Finanzkompetenz bei Kindern und Jugendlichen

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1 Finanzkompetenz bei Kindern und Jugendlichen 6. AWT-Uni-Tag, 6. Oktober 2010 Stefan Schmidt, Uni Regensburg

2 Was meint Finanzkompetenz? Relativ breit angelegte Definition des Präventionsnetzes Finanzkompetenz: die Kompetenz zur Gewinnung und nachhaltigen Nutzung finanzieller Mittel und Finanzdienstleistungen. Dies schließt die Abwägung von Bedürfnissen und Alternativen der Bedürfnisbefriedigung ein und hat stets auch die langfristige Vermögenssicherung im Blick.

3 Konkrete Konzepte Finanzielle Allgemeinbildung nach Habschick/ Jung/ Evers: Geld verstehen Geld Management Umgang mit Lebensrisiken Vermögensaufbau und Altersvorsorge Geld leihen DeGöB: Konzept ökonomischer Bildung U. v. a. (vgl. im Überblick Rataj: Interventionsansatz, S. 43 ff.)

4 Finanzkompetenz nach Mantseris Finanzielle Allgemeinbildung: Geld einnehmen, verwalten und ausgeben Schlüsselkompetenzen, Handlungskompetenz Psychologische Wirkung des Geldes Koordinierungsfunktionen des Haushalts: Verteilung der Ressourcen und Entscheidungen innerhalb der Gruppe

5 ABER Brauchen unterschiedliche Zielgruppen unterschiedliche Kompetenzen? Wie viele der Kompetenzen können auch (oder müssen sogar) durch Institutionen vermittelt werden, z. B. Familie, Banken? Wann sollten die Kompetenzen aufgebaut werden?

6 Was sagen die Statistiken? KidsVerbraucherAnalyse 2009: Einnahmen der 10- bis 17-Jährigen aus Taschengeld, Geldgeschenke (Geburtstag, Weihnachten), Nebenjob, Gehalt, Geld zwischendurch und sonstige Quellen Taschengeld (34 Prozent), Nebenjob (14 Prozent) und Gehalt (19 Prozent) Pro-Kopf-Einnahmen im Schnitt jährlich auf 893,- Euro, somit rund 74,- Euro im Monat

7 auch hier: ABER: 10- bis 17- Jährige eine große Altersspanne, verbunden mit breiter sozialer Spanne Einnahmen und Kaufkraft muss unterschieden werden über Sparvermögen haben Kinder und Jugendliche häufig wenig Überblick Einnahmen der 6- bis 12-Jährigen zwischen 1,6 Milliarden und 2 Milliarden (Synovate Kids und Teens 2007 bzw. IconKids & Youth)

8 Einnahmen der 6- bis 13-Jährigen (2007)

9 zusätzlich Spargelder (über 3Mrd.) 6,6 6,4 6,2 6 5,8 5,6 5,4 5,2 5 4, Jahr Vermögen in Mrd. Kinderzahl in Mio.

10 6,6 6,4 6,2 6 5,8 5,6 5,4 5,2 5 4, Vermögen in Mrd. Kinderzahl in Mio. Vermögen pro Kind

11 Vorsichtige Einschätzung zunehmende Geldmittel der Kinder und Jugendlichen Moderate Gesamtzunahme pro Kind/ Jugendlichen zunehmend mit steigenden Alter (die 10- bis 19-Jährigen haben schon 23 Mrd. Euro [?] Vermögen) auf ersten Blick überraschend bei Taschengeld: Jungs bekommen mehr Geld als Mädchen gewisse indirekte Proportionalität zum Haushaltseinkommen/ dem sozialen Status des Elternhauses (Kinder von Arbeitslosen und Kinder mit Migrationshintergrund bekommen durchschnittlich mehr)

12 Und wieder: ABER: Viele Unklarheiten! Ist Taschengeld immer frei disponible Zuwendung? Wieviel Überblick haben Jugendliche über Vermögen? Wie entwickelt sich Kaufkraft im Vergleich zur Kaufkraft aller und inflationsbereinigt? neben direkter Kaufkraft auch:

13 Indirekte und Zukünftige Kaufkraft veränderte Autoritätsstrukturen und Demokratisierungsprozesse Mitbestimmung bei Haushaltsausgaben Beispiel Nahrungsmittel Beispiel Urlaub (nur 14 % -?) Beispiel Geschenke Markenbewusstsein und Markenloyalität Markennachfrage schon im GS-Alter, aber auch früheres Ende der Markenmacht; Verbreiterung der Produktpalette, mit der Kinder umworben werden (z. B. Bärchenwurst )

14 Entwicklung von Verständnis für Geld und Preise im Vorschulalter: Austausch von Geld und Ware wird erkannt (ohne Wert des Geldes zu berücksichtigen) auch in GS noch keine genaue Vorstellung von Wert des Geldes: Vielleicht war da so ein oberster Mann und die [Bürger] mussten irgendwas abgeben, zahlen, und da haben sie Geld erfunden. (11-Jähriger) auch noch kein Verständnis von Preisgestaltung: Annahme, dass Händler Waren zum zum Einkaufspreis oder günstiger verkaufen (Gerechtigkeit, Qualitätsminderung) im Jugendalter wird Verständnis für Praktikabilität und Wert von Geld sowie für Preisgestaltung aufgebaut

15 Ausgaben Ausgaben abhängig von Einnahmen Jungen geben ca. 10 Prozent mehr aus als Mädchen Jungen häufiger für Fast-Food und Getränke, Mädchen häufiger für Ausgehen, Zeitschriften, Kleidung, Kosmetika relativ niedrige Ausgaben für Handy (15 bis 18 Euro/ Monat), aber immerhin > ¼ Einnahmen regelmäßig > Ausgaben => Sparen

16 Sparen Umfrage Deutsche Bank unter 14- bis 25-Jährigen Rund 80 Prozent sparen Sparquote im Schnitt über 20 Prozent Fast doppelt so hoch wie Sparquote privater Haushalte Sparbetrag bei Jungs höher, aber ähnliche Quote Fast doppelt so hoch wie Sparquote privater Haushalte Vor allem Spareinlagen, weniger Altersvorsorge, kaum Aktien(fonds)

17 Verschuldung Verschuldung und Überschuldung Prozentsatz Kinder und Jugendlicher (6 Prozent verschuldet) nur begrenzt mit Erwachsenen vergleichbar. im Schnitt 4 Euro/ Kind bzw. Jugendlicher Mädchen 7 Prozent, Jungen 4 Prozent Anstieg bei 13- bis 14-Jährigen Handy kaum (mehr) Grund für Schulden verstärkte Verschuldungsgefahr durch größere Anschaffungen wie Kfz oder Elektrogeräte; häufigere Zahlungsschwierigkeiten im Alter zwischen 19 und 29. kein Zusammenhang zwischen Schulden und sozialstrukturellen oder individuellen Bedingungen meist vernünftige Entschuldungsstrategien: weniger Ausgaben, gefolgt von mehr Einnahmen; nur selten Resignation

18 Konsumverhalten bei Jugendlichen (15-24) rationales Konsumverhalten relativ verbreitet; über 70 Prozent ca. 21 Prozent neigen zu demonstrativen Konsumverhalten verbunden mit häufig sorglosem Umgang mit Geld; Abnahme mit steigenden Alter bei ca. 14 Prozent kompensatorischer Konsum, wiederum verstärkt im jüngeren Alter Weiterentwicklung?

19 Neue Herausforderungen viele neue Herausforderungen und Möglichkeiten im Bereich des Konsums und der Konsumentenmärkte (vgl. Vortrag Herdegen) viele neue Finanzprodukte viele Kreditgeber viele Möglichkeiten, auch ohne Geld zu konsumieren (ca. ein Drittel aller Neufahrzeuge geleast, bezogen auf Anschaffungswert sogar 60 Prozent)

20 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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