Empirische Studie. Platform-as-a-Service Zukunft der deutschen Software-Industrie? Im Auftrag von

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1 Empirische Studie Platform-as-a-Service Zukunft der deutschen Software-Industrie? Im Auftrag von Dr. Carlo Velten, Steve Janata, Max Hille Mai

2 Inhaltsverzeichnis Executive Summary... 3 Platform-as-a-Service Softwareentwicklung im Cloud-Zeitalter... 4 Methodik und Stichprobe... 8 Cloud-Transformation deutscher Softwarehäuser PaaS: Chancen vs. Risiken Technologielandschaft und Entwicklungsszenarien PaaS im Praxiseinsatz Die Zukunft des deutschen Software-Marktes Ausblick Über Crisp Research Über PIRONET NDH Über die Autoren Kontakt Copyright Crisp Research

3 Executive Summary Deutsche Softwarehäuser (ISVs) befinden sich 2014 mitten in der Cloud-Transformation. Die Cloud-Transformation teilt die deutsche Softwarebranche in Leader und Laggards. Während 24Prozent schon substanzielle Cloud-Umsätze verzeichnen, haben sich 16Prozent dem Thema bislang verschlossen. Die Nachfrage der Anwender nach moderner und flexibler Software ist einer der wesentlichen Beweggründe für die Cloud-Transformation der Softwareanbieter seien es klassische ISVs, Startups oder Entwickler von Individualsoftware. Für die deutschen Softwarehäuser ist Cloud ein zentraler Wachstumstreiber. So erwarten mehr als die Hälfte der ISVs einen Cloud-Anteil am Neugeschäft von 60 Prozent für die kommenden Jahre. Durch den Einsatz von Platform-as-a-Service wollen die ISVs vornehmlich ihre Entwicklungs- und Geschäftsprozesse beschleunigen und professionalisieren. Für derzeit 16 Prozent der ISVs sind moderne PaaS- Umgebungen fester Bestandteil der Entwicklungs- und Testprozesse. Das Thema ist 2014 allerdings hochaktuell. So befinden sich derzeit 33 Prozent der deutschen ISVs in der konkreten Evaluierungs- und Entscheidungsphase für PaaS. Public Cloud Plattformen sind für deutsche Softwarehäuser nicht die geeignete Betriebsplattform. Diese ziehen mehrheitlich (68 Prozent) PaaS in einem Hosting- Betriebsmodell vor. Bei der Auswahl an Cloud-Entwicklungs- und Betriebsplattformen sind den ISVs ein ISO-zertifiziertes, lokales Rechenzentrum sowie flexible, nutzungsabhängige Bezahlmodelle wichtig. Crisp Research

4 Platform-as-a-Service Softwareentwicklung im Cloud- Zeitalter Im Jahr 1999 dem Gründungsjahr von Salesforce.com war noch nicht absehbar, dass die Bereitstellung von Unternehmenssoftware über das Internet ein Erfolgsmodell werden könnte. Mit über 3 Milliarden US Dollar Umsatz 2013 hat Salesforce den Beweis angetreten, das Software-as-a-Service ein wachstumsträchtiges Geschäftsmodell für Softwarehäuser sein kann. Unter dem Begriff Cloud Computing hat sich in den letzten Jahren eine Reihe von strukturellen Trends vollzogen, die sich maßgeblich auf die Entwicklung, Bereitstellung und Vermarktung von Software auswirkt. Trend #1 Digitale Transformation Im Rahmen der Digitalen Transformation stehen in nahezu allen Branchen die Geschäftsprozesse und modelle auf dem Prüfstand. Es stellt sich in vielen Unternehmen die Frage, wie die eigenen Unternehmensprozesse softwareseitig abgebildet und optimiert werden können. Dies bietet für Softwarehäuser mit modernen, flexiblen Lösungen (SaaS) vielfältige Chancen für die etablierten Anbieter traditioneller Lösungen stellt die digitale Transformation eine echte Bedrohung dar. Egal ob im Hotelwesen, der Gastronomie oder Dienstleistungsbereich Software-as-a-Service ist auf dem Vormarsch. Trend #2 Mobiles Internet Was sich vor 2 Jahren noch als Phänomen für wenige ausgesuchte Anwender darstellte, ist heute Standard die mobile Nutzung von Unternehmensanwendungen auf Tablets, Smartphones und anderen mobilen Devices. Softwarehäuser müssen seit kurzem in Crisp Research

5 der Lage sein, ihre Lösungen und Services so zu entwickeln, dass sie auf einer Vielzahl von Endgeräten, Browsern und Betriebssystemen fehlerfrei lauffähig sind. Dies wirft nicht nur hinsichtlich Entwicklung und Test, sondern auch in Bezug auf den Betrieb der Anwendungen echte Herausforderungen für die Softwarehäuser auf. Trend #3 Agilität und User Experience Unter dem Schlagwort Time-to-Market wird häufig die Anforderung an ISVs zusammengefasst, ihre Release-Zyklen zu verkürzen und Updates mit innovativen Features schneller als bisher gewohnt bereitzustellen. Hier wächst gerade für lokale Softwarehäuser der Druck aufgrund der Innovationsgeschwindigkeit der globalen Cloud-Anbieter wie Salesforce, Google & Co. Auch spielt die User Experience mittlerweile eine große Rolle. Denn nur wenn die Nutzer neue Lösungen akzeptieren (einfache Bedienbarkeit, ansprechendes Design, hohe Performance) und gerne bedienen, lassen sich nachhaltig profitable Umsätze erzielen. Im SaaS-Zeitalter wird schnell transparent, ob eine Software ein Erfolg oder Misserfolg ist. In diesem Sinne ist die Cloud gnadenlos. Schlechte Software wird schnell aussortiert. Trend #4 Bereitstellung & Verfügbarkeit Der Umbruch vom klassischen On-Premise- und Lizenzgeschäft hin zum Cloud-Modell liegt nicht nur in der Entwicklung und Architektur begründet (Stichwort: Multi-Mandantenfähigkeit), sondern maßgeblich im Betrieb der Software. Während Softwarehäuser sich in der Vergangenheit nur bedingt mit dem Betrieb ihrer Lösung auseinandersetzen mussten (Verantwortung meist beim Kunden oder Partner), wird dies im SaaS-Modell zu einem entscheidenden Faktor. Denn das Betriebskonzept und die zugrundeliegende Infrastruktur machen einen wesentlichen Teil der Performance und somit der Kundenzufriedenheit aus. Die technische Komplexität kann hier fast exponentiell anwachsen, wenn Softwarehäuser verschiedene Lösungen nicht nur lokal, sondern global bereitstellen wollen. Crisp Research

