Regionale Versorgungsunterschiede in der ASV

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1 Regionale Versorgungsunterschiede in der ASV Zi-Konferenz Versorgungsforschung 13./ , Berlin Prof. Dr. iur. Christoff Jenschke, LL.M. (Lond.) Rechtsanwalt und Fachanwalt für Medizinrecht Professor für Wirtschafts- und Gesundheitsrecht bbw Hochschule Berlin

2 Ray - Fotolia.com Leistungsbereiche der ASV laut Vorgabe im Gesetz ( 116b SGB V i.d.f. des GKV-VStG) Ambulante Diagnostik und Behandlung komplexer, schwer therapierbarer Krankheiten Erkrankungen mit besonderen Krankheitsverläufen (Onkologie, Rheuma) Schwere Verlaufsformen von Erkrankungen mit besonderen Krankheitsverläufen seltene Erkrankungen und Erkrankungszustände mit entsprechend geringen Fallzahlen (z.b. Tuberkulose, Marfan-Syndrom) hochspezialisierte Leistungen (z.b. Brachytherapie) Behandlung erfordert 1. spezielle Qualifikation, 2. interdisziplinäre Zusammenarbeit und 3. besondere Ausstattungen Detailausgestaltung der einzelnen Indikationen durch Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA)

3 Die drei Leistungsbereiche der ASV Erkrankungen mit besonderen Krankheitsverläufen Onkologische Erkrankungen Rheumatologischen Erkrankungen HIV/AIDS* Herzinsuffizienz (NYHA Stadium 3 4)* Multipler Sklerose* Zerebrales Anfallsleiden (Epilepsie)* Komplexe Erkrankungen im Rahmen der pädiatrischen Kardiologie* Versorgung von Frühgeborenen mit Folgeschäden* Querschnittslähmung bei Komplikationen* * Nur schwere Verläufe Seltene Erkrankungen Tuberkulose Mukoviszidose Hämophilie Fehlbildungen, angeborene Skelettsystemfehlbildungen und neuromuskuläre Erkrankungen Schwerwiegende immunologische Erkrankungen Biliäre Zirrhose Primär sklerosierende Cholangitis Marfan-Syndrom Pulmonale Hypertonie Weitere Hochspezialisierte Leistungen CT/MRT-gestützte interventionelle schmerztherapeutische Leistungen Brachytherapie

4 Vorläufer der ASV der 116b alt Öffnung der Krankenhäuser für bestimmte ambulante Leistungen Langsamer, aber stetiger Anstieg: Anträge, davon bewilligt Hauptindikation der Anträge: Onkologie (50 %) Regional sehr unterschiedliche Genehmigungspraxis Bei Antragstellung / Genehmigung von Kliniken: oft negative Reaktionen der niedergelassenen Fachärzte bis hin zum Einweisungsboykott Neugestaltung des 116b SGB V zum und Einführung der ASV

5 Umsetzung des 116b SGB V alter Fassung GKV-Ausgaben für 116b-Leistungen: Ärztliche Leistungen: 1.8 Mio. Euro (2004) 99,2 Mio. Euro (2010) Arzneimittelausgaben: 453 Mio. Euro (2010) Anträge, davon bewilligt 147 Zulassungen beklagt Hauptindikation der Anträge: Onkologie (50 %) Anzahl der Zulassungen je Indikation onkologische Erkrankungen 697 schwere Verlaufsformen rheumatologischer Erkrankungen 43 Multiple Sklerose 73 Mukoviszidose (seltene Erkrankung) 34 pulmonale Hypertonie (seltene Erkrankung) 43 CT-/MRT- gestützte schmerztherapeutische Leistungen 19 Brachytherapie 10

6 Kartenquelle: GoogleMaps Zulassungen Ambulante Behandlung am Krankenhaus nach 116b SGB V alt Anzahl der Zulassungen je Indikation Laut Dt. Krankenhaus-Verzeichnis für Mukoviszidose: 30 Zulassungen onkologische Erkrankungen 697 schwere Verlaufsformen rheumatologischer Erkrankungen 43 Multiple Sklerose 73 Mukoviszidose (seltene Erkrankung) 34 pulmonale Hypertonie (seltene Erkrankung) 43 CT-/MRT- gestützte schmerztherapeutische Leistungen 19 Brachytherapie 10 Sondergutachten Sachverständigenrat, 2012, S. 234

