Sterbeorte in unserer Gesellschaft: Ideal und Wirklichkeit

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1 Sterbeorte in unserer Gesellschaft: Ideal und Wirklichkeit Interdisziplinäre Ringvorlesung des Zentrums für Gerontologie: Altern, Sterben und Tod, M.A Begrüssung 2. Der Sterbeprozess 3. Wo wollen wir sterben? 4. Sterbeorte 5. Fazit und Diskussion 1

2 Forschungsfeld Sterben Organisch (Physisches) Defizit der Ich-Identität (Psychisches) Kompetenz- und Autonomieverlust (Psychisches) Rollenwechsel, Statusverlust (Soziales) 1. Objektive Gesundheit und subjektives Wohlbefinden 2. Objektive organische Schädigung bei subjektiven Wohlbefinden 3. Objektive und subjektive Krankheit und Besorgnis 4. Medizinische und technische Befunderhebung Unsicherheit Gesunde/r Kranke/r Wittkowski/Schröder

3 5. Diagnose und Prognose liegt vor Information des/r Patienten/in Übergangsphase Rollenunsicherheit auf beiden Seiten 6. Diverse Bewältigungsstrategien Befindlichkeitsschwankungen Sterbe-Phase 7. Physischer und psychischer Verfall 8. Eintritt des Todes Sterbeprozess aktiv gestaltet: Interaktion und Kommunikation Sterbende/r Wittkowski/Schröder Vorhersehbarer schneller Verlauf 2. Unvorhersehbarer schneller Verlauf. 3. Schleichender bzw. schlingernder Verlauf. Sterbeprozess aktiv gestaltet: Interaktion und Kommunikation Sterbende/r Glaser/Strauss 2007: 5f. 3

4 1. Geschlossene & argwöhnische Bewusstheit 2. Gegenseitige Täuschung 3. Offene Bewusstheit Sterbeprozess aktiv gestaltet: Interaktion und Kommunikation Sterbende/r Glaser/Strauss 1974: , Samarel 2003: 122 Sterben als sozialer Prozess Sterben ist eine bewusste Antizipation des bevorstehenden Todes und der sozialen Veränderungen in der Lebensführung, gefördert durch unser und dem Verhalten anderer auf der Basis dieses Bewusstseins. Dies ist der bewusste lebendige Teil des Sterbens. (Kellehear 2007: 2) 4

5 1. Begrüssung 2. Der Sterbeprozess 3. Wo wollen wir sterben? 4. Sterbeorte 5. Fazit und Diskussion Sterbeorte Schweiz Wo wollen wir sterben? Spital 6 Alters-Pflegeheim 2 Hospiz 1 Zu Hause 73 anderer Ort 6 weiss nicht 11 Quelle: Angaben in Prozent 5

6 1. Begrüssung 2. Der Sterbeprozess 3. Wo wollen wir sterben? 4. Sterbeorte 5. Fazit und Diskussion Institutionalisierung Tod anonymer, professionalisiert, medikalisiert Soziale Isolation Merkmal der Institution: Technisch orientiert und organisiert Strategisch-instrumentelles Handeln Bürokratie und Maxime der Effizienz NZZ 2009: «Sterben verboten - Das Sterben in Schweizer Spitälern wird zu einem «Qualitätsfaktor»» 6

7 Sterbeideale Zuhause sterben Autonomie und Respekt Adäquate Schmerztherapie / keine Schmerzen Informationen über medizinische Prognose = dying well and dying nobly (Kellehear 2007) Alten- und Pflegeheim Entwicklung hin zu einer den Bewohnerinnen und Bewohnern gerecht werdenden Betreuung: Stärkere Berücksichtigung der Selbstbestimmung am Lebensende individuelle Sterbebegleitung Zusammenarbeit mit Angehörigen Einsatz ambulanter Hospiz- und Palliativdienste 7