6 Die Auswirkungen dieser strukturellen Trends auf die Softwarehäuser sind vielfältig. Für alle aber gilt, dass eine Beschäftigung mit dem Thema Cloud eine strategische Angelegenheit ist, die man nicht länger aufschieben kann. Zudem gehen mit der Cloud-Entscheidung hohe Investitionen einher, die wohl überlegt sein wollen. Darüber hinaus beschäftigt viele Softwarehäuser die Frage, wie sich die eigenen Entwicklungs- und Geschäftsprozesse neu gestalten lassen, um den Anforderungen des Cloud-Zeitalters zu begegnen. In diesem Kontext spielen die sogenannten Platform-as-a-Service- Umgebunden (PaaS) eine wichtige Rolle. Diese bieten ISVs die Möglichkeit große Teile ihrer Entwicklungs- und Betriebsprozesse zu professionalisieren und agiler zu gestalten. So bieten die PaaS- Plattformen Möglichkeiten weite Teile des Application Lifecycles zu automatisieren und zu beschleunigen. Die deutsche Software-Industrie steht vor einem nie da gewesenen Umbruch. Um die Digitale Ökonomie aktiv mitbeschreiten zu können, ist eine gut strukturierte Cloud-Transformationsstrategie unerlässlich. Zwar existieren PaaS-Plattformen schon seit geraumer Zeit (Heroku 2007, Google AppEngine 2008, Microsoft Azure Pack 2009). Da diese bislang nur als reine Public Cloud Services aus US- Rechenzentren zur Verfügung standen, wurden sie von deutschen Softwarehäusern nur sehr zaghaft genutzt. Nach einem substanziellen Reifeprozess auf Technologieseite in den letzten 24 Monaten und der Möglichkeit, die PaaS-Technologien (z.b. OpenShift, Azure, CloudFoundry) auch in flexiblen, lokalen Betriebskonzepten zu nutzen (z.b. Hosting bei lokalem Provider oder On-Premise im eigenen RZ), werden diese nun auch für deutsche ISVs interessant. Crisp Research

7 Die deutschen Softwarehäuser stecken mitten in der Cloud- Transformation. Doch Vorbereitung und Umsetzung driften weit auseinander. Cloud wirkt derzeit wie eine Zentrifugalkraft, die für Gewinner und Verlierer in der deutschen Software-Landschaft sorgt. Der anstehende Umbruch vom traditionellen Softwarehaus zum Cloud Provider bedeutet gerade für deutsche ISVs nicht nur Chancen, sondern auch eine Reihe an Entscheidungen auf Investitions-, Technologie- und Organisationsseite. Um die Beweggründe der ISVs und ihre konkreten Herausforderungen zu verstehen sowie ein repräsentatives Bild der Cloud-Transformation deutsche Softwarehäuser zu zeichnen, hat Crisp Research im Auftrag von Pironet NDH die folgende Studie durchgeführt. Diese liefert erstmals empirische Ergebnisse zu den konkreten Einsatz-Szenarien und Planungen von PaaS auf Seiten der deutschen Softwarehäuser und gibt Einblicke in die konkrete Umsetzung deren Cloud-Transformation. Crisp Research

8 Methodik und Stichprobe Im Fokus dieser Studie steht eine empirische Untersuchung des derzeitigen Planungsstands deutscher ISVs und Softwarehäuser zum Thema Platform-as-a-Service. Crisp Research hat im Auftrag von Pironet NDH 83 deutsche Softwarehäuser im Zeitraum von Februar bis April 2014 zu diesem Thema befragt. Die Interviews wurden in Form einer standardisierten Online-Befragung sowie von Expertengesprächen durchgeführt. Befragte Entscheider und Zielgruppen der ISVs Der Fokus dieser empirischen Erhebung liegt auf den jeweiligen Entscheidern auf strategischer beziehungsweise auf technologischer Ebene. So sind 46 Prozent der Befragten die Geschäftsführer oder Vorstände der Softwarehäuser. Weitere 44 Prozent sind Chief Technology Officer (CTO) oder Leiter der Entwicklungs- oder Strategieabteilung. Um einen möglichst repräsentativen Eindruck zum derzeitigen Status Quo und den Planungen der deutschen Softwarehäuser zum Thema Platform-as-a-Service zu gewinnen, wurden Unternehmen verschiedener Größen befragt. Zwei Drittel der befragten deutschen Softwarehäuser beschäftigen weniger als 50 Mitarbeiter. Crisp Research

9 Der Median der Unternehmensgröße dieser Stichprobe beträgt 43,5 Mitarbeiter. Nur drei Prozent der befragten Unternehmen haben über 100 festangestellte Mitarbeiter. Der Fokus der Marktbearbeitung der befragten deutschen Softwareunternehmen liegt eindeutig auf dem Mittelstand, so haben knapp 50 Prozent der Anbieter ihr Portfolio auf die Bedürfnisse des Mittelstands zugeschnitten. Ein Viertel aller befragten Unternehmen richtet sich primär auf die Anforderungen von Selbstständigen und kleinen Unternehmen aus. Rund jeder fünfte Softwareanbieter (21 Prozent) entwickelt und vertreibt Softwarelösungen für Großunternehmen. Crisp Research

