Novellierung der internationalen Gesundheitsvorschriften

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1 Novellierung der internationalen Gesundheitsvorschriften Flughafenhygiene, Frankfurt den Michael H. Kramer Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung, Bonn

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3 Historischer Hintergrund Cholera-Epidemien in Europa intensivierte internationale Kooperation 1. International Sanitary Conference in Konferenzen mehrere Vorschläge für Abkommen ( sanitary conventions ), nur wenige angenommen Cholera (1892) Pest (1897)

4 Historischer Hintergrund Parallele Strukturen: International Sanitary Bureau, Washington ( PAHO ), 1902 L Office International d Hygiène Publique, Paris, 1907 Health Office der Leagues of Nations, Genf, : World Health Organization

5 WHO - Internationale Gesundheitsvorschriften (IHR) 1951 International Sanitary Regulations 1969 International Health Regulations 1973 und 1981 Änderungen Meldepflicht für 3 Krankheiten: Cholera, Pest, Gelbfieber Vorschriften und Maßnahmen für Flughäfen, Häfen, Grenzposten und Flugzeuge, Schiffe

6 IHR (II) Einzige international rechtsverbindliche Vorschrift Multilaterale Initiative, globale Meldung und Überwachung von Infektionskrankheiten Nutzung epidemiologischer Daten Ziel: Schutz der öffentlichen Gesundheit ohne Störung von Handel und Personenverkehr

7 Nachteile Begrenzt (Cholera, Pest, Gelbfieber) Abhängig von offizieller Meldung Unzulängliche Kooperationsmechanismen Unzulängliche Motivation Unzulängliche risikospezifische Maßnahmen

8 Beispiel SARS Ausbreitung begünstigt durch Globalisierung, intern. Reiseverkehr Beeinträchtigung von Stabilität und Wachstum von Volkswirtschaften Regionale und globale Zusammenarbeit notwendig Abgestimmtes Vorgehen auf internationaler Ebene gefordert

9 Resolutionen der WHA 1995 Revision und Aktualisierung 2001 Globaler Gesundheitsschutz 2002 Vorsätzliche Ausbringung 2003 Einsetzung zwischenstaatlicher Arbeitsgruppe

10 Revidierte Struktur der IHR Rahmenkonzept: Grundsätze für geeignete Public Health-Maßnahmen Rechtsvorschriften Anhänge: Beschreibung technischer Maßnahmen und spezieller Anforderungen Leitlinien: praxisorientiert Luft- und Schiffsverkehr

11 Konzept Meldung sämtlicher international relevanter Public Health-Notfälle Einrichtung nationaler Zentralstelle (Revision und Umsetzung) Schaffung nationaler Kapazität (Analyse und Meldung nat. Risiken) Möglichkeit vertraulicher vorläufiger Meldungen Reaktion auf Gerüchte und Pressemeldungen durch WHO

12 Konzept (II) Zeitlich befristete Empfehlungen (z.b. Reiseempfehlungen) Verpflichtung WHO zur Hilfestellung bei Wertung und Kontrolle von Ausbrüchen Transparenter Prozess bei Abgabe der Empfehlungen Erstellung einer Liste mit Schlüsselmaßnahmen zu WHO-Empfehlungen Kontinuierlichen IHR-Revision

13 Konzept (III) Entscheidungsbaum: schwerwiegendes Ereignis (seriousness) unerwartet Möglichkeit (capacity) der internationalen Ausbreitung internationale Einschränkungen Public Health-Notfall und internationale Konsequenzen

14 Entscheidungsinstrument Schwerwiegendes Ereignis? Ungewöhnlich / Unerwartet? Ungewöhnlich / Unerwartet? Risiko intern. Verbreitung? Risiko intern. Verbreitung? Risiko internationaler Einschränkungen? Keine Meldung. Neue Beurteilung nötig wenn mehr Info vorlieg Meldung

15 Beispiel 1 In letzten 4 Wochen 55 Cholera-Fälle von Isolierstation eines regionalen Krankenhauses gemeldet Bekanntes saisonales Cholera- Endemiegebiet an der Küste Abwasser durch Regenfälle in Wasser geschwemmt Im ersten Halbjahr 34 Fälle gemeldet Ausreichende Ressourcen vorhanden Im letzten hr 860 Fälle (7 Todesfälle)

16 Beispiel 1 - Entscheidung schwerwiegendes Ereignis unerwartet Möglichkeit der internationalen Ausbreitung internationale Einschränkungen

17 Beispiel 1 - Entscheidung schwerwiegendes Ereignis unerwartet Möglichkeit der internationalen Ausbreitung internationale Einschränkungen

18 Beispiel 1 - Meldung?

19 Entscheidungsinstrument Schwerwiegendes Ereignis? Ungewöhnlich / Unerwartet? Ungewöhnlich / Unerwartet? Risiko intern. Verbreitung? Risiko intern. Verbreitung? Risiko internationaler Einschränkungen? Keine Meldung. Neue Beurteilung nötig wenn mehr Info vorlieg Meldung

20 Beispiel 2 In den ersten 4 Monaten des hres 67 Pestfälle (3 Todesfälle) aus einem abgelegenen Landesteil gemeldet Bekanntes Pest-Endemiegebiet Jährlich landesweit normalerw. ca. 40 Fälle Bisher keine Erkrankungen aus anderen Regionen Schlechte Verkehrsanbindung der Region In Vergangenheit öfter Einfuhrrestriktionen durch andere Länder

21 Beispiel 2 - Entscheidung schwerwiegendes Ereignis unerwartet Möglichkeit der internationalen Ausbreitung internationale Einschränkungen

22 Beispiel 2 - Entscheidung - schwerwiegendes Ereignis unerwartet Möglichkeit der internationalen Ausbreitung internationale Einschränkungen

23 Beispiel 2 - Meldung?

24 Entscheidungsinstrument Schwerwiegendes Ereignis? Ungewöhnlich / Unerwartet? Ungewöhnlich / Unerwartet? Risiko intern. Verbreitung? Risiko intern. Verbreitung? Risiko internationaler Einschränkungen? Keine Meldung. Neue Beurteilung nötig wenn mehr Info vorlieg Meldung

25 Vorgehen bei international relevantem Public Health-Notfall WHO wählt zusammen mit betroffenen Staaten geeignete Maßnahmen aus Grundlage für Empfehlungen Zeitliche Befristung Konkretes Protokoll zur Aufhebung der Maßnahmen wird festgeschrieben

26 Vorgehen (II) Bandbreite der Empfehlungen: Reiseverkehr: keine Maßnahmen bis zu Einreiseverbot für Personen aus betroffenen Ländern Transportmittel: keine Maßnahmen bis zu Zugangsverbot für Transportmittel und Waren

27 Nächste Schritte Ende 2003/Anfang erster Entwurf Regionale Konsensustreffen Endgültige Vereinbarung in zwischenstaatlicher Arbeitsgruppe WHA-Resolution zur Verabschiedung Frist zu Ratifizierung oder ggf. Vorbehalt Rechtsverbindlichkeit in MS nach Ratifizierung

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