Schulen braucht das Land

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1 Schulen braucht das Land Märkische Akademie Ländlicher Raum e. V. Arbeitsgemeinschaft der Akademien Ländlicher Raum

2 Arge Ländlicher Raum Dokumentation der Begleitveranstaltung Schulen braucht das Land! im Rahmen des Zukunftsforums Ländliche Entwicklung des BMELV am 21. Januar 2010 auf der IGW in Berlin

3 2 Impressum Redaktionelle Bearbeitung: Josef Attenberger, München Axel Lorig, Mainz Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft der Akademien Ländlicher Raum in den deutschen Ländern (Arge Ländlicher Raum) München, Juli 2010 ISBN

4 3 Inhaltsverzeichnis Seite Begrüßung und Einführung Staatssekretär a.d. Rüdiger v. Plüskow, Vorsitzender der Akademie für die Ländlichen Räume Schleswig-Holsteins e.v. 5 Schulen braucht das Land - aus Sicht der ländlichen Gemeinden Uwe Lübking, Beigeordneter des Dezernats Sozialpolitik des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Berlin - aus Sicht der staatlichen Schulbehörden Dr. Marc Jäger, Bayer. Staatsministerium für Unterricht und Kultus, München - aus Sicht der Lehrer Klaus-Peter Hammer, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Rheinland- Pfalz Erfahrungsberichte national und international Landkreis Traunstein (Bayern) Hermann Steinmaßl, Landrat des Landkreises Traunstein Oberbergischer Kreis (Nordrhein-Westfalen) Schulamtsdirektorin Angelika Freund, Schulamt für den Oberbergischen Kreis PISA-Vorbild Finnland: Was ist das Geheimnis? Prof. Dr. Matti Meri, Universität Helsinki Plenumsdiskussion Leitung: Prof. Axel Lorig, Geschäftsführer der Akademie Ländlicher Raum Rheinland-Pfalz Zusammenfassung der Tagungsergebnisse Prof. Axel Lorig Veröffentlichungen der Arge Ländlicher Raum 99

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6 5 Begrüßung und Einführung Rüdiger v. Plüskow Ich begrüße Sie alle im Namen der Arge Ländlicher Raum. In unserer Arbeitsgemeinschaft haben sich die Akademien ländlicher Räume der Länder zusammengeschlossen, um unsere Kräfte zu bündeln und ein Sprachrohr gegenüber Bund und EU zu haben. Wir haben am Zukunftsforum von Anfang an teilgenommen, mit Erfolg. Dabei konzentrieren wir uns auf Themen, die die Menschen nachhaltig bewegen und auch beunruhigen. So stand voriges Jahr die Gesundheit im Mittelpunkt. Heute ist das brisante Problem Bildung. Wegen der Komplexität der Riesenmaterie haben wir uns auf die Schule beschränkt, um an diesem kurzen Vormittag eine vertiefte Diskussion zu ermöglichen. Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, dazu alle wichtigen Akteure an einen Tisch zu bekommen. Ich heiße Sie herzlich willkommen. Es ist uns eine besondere Freude, heute Prof. Matti Meri von der Universität Helsinki bei uns zu haben. Er ist ein in allen Sätteln gerechter Schulexperte und soll uns die Geheimnisse der beispiellosen finnischen Bildungserfolge erläutern. Er wird uns dafür sicher sehr praktische Erklärungen geben. Es wird aber wohl auch am SISU liegen, dieser nur den Finnen eigenen mentalen Kraft, die alle Hindernisse überwindet. Wir sind gespannt. Bevor Prof. Lorig als Moderator das Kommando übernimmt, will ich einige allgemeine Anmerkungen machen: Bildung ist für den Einzelnen und für die Gesellschaft von entscheidender Bedeutung. Für jeden ist Bildung die Voraussetzung für persönliche und berufliche Entfaltung, für wirtschaftliche und gesellschaftliche Teilhabe und damit persönliches Glück. Sie ist nicht zuletzt wichtiger Schutz vor Arbeitslosigkeit.

7 6 Das Bildungsniveau bestimmt Wohlfahrt und Wachstum unseres rohstoffarmen Landes. In der heutigen Wissensgesellschaft ist ein hohes Humankapital ein bedeutsamer Wettbewerbs- und Standortvorteil. Nur eine Zahl dazu: eine neue Untersuchung der Bertelsmannstiftung stellt fest: hätten alle deutschen Schüler den finnischen Standard, könnte unser Land bis 2090 fast 10 Billionen EURO zusätzlich erwirtschaften unser Schuldenproblem wäre gelöst. Das deutsche Bildungssystem früher das beste der Welt hat heute besorgniserregende Defizite: ein zu starres, unübersichtliches Schulsystem, das übermäßig Risikoschüler, Wiederholer und Abbrecher produziert und so Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit beeinträchtigt, unattraktive Hochschulen, die zu wenig Studenten anlocken und gleichfalls hohe Abbrecherraten haben, eine teilweise marode Infrastruktur. Wir sind also in den auf Grund demografischen Wandels, Finanzmisere und Globalisierung notwendigen Umbau unseres Bildungssystems nicht aus der Poleposition gestartet. Was für die Republik generell gilt, gilt für den ländlichen Raum im Besonderen. Das Bildungsangebot ist hier wegen der geringeren Einwohnerdichte zwangsläufig begrenzter als in der Stadt. Drohende Überalterung und Abwanderung vor allem gut ausgebildeter Frauen werden zur weiteren Verringerung von Bildungseinrichtungen führen und können damit die Zukunftsfähigkeit der ländlichen Regionen gefährden, wenn nichts geschieht. Was also ist zu tun? Erfreulich ist immerhin, dass die Erkenntnis der entscheidenden Bedeutung der Bildung für die Zukunft unseres Landes sich wenn auch spät zumindest verbal durchgesetzt hat. Die Bundeskanzlerin selbst hat die Bildungsrepublik ausgerufen.

8 7 Allerdings verläuft die Umsetzung des guten Willens zäh: die Reformansätze sind unzureichend, die Finanzmittel sind viel zu knapp bemessen, um den gewaltigen Reformstau schnell aufzuholen. Außerdem wird selbst bei den vom Bildungsgipfel beschlossenen Budgets getrickst, um die Vorgaben wenigstens rechnerisch zu erreichen und schließlich behindern die überflüssigen Eifersüchteleien zwischen Bund und Ländern den Reformprozess. Der Föderalismus erweist sich hier als Störfaktor zum Nachteil des ganzen Landes. Wie können die Lösungsansätze aussehen? Dazu wollen wir heute einiges hören. Doch generell kann man feststellen: Neben den allgemeingültigen allerdings umstrittenen Vorstellungen für den Umbau des Bildungssystems bedarf es für die ländlichen Räume besonderer Lösungen. Die wichtigsten Stichworte sind dabei Flexibilität und Kooperation. Wir brauchen mehr Gestaltungsspielräume und Eigen-Verantwortung für alle Bildungseinrichtungen, vor allem für die Schulen, die sich am viel zu kurzen Zügel der Schulbürokraten nicht selbst entfalten können. Für die Erhaltung von Schulstandorten auf dem Land müssen flexiblere Kriterien gelten als in der Stadt. Bei der Entscheidung über den Erhalt einer Schule auf dem Land können nicht allein schulische Überlegungen eine Rolle spielen. Zu berücksichtigen sind auch die soziale und kulturelle Funktion der Schule für den Ort und seine Umgebung. Dabei müssen die betroffenen Gemeinden ebenso wie die Eltern eng eingebunden werden in die Entscheidungen. Nur so kann Akzeptanz entstehen. Vom grünen Tisch nach Aktenlage geht das nicht. Wir brauchen eine intensive Kooperation aller Bildungseinrichtungen auch über die Ostgrenzen hinaus. Wir brauchen eine enge Zusammenarbeit der Schulen mit dem vorschulischen Bereich, den Institutionen der Aus- und Weiterbildung und mit den außerschulischen Partnern wie Vereinen und Verbänden.

9 8 Unverzichtbar für eine lebendige ländliche Bildungslandschaft ist aber auch die sozial gerechte Regelung der Kosten der Kinderbeförderung. Und schließlich brauchen wir endlich eine flächendeckende Breitbandversorgung, um auch entlegenen Regionen ein ausreichendes Bildungsangebot machen zu können.

10 9 Schulen braucht das Land Aus Sicht der ländlichen Gemeinden Uwe Lübking Herr Lorig, meine sehr geehrten Damen und Herren, vielen Dank für die Möglichkeit eines Eingangsstatements. Mit Blick auf die Zeitvorgabe kann ich viele Punkte nur relativ kurz ansprechen. Soweit ich Einiges nur anreißen kann, können wir das sicherlich in der Diskussion hinterher noch vertiefen. Insbesondere Herr von Plüskow hat schon auf die wesentlichen Punkte hingewiesen, daran kann ich dann auch nahtlos anschließen. Ich bin beim Deutschen Städte- und Gemeindebund für die Aufgabengebiete Sozialpolitik, Jugendpolitik, Bildung und Kultur zuständig, zusätzlich aber auch für die Bereiche Personal, Organisation, Recht und Sport und diese Themenvielfalt ist immer wieder gefordert, wenn es um die Frage der Zukunft ländlicher Entwicklungen geht. Schule und Bildung sind für viele Städte und Gemeinden nur eine ganz bestimmte Facette in der Frage der Standorte. Insofern hatten wir gestern ein Forum zum Thema der ärztlichen Versorgung. Es gibt ein Forum für den Breitbandausbau. Alles dies hängt miteinander zusammen. Das heißt, wenn ich die Dienstleistungen vor Ort nicht umfänglich anbieten kann, dann wird eine Kommune unattraktiv. Unattraktiv für Unternehmen, unattraktiv aber insbesondere für junge Familien. Und wir erleben etwas, was auf Grund der demografischen Entwicklung viele Städte und Gemeinden vor 25 Jahren so noch nicht gesehen und in der Deutlichkeit nicht gespürt haben, es gibt Standortwettbewerbe. Früher lebte man in seinem Ort häufig von der Geburt bis an sein Lebensende. Das ist aber anders geworden. Gerade junge Menschen sind viel mobiler und diese Mobilität heißt, man zieht dorthin, wo man die entsprechenden

