Vorwort. Bern im März 2011

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2 Vorwort Die vorliegende Broschüre ist eine Zusammenfassung der Ausstellung «Lehmbauten der Oasen Südmarokkos auf den Spuren eines Berner Pioniers», welche vom 14. bis 26. September 2010 in der Galerie Haldemann in Bern gezeigt wurde. Anstoss war eine eindrucksvolle Studienreise des SWB (Schweizerischer Werkbund) Ortsgruppe Bern im November 2009 nach Südmarokko ins Drâa-Tal. Eine kleine Arbeitsgruppe übernahm die Aufgabe einer Reisedokumentation in Form einer Ausstellung. Damit sollte vor allem ein Berner Pionier geehrt werden, welcher sich während herausragenden Bauwerken. Von besonderem Interesse sind die Aufnahmen des momentanen Bau- und Nutzungszustands der beschriebenen Objekte. Es gibt Dörfer, die total verlassen sind, und im Gegensatz dazu noch eine erfreuliche Anzahl von ganz oder teilweise bewohnten Siedlungen. Die Touristen, dazu gehörte auch unsere Reisegruppe, freuen sich an der schönen Landschaft und an der wundervollen Baukultur des Drâatals. Die Filmindustrie hat schon nach dem zweiten Weltkrieg diese Gegend Hans Hostettler dipl. Arch. SIA / SWB Bern Initiator des Projekts/Dokumentationen Prof. Dr. Otto Kölbl EPFL Ecublens VD Verfasser des Bauinventars Mohamed Boussalh CERKAS Ouarzazate Reisebegleiter Prof. Dr. Pierre Frey EPFL Ecublens VD Modelle Ergänzend zur Ausstellung fanden zwei Vorträge statt: Prof. Dr. Otto Kölbl: «Inventar der Lehmbauten im Drâatal unter Zuhilfenahme von Luftbildern» Martin Rauch: «Perspektiven im Lehmbau» Jahrzehnten für die Erhaltung der aussergewöhnlichen Lehmbauten südlich des Hohen Atlas eingesetzt hatte. Es ist dies Hans Hostettler, Architekt und Planer in Bern, der sich bereits in den 70er Jahren mit der Idee der Schaffung eines systematischen Bauinventars beschäftigte, um gute Planungsgrundlagen für weitere Massnahmen sicherzustellen. Beim Drâa-Tal geht es um einen geographischen Bereich von 250 km Länge, mit 6 grossen Palmenoasen und 300 unterschiedlich grossen Dörfern (ksar/ksour) sowie zahlreichen Wohnburgen (kasbahs). Es brauchte viel Überzeugungsarbeit bei den Regierungsstellen und der Verwaltung, bis die eigentlichen Arbeiten beginnen konnten. Dank der tatkräftigen Unterstützung der EPFL (Prof. für ihr Geschäft entdeckt und entsprechende Spuren hinterlassen. Die UNESCO verlieh 1987 der Siedlung Aït-Benhaddou die Auszeichnung Weltkulturerbe mit entsprechenden Verpflichtungen. Heute gehören in der Touristensaison die Reisecarflotten bei den Vorzeigebeispielen zum Alltagsbild. Aber wird das Überleben der traditionellen Siedlungsformen damit gesichert? Diese Frage beschäftigte uns stets, ebenso die Frage nach den angepassten Massnahmen und der Förderung des neuzeitlichen Lehmbaus. Die Gestalter der Ausstellung haben auf eine Ansammlung von touristischen Bildern verzichtet. Sie beschränkten sich auf wenige Themen, welche den Ort Gerade letzterer der beiden Vorträge zeigte, dass sich eine jüngere Architektengeneration für eine Verwendung von angepasstem Lehmbau auch in unseren Breitengraden engagiert. Zudem hat das Team von Martin Rauch kürzlich einen internationalen Wettbewerb für eine Berufsschule in Chwiter, welche er in Lehmbau vorsieht, gewonnen (Seite 23). Eine allerneueste Nachricht kommt aus dem Tessin. Der «BSI Swiss Architectural Award 2010» der Accademia di architettura in Mendrisio, der höchst dotierte Architekturpreis in der Schweiz, ist dem Architekten Diébédo Francis Kéré für seine Lehmbauten in Burkino Faso verliehen worden. Es bewegt sich somit etwas in neuer traditioneller Bauweise. Die Arbeitsgruppe Christian Anliker, Elisabeth Anliker, Katina Anliker, Verena Berger, Martin Eichenberger, Beatrice Friedli, Peter Gygax, Heinz Kurth, Christoph Rossetti Dr. Otto Kölbl), der lokalen Denkmalpflege (CERKAS) und der finanziellen Unterstützung des DEZA konnten die praktischen Arbeiten 1996 beginnen wurde das Bauinventar abgeschlossen und bei den marokkanischen Behörden deponiert. In diesem Bauinventar sind alle Dörfer fotogrammetrisch und statistisch erfasst, ergänzt durch detaillierte Bauaufnahmen von mit seiner Vergangenheit, seiner Gegenwart und seiner Zukunft charakterisieren. Auf insgesamt 24 raumhohen Paneelen wurden nach einer Einleitung die Oasenbewirtschaftung, die traditionelle Siedlungsform, die traditionelle Lehmbautechnik, der neue Siedlungsbau und die Zukunft behandelt. Diese Arbeit war nur möglich dank der Unterstützung der folgenden Herren: Wir danken Allen, welche uns mit Rat und Tat beigestanden sind, ebenso der Ortsgruppe Bern des SWB und verschiedenen Sponsoren, welche uns finanziell unter die Arme gegriffen haben. Wir hoffen, dass die Ausstellung noch an weiteren Orten gezeigt werden kann. Bern im März vorwort vorwort 3

