Gottes Friede Balsam für die Seele

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1 Gottes Friede Balsam für die Seele Predigttext: Johannes 14, Anlass: Pfingstsonntag Datum: Autor: Robert Augustin Ort: St. Michael Johannes 14, Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. 24 Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. 25 Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. 26 Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. 27 Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Seite 1

2 Predigt Liebe Gemeinde, ich sitze irgendwo in der Natur. Die Sonne scheint. Eine herrliche Landschaft breitet sich vor meinen Augen aus. Angenehm streift ein Windhauch über mein Gesicht. Und ich muss an nichts denken, weil ich Urlaub habe. Herrlich. Das könnte immer so bleiben, denke ich. Und ich genieße einfach. Unser Predigtabschnitt aus den Abschiedsreden Jesu im Johannesevangelium wirkt auf mich auch so. Es sind Worte zum Verweilen, Worte zum Durchatmen, Worte zum Genießen:...mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. - mmh, wie schön....der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. - ach tut das gut. Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.... Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. - herrlich. Ich könnte die Augen schließen und einfach nur genießen, was Jesus da seinen Jüngern sagt: Was Jesus da uns sagt: Gott nimmt Wohnung in uns Menschen. Er kommt uns nah. Stellt sich zu uns, und mit ihm göttlicher Friede. Wenn in der Bibel von Frieden die Rede ist, dann ist immer mehr gemeint, als dass die Waffen schweigen. Im Hintergrund steht das hebräische Seite 2

3 Wort Schalom, das nicht nur Frieden, sondern auch Heil, Glück, Wohlsein, Zufriedenheit meint: Also alles, was Sie einem guten Freund an Wünschen zum Geburtstag sagen würden. Aber mal ehrlich: Erleben Sie das? Rundum Schalom? - Wohl eher nicht. Vieles stört das Glück, z.b.: Ärger zu Hause und im Beruf, innere Unzufriedenheit, Krankheit, das Zuviel oder Zuwenig an Gütern, Sorgen und so weiter. An Vielem sind wir selbst schuld. Und dann höre ich, was Jesus sagt: Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.... Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Und ich denke mir: Da will ich hin. Sie auch? Überlegen wir, wie das gelingen kann. Unser Text beginnt mit den Worten: Wer mich liebt... - für den oder die gilt das alles, was Jesus da sagt. Liebe ich Jesus? Lieben Sie Jesus? Was würden Sie antworten, wenn Jesus Sie fragen würde: Robert [...], hast du mich lieb? - So hat er ja Petrus dreimal gefragt. Was würde ich antworten? Ich glaube, meine Antwort würde nicht einfach Ja! lauten, sondern sie wäre komplizierter. In etwa so: Frag mich nicht, Herr Jesus. Du weißt es doch. Klar liebe ich dich. Aber meine Liebe zu dir ist unvollkommen. Sie ist wie eine Baustelle, nicht wie ein perfektes Gebäu Seite 3

4 de. Im Alltag achte ich oft sehr wenig auf dich. Dafür komme ich ins Schwärmen, wenn's um meine Lieblingsmusik geht, manchmal auch meine Frau, meine Kinder oder meine Gemeinde. Oft bleibt die Liebe zu dir da drin (Herz) versteckt. Andererseits bin ich tief bewegt, wenn zum Beispiel mein Lieblingslied gesungen wird: Jesu meine Freude... - Nicht nur wegen der Melodie, sondern auch weil es ein Liebeslied auf dich ist, und weil ich merke, mein Leben hängt an dir, und dir habe ich alles vor allem auch die Erlösung von Sünde und Tod zu verdanken. Irgendwie so würde ich wahrscheinlich antworten. Meine Liebe zu Jesus ist wie eine Baustelle, aber sie ist da. Und Ihre? Wer mich liebt... Wer mich liebt, der wird mein Wort halten... - so geht der Text weiter. Ganz schön konkret: Wenn Jesus mein Herr und Meister ist und ich ihn liebe, dann werde ich tun, was er sagt. Jemandem zuliebe etwas tun. Jesus zuliebe etwas tun. Das erinnert mich an meine Mutter. Robert, die Tante sowieso wird nächste Woche 70. Die würde sich sehr über eine Karte von dir freuen. Schreib ihr doch ein paar Zeilen! - Mein Problem war: Ich kannte die Tante sowieso gar nicht wirklich. Und ich schrieb nie Karten. - Sehr selten geschah es, dass ich tatsächlich eine Karte schrieb, meiner Mutter zuliebe. Wer mich liebt, der wird mein Wort halten... - Seite 4

