Orga & IT Business Intelligence in der Energiebranche

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1 4 15 Ausgabe 4 August 2015 Energie. Markt. Wettbewerb. Orga & IT Business Intelligence in der Energiebranche Von Hendrik-Tobias Trost und René Helbig, Softwareberater, ECG Erdgas-Consult GmbH ISSN:

2 Special Zukunft Kraft-Wärme-Kopplung Business Intelligence in der Energiebranche Die Energiebranche muss sich neu erfinden: Die Liberalisierung des Marktes schafft mehr Wettbewerb und die Energiewende fordert fundamentale Korrekturen etablierter Geschäftsmodelle. Eine hohe Preistransparenz an liquiden Handelsplätzen lässt ehemals komfortable Margen auf ein kleines Handgeld schmelzen. Ehemalige Platzhirsche geraten ins Wanken, krempeln bewährte Geschäftsmodelle um und müssen neue Wege zur Diversifizierung finden. Jetzt, da die Trauben höher hängen, treten Fragen nach Optimierungsmöglichkeiten und versteckten Potenzialen in den Vordergrund und damit der Bedarf an einem umfänglichen, flexiblen Berichtswesen. Von Hendrik-Tobias Trost und René Helbig, Softwareberater, ECG Erdgas-Consult GmbH 2 e m w Heft