3 Reise Marokko vom November 2009 Vergänglichkeit der Lehmarchitektur erkannte, konnten ganze Reise eine kompetente Begleitung organisieren. wir Kontakt mit dem CERKAS (Centre de Conservation et 32 Teilnehmende erlebten eine eindrückliche Reise, die Dem Jahresthema 2009 «Ressourcen» des Schweizeri- Der SWB ist ein Verein mit rund Mitgliedern und de Réhabilitation du Patrimoine Architectural des Zones zusammen mit weiteren Hintergrundinformationen mit schen Werkbundes (SWB) verpflichtet, führte die Reise hat Ortsgruppen in der Romandie sowie in den Regionen Atlasiques et Subatlasiques) aufnehmen und uns für die dieser Ausstellung dokumentiert wird. der Ortsgruppe Bern zu den Lehmbauten südlich des Aargau, Basel, Bern, Graubünden, Innerschweiz, Ost- Hohen Atlas. schweiz und Zürich. Der Schweizerische Werkbund wurde 1913 gegründet und Durch das Berner SWB-Mitglied Hans Hostettler, Archi- versteht sich in der heutigen kulturellen Situation als Forum tekt und Planer, der bereits in den 1970er Jahren die und zugleich als Spezialist für interdisziplinäre Debatten über Gestaltungsfragen. Er verbindet damit den Anspruch, REISEroute einen wichtigen Beitrag zum Lebensumfeld in der modernen Industrie- und Informationsgesellschaft zu leisten. Mit seinen Veranstaltungen will er professionelle Gespräche unterschiedlichster Bereiche ermöglichen und fördern. Der SWB ist die einzige Schweizer Berufsorganistion, deren Mitglieder aus allen gestalterischen Bereichen stammen: Architektur, Landschaftsarchitektur, Kunst, Design, Grafik, Kunstgeschichte und Handwerk. Dem SWB geht CERKAS es darum, die Gestaltung als Alltagsdimension immer wieder neu ins Gespräch zu bringen. So äussert er sich auch zu kontroversen kulturellen Fragen in der Presse, in Publikationen, an Tagungen und bei Ausstellungen. Die Zusammenarbeit mit verwandten Berufsverbänden und Organisationen hat einen hohen Stellenwert. CERKAS steht für das «Centre de Conservation et de Réhabilitation du Patrimoine Architectural des Zones Atlasiques et Subatlasiques». Die Organisation mit Sitz in der Kasbah von Taourirt in Ouarzazate wurde 1989 vom Ministerium für Kultur des Königreichs Marokko zusammen mit der UNESCO gegründet. Aufgabe und Ziel sind die Erhaltung, Restaurierung und Wiederbelebung der Lehmbauten in Südmarokko. Ihr heutiger Leiter ist der Ethnologe Mohamed Boussalh. gemeinsam über 300 Ksour in Form von Flugaufnahmen, Statistiken, Plänen und Beschreibungen dokumentiert. Prof. Dr. Otto Kölbl EPFL Ecublens VD Er leitete die Aufnahmen und die Dokumentation der Siedlungen und Einzelbauten. Die Arbeit wurde neben internationalen und nationalen Hilfen finanziell auch von der DEZA unterstützt. Die jahrelange intensive Arbeit wird zur Zeit redaktionell bereinigt und soll in absehbarer Zeit publiziert werden. SCHWEIZER PARTNER VON CERKAS Die Fülle des zusammengetragenen Materials stellt eine gute Grundlage für die weitere Planung und Realisierung dar. Hans Hostettler dipl. Arch. SIA / SWB Bern Schon in den 1970iger Jahren hat Hans Hostettler als Reisender in Südmarokko die eindrücklichen Lehmdörfer und Kasbahs besucht und sich Gedanken über deren Erhaltung und Inventarisierung gemacht. Er war beteiligt beim Aufbau von historischen Inventaren in der Schweiz und schlug deshalb dem marokkanischen Kulturministerium eine ähnliche Aufnahme mittels Luftbildern vor. Zur Verdeutlichung des Vorhabens folgte 1988 eine von der UNESCO unterstützte Ausstellung in den Städten Rabat, Fès und Marrakesch begann die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Laboratoire de photogrammétrie der EPFL. Es wurden Prof. Dr. Otto Kölbl und Hans Hostettler 4 Reise Marokko cerkas 5

