Übersetzung Video Helen (H), 14jährig

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1 Übersetzung Video Helen (H), 14jährig Klinisches Beispiel mit dem Teenager, ihrer Mutter (Km) und dem Therapeuten (Th) Km: Nun, in den letzten paar Wochen hat sie sich verändert von einem richtig glücklich wirkenden Mädchen zu einem Kind mit allen Problemen auf ihren Schultern. Sie weint viel, sie scheint überhaupt nicht mehr am Leben teilzunehmen und letzte Woche nahm sie eine Überdosis. Ich weiss eigentlich nicht, wie es dazu kam, weil ich nicht mehr mit Helen zusammen lebe. Ihr Vater und ich sind seit einigen Monaten getrennt. Aber sie nahm eine Überdosis. Aus irgendeinem Grund dachte Helen es sei ihre Schuld, dass wir beide uns getrennt haben. Und es hat überhaupt nichts mit ihr zu tun, es ist unser Problem. Aber sie ist überzeugt, es sei ihr Problem. Dass es mit ihrer Person zu tun hat, aber das ist nicht so. [22:53] Th: Ich überlege mir, ob ich dich dazu etwas fragen kann, Helen. Es klingt als sei das eine ziemlich unglückliche Zeit für dich? [22:59] H: Ich schätze ja. [23:01] Th: Wie hast du dich gefühlt? H: Ich bin es etwas leid und Th: Ja, richtig niedergedrückt. [23:16] Km: Ich brauche 4 Stunden um zu Helen zu kommen, um sie zu sehen. Darum kann ich das nicht so oft tun, wie ich gerne würde. Und ihr Vater ist recht schwierig, stellt mir Hindernisse in den Weg, wenn ich sie sehen will. [23:29] Th: Ach so. Also du lebst bei deinem Vater? Und ist das gut? Hast eine gute Beziehung zu deinem Vater, oder nicht so gut? [23:41] H: Ich schätze es ist bisweilen ganz ok. Th: Steht dir normalerweise deine Mutter näher? [23:48] Th: So ist es etwas unglücklich, dass Helen bei ihrem Vater gelandet ist seit der Trennung? [23:56] Km: Ja, es ist überhaupt keine ideale Situation. [24:00] Th: Deine Mutter sagte, du hättest letzte Woche Tabletten genommen? Wie viele hast du genommen? H: Etwa sechs? Th: Mhm. Kannst du mir sagen, wie das passierte? [24:16] H: Ich wollte einfach schlafen, dann sah ich die Tabletten und Th: Ja, das klingt als hättest du die Nase richtig voll gehabt zu dieser Zeit. [24:28] Seite 1

2 H: Ja Th: Helen, manchmal wenn Leute Tabletten nehmen, finden sie das Leben nicht mehr lebenswert und daher wollen sie es beenden. Hattest du auch solche Gedanken? [24:43] H: Nein, nicht wirklich. Aber das war nicht nein war nicht wirklich die Absicht, sich umzubringen oder so Th: Ok. Helen, deine Mutter sagte gerade dass sie den Eindruck hat, du gibst dir die Schuld an der Trennung deiner Eltern. Kannst du mir etwas mehr darüber erzählen? [25:09] H: Ich meine Vielleicht wenn ich braver gewesen wäre Km: Das ist Blödsinn, Helen! Helen war immer eine sehr artige Tochter. Es ist wirklich nicht dein Fehler, du hast keine Schuld. [25:29] Th: Du lebst jetzt also bei deinem Vater und ich frage mich, wie du mit ihm auskommst? H: Meistens nicht sehr gut. [25:38] Th: Ist das neu oder warst du nie besonders vertraut mit ihm? H: Es war besser, als Mutter noch da war. [25:46] Th: Mhm. Und wenn du deine Mutter anrufen willst, ist das schwierig? H: Er mag es nicht. [25:55] Th: Ach was. Das hört sich so an, wie wenn deine Eltern sehr gut zurechtkommen, obwohl es schon einige Monate her ist. Km: Er versucht sogar, dich davon abzubringen mich zu sehen, nicht wahr Helen? [26:07] Th: Frau Watkins, ich würde sie gerne ein wenig zu Helens Schulleistungen befragen. [26:15] Km: Nun, diese waren bisher ausserordentlich gut. Scheinbar ist sie im Moment eins der klügsten Mädchen dort. Aber aus den offensichtlichen Gründen zeigen sich nun beginnende Schwierigkeiten. Sie denken, dass sie nicht mehr so gute Leistungen bringt wie bisher. [26:29] Th: Und welche Noten bekam sie denn früher? Km: Normalerweise A s. Th: Wirklich? Km: Ja. Ihr letztes Zeugnis überraschte mich selbst. Viele A s, doch, in den meisten Fächern spitze. [26:45] Th: Das hört sich gut an. Aber sie haben das Gefühl, dass sie in letzter Zeit nicht mehr ganz so gut war? [26:49] Seite 2

3 Km: Nun, nein. Ich hatte ein Gespräch mit der Schule letzte Woche und sie sagten, es zeigten sich bereits Schwierigkeiten. Aber sie ist so gut. Aber nicht so gut, wie sie sein könnte. [26:58] Th: Ja. Ist das etwas, das du selbst auch bemerkt hast, Helen, mit den Schulaufgaben? H: Mhm. Ich erhalte nun auch B s und C s. Th: Ja, ok. Helen, manchmal, wenn man deprimiert wird, hat man den Eindruck, dass die Aufmerksamkeit und die Konzentration etc. nicht mehr ganz so gut sind. Hast du da etwas festgestellt, zum Beispiel bei den Schulaufgaben? [27:23] H: Ich denke nicht, dass ich mich so gut konzentriere kann, wie ich es sonst könnte. Aber ich kann mich konzentrieren. [27:32] Th: Ok. Und was ist bei andern Sachen, ausser den Schulaufgaben? Zum Beispiel beim Fernsehen oder so, hast du da festgestellt, dass deine Aufmerksamkeit nicht mehr so gut ist? H: Manchmal, wenn ich zum Ende einer Sendung komme, kann ich mich nicht mehr erinnern, was am Anfang war. War also nicht richtig konzentriert. [27:55] Th: Ok. Was ist mit deiner Anwesenheit in der Schule? H: Ich verpasste einige Tage in den letzten paar Wochen. Th: War das aufgrund deines Befindens? Ich war einfach nicht in der Lage aufzustehen. Th: Mhm. Wie war s in der letzten Woche oder so? [28:20] H: An einem Tag ging es mir wirklich schlecht, da ging ich am Mittag aus der Schule nach Hause. Th: Gingst du? Ok. Es klingt so, als wäre für dich die Schule im Moment nicht so erfreulich wie sonst. H: Nein, nicht wirklich. [28:36] Th: Kann ich dich ein wenig über deine Freundschaften befragen? Bist du jemand, der ziemlich leicht Freunde gewinnt? H: Manchmal. [28:50] Th: Ich glaube deine Mutter sagte, sie habe das Gefühl, du hättest in der letzten Zeit das Interesse an deine Sozialleben etwas verloren. Hast du noch Kontakt mit jemandem, mit dem du gut auskommst? H: Ich habe einige nahe Freunde. [29:02] Th: Mhm, und die unterstützen dich auch? H: Mhm. Th: Hast du ihnen je erzählt, wie du dich fühlst? H: Einem/-r von ihnen. [29:14] Seite 3

4 Th: Ja. [zur Mutter:] Kennt Helen diese Freunde schon länger? Km: Ja, sie waren zusammen in der Primarschule. [29:22] Th: Das ist gut. Vor ein paar Monaten, hatte da Helen einen guten Bekanntenkreis? Km: Oh ja, das Telefon stand niemals still. Da war immer jemand, der mit ihr ausgehen wollte oder sie anrufen wollte und mit ihr sprechen wollte, ja. Und ich sagte, dass sie dies nun nicht mehr tun ist nur ein Spiegelbild davon, wie Helen sich fühlt. [29:40] Th: Ja. Und was für ein Sozialleben hatte Helen zuvor? Km: Nun, sie wollte immer zuerst ihre Hausaufgaben machen, weil sie sehr beflissen war mit ihren Schulaufgaben. Aber danach war immer Zeit übrig, um raus zu gehen, zu Partys zu gehen oder einfach Freunde zu treffen. Sie war ein sehr geselliges Mädchen. [30:00] Th: Ja. Das hat sich also ziemlich deutlich verändert. Km: Ja, sie hat im Moment kein Interesse daran, nicht so wie vor einer Weile. Th: Siehst du im Moment irgendeinen deiner Freunde neben der Schule? Oder bleibst du in Kontakt mit ihnen? H: Ich habe eine richtig gute Freundin. Sie ist nicht von der Schule. [30:20] Th: Ich würde dir gerne noch einige weitere Fragen stellen, Helen. Über Probleme, die Teenager manchmal haben. Manchmal, wenn Leute alles satt haben, werden sie launisch, verlieren die Beherrschung oder reagieren gereizt anderen Leuten gegenüber. War das je ein Problem für dich? [30:41] Th: Wie steht s mit Aggressivität oder ähnlichem? Oder andere Leute schlagen? Th: Gar nichts in dieser Art? Ok. Trinkst du manchmal Alkohol? Nimmst du irgendwelche nicht verschriebenen Arzneimittel? Oder sniffst du Leim oder etwas in der Art? H: Nein, gar nichts. [31:05] Th [zu Km]: Haben Sie je mitbekommen, dass dies ein Thema gewesen wäre für Helen? Km: Nein. Es ist nicht zu erwarten, dass Helen es mit so etwas zu tun bekommt. [31:12] Th: Nicht, ok. Und wie steht es mit deiner Gesundheit? Ist sie allgemein in Ordnung, deine physische Gesundheit? Th: Manchmal, wenn man etwas deprimiert ist, kommt es vor, dass man vermehrt unter Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen leidet, auch wenn da keine physische Ursache besteht. War das je ein Problem für dich? Seite 4

5 H: Kopfschmerzen hatte ich neulich, ich nahm eine Schmerztablette und dann ging es weg. [31:37] Th: Ja, also nichts ausgesprochen Ernstes. Und du leidest auch nicht an einer chronischen Erkrankung wie Diabetes, oder Epilepsie? Km: Nein, sie war immer schon ein sehr gesundes Kind. [31:51] Th: Wirklich? Ist sonst noch irgendetwas von deiner Seite, das ich wissen müsste? Nicht? Frau Watkins, darf ich sie fragen, ob Helen normalerweise so selbständig ist wie andere Mädchen? Ist sie in der Lage, alleine zu reisen, einzukaufen Km: Ja, da habe ich keine Bedenken diesbezüglich. Sie ist ein sehr vernünftiges Mädchen, das gut zu sich schaut. Sie ist ziemlich selbständig für ihr Alter. [32:20] Th: So? Gut. Wenn du dich wohl fühlst, Helen, würdest du sagen, dass du gleich oft ausgehst wie andere 14-Jährige? [32:32] Th: Und was ist, wenn es dir nicht so gut geht? Hat das einen Effekt, wie gut du zu dir schaust, ob du dich zurechtmachst, dich pflegst? [32:44] Th: Ich habe ein wenig herausgehört, dass sie sich Sorgen machen um Helen, Frau Watkins. Und ich frage mich, ob sie eine Idee haben, was nötig ist um ihr zu helfen, oder was sie von unserer Seite erwarten? Km: Nun, ich weiss nicht wirklich viel über ihr Angebot, aber ich denke Helen braucht möglicherweise jemanden, mit dem sie reden kann. Es gab eine Menge Veränderungen in ihrem Leben in den letzten paar Monaten. Und sie sagt immer, sie sei deswegen niedergeschlagen. Sie braucht vermutlich jemanden zum Reden, allenfalls braucht sie auch Medikamente, um die Stimmung zu heben. Nur für eine kurze Dauer. [33:21] Th: Ja, was denken sie ist die Ursache für ihre Schwierigkeiten? Km: Nun, sie vermisst mich offensichtlich und sie kommt nicht sehr gut aus mit ihrem Vater. Aber im Moment können wir wenig tun bezüglich dieser Situation. Und Helen muss sich irgendwie damit arrangieren. [33:40] Th: Ja, das hört sich an als hielten sie die familiäre Situation für den Hauptgrund dafür? Km: Oh ja, bevor dies alles passierte, war Helen ein sehr fröhliches Kind. Und diese Probleme begannen erst, seit ich den Haushalt verlassen habe. [34:00] Seite 5

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