10 Branchenfokus Die Befragten haben maßgeblich die deutsche Industrie (37 Prozent) im Fokus ihrer Entwicklungs- und Vertriebsbemühungen. Dicht dahinter folgt die Branche des Groß- und Einzelhandels, für welche fast jedes dritte Softwarehaus (30 Prozent) gezielt Lösungen entwickelt. Gemessen an der Wertschöpfung der einzelnen Branchen im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen sind Banken, Versicherungen sowie der öffentliche Sektor stark unterrepräsentiert. Jedes vierte Softwarehaus gab im Rahmen der Befragung an, Software ohne speziellen Branchenfokus zu entwickeln. Crisp Research

11 Cloud-Transformation deutscher Softwarehäuser Wir schreiben mittlerweile das Jahr acht in Sachen Cloud Computing. Aus kleinen, anfangs belächelten Start Ups wie zum Beispiel Salesforce sind mittlerweile Milliardenkonzerne geworden, mit Marktkapitalisierungen, die zum Teil höher liegen als die von globalen Industriekonzernen. Große, etablierte Softwarehersteller wie SAP kämpfen seit Jahren mit der eigenen Transformation und haben es nur mit enormem Aufwand geschafft Teile ihres Geschäftes zukunftsfähig zu machen. Das Gros der deutschen Softwarehäuser hat es bisher versäumt die eigene Strategie auf das kommende Cloud-Zeitalter anzupassen. Die Gründe hierfür sind vielfältig und zum Teil auch nachvollziehbar. So ist es für ein mittelständisches Softwarehaus ein enorm hoher Investitionsaufwand und damit verbundenes Risiko, bestehende Software neu zu entwickeln und den Marktgegebenheiten anzupassen. Dennoch erscheint es unter den gegebenen Marktumständen unerlässlich sich den Realitäten anzupassen. Leistungsportfolio Bei der Aufteilung der Umsätze wird sichtbar, dass eine extrem hohe Abhängigkeit von replizierbaren Software- bzw. SaaS- Umsätzen besteht. So tragen diese Umsätze durchschnittlich zu 46 Prozent zum Geschäftserfolg bei. Damit ist dies nach wie vor die tragende Säule im Geschäft der Softwarehersteller. Dieser Trend wird sich mit der weiteren Verbreitung von Cloud Computing und SaaS-Modellen tendenziell weiter verstärken, da Cloud-basierte Software weniger Individualisierungsspielraum lässt und damit auch weniger Umsätze in diesem Bereich erzielt werden können. Deshalb erscheinen Investitionen in diesem Bereich als unumgänglich. Crisp Research

12 26 Prozent der Umsätze werden durchschnittlich mit der Entwicklung individueller Software auf Projektbasis erwirtschaftet. Zum Teil sind dies auch individuelle Anpassungen von bestehender Standardsoftware innerhalb der Kundenbasis. Auch der Bereich Integration und Consulting ist ein wichtiger Teil im Umsatz-Mix deutscher Softwarehäuser, immerhin wird dort mehr als jeder fünfte Euro erwirtschaftet. Dies zeigt die Notwendigkeit auch in entsprechende Skills und Mitarbeiterfähigkeiten im Bereich Cloud Computing und SaaS zu investieren. Denn es ist evident, dass die zukünftigen SaaS-basierten Lösungen einen extrem hohen Integrations- und Consultingbedarf in der Kundenbasis generieren werden. Zwischen Evaluation und Umsetzung Die Ergebnisse der Befragung zeigen, welch große tektonischen Verwerfungen mittlerweile ausgelöst durch Cloud Computing in der Software-Landschaft wirken. Während fast ein Viertel (24 Prozent) aller befragten Softwareunternehmen bereits über ein existierendes Cloud Business verfügen und somit auch über Umsätze in diesem Bereich, haben sich 16 Prozent noch nicht einmal mit diesem Thema beschäftigt. Crisp Research

13 Mehr als jedes vierte Softwarehaus (28 Prozent) befindet sich aktuell in der Analyse- und Evaluierungsphase potenzieller Technologien und Plattformen. Das bedeutet, dass noch viel Bewegung im Markt hinsichtlich der zukünftigen Vorherrschaft einzelner Technologien und Plattformen herrscht. Es ist als mitnichten so, dass einzelne Technologieanbieter sich schon heute als Sieger oder auch als Verlierer fühlen könnten. Fast jedes dritte deutsche Softwarehaus ist sogar schon einen Schritt weiter, bedeutet konkret, in der strategischen Planung des Business Case bzw. in der Test- und Prototypingphase, sei es mit oder ohne Pilotkunden. Die Studie zeigt, dass die meisten Softwareunternehmen die Relevanz des Themas offenbar erkannt haben und den Wandel aktiv gestalten. Crisp Research

14 Cloud Computing ist für ISVs ein strategisches Paradigma Unterstützt wird die Cloud-Transformation der Softwareunternehmen auch durch die eigenen Kunden. Etwa 60 Prozent der befragten Unternehmen nehmen eine verstärkte Nachfrage nach Cloud-basierten Software Services aus der Kundenseite wahr. Dies verdeutlicht noch einmal, dass die Digitalisierung der Geschäftsprozesse in den Unternehmen sich zunehmend beschleunigt. Software-as-a-Service wird aber auch von fast zwei Dritteln (66 Prozent) der befragten Unternehmen als Wachstumschance verstanden, mittels derer sich neue Geschäftsmodelle etablieren lassen. Auch sehen viele befragte Softwarehersteller (28 Prozent) in cloud-basierten Softwarelösungen die große Chance sich Zugang zu neuen Märkten zu verschaffen, sei es geografisch oder innerhalb neuer Kundengruppen. Nahezu jedes fünfte Unternehmen schätzt die eigene Lage relativ pragmatisch ein und begründet die eigene Transformation mit technischen Anforderungen, die mit der alten Crisp Research