4 Oasenbewirtschaftung Geographie Traditionelles Bewässerungssystem und dessen Modernisierung im 20. J Das Drâa-Tal liegt südlich des Hohen Atlas und nördlich Das Drâa-Tal lebte in der Vergangenheit nicht nur von Mehrere verästelte Dämme aus Palmstämmen und Ast- Mit dem Bau des Mansour Eddahbi Staudamms änderte des Wendekreises zwischen dem 30. und 31. Breitengrad. der Landwirtschaft, sondern auch vom einträglichen Kara- werk leiten das Drâa-Wasser in Richtung Süden in die sich die Regulierung der Wasserrechte. Der Staat baute Seine Landschaft ist geprägt durch die steinigen und wanenverkehr Mali - Mittelmeer. Die Karawanenpisten Oasenkanäle. Das Bewässerungssystem umfasst drei ca. 350 km neue Betonkanäle. Ziel war es, den Wasser- hügeligen Ausläufer des Hohen Atlas und der am südlichen sind heute ersetzt durch moderne Verkehrswege und Bereiche: Die Entnahmestelle (fum), die offenen Kanäle verlust zu minimieren, die Wassermenge zu kontrollieren Rand beginnenden Wüste Sahara. Der namengebende haben teilweise wenig Bezug zu den traditionellen Siedlun- und die Verteilungseinrichtung. Vom Hauptkanal (segia) und die Schwächen der traditionellen Bewässerungssys- Fluss Drâa, welcher bei Ouarzazate durch die Vereinigung gen. Die Zufahrt zur Sahara hat für den marokkanischen gelangt das Wasser über sekundäre Kanäle (masrif) teme zu beseitigen. Die Erneuerung hatte umfangreiche der beiden Flüsse Dadès und Imini entsteht, fliesst durch Staat eine besondere strategische Bedeutung erhalten. in die kleinen Zuleitungskanäle (Ibo), die das Wasser auf Enteignungen in den Oasen zur Folge. Der anfängliche das 250 km lange Drâa-Tal mit seinen fruchtbaren sechs So sind in neuerer Zeit an den Hauptachsen moderne die Felder leiten. Diese in 2 4 m² grosse Becken unterteil- Erfolg wich der Ernüchterung. Das den Oasen zugeleitete Oasen Mezguita, Tinzouline, Ternata, Fezouta, Ktaoua und Städte entstanden, welche sehr schnell wachsen. Verwal- te Felder werden nacheinander überflutet. Mit Schiebern Wasser nahm seit 1980 stetig ab und kann heute den Mahmid. Die Wüste trocknet den Drâa aus, so dass er tungs- und Wirtschaftszentrum ist Ouarzazate, weitere oder durch Umschichten kleiner Lehmdämme dirigieren Bedarf nicht mehr decken. Die Landbevölkerung ist mit den Atlantik nicht mehr erreichen kann. Die Verdunstung wichtige Orte sind Agdz, Zagora und Mhamid, letzteres die Bauern das Wasser in dem ihnen zustehenden Zeit- der staatlichen Regelung unzufrieden und behilft sich mit des Flusswassers in den Sommermonaten ist hoch. als Tor zur Sahara. raum auf ihr Feld. In den 80er Jahren gab es 89 Hauptka- Grundwasser-Motorpumpen mit den bekannten Folgen. Die jährliche Niederschlagsmenge ist gering und schwankt näle resp. traditionelle Bewässerungssysteme, 42 auf der zwischen 107 mm (Agdz) und 74 mm (Zagora). Je nach linken und 47 auf der rechten Flussseite. Die Verfügungs- Höhenlage finden wir mittlere Jahrestemperaturen von 19 bis 22 C mit Spitzenwerten im Sommer und Kälte mit Schnee im Winter. Durch seine Lage südlich des Hohen Atlas hat das Drâa-Tal eine strategische und touristische Bedeutung in Marokko, wird aber bestimmt durch grosse sozio-ökonomische und kulturelle Veränderungen. gewalt über die Hauptkanäle lag bei einem informellen Wasserverband d.h. dessen Versammlung (gma a), in welcher unterschiedlich die Wassereigner, die Wassernutzer, die Landbesitzer oder die Dorfräte vertreten waren. Das erneuerte Wasserverteilsystem hat sich nicht bewährt. Es zeigt sich, dass die traditionellen Systeme, obwohl sensibel auf Störungen und arbeitsintensiv, erfolgreicher waren. Dies ist ein Grund für die anhaltende Landflucht. Das Recht auf Wasser konnte auf zwei Arten geregelt sein. Entweder war es gebunden an das Eigentum von Land (allàm) und konnte nur zusammen mit dem Land weitergegeben werden, oder es war ein Recht unabhängig vom Landbesitz (melk), über das frei von Landbesitz verfügt werden konnte. 6 Oasenbewirtschaftung Oasenbewirtschaftung 7