7 Zulassungspraxis regional höchst unterschiedlich Quelle: Arbeitsgruppe Krankenhauswesen der AOLG, Dr. Regina Klakow- Franck, Gem. Bundesausschuss

8 Defizite des 116b alt führten zwangsläufig zur Neufassung Erwünschte Versorgungsverbesserung nicht in allen Fällen erreicht: Anträge von Krankenhäusern auch in vertragsärztlich gut versorgten Regionen Konfliktpotenzial: Reaktion der niedergelassenen Fachärzte bis hin zum Einweisungsboykott Regionale Verzerrung: höchst unterschiedliche Genehmigungspraxis der einzelnen Bundesländer

9 ASV als sektorenverbindender Versorgungsbereich Stationäre Versorgung Ambulante spezialfachärztliche Versorgung ( 116 b SGB V n.f.) Vertragsärztliche Versorgung Neuer Versorgungsbereich für ambulante Behandlung von Patienten mit seltenen / komplexen Krankheiten Öffnung dieses Versorgungsbereiches für Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte Identische Rahmenbedingungen (Vergütung, Qualität) Abbau regionaler Verzerrungen

10 Aktueller Stand der ASV-Umsetzung durch den G-BA Indikation Beschlossen In Kraft In Umsetzung Tuberkulose GI Tumoren Pulmonale Hypertonie Marfan-Syndrom Gyn. Tumoren Mukoviszidose Rheuma Vervollständigung der Konkretisierung für Rheuma (Appendix) Ende 2017 (Dezember?), Inkrafttreten ca. 2-3 Monate später

11 peshkov - Fotolia.com ASV-Begleitstudie Ausgangspunkt: Defizit keine Transparenz über ASV-Entwicklung Ergebnisse GKV-SV, KBV, DKG waren überfällig (jetzt Bericht erschienen im Sommer 2017) Ziel Entwicklung der ASV transparent machen und analysieren Durchführung in Kooperation mit Bundesverband ASV, Teambefragung auch mit BMC e.v. Datenbasis derzeit Teamleiter-Befragung & Daten der Servicestelle Unabhängige Studie mit Drittmitteln unterstützt von: Siemens und Servier Deutschland

12 ASV-Teamleiter Befragung im Rahmen der ASV-Begleit-Studie Fragestellungen Profil und Struktur Teams Versorgungspraxis Nutzen und Motivation der ASV-Teams Zielgruppe Umfrage unter allen Teamleitern, die bis Okt/ Nov 2016 im ASV-Verzeichnis der ASV-Servicestelle veröffentlicht waren 54 Teams: 35 GIT, 19 TBC Rücklauf 20 vollständige Antworten (37%) davon 11 GIT, 9 TBC

13 Entwicklung der veröffentlichten ASV- Teams Anzahl berechtigter Teams Tuberkulose (TBC) Gastrointestinale Tumore (GIT) Marfan-Syndrom Pulmonale Hypertonie Gynäkologische Tumoren Monat/Tag/Jahr

14 Kartenquelle: GoogleMaps Die Umsetzung der ASV nimmt langsam Fahrt auf Indikationen GI-Tumoren Tuberkulose Pulmonale Hypertonie Gyn-Tumoren Anzahl berechtigter Teams GI-Tumoren: 43 (80) Tuberkulose: 22 (29) Pulmonale Hypertonie: 1 (2) Gyn-Tumoren: 1 Mukoviszidose: 0 Marfan-Syndrom: 0 Datenquelle: ASV-Servicestelle, /

15 ASV-Teams bilden sich überwiegend in städtischen Gebieten Definition nach Amtlicher Statistik Datenquelle: ASV-Servicestelle, , 67 Teams 6% 0% 3% Großstadt, > Einwohner 28% Mittelstadt, Kleinstadt, % Landstadt, < Einwohner In etwa zwei Drittel der ASV-Teams befinden sich in den Großstädten Knapp 10% der Teams sind im ländlichen Raum angesiedelt

