Kunstwissenschaften. Bachelorabschluss wird häufig als Zwischenschritt angesehen

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1 Die Befragung zeigt, dass es für die Kunstwissenschaftler/innen keine Standardvariante für den Berufseinstieg gibt. Sie verteilen sich im Jahr nach dem Studienabschluss sehr breit über die verschiedenen Beschäftigungsbereiche. Für den Berufsbereich, in dem die Kunstwissenschaft - ler/innen später arbeiten, ist es auch entscheidend, in welchen konkreten Masterprojekten sie während des Studiums engagiert waren und in welchen Tätigkeitsfeldern ausserhalb der Universität sie während des Studiums Praxiserfahrungen gesammelt haben. In Bezug auf die Beschäftigungssituation lässt sich feststellen, dass die Kunstwissenschaftler/innen mehr Probleme beim Berufseinstieg haben als die Neuabsolvent/innen aller universitären Studienfächer insgesamt. Dabei sind sie ein Jahr nach Studienabschluss nicht besonders häufig stellenlos und auf der Suche nach einer Erwerbstätigkeit, sie müssen aber deutlich mehr Energie aufwenden, um eine Stelle zu finden, die ihren Vorstellungen entspricht, als die Gesamtheit der Neuabsolvent/ innen UH. Ebenfalls sind sie häufiger von inadäquater Beschäftigung betroffen. Kennzeichnend für die Beschäftigungssituation der Kunstwissenschaftler/innen ist, dass Teilzeit arbeit die Regel ist. Das ohnehin schon geringere Jahreseinkommen verringert sich dadurch noch mehr, wenn es nicht auf eine Vollzeitstelle hochgerechnet wird und liegt dann nur noch bei Franken. Tabelle 1: Kennzahlen der Stichprobe (n=96) (in Prozent) Geschlecht Männer 18 Frauen 82 Universität Basel 6* Bern 26 Freiburg 2** Genf 11* Lausanne 14 Neuenburg 3** Zürich 38 Bachelorabschluss wird häufig als Zwischenschritt angesehen Tabelle 2: Kennzahlen Bachelorabsolvent/innen (n=27) (in Prozent) Kunstwissen schaften Übertritt ins Masterstudium Von den 27 Bachelorabsolvent/innen der sind 2011 insgesamt 66 Prozent in ein Masterstudium übergetreten. Als Gründe für die Aufnahme eines Masterstudiums gaben jeweils rund 80 Prozent an, dass der Bachelorabschluss nur ein Zwischenschritt sei bzw. dass sie mit einem Masterabschluss die Berufschancen erhöhen wollen. Bei denjenigen, die (noch) kein Masterstudium aufgenommen haben, handelt es sich um eine Gruppe von weniger als zehn Personen. Aussagen darüber sind deshalb kaum möglich. Ebenso kann aufgrund dieser kleinen Gruppe nicht die Aussage gemacht werden, wonach Kunstwissenschaftler/innen generell seltener einen Masterabschluss anstreben. Zwei Jahre zuvor traten zum Beispiel sämtliche Bachelorabsolvent/innen der in ein Masterstudium über. Die erste Stelle nach dem Studium SDBB, Bern, 2013 Die hier publizierte Auswertung stützt sich auf die Erhebung der Gesamtstudie: Bundesamt für Statistik BFS, Befragung der Hochschulabsolvent/innen, Abschlussjahrgang Mehr zur Befragung:

2 Von den Beschäftigungszahlen her gesehen ist die Situation eher ungünstig Tabelle 3: Kennzahlen Beschäftigungslage (in Prozent) Kunstwissen schaften Schwierigkeiten bei der Stellensuche Studium als gute Grundlage für den Berufseinstieg betrachtet Weiterbildung nach Studienabschluss begonnen Für die Absolvent/innen der gibt es keine Standardlaufbahn. Es betrachten auch nur gerade 28 Prozent ihr Studium als gute Grundlage für einen Berufseinstieg. Vielmehr sehen sie das Studium als gute Grundlage für ihre persönliche Entwicklung, 91 Prozent stimmen dieser Aussage zu. Zwei Drittel der befragten Kunstwissenschaftler/innen geben an, dass sie bei der Suche nach einer Stelle, die ihren Vorstellungen entspricht, auf Schwierigkeiten gestossen seien. Bei diesen zwei Indikatoren schneiden die Kunstwissenschaftler/innen deutlich schlechter ab als die Gesamtheit der Neuabgänger/innen UH. Vergleicht man den Anteil der Kunstwissenschaftler/innen mit Problemen bei der Stellensuche mit dem Anteil der Geisteswissenschaftler/innen ins gesamt, so stossen Kunstwissenschaftler/innen eher häufiger auf Schwierigkeiten bei der Stellensuche. Unter den Geisteswissenschaftler/innen insgesamt sind es 51 Prozent, die entsprechende Angaben machen. Dies ist natürlich auch darauf zurückzuführen, dass für Kunstwissenschaftler/innen seltener das Lehramt eine Laufbahnoption ist. Über 90 Prozent der Kunstwissenschaftler/innen, die auf Schwierigkeiten bei der Stellensuche ge stossen sind, führen als Grund für die Probleme den Umstand an, dass es für Absolvent/innen ihres Fachs zu wenig Stellen gäbe. Abbildung 1: Schwierigkeiten bei der Stellensuche (in Prozent) Bezüglich Erwerbszahlen hat sich die Situation für die Kunstwissenschaftler/innen im Vergleich zu 2009 etwas entschärft. Insgesamt sind 84 Prozent erwerbstätig. Zu beachten ist jedoch, dass insgesamt ein Drittel der jungen Kunstwissenschaftler/innen mehr als eine Stelle innehat. Tabelle 4: Kennzahlen Erwerbssituation (in Prozent) erwerbstätig stellensuchend Stelle zugesichert Erwerbsverzicht ** 7* * 2** 8*

3 Dass der Weg zur ersten Stelle nach dem Studium bei den Kunstwissenschaftler/innen ein relativ steiniger ist, zeigt auch die Zahl der Bewerbungen, die die Absolvent/innen schreiben müssen, um eine Stelle zu finden. Bei der Gesamtheit der Neuabsolvent/innen UH sind es durchschnittlich fünf, bei den Kunstwissenschaftler/innen deren neun. Die Geisteswissenschaftler/innen müssen sich generell häufiger durchschnittlich achtmal bewerben als andere. Wie bei allen Neuabsolvent/innen UH üblich, spielt das Internet bei der Stellensuche eine grosse Rolle: 29 Prozent finden ihre Stelle über Online-Inserate. Weitere 35 Prozent kommen über Professor/innen oder Assistierende, über Personen, die sie im Zusammenhang mit einer Studienerwerbstätigkeit kennengelernt haben, oder über persönliche Beziehungen zu einer Anstellung. Weiterbildung ist für gut 40 Prozent der Kunstwissenschaftler/innen ein Thema: Ein Jahr nach Studienabschluss haben 42 Prozent mit einer Weiterbildung begonnen. Am häufigsten wird ein Doktorat angestrebt, 28 Prozent aller Kunstwissenschaftler/innen ist 2011 nach dem Masterabschluss am Doktorieren. Abbildung 2: Anteil Stellensuchende (in Prozent) 6* Beschäftigungsbereiche breit gestreut Die Masterabsolvent/innen der verteilen sich im Jahr nach dem Studium relativ breit über das ganze Spektrum von Beschäftigungsfeldern. Ein für sie typisches Gebiet lässt sich nicht identifizieren. Im häufigsten Fall arbeiten sie in den Bereichen der privaten Dienstleistungen (Planungsbüros, Handel, Banken etc.) und der Information und Kultur dort meist in Museen. Abbildung 3: Beschäftigungsbereiche (in Prozent) Hochschule 17 Schule 12* Rechtswesen 2** Information und Kultur Private Dienstleistungen Öffentliche Dienste Kirchlicher Dienst Verbände und Organisationen 2** 8* 9* Von den Berufsbezeichnungen her verorten sie sich am häufigsten als Kunstwissenschaftler/innen, nennen Unterrichts- und Bildungsberufe oder Dienstleistungsberufe. Daneben gibt es aber auch viele Nennungen, die auf wenige Personen zutreffen, wie kaufmännische Berufe, leitende Beamt/innen sowie Berufe des Handels und Verkaufs.