5 Oasenwirtschaft Oasengärten Die Oasenwirtschaft ist nur möglich dank dem vorhan- Als Ersatz wird das Grundwasser abgepumpt, mit dem In den Oasengärten wird extensiver Gartenbau in drei Produktionsfaktoren besitzenden Personen aufgeteilt. denen Wasser. Wasser in Form von Niederschlägen ist Resultat, dass der Grundwasserspiegel unter den Wurzel- vertikalen Schichten (Stockwerkbau) betrieben. In der Der Pächter ist in der Regel nur mit einem Fünftel (Arbeit) gering, so bleiben das Fluss- und das Grundwasser. bereich der Palmen sinkt. Bis Ende der 60er Jahre waren oberen Schicht finden wir Dattelpalmen, in der Mitte Obst- beteiligt, während der Rest an die Eigentümer geht. Die Wassermenge nimmt aber stetig ab. Grosse Mengen noch etwa die Hälfte der Oasenböden gute Schwemm- bäume und als Bodenkulturen werden Getreide (Gerste), Es versteht sich von selbst, dass diese komplizierte Nut- von Wasser werden den Städten und touristischen Ein- böden, welche nach den Regenfällen in den Bergen als Gemüse oder Futterpflanzen (Luzerne) angepflanzt. zungsverteilung zu sozialen Problemen führen kann. richtungen zugeleitet. Eine gewisse Kompensation schafft Folge des Hochwassers entstanden. Nach dem Bau Erschlossen sind die mit Natursteinmauern umschlos- der Stausee im Dadès-Tal, dessen Staumauer einige des Staudammes blieben die Überflutungen und damit senen Gärten mit Naturstrassen und Wegen. Die Gärten Male im Jahr zu Gunsten der Oasenkanäle geöffnet wird. Nur scheinen die zu diesem Zweck neu gebauten Kanäle ungenügend unterhalten zu sein. das fruchtbare Schwemmland aus. Die Böden sind heute humusarm und ihre obere Schicht infolge der starken Verdunstung mit Mineralien und Salzen angereichert. Die Regierung versucht durch Aufforstungen im Atlas dem wiederum sind unterteilt in 2 4 m² grosse Felder, welche in der Höhe gestaffelt das etappierte Bewässern ermöglichen. Gearbeitet wird mit einfachen Geräten (Hacke), transportiert mit Maultieren oder einfachen Fahrzeugen. Die Oasengärten sind ein hohes Umwelt- und Kulturgut. Sie bedingen einen sensiblen Umgang mit den Ressourcen und erfordern eine Erneuerung der sozio-ökonomischen Strukturen. entgegenzuwirken. Mit ausreichender Bewässerung können pro Jahr zwei bis drei Ernten eingeholt werden. Beim Ertrag des SATELLITENAUFNAHME DRâA-TAL Im Drâa-Tal ist der fruchtbare Boden ist knapp. Es gibt ca ha kultivierbares Land, in welches sich Stockwerkbaus spielen die Eigentumsverhältnisse eine bedeutende Rolle. Der Landeigentümer reserviert sich ca Landeigner teilen, d.h. pro Eigentümer gibt es gerne den Grossteil der Dattelernte im begünstigten durchschnittlich ca. 1.2 ha, wobei die Eigentumsflächen obersten Stockwerk und überlässt die Unterkulturen seinen sehr ungleich verteilt sind. 58% der Bauern haben weni- Pächtern (Khammes) oder Taglöhnern. ger als 1 ha und 10% mehr als 5 ha. Die traditionelle Agrarverfassung ist ein Relikt aus vorislamischer Zeit mit den folgenden Merkmalen: Es wird Die kleinbetriebliche Oasenwirtschaft gehört zu den intensivsten traditionellen Anbaumethoden. Ihre heutigen Probleme ergeben sich aus den überlieferten Rahmenbedingungen mit komplexen Bewirtschaftungsformen und den sich verändernden Umweltbedingungen. unterschieden in Produktionsfaktoren wie Saatgut, Boden, Wasser, Arbeitsgeräte, Zugtiere und Arbeitskräfte. Deren Eigentum resp. Nutzen ist auf mehrere Personen aufgeteilt. Die Ernte wird nach der Anzahl der die gewichteteten 8 Oasenbewirtschaftung Oasenbewirtschaftung 9

6 traditionelle Siedlungsform Dattelpalme SIEDLUNG UND GÄRTEN Dattelpalmen sind die mit Abstand wichtigsten Pflanzen Die weiblichen Dattelpalmen befinden sich in der Regel Das Drâa-Tal zwischen Ouarzazate und Mhamid ist rund rung musste sich in der Vergangenheit gegen Überfälle für die Menschen in afrikanischen und arabischen Wüs- im Kernbereich der Gärten, während die männlichen an 250 km lang und durchflossen vom Fluss Drâa. Ausgeklü- wehren, besonders die Karawansereien an der bedeuten- tenregionen: Die Früchte bringen einen grossen Ertrag, deren Rand gepflanzt sind. Dies erleichtert das Fällen gelte Bewässerungssysteme ermöglichten in der ansonsten den Karawanenroute Timbouktu-Marrakesch. werden von Menschen geschätzt und minderwertige der letzteren, wenn die Fruchtfläche um «produktive» unfruchtbaren Landschaft die Anlage von sechs grossen Sorten an das Vieh verfüttert. Das Stammholz wird in der weibliche Palmen erweitert wird. Im Frühjahr, zur Zeit der Palmenoasen. Die Bevölkerung, welche die Gärten bewirt- Der Hauptteil der Bevölkerung wird von verschiedenen traditionellen Architektur zum Bauen und die Palmwedel Blüte, werden die Blütenstände der männlichen Palmen schaftet, lebt in rund 300 Dörfern, welche Ksar (Mehrzahl Berberstämmen gestellt. Neben dem nach Süden hin vielerorts für