11 10 Rahmenbedingungen vorfindet. Und Rahmenbedingungen sind neben den Arbeitsplätzen auch die Schulangebote. Ich rede jetzt nicht von denjenigen, die auf Grund ihrer Bildungsbiografie weniger mobil sind, auch weil sie generell Schwierigkeiten haben, Arbeitsplätze zu finden. Diese Menschen bleiben vielfach an ihren angestammten Wohnorten oder in ihren Regionen. Die aber, die qualifiziert sind, die mobil sind, die ziehen dorthin, wo sich attraktive Arbeitsplätze finden lassen und diese insbesondere jungen Familien suchen sich ihren Wohnstandort im Umfeld des Arbeitsplatzes nach ganz bestimmten Kriterien aus. Und dazu gehört nicht nur der Schulbereich, sondern insbesondere auch der Elementarbereich, also die Kindertageseinrichtungen. Wir erleben, dass Eltern in Städten und Gemeinden anrufen und bei den Kommunen nachfragen, was habt ihr für Angebote. Es geht nicht nur um das Angebot als solches oder um die Öffnungszeiten, sondern die Frage nach ganz bestimmten pädagogischen Konzepten in diesen Einrichtungen gewinnt an Bedeutung. Und wenn ich diese qualitativen Einrichtungen nicht habe, dann hat diese Kommune einen Standortnachteil. Und das ist sicherlich auch ein Grund, warum Städte und Gemeinden und natürlich auch Landkreise sich viel stärker im Bereich der Bildung engagieren als dies früher der Fall war. Wir haben im Schulbereich noch immer die strenge Dualität, also die Kommunen sind zuständig als Schulaufwandsträger und die Länder für die sogenannten inneren Schulangelegenheiten. Ich sage ganz offen, diese Dualität hat sich überlebt. Auch das können wir nicht so aufrechterhalten, wo wir mittlerweile wissen, dass Bildungsprozesse nicht nur in Schulen stattfinden. Es gibt unterschiedlichste Partner der Bildungsprozesse, dazu gehören die Musikschulen, dazu gehören die Volkshochschulen, dazu gehören natürlich alle kulturellen Einrichtungen, die es vor Ort gibt, und dazu gehören insbesondere auch die Vereine. Und diese unterschiedlichen Akteure zusammen zu bringen, ist eine wichtige kommunale Aufgabe. Die Vernetzung dieser Bildungsorte kann ich so vor Ort gestalten und deshalb muss man auch die Kommunen stärker in das Bildungssystem mit einbeziehen. Dass die Kommunen dies wollen, zeigt sich ganz deutlich und eben auch vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung.

12 11 Ich könnte Ihnen jetzt anhand von Grafiken deutlicher zeigen, wie unterschiedlich die Entwicklung der Schülerzahlen in unserem Land ist. Wir haben nach wie vor natürlich Regionen, wo wir wissen, die Einwohnerzahlen bleiben konstant, die demografische Entwicklung ist beherrschbar; aber wir haben in allen Bundesländern regionale Entwicklungen, wo die Schülerzahlen um 20, 25, ja um 30 % zurückgehen werden. Und deshalb müssen wir auch bei dem Thema relativ sachlich diskutieren. Wir werden sicherlich nicht die Forderung erfüllen können, jedes Dorf behält eine Schule. Das wird nicht funktionieren. Auch wenn wir daran festhalten müssen: Wir dürfen Schulen und auch die Größe von Schulen nicht immer unter fiskalischen Gesichtspunkten sehen. Wenn ein Landesrechnungshof kürzlich in einem Bericht geschrieben hat, irgendwann rechnet sich eine Schule nicht mehr und diese muss geschlossen werden, dann werden allzu sehr wirtschaftliche Aspekte in den Vordergrund gestellt. Und wenn dann noch festgestellt wird, es sei nicht erwiesen, dass kleinere Lerngruppen zu besseren Erfolgen führen, dann kann man nur sagen, Gott sei dank machen Rechnungshöfe keine Bildungspolitik in Deutschland. Ich glaube, dass wir aus Finnland etwas lernen können. Das ist, dass die Größe von Lerngruppen Einflüsse darauf hat, wie ich individuelles Lernen fördern kann. Und das ist genau unser Problem, woran es hakt. Nächstes Problem ist natürlich, wenn wir über ländliche Räume sprechen, diese sind in Deutschland sehr unterschiedlich verteilt. Was ist ein ländlicher Raum? Auch in Nordrhein-Westfalen gibt es diese ländlichen Strukturen, die aber von der Größe immer und überhaupt noch nicht zu vergleichen sind mit den Strukturen anderer Flächenländer. Natürlich habe ich Gebiete in einigen ostdeutschen Ländern, z. B. der Uckermark, wo ich plötzlich feststelle, dort leben noch 50 Einwohner im Dorf und unter den 50 Einwohnern ist kein Kind. Und deshalb gibt es bei der Frage der Entwicklung von Schulstandorten in ländlichen Regionen auch nicht die Einheitslösung, sondern wir müssen hier sehr unterschiedliche, sehr flexible Lösungen finden und das erwarte ich auch von den zukünftigen landesgesetzlichen Regelungen, dass sie eben diese unterschiedlichen Gegebenheiten in den Regionen berücksichtigen und passende Schulformen zulassen. Wir werden si-

13 12 cherlich unter dem Stichwort Verbundschule, in anderen Ländern heißt das dann Schulverbund oder Schulverband, noch einiges dazu hören. Anfangen will ich mit den Bereichen Elementarbereich (Kindertageseinrichtungen) und Grundschule. Hier muss nach wie vor gelten: Kurze Beine, kurze Wege. Und deshalb sollte man überlegen, wenn ich sowieso den vorschulischen Bereich als Bildungsort natürlich immer unter den Aspekten des Alters, also kindheitsbezogen, ausbauen will, ob man nicht Elementarbereich und Grundschule anders miteinander verzahnen kann. Vor allem, weil wir sowieso über die Übergänge diskutieren, die z.t. immer noch schwierig sind. Es stellt sich also die Frage unter dem Stichwort Bildungshäuser. Gehören nicht Elementarbereich und Grundschule viel stärker unter ein Dach? Und dann können wir auch das Thema der Ausbildung von Erzieherinnen mit in den Blick nehmen, ob hier nicht eine gemeinsame Ausbildung mit Grundschullehrerinnen und -lehrern zumindest für Teile sinnvoll wäre, damit man auf Augenhöhe miteinander auch Übergänge gestalten kann. Der zweite Punkt sind dann die Hauptschulen. Im Augenblick ein Negativbegriff in Deutschland. Durch die Übergänge und weil sie ein schlechtes Image haben. Vielfach haben sie das nicht verdient. Gerade in ländlichen Räumen stellen wir fest, dass die Übergänge, also von der Grundschule zur Hauptschule, noch höher sind, als es in städtischen Quartieren der Fall ist. Aber auch hier meine ich, dass, wenn wir die Hauptschule vernünftig ausbauen, was jetzt zum Teil passiert, wenn wir sie mit den Realschulen zusammenfassen, Stichworte sind bei den Ländern ganz unterschiedlich, zum Teil laufen sie unter dem Begriff der Werkrealschulen, wenn man hier die Verbundsysteme zulässt, Flexibilität zulässt, dann hat man auch die Möglichkeit, so Standorte vor Ort zu erhalten. Wenn man Flexibilität zulässt, dann kann es auch Schuldependancen vor Ort geben. Strittig ist in diesem ganzen Konstrukt, wie binde ich denn das Gymnasium, die gymnasiale Oberstufe mit ein? Dies ist soweit ich das überschaue bis jetzt nicht zugelassen in den Systemen der Verbundschulen oder Schulverbünde. Das sollte man noch einmal diskutieren. Im Übrigen wüsste ich für Gymnasien in wirklich ganz be-

14 13 völkerungs- und kinderarmen Regionen, auch vor dem Hintergrund der Fahrzeiten, auch keine andere Alternative, als dass wir als ultima ratio über Internatsformen nachdenken müssten. Dies nicht zuletzt deshalb, wenn wir dazu übergehen, auch stärker im Ganztagsschulbereich zu arbeiten, d. h. in die Diskussion gehört auch, dass wir die Ganztagsschulen flächendeckend und gebunden ausbauen sollten. In diesem Zusammenhang will ich deutlich machen, dass ich von freiwilligen Ganztagsschulen unter dem Motto vormittags Unterricht, nachmittags ein bisschen Betreuung nichts halte. Ganztagsschulen sollten rhythmisiert nach einem festen Konzept und ordentlich organisiert arbeiten. Ich konnte die Punkte nur kurz ansprechen. Wir wissen, dass die Fragen in den Ländern sehr unterschiedlich diskutiert werden. Dies ist nun einmal Auswuchs unseres Bildungsföderalismus. Daran werden wir auch so schnell nichts ändern. Ein letztes Stichwort: Bildungsföderalismus. Denken Sie bitte auch immer an Mobilität der Arbeitnehmer. Also auch hier sollte die Kultusministerkonferenz vielleicht noch einmal stärker dazu kommen, dass mobile Arbeitnehmer mit ihren Familien nicht ein Hobbing zwischen unterschiedlichen Schulsystemen erleben. Ich freue mich auf die weitere Diskussion. Vielen Dank!