4 Tabelle 5: Kennzahlen Berufsbezeichnungen (in Prozent) Berufe der Sozial-, Geistes- und Naturwissenschaften 22 Berufe des Unterrichts und der Bildung 17 Dienstleistungsberufe ohne weitere Angaben 17 Von den Wirtschaftsbereichen her gesehen sind die Kunstwissenschaftler/innen erwartungsgemäss sehr stark auf den staatlichen Bereich ausgerichtet. 56 Prozent arbeiten im öffentlichen Dienst, eine Situation, die deutlich werden lässt, dass der Kulturbereich eine Domäne des Staats bleibt. Häufiger inadäquate Beschäftigung Trotz Schwierigkeiten beim Berufseinstieg sind Kunstwissenschaftler/innen nicht häufiger als andere Geisteswissenschaftler/innen an Stellen beschäftigt, die nichts mit dem Studium zu tun haben jeweils 19 Prozent haben eine solche Stelle inne. Unter der Gesamtheit der Neuabgänger/innen UH ist dieser Anteil natürlich tiefer (11 Prozent). Insgesamt sind 22 Prozent der Kunstwissenschaftler/innen an Stellen beschäftigt, für die kein Hochschulabschluss vorausgesetzt wurde. Dieser Anteil ist bei den Neuabsolvent/innen UH mit 15 Prozent ebenfalls tiefer, entspricht aber dem Wert der Geisteswissenschaftler/innen (24 Prozent). Trotzdem sind vergleichsweise viele inadäquat beschäftigt: Wegen Schwierigkeiten bei der Stellensuche musste ein Viertel in eine Tätigkeit einsteigen, die ihrem Ausbildungsniveau nicht angemessen ist das sind mehr als doppelt so viele wie bei den Neuabsolvent/innen UH insgesamt. Der Anteil jener, die bezogen auf ihre berufliche Position, die übertragenen Aufgaben oder die im Studium erworbenen fachlichen Qualifikationen adäquat beschäftigt sind, ist um jeweils 15 bis 20 Prozent kleiner als unter den Neuabsolvent/innen UH insgesamt. Abbildung 4: Kein inhaltlicher Bezug zwischen Studium und jetziger Tätigkeit (in Prozent) Teilzeitarbeit ist die Regel befristete Projektstellen sind häufig 80 Prozent der Kunstwissenschaftler/innen sind teilzeitlich beschäftigt, Vollzeitstellen scheint es kaum zu geben. Befristete Beschäftigungen bilden die Mehrheit. Dies, weil das Gros in einem nichtgewinnorientierten Beschäftigungsfeld arbeitet. Neben Stellen an Hochschulen sind auch Engagements in der staatlichen Verwaltung und bei nicht gewinnorientierten privaten Institutionen oft befristet bzw. an befristete Projekte gebunden. Die Einkommenssituation ist etwas ungünstiger als für die Neuabsolvent/innen UH insgesamt. Mit Franken Jahreseinkommen verdienen sie rund Franken weniger als der Durchschnitt. Berücksichtigen wir, dass die überwiegende Mehrheit Teilzeit arbeitet, verschärft sich die Situation: Das nicht auf eine Vollzeitstelle hochgerechnete Einkommen beträgt Franken, das entspricht einem Monats einkommen von knapp 3500 Franken. Häufig ist die Teilzeitbeschäftigung nicht freiwillig gewählt: 53 Prozent geben als Grund dafür an, dass sie keine Vollzeitstelle gefunden hätten.

5 Tabelle 6: Kennzahlen Anstellungsbedingungen (in Prozent) Jahresbruttoeinkommen 1 (in Franken) Zufriedenheit mit Einkommen: Anteil Zufriedene Anteil Teilzeitbeschäftigte (Pensum < 90 Prozent) Anteil befristet Angestellte Hochschulabschluss für jetzige Tätigkeit verlangt Nein Ja, im entsprechenden Fach Ja, auch in verwandten Fächern Ja, aber ohne spezifische Fachrichtung 2** 10 1 Als statistisches Mittel wurde der Median verwendet. Die Einkommen der teilzeitlich beschäftigten Personen wurden auf 100 Prozent hochgerechnet. Rückblickend trotz Schwierigkeiten zufrieden mit der Studienwahl Trotz allen Schwierigkeiten beim Berufseinstieg sind die Kunstwissenschaftler/innen rückblickend betrachtet mit ihrer Studienwahl ähnlich zufrieden wie die Gesamtheit der Neuabgänger/innen UH. 70 Prozent würden wiederum dasselbe Studium an der gleichen Hochschule wählen. Tabelle 7: Kennzahl Rückblick (in Prozent) Rückblickend betrachtet nochmals dasselbe Studium wählen 70 72

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