Dächer verwendet. Es werden aber auch geschnitten. Ein kleiner Zweig der männlichen Blüte wird Ksour) genannt werden. Diese Dörfer liegen entweder an anwachsenden Anteil schwarzafrikanischer Bevölkerungs- allerlei Alltagsgegenstände daraus hergestellt. zur Befruchtung von Hand in die weiblichen Blüten der Peripherie der Oasen auf unfruchtbarem und erhöhtem gruppen sind ebenso arabischstämmige Bevölkerungs- hoch in den Palmwipfeln gesteckt. Nur mit der manuel- Land oder in selteneren Fällen in den Gärten, sind aber teile anzutreffen. Die jüdischen Bewohner sind nach der Die Dattelpalme (Phoenix dactylifera), aus der Familie der len Befruchtung werden hohe Erträge an Datteln erzielt. so dicht bebaut, dass das gute Land geschont wird. Ihre Gründung des Staates Israel 1948 fast vollständig dorthin Palmen (Arecaceae) hatte und hat im Drâa-Tal eine heraus- Würde dies dem Wind überlassen, kämen nur schwache Fläche beträgt in der Mehrzahl zwischen 1 5 ha. In vielen emigriert. ragende wirtschaftliche Bedeutung und prägt seine Oasen. Ernten zustande. Fällen sind sie mit Wehrmauern eingefasst. Die Bevölke- Der Ksar ist eine Gemeinschaft von Gruppen verschie- Die Dattelpalme wird bis zu 30 m hoch. Sie hat einen unverzweigten Stamm und bis 5 m lange, gefiederte Blätter; Dattelpalmen können das Wasser aus bis zu 5 Meter Tiefe aufnehmen. Es ist eine zweihäusige Pflanze, es gibt männliche und weibliche Palmen. Die Blütezeit ist im März und April. Die Früchte der Dattelpalme sind das wichtigste Agrarexportgut von Südmarokko. Die Dattelpalme ist gefährdet durch Wassermangel und Pilzbefall. Wenn sie ausstirbt, sterben auch die zugeordneten Lehmdörfer. Die Dattelhaine sind zudem ein unersetzliches Landschaftsgut. PALMENHAIN TINZOULINE dener ethnischen Abstammung, welche sich zur Bewältigung der Aufgaben im Palmenhain und im Dorf zusammengetan haben. Seine Grösse scheint einen direkten Zusammenhang mit der Ertragskraft der zugehörigen Gärten zu haben. Die Analyse zeigt aber, dass sich verschiedene Ksour mit der Zeit im Innern verändern oder durch Ausweitung der Wehrmauern vergrössern konnten. Die besondere Qualität der traditionellen Siedlungsform liegt bei der eindrücklichen Symbiose von gebauter und ungebauter Umwelt. 10 Oasenbewirtschaftung traditionelle Siedlungsform 11

7 WEHRMAUER UND TOR Innere Organisation eines ksar Die Wehrmauer bot früher Schutz vor feindlichen Über- Aus funktionellen Gründen wurden in der jüngsten Ver- Die innere Organisation eines Ksar wurde bestimmt durch die phantasievolle Nutzung der bescheidenen Freiräume. griffen. Sie ist bis 12 m hoch und besteht aus Stampflehm gangenheit an verschiedenen Orten die Dorfmauern die Landschaft, die Lage, die Topographie und das Zusam- Einen besonderen Stellenwert haben die Kasbahs, welche (pisé). An exponierten Stellen kann sie ergänzt sein weiter geöffnet. So hat Tissergate heute deren sieben, menleben verschiedener Bevölkerungsgruppen. Bestim- die einheitliche Dorfbebauung überragen. mit Wehrtürmen, meist mit rechteckigem Grundriss und welche im Rahmen des World Food Programms zur bes- mendes Gerüst sind die Erschliessung und die Standorte konischer Verjüngung nach oben. Nicht selten sind sie seren Versorgung der Bevölkerung geschaffen wurden. der gemeinschaftlichen Nutzungen. im oberen Bereich kunstvoll verziert. In vielen Fällen ist die Mauer aussen und innen freigestellt und damit aus Sicherheitsgründen begehbar. Ursprünglich gab es meistens nur ein Eingangstor, und zwar zur Palmenoase hin. Es bedeutete überwachter Eingang in das Dorf wie auch Ausgang in die Gärten. Damit ist die Klarheit des Erschliessungssystems etwas verloren gegangen. Wehrmauer und Erschliessungstor begrenzen auf wirkungsvolle Weise die Siedlungsfläche und fördern das dichte Gemeinschaftsleben. Auf der Innenseite des Eingangstors befindet sich der Dorfplatz «amalal» mit den ihn begrenzenden öffentlichen Gebäuden, die Moschee, die Versammlungshalle, die Schule «msid», das Bad «hammam» und der Vorratsspeicher. Weitere gemeinschaftliche Gebäude können im Dorf verteilt vorkommen, wie Mausoleen «zaouïas» und Gedenkstätten Der Ksar ist eine optimierte Organisations - und Bauform, in welcher verschiedene ethnische Bevölkerungsgruppen sich zum Überleben zusammengefunden haben. PLAN TISSERGATE ORTHOPHOTO TISSERGATE 