15 Softwarearchitektur schlichtweg nicht mehr abgedeckt werden können. Wenig Druck erfahren deutsche Softwarehäuser allerdings von Seiten der eigenen Partner. Lediglich knapp 14 Prozent gaben dies als Grund für ihre Transformationsbestrebungen an. Cloud als zentraler Treiber für das Neugeschäft Wie wichtig eine erfolgreiche Transformation für die deutschen Softwarehäuser tatsächlich ist, lässt sich an dem geplanten Neugeschäft in diesem Bereich ablesen. Fast jedes fünfte Unternehmen (18 Prozent) plant in den nächsten drei Jahren über 50 Prozent der Umsätze im Neugeschäft über cloud-basierte Modelle zu realisieren. Fast jedes vierte Unternehmen (23 Prozent) plant einen Anteil am Neugeschäft in einer Spanne von 21 bis 50 Prozent über Cloud Computing zu realisieren. Dies verdeutlicht noch einmal die potenziellen Wachstumschancen, die sich aus diesem Modell ergeben, aber auch den extrem hohen Erfolgsdruck unter dem die Softwarehäuser stehen. 37 Prozent der befragten Softwarehäuser sehen die Möglichkeit über SaaS-basierte Angebote kleinere Teile ihrer Umsätze (10 bis 20 Prozent) zu erzielen. Crisp Research

16 Die Kunst wird darin bestehen, Cloud Computing und die notwendigen Ressourcen sukzessive neben dem bestehenden Angebot aufzubauen, um langfristig eine Co-Existenz von On- Premise-Software, klassischen Supportdienstleistungen und einer eigenen Cloud-Sparte zu etablieren. Deutsche Softwarehäuser nehmen sich dem Wandel an. Fast alle berücksichtigen das Thema Cloud Computing schon heute bei der strategischen Planung. Bereits mittelfristig nehmen erste Umsätze massiv Einfluss auf das Neugeschäft. Fast alle Workloads sind cloud-kompatibel Für die Umsetzung konkreter Produktkategorien im SaaS-Modell zeigt sich, dass die Softwarehäuser nur wenige Einschränkungen sehen. Die Studie zeigt, dass fast alle abgefragten Kategorien zukünftig häufiger im Cloud-Modell angeboten werden als es derzeit der Fall ist. E-Commerce Software im SaaS Modell steht sinnbildlich für die anstehende Transformation. Heute werden etwa 15 Prozent der E-Commerce Software im SaaS-Modell bereitgestellt. Zukünftig soll sich dies stark ändern. So werden gemäß der Planung der befragten Softwareunternehmen mehr als 80 Prozent der E- Commerce Applikationen aus der Cloud geliefert. Darunter sind auch gänzlich neue Angebote, welche die Softwarehäuser erst initial in das Portfolio aufnehmen werden. Auch andere Produktkategorien wie die Cloud-Vorreiter Mobile Applications und Collaboration-Lösungen werden heute im Rahmen der Neuentwicklung ohnehin oftmals als reiner Cloud-Service angeboten. Im Umfeld solcher Lösungen kann das SaaS-Modell mit einem Abrechnungsmodell nach Nutzer pro Monat und einem schnellen on-boarding innerhalb der User-Verwaltung seine Stärken ausspielen. Crisp Research

17 Auch bei Softwarelösungen, die heute nur sehr selten im SaaS- Modell angeboten werden, wie z. B. ERP, planen die Softwarehersteller eine deutliche Ausweitung des SaaS-basierten Angebotes. Aber es zeigt sich in dieser Befragung auch, dass nicht alle Bereiche beziehungsweise Workloads für das Cloud Computing-Modell geeignet sind oder vom Kunden nachgefragt werden. Als Beispiel hierfür ist der Bereich Accounting / Finance exemplarisch. Hier planen die befragten Unternehmen offensichtlich, das cloudbasierte Angebot an Lösungen in Zukunft wieder zurückzufahren. Crisp Research

18 Vielfalt in den Preismodellen Rund um Cloud Computing und SaaS haben sich zahlreiche Abrechnungs- und Preismodelle etabliert, die häufig Teil der Argumentationskette für die Nutzung solcher Services sind. So versprechen sich die Anwender durch die Nutzung von cloudbasierten Lösungen und Technologien eine granulare und nutzungsbasierte Abrechnung und dadurch letztendlich eine Senkung ihrer Kosten beziehungsweise den Wegfall von Investitionen zugunsten von laufenden Kosten. So ist es beispielsweise im Bereich von SAP-Systemen oder auch im Storage-Bereich üblich, dass transaktions- oder volumenbasiert (SAPSe oder GB/Monat) abgerechnet wird. Im Rahmen von SaaS- Lösungen hat sich am Markt das Modell der Abrechnung nach Nutzer pro Monat durchgesetzt und wird von den meisten Anbietern (und Anwendern) favorisiert. Umso erstaunlicher ist es, dass 26 Prozent der befragten Softwarehersteller angegeben haben, ihre zukünftigen Cloud- Lösungen weiterhin auf Lizenzen basierenden Modellen anzubieten. Über die Gründe hierfür kann nur spekuliert werden. Es ist allerdings zu vermuten, dass diese im Bereich Vertriebsprovisionierung und/oder Cash-Flow liegen, da in diesen Bereichen eine Umstellung des Preismodells die größten Verwerfungen mit sich bringt. Fast zwei Drittel der befragten Unternehmen (65 Prozent) planen allerdings ihre cloud-basierte Software nach den marktüblichen Modellen, also transaktions-/volumenbasiert oder Nutzer pro Monat anzubieten. Crisp Research