15 14 Schulen braucht das Land Aus Sicht der staatlichen Schulbehörden Marc Jäger Der demographische Wandel stellt die Schullandschaft vor große Herausforderungen. Viele Regionen in Deutschland sehen sich einem stetigen Rückgang der Schülerzahlen gegenüber; dies gilt in besonderer Weise für den ländlichen Raum. Legt man die Bevölkerungsvorausberechnung für die Altersgruppe der 6 bis unter 10 Jährigen in Bayern zugrunde, so stellt man für den Zeitraum von 2008 bis 2028 einen deutlichen Rückgang der Bevölkerungszahlen dieser Altersgruppe gerade im ländlichen Raum - in manchen Regionen von bis zu 30 % - fest. Trotz oder gerade wegen der demographischen Herausforderungen gilt es, nachhaltige und zukunftssichere Bildungsstrukturen zu schaffen. Denn auch unabhängig von den in zehn Jahren prognostizierten geringeren Schülerzahlen muss Bayern auch weiterhin über ein differenziertes und qualitativ hochwertiges Bildungsangebot verfügen. Dabei gilt es, im Spannungsfeld zwischen vertretbaren Schulgrößen und Wohnortnähe vor allem für den ländlichen Raum Lösungen zu finden, die den unterschiedlichen Begabungen und Neigungen unserer Schülerinnen und Schüler gerecht werden. Hier darf es nicht nur um die reine Schul- versorgung und den dafür notwendigen Erhalt von Schulstandorten gehen. Vielmehr bilden Qualität, Begabungsgerechtigkeit und Standortsicherung gemeinsam die zwingenden Voraussetzungen für den Erhalt einer adäquaten Schulversorgung. Nur wenn diese Prämisse erfüllt ist, die sich aus Sicht der Schülerinnen und Schüler und ihrer Eltern als Planungssicherheit und greifbare Zukunftschancen darstellt, wird es gelingen, die Bildungslandschaft im ländlichen Raum für junge Menschen weiter attraktiv zu gestalten und diese dort zu hal-

16 15 ten. Wenn eine möglichst wohnortnahe Schulversorgung und eine zukunftsweisende Qualität des Bildungsangebots auch im ländlichen Raum gewährleistet werden kann, dann wird das Bildungswesen über seinen eigentlichen Bildungsauftrag hinaus seinen Beitrag zum Erhalt des ländlichen Raumes leisten. Die Schulversorgung des ländlichen Raums ist in Bayern in den Bereichen Realschule, Gymnasium und Berufliche Schulen weitestgehend flächendeckend gesichert. Grundsätzlicher Handlungsbedarf wird hier - auch angesichts der demographischen Entwicklung - vorerst nicht gesehen, da diese Schularten durch bereits erfolgte strukturelle Reformen (z. B. an den Berufsschulen) bzw. aufgrund der hohen Auslastung der einzelnen Standorte den in den nächsten Jahren zu erwartenden demographischen Rückgang der Schülerzahlen auffangen können. Schwieriger gestaltet sich die Situation bei den Grund- und Hauptschulen. Die eigentliche Ursache dafür, dass viele Hauptschulen als im Bestand gefährdet angesehen werden müssen, liegt darin, dass es bei in etwa vergleichbaren Schülerzahlen aktuell gut (staatliche und private) Hauptschulen gibt, während die Zahl der Realschulen bei nur gut 350 liegt. Hauptschulen haben daher eine Durchschnittsgröße von nur 230 Schülern, mehr als 300 Hauptschulen sind nur überwiegend einzügig ausgebildet. Gerade diese kleineren Hauptschulen vielfach auch noch in Regionen mit einer stark negativen demografischen Entwicklung gelegen sind bei einem prognostizierten Schülerrückgang schnell existenziell betroffen. Zugleich erkennen die bayerische Wirtschaft und gerade das bayerische Handwerk die Leistungsstärke der Hauptschule an und fordern im Hinblick auf den drohenden Fachkräftemangel nachdrücklich ein gezieltes berufsorientiertes Bildungsangebot. Dieses Interesse der Wirtschaft am Erhalt der Schulart Hauptschule erfordert im Hinblick auf die in zehn Jahren prognostizierten Schülerzahlen von ca Schülern ein passgenaues und wohnortnahes berufsorientiertes Bildungsangebot. Aufgrund der hohen Zahl der Schulen und der immer geringer werdenden Auslastung der einzelnen Standorte ist Handlungsbedarf gegeben, um gerade auch im ländlichen Raum nachhaltig Qualitätsund Standortsicherheit zu gewährleisten.

17 16 Die Verwirklichung dieser Ziele setzt jedoch die Bereitschaft aller Verantwortlichen und der Betroffenen vor Ort voraus, kreative und innovative Antworten zu suchen und nachhaltig umzusetzen. Dabei gibt es verschiedene Lösungsansätze, die bereits in der Umsetzung begriffen sind: Die Grundschule soll auch zukünftig die Gemeindeschule bleiben. Um bei ständig sinkenden Schülerzahlen die Unterrichtsorganisation sicherstellen zu können, wurde zum 1. August 2007 als reguläres Instrument die Bildung jahrgangskombinierter Klassen eingeführt, die sich auch aus pädagogischer Sicht bewährt haben und nicht mehr nur in Ausnahmefällen eingerichtet werden können. Gerade durch dieses pädagogisch wertvolle Instrument der jahrgangskombinierten Klassen können nunmehr auch kleinere Grundschulen und damit auch das weitgespannte Grundschulnetz weitestgehend erhalten bleiben und ihren Beitrag zur Sicherstellung eines qualitätvollen wohnortnahen Bildungsangebotes im ländlichen Raum leisten. Für Grundschulkinder gilt damit auch weiterhin der Grundsatz: Kurze Beine, kurze Wege. Die bayerischen Hauptschulen sollen sich künftig zu Mittelschulen weiterentwickeln mit einem differenzierten, begabungsgerechten Bildungsangebot. Kennzeichnend für eine Mittelschule sollen folgende Bildungsangebote sein: 1. eine verstärkte berufliche Orientierung durch die drei berufsorientierenden Zweige Technik, Wirtschaft und Soziales, ferner die systematische Kooperation mit der Berufsschule, der regionalen Wirtschaft und der Arbeitsverwaltung, 2. ein offenes oder gebundenes Ganztagsangebot, das schulische Fördermaßnahmen, aber auch Maßnahmen zur Stärkung der Sozialkompetenz umfassen soll, 3. ein Angebot, das zum mittleren Schulabschluss führt. Bei der Mittelschule handelt es sich um ein Konzept, das nicht nur für große Schulen geeignet ist. Vielmehr soll allen Schülern flächendeckend der Zugang zum gesamten Bildungsangebot der Mittelschule eröffnet werden. Vor allem kleinere Hauptschulen werden aber die Palette der notwendigen Bildungsangebote einer Mittelschule nicht allein vorhalten können. Ihnen bietet das Instrument der Mittelschulverbünde eine Entwicklungschance.

18 17 Diese Mittelschulverbünde sind feste Kooperationsformen von zwei oder mehr selbständig bleibenden Hauptschulen, die zwischen den beteiligten Schulen und Schulaufwandsträgern freiwillig vereinbart werden. Sie zeichnen sich aus durch: die gemeinsame Gewährleistung des wesentlichen Bildungsangebotes der Mittelschule im Verbund auch im Rahmen der Zusammenarbeit eigenständig verbleibende Schulen einen einheitlichen Sprengel, ggf. landkreis- oder regierungsbezirksübergreifend einheitliche Zuteilung von Lehrerstunden für das gesamte Verbundgebiet (Budgetierung) grundsätzlich eigenständige Schulleiter an jeder Verbundschule, davon einer mit einigen ausdrücklich benannten verbundbezogenen Aufgaben, ein zusätzliches beratendes Gremium (Verbundausschuss) Die Schulen werden gemeinsam im Verbund das breit gefächerte Bildungsangebot der Mittelschule bereithalten und als äußeres Kennzeichen dieses umfassenden Bildungsangebotes jede für sich im Verbund die Bezeichnung Mittelschule führen können. Eine Mindestgröße der Verbünde wird dabei nicht vorgegeben. Gleichzeitig muss eine kleinere Schule innerhalb eines Verbundes erst dann aufgelöst werden, wenn für die Schule tatsächlich keine Klasse mehr gebildet wird. Die faktische Entscheidung über die Auflösung bzw. den Erhalt der Schulstandorte wird innerhalb des Verbundes getroffen. Die Schulverbünde eröffnen so die Chance, Standorte von Hauptschulen auch in strukturschwachen Regionen mit einem spürbaren Rückgang der Bevölkerung zu erhalten und so die Lebensqualität für die Menschen vor Ort zu sichern. Die Bildung der Schulverbünde geschieht am Besten im Dialog vor Ort. Um die Bildung von Verbünden zu unterstützen und den Prozess möglichst transparent zu gestalten, finden seit Juli 2009 in den Landkreisen und kreisfreien Städten in Bayern sog. Dialogforen statt. Dort sollen die Chancen, Risiken, Belastungen und Vorteile für die Zusammenarbeit der Schulen in Schulverbünden abgewogen und erörtert werden. Mit Hilfe dieser Art Runder Tische leisten die Schulfamilien und Verantwortlichen vor Ort einen entscheidenden Beitrag, um herauszufinden, ob und wie die

19 18 Schulverbünde am Besten und im Interesse der Schülerinnen und Schüler vor Ort gestaltet werden können. Da die Verbünde von den Beteiligten vor Ort vereinbart werden, bleibt abzuwarten, in welchem Zeitrahmen sich Verbünde in größerer Zahl etablieren können. Die Entscheidung, in den Dialogprozess einzutreten und die konkrete Zeitplanung treffen die Verantwortlichen vor Ort. Es ist beabsichtigt, dass die erforderlichen Rechtsänderungen zum 1. August 2010 in Kraft treten sollen. Dies bedeutet: Mittelschulen und Mittelschulverbünde kann es ab dem Schuljahr 2010/2011 geben. Es gibt jedoch keine zwingende Einführung der Mittelschule zu Beginn des Schuljahres 2010/11. Schulen und Schulaufwandsträger haben die Zeit, die sie brauchen, um sich im Sinne der Konzepte neu auszurichten und zusammen mit allen Beteiligten (auch außerschulischen Partnern) auf den Weg zu machen. Qualität muss hier vor Geschwindigkeit gehen. Wer später Mittelschule werden will, kann dies tun. Über die Organisationsform der Schulverbünde haben praktisch alle bestehenden Hauptschulen die Chance, sich mit Partnerschulen zur Mittelschule weiterzuentwickeln. Mit dem neuen Instrument des Schulverbundes kann es daher gelingen, beiden Ansprüchen: Wohnortnähe und Qualität gleichermaßen gerecht zu werden. Aufgabe aller Beteiligten in den betroffenen Regionen muss nun sein, angesichts unterschiedlicher Interessenslagen und Rahmenbedingungen in gemeinsamer Verantwortung vor Ort einen tragfähigen Konsens für ein gemeinsames Vorgehen zu finden, das vor allem den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler gerecht werden muss. Die bisherigen Rückmeldungen aus über 50 Dialogforen lassen erkennen, dass der eingeschlagene Weg, die Gestaltung der Schulorganisation durch Schulverbünde, überwiegend positiv gesehen wird, und dass Bereitschaft zur Zusammenarbeit besteht, damit Lösungen entstehen, die den Interessen von Schülern, Schulen und Schulaufwandsträgern gleichermaßen Rechnung tragen.