1977 Das Tor wurde als Gebäude ausgebildet mit versetzten «marabouts», zu denen nur ein Verantwortlicher Zugang und damit erschwerten Durchgängen. In den Oberge- hat. Moscheen haben in den Ksour selten ein Minarett. schossen befanden sich Räume für die Wache, die Dorfverwaltung und fremde Gäste. Fremden war der Interessant ist die innere Erschliessungsstruktur, welche Zutritt in die Wohnquartiere im allgemeinen nicht erlaubt. vom Dorfplatz ausgeht und mehrheitlich einem orthogonalen System folgt. Es wird unterschieden in allgemein zugängliche Hauptwege, längs den Wehrmauern oder als Mittelachse, und untergeordnete Quartierwege. Die Hauptwege sind offen oder gedeckt, die Quartierwege hingegen überbaute dunkle Korridore. Jede der ethnischen Gruppen hat ihr eigenes zugeordnetes Quartier mit abschliessbaren Erschliessungskorridoren. Die Wohnhäuser sind als dichter Teppich zusammengebaut. Dies ist nur möglich durch eine Organisation um einen Innenhof und Nutzung der Dächer. Man staunt über 12 traditionelle Siedlungsform traditionelle Siedlungsform 13

8 Die kasbah Kasbahs (berberisch: Tighremt) finden wir inner - oder ausserhalb der Dörfer, wo sie jeweils markante Standorte besetzen. Man kann zwei Typen unterscheiden. Die einen sind oder waren Verwaltungszentren und können sehr gross sein, wie die palastartige Kasbah Taourirt in Ouarzazate, dem Sitz des CERKAS. Die andern sind Wohn - und Schutzburgen für wohlhabende und angesehene Familien. Die Hauptmerkmale sind mehrgeschossige Türme, meistens deren vier in den Ecken eines quadratischen oder rechteckigen Grundrisses. Im Zentrum der Anlage sorgt ein oben offener Schacht für Licht und Belüftung. Damit wird auch in heissen Jahreszeiten ein angenehmes Raumklima sichergestellt. Die Grundform kann ergänzt sein mit hofartigen Vorbauten. Im Erdgeschoss sind Nebenräume für Tiere und Haushalt, im ersten Obergeschoss Räume für Gäste und deren Empfang angeordnet. Die Räume in den weiteren Obergeschossen dienen der privaten Nutzung. Das Dach ist als windgeschützte Terrasse ausgebildet, wo sich auch die Laterne des Lichtschachtes befindet. Um den Lichtschacht führt ein Umgang, von welchem mehrere Nutzräume pro Geschoss erschlossen werden können. Die Fenster an den äusseren Fassaden sind sehr klein und liegen bodennah, damit der Ausblick der tief sitzenden Personen gewährleistet werden kann. Die Bedeutung der Kasbahs wird gerne durch die Dekoration der Türme an ihren oberen Enden gezeigt. Meistens sind es Rautenmuster, welche in den frischen Lehm geschnitten oder auch mit getrockneten Lehmziegeln (briques adobes) gemauert werden. Die Kasbahs sind heute bevorzugte Objekte für Umnutzungen und Renovationen, so auch für den Tourismus. Die Kasbahs sind dominante und ausgeklügelte Bauten, welche sich trotzdem gut in die Bautradition einfügen. 1. Obergeschoss 2. Obergeschoss dachgeschoss Das Wohnhaus im Ksar Die Wohnhäuser sind im Grunde genommen kleine niedrige Kasbahs ohne Türme. Vom Quartierkorridor aus wird das Erdgeschoss für Tierställe wie Haus - und Gartengeräte erschlossen. Dieser Bereich ist sehr dunkel und erschwert die Orientierung. Im ersten Obergeschoss befinden sich die Wohnräume der Familie um einen kleinen Innenhof herum, welcher für bescheidenes Licht und Belüftung sorgt. Eine Besonderheit ist der Raum für die der Familie nahestehenden Gäste, welcher direkt von der Treppe aus zugänglich ist. Die Terrasse mit Speicherräumen dient dem Aufenthalt erdgeschoss schnitt a -a 14 traditionelle Siedlungsform traditionelle Siedlungsform 15

9 Traditionelle Lehmbautechnik der Familie, der Hausarbeit und dem Schlafen während der heissen Jahreszeit. Es ist der Bereich der Frauen, welche über die Nachbardächer Zugang zu den anderen Familien haben. So findet eine diskrete und unbemerkte Vernetzung der weiblichen Gesellschaft auf der Dachebene statt. Die Wohnräume zeichnen sich aus durch die tiefliegende spärliche Befensterung und allenfalls eine bescheidene obere Wand - und Deckenverzierung. Der einzige Luxus sind Bodenteppiche und Sitzkissen. Möbel in unserem Sinn fehlen, Gegenstände werden in die Wandnischen versorgt. Die Räume sind multifunktional genutzt und passen sich den Bedürfnissen der Bewohner flexibel an. Die Häuser sind trotz Detailvielfalt fast ausnahmslos dreigeschossig und aus Lehm