19 Nur eine Minderheit setzt bei der Vermarktung ihrer Cloud-Services auf Modelle wie Werbefinanzierung oder freie Nutzung, wie sie aus dem Consumer-Umfeld bekannt sind. Crisp Research

20 PaaS: Chancen vs. Risiken Unternehmen in der IT-Branche sind ständig mit neuen Trends und Technologien konfrontiert. Die Herausforderung besteht darin, Trends von wirklich disruptiven Veränderungen zu unterscheiden. Dies gilt in besonderem Maße für Software-Hersteller, denn in den meisten Fällen bedeutet hier ein Technologie-, Plattform- oder Architekturwechsel eine massive Investition und damit einhergehend ein hohes Risiko. Mittlerweile ist allerdings jedem innerhalb der IT-Branche klar, dass Cloud Computing und SaaS kein kurzfristiger Trend, sondern ein Paradigmen-Wechsel sind. So weit so gut. Dennoch tut sich bis heute das Gros der deutschen Softwarehäuser schwer mit der Transformation hin zu einem Cloud- beziehungsweise SaaS-Modell. Dies hat sehr vielfältige Gründe. Aufwand und Investitionen für den Einsatz von Cloud Computing erscheinen auf den ersten Blick sehr hoch. Dennoch ist die Cloud die passende Antwort auf den Wunsch nach Beschleunigung und Flexibilisierung der Entwicklungsprozesse. Hemmnisse für die Transformation Geht es um die Cloud haben deutsche Softwarehäuser und ISVs die größten Bedenken mit dem Betrieb einer SaaS- bzw. Cloud- Applikation. So verfügen die meisten Software-Anbieter nicht über eigene RZ-Kapazitäten und auch nicht über das notwendige Betriebs-Know-How. Für 62 Prozent der Befragten gehört der damit in Verbindung stehende Aufwand zu den größten Hemmnissen bei der Umsetzung der Strategie. Crisp Research

21 Dicht darauf folgen Investitionen, die für eine Neuentwicklung (59 Prozent) notwendig sind. Die Kapitaldecke mittelständischer Software-Anbieter ist traditionell dünn und somit ist es für viele Unternehmen schwierig die notwendige Finanzierung zu stemmen. In Deutschland stehen die Themen Datenschutz und Datensicherheit ganz oben auf der Agenda von CIOs und IT-Leitern. So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass die Software- Hersteller ihren zögerlichen Kurs in Richtung Cloud Computing mit den Bedenken der Anwender begründen. Genau wie in der Realität der Diskussion gibt es auch im Rahmen dieser Befragung keine augenscheinliche Unterscheidung von Datenschutz und Datensicherheit, beide Werte liegen auf ähnlichem Niveau (39 Prozent vs. 37 Prozent). Crisp Research

22 Auffällig ist, dass jedes fünfte befragte Unternehmen (20Prozent) seine ablehnende Haltung mit mangelnder Nachfrage auf der Kundenseite begründet. Die Realitäten im Markt haben gezeigt, dass sich das sehr schnell ändern kann und vielfach auch schon geändert hat. Zusammenfassend muss konstatiert werden, dass vor allem zwei Themen den Softwareanbietern Kopfschmerzen bereiten. Der Betrieb von Cloud- beziehungsweise SaaS-Lösungen und die Investitionen in die Neu-Entwicklung. Auf dem Weg in die Cloud-Transformation PaaS-Angebote sind heute bereits vielfach fester Bestandteil moderner Software-Entwicklungs-, Test- und Betriebsverfahren. Allerdings werden diese Angebote vorwiegend im Angloamerikanischen Raum und von Entwicklern genutzt, die nicht oder nur selten im Unternehmensumfeld tätig sind. Grund dafür war die bis vor kurzem limitierte Verfügbarkeit von Alternativen zu den großen Public Cloud Angeboten. So ist es auch nicht verwunderlich, dass diese Plattformen in Deutschland erst von rund 16 Prozent der Crisp Research

23 Software-Anbieter regelmäßig für Test und Entwicklung genutzt werden. Allerdings befindet sich fast ein Drittel aller Befragten (33 Prozent) derzeit in der Evaluierung von PaaS-Plattformen. Weitere 32 Prozent nutzen solche Angebote nur punktuell und limitiert. Das heißt vor allem eines: Der Markt ist noch in großer Bewegung, da rund zwei Drittel der ISVs noch keine abschließende Entscheidung zu diesem Thema getroffen hat. Der Kampf um diese wichtige Zielgruppe hat also gerade erst begonnen und noch ist unklar wer als Sieger hervorgehen wird. Allerdings gibt diese aktuelle Studie deutliche Hinweise, wo die Reise hingehen könnte, haben doch die meisten Software-Anbieter klare Vorstellungen von Deployment- Varianten und sonstigen Anforderungen. Der Reifegrad des Marktes und der Technologie von Platform-as-a- Service wächst fortwährend. Beispielsweise stellen sogenannte Application-Plattform-as-a-Service-Umgebungen (apaas) eine Oberfläche zur Verfügung, auf der sich Unternehmensanwendungen entwickeln und betreiben lassen. Diese verfügen über eine graphische Weboberfläche und diverse, vorkonfektionierte Schnittstellen für die Programmierung (API). APaaS-Umgebungen können dank einer grafischen Oberfläche und einer Bibliothek mit vorgefertigten Anwendungen die Entwicklung und Bereitstellung von Geschäftsanwendungen beschleunigen. Platform-as-a-Service: Pro und Kontra Diejenigen Softwarehäuser und ISVs, die einen PaaS bereits im Einsatz haben, sehen die Beschleunigung von Geschäftsprozessen (57 Prozent) als den maßgeblichen Faktor. Die Anforderungen an ein schnelles Going-Live, kürzere Innovationszyklen und agile Entwicklungsmethoden wie Scrum erhöhen kontinuierlich den Druck auf die Software-Industrie ihre Prozesse zu beschleunigen. Der Einsatz von PaaS erscheint hier ein probates Mittel. Dazu passt auch die Aussage, beziehungsweise die Erwartung von 43 Prozent der Befragten, die Standardisierung und Automatisierung ihrer Test- und Entwicklungsprozesse zu erhöhen. Crisp Research