20 19 Schulen braucht das Land! Aus Sicht der Lehrer Klaus-Peter Hammer Meine Damen und Herren, ich bin froh, dass ich aus Sicht der GEW die Möglichkeit habe zu diesem Thema zu sprechen. Die Frage der Weiterentwicklung von Schulen im ländlichen Raum ist ein sehr aktuelles Thema und die Diskussion darüber wird uns sicherlich in den nächsten Jahren begleiten. Durch die bisherigen Redebeiträge haben wir ja schon erfahren, dass die Diskussion zu dem Thema Schule im ländlichen Raum in einigen Bundesländern schon heftig geführt wird. Dies betrifft nicht nur, aber besonders stark die östlichen Bundesländer, die unter deutlichen Bevölkerungsrückgängen leiden. Westliche Bundesländer, wie z.b. Rheinland-Pfalz sind zur Zeit regional davon betroffen. In Regionen, die nicht so stark besiedelt sind und deren wirtschaftliche Entwicklung nicht besonders günstig ist, geht die Bevölkerung derzeit deutlich zurück. Eine Folge davon ist u.a. ein Wettbewerb unter den Kommunen um den Erhalt von Bildungseinrichtungen, um als Wohnort attraktiv zu bleiben. Die Weiterentwicklung von Bildungseinrichtungen im ländlichen Raum, d.h. von Schulen, aber auch von Kindertagesstätten, diese möchte ich direkt mit in den Blick nehmen, ist deshalb sehr wichtig. Der ländliche Raum braucht Schulen und er braucht Kindertagesstätten. Trotz Bevölkerungsrückgang in den nächsten Jahren und trotz rückläufiger Geburtenraten ist es für die Kommunen unglaublich bedeutsam, die bisherigen Bildungsangebote soweit wie möglich zu erhalten. Ich sage jetzt schon an dieser Stelle, es wird natürlich nicht möglich sein, jeden Schulstandort und jede Kindertagesstätte zu erhalten. Aber sie sollten zumindest wohnortnah angeboten werden können. Es werden natürlich finanzielle Gründe die bedeutende Rolle spielen, ob ein Schulstandort erhalten bleibt oder nicht und die Haushaltslage der Kommunen ist derzeit ja schon sehr angespannt. Ich gehe davon aus, dass sich an dieser Situation auch in den nächsten Jahren nichts entscheidend verbessern wird. Durch weitere Bevölkerungsrückgänge wird es nur noch dramatischer werden.

21 20 Somit befinden sich die Kommunen in einem Teufelskreis. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten können Bildungsangebote nicht aufrechterhalten werden. Dies bedeutet, dass die Kommunen als Wohnort an Attraktivität verlieren, die Bevölkerung weiter zurück geht und es weniger Anreize gibt, dass neue Betriebe gegründet werden, da es nicht genügend Arbeitskräfte gibt. So dreht sich die Spirale immer weiter. Dies belegt nochmals die Brisanz des Themas und deshalb ist es so wichtig, sich heute und in der Zukunft ernsthaft damit auseinanderzusetzen und dabei dürfen finanzielle Aspekte nicht ausschließlich die Maxime des Handelns sein; vielmehr sollten gesellschaftspolitische sowie pädagogische Gründe der Maßstab für Entscheidungen sein. Wie schon angedeutet, ist es für die Kommunen wichtig, dass Bildungseinrichtungen erhalten bleiben, weil Schulen für die Kommunen eine große Bedeutung haben. Bildungseinrichtungen steigern die Attraktivität eines Wohnortes und sind somit ein Standortvorteil. Doch haben diese eine noch weitere Bedeutung für das Leben in einer Kommune. Viele Familien sind froh, wenn ihre Kinder wohnortnah zur Schule gehen können. Was das soziale Leben in den Gemeinden angeht, bieten Schulen im wahrsten Sinne des Wortes Raum, indem sie Räumlichkeiten zur Verfügung stellen, die von Vereinen, Jugendgruppen und Volkshochschulen vielfältig genutzt werden können. Gibt es keine Schulen mehr, gibt es auch keine Räumlichkeiten mehr für das soziale und kulturelle Leben einer Kommune. Eine weitere wichtige Rolle spielen Schulen als Kooperationspartner für die Einrichtungen der Sozialhilfe und der Kinder- und Jugendarbeit in der Region. Dies alles wird erschwert und unmöglich gemacht, wenn Schulen geschlossen werden. Im Rahmen einer Bildungsbiographie spielt die Kommune als Bildungsort eine nicht unbeachtliche Rolle. Bildung findet eben auch am Wohnort statt. Somit ist es auch in dieser Hinsicht außerordentlich wichtig, wohnortnahe Bildungsangebote zu erhalten.

22 21 Die Erhaltung von Bildungseinrichtungen im ländlichen Raum ist eine Aufgabe, der sich Bund und Länder gleichermaßen stellen müssen. Hierbei gilt es, ein gemeinsames Konzept zu entwickeln, in dem die richtigen Schwerpunkte gesetzt werden müssen, mit der Zielrichtung, soweit es geht Schulschließungen zu verhindern. Es besteht die Gefahr, dass durch den Mangel von staatlichen Bildungsangeboten die Bildungslandschaft sich besonders im ländlichen Bereich verändert und dass es verstärkt zu Privatisierungen im Bildungsbereich kommt, so dass aufgrund der Notsituation sich Eltern zusammenschließen, wie es heute in Brandenburg ja schon der Fall ist, und auf Elterninitiative Privatschulen gegründet werden. Der Staat soll und darf sich nicht seiner Verantwortung entziehen. Privatschulen müssen per se nicht schlecht sein, doch können diese in der Regel finanziell nicht selbstständig sein, so dass Eltern für ein wohnortsnahes Bildungsangebot Geld bezahlen müssten. Dies führt zu einer weiteren Benachteiligung ländlicher Regionen. Dies kann nicht im Sinne des Landes sein. Insofern bin ich ein Befürworter für staatliche Schulen. Die Länder sollen sich ihrer Verantwortung bewusst sein und deshalb entsprechend investieren. Wie schon erwähnt haben die Schulen am Wohnort und somit auch die wohnortnahen Schulen eine herausragende Bedeutung für die Bindung der Mitbürger an die Gemeinden. Sie fördern die Bereitschaft, Kommunen weiterzuentwickeln. In diesem Zusammenhang möchte ich jetzt aus einer Broschüre des Bundesministeriums für Forschung aus dem Förderrichtlinienprogramm Lernen vor Ort zitieren: Der unmittelbare Bezugsrahmen für jede Bildungsbiographie ist die Kommune; hier werden die Weichen für den späteren Bildungserfolg gestellt. Insbesondere die verschiedenen Bildungsphasen, angefangen von der Kindertagesstätte bis zur allgemeinen beruflichen Bildung sowie der entsprechenden Übergänge, werden wesentlich durch die Akteure in der Kommune gestaltet. Insofern gilt auch mein Plädoyer, die Schule vor Ort zu belassen.

23 22 Doch was bedeutet dies für die Schulen, wenn es immer weniger Schülerinnen und Schüler gibt, wenn die Klassenbildungen erschwert werden? Macht es Sinn, sog. Zwergschulen am Leben zu erhalten? Dies ist eine Frage, die schwer zu beantworten ist und nicht mit einem klaren Ja oder einem klaren Nein zu beantworten ist. Es hängt natürlich von der konkreten Situation vor Ort ab. Insgesamt ist es wichtig, dass man flexible Lösungen findet. Es wurde schon angedeutet: Es geht darum, Gestaltungsmöglichkeiten vor Ort wahrzunehmen, um wohnortnahe Schulstandorte zu erhalten. Einige Bundesländer haben diesbezüglich durch Veränderungen im Schulgesetz zur Flexibilisierung beigetragen und somit den Kommunen mehr Spielräume zum Erhalt von Schulstandorten gegeben. Dazu gehört, dass Ausnahmen von festgelegten Mindestschülerzahlen möglich sind, dazu gehört auch die Erlaubnis, wie eben in Bayern schon erwähnt, dass sog. Kombiklassen oder jahrgangsübergreifende Klassen gebildet werden dürfen. Dies alles ist sicherlich sinnvoll und richtig. Doch stellt sich die Frage, ob eine Zwergschule den modernen pädagogischen Ansprüchen gerecht werden kann. Kommt es zu Schulschließungen, stellen sich Probleme bezüglich der Länge des Schulwegs. Besonders für die Kinder im Grundschulalter sollte lange Fahrwege unbedingt vermieden werden. Diese sind nämlich sehr belastend und generell besteht dabei die Gefahr, dass die Erhöhung der Fahrzeiten und die damit erhöhte zeitliche Beanspruchung der Schülerinnen und Schüler zum Abbau sozialer Strukturen in Dörfern führen könnte, absehen von pädagogischen Aspekten, dass nämlich z.b. die Bereitschaft, sich am Vereinsleben zu beteiligen, abnehmen könnte. Wie gesagt, aus pädagogischer Sicht sollten die Fahrwege so gering wie möglich gehalten werden und zumutbar sein; dabei spielt nicht nur die Entfernung eine Rolle, auch der Zeitaspekt hat eine wesentliche Bedeutung. In manchen Regionen gibt es z.b. die Situation, dass die Schulstandorte zwar nur wenige Kilometer vom Wohnort entfernt sind, aber die Schülerinnen und Schüler aus fahrplantechnischen Gründen eine dreiviertel Stunde im Bus sitzen und unterwegs sind. Dies ist nicht zumutbar. Einige Gedanken zum Thema altersgemischte Gruppen: Ich weiß, dass auch in meiner Gewerkschaft das Thema kontrovers diskutiert worden ist, aber man mittlerweile

