Aufgaben und Funktionen in der Produktionsplanung und -steuerung 7. Querschnittsaufgaben der PPS (Teil 2: Lagerwesen)

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1 Skript PPS4-2-2 Aufgaben und Funktionen in der und -steuerung 7. Querschnittsaufgaben der PPS (Teil 2: Lagerwesen) Folie Gliederung 2.7 Querschnittsaufgaben der PPS Überblick Auftragskoordination Lagerwesen Folie - 2 -

2 Bedeutung der Lagerhaltung Hauptaufgabe der Lagerhaltung Die Aufgabe des Lagers in einem Industrieunternehmen besteht in einem zeitlichen und mengenmäßigen Ausgleich von Materialbeschaffung und Materialbedarf benachbarter Bereiche Notwendigkeit der Lagerhaltung Überbrückungsfunktion (Distributionsstufen) Bündelungsfunktion ( One-Stop-Shopping ) Ausgleichsfunktion (Kapazitätskonkurrenz) Spekulationsfunktion Risikoausgleich Abholbedarf Folie Kosten der Lagerhaltung Durchschnittswerte bezogen auf den Wert der gelagerten Waren:» Zinsen des gebundenen Kapitals: 6,5 bis 8,5 %» Alterung, Verschleiß: 3,5 bis 5 %» Verlust, Bruch: 2 bis 4 %» Transport: 2 bis 4 %» Lagerung, Abschreibung: 1,5 bis 2,5 %» Lagerverwaltung: 1 bis 2 %» Versicherung: 0,5 bis 1 % Summe gesamt: 19 bis 30 % Grundsatz: Lagerhaltung ist ein notwendiges Übel, da sie hohe Kosten verursacht! Quelle: in Anlehnung an Siemens Folie - 4 -

3 Bereitstellungsprinzipien Bereitstellungsprinzipien verbrauchsorientierte Materialbereitstellung bedarfsorientierte Materialbereitstellung Einzelbeschaffung im Bedarfsfall einsatzsynchrone Anlieferung Folie Verbrauchsorientierte Materialbereitstellung Vorgehen: Hierbei werden die Materialien in einem eigenen Lager auf Abruf gehalten und stehen somit bei einem auftretenden Bedarf sofort bzw. in sehr kurzer Zeit zur Verfügung. Vorteile: Hohe Lieferbereitschaft Preisgünstige Beschaffung durch Preis-, Mengen- und Transportkostenstaffelungen möglich Nachteile: (Hohe) Kosten der Lagerhaltung (können durch Teillieferverträge verringert werden) Anwendung: Bei Serien-/Massenfertigung: alle Materialien Bei Einzel-/Kleinserienfertigung: gängige Materialien Folie - 6 -

4 Einzelbeschaffung im Bedarfsfall Vorgehen: Die Materialbereitstellung wird erst dann ausgelöst, wenn ein spezifischer, mit einem bestimmten Auftrag verbundener Bedarf vorliegt. Vorteile: Geringe Lagerhaltungskosten, da das Material nach dem Wareneingang schnell zum Bedarfsort gelangt Nachteile: Gefahr geringer Lieferbereitschaft, da der Bedarf nur im Rahmen der Lieferzeit gedeckt werden kann u.u. schwierige Terminplanung der Aufträge, da von der Lieferzeit abhängig Stillstands- und Fehlmengenkosten bei fehlendem Material Anwendung: Bei Einzel-/Kleinserienfertigung: spezifische Materialien Folie Einsatzsynchrone Anlieferung (bedarfssynchrone Produktion) Vorgehen: Mit den Lieferanten wird vertraglich vereinbart, an festen, durch den Produktionsablauf bestimmten Terminen das benötigte Material zu liefern (Übertragung der Lagerhaltung auf die Lieferanten) Vorteile: Geringe Lagerhaltungskosten Hohe Lieferbereitschaft Nachteile: Durchsetzbarkeit hängt von der Marktstellung gegenüber Lieferanten ab (z.b. Vereinbarung von Konventionalstrafen) Produktion des Lieferanten muss abgestimmt sein Kosten der Lagerhaltung und der flexiblen Produktion müssen über Einkaufspreis abgedeckt sein Anwendung: Bei Großserien-/Massenfertigung, z.b. Automobilbau, chemische Industrie Folie - 8 -

5 Anforderungen an die Planungsgenauigkeit Bereitstellungsprinzipien verbrauchsorientierte Materialbereitstellung bedarfsorientierte Materialbereitstellung Einzelbeschaffung im Bedarfsfall einsatzsynchrone Anlieferung Zunehmende Genauigkeitsanforderungen an die Planung Folie Lagerwesen Ziele des Lagerwesens Korrekte Einlagerung der Artikel auf Lagerplätze innerhalb unterschiedlicher Lagerorte Schnelles Auffinden der Artikel für eine Auslagerung bzw. Kommissionierung Abgrenzung Produktionsbedarfsplanung» planerisch - dispositive Tätigkeiten Lagerwesen» verwaltender, beauskunftender Servicecharakter Lagerstufen im Wertschöpfungsprozess ( Lagerorte ) Beschaffungsläger (z.b. WE-Lager, RHB-Lager) Zwischenläger (z.b. (Halb)Fertigteile) Bereitstellungs- und Kommissionierläger Absatz- bzw. Auslieferungsläger (z.b. Fertigwaren-, Versandlager) Folie