24 Dies ist eine der zentralen Voraussetzungen zur Prozessbeschleunigung. Auch zum Thema Testing gibt es hohe Erwartungen. So versprechen sich 43 Prozent der ISVs mehr Geschwindigkeit und Flexibilität durch den Einsatz von PaaS. Erstaunlicherweise spielt für viele Software-Anbieter das eigene Image als innovatives Unternehmen eine überaus wichtige Rolle, teilweise sogar mehr als technologische oder finanzielle Aspekte. So ist die für rund 31 Prozent ein maßgeblicher Grund für die Nutzung von PaaS. Immerhin jeder vierte Befragte (26 Prozent) erhofft sich durch Platform-as-a-service eine Entlastung seiner Entwicklungs- und Crisp Research

25 R&D-Budgets. Dass sich 23 Prozent der Befragten eine Reduzierung der Fehlerquoten erwarten, passt deshalb dann auch gut in das Gesamtbild, ist die Folge davon doch eine Senkung der Kosten. Die Erwartungen sind also hoch und die möglichen positiven Effekte werden auch von denjenigen nicht bestritten, die sich derzeit noch nicht eine solche Plattform nutzen. Für die überwiegende Mehrheit der befragten ISVs (76 Prozent) liegt die Nichtnutzung von PaaS schlicht in mangelnder Erfahrung und nicht vorhandenen Kenntnissen begründet. Die Komplexität und Vielfalt der angebotenen Services ist groß und nicht alle Softwarehersteller verfügen über genügend junge Talente, die intuitiv mit solchen Plattformen umgehen können. Die Einschränkungen durch das Programmiermodell und durch APIs sehen 58 Prozent als einen weiteren wichtigen Grund. Aufgrund der noch jungen Thematik fürchten die Softwarehersteller offenbar Fehler zu machen und sowohl einen zeitlichen als auch einen qualitativen Nachteil erleiden zu können. Bedenken mit einem Vendor Lock-in haben die wenigsten, da die verteilte Angebotsstruktur offensichtlich bekannt ist. Für rund ein Fünftel (24 Prozent) sind nicht kalkulierbare Kosten ein Grund nicht auf PaaS-Angebote zu setzen. Crisp Research

26 Die Studie zeigt auch, dass in Zukunft ein Markt für Managed PaaS entstehen wird, geben doch 22 Prozent der ISVs an, dass die Nutzung im Rahmen eines Self-Service Modells nicht praktikabel ist. Abschließend bleibt festzustellen, dass viele der ablehnenden Gründe heilbar sind, dies gilt insbesondere für die Themen Erfahrung und Kenntnisse, sowie für die Prognostizierbarkeit von Kosten. Crisp Research

27 Technologielandschaft und Entwicklungsszenarien Die Frage, ob sich der Einsatz moderner PaaS-Plattformen für ISVs lohnt, hängt maßgeblich davon ab, welche Art von Anwendungen mit welchen Programmiersprachen und Entwicklungsumgebungen programmiert werden sollen. Auch die Auswahl der jeweiligen PaaS-Plattform beziehungsweise PaaS-Technologien ist davon betroffen, da diese eine teils sehr unterschiedliche Integration für die verschiedenen Programmiersprachen bieten. Eingesetzte Programmiersprachen und Entwicklungsumgebungen Unter den befragten deutschen Softwareherstellern ist Java mit 65 Prozent immer noch die am häufigsten verbreitete Programmiersprache, gefolgt von C# (62 Prozent), C++ (61 Prozent) und Visual Basic (55 Prozent). Die Nutzung von ASP/.NET fällt mit 30 Prozent hingegen schwach aus. Da sich die Mehrheit der befragten ISVs auf die Entwicklung von Unternehmenssoftware konzentriert, erscheint dieses Bild als nachvollziehbar. Crisp Research

28 Der Trend hinzu web-basierten Anwendungen hat in den letzten Jahren für eine hohe Verbreitung von PHP (49 Prozent) gesorgt. Auch Python wird mittlerweile von einem Fünftel (21 Prozent) der deutschen Softwarehäuser eingesetzt. Hier spielen vor allem das breite Einsatzspektrum im Rahmen der objektorientierten und funktionalen Programmierung sowie die übersichtliche Syntax eine Rolle. Allerdings wird Python derzeit hauptsächlich als Skriptsprache für Webanwendungen genutzt. Perl und Ruby zählen dagegen obwohl weltweit schon stark verbreitet mit 10 Prozent Einsatzgrad immer noch zu den Exoten. Ebenso wie Node.js (8 Prozent), Scala (4 Prozent) oder Clojure (3 Prozent). Crisp Research

29 Analog zeichnet sich das Bild hinsichtlich der derzeit genutzten Entwicklungsumgebungen. Visual Studio ist mit 69 Prozent etwas häufiger im Einsatz als die Open Source Lösung Eclipse mit 61 Prozent. Beide werden derzeit noch primär auf lokalen Instanzen betrieben. Immerhin planen 18 Prozent der befragten Softwarehäuser auch die Nutzung Cloud-basierter Entwicklungs-umgebungen, wie zum Beispiel Cloud9, Koding, Codeanywhere oder Eclipse Orion. Erfahrungen und Einsatz von Public PaaS-Plattformen Obwohl die ersten PaaS-Plattformen schon 2007 (Heroku) bzw (Google AppEngine) existieren, haben deutsche Softwarehäuser bislang wenig Erfahrung mit den aktuell am Markt verfügbaren Plattformen gesammelt. Dies liegt einerseits an den verzögerten Auswirkungen von Cloud Computing auf den deutschen Software-Markt (derzeit werden in Deutschland noch weniger als 10 Prozent der Umsätze mit SaaS erzielt). Andererseits fokussierten sich die verfügbaren PaaS-Plattformen lange Zeit auf die Microsoft Azure und Amazon AWS sind derzeit die beleibtesten Public-PaaS-Angebote unter deutschen ISVs. Aber diese interessieren sich mittlerweile auch für Alternativen. Entwicklung von Web-Applikationen und die Bedürfnisse von Startups und Freelance Developern. Dies hat sich allerdings in den letzten Jahren deutlich gewandelt und die PaaS-Plattformen bieten nun auch Unterstützung für die Entwicklung und den Betrieb von unternehmenskritischen Applikationen und entsprechend professionellen Application Lifecycle-Prozessen. Dennoch verfügen erst wenige deutsche Softwarehäuser über ernsthafte Erfahrungen Crisp Research

30 mit den unterschiedlichen Plattformen. Weitere Gründe für diese Zurückhaltung liegen sicherlich in der Tatsache begründet, dass die Plattformen bislang nur im Public Cloud -Modus aus US- Rechenzentren angeboten wurden. Hinzu kommt aber auch, dass die deutschen Softwarehäuser im Hinblick auf die Cloud- Transformation immer noch mit angezogener Handbremse fahren. In den spielerischen und kreativen Umgang mit den neuen PaaS- Plattformen im Rahmen eines langfristigen Innovations- und Produktmanagements wurden bislang wenig Zeit und Ressourcen investiert. So kommen lediglich fünf PaaS-Anbieter auf einen Einsatzgrad von mehr als 5 Prozent der deutschen Softwarehäuser. Microsoft liegt bei deutschen ISVs derzeit deutlich an der Spitze. Immerhin 18 Prozent der befragten Softwarehäuser nutzen die Azure-Plattform im produktiven Betrieb, 10 Prozent im Rahmen von Entwicklung und Testing. An zweiter Stelle folgt AWS, genutzt von 16 Prozent im produktiven Betrieb sowie 12 Prozent für Entwicklung und Test. Es zeigt sich, dass die Plattformen der traditionellen Enterprise - Technologieanbieter (IBM, HP, Oracle und SAP) von den ISVs eher für den produktiven Betrieb, die Plattformen der klassischen Cloud Companies (Google, Salesforce) eher für Development und Testing eingesetzt werden. Einen wichtigen Einblick in die zukünftigen Investitions- und Technologieentscheidungen der deutschen Softwarehäuser liefert die Frage, welche PaaS-Plattformen sich derzeit in einer konkreten Evaluierung befinden. Und es scheint, als ob Microsoft Azure und Amazon AWS bald ernsthaft Konkurrenz bekommen. So prüfen derzeit 14 Prozent der befragten ISVs die Google Cloud Platform/Google AppEngine. Es folgen Microsoft Azure (13 Prozent), HP Cloud Application Platform (11 Prozent), Amazon AWS (11 Prozent), IBM SmartCloud/IBM BlueMix (10 Prozent) und Salesforce 1/Heroku (9 Prozent). Die Relevanz von SAP für deutsche Softwarehäuser scheint auch bei den PaaS- Entscheidungen durch. So evaluieren immerhin 8 Prozent der Crisp Research

31 befragten Softwarehäuser die relativ frische SAP Netweaver Cloud Platform. Hintergrund ist sicher die voranschreitende Integration der verschiedensten Softwarelösungen und SaaS-Diensten mit den SAP-Systemen, die in deutschen Groß-und Mittelstandsunternehmen immer noch das Rückgrat vieler Unternehmensprozesse darstellen. Dies gilt insbesondere für die Bereiche CRM, SCM und Talent Management. Quelle: Crisp Research für PIRONET NDH, 2014 Crisp Research

32 Crisp Research

33 PaaS im Praxiseinsatz Deutsche Softwarehäuser haben ganz bestimmte Anforderungen, wenn es um den Einsatz von PaaS im Rahmen ihrer Entwicklungs-, Test- und Betriebsprozesse geht. Besonders relevant sind für die ISVs die Konditionen des Betriebs bzw. das Betriebskonzept, sprich ob die PaaS-Dienste nach dem Public-, Private- oder im Rahmen eines Hosting-Modells betrieben werden. Und hier hat sich in den vergangenen 12 Monaten viel getan. So waren bis Mitte 2013 keine der führenden PaaS-Plattformen als Technologie-Stack für den Eigen- oder Hosting-Betrieb verfügbar. Bis dato war Public Cloud das einzig verfügbare Betriebsmodell. Mit dem Release der CloudFoundry-Technologie unter Open Source- Lizenz machte VMware (heute bei Pivotal) den Anfang. Mittlerweile können auch die PaaS-Technologien von Microsoft (Microsoft Azure Pack), Red Hat (OpenShift), VMware (vfabric) als Software-Paket bezogen und individuell betrieben werden. Dies bietet Unternehmen, Softwareentwicklern und Hosting-Partner vollkommen neue Möglichkeiten PaaS-Dienste kundenindividuell anzubieten und hinsichtlich bestimmter Anwendungsszenarien zu optimieren. Welche der Technologien sich mittel- und langfristig durchsetzen wird, ist derzeit noch schwer prognostizierbar, da die meisten ISVs, Hosting Provider und Unternehmensanwender sich noch nicht final festgelegt haben. Während IBM im Rahmen seiner BlueMix-PaaS- Plattform auf CloudFoundry setzt, bieten eine Reihe an Hosting Providern ihren Kunden die Auswahl zwischen mehreren Plattformen. Derzeit existiert im deutschsprachigen Markt allerdings erst eine Handvoll Hosting Provider, die PaaS in einem Hosting Modell anbieten. Dies hat verschiedene Gründe. So schätzen einige Akteure Crisp Research

34 wohl die Marktchancen nicht als aussichtsreich ein. Anderen fehlen schlicht die Ressourcen und Skills, um die technologisch anspruchsvollen und komplexen Plattformen aufzusetzen und zu betreiben. Auch müssen Hosting Provider mehr Verständnis und Know-How in Bezug auf die Prozesse und speziellen Anforderungen der ISVs, Startups, Freelance und Unternehmensentwickler aufbauen. Denn deren Bedürfnisse unterscheiden sich deutlich von den Anforderungen an ein klassisches Hosting oder Infrastruktur- Outsourcing. Die Anzahl erfahrener Architekten, Entwickler und Projektmanager zum Thema PaaS ist in Deutschland noch sehr übersichtlich. Bevorzugte Betriebskonzepte und Modelle Die Aussagen der im Rahmen der Studie befragten Softwarehäuser zeichnen ein recht eindeutiges Bild. Gefragt nach dem favorisierten Betriebskonzept zur Nutzung von PaaS-Diensten im Rahmen der Entwicklungsprozesse, sprachen sich nur 21 Prozent für das bisherige Public Cloud- Modell aus, während 12 Prozent sich für den internen Betrieb im Rahmen einer Private PaaS-Plattform entscheiden würden. Die Mehrheit von deutlich über 60 Prozent würden PaaS-Dienste für Development & Test am ehesten im Rahmen eines Hosting-Modells beziehen. Crisp Research

35 Hinsichtlich des Applikations-Betriebs sind die befragten Softwarehäuser sogar noch etwas anspruchsvoller. Hier sind es sogar nur noch 11 Prozent der befragten Unternehmen, die den Betrieb auf einer Public Cloud Umgebung befürworten würden. Die Mehrheit (38 Prozent) sieht in einem Hosted PaaS das für sie bevorzugte Betriebsmodell, um Applikationen in der Cloud zu betreiben. Weitere 30 Prozent sehen in der dedizierten Variante ( Hosted Private PaaS ) ihr favorisiertes Modell. Über ein Fünftel der befragten Softwareunternehmen würde ihre Applikationen nur auf einer Private PaaS-Umgebung betreiben. Deutsche ISVs ziehen PaaS in Hosting-Modell den Public Clouds vor. Crisp Research

36 Anforderungen an die PaaS-Provider Betrachtet man die Aussagen zu den zentralen Anforderungen an die Anbieter von PaaS-Diensten, so wird evident, warum die bisherigen Public Cloud-Modelle für viele professionelle Softwareentwickler nicht in Frage kamen. So stehen für rund 80 Prozent der befragten deutschen Softwarehäuser die Themen hohe Sicherheitsstandards, ISO-Zertifizierung und ein deutscher Rechenzentrumsstandort ganz oben auf der Agenda. Nach einem flexiblen Bezahlmodell (60 Prozent). Interessanterweise ist die individuelle Anpassung der PaaS-Plattform für die deutschen ISVs genauso wichtig, wie die Skalierungsfähigkeit der Plattform ein Crisp Research

37 Argument, dass in vielen Debatten der letzten Jahre immer an erster Stelle angeführt wurde. Anscheinend ist hier die Erkenntnis eingetreten, dass die Skalierungsfähigkeit der Technologie- Plattform nur so weit von Nöten ist, wie sich das Wachstum auf Kunden- beziehungsweise Anwenderseite entwickelt. Auch erscheint verwunderlich, dass sich nur 20 Prozent der ISVs einen lokalen Support und technische Unterstützung vor Ort wünschen. Nur jeder zehnte ISV gab im Rahmen der Befragung an, keine Unterstützung bei der Ausgestaltung der Lizenzmodelle und SLA zu benötigen. Was vielleicht auch daran liegt, dass bislang erst wenige ISVs intensive Erfahrung mit dem Thema gesammelt haben und daher noch etwas zu optimistisch in die Zukunft schauen. Crisp Research

38 Betrieb von Software auf PaaS-Plattformen Make or Buy Sofern deutsche Softwarehäuser auch den Betrieb ihrer neuen Software-Lösungen auf einer Cloud- beziehungsweise PaaS- Plattform planen, sind nicht nur die reinen Infrastruktur- Leistungen vom Provider gefragt (Server, Storage und Virtualisierung). Vielmehr wünschen sich mittlerweile rund die Hälfte der ISVs und Startups auch Managed Services im Bereich des Datenbank-, OS- und Netzwerkmanagements. Crisp Research

39 Immerhin kann sich ein Drittel der befragten Softwarehäuser vorstellen, auch externe Unterstützung des Providers im Hinblick auf den Applikationsbetrieb und das Applikationsmanagement in Anspruch zu nehmen zwei Kerndisziplinen für Softwarehäuser. Crisp Research

40 Die Zukunft des deutschen Software-Marktes Ist es das berühmte Pfeifen im Walde, oder nur eine nüchterne, pragmatische Betrachtung der Lage? Die deutsche Software- Industrie geht jedenfalls optimistisch in die Zukunft und fürchtet sich nur in geringem Maße vor den globalen Großmächten wie Google. Lediglich knapp sechs Prozent der im Rahmen dieser Studie befragten Softwareanbieter glauben, dass Software in Zukunft standardisiert und von der Stange kommt. Wenn dem so wäre, würden in der Zukunft nur noch wenige große Konzerne den Markt unter sich aufteilen. Die große Mehrheit der im Rahmen der Studie Befragten (61 Prozent) ist fest davon überzeugt, dass die Zukunft von hybriden Betriebskonzepten dominiert wird. Damit einhergehend bleibt auch Crisp Research

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