- Die Unterrepräsentanz von Wissenschaftlerinnen im deutschen Wissenschaftssystem bildet sich auf vielen Ebenen im Kontext der DFG-Förderung ab.

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1 Deutsche Forschungsgemeinschaft Die Förderung der Gleichstellung von Männern und Frauen durch die Stellungnahme zur Studie Wissenschaftlerinnen in der Antragsaktivitäten, Förderchancen und Funktionen Von Doris Brennecke-Schröder und Stefan Koch Im Rahmen einer umfassenden Satzungsänderung hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Jahr 2002 ihre Aufgabenbeschreibung ergänzt und erstmals ausdrücklich festgestellt, dass die die Gleichstellung von Männern und Frauen in der Wissenschaft fördert. Damit hat die deutlich gemacht, dass sie mit ihrem Fördersystem anstrebt, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gleichermaßen attraktive Förderoptionen anzubieten. Damit die Wissenschaft in Deutschland international konkurrenzfähig bleibt, müssen wissenschaftliche Talente, unabhängig von ihrem Geschlecht, für einen Verbleib im Wissenschaftsbereich gewonnen werden. Hier besteht im Hinblick auf die Wissenschaftlerinnen ein deutlicher Handlungsbedarf. Um eine für Entscheidungsprozesse notwendige solide Datenbasis zu gewinnen, hat die 2006 eine Studie in Auftrag gegeben, die insbesondere das Förderverhalten der unter Gleichstellungsgesichtspunkten betrachtet. Durchgeführt wurde diese Studie durch Professor Thomas Hinz, Ina Findeisen und Katrin Auspurg am Lehrstuhl für empirische Sozialforschung der Universität Konstanz. Im Rahmen dieser Studie wurde untersucht, inwieweit es geschlechtsspezifische Unterschiede bezüglich Antragsaktivität und Förderchancen gibt und in welchem Umfang Wissenschaftlerinnen in den Gremien und in den Begutachtungsprozessen mitwirken. Drei wesentliche Ergebnisse dieser Studie sind: - Die Unterrepräsentanz von Wissenschaftlerinnen im deutschen Wissenschaftssystem bildet sich auf vielen Ebenen im Kontext der -Förderung ab. - Wissenschaftlerinnen haben in der Einzelförderung etwas geringere Erfolgschancen als Wissenschaftler. Die Unterschiede sind jedoch nicht als bedeutsam zu interpretieren. 1

2 - Wissenschaftlerinnen sind bei der Antragstellung durchschnittlich jünger als Wissenschaftler und in einigen Nachwuchsförderprogrammen stärker repräsentiert. Kontext, Ergebnisse und Konsequenzen der Studie Die Studie wurde vor dem Hintergrund erstellt, dass trotz vielfältiger Bemühungen der Anteil von Wissenschaftlerinnen an den verschiedenen Qualifikationsstufen und beruflichen Positionen in Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in den vergangenen Jahren zwar gestiegen ist, dies aber nur in einem sehr geringen Umfang. Während 2004 fast 50 Prozent der Studienabschlüsse von Frauen erzielt wurden, lag deren Anteil bei den Promotionen bei ca. 40 Prozent. Der Anteil der Wissenschaftlerinnen an den Habilitationen betrug 23 Prozent und an den Berufungen 19 Prozent. Von den Professuren waren kaum 14 Prozent mit Frauen besetzt. Der Frauenanteil bei den C4- und vergleichbaren Professuren betrug im Jahr 2004 schließlich lediglich neun Prozent. Damit weist Deutschland im europäischen Vergleich einen außerordentlich niedrigen Frauenanteil auf: Großbritannien und Frankreich können etwa auf einen Frauenanteil von 16 Prozent verweisen. Ein erstes positives Signal geht von den Neuberufungen im Jahr 2005 aus: Hier betrug der Frauenanteil immerhin 23 Prozent. Auf der Basis von Datenmaterial aus den Jahren 1991 bis 2004 untersuchten die Konstanzer Wissenschaftler im Wesentlichen die Einzelförderung und einzelne Instrumente der Nachwuchsförderung. Der Frauenanteil bei den Antragsstellungen hat sich über den Untersuchungszeitraum hinweg von 6 auf knapp 14 Prozent gesteigert. Die steigende Tendenz bei Antragstellungen von Wissenschaftlerinnen entspricht damit in etwa dem allgemeinen Anstieg des Frauenanteils im Wissenschaftssystem. Entsprechend war in den Geistes- und Sozialwissenschaften wie auch in den Lebenswissenschaften der Frauenanteil am höchsten, in den Ingenieur- und Naturwissenschaften war er am geringsten. Auffallend ist, dass Antragsstellerinnen im gesamten Zeitraum jünger als Antragssteller waren, ihre Anträge also in früheren Karrierephasen stellten als Männer. 2

