Das Normale am Verrückten

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1 Das Normale am Verrückten Erleben und Verhalten von traumatisierten / bindungsgestörten Kindern durch Videoanalyse verständlich machen

2 Jedes Verhalten hat einen Grund wenn nicht im Heute dann in der Vergangenheit Videobsp. M.

3 M. Geschichte Die ersten acht Lebensmonate nur mit Mutter und 3 Geschwistern zusammen Mutter vernachlässigt sie sehr ( wenig verlässlich, nicht feinfühlig, keine Reaktion auf Schreien, wird nicht regelmäßig gefüttert, körperl. Misshandlung Vater inhaftiert, nach Entlassung viel Gewalt durch den Vater gegen die Mutter und die Kinder ( Polizeieinsätze) Stat. Unterbringung der Kinder als Mandy 2,2 Jahre alt ist

4 Was braucht M.?( Freeze) Begleitung in der Situation Vorsichtig nähern, angemessene Distanz Freundl. Stimme, im hier und jetzt Nicht Fragen, sondern Vorgaben machen z.b. Bilderbuch gucken Wenn möglich Körperkontakt anbahnen ( Hände auf die Füße) Längere Zeit im positiven Kontakt halten

5 M. Entwicklungsstand Motorisch altersgerecht Emotional ca. 1 jährig = abholen auf dem emotionalen Niveau einer Einjährigen Das eigene Handeln benennen Mandys Bedürfnisse verbal spiegeln ( ich versorge dich sicher) Feinfühliger Umgang

6 Ganz besonders werden in Kindheit und Jugend alle grundlegenden Erfahrungen positiver oder negativer Art, je nach Häufigkeit und emotionaler Intensität zu Reaktionsmustern herausgebildet und durch neuronale Strukturbildung dauerhaft geprägt.

7 Überlebensreaktionen Plötzliche, wiederholende und anhaltende negative und bedrohliche Lebenserfahrungen (Kindesmisshandlung durch Vernachlässigung, physische oder sexuelle Gewalt, emotionale Misshandlung) lassen Kinder Überlebensreaktionen entwickeln

8 Überlebensreaktionen Gefahr!!!!! Übererregung!! Bindungssuche Kampfimpuls ( Schreien, Strampeln, Beißen, Schlagen..) Fluchtimpuls ( Weglaufen, Verstecken ) Machtlosigkeit gleichzeitig Hilflosigkeit führt zur Ausweglosigkeit Erstarrungsreaktionen / Unterwerfungsverhalten/ Dissoziation

9 Überlebensreaktionen Durch die häufige Überflutung mit Stresshormonen strukturiert sich das Gehirn traumatoplastisch Überlebensreaktionen werden automatisiert Oft schon bei kleinen alltäglichen Stress- Anlässen greifen die Kinder auf ihre Überlebensstrategie zurück Fest verkoppelte, traumabasierte neuronale Netze können jederzeit durch verschiedenste sensorische Schlüsselreize ( Trigger) aktiviert werden

10 Laut Untersuchungen aus Deutschland und der Schweiz sind über 75% der Kinder und Jugendlichen in der stationären Jugendhilfe traumatisiert

11 Diese Kinder. Übertragen traumatische Lebenserfahrungen Bunkern Essen, weil sie fast verhungert wären Schlagen, damit sie nicht selbst geschlagen werden Nehmen keine Hilfe an, weil sie Erwachsene nicht als verlässlich und hilfreich erlebt haben.

12 Diese Kinder Kleben am Rockzipfel der Erzieher/innen, weil diese ja sonst abhauen könnten Müssen die Kontrolle behalten Sind ständig übererregt, ständig auf der Hut, fühlen sich schnell angegriffen, sind misstrauisch und explodieren völlig unvermittelt Videobsp. R.

13 R. Geschichte Bei Unterbringung ca. 8 Jahre alt Beziehung der Eltern während der Schwangerschaft war geprägt durch Gewalt Trennung noch während der Schwangerschaft Mutter stieß mit der Erziehung sehr an ihre Grenzen

14 J. Geschichte 8,10 Jahre bei stat. Unterbringung Wächst mit 3 Geschwistern auf Eltern vernachlässigen, sind stark mit sich selbst beschäftigt, keine Arbeit, Armut, kognitiv schwach Gewalt, viel verbale Bedrohung durch Mutter und Vater und Geschwister Sex. Übergriffe durch älteren Bruder, dieser wird in Einrichtung für Täter stat. Untergebracht Videobsp. J.

15 Was brauchen diese Kinder Bedürftigkeit des Kindes erkennen und darauf adäquat eingehen Seltsames und auffälliges Verhalten als Traumafolge verstehen Kind entsprechend seines Entwicklungsalters behandeln Ressourcenorientierung Verhalten der Erzieher / Eltern muss vorhersagbar, transparent und verlässlich sein ( Regeln und Rituale) Schutz vor Retraumatisierungen

16 Traumapädagogische Haltung der Mitarbeiter Die Verhaltensweisen sind aus Sicht dieser Kinder normale Reaktionen auf ihre extreme Stressbelastung Sie haben für ihre Reaktionen und Verhaltensweisen einen guten Grund Sie haben in ihrem Leben bislang viel überstanden und geleistet

17 Vorannahme des guten Grundes Die Vorannahme des guten Grundes trägt zur Deeskalation bei: Wir sind nicht gemeint Videobsp. J.

18 Literaturhinweise Bausum, Besser, Kühn, Weiß (2011) Traumapädagogik, Grundlagen, Arbeitsfelder und Methoden Wilma Weiß ( 2011) Philipp sucht sein Ich / Zum pädagogischen Umgang mit Traumata in der Erziehungshilfe Traumapädagogik- eine junge Fachdisziplin, zum Handeln bereit EREV Heft 5/2011

19 Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit!

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