Alle Jaaahre wiiieeedeeer

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1 1 3. Bericht der Freiwilligen Janine Lüth Centro Cultural Masis, Sucre, Bolivien Ein ganzes halbes Jahr.. Ja, es ist wirklich wahr! Ein halbes Jahr ist schon vergangen und die Hälfte meiner Zeit hier in Bolivien schon um Besonders jetzt gerade habe ich das Gefühl, dass die Zeit nahezu rennt. Bisher konnte ich immer noch sagen: Es fehlt ja noch mehr als die Hälfte! So viel Zeit liegt noch vor mir, ich habe Zeit Aber jetzt!? Die Hälfte ist vorbei und genau in einem halben Jahr werde ich schon wieder in Deutschland sein. Dabei kommt es mir doch so vor, als wäre ich gerade erst hier angekommen. Es ist ein komisches Gefühl, denn mein Alltag, den ich in meinem letzten Bericht beschrieben habe und der für mich damals eher noch neu war, ist nun schon zur Gewohnheit geworden und ist voll und ganz ein Teil von mir. Ich fühle mich jeden Tag wohler - sowohl im Projekt, als auch in meinem Zuhause! Mich freut es, dass dies alles nun ein Teil von mir ist, ich aber auch wirklich ein Teil davon bin und nun sowohl in meiner Gastfamilie, als auch in meinem Projekt wirklich dazugehöre. Alle Jaaahre wiiieeedeeer In der Vorbereitungszeit in Deutschland war es sehr oft Thema: die Weihnachtszeit! Es kamen in Seminaren und Gesprächen die Fragen auf, wie das Weihnachtsfest wohl wird, wie ich mich fühlen werde, ob ich Heimweh haben werde und und und... Von all diesen Fragen wollte ich damals aber nichts hören, denn ich wollte es einfach auf mich zukommen lassen. Und das war auch gut so!!

2 2 Meine Weihnachtszeit war natürlich, wie mein ganzes Leben hier, von Musik geprägt. Wie schon im letzten Bericht beschrieben, haben wir Ende November im Centro begonnen mit den Kindern Weihnachtslieder zu proben. Diese Weihnachtslieder sind jedoch nicht so, wie man Weihnachtslieder aus Deutschland kennt, denn anstatt besinnlicher Klänge ertönen laute und fröhliche Lieder gespielt auf verschiedenen Instrumenten. Für mich waren es ganz neue weihnachtliche Klänge, die mich noch bis Ende Januar begleitet haben. In der Weihnachtszeit hatten wir viele Auftritte mit dem gesamten Centro. Wir haben mit allen Kindern, Jugendlichen und Masis gemeinsam gespielt, gesungen und getanzt und hatten viel Spaß dabei. Hier kann ich nun wirklich von WIR sprechen, denn auch ich war ein Teil davon. Für mich war es eine schöne Erfahrung all diese Lieder zu lernen. Besonders interessant war es, dass ich die Lieder nicht nur auf Zampoña, sondern auch auf Klarinette gelernt und mitgespielt. Oft kamen Kinder zu mir und fragten mich, was das denn für ein Instrument wäre und nur den wenigsten war die Klarinette bekannt. So konnte ich dann ein wenig erklären und die Kinder waren sehr interessiert.