3 Einen deutlichen Geschlechtsunterschied gibt es im Hinblick auf die Einschätzung, ob Frauen und Männer von Gutachterinnen und Gutachtern gleich behandelt werden. Bei einer 2004 veröffentlichten Befragung, die sich an ehemalige - Stipendiaten richtete, vertraten 72 Prozent der männlichen Befragten die Meinung, das Geschlecht spiele bei der Begutachtung keine Rolle. Von den Stipendiatinnen waren allerdings nur 38 Prozent dieser Auffassung. Die in der Studie berichteten Befunde zu geschlechtsspezifischen Förderquoten geben dieser deutlich kritischeren Einschätzung durch Frauen allerdings nur wenig Nahrung. So lagen die Förderquoten in der Einzelförderung im Zeitraum von 1991 bis 2004 getrennt nach Frauen und Männern zwar in 12 Jahren bei den Männern höher als bei Frauen, d.h. nur in zwei Jahren wiesen Frauen überdurchschnittliche Förderquoten auf. Die Differenz der Werte bewegte sich jedoch in den meisten Jahren in einem eher unbedeutenden Bereich von unter 2 Prozent. Erheblich größere Veränderungen zeigten sich in diesem Zeitraum bei den Förderquoten insgesamt, die von 1991 bis 2004 bedingt durch den gestiegenen Wettbewerb von 60 auf nur noch 38 Prozent zurückgingen. Diese Ergebnisse ermutigen dazu, Wissenschaftlerinnen, die ihren eigenen Förderchancen eher skeptisch gegenüber stehen, durch eine gezielte Informationspolitik verstärkt zu einer Antragsstellung zu motivieren. Der differenzierte Blick auf die Situation in den einzelnen von der geförderten Fachgebieten eröffnet Handlungsoptionen zur Unterstützung von Wissenschaftlerinnen in Fächern, in denen sich ihre Situation als besonders problematisch erweist. Nachwuchswissenschaftlerinnen müssen zum einen noch intensiver beraten werden, damit sie sich für das in ihrer wissenschaftlichen Laufbahn jeweils geeignete Förderinstrument entscheiden. Zum anderen muss die insbesondere in den Forschungsverbünden bestehende Chance genützt werden, junge Wissenschaftlerinnen (z.b. durch Mentoring-Programme) zu ermutigen, sich für einen Verbleib in der Wissenschaft zu entscheiden. Bei bereits etablierten Wissenschaftlerinnen muss verstärkt darauf geachtet werden, dass sie in Forschungsverbünden auf der Ebene der Projektleitung angemessen eingebunden werden. Die Konstanzer Studie stellt für die einen Meilenstein dar, da sie erstmals bislang nicht verfügbare oder verstreute Informationen zur Beteiligung von Frauen am Fördergeschehen zusammenfasst. Sie bietet wichtige Hintergrundinformationen für die Entscheidungsgremien der und andere 3