gebaut. Damit erscheint ein Ksar von oben betrachtet sehr einheitlich. Viele Häuser sind heute nicht mehr bewohnt und dem Zerfall preisgegeben. Hauptursachen sind die beengten räumlichen Verhältnisse, der ungenügende Ausbau und der grosse Unterhaltsaufwand. Diejenigen, welche bewohnt sind, sind allgemein mit Wasser und Elektrisch versorgt, haben aber keine Entsorgungsinfrastruktur. Die an der Peripherie der alten Ksour entstandenen Neubausiedlungen können mehr Wohnkomfort bieten und halten sich an die Massstäblichkeit und Bautradition der Vergangenheit, verbrauchen aber viel mehr Bauland. Eine befriedigende Verbindung Alt-Neu ist kaum gelöst. Das Ksar-Wohnhaus ist eine sehr ökonomische Wohnform, welche der Agrargesellschaft in hohem Mass entspricht, aber wenig anpassungsfähig ist an künftige Bedürfnisse. Ksour und Kasbahs sind traditionelle Lehmbauten. Voraussetzung für den Lehmbau sind ein heisses und trockenes Klima sowie genügend geeignete lehmhaltige Erde und Wasser zur Verarbeitung. Zwei unterschiedliche Bautechniken sind bekannt. Der Stampflehm (pisé) wird auf der Baustelle in hochziehbaren Schalungen verarbeitet und eignet sich für dicke Aussenmauern. Die Lehmziegel (briques adobes) hingegen werden in Formen vorfabriziert, an der Luft getrocknet und dann am Verwendungsort vermauert. Sie eignen sich vor allem für dünnere Trennwände, Säulen und rautenförmige Verzierungen. In beiden Fällen werden dem Lehm Strohhäksel zur Verstärkung und Verhinderung von Rissen (Armierung) beigemischt. Der Fassadenverputz besteht aus dünner Lehmschlemme, welche selten gefärbt oder verziert wird. Die Erdfarben der Lehmbauten in Südmarokko wirken schlicht und verleihen den Bauwerken eine eindrückliche Schutzabdeckungen aus Schilfrohr und Lehm. Der traditionelle Lehmbau hat grosse Vorteile. Das Baumaterial kann am Erstellungsort der Bauten gewonnen werden, Transportwege entfallen. Es ist billig und verbraucht im Gegensatz zu gebrannten Ziegeln oder Zementsteinen kaum Fremdenergie. Ruinen zerfallen von selbst und werden wieder Teil der Natur; eine Entsorgung, mit Ausnahme von Installationen entfällt. Dank Speicherung von Wärme und Kälte in den dicken Lehmmauern ist über das ganze Jahr ein gutes Innenraumklima gewährleistet. Der Lehmbau hat aber auch Nachteile. Er ist in Erstellung und Unterhalt sehr arbeitsintensiv und besonders anfällig auf Feuchtigkeit. Die Planungsfreiheit ist begrenzt durch limitierte Spannweiten und Gebäudehöhen. Für die heutige Gesellschaft ist er die Bauweise der Armen und ist deshalb wenig geschätzt. Initiativen für eine Erneuerung der Lehmbauweise werden nicht genügend unterstützt. Einheit mit der Landschaft. Einzig die Leibungen der kleinen Fassadenfenster können mittels weisser Färbung betont sein mit dem Vorteil der verbesserten Belichtung der Innenräume. Die Decken bestehen aus Palmholzbalken, überdeckt mit einer dekorativen Schilfauflage als verlorene Schalung, auf welche der Lehm gegossen wird. Eine Besonderheit sind die Dachentwässerung und die Terrassenbrüstungen mit ihren Die Ksour und Kasbahs im Drâa-Tal zeigen, wie phantasievoll und qualitätvoll früher mit Lehm gebaut wurde. Es entstanden ohne Planung einzigartige Formen und Details, welche wir im Licht- und Schattenspiel bewundern. Könnten sie nicht Vorbild in der kommenden ressourcenarmen Zukunft sein? 16 Traditionelle Lehmbautechnik Traditionelle Lehmbautechnik 17

10 Tourismus und Filmindustrie Neuer Siedlungsbau Nach dem 2. Weltkrieg haben berühmte Filmregisseure die eindrücklichen Lehmsiedlungen im Drâa-Tal entdeckt. In Aït Benhaddou drehte David Lean den Film «Lawrence of Arabia», in Tamnougalt Bernardo Bertolucci «Himmel über der Wüste» und in Ouarzazate befindet sich das Atlas-Filmstudio. In Aït Benhaddou sind von diesen Aktionen Kulissen stehen geblieben. Seit 1987 steht dieser Ksar als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO. Dies bedeutet finanzielle Zuwendungen, aber auch Verpflichtungen. Der Tourismusstrom ist nicht ausgeblieben und in den Hochsaisons verstopfen die Reisecars die angrenzende Neubausiedlung tagte eine über 60-köpfige Expertengruppe intensiv über die Frage der Förderung und Reglementierung des Tourismus von Aït Benhaddou. Neben der Sanierung von Bauten geht es um die Verbesserung der Verkehrsführung, der Organisation von