24 23 aufgrund der pädagogischen Forschung erkannt hat, dass Lernen in altersgemischten Gruppen ein sehr effektives Lernen sein kann. Ich kenne Grundschullehrkräfte, die damit arbeiten, obwohl sie es gar nicht müssten. Sie hätten genügend Schüler, um Regelklassen zu bilden, aber aus pädagogischen Gründen bevorzugen sie altersgemischte Gruppen, wo z.b. Erst- und Viertklässler in einer Gruppe zusammenarbeiten. Der Lerneffekt und der Behaltenseffekt der Schülerinnen und Schüler ist in diesen Gruppen extrem groß, ebenso der Aspekt sozialen Lernens. Deswegen hier mein Plädoyer, nicht nur aus organisatorischen Gründen altersgemischte Gruppen zu bilden, sondern auch aus pädagogischen Gründen. Bei der Beibehaltung von kleinen Schulen sollen auch Qualitätsansprüche nicht außer acht gelassen werden. Es geht nicht nur darum, aus rein pragmatischen Gründen diese Schulen zu erhalten, sondern diese Schulen auch entsprechend auszugestalten. Damit ist nicht nur die räumliche Ausstattung gemeint sondern auch die sachliche Ausstattung, wie z.b. eine entsprechende IT-Ausstattung und die Ausstattung mit zeitgemäßen Unterrichtsmaterialien. Auch gilt es, eine Vereinsamung zu verhindern. Wenn z.b. nur zwei Lehrkräfte an einer Schule arbeiten oder nur drei oder vier, ist es für diese Lehrkräfte nicht besonders anregungsreich. Deshalb sollten Netzwerke gebildet werden. Dies bedeutet, dass Schulen miteinander arbeiten, kommunizieren und in einem Netzwerk verbunden sein sollten und in diesem Netzwerk eine gemeinsame Schulentwicklung vorantreiben sollten. Dies müsste natürlich entsprechend begleitet werden. Die Lehrkräfte müssen entsprechend fort- und ausgebildet werden und es müssten natürlich die entsprechenden Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden. Ein weiterer Aspekt ist die Kooperation von Bildungseinrichtungen in der Region. Es macht durchaus Sinn, dass Kindertageseinrichtungen und Grundschulen enger kommunizieren und enger verzahnt miteinander arbeiten. Es ist dann auch durchaus möglich, dass man Räumlichkeiten gemeinsam nutzt. Z.B. bietet eine Kindertagesstätte eine Ganztagesbetreuung in Zusammenarbeit mit der Grundschule an und dies in den Räumen der Grundschule. Bedeutsam ist hierbei zukünftig eine z.t. gemeinsame Ausbildung von

25 24 Lehrkräften der Grundschule und von Erzieherinnen und Erziehern. Dies ist außerordentlich zu begrüßen und ich denke da müsste auch noch Einiges getan werden. Was die Weiterentwicklung von Schulen im Sekundarstufen-I-Bereich auf dem Lande angeht gibt es z.b. in Rheinland-Pfalz eine Entwicklung, die ich als sehr bedeutsam erachte. In einer Schulstrukturreform wurden ehemalige Hauptschulen und Realschulen in die neue Schulform Realschule plus überführt, so dass es die Hauptschule in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr gibt. Allerdings gibt es in dieser Kooperativen Realschule plus ab Klasse 7 einen Zweig, der zum Abschluss der Berufsbildung führt. Somit wird es den Hauptschulzweig weiterhin geben, was sehr kritisch zu sehen ist. Viele Kommunen in Rheinland-Pfalz reagieren darauf, indem sie Gesamtschulen gründen. Seit der Einführung der Realschule plus ist ein richtiger Boom entstanden, was mich als GEW-Vertreter freut, weil wir Verfechter des längeren gemeinsamen Lernens sind und dies in einer Gesamtschule am sinnvollsten umzusetzen ist. Die Kommunen reagieren deshalb mit Gesamtschulgründungen, weil sie erkannt haben, dass ein Bildungsangebot, welches alle Bildungsabschlüsse ermöglicht, für den Wohnort ungemein attraktiv ist, und es auch aus finanziellen Aspekten interessant ist und es dadurch eher möglich wird, größere Schulstandorte zu erhalten. Dadurch gewinnen die Kommunen an Attraktivität und die Jugendlichen haben die Möglichkeit, wohnortnah eine Schule zu besuchen, ohne weitere Fahrtstrecken zurücklegen zu müssen. Vielen Dank, dass Sie zugehört haben, weitere Aspekte können wir gerne in der abschließenden Diskussion angehen.

26 25 Erfahrungsberichte national und international Landkreis Traunstein (Bayern) Hermann Steinmaßl Meine Damen und Herren, herzlichen Dank Herr Prof. Lorig für Ihre lobenden Worte gleich am Anfang. Ich hoffe, dass ich das bestätigen kann. Einiges ist zu meiner Person schon gesagt, ich komme aus einer Dorfgemeinde mit Einwohnern. Im Ortsteil Pietling, das früher einmal selbständig war, hat es bis in die 1970er Jahre eine Schule mit zwei Klassen gegeben, eine Klasse für die Jahrgangsstufen 1 4 und die zweite Klasse für die Jahrgangsstufen 5 8. Mehrere Jahrgänge in einer Klasse sind kein neues Bild. Das hatten wir alles schon mal. Aber damals in ein Gymnasium zu gehen, war für mich nur möglich, wenn man in ein Priesterseminar ging. Von meiner Heimatgemeinde aus hatte ich keine Chance, zu einem Gymnasium zu kommen. Soviel zur Bildungsgerechtigkeit, damals und heute. Ich spreche hier, und das sage ich ganz deutlich, sowohl als Kommunalpolitiker, als auch als Vater dreier Töchter. Die älteste war auf der Realschule, und hat das Abitur über die Berufsoberschule (BOS) erreicht. Zwischenzeitlich studiert sie in München und wird Realschullehrerin. Die zweite hat das Abitur auf direktem Weg gemacht, und war beim Abitur noch nicht einmal 19 Jahre. Die dritte ging in die Hauptschule und besucht jetzt in Salzburg eine Modeschule; sie ist sehr kreativ, aber mit Mathematik hat sie ein Problem. Und da beginnt bereits der erste Kritikpunkt an unserem Bildungssystem. Wenn nämlich ein Kind sozusagen nicht kopfgesteuert ist, dann ist es schon weg vom Bil-

27 26 dungssystem; und das kann es nicht sein. In unserer Kinderzeit war z.b. neben Rechnen und Deutsch auch Werken ein Hauptfach. Ein Schulfreund von mir hatte in Werken eine 1, da habe ich mich schwerer getan. Meine große Stärke ist Rechnen. Wir haben uns nachmittags zusammengesetzt und so hat er seine schlechte Mathenote weggebracht und ich konnte mich im Werken verbessern. Außerdem haben wir dabei soziale Kompetenzen entwickelt. Das fehlt heute ganz besonders auch Gymnasiasten, unseren späteren Führungskräften. Aber die soziale Kompetenz gehört auch dazu. Deshalb fordere ich auch die Förderung der sozialen Kompetenzen an allen Schulen. Bild 1: Megazentren in Europa Universität Wien

28 27 Das Bild 1 zeigt, dass sich Europa vorwiegend in den Metropolregionen, den Megazentren, entwickeln wird. Wenn dieser Trend anhält und immer mehr Menschen in die Megazentren drängen, stellt sich die Frage: Wo bleibt das Land? Darum meine erste Forderung: Menschen braucht das Land! Bild 2: Der Landkreis Traunstein in Europa

29 28 Erlauben Sie mir ein paar Sätze zum Landkreis Traunstein. Wir haben es nach Italien näher als nach Berlin. Ob es nur die geografische Nähe ist, dass der Hang nach Italien mindestens so groß ist wie der nach Berlin, das überlasse ich Ihnen. Aber für uns ist es sehr wichtig, dass wir aus einer früheren Randlage in Deutschland und Europa durch das erweiterte Europa in eine zentrale Lage gelangt sind. Ich bin seit 8 Jahren Landrat in Traunstein. Wir haben ein Programm Bildung und Infrastruktur entwickelt und aufgelegt. Wir setzen es konsequent und erfolgreich um, um die Standortfaktoren Bildung und Infrastruktur weiter zu bringen. Es muss gelingen, dass die Menschen, die auf dem Land wohnen und arbeiten, einfach leben können. Das Land braucht Menschen, aber es braucht auch viele Berufe. Es braucht Akademiker, Ingenieure, Ärzte, Lehrer, Landwirte, Handwerker, also alles, was man so im Leben täglich braucht. Wenn Sie auf der Grünen Woche sind, werden Sie dies am besten feststellen. Was wären wir denn ohne Bäcker, ohne Metzger, ohne Wirt, was wären wir ohne Handwerker, die unsere Möbel herstellen, die Installationen erledigen! Und gehen Sie selber mit offenen Augen durchs Leben und Sie werden feststellen, übers Internet kommt weder ein Leberkäs, noch ein Semmel. Also brauchen wir vielfältige Berufe und das ist das Entscheidende, dazu müssen wir unsere Menschen auch ausbilden.