3 3 Der wohl spannendste Auftritt für alle Kinder war wohl unser Auftritt in La Paz. Wir sind gemeinsam in einer anstrengenden Busreise dorthin gereist, um der Einladung der Präsidentschaft zufolge, die dortige Eröffnung der weihnachtlichen Aktivitäten Anfang Dezember mitzugestalten. Es war unglaublich anstrengend mit 40 Kindern eine ganze Nacht im Bus zu verbringen und mit nur wenig Schlaf am nächsten Tag bei strömendem Regen und Kälte durch eine Großstadt zu marschieren, am Abend aufzutreten und direkt im Anschluss wieder eine Nacht fast ohne Schlaf im Bus zu verbringen. Trotz all der Anstrengungen war es aber ein sehr schöner Ausflug für alle. Besonders für die Kinder war es eine super schöne Erfahrung, denn die wenigsten von ihnen waren vorher schon einmal in La Paz und so konnten sie viele neue Dinge kennenlernen. Für mich sehr verwunderlich war es, als die Kinder alle begeistert vor einer Rolltreppe stehen geblieben sind und unbedingt mit dieser nach unten fahren wollten. Ich habe mich gefragt, was daran so besonders sein soll, aber die Erklärung hierfür ist eigentlich gar nicht so schwer: Hier in Sucre gibt nur eine einzige Rolltreppe. Diese Rolltreppe fährt jedoch nach oben und somit kannten die meisten Kinder noch keine Rolltreppe, die auch in die andere Richtung fährt und waren davon vollkommen fasziniert. Somit konnten die Kinder während dieser Reise nach La Paz nicht nur begeistert ihr musikalisches Können auf der Plaza in Präsident Evo Morales kurz vor unserem Auftritt La Paz präsentieren, wo auch der Präsident anwesend war, sondern auch noch viele Dinge kennenlernen, die sie bisher noch nicht kannten. Viele weitere Auftritte hatten wir noch hier in Sucre: in Krankenhäusern, Altenheimen, auf der Plaza, in der Universität und bei vielen Feiern, die für das Jesuskind von verschiedenen Personen organisiert worden sind. Es ist immer wieder toll, wie die Kinder voller Freude ihr Instrument spielen. Man merkt es ihnen an, dass es ihnen gefällt und Spaß macht. Es ist auch immer wieder ein schönes Gefühl zu wissen, dass man die Kinder dabei unterstützt.

4 4 Hier ein paar Eindrücke der Weihnachtsauftritte: Unsere Kinder des Centros tanzend vor der Krippe in der Universität Sucres

5 5 Auftritt in La Paz Hier, anders als in Deutschland, wird das Jesuskind sog. Niño Jesus in der Weihnachtszeit sehr viel mehr verehrt und in den Vordergrund gestellt. Fast jede Person hat beispielsweise ein eigenes Jesuskind in Form einer Puppe, das mit in die Kirche genommen wird, vor den Altar gelegt wird und während der Messe gesegnet, verehrt und gefeiert wird. Für das Jesuskind wird fröhlich getanzt und gesungen. Ein wirklich ungewohntes, aber sehr schönes Bild, die Menschen fröhlich vor den Krippen tanzen zu sehen!

6 6 Die Krippen waren auch ein Teil, der mich begeistert hat. Manchmal fallen diese wirklich ähnlich aus, wie die Krippen, die ich aus Deutschland kenne: mit Schafen, Hirten, Heu und Stroh. Die Krippe jedoch bei mir daheim war ganz anders und viel vielfältiger. So hatten unsere Niños nicht nur typische Tiere in ihrer Krippe, sondern eigentlich so alles, was man sich nur vorstellen kann: Schuhe, ein Teeservice, ganz verschiedene Tiere, Spielzeug und und und So war eigentlich mein ganzer Dezember und auch noch Teile des Januars von Weihnachtsauftritten geprägt. Zunächst war es für mich, bedingt durch die Wärme, die fröhliche Musik und all das Unbekannte, etwas schwer in wirkliche Weihnachtsstimmung zu kommen und ich glaube es ist bis zuletzt auch nicht wirklich gelungen. Aber dies ist irgendwo ja auch klar, denn die Weihnachtsstimmung, die ich bisher kannte, war verbunden mit den deutschen und mir bekannten Weihnachtstraditionen und Umständen. Aber diese deutschen Traditionen und Umstände, die ich seitdem ich auf der Welt bin so erlebt habe, waren in diesem Jahr aber ja natürlich nicht vorhanden. Dafür gab es jedoch viele andere neue und sehr interessante Traditionen und Bräuche, die ich kennenlernen durfte. Mein Heiligabend habe ich zusammen mit meiner Gastmutter und einigen Freunden der Familie bei mir Zuhause verbracht. Es war sehr schön! Wir sind zunächst in die Kirche gegangen und im Anschluss haben wir Zuhause sehr lecker gegessen. Doch zunächst mussten wir auf das Essen noch ein wenig warten, denn erst pünktlich um 24 Uhr haben wir gemeinsam angestoßen, uns frohe Weihnachten gewünscht und anschließend gegessen. Am nächsten Tag stand dann eine Feier im Centro an. Wir haben zunächst eine Messe musikalisch gestaltet und im Anschluss im Centro ausgelassen gesungen, getanzt und gespielt. Alles in allem war es ein wirklich schönes Weihnachtsfest!!