Betrieb, Werbung und Finanzierung von Dienstleistungen. Der Tagungsbericht mit Businessplan ist reichhaltig bis in die kleinsten Details ausgearbeitet. Seither wurde bereits eine Kasbah saniert, während die anderen Punkte noch in weiterer Planung sind. Die Fokussierung auf ein Weltkulturerbe mit weitreichender Ausstrahlung bindet aber auch Kräfte und Mittel, so dass für andere erhaltenswerte Siedlungen weniger übrig bleibt. Filmindustrie und Tourismus sind erwünschte Einnahmequellen, erfordern jedoch zusätzlichen Aufwand an Einrichtung und Betrieb von Infrastrukturen für den Mehrverkehr sowie die Gastronomie und Beherbergung. Letztere bedeuten auch einen wesentlichen Mehrverbrauch der kostbaren Ressource Wasser. Es können aktuell zwei Formen von Neusiedlungen unterschieden werden: Die Erweiterung eines Ksar entwickelt sich im allgemeinen an seiner Peripherie, den Dorfmauern entlang, ohne noch ummauert zu sein und folgt mehr der Lage oder Topographie anstelle orthogonaler Erschliessungssysteme. Die Häuser sind mehrheitlich ein- bis zweigeschossig mit einem Hof und aus Lehmziegeln (briques adobes) hergestellt. Die städtischen Neusiedlungen haben hingegen koloniale Wurzeln. Die zwei- bis dreigeschossigen Häuser folgen breiten Strassenzügen und sind auf diese hin orientiert. Im Erdgeschoss befinden sich hinter Arkaden Läden und Gewerbebetriebe, in den Obergeschossen Wohnungen. Gebaut sind sie als Betonskelett, ausgefacht mit Zementsteinen und verputzt mit einem Lehmmörtel. Diese Konstruktion ist weniger klimagerecht und erdbebensicher. Die Fassaden sind befenstert und allenfalls mit traditionellen Dekorationen versehen. In beiden Fällen, ob Erweiterung eines Ksar oder einer Stadt, kann positiv festgestellt werden, dass dank Massstäblichkeit und angepasster kubischer Gestaltung sich die Neusiedlungen meist vorteilhaft in die Landschaft einpassen. cerkas studie aït benhaddou Tourismus und Filmindustrie Neuer Siedlungsbau 19

11 Haben die Ksour noch eine Zukunft? ausstellung standort Galerie Haldemann Alle Reisenden in Südmarokko sind sich einig: viele der Lehmdörfer in Südmarokko sind einmalig und erhaltenswert. Der bauliche Bestand ist das eine, der Erhalt des Lebens in den Ksour allerdings das andere. Die Hauptprobleme sind erkannt: CERKAS hat zusammen mit den Schweizer Partnern mit der Aufnahme von mehreren hundert Dörfern eine vorbildliche Analysearbeit geleistet. Was fehlt, ist die Synthese mit einem Generationen übergreifenden Massnahmenplan. Folgende Zielsetzungen sind denkbar: Wassermangel und Ertragsrückgang in der Landwirtschaft mangelnde Infrastruktur und Wohnqualität aufwändiger Unterhalt der Lehmbauten komplexe Eigentumsverhältnisse grosses Bevölkerungswachstum Mangel an Arbeitsplätzen und Landflucht Klassierung der Ksour nach Erhaltungsgrad Massnahmenplan für Rückbau oder Reaktivierung Klärung von Eigentumsstrukturen Förderung von Infrastrukturmassnahmen Förderung von lokalen alternativen Arbeitplätzen Psychologische und technische Förderung von Lehmbau So lange die sozioökonomischen Verhältnisse nicht verbessert werden, bleibt die Rettung der traditionellen Dörfer ein isolierter denkmalpflegerischer Akt gegen die Zeit. Tourismus kann nur punktuell helfen. Viele Ksour wird man aufgeben müssen, wenn keine weitergehenden Massnahmen ergriffen werden. 20 Haben die Ksour noch eine Zukunft? ausstellung 21

12 DANK Teaching CENTRE for Sustainability in Chwiter, Marokko QUELLEN Die Arbeitsgruppe Ausstellung «Lehmbauten der Oasen Südmarokkos» der SWB Ortsgruppe Bern bedankt sich bei folgenden Personen und Institutionen, ohne die diese Ausstellung nicht zustande gekommen wäre: CERKAS Diverse Publikationen und Posters, unter anderen: Ksar Aït Benhaddou, Patrimoine Mondial, Plan de Gestion , Ministère de la Culture, Royaume du Maroc, Septembre Es ist uns ein Anliegen, vor Ort vorhandene, natürliche Ressourcen mit kleinster Entropie, zum grösstmöglichen Nutzen für die lokale Bevölkerung, in eine schöne Architektur mit lokaler Identität umzuwandeln. Lehm, ein früher für alle Arten von Nutzung und Grösse selbstverständlich verwendetes Baumaterial wird heute nur noch für Feldmauern und ärmlichen Wohnbau genutzt. Was fehlt sind verbesserte Bautechniken, um Lehm als angemessenes Material für modernes Bauen zu Hans Hostettler dipl. Arch