30 29 Bild 3: Heimat, Hightech, Highlight Unser Landkreis sieht auf den ersten Blick so aus, als sei er sehr touristisch ausgerichtet. Aber er wirbt mit den drei Begriffen: Heimat, Hightech, Highlight. Oder auch mit Laptop und Lederhose, wie Sie es denn wollen. Wir haben in dieser Randlage Bayerns (4 % Arbeitslosigkeit belegen en dies auch in dieim Landkreis ser Zeit) eine gut gemischte Beschäftigtenstruktur. Man würde es Traunstein und in der Region Südostoberbayern nicht erwarten, dass 40 % der Ar- sondern beitsplätze im Produktionsbereich sind. Es ist also nicht nur der Tourismus; wir leben von einer sehr exportorientierten Wirtschaft. Da ist alles vertreten, was man sich in den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik und Chemie vorstellen kann.

31 30 15 % 22 % 23 % LuF 1% 29 % 19 % 24 % LuF 0% 22 % 19 % 23 % LuF 1% Land- u. Forstwirtschaft sonstige Dienstleistungen Verwaltung, Unterricht, Gesundheit Handel, Verkehr, Gastgewerbe Produzierendes Gewerbe 39 % 28 % 35 % Region 18 ( ) Oberbayern ( ) Bayern ( ) Bild 4: Beschäftigtenstruktur Bayern, Oberbayern, Reg. Südostbayern (Reg 18) Alles findet sich in unserer Region. Wir haben einen überdurchschnittlichen Anteil an Produktionsarbeitsplätzen gegenüber Oberbayern und gegenüber Bayern. Aber wir sind auch sehr stark in Sachen Gesundheitswesen. Und jetzt stellt sich die Frage, wie gehen wir auf diese Vielfalt ein. Es gibt aus meiner Sicht zwei Extreme für die Vielfältigkeit der Berufe die den individuellen Eignungen und Neigungen der Schüler entsprechen. Vielleicht wäre der Einzelunterricht ideal. Das andere Extrem ist die Gemeinschaftsschule, wo alle drin sind. Irgendwie werden wir uns dazwischen bewegen müssen. Der Einzelunterricht hat den großen Nachteil, dass ein Kind vereinsamen würde. Denn es braucht Gemeinschaft, besonders für die Entwicklung des Sozialverhaltens. Ich meine, dass wir derzeit in Bayern mit diesen vielfältigen Möglichkeiten die richtige Antwort auf die vielfältigen Ausrichtungen geben. Wir sollten dies begrüßen und befürworten. Die wichtige Frage lautet, wie gelingt es uns, gerade diese Vielfältigkeit im ländlichen Raum anzubieten. Es muss gelingen, die Fähigkeiten der Kinder aufzunehmen und sie mit ihren Fähigkeiten an die Hand zu nehmen. Dabei müssen wir einem 10-jährigen nicht sagen du bist für ein Gymnasium zu dumm, sondern du bist in einer handwerklich orientierten Schule gut aufgehoben, weil das deinen Fähigkeiten entspricht, und weil du später Handwerker werden willst.

32 31 Irgendwann müssen wir uns entscheiden zu sagen, in welche Richtung ein Kind gehen soll. Die Frage bleibt: Gelingt uns das früher oder später? Entscheidend ist der Grundsatz, den wir jetzt in Bayern haben. Dieser lautet: Für jeden Abschluss gibt es einen Anschluss. Ich bin sehr froh, dass das System völlig durchlässig geworden ist. Man muss es immer wieder betonen. Die Entscheidung ob jemand studiert fällt nicht mit 10 Jahren, sondern frühestens mit 20 Jahren. Aber hier haben wir natürlich die meisten Probleme mit den Eltern, weil die meisten glauben, wenn sie ihr Kind nicht mit 10 Jahren aufs Gymnasium schicken, dann ist alles schon verloren, der Lebensweg ist vorgezeichnet. Da geht s ab in irgendeine Negativ-Kiste. Darum ist es schade, dass der Elternvertreter nicht da ist, aber nachdem der ja auch ein Mediziner ist, wäre der wahrscheinlich auch sehr akademisch ausgerichtet. Ideal wäre ein Elternvertreter, der Handwerker ist und seinem Sohn sagt, dass er auch wieder Handwerker werden soll. Und ihm eventuell noch erklärt, wenn er Meister wird und er einen eigenen Betrieb hat, dann wird er mindestens so wohlhabend sein wie z.b. ein Abiturient, der Lehrer wird. Der Landkreis Traunstein ist zuständig für die Förderschulen, Realschulen, Gymnasien, Fachoberschulen, Berufsoberschulen, Berufsschulen. Ich sage auch ein klares Ja zum Dualen System in der Berufsbildung. In den 8 Jahren seit ich Landrat bin, ist die Zahl der Schüler an diesen Schulen von auf gestiegen. In diesen 8 Jahren haben wir für diese Schulen über 60 Mio. investiert. Darauf bin ich sehr stolz. Zusätzlich unterstützen wir Musikschüler.

33 Alter Alter 32 Für die Entwicklung des Schulwesens im ländlichen Raum sind vier Faktoren entscheidend. 1 Demografie Geburtenrate 2 Vielfältigkeit der Schulmöglichkeiten 3 Übertrittsquoten in die verschiedenen Schultypen 4 Besiedelungsdichte Flächenlandkreis 1. Faktor Bevölkerungsentwicklung im Landkreis Traunstein Bevölkerungsstruktur 2002 Bevölkerungsstruktur v e n g uk tu r d e s L a n d k re ise s Tra u n ste 2040 in a m Deutsche Männer Ausländische Männer Deutsche Frauen AusländischeFrauen Deutsche Männer Deutsche Männer Deutsche Deutsche Frauen Frauen 2040 AusländischeMänner Ausl. Männer Ausl. Ausländische Frauen Frauen Prognose Quelle: Sozialraumanalyse Landkreis Traunstein Bild 5: Demografische Entwicklung im Landkreis Traunstein Wenn sich die Bevölkerungsentwicklung so einstellt, wie prognostiziert, werden wir weiterhin noch weniger Kinder haben. Sie sehen das rechte Bild, es könnten noch viele Kinder geboren werden, die wir in 20 Jahren brauchen. Aber da müsste sich viel ändern.

34 33 Familie gestern und heute Bild 6: Familien gestern und heute Da hat sich seit dem Pillenkick leider sehr viel zum Negativen hin verändert. Wir kennen unsere Situation heute. Die moderne siebenköpfige Familie, die wir heute haben, sieht so aus. Ein Kind, zwei Eltern, vier Großeltern. Dann bemühen sich 6 Erwachsene um ein Kind und sind dann erstaunt, dass sie am Schluss beim Jugendamt landen. Vielleicht nur deshalb, weil das Kind mit anderen gleichaltrigen Kindern nicht umgehen kann. Darum brauchen wir die Einrichtungen für Kinder auch unter drei Jahren. Die Schaffung von Gemeinschaft mit Gleichaltrigen ist dabei noch wichtiger, als die Unterstützung von Vereinbarkeit von Kindererziehung und Beruf.

35 34 Bild 7: Vielfältigkeit und Durchlässigkeit der einzelnen Schularten Mark Jäger vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus hat bereits die Vielfältigkeit des bayerischen Bildungssystems erläutert. Das Bild 7 macht noch einmal deutlich, dass man in Bayern über viele Wege die Hochschulreife erlangen kann. Bild 8: Oberbayern Übertrittsquoten an Gymnasien

36 35 Das Bild 8 zeigt Oberbayern mit den Übergangsquoten an die Gymnasien in den einzelnen Landkreisen. Man sieht, dass in den stadtnahen Bereichen die Übergänge in die Gymnasien sehr hoch sind. Wir haben aber auch in dem Ring um München die Wohlhabenden. Man muss auch wissen, dass sich die Brennpunktbereiche in der Stadt befinden. Bild 9: Oberbayern Übertrittsquoten an Realschulen Bei den Realschulen ist die Situation differenzierter und unterschiedlicher. Bild 10: Oberbayern Übertrittsquoten an Hauptschulen

37 36 Aber entscheidend ist auch, wie viele letztlich an den Hauptschulen bleiben. Auch hier haben wir eine klare Tendenz. In den stadtnahen Bereichen bleiben nur noch 20 % bis 25 % an der Hauptschule, wohingegen in anderen Bereichen nach wie vor noch ein relativ großer Teil in den Hauptschulen bleibt. Bild 11: Entwicklung der Schülerzahlen bis 2020 im Landkreis Traunstein Bei der Entwicklung der Schülerzahlen betrachte ich stets einen Jahrgang, weil man da am besten die Entwicklung beobachten kann. Seit ich Landrat bin, verfolge ich die Schülerentwicklungen an unseren Schulen. Im Jahr 2003 sind von Schülern noch über 50 % an der Hauptschule geblieben. Das waren also Schüler je Jahrgang. Heute gehen von Kindern eines Jahrgangs nur noch 1/3 an die Hauptschulen, also etwa noch 400 bis 500 Schüler. Und damit kommen wir zu einem Problem, das in einem Flächenlandkreis verschärft wird.