7 7 Die Arbeit Schon im November haben die Schulferien der Kinder hier in Bolivien begonnen. Seit diesem Zeitpunkt hatten sie somit auch keine Hausaufgaben mehr zu erledigen und wir im Centro haben diese freie Zeit zur musikalischen Vertiefung genutzt - für die Weihnachtslieder musste ja schließlich viel geprobt werden!! Bis kurz vor Weihnachten sind auch noch alle Kinder in ihren jeweiligen Turnos ins Centro gekommen. Wir haben mit ihnen in dieser Zeit viel gespielt und intensiv geprobt. Am 20. Dezember haben wir dann das erste Jahr des Projektes Un Mañana con Futuro mit einer Feier und Urkundenvergabe beendet. Alle Kinder, die das Jahr erfolgreich abgeschlossen haben, erhielten ein Zertifikat als Anerkennung. Viele stolze Eltern waren gekommen, um diesen Abschluss mit uns und ihren Kindern gemeinsam zu feiern. Nach diesem Tag kamen die Kinder nur noch zur gemeinsamen abendlichen Probe und Auftritten mit allen ins Centro. Aufgrund dessen hatten wir im Januar ein bisschen mehr Zeit, um uns um die

8 8 organisatorischen Aufgaben zu kümmern. Denn da blieb oft im Alltagsstress mit den Kids nicht so viel Zeit zu. Angekommen im neuen Jahr, haben Birthe und ich die etwas ruhigere Zeit in unseren Projekten genutzt, um noch ein paar Tage gemeinsam zu reisen. So sind wir erst gemeinsam nach Cochabamba und von dort aus später weiter nach Villa Tunari gereist.es war eine sehr schöne Reise und wir hatten sehr viel Spaß gemeinsam und konnten so noch ein wenig mehr von Bolivien kennenlernen. Aussicht auf Cochabamba

9 9 VILLA TUNARI DAS JAHR AKTUELL Die Zeit der Weihnachtslieder ist nun vergangen, und direkt im Anschluss daran folgt, nicht viel anders als in Deutschland, die Zeit des Karnevals. Mitte Januar haben wir bereits begonnen, mit den Kindern neben den Weihnachtsliedern die Karnevalslieder einzustudieren. Gleichzeitig haben die Masis und die Q arapanzas eine CD mit diesen Karnevalsliedern aufgenommen, die nun fertig ist und pünktlich zu Karneval erscheinen wird. Durch die Proben und auch die Aufnahmen, konnte ich die Karnevalslieder natürlich

10 10 selbst schon sehr gut kennenlernen. Dennoch muss ich bis Karneval noch ein bisschen daran arbeiten, damit ich dann bei den Auftritten gut mitspielen kann. Auf Karneval insgesamt bin ich sehr gespannt, denn davon habe ich schon die wildesten Geschichten hier zu hören bekommen! Nun, nach der ereignisreichen Zeit des Dezembers und Januars, die von weihnachtlichen Aktivitäten geprägt war, kehrt wieder ein bisschen Alltag im Centro ein. Die Schulklassen beginnen wieder, die Kinder kommen wieder in ihren Turnos ins Centro und die Arbeit fokussiert sich neben dem Proben und Spielen der Karnevalslieder wieder mehr auf die schulische Unterstützung der Kinder. Außerdem werden neue Kinder und Jugendliche ins Centro kommen. Zum einen werden Kinder neue Stipendien durch das Projekt: Un Mañana con Futuro erhalten, zum anderen werden aber auch neue Unterrichtsstunden in den Instrumenten: Gitarre, Charango, Mandoline, Quena, Zampoña und Klavier, sowie Gesangsstunden angeboten. Bevor ich mich in diese neue Aktivitäten jedoch wirklich einleben und einbringen kann, heißt es für mich selbst nun erst einmal: Zwischenseminar! In Santa Cruz werden Birthe und ich in der nächsten Woche gemeinsam mit anderen Freiwilligen an einem Zwischenseminar teilnehmen, denn es ist wirklich wahr: die Hälfte unserer Zeit ist schon vergangen Liebste Grüße aus Sucre Janine

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