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1 Fachlehrplan RECHNUNGSWESEN Kanton Aargau Berufsmaturität kaufmännischer Richtung Semester 1 Inhalte * Grundlagen der Finanzbuchhaltung Lernziele (Anspruchsniveau) Das System der doppelten Buchhaltung beherrschen Bilanzen von Handels-, Industrie- und Dienstleistungsbetrieben aufstellen sowie die Unterschiede erklären Zusammenhängende Geschäftsabläufe verschiedenartiger Betriebe verbuchen und mit Bilanz und Erfolgsrechnung in Konto- und Berichtsform abschliessen Richtwert L. Anregungen zur prozessorientierten Unterrichts- und Prüfungsgestaltung 34 Lehrling erstellt aufgrund der gewonnenen Kenntnisse einen Vorschlag zur Führung einer persönlichen Buchhaltung Mit Hilfe einer Standard - Software einfachen Abschluss auf dem PC erstellen Einfache Buchungsbelege aus dem Geschäftsalltag Beispiele von Kontierungsvorlagen aus dem Lehrbetrieb mitnehmen Anregungen zu Intra- bzw. Multidisziplinarität Unterrichtsmaterialien/-formen Geschichte: Entstehung der doppelten Buchhaltung Englisch: Erkunden von Bilanzen und Erfolgsrechnungen Französisch: Erkunden von Bilanzen und Erfolgsrechnungen FIBU-Standard-Software: z. B. Sesam NT, Baar 2 Geld- und Kreditverkehr Die Konten des Geld- und Kreditverkehrs (Kassa, Post, Bank, Debitoren, Kreditoren, Anzahlungen, Aktiv- und Passivdarlehen, Aktiv- und Passivhypotheken) führen Debitoren und Kreditoren als Offenpostenbuchhaltung führen Währungsberechnungen vornehmen und Geschäftsfälle mit fremden Währungen in Schweizer Franken verbuchen und Kursdifferenzen ausgleichen Zinsen nach der allgemeinen Zinsformel berechnen, Umkehrung der Zinsformel anwenden, Ertragswert berechnen Bankkontoauszug interpretieren und verbuchen (inkl. Abschluss) (C) Die Verrechnungssteuer erklären und buchen 16 In Gruppen- oder Partnerarbeit Vorschläge zur Organisation des Belegwesens im Kreditverkehr ausarbeiten Für eine Auslandreise die zweckmässigste Zahlungsart (Bargeld, Bancomat- bzw. Postomatkarte, Kreditkarte, Reisecheck) herausfinden Vorteile der Offenpostenbuchhaltung bei Fremdwährungsgeschäften selber entdecken Eine Lektionsreihe zur Einführung ins Rechnungswesen Ein problemorientierter Unterrichtseinstieg (Daniel Piezzi; Michael Käppeli, St. Gallen) Führen der Kasse eines Vereins Aktuelle Zinssätze und Kontogebühren erkunden und Angebote vergleichen Anzahlungen als Instrument der Kreditsicherung Ablaufdiagramm eines Kreditkaufes von der Bestellung bis zur Ablage

2 2 Warenverkehr und Kalkulation Die für den Handelsbetrieb typischen Konten führen Mehrstufige Erfolgsrechnung erstellen Einfachere Kalkulationen im Warenhandelsbetrieb durchführen 16 Aufgrund der Einkaufskalkulation die Verkaufskalkulation ableiten (=Kalkulation aus Verkäufersicht) Mit Hilfe einer Planerfolgsrechnung die notwendige Absatzmenge bei gegebenen Preisen ermitteln Preispolitik, 4 P s, Preisbildung Informatik: Einkaufs-, Verkaufskalkulation mit Excel 3 Industriebetrieb Die für den Industriebetrieb typischen Konten führen (inklusive Bestandesänderung Halb- und Fertigfabrikate) (B,C) 4 Notwendigkeit der Bestandesänderung (analog zum Warenhandel) sowie die Besonderheiten im Vergleich zum Warenhandel selber erkennen Phasen im Produktionsprozess grafisch darstellen (Wertschöpfungskette) Fachlehrplan RECHNUNGSWESEN M-Profil Kanton Aargau / April 2003 Seite 2 von 9