38 37 Bild 12: Flächenlandkreis Traunstein Der Landkreis Traunstein ist flächenmäßig der zweitgrößte in Bayern mit Quadratkilometern und Einwohner. Er grenzt an drei österreichische Bundesländer. Das sagt etwas über die Größe des Landkreises Traunstein. Bild 13: Gymnasien, Realschulen, Hauptschulen 2009/2010 im Landkreis

39 38 Wir haben 35 Gemeinden und in diesen 35 Gemeinden haben wir noch 41 Grundschulen und 21 Hauptschulen. Wenn man davon ausgeht, dass sowohl in 6 Gymnasien, als auch in 6 Realschulen die gleiche Schülerzahl (etwa 500) eines Jahrgangs ausgebildet wird wie an 21 Hauptschulen, sieht man unser Problem. Bild 14: Schülerentwicklung in den Schultypen Wenn man 500 Realschüler, 500 Gymnasiasten und 500 Hauptschüler hat und für die 500 Gymnasiasten 6 Gymnasien, für die 500 Realschüler ebenfalls 6 Realschulen zur Verfügung stehen, dann kann man für 500 Hauptschüler auf Dauer nicht 21 Hauptschulen haben. Da bleibt für jede Schule im Schnitt noch eine Klasse. Man kann nicht mehr differenzieren. Und ich stehe zu dieser Differenzierung, zu dieser Vielfalt.

40 39 Bild 15 Lösung = Auflösung der Realschulen? Manche suchen die Lösung in der Auflösung der Realschule. Wir haben dies auch durchgerechnet. Derzeit haben wir etwa gleich viel Schüler in den Gymnasien, den Hauptschulen und in den Realschulen. Würde man die Realschulen auflösen, wissen wir, dass 50 % der Realschüler an die Gymnasien gehen, weil sie die Voraussetzung dafür haben. Dann halbiert man das Problem. Man hat statt 570 Hauptschülern 780. Bei einer Teilung durch 21 Hauptschulen löst sich das Problem nicht viel besser? Im Gegenteil man hat statt eines sogenannten differenzierten Dreiklassen-Schulsystems dann ein Zweiklassen-Schulsystem. Wer bei der Hauptschule von der Restschule spricht, hat dann einen noch größeren Rest. Deshalb müssen wir die Hauptschulen handwerklich ausrichten und somit auch aufwerten. Wir müssen Ja! zu diesen Schulen sagen.

41 40 Außerdem würden die Gymnasien überquellen, bzw. nicht ausreichen. Die Probleme bei den Hauptschulen würden nur unwesentlich verbessert. Deshalb wird die Mittelschule die Lösung für den ländlichen Raum sein, und darum müssen wir zu den Mittelschulen kommen. Bild 16: Hochschulreife im Landkreis 2010 Und dann darf ich noch auf etwas ganz Wichtiges hinweisen, was bei dem Vergleich Bayerns mit den anderen Bundesländern und Europa immer vergessen wird. Ein Vergleich mit dem Jahr 2000 zeigt, dass von den Kindern aus diesem Jahrgang über 50 % die Hochschulreife erlangen. Zwar nicht alle direkt über das Gymnasium, sondern über die Realschule und die FOS und BOS. Aber entscheidend ist, wie gesagt, was sie am Schluss machen. Wir haben in Bayern über die verschiedenen Möglichkeiten ein Drittel Abiturienten und viele andere, die über verschiedene Wege zum Fachabitur gekommen sind, und das ist das Entscheidende. Wir sollten diese Wege noch mehr öffnen, damit am Schluss alle dort landen, wo sie hin wollen. Deshalb nochmals ein klares Ja für die Durchlässigkeit und die Vielfältigkeit. Bei der Grundschule soll der Grundsatz bleiben: Kurze Beine, kurze Wege. Danach muss es für jeden Elfjährigen möglich sein, weiter zu fahren. Beim Gymnasiasten und Realschüler akzeptieren

42 41 die Eltern auch den längeren Schulweg. Wir müssen Ja sagen zur Mittelschule, zur gemeinsamen Schule, die handwerksorientiert ist, ein Ja zum dualen System. Lehrpläne - Qualität der Lehrer und deren Ausbildung Erlauben Sie noch einen Satz zum Schluss. Strukturen sind das eine, aber die Inhalte und die Akteure sind das andere. Wir sollten dringend darüber nachdenken, was in den einzelnen Schulen gelehrt werden muss. Meiner Meinung ist da sehr viel Ballast dabei. Und noch wesentlicher sind die Akteure. Wir brauchen gut ausgebildete und motivierte Lehrer. Und bei dem Thema Strukturen und Akteure fällt mir immer das Beispiel einer Fußballmannschaft ein. Der FC Barcelona hat 11 Spieler und Tasmania Berlin hat auch 11 Spieler. Aber wenn sie gegeneinander spielen, wird man feststellen, dass trotz gleicher Spielerzahl und Struktur ein sehr unterschiedliches Ergebnis zustande kommen wird. Darum kommt es letztlich auch auf die Qualität der Lehrer an. Die brauchen eine intensive Ausbildung in Pädagogik, sie sollen die Begeisterung und Neugierde bei den Kindern wecken können. Leider ist meine Zeit zu Ende, das Bild aus dem Chiemgau soll Ihnen das Gefühl geben, dass es trotz vieler Probleme noch ein Stück heile Welt gibt. Es soll Sie animieren, bei uns Urlaub zu machen. Herzlichen Dank und auf Wiedersehen im Chiemgau.

43 42 Erfahrungsberichte national und international Oberbergischer Kreis (Nordrhein-Westfalen) Angelika Freund Sehr geehrte Damen und Herren, ich freue mich sehr, Sie begrüßen zu dürfen. Mein Name ist Angelika Freund. Ich bin Schulamtsdirektorin im Schulamt für den Oberbergischen Kreis. Der Oberbergische Kreis liegt im Süden des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Oberbergischer Kreis Nordrhein- Westfale n Rheinland- Pfalz 13 Städte und Gemeinden ländlich geprägt mit vielen kleinen Schulen stark zurückgehende Schülerzahlen Problem: kleine Schulen sind oft nicht mehr überlebensfähig Oberbergischer Kreis Er besteht aus 13 Städten und Gemeinden und ist ländlich geprägt. In Bezug auf die Schullandschaft bedeutet das, dass es neben größeren mehrzügigen Schulen in den Städten viele kleine Grundschulen in den Dörfern gibt Grundschulen, die teilweise

44 43 nur einzügig sind und trotzdem das Bildungszentrum für die Kinder des Dorfes darstellen. Diese kleinen Grundschulen stehen durch zurückgehende Schülerzahlen vor großen Problemen: Beispielsweise kann die Klassenbildung kann nicht mehr im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben erfolgen. Die wenigen Lehrkräfte können nicht das fachlich erforderliche Spektrum abdecken. Die Besoldung der Schulleitungsstellen ist so unattraktiv, dass es kaum noch Bewerber für solche Stellen gibt. Aber auch die weiterführenden Schulen bemerken den Rückgang der Schülerzahlen negativ, insbesondere die Hauptschulen. Exemplarisch für diese Probleme aber auch für Lösungen - möchte ich den Blick auf die kleine Gemeinde Morsbach mit ca Einwohnern werfen. In der Gemeinde Morsbach hatte sich Hauptschule Realschule GGS Lichtenberg einzügige Schule mit ca. 100 Schülerinnen und Schülern auf Grund steigender Einwohnerzahlen in den letzten Jahrzehnten eine diffe- dreizügige Schule mit ca. 420 Schülerinnen und Schülern renzierte Schullandschaft entwickelt. KGS Morsbach dreizügige Schule im Zentrum mit ca. 300 Schülerinnen und Schülern Schullandschaft in Morsbach im Jahr 2007 einzügige Schule mit ca. ca. 100 Schülerinnen und Schülern GGS Holpe In Morsbach, dem Hauptort der Gemeinde, wurde im weiterführenden Bereich ein Schulzentrum aufgebaut mit Hauptschule und Realschule. Im Grundschulbereich gab es in Morsbach eine große Katholische Grundschule mit zeitweise bis zu 400 Kindern und für die Kinder auf dem Land zwei kleine Gemeinschaftsgrundschulen, nämlich die GGS Lichtenberg mit ca. 100 Kindern und die GGS Holpe mit ebenfalls ca. 100 Kindern.

45 44 Schulentwicklungsplan aus dem Jahr 2008 Schülerinnen und Schüler in den 3 Grundschulen der Gemeinde Morsbach im Schuljahr 2000/ Die Zahl wird voraussichtlich bis 2012 auf etwa 400 Schülerinnen und Schüler gesunken sein - ein Schülerrückgang von über 30 %!!!. Schülerrückgang von über 30 % gab die Gemeinde Morsbach die Weiterentwicklung eines Schulentwicklungsplans in Auftrag und man stellte fest, dass bis zum Jahr 2012 die Zahl der Grundschülerinnen und -schüler von 623 im Schuljahr 2000/2001 auf voraussichtlich etwa 400 Schülerinnen und Schüler gesunken sein würde. Das bedeutete einen zu erwartenden Für die einzelnen Schulen sah es perspektivisch folgendermaßen aus: In Holpe würden es im Jahr 2008 nur noch 17 Einschulungen und im Jahr 2010 nur noch 10 Einschulungen sein. Die eingangs schon erwähnten Probleme sehr kleiner Schulen waren absehbar: Entwicklung der Schülerzahlen in der Grundschule Holpe laut Schulentwicklungsplan Einschulungsjahr 2007/ / / / / / / Schülerzahlen in Holpe Die Lehrerversorgung für die zu bildenden sehr kleinen Klassen wäre nicht mehr sicher gestellt. Die Schulprogrammarbeit würde auf immer weniger Schultern ruhen. Die A 13 Schulleiterstelle drohte wegzufallen. Aber auch für die große Grundschule in Entwicklung der Schülerzahlen in der Katholischen St. Franziskus Schule laut Schulentwicklungsplan Einschulungsjahr 2007/ / / / / / / Schülerzahlen in der KGS Morsbach Morsbach sah der Schulentwicklungsplan keine rosige Zukunft. Man bedenke, dass die Einschulungsjahrgänge an dieser Schule noch vor wenigen Jahren über 90 Schülerinnen und Schüler stark waren - und nun ein Absinken auf unter 60 Kinder!