8 Hospiz Gasthaus oder Herberge für Menschen auf der Durchreise Ort des selbstbestimmten, schmerzfreien und humanen Sterbens Cicily Saunders, 1967, London Austherapierte Krebspatient(inn)en erhalten erstmals eine systematische und damit wirkungsvollere Schmerztherapie Lighthouse: AIDS-Erkrankte Schweiz: 8 Hospize Sterbeorte Schweiz Wo wollen wir sterben? Spital 6 Alters- Hospiz 2 1 Zu Hause 73 anderer Ort 6 weiss nicht 11 Quelle: Angaben in Prozent 8

9 Wandel der Sterbeorte in der Schweiz? Studie Spital Alten- oder Pflegeheim Zuhause Fischer et al Deutsch- Schweiz 1969: : : k.a. 1986: : : : 37,2 2001: 33,5 2001: 22,7 Sterbeorte Zürich 2012 Spital 30 Pflegeheim 19 Altenheim 14 Zu Hause 16 im Freien 2 unbekannt 7 auswärts 10 Quelle: Statistik Stadt Zürich, BVS / BFS, Sektion Demografie und Migration, n = 3.395, Angaben in Prozent 9

10 Einflussfaktoren auf den Sterbeort Soziodemografische Faktoren Individuelle Faktoren Strukturelle Faktoren Medizinische Ursachen/Krankheit Soziodemografische Faktoren Spital: Altersgruppe der unter 45jährigen Alleinstehende ohne Kinder (ohne Töchter) Alters- und Pflegeheim: Um so älter, desto häufiger Witwen und Geschiedene Zuhause: Mehr Männer als Frauen Verheirate 10

11 Sterbeorte Schweiz nach Alter ( ) 100% 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% Anderer Ort Alten-/Pflegeheim Spital Quelle: lang=de&download=nhzlpzeg7t,lnp6i0ntu042l2z6ln1acy4zn4z2qzpno2yuq2z6gpjcleyj5fwym162epybg2c_jjkbnoksn6a-- Sterbeorte Schweiz nach Geschlecht ( ) 100% 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% Hommes Femmes Anderer Ort Alten-/Pflegeheim Spital Quelle: lang=de&download=nhzlpzeg7t,lnp6i0ntu042l2z6ln1acy4zn4z2qzpno2yuq2z6gpjcleyj5fwym162epybg2c_jjkbnoksn6a-- 11

12 Strukturelle Faktoren Urbanisierungsgrad Strukturelle Verfügbarkeit:! Spital- und Heimbetten! ambulante Palliativ-Pflegeteams! ehrenamtliche Netzwerke! Unterstützung durch HausärztInnen Individuelle Faktoren Patientenverfügung " Sterben am gewünschten Ort oder den gewünschten Umständen Erfahrung mit Spitälern oder Pflege Einstellung gegenüber dem Sterben 12

13 Spital Wunsch nach fachlicher Betreuung Wunsch, keine Belastung zu sein Angemessene Symptomkontrolle mit dem Gefühl von Sicherheit Eher die, welche erst 2 bis 3 Monate vorher erkrankten, als jene, die länger als 2 Jahre erkrankt waren Krebs, Schlaganfall und Erkrankungen der Atmungsorgane sind die häufigsten Erkrankungen Alten- und Pflegeheim Strukturelles Angebot (Stadt vs. Land) Familienstand Alter Geschlecht 13

14 Zuhause Wer zuhause sterben will, sollte eine Tochter haben. (Gian Domenico Borasio, 2012) Angst Vertrauen Frieden Schmerzen Isolation Spital Gewohnheiten Abschied Zuhause 14

15 1. Begrüssung 2. Der Sterbeprozess 3. Wo wollen wir sterben? 4. Sterbeorte 5. Fazit und Diskussion Fazit Diskurs: gute und schlechte Sterbeorte Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit der Sterbeorte Komplexe Voraussetzungen des Sterbeortes Zuhause Kommunikation von Sterbeorten: Patientenverfügung (12% der Schweizer Bevölkerung!) 15

16 Diskussion Lebensraum vs. Sterberaum: Erschütterung des Zuhauses durch die Auslagerung des Krankenhauses ins private Heim Was bedeutet Zuhause am Lebensende? Vertrautheit nicht an Räume gebunden Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! 16

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