4 wissenschaftspolitische Akteure. Die Studie ist Voraussetzung und Anregung für den Aufbau eines Gleichstellungs- Monitorings, mit dem die Geschäftsstelle der zukünftig die wichtigsten Analysen fortschreiben und ergänzen will. Insbesondere dort, wo die Ursachen für die Befunde noch im Dunkeln liegen, ergibt sich die Notwendigkeit für tiefergehende Studien. Senatsarbeitsgruppe Chancengleichheit und weitere Initiativen Im Herbst 2006 hat der Senat der eine Arbeitsgruppe eingesetzt, in der sechs Wissenschaftlerinnen und sechs Wissenschaftler aus dem Senat sowie den Senatsausschüssen für die Sonderforschungsbereiche und für die Graduiertenkollegs mitwirken. Sie berät über Maßnahmen, mit denen Wissenschaftlerinnen auf allen Qualifikationsstufen besser in das Fördersystem eingebunden werden können. Dabei wird sie auch auf die Ergebnisse der Konstanzer Studie zurückgreifen. Die Autoren haben den Mitgliedern der Arbeitsgruppe die wichtigsten Ergebnisse bereits Anfang Mai vorgestellt. Besondere Bedeutung für das Förderverhalten der haben die von der wissenschaftlichen Gemeinschaft gewählten Fachkollegien, die 2003 erstmals gebildet wurden und den Fachausschüssen nachgefolgt sind. Gegenwärtig gibt es insgesamt 48 Gremien dieser Art, die nach einer fachlichen Systematik gegliedert sind. In der Konstanzer Studie wird die kontinuierliche Steigerung des Frauenanteils in diesen Gremien deutlich. Lag der Frauenanteil bei der Fachausschusswahl 1991 noch bei knapp drei Prozent, hat er 2003 die 11 Prozent- Grenze überschritten. Um die Beteiligungsquote von Frauen in diesen für die zentralen Gremien weiter zu erhöhen, hat der Senat mit der Einrichtung der Arbeitsgruppe zugleich beschlossen, bei der Aufstellung der Kandidierendenliste für die 2007 anstehende Wahl der Mitglieder der Fachkollegien einen Anteil von 18 Prozent Kandidatinnen anzustreben. Um den Gegebenheiten in den einzelnen Fächern Rechnung zu tragen, wurde für jedes Fach eine fachspezifisch angestrebte Repräsentanz von Frauen ermittelt, so dass den Vorschlagsberechtigten eine konkrete Zielvorgabe mitgeteilt werden konnte. 4

5 Die Fachgesellschaften, die Mitglieder der, die Leibniz- Preisträgerinnen und -Preisträger sowie der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft haben Vorschläge vorgelegt, auf deren Grundlage der Senat eine Kandidierenden-Liste verabschiedet hat, auf der Wissenschaftlerinnen mit einem Anteil von mehr als 17 Prozent vertreten sind. Damit konnte die Zielvorgabe nicht ganz erreicht werden. Trotzdem wurden gute Voraussetzungen geschaffen, um den Frauenanteil in den Fachkollegien in deutlich sichtbarer Weise zu erhöhen. Bei der letzten Wahl 2003 lag dieser leicht über dem Anteil der Frauen an den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die für diese Ämter kandidiert hatten. Setzt sich dieses Wahlverhalten fort, werden die Fachkollegien der nächsten Wahlperiode eine deutliche Steigerung des Frauenanteils aufweisen. Um auf Dauer mehr Frauen nach dem erfolgreichen Abschluss ihrer wissenschaftlichen Ausbildung für die Wissenschaft zu gewinnen, haben die großen Wissenschaftsorganisationen im November 2006 außerdem eine Offensive für Chancengleichheit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern beschlossen. In diesem Rahmen haben sich neben der auch die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz- Gemeinschaft, die Hochschulrektorenkonferenz, die Leibniz- Gemeinschaft, die Max Planck-Gesellschaft und der Wissenschaftsrat verpflichtet, verstärkt darauf hin zu arbeiten, dass der Frauenanteil bei der Neubesetzung von Entscheidungsoder Führungspositionen dem jeweiligen Anteil an habilitierten oder entsprechend hoch qualifizierten Wissenschaftlerinnen in den verschiedenen Fächergruppen angeglichen wird. 5

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