46 45 Auch hier waren Probleme vorhersehbar. So fand sich nach der Pensionierung des Rektors im Jahr 2007 trotz wiederholter Stellenausschreibung kein Bewerber für die Schulleitung. In den Jahren 2009 bis 2011 ist die Klassenbildung ungünstig. Lediglich die einzügige Gemeinschaftsgrundschule in Lichtenberg kann aufgrund von überdurchschnittlicher Zuwanderung in neue Wohngebiete die Schülerzahlen einigermaßen halten. Die zurückgehenden Schülerzahlen an den Grundschulen wirken sich natürlich zeitversetzt auch auf die Schülerzahlen der beiden weiterführenden Schulen Hauptschule und Realschule aus: Laut Schulentwicklungsplan werden ab 2014 die Übergänge aus den Grundschulen jährlich insgesamt nur noch ca. 100 Kinder betragen. Dann wird die Hauptschule in Morsbach nur noch einzügig sein, die Realschule zweizügig. Aber: Gegen die Fortführung einer Hauptschule mit nur einer Klasse pro Jahrgang steht der rechtliche Rahmen: Nach 82 Abs. 4 SchulG müssen Hauptschulen mindestens zwei Parallelklassen pro Jahrgang ausweisen. Und - Sollte es nach Wegfall der Hauptschule in Morsbach nur noch eine Realschule geben und sollten ca. 60 % der Schülerinnen und Schüler in auswärtigen Schulen unterrichtet werden, so könnte sich das durchaus auch negativ auf die Weiterentwicklung der ganzen Gemeinde auswirken. Um dazu nur einige Punkte zu nennen: Schülerinnen und Schüler schließen sich auswärtigen Sport- und Musikvereinen an, weil dort auch ihre Klassenkameraden aktiv sind.

47 46 junge Leute suchen Ausbildungsplätze dort, wo sie die Schule besucht haben also außerhalb von Morsbach. Der Fachkräftemangel für die heimischen Industriebetriebe wäre vorprogrammiert. Junge Familien verlassen Morsbach, weil sie ihren Kindern die langen Wege zu den weiterführenden Schulen ersparen möchten. Da die Problematik, die die zurückgehende Schülerzahl mit sich bringt, beim Land NRW schon länger im Blick ist, hat man im Schulgesetz entsprechende Rahmenbedingungen für den Umgang mit dieser Problematik festgelegt. Eine für die Morsbacher Grundschulen entscheidende Passage aus dem Schulgesetz ist folgende: Grundschulen mit weniger als zwei Klassen pro Jahrgang sollen, wenn der Schulträger deren Fortführung für erforderlich hält, zur Erreichung angemessener Klassenund Schulgrößen im Sinne von 81 Abs. 1 möglichst als Teilstandort geführt werden (Grundschulverbund). Grundschulverbund war also das Stichwort, GGS Lichten berg denn man war sich schnell einig, dass keine Hauptschule Realschule einzügige Schule mit ca. 100 Schülerinnen und Schülern der beiden kleinen Schulen aufgelöst werden 1. Lösungsidee sollte. KGS Morsbach dreizügige Schule im Zentrum mit ca. 300 Schülerinnen und Schülern In einem Grundschulverbund würde es zwar einzügige Schule mit weniger als 100 Schülern GGS Holpe nur einen Schulleiter und einen Konrektor geben, aber beide Teilstandorte könnten jeweils ihr eigenes Schulprogramm weiter führen. Zunächst wurde überlegt, welche der drei Grundschulen im Verbund geführt werden könnte. Man entschied sich dafür, aus der großen katholischen Grundschule und der kleinen Gemeinschaftsgrundschule in Holpe einen Grundschulverbund zu machen. Dann stieß man jedoch auf ein Hindernis: Das Schulgesetz sieht zwar vor, dass kleine konfessionelle Schulen als Teilstandort einer großen Gemeinschaftsgrundschule geführt werden können, jedoch gibt es keine gesetzliche Grundlage dafür, dass eine kleine Gemeinschaftsgrundschule als Teilstandort einer großen konfessionellen Schule geführt werden kann.

48 47 Es gab also nur den Weg einer Zusammenführung der beiden Schulen: Beide Schulen mussten aufgelöst und es musste eine neue Schule mit zwei Standorten gegründet werden. Der Beschluss sorgte bei den Beteiligten für Aufregung und auch für Ängste, denn es stand fest: Alle Schulleitungsmitglieder werden durch die Auflösung ihre Schulleitungsstellen verlieren müssen sich neu bewerben eventuell sogar eine neue Schulleitungsrevision absolvieren Das Profil der katholischen Grundschule wird auf dem Prüfstand stehen, denn die Eltern müssen in einem Schulartenbestimmungsverfahren festlegen, ob die neue Schule eine konfessionelle Schule oder eine Gemeinschaftsgrundschule werden soll. Dass die Ängste nicht ganz unberechtigt waren, zeigte sich im weiteren Verlauf. Im Schulartenbestimmungsverfahren entschieden sich die Eltern dafür, dass die neue Schule eine Gemeinschaftsgrundschule werden sollte Morsbach verlor damit die katholische Grundschule. Einige Kollegiumsmitglieder verließen darum auf eigenen Wunsch die Schule, da es ihnen ein persönliches Anliegen war, an einer katholischen Grundschule zu arbeiten. Alle amtierenden Schulleitungsmitglieder verloren zunächst ihre Leitungsfunktion, mussten sich neu bewerben und sich aufgrund der veränderten Schulgröße erneut einer Revision stellen. Das war im Jahr Mittlerweile haben sich die Wogen geglättet und man profitiert von der neuen Lösung: Auch an dem kleinen Standort können Fächer wie Kunst, Musik, Religion, Sport von dafür ausgebildeten Lehrkräften unterrichtet werden.

49 48 Die Schulprogrammarbeit ruht auf vielen Schultern. Die Kinder aus Holpe können weiter in ihrem Ort die Schule besuchen müssen keinen weiten Fahrweg hinnehmen, wie es erforderlich gewesen wäre, wenn man ihren Schulstandort aufgelöst hätte Die Besoldung der Leitungsstellen ist wieder attraktiv. Gesamtschule GGS Morsbach GGS Lichtenberg Zukünftige Schullandschaft in Morsbach So???? So sieht die zukunftsfähige Grundschullandschaft also heute aus. Es bleibt die Frage nach der Weiterentwicklung der beiden weiterführenden Schulen Hauptschule und Realschule. GGS Morsbach Ich erinnere der Schulentwicklungsplan sah für die Hauptschule perspektivisch das Aus und den Verbleib einer nur noch zweizügigen Realschule. Es wurden in den politischen Gremien Ideen für Lösungsmöglichkeiten entwickelt. Die beiden Hauptrichtungen bei der Ideenfindung waren: Stärkung der Hauptschule und der Realschule durch verschiedene Maßnahmen z.b. durch Kooperationen zwischen Betrieben und den Schulen. Man hoffte auf diesem Weg u.a., die Morsbacher Schulen auch für Schülerinnen und Schüler aus dem Umland attraktiv zu machen; oder Errichtung einer Gesamtschule mit Oberstufe. Auch damit würde man den Schulstandort Morsbach für Einpendler aus dem Umland attraktiv machen und zudem müssten Morsbacher Kinder um zum Abitur zu gelangen - nicht den Weg in die Schulen anderer Schulträger suchen.

50 49 Allerdings würde diese Lösung den Verlust sowohl der Hauptschule als auch der Realschule bedeuten, denn nur bei Auflösung dieser beiden Schulen könnten genügend Schülerinnen und Schüler für die Errichtung einer Gesamtschule zusammen kommen. Der aktuelle Stand ist folgender: Zurzeit müssen noch rechtliche Rahmenbedingungen geklärt werden. Danach finden wenn der rechtliche Rahmen es erlaubt- Anmeldungen zur Gesamtschule statt. mindestens 112 Schüler für die Klasse 5 à Gesamtschule Es liegt also nun in der Entscheidung der Eltern aus Morsbach und Umgebung, ob es die Gesamtschule geben wird. GGS Lichtenberg GGS Lichtenberg Gesamtschule Hauptschule Realschule GGS Morsbach Zukünftige Schullandschaft in Morsbach So???? GGS Morsbach Zukünftige Schullandschaft in Morsbach oder so???? GGS Morsbach GGS Morsbach GGS Lichten berg Realschule GGS Morsbach Zukünftige Schullandschaft in Morsbach ab 2010 oder so???? GGS Morsbach

51 50 Erfahrungsberichte national und international PISA-Vorbild Finnland: Was ist das Geheimnis? Matti Meri Pisa ist ein kleines Dorf in Lappland. Wenn wir über den Pisa-Erfolg Finnlands reden, muss man über die notwendigen Kompetenzen von Lehrern sprechen, weil nur mit den richtigen Kompetenzen der Lehrer besondere Qualität erbracht werden kann. Dies gilt nicht nur für Deutschland und Finnland, sondern global. Zunächst möchte ich dazu folgendes Szenarium demonstrieren: Hätten wir z.b. eine Gruppe Erstklässler in Finnland, sie wären 7 Jahre alt. Es wäre doch interessant zu erfahren, wie sie sich einen kompetenten Lehrer vorstellen. Natürlich würde man die Kinder nicht so fragen, sondern eher: Was ist ein guter Lehrer? Und diese Kinder würden wohl antworten: Einer, der gut rechnen kann. Einer, der gut zuhört. Einer, bei dem ich lachen kann. Einer, der alles weiß. Wir meinen häufig, dass es bei einem kompetenten Lehrer um ganz andere Dinge geht. Aber wenn man unsere Vorstellungen mit den Antworten der Kinder vergleicht, gibt es häufig viel mehr Ähnlichkeiten als angenommen. Wir benutzen nur andere Begriffe und Konzepte. In meinem Artikel widme ich mich den Kompetenzen, die Lehrer in ihrer Ausbildung erhalten müssen. Dafür ist es wichtig zu wissen, welche Modelle der Lehrerbildung es überhaupt gibt. Einige dieser Modelle sind hier dargestellt:

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