5 Fallen Ihnen Situationen ein, in denen Sie Jesus zuliebe etwas tun könnten oder Jesus zuliebe etwas getan haben - obwohl Sie dazu eigentlich keine Lust haben bzw. hatten? Vor zwei Wochen kamen nach dem Gottesdienst zwei Rumänen in die Sakristei. Ich hatte wirklich keine Lust drauf. Aber ich habe sie halt mit zum Pfarrhaus genommen und ihnen ein Lunchpaket gemacht. Vielleicht kann man sagen, das war Jesus zuliebe. Es sind seine Brüder, sagt Jesus. Wo begegnen Ihnen die Brüder und Schwestern Jesu, die Ihrer Hilfe bedürfen? Scannen Sie die nächste Woche doch einmal darauf hin ab! Es gäbe hundert weitere Beispielfelder. Aber ich möchte mit Ihnen den Text weiterlesen und die wunderbare Verheißung, die darin steckt einatmen: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Die Liebe Gottes ist wie ein Band, wie ein festes Seil, das Jesus mir zuwirft. Und wenn dieses Seil erst einmal in mir verankert ist, dann ist eine Verbindung da, eine Gemeinschaft zwischen Jesus und mir. Und weil Jesus und Gott, der Vater, schon immer zusammengeseilt sind, ist automatisch auch die Verbindung zwischen mir und dem himmlischen Vater hergestellt. Maik wurde heute getauft. In der Taufe hat Jesus ihm das Seil seiner Liebe zugeworfen und im Leben des Maik festgemacht. Seite 5

6 Gott schenkt sich uns. Er kommt uns ganz nahe. Er will Wohnung bei uns nehmen. Wie schön! Im nächsten Vers wird der Spieß herumgedreht: Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. - Wen überhaupt nicht interessiert, was Jesus gesagt hat; wer gar nicht darauf achtet, der liebt Jesus auch nicht. Der ist von jenem Genuss der Nähe und des Friedens Gottes noch weit entfernt. Lesen wir weiter. Neben dem Vater und dem Sohn kommt nun noch ein Dritter ins Spiel: der Heilige Geist, der Tröster. Der Heilige Geist wird kommen und die Lücke füllen, die Jesus nach seiner Himmelfahrt hinterlassen wird. Der Heilige Geist wird Jesus ablösen. Er ist sein Nachfolger: Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. - Jesus lässt uns nicht allein. Die Gemeinschaft Gottes ist und bleibt in unserer Mitte. Aber wie genau wirkt der Heilige Geist unter uns? Woran ist das festzumachen? Die Augsburgische Konfession sagt, der Geist wirke durch die Verkündigung des Evangeliums, hoffentlich auch durch die Lesungen in diesem Gottesdienst und durch diese Predigt. Und doch lasse der Geist sich nicht festbinden. Er bleibe frei: wirke, wann und wo es Gott Seite 6

7 gefalle. Es ist nicht so, dass je gründlicher ich eine Predigt vorbereite umso mehr vom Geist Gottes drin ist. Manchmal ist es gerade umgekehrt: Eine Examenspredigt, die wochenlang ausgearbeitet worden ist, kann strohern sein, eine spontane Predigt hingegen, wie die des Petrus am ersten Pfingsttag, kann zünden. Natürlich ist das kein Grund, auf die Vorbereitung einer Predigt zu verzichten. Sie kennen vielleicht den Witz: Zwei Pfarrer unterhalten sich, wie lange sie brauchen, um eine Predigt vorzubereiten. Der eine sagt: 6 Stunden. Der andere sagt: Er bereite seine Predigten überhaupt nicht vor. Er steige einfach auf die Kanzel und warte auf das, was Gottes Geist ihm eingebe. Der erste Pfarrer sagt: Das probiere ich auch mal. Nächste Woche fragt ihn der andere: Und, wie war es? Da erzählt er: Ich habe es genauso gemacht, wie du: Ich bin auf die Kanzel gestiegen und habe gewartet, was Gott mir zu sagen hat. Und, was hat er gesagt? Robert, du bist faul gewesen! Da stand ich da. Liebe Gemeinde, trotz all unserer notwendigen und berechtigten Anstrengungen können wir Gottes Gegenwart in unserer Mitte nicht machen. Wir dürfen aber innig darum bitten. Das machen übrigens fast alle Pfingstlieder: Komm, Heiliger Geist... Komm zu uns, wir brauchen dich so dringend. Auch wir wollen uns heute in dieser Haltung des Bittens vor Gott stellen. Wir wollen auf Christus vertrauen, der Seite 7

8 uns seinen Frieden verheißen hat: Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Wo dieser Friede ist, das ist wie Urlaub: Wie ein kühler Windhauch auf dem Gesicht. Wie ein Sonnentag in herrlicher Umgebung. Balsam und Wohltat für die Seele mitten in einer vom Bösen zerrissenen Welt. Amen. Seite 8

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