3 Neben einem stark zunehmenden Wettbewerb führte die stetige Veränderung regulatorischer Vorgaben in den letzten Jahren zu einer enormen Komplexitätssteigerung der Geschäftsprozesse bei immer kürzer werdenden Prozesslaufzeiten. Dies stellt Energieunternehmen und deren IT-Dienstleister vor große Herausforderungen und führt im Ergebnis zu meist breit gefächerten IT-Systemlandschaften. Deren hoch spezialisierte Prozessinseln erzeugen, ändern und verarbeiten täglich Millionen von Transaktionen. Allein für die Abwicklung aller logistischen Geschäftsprozesse eines Tages werden tausende Nachrichten unter Einhaltung von Fristen mit Marktpartnern ausgetauscht und eine ungezählte Anzahl von Werten auf einer Vielzahl von Zeitreihen gespeichert. Die Tendenz ist mit der Ausweitung untertägiger Prozesse weiterhin steigend. Als wäre das nicht schon Herausforderung genug, müssen sich die Unternehmen einem zunehmenden Wettbewerb stellen, der unter dem Eindruck sinkender Rohölpreise, einem Angebotsüberhang am Markt und gläserner Preistransparenz wohlwollend als schwierig zu beschreiben ist. Mangels Möglichkeiten der Produktdiversifikation und einer sich bereits am Anschlag befindenden Preisschraube wird neben neuen Vertriebswegen und Servicedienstleistungen nach Ansatzpunkten für die eigene Optimierung gesucht. Hier kann eine breite Systemlandschaft schnell zum Fluch werden. Denn die Informationshäppchen aus deren Kombination sich schlüssige Antworten finden lassen, liegen gut versteckt, auf unterschiedliche Art und Weise angereichert in dunklen Tiefen diverser Datentöpfe. Selbst eingefleischte Excel-Freunde geraten aufgrund der Datenmenge an die Grenzen des Machbaren. Am Ende eines mühsamen, fehleranfälligen, mehrstufigen sowie kostenintensiven Prozesses stehen häufig unleserliche Zahlentapeten, die nur zu weiteren Fragen führen und darüber hinaus ihren Blick auf die Vergangenheit beschränken. Um für alle wichtigen Prozesse die jeweils benötigten fachlichen Anforderungen und dabei anfallenden Datenmengen bewältigen zu können, sind spezialisierte Systeme für eine Vielzahl von Prozessen notwendig. Als Ergebnis findet sich ein Unternehmen meist vor einer heterogenen Systemlandschaft mit vielen Schnittstellen wieder. Mehr Erkenntnis, bessere Entscheidungen Auch wenn Business Intelligence kein neues Thema ist, stehen viele Energieunternehmen noch am Anfang. War es anfangs nicht wichtig genug, um höchste Priorität zu erringen, standen anschließend aufgrund der immensen Marktdynamik schlicht keine Ressourcen zur Verfügung. Heute sind viele Marktteilnehmer mit der Untersuchung ihrer IT-Landschaft und der Schaffung einer homogenen Datengrundlage für ein zeitgemäßes Berichtswesen beschäftigt. Informationshäppchen verstecken sich in den dunklen Tiefen diverser Datentöpfe. Vor allem IT-Koordinatoren sind sich der Relevanz von Business Intelligence im Unternehmen bewusst. Häufig beschränkt sich der Einsatz von entsprechender Software noch auf das klassische Controlling, wo die Akzeptanz bei den Anwendern sehr hoch ist. Immer mehr Energieunternehmen erweitern dies nun auf die Auswertung von fachlichen, operativen Daten um auch hier von den weitreichenden Potenzialen dieser Lösungen zu profitieren. Ohne ein kluges Datenmanagement können die vielfältigen Fragen, die Entscheidungsträger an ihre Unternehmung richten, nicht mehr beantwortet werden. Und dabei haben sie einen Anspruch darauf, dass Informationen vollständig in Aktualität und Qualität und in der jeweils notwendigen Aggregationsstufe zu ihrer Verfügung stehen. Dabei sollten diese leicht nachvollziehbar sein, egal, in welchem System einzelne Bestandteile ihre technische Heimat haben. Längst geht es dabei nicht mehr um die Betrachtung statischer Reports, welche den Blick auf die Vergangenheit erlauben. Stattdessen müssen Daten entkoppelt, verknüpft und mit weiteren Live-Datenquellen kombiniert werden, um Entscheidungen wirksam unterstützen zu können. Ein modernes Handelshaus muss Börsenpreise, Rohstoffmärkte, Wetterdaten, Prognosen, historische Lastgänge und Beschäftigungsszenarien in komplexen Algorithmen situationsbezogen zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammenfügen (vgl. Bild). Für Handelshäuser geht die Frage nach der aktuellen Lage in Zeiten sinkender Margen weit über börsenbezogenes Produkt-Pricing und klassisches Bilanzkreismanagement mit Vermeidung von Pönalen hinaus. Auch bei Transporteuren sieht das nicht viel anders aus, wenn auch die fachlichen Schwerpunkte naturgemäß in einem anderen Kontext liegen. Mit der Verpflichtung einer größtmöglichen, bald auch untertägigen Vermarktung von Transportkapazitäten unter den Augen eines strengen Regulierers ist die Frage nach der aktuellen Lage nicht weniger entscheidend. Produkte müssen in kurzen Zeitfenstern geformt, auf Plattformen vermarktet, abgewickelt und abgerechnet werden. Im Nachgang müssen die getroffenen Entscheidungen ausgewertet und Fehlerquellen identifiziert und korrigiert werden. Über alle Marktrollen hinweg kann ein signifikant wachsendes Bedürfnis nach schnellen Antworten als Basis für ein erfolgreiches Agieren am Markt beobachtet werden. Software- und Beratungshäuser tragen dieser Entwicklung durch geeignete Erweiterungen ihres Produktportfolios Rechnung und schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen ermöglichen sie ihren Kunden, selbst mittels einer Business-Intelligence-Software einfach und schnell quellsystemunabhängige Analysen durchführen zu können. Zum anderen gewährleisten sie eine von Produktentwicklungszyklen unabhängige Datenstruktur. Das Ziel kennen. Den Anfang finden. Leichter gesagt als getan, und wie so oft ist hier gute Vorbereitung alles. Zwei kritische Erfolgsfaktoren sollten von Beginn an beachtet werden: Eine ganzheitliche Strategie und ein klug gewählter, überschaubarer erster Schritt. Eine ganzheitliche Business-Intelligence-Strategie erfordert die Kooperation verschiedener Königreiche, oftmals eine nicht zu unterschätzende Angelegenheit. Die Benennung eines zentralen Ansprechpartners auf Unternehmensseite ist daher absolut erfolgskritisch. Darüber hinaus sollte sich im ersten Schritt nicht zu viel vorgenommen werden. Start small, think big lautet das Erfolgsrezept. Wer sich erst drei Jahre in die Stammdaten- e m w Heft