6 Wertschöpfungs- und Kapitalbindungsprozess Folie Aufgabengliederung des Lagerwesens nach Luczak / Eversheim Quelle: in Posten Folie

7 Lagerbewegungsführung Ziel: Exakte Erfassung aller Lagerbewegungen» sowohl zwischen unterschiedlichen Lagerorten» als auch innerhalb eines Lagerortes Teilaufgaben: Erfassen der Lagerzu-/-abgänge, z.b. über Barcodes Umrechnung von Mengeneinheiten (Basis-/ Alternativmengeneinheiten) Umbuchungen innerhalb und zwischen Lagerorten Umlagerungen» aus technologischen Gründen (z.b. Tragkraftgrenze des Lagers erreicht)» aus organisatorischen Gründen (z.b. Lager voll ) Folie Zur internen Verwaltung werden alle Mengeneinheiten in die Basismengeneinheit umgerechnet Folie

8 Bestandssteuerung Bedeutung Übersicht über Bedarfe und Bestände als Basis für die Planung zukünftiger Aufträge (wesentliche Voraussetzung für Nettobedarfsermittlung) Aufgabe Führen des dispositiven Bestandskontos je Materialstamm Dispositives Bestandskonto Aktivseite» (physischer) Lagerbestand» Zugänge Passivseite» Reservierungen» (Plan-)Abgänge Folie Aufbau des dispositiven Bestandskontos Folie

9 Lagerort- und Lagerplatzverwaltung Begriffe Lagerorte» unterschiedliche Lager(-stätten) im Unternehmen Lagerplätze» konkrete Aufbewahrungsplätze der Lagergüter in einem Lagerort» beschrieben z.b. durch Gang, Ebene, Fach Teilaufgaben Zuordnung der Lagergüter zu geeigneten Aufbewahrungsplätzen Zielsicheres Wiederfinden der Lagergüter Methoden der Lagerplatzverwaltung Festplatzsystem Chaotische Lagerung Folie Lagerplatzverwaltung nach Festplatzsystem Folie

10 Chaotische Einlagerung Folie Lagerplatztypen und Lagerbereiche sind zusätzliche Klassifizierungsmöglichkeiten zur Lagerplatzauswahl Folie

11 Chargenverwaltung Bedeutung der Chargenverwaltung Bei möglichen Regressansprüchen (Produkthaftungsgesetz) muss sichergestellt werden, dass die in ein Produkt eingeflossenen Fertigungs- und Lieferantenchargen zurückverfolgbar sind. Bei angezeigten fehlerhaften Lieferungen muss die Verwendung in Erzeugnissen identifizierbar sein, z.b. um gezielt Produkte zurückrufen zu können. Bei fehlerhaften Produkten muss ermittelt werden können, welcher Teilprozess für den fehler verantwortlich ist. Folgen Für chargenpflichtige Materialien muß jeder Teilbestand einer Charge zugeordnet werden Zu jeder Charge müssen die relevanten Daten geführt werden, z.b. Verfallsdatum, Wareneingangsdatum Herkunftsland, Lagerbestand Bei jeder Warenbewegung muss die Chargennummer angegeben werden Folie Beispiel zur Chargenverfolgung durch den Wertschöpfungsprozess Folie

12 Lagerkontrolle Ziel Führung geeigneter Kennzahlen, um hieraus bei Bedarf entsprechende Maßnahmen zur Optimierung des Lagerwesens abzuleiten Typische Auswertungen Bestandslisten, z.b. geordnet nach Bestandsmenge oder wert Materialanalysen, z.b. nach Reichweite, Umschlagshäufigkeit Nutzungsanalysen, z.b. Lagervolumen, Transport Folie Reichweite und Lagerumschlag eines Lagers Folie

13 Inventur Bedeutung Schwund, Diebstahl, Fehlbuchungen, etc. können zu Abweichungen zwischen dem buchmäßigen und dem tatsächlichen Bestand führen. Die Gesetzeslage erfordert daher von den Unternehmen, mindestens einmal jährlich den Buchbestand mit dem tatsächlich physischen Bestand abzugleichen Die Disposition kann nur richtige Bestellmengen ermitteln, wenn sie auf einem korrekten Lagerbestand aufbauen Inventurverfahren Nach dem zeitlichen Aspekt» Stichtagsinventur» Permanente Inventur Nach dem mengenmäßigen Aspekt» Gesamtinventur» Stichprobeninventur Folie Allgemeiner Ablauf der Inventur Folie

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