Quelle: Kovacheva (im Erscheinen), Kovacheva und Vogel (2012) Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Seite 14

15 Arbeitsrechtlichter Informationsbedarf von Unionsbürgern: Umfrage in Berlin (2011) Wissen über Mindeststandards in Deutschland: nur 28% kannten alle sechs Rechte Unterstützungsmöglichkeiten: ein Drittel kannte mindestens eine Beratungsstelle Umgang mit Rechtsverletzung: 9% der potentiell Betroffenen und 36% der tatsächlich Betroffenen Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Seite 15

16 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Vesela Kovacheva Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Seite 16

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