Was kann man hoffen? Philosophische Perspektiven Stephan Sellmaier

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1 Was kann man hoffen? Philosophische Perspektiven Stephan Sellmaier

2 Begriffliches Hoffen: wünschen, dass etwas in Erfüllung geht Hoffnung: Erwartung, dass etwas Gewünschtes in Erfüllung geht richtet sich auf die Zukunft muss etwas mögliches, denkbares und vorstellbares sein erlaubte (keine guten Gründe) berechtigte (gute Gründe) unbegründete/irrationale Hoffnung Angst, Furcht, Illusion

3 Die Rolle von Hoffnung in der praktischen Philosophie 1. Zusammenhang zwischen ethischen/moralischem Handeln und der individuellen Glückseeligkeit 2. Hoffen und Hoffnung machen in der Medizinethik

4 Aristoteles Für Aristoteles ist ein gutes Leben von der Einübung der vier Kardinaltugenden abhängig: 1. Weisheit (oder auch Klugheit) 2. Gerechtigkeit, 3. Tapferkeit, 4. Mäßigung; Das moralische Leben führt zu einem guten Leben

5 John Stuart Mill Utilitaristisches Nutzenprinzip: Die Norm des Utilitarismus ist nicht das größte Glück des Handelnden selbst, sondern das größte Glück insgesamt [der Allgemeinheit] Problem: manche geforderten Handlungen widersprechen meinen unmittelbaren Interessen

6 John Stuart Mill und wenn es vielleicht auch fraglich ist, ob ein edler Charakter durch seinen Edelmut glücklicher wird, so ist doch nicht zu bezweifeln, dass andere durch ihn glücklicher sind und dass die Welt insgesamt durch ihn unermesslich gewinnt. [Zitate aus: J.S. Mill, Utilitarianism] Aber: diejenigen, die moralische Handlungen ohne eigennützige Motive vollbringen, werden diese als Teil des persönlichen Glücks erfahren. Die Hoffnung auf ein glückliches moralisches Leben ist berechtigt, aber nicht garantiert.

7 I. Kant: Was darf ich hoffen? Alles Interesse meiner Vernunft vereinigt sich in folgenden drei Fragen: 1. Was kann ich wissen? 2. Was soll ich tun? 3. Was darf ich hoffen? [Kant, Kritik der reinen Vernunft. A 805]

8 Immanuel Kant Was soll ich tun? Tue das, wodurch du würdig wirst, glücklich zu sein. [Kant, KrV: A809] Sittengesetz: Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde. [Kant, GMS: BA 52]

9 Immanuel Kant Was darf ich hoffen? Wie, wenn ich mich so verhalte, dass ich der Glückseeligkeit nicht unwürdig sei, darf ich hoffen, ihrer dadurch teilhaftig werden zu können? [...]... dass jedermann die Glückseeligkeit in demselben Maße zu hoffen Ursache habe, als er sich derselben in seinem Verhalten würdig gemacht hat, und dass also das System der Sittlichkeit mit dem der Glückseeligkeit unzertrennlich, aber nur in der Idee der reinen Vernunft verbunden sei. [Kant, KrV: A809]

10 Die Rolle von Hoffnung in der Medizinethik Hoffnung als therapeutisches Mittel Positiven Grundhaltung des Patienten (Zuversicht) Verschweigen von unangenehmen Wahrheiten durch den Arzt bzw. das Pflegepersonal Die Hoffnung nicht zerstören Die Grundhaltung nicht verändern Es ist (alles in allem) besser für den Patienten!!

11 Paternalismus Paternalismus bezeichnet den Versuch eines Einzelnen oder des Staates, das Wohlergehen anderer Personen (bzw. Staatsbürger) auch ohne deren Einwilligung, im Extremfall sogar gegen ihren Willen herzustellen. (Lexikon der Ethik; Hrsg. O. Höffe, München, 2002)

12 Aufgabe der Medizin Wenn Schmerzen, Leiden und Krankheit nicht besiegt oder beseitigt werden können - und dies ist nun einmal der Fall-, dann muss die moderne Medizin in ihrem Kernbereich einen Weg finden, sich dauerhaft mit dem Übel zu arrangieren, die Körper und Seele heimsuchen können. [...] [Daniel Callahan, Falsche Hoffnungen. New York, 1998]

13 Arten des Paternalismus 1. weicher Paternalismus 2. harter Paternalismus

14 Wie zulässig ist es falsche Hoffnungen zu machen? Hängt von der Art der Handlung ab korrigiere unberechtigte Hoffnung des Patienten nicht Unterschlage für den Patienten wichtige Informationen belüge den Patienten

15 Wie zulässig ist es falsche Hoffnungen zu machen? II Hängt von den Wünschen des Patienten ab Patient möchte vollständig und lückenlos informiert werden Patient möchte nicht informiert werden Patient überlässt dem Arzt die Entscheidung welche Informationen für ihn geeignet sind und welche nicht

16 Wie zulässig ist es falsche Hoffnungen zu machen? III Hängt vom Zustand des Patienten ab Wie belastbar ist der Patient in der konkreten Situation

17 Fazit Falsche Hoffnungen erwecken ist ein paternalistischer Eingriff, der gut begründet sein muss. Falsche Hoffnungen können nämlich ihr therapeutisches Ziel verfehlen, indem sie allzu lange den Patienten vor den tatsächlichen Herausforderungen abschirmen.

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