16 ASV-Teams bilden sich überwiegend in städtischen Gebieten Definition nach Gemeindereferenz des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung Datenquelle: ASV-Servicestelle, , 67 Teams 6% 0% 3% Große Großstadt, > Einwohner 12% 13% 28% kleinere Großstadt, große Mittelstadt, kleine Mittelstadt, große Kleinstadt, kleine Kleinstadt, % ländlische Gemeinden, < In etwa zwei Drittel der ASV-Teams befinden sich in den Großstädten Ein Viertel der Teams sind in Mittelstädten angesiedelt

17 Regionale Ausdehnung eines Teams 3 Abs. 2 ASV-RL: Angemessene Entfernung des Kernteams und der Hinzugezogenen i.d.r. 30 min von Teamleitung Ausnahme: Fachgruppe ohne Patientenkontakt (z.b. Labormedizin) Ausnahme: Fachgruppe sonst nicht in das Team einschließbar Ermessensentscheidung des Erweiterten Landesausschusses Bildquelle:

18 Kartenquelle: GoogleMaps Standorte der Teammitglieder - Bsp. Ländliches Team Team Altötting Teammitglieder Teamleiter Kernteam Hinzuzuziehende Datenquelle: ASV-Servicestelle,

19 Kartenquelle: GoogleMaps Standorte der Teammitglieder - Bsp. Städtisches Team Team SANA Klinikum Berlin-Lichtenberg Teammitglieder Teamleiter Kernteam Hinzuzuziehende Datenquelle: ASV-Servicestelle,

20 Patientenzahlen - insgesamt Quelle: GKV- SpV, DKG, KBV, ASV-Bericht, 2017

21 Patientenzahlen in der regionalen Versorgung Quelle: GKV- SpV, DKG, KBV, ASV-Bericht, 2017

22 Fazit ASV nimmt langsam aber sicher mehr Anteil an der Patientenversorgung ein regionale Verteilung kehrt sich um im Vergleich zur Versorgung nach 116b SGB V a.f. (ambulante Behandlung im Krankenhaus), was daran liegen dürfte, dass viele Krankenhäuser noch an den Alt- Bestimmungen festhalten ländliche Gebiete schwieriger zu versorgen Foto: Dr. Sebastian Berg

23 Quellen (soweit nicht gesondert gekennzeichnet) ASV-Servicestelle Bundesverband Ambulante spezialfachärztliche Versorgung e.v. Froschauer-Häfele, S./ Grupp, H./ Jaeckel, R./ Jenschke, C./ Munte, A./ Pöttgen, S./ Rüsenberg, R. (2017), Schöne neue ASV-Welt? Ergebnisse einer Umfrage unter den ASV-Teamleitern, in: Gesundheits- und Sozialpolitik, Nr. 2, S GKV-Spitzenverband, Deutsche Krankenhausgesellschaft, Kassenärztliche Bundesvereinigung (2017): Bericht an das Bundesministerium für Gesundheit zu den Auswirkungen der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung auf die Kostenträger, die Leistungserbringer sowie die Patientenversorgunghttp:// _nach_ _116b_Abs._9_SGB_V.pdf (Download am 31. Juli 2017) Jenschke, C./ Munte, A./ Froschauer-Häfele, S./ Pöttgen, S. (2017), Sektorengrenzen ade? Analyse der Entwicklung der Versorgungsstrukturen in der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung, in: Repschläger, U./ Schulte, C./ Osterkamp, N. (Hrsg.), Gesundheitswesen aktuell 2017, S (erschienen am ) Karten: GoogleMaps

24 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Prof. Dr. Christoff Jenschke, LL.M. (Lond.) Rechtsanwalt und Fachanwalt für Medizinrecht Professor für Wirtschafts- und Gesundheitsrecht bbw Hochschule Leibnizstraße Berlin Tel.: (030) Fax: (030)

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