3 3 Jahresabschluss und Bewertung Wertberichtigungen Abschreibungen 18 Die drei Zwecke von Abschreibungen verstehen (korrekte Vermögensermittlung, periodengerechte Ermittlung des Erfolgs, Bereitstellung liquider Mittel für Ersatzinvestitionen) Berechnung des Abschreibungsbetrages nach linearer und degressiver Methode Verbuchung der Abschreibungen nach direkter und indirekter Methode. Vor- und Nachteile der beiden Methoden erklären Buchgewinne und Buchverluste sowie die Wertberichtigungen beim Verkauf von materiellem Anlagevermögen verbuchen Was würde passieren, wenn eine Unternehmung nicht abschreibt? Wie viel ist mein altes Auto wert? Einschlägige Listen aus der Versicherungsbranche (Eurotax) Bewertungsvorschriften gemäss OR Betriebswirtschaftliche und steuerrechtliche Abschreibungen unterscheiden (Steuerrecht) Garantieaspekte beim Verkauf von Occasionen Debitorenverluste und Delkredere Direkte und indirekte Abschreibung bei den Debitoren anwenden (endgültige und mutmassliche Debitorenverluste (Delkredere) Der Ablauf einer Betreibung Steuerrechtliche Aspekte der Höhe des Delkrederes Thema Rezession RW: Vergleich zu den Abschreibungen Fachlehrplan RECHNUNGSWESEN M-Profil Kanton Aargau / April 2003 Seite 3 von 9

4 Rechnungsabgrenzungen Aktive und passive Rechnungsabgrenzung (TA und TP) Nicht periodengerecht verbuchte Aufwände und Erträge mit transitorischen Buchungen an die Periode anpassen Problemorientierte Unterrichtseinheit zu den TA und TP D. Jabornegg, C. Nüesch (SZfkB 95, 3/2001) RW: Zinsrechnen Abgrenzung von TP zu den Rückstellungen und den Kreditoren Rückstellungen Rückstellungen erklären und verbuchen Eine Altlast belastet unseren sonst glänzenden Abschluss, weil wir keine Rückstellungen gebildet haben Aktuelle Beispiele aus dem Wirtschaftsteil Fachlehrplan RECHNUNGSWESEN M-Profil Kanton Aargau / April 2003 Seite 4 von 9

5 Bewertung und stille Reserven Bewertung Die Bewertungsgrundsätze verstehen und anwenden 12 Den Unterschied zwischen den allgemeinen und den aktienrechtlichen Bewertungsvorschriften des Obligationenrechts erklären. Die Vorschriften anwenden. Den Anhang zur Bilanz und Erfolgsrechnung und deren Bedeutung im Zusammenhang mit der Bewertung darlegen. Die obligationenrechtlichen mit internationalen Bewertungsrichtlinien vergleichen ( true and fair view - Prinzip ) Begriff und Bedeutung von Goodwill und Badwill kennen (A) Hinweis auf Rechnungslegungsvorschriften für börsenkotierte Unternehmungen -> Konzernabschluss nach Swiss GAAP FER, IAS oder US GAAP Unternehmungsmodell RW: IAS, Swiss GAAP FER, US GAAP Stille Reserven Die Bedeutung der stillen Reserven aus der Sicht verschiedener Interessengruppen darlegen (interne und externe Rechnungen) Die bewusste Bildung und Auflösung stiller (im Sinne von Willkürreserven) Reserven berechnen und verbuchen ; daneben auch automatisch entstehende und verschwindende stille Reserven infolge Wertschwankungen (z.b. Wertschriften, Immobilien) kennen und verstehen Anhand eines Jahresabschlusses mit zwei Szenarien (einer mit und einer ohne stille Reserven) die Vor- und Nachteile für die verschiedener Anspruchsgruppen ableiten Stille Willkürreserven: Jahresbericht der Migros Ostschweiz (1999): Positionen auf einen Merk-Franken abgeschrieben Fachlehrplan RECHNUNGSWESEN M-Profil Kanton Aargau / April 2003 Seite 5 von 9