4 und Schnittstellenanalyse der gesamten Systemlandschaft vergräbt, verliert schnell das eigentliche Ziel und zu gewinnende Mehrwerte aus den Augen oder scheitert vielleicht ganz. Sind beide Hürden genommen, werden die Bedürfnisse unterschiedlicher Zielund Nutzergruppen zusammengetragen, analysiert, in Themenbereiche (Cluster) eingeordnet und priorisiert. Think big, start small. Gemäß dieser Priorisierung beginnt der gemeinsame Ritt durch die Stamm- und Bewegungsdaten der relevanten Systeme. Unter der ständigen Prämisse einer Reduzierung auf das Wesentliche sind Sorgfalt und Detailtiefe der Schlüssel zum Erfolg, während Beliebigkeit und Kreativität außen vorgelassen werden. Anschließend werden Verknüpfungen hergestellt, Schnittstellen angebunden oder evaluiert und in eine geeignete, flexible Datenstruktur überführt. In einem mehrstufigen Prozess werden die Daten konsolidiert, verdichtet und anschließend für unterschiedliche Auswertungsszenarien aufbereitet. Fragestellungen eines Unternehmens an eine Business-Intelligence-Lösung. Wer hier aufhört besser zu werden, fängt an, schlechter zu sein. Prognosen statt Kaffeesatz Während die meisten Unternehmen momentan noch die Vergangenheit reflektieren, sind andere schon einen Schritt weiter und richten ihren Blick in die Zukunft. Denn obwohl Prognosen von Wetterdaten und Verbrauchsmustern zum Kerngeschäft gehören, wird dies nur selten auf eine ökonomische Sicht übertragen. Gerade mit der intelligenten Verknüpfung historischer Erhebungen und aktuellem Tagesgeschehen können entscheidende Potenziale gehoben werden. Wer die richtigen Informationen kombiniert und daraus Schlüsse zieht, kann mit hoher Treffsicherheit Annahmen zu zukünftigen Entwicklungen ableiten, wie der Preisentwicklung an Börsen. Waren in der Vergangenheit gewachsene, partnerschaftliche Beziehungen in der Energiewirtschaft erfolgsentscheidend, so wird dies morgen die Bereitstellung der richtigen Informationen für finanzmarktnahes Trading sein. Fazit Die richtigen Fragen stellen Die immer zeitkritischeren Prozesse in der Energiebranche erfordern eine hochspezialisierte IT und eine umfängliche, flexible Datenauswertung. Dabei müssen historische Erhebungen mit Live-Daten und Prognosewerten verknüpft werden. Business-Intelligence-Lösungen wie Key Data von der ECG Erdgas-Consult GmbH unterstützen Unternehmen dabei, auf die richtigen Fragen die richtigen Antworten zu finden. Die Zusammenführung von Daten aus verschiedenen Quellsystemen bildet hierfür eine wichtige Grundlage. Ergänzend dazu wird Data-Mining zukünftig stärker in den Fokus rücken, um bisher unbekannte Korrelationen und Zusammenhänge aufzudecken. So entsteht ein schrittweiser Prozess der stetigen Verbesserung. Vielleicht nur in kleinen Schritten, aber gerade die können in Summe wettbewerbsentscheidend sei. Jetzt können mit beliebigen Business- Intelligence-Tools Auswertungen auf unterschiedlichste Art und Weise erfolgen. Bei der Erzeugung von Dashboards, Reports oder auch Zahlentapeten sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt, wobei sich ebenfalls eine frühzeitige Etablierung einer ganzheitlichen Strategie empfiehlt. Farbgebung, die Verwendung von Diagrammtypen oder der zeitliche Bezug von Daten sollten unternehmensweit standardisiert werden. Das erleichtert die schnelle Orientierung und schafft Effizienz in der Erstellung. Auch hier muss Überzeugungsarbeit geleistet werden. Weiterentwicklung als Erfolgsfaktor Eine schrittweise Entwicklung der Business-Intelligence-Landschaft ist Erfolgsgarant für die Schaffung einer tragfähigen Lösung. Diese muss stetig betreut und weiterentwickelt werden. Damit sollte das Thema Business Intelligence als fortlaufende Aufgabe in der Unternehmensplanung verstanden werden. Wie sich der Markt verändert, so ändern sich auch die Anforderungen und HENDRIK-TOBIAS TROST Jahrgang Studium der Wirtschaftsinformatik seit 2013 Softwareberater Energiewirtschaft, ECG Erdgas-Consult GmbH, Leipzig RENÉ HELBIG Jahrgang Studium der Medientechnik Projektleiter im Bereich Werbung/Neue Medien seit 2008 Softwareberater Energiewirtschaft, ECG Erdgas-Consult GmbH, Leipzig 4 e m w Heft

5 Energie. Markt. Wettbewerb. energate gmbh Norbertstraße 5 D Essen Tel.: +49 (0) Fax: +49 (0) Bestellen Sie jetzt Ihre persönliche Ausgabe!

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