Ermitteln Baustein 110 zur Gefährdungsbeurteilung für Gefahrstoffe (Stand 05/12)

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1 Einleitung Wenn festgestellt wird, dass im Betrieb Tätigkeiten mit Gefahrstoffen durchgeführt werden, müssen stoffund tätigkeitsbezogene Informationen für die Gefährdungsbeurteilung beschafft werden. Die Gefahrstoffe sind in einem Gefahrstoffverzeichnis zusammenzustellen. 1. Vorgehensweise Die Vorgehensweise ist schematisch in Abbildung 1 dargestellt. Abb. 1: Vorschlag für eine Vorgehensweise zur Beschaffung von Informationen für die Gefährdungsbeurteilung

2 1.1 Feststellen, ob im Betrieb Gefahrstoffe verwendet oder freigesetzt werden bzw. entstehen. Gefährliche Stoffe und Gemische (Produkte) im Sinne der Gefahrstoffverordnung haben gefährliche Eigenschaften für Menschen und/ oder die Umwelt. Sie weisen ein oder mehrere Gefährlichkeitsmerkmale auf und sind bis auf wenige Ausnahmen an den Gefahrensymbolen zu erkennen. Ausnahmen sind entzündliche Stoffe/ Produkte. Die Verpackungen gefährlicher Stoffe müssen gekennzeichnet sein. Neben den Gefahrensymbolen enthält die Kennzeichnung Hinweise auf besondere Gefahren (R-Sätze) und Sicherheitsratschläge (S-Sätze). R und S- Sätze sind europaweit standardisiert. Zusätzlich zu den eingekauften Produkten sind die Gefahren zu ermitteln durch: selbst hergestellte Stoffe/ Produkte, z. B. Verdünnungen freigesetzte Gefahrstoffe (z.b. Verdunstung von Formaldehyd aus der Lösung) entstehende Gefahrstoffe durch das Verfahren (z.b. Holzstaub, vom Patienten ausgeatmete Anästhesiegase im Aufwachraum). 1.2 Für alle verwendeten, entstehenden oder freigesetzten chemischen Arbeitsstoffe, auch für nicht kennzeichnungspflichtige Produkte wie Arzneimittel oder Medizinprodukte, sind aktuelle stoff- bzw. produktbezogene Informationen zu ermitteln (Bestand und neue Stoffe). Hierzu gehören: Gefahrstoffkennzeichnung, d.h. Gefährlichkeitsmerkmale und R-Sätze oder sonstige Angaben zu gefährlichen Eigenschaften. (Hinweis für krebserzeugende (C), erbgutverändernde (M), fruchtbarkeits- (R F ) und fruchtschädigende (R E ), kurz CMR Wirkungen: R-Sätze ermöglichen die Unterscheidung in krebserzeugende (R 45, R 49), erbgutverändernde (R 46), fruchtbarkeitsgefährdende (R 60) und fruchtschädigende (R 61) Stoffe der Kategorie 1 oder 2, für die eine CMR- Wirkung erwiesen ist, und Stoffe nach Kategorie 3, für die der Verdacht auf CMR- Wirkung besteht.) Sonstige gefährliche Eigenschaften, z.b. tiefkalt, entfettend Brand- und Explosionsgefahren Arbeitsplatzgrenzwerte und Biologische Grenzwerte Herstellungs- und Verwendungsbeschränkungen

3 Die wesentlichen Informationen werden vom Hersteller zur Verfügung gestellt und sind im Betrieb zu sammeln und abzulegen. Als Informationsquellen sind zu nennen: Sicherheitsdatenblatt: Angaben zu den gefährlichen Eigenschaften des Produktes enthält Abschnitt 15, Hinweise auf Grenzwerte Abschnitt 8. Es empfiehlt sich grundsätzlich, Sicherheitsdatenblätter bereits bei der Bestellung anzufordern (Textbaustein im Anhang 1). Hierzu steht ein Musteranschreiben im Anhang 2 zur Verfügung. Gebrauchs- und Sicherheitshinweise des Herstellers, z.b. Technische Merkblätter, Produktdatenblätter Fach- bzw. Gebrauchsinformationen für Fertigarzneimittel und Medizinprodukte Mitgelieferte Gefährdungsbeurteilung des Herstellers für bestimmte Verwendungszwecke Wenn für die Gefährdungsbeurteilung erforderlich, können weitere Informationen beim Hersteller/ Inverkehrbringer angefordert werden. Hierzu steht ein weiteres Musteranschreiben zur Verfügung (siehe Anhang 3). Bei im Betrieb entstehenden, freigesetzten oder selbst hergestellten Stoffen und Gemischen muss der Arbeitgeber auf der Grundlage gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse nach Stoff- und Zubereitungsrichtlinie selbst einstufen. Folgende Informationsquellen können beispielsweise herangezogen werden: Anhang I der RL 67/548/EWG TRGS 900, 905, 906, 907 Wissenschaftliche Erkenntnisse, z.b. MAK-Werte-Liste In einem Zulassungsverfahren gewonnene Erkenntnisse Datenbanken: Stoffdatenbank GESTIS des DGUV, Gefahrstoffdatenbank der Länder Branchenspezifische Literatur, Internetrecherchen 1.3 Gefahrstoffe in das Gefahrstoffverzeichnis eintragen Es muss ein Verzeichnis der Gefahrstoffe geführt werden, in dem auf die Sicherheitsdatenblätter verwiesen wird. Die Sammlung der Sicherheitsdatenblätter, abgelegt in einem elektronischen Ordner oder in Papierform, muss den Beschäftigten zur Verfügung stehen ( 14 Abs. 1 GefStoffV) (Baustein Gefahrstoffverzeichnis ).

4 1.4 Für die zu beurteilenden Arbeitsbereiche bzw. Tätigkeiten sind tätigkeitsbezogene Informationen zu ermitteln Hierzu gehören Angaben zur konkreten Tätigkeit im Betrieb: Informationen über Arbeitsbedingungen und Verfahren, einschließlich Arbeitsmittel (z.b. soweit vorhanden betriebliche Verfahrensbeschreibungen oder entsprechende Beschreibungen des Herstellers) Gefahrstoffmenge Art, Ausmaß und Freisetzung von Gefahrstoffen Art und Dauer der Tätigkeiten sowie der Belastungssituationen Ausmaß, Art und Dauer der inhalativen und dermalen Exposition Schlussfolgerungen aus durchgeführten arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen Es ist auch zu prüfen, ob Informationen, die bereits in Form von Prozessbeschreibungen, z.b. im Rahmen eines Qualitätsmanagements vorliegen, mit verwendet werden können. Die Ermittlung und die Bewertung der Gefährdung vereinfachen sich, wenn Tätigkeiten mit geringer Gefährdung durchgeführt werden. Das Ergebnis muss dokumentiert werden, z.b. in folgender Weise: Tätigkeiten mit geringer Gefährdung: haushaltsübliche Reinigungsarbeiten (Reiniger 1, 100 ml/monat, wöchentlich) Austausch einzelner Tonerkartuschen... Gefährdung: Die Gefährdungsbeurteilung für die oben aufgeführten Produkte/ Stoffe hat ergeben, dass nur eine geringe Gefährdung vorliegt und die Maßnahmen nach 8 Abs. 1-8 GefStoffV ausreichend sind. Die Stoffe haben keine der folgenden Eigenschaften: giftig, sehr giftig, krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend (d.h. fruchtschädigend oder fruchtbarkeitsgefährdend). Maßnahmen: Für diese Stoffe sind Mindeststandards umgesetzt. Sicherheitsdatenblätter und Gebrauchshinweise der Hersteller sind im Ordner x abgelegt. Neben den betrieblichen Angaben ist auch der Wissensstand aus anderen Quellen zu ermitteln. Es ist daher zu prüfen, ob für vergleichbare Tätigkeiten bereits valide Bewertungsgrundlagen vorliegen und ob die erforderlichen Maßnahmen für das Verfahren bereits beschrieben sind. In der TRGS 400 wird dies

5 Gefährdungsbeurteilung bei vorgegebenen Maßnahmen genannt: Die Gefährdungsbeurteilung vereinfacht sich, wenn: eine mitgelieferte Gefährdungsbeurteilung des Herstellers oder Inverkehrbringers vorliegt, eine stoff- oder tätigkeitsspezifische TRGS, insbesondere verfahrens- und stoffspezifische Kriterien (VSK) nach TRGS 420 und die konkreten Maßnahmen oder Verfahren einer branchen- oder tätigkeitsspezifischen Hilfestellung zu entnehmen sind. Diese Vorgaben werden als standardisierte Arbeitsverfahren bezeichnet und müssen unmittelbar auf die zu beurteilende Tätigkeit übertragbar sein. In den tätigkeitsbezogenen Bausteinen werden die Gefährdungen sowie geeignete Schutzmaßnahmen bei branchenspezifischen Tätigkeiten benannt. Wenn nicht auf Verfahren mit vorgegeben Maßnahmen zurückgegriffen werden kann, muss individuell ermittelt werden. Für eine erste Bestandsaufnahme von Stoffen und Tätigkeiten im Arbeitsbereich steht ein Erfassungsbogen zur Verfügung. Dieser kann von Personen mit Arbeitsplatzkenntnissen, z.b. von den Beschäftigten, ausgefüllt werden. Für jeden Gefahrstoff ist ein Bogen zu verwenden. 1.5 Dokumentation der Ergebnisse Die Ergebnisse der Ermittlung sind anschließend zu dokumentieren (Baustein Gefahrstoffverzeichnis, tätigkeitsbezogene Bausteine, Baustein Erfassungsbogen, Baustein Überblick zur Gefährdungsbeurteilung ). Weitere Informationsquellen: TRGS 400 Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen. Erhältlich über Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 18. Dezember 2006 zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH). Abl. L 396 S. 1 TRGS 420 Verfahrens- und stoffspezifische Kriterien (VSK) für die Gefährdungsbeurteilung. Erhältlich über

6 Anhang 1: Vorschlag für einen Text, der schriftlichen Bestellungen von Gefahrstoffen beigefügt werden kann. Der Auftrag wird unter der Bedingung erteilt, dass die Lieferung, Einstufung und Kennzeichnung der Produkte der aktuellen Gefahrstoffverordnung, den berufsgenossenschaftlichen Vorschriften, den EG-Vorschriften und den Bestimmungen zum Schutz der Umwelt entsprechen. Sie verpflichten sich, bei der Lieferung ein ausgefülltes und mit Datum versehenes aktuelles Sicherheitsdatenblatt nach Artikel 31 und Anhang II der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH-Verordnung) in Verbindung mit 6 Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) zu übermitteln. Weiter verpflichten Sie sich, unaufgefordert eine aktualisierte Fassung des Sicherheitsdatenblattes zu liefern, wenn sich der Inhalt des Datenblattes aufgrund neuer Kenntnisse innerhalb von 12 Monaten nach der letzten Lieferung geändert hat. Die vollständige Bezahlung der Rechnung erfolgt erst nach vollständiger Lieferung.

7 Anhang 2: Musteranschreiben zur Anforderung von Sicherheitsdatenblättern (Datum)... (Anschrift) An Sicherheitsdatenblatt gemäß Artikel 31 und Anhang II der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH- Verordnung) in Verbindung mit 6 Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) Sehr geehrte Damen und Herren, bei der Lieferung Ihres Produktes vom... übermittelten Sie uns kein Sicherheitsdatenblatt gemäß REACH-Verordnung i.v..m. 6 Gefahrstoffverordnung ein Sicherheitsdatenblatt, das älter als 2 Jahre ist ein nicht in deutscher Sprache abgefasstes Sicherheitsdatenblatt ein Sicherheitsdatenblatt mit unzureichenden Angaben in der Rubrik/ den Rubriken: Um unserer Ermittlungspflicht nach 7 Gefahrstoffverordnung nachzukommen, benötigen wir das Sicherheitsdatenblatt. Wir bitten Sie, uns dieses mit aussagekräftigen Angaben zum Arbeitsschutz bis zum... zuzusenden. Mit freundlichem Gruß

8 Anhang 3: Musteranschreiben zur Anforderung von Sicherheitsinformationen (z.b. für Produkte ohne Sicherheitsdatenblatt) (Datum)... (Anschrift) An Sehr geehrte Damen und Herren, da die Übermittlung eines Sicherheitsdatenblatts für Ihr Produkt nicht erforderlich ist, möchten wir die Informationspflichten aus Artikel 32 der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH-Verordnung) i.v.m. 6 und 7 Gefahrstoffverordnung in Anspruch nehmen. Wir haben Ungewissheiten über eine mögliche Gefährdung bei der Verwendung Ihres Produktes Bitte senden Sie uns die Gebrauchsinformation und weitere Sicherheitsinformationen zu. Bitte senden Sie uns die Fachinformation für das Arzneimittel zu. Wir setzen das Produkt unter den folgenden Bedingungen ein: (möglichst ausführlich beschreiben). Bitte teilen Sie uns die Inhaltsstoffe und die davon ausgehenden Gefahren mit. Für die Beurteilung des gesundheitlichen Risikos benötigen wir eindeutige Informationen, ob die Einstufung der Inhaltsstoffe zumindest auf Basis von Daten oder Erfahrungen zur akuten Toxizität, Hautreizung, Schleimhautreizung, erbgutveränderndem Potenzial, Hautsensibilisierung und Toxizität bei wiederholter Applikation erfolgt ist. Darüber hinaus benötigen wir für die Gefährdungsbeurteilung im Hinblick auf den genannten Verwendungszweck Informationen: zur Art der Gefährdung (dermal, inhalativ), zu den erforderlichen technischen, organisatorischen und persönlichen Schutzmaßnahmen, zur Art und Höhe der Exposition, zu den Arbeitsplatzgrenzwerten bzw. zur Beurteilung des Gesundheitsrisikos. Mit freundlichem Gruß

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