6 4 Jahresabschluss bei verschiedenen Rechtsformen Einzelunternehmung Den Sinn von Privat- und Eigenkapitalkonto verstehen Den buchhalterischen Abschluss einer Einzelunternehmung durchführen 16 Gesetzliche Bestimmungen zu den Rechtsformen Vor- und Nachteile verschiedener Rechtsformen Wie gründe ich eine Unternehmung? Welche Rechtsform eignet sich für welche Zwecke? Kollektivgesellschaft Den buchhalterischen Abschluss einer Kollektivgesellschaft unter Beizug der gesetzlichen Vorschriften durchführen Umwandlung einer Einzelunternehmung in eine Kollektivgesellschaft und ihre Folgen RW: Die Privat- und Eigenkapitalkonten mit denjenigen der Einzelunternehmung vergleichen Aktiengesellschaft Den buchhalterischen Abschluss einer AG unter Beizug der gesetzlichen Vorschriften durchführen OR 671 kennen, aber nicht anwenden Eine AG hat Liquiditätsprobleme. Zerschlagen wir doch unser Kässeli Reserven! Freiwillige Reserven sind flexibler zu handhaben als die gesetzlichen Reserven Selbstfinanzierung und Beteiligungsfinanzierung Beteiligungspapiere RW: Die Eigenkapitalkonten der AG mit denjenigen der Kollektivgesellschaft vergleichen Fachlehrplan RECHNUNGSWESEN M-Profil Kanton Aargau / April 2003 Seite 6 von 9

7 4/5 Zusätzliche Konten Löhne und Gehälter 32 Praxisgerechte Gehaltsabrechnungen erstellen und verbuchen (inkl. Arbeitgeberbeiträge) (C) Berufsmaturanden vergleichen ihre Lohnabrechnungen Dreisäulenprinzip, Versicherungen Informatik: Excel/Access Wertschriften (Effekten) bzw. Finanzanlagen Wertschriftenverkehr: Kauf- und Verkaufsabrechnungen erstellen (ohne detaillierte Spesenberechnung) und Verbuchung, Bereinigung beim Jahresabschluss Verschiedene Wertschriften untersuchen und buchungsrelevante Merkmale erarbeiten. Wertpapiere, Banken RW: Zinsrechnen Informatik: Excel Renditen von Wertschriften berechnen (ohne Berücksichtigung von Spesen), interpretieren inkl. Umkehrung der Renditeformel Vergleich der Börsenberichterstattung in verschiedenen Medien. Vergleich mit anderen Anlageobjekten. Mathematik: Gleichungen Informatik: Excel Immobilien Immobilien und Immobilienverkehr: Kontenführung, Berechnung der Bruttorendite und Rendite des investierten Eigenkapitals sowie des Ertragswertes Verschiedene Nutzungen von Liegenschaften erkennen. Mietvertrag, Finanzierung, Schuldbrief, Grundeigentum (Grundbuch) RW: mehrstufige Erfolgsrechnung Mehrwertsteuer Mehrwertsteuer: Abrechnungs-, Verbuchungsmethoden unterscheiden und anwenden (Brutto-, Netto- und Saldomethode) Anhand von Abrechnungsformular und Merkblättern Thema in Gruppen erarbeiten lassen. Steuern Vergleich mit Nachbarländer Informatik: Excel Fachlehrplan RECHNUNGSWESEN M-Profil Kanton Aargau / April 2003 Seite 7 von 9

8 5 Kontenrahmen, Kontenplan Verschiedene Kontenrahmen (KMU, Käfer) kennen (A), ihren Aufbau erklären und Kontenpläne vergleichen können ; verbuchen mit Hilfe von Kontennummern Mehrstufige Erfolgsrechnungen praxisgerecht darstellen (mit Ebit), verstehen, auswerten 8 Geschäftsberichte resp. Unterlagen des Lehrgeschäftes einsetzen. Jahresberichte resp. Wirtschaftspresse als Quelle anwenden. Buchführungsvorschriften Buchführungsvorschriften RW: Den Kontenrahmen vergleichen mit mehrstufiger Erfolgsrechnung 5 Kalkulation im Handelsbetrieb Zusammenhang zwischen Gesamtkalkulation und Einzelkalkulation aufzeigen Auf- und abbauende Einzelkalkulationen durchführen Zuschlagssätze aus der Gesamtkalkulation ermitteln und an Einzelkalkulationen anwenden 8 Anhand der Erfolgsrechnung eines kleineren Handelsbetriebes die Gesamtkalkulation eruieren Einzelkalkulationsschema mit Excel erstellen und Kalkulationssätze variieren BRV Rentabilitätskennzahlen Preisgestaltung nicht kostendeckende Preise; Dumping 5 Kalkulation im Produktionsbetrieb 5 Deckungsbeitragsrechnung Einzelkosten und Gemeinkosten unterscheiden Finanzbuchhaltung und Betriebsabrechnung unterscheiden (A) Betriebsabrechnung mit sachlichen Abgrenzungen, Vor- und Hauptkostenstellen, Kostenträger, Bestandesänderungen mit Hilfe eines BAB durchführen und Zuschlagssätze ermitteln; darauf aufbauend eine Einzelkalkulation durchführen BAB interpretieren und mögliche Massnahmen ableiten (C) Fixe und variable Kosten unterscheiden Bruttogewinne bzw. Deckungsbeiträge und -sätze ermitteln Nutzschwellen rechnerisch und grafisch bestimmen Grafiken mit linearen Kosten und Erträgen erstellen und interpretieren 12 BRV Kalkulation im Produktionsbetrieb mit der Kalkulation im Handelsbetrieb vergleichen Rentabilitätskennzahlen Preisgestaltung nicht kostendeckende Preise; Dumping Wirtschaftssektoren Bedeutung der Arbeitskosten Ausgliederung von Produktionseinheiten 10 Mathematik lineare Kostenfunktionen, Schnittpunkte und Ableitungen Fachlehrplan RECHNUNGSWESEN M-Profil Kanton Aargau / April 2003 Seite 8 von 9

9 6 Bilanz- und Erfolgsanalyse Bilanz- und Erfolgsanalyse als Führungsinstrument verstehen (A) Bilanzen und Erfolgsrechnungen formell und materiell aufbereiten Kennzahlen über die finanzielle Lage, Liquidität, Umschlag und Rentabilität berechnen und interpretieren; Massnahmen vorschlagen (vorgegebene Formelsammlung) (C) 16 Fallstudie BRV Unterbilanz, Überschuldung, Sanierung bei der AG Anlageberatung, Börsengeschäfte Kreditgeschäft 6 Geldflussrechnung Cashflow direkt und indirekt ermitteln und die Bedeutung erkennen Die Geldflussrechnung als Instrument der Liquiditätssteuerung verstehen ; ist aber KEIN Prüfungsstoff Einfache Geldflussrechnungen aufstellen ; ist aber KEIN Prüfungsstoff 6 Informatik Mit Hilfe einer Standard- Finanzbuchhaltungssoftware eine Buchhaltung eröffnen, führen und abschliessen 12 BRV Unternehmungskonzept Liquiditätsplanung 10 Informatik: Belegsammlung verbuchen 6 Repetitionen Fachlehrplan RECHNUNGSWESEN M-Profil Kanton Aargau / April 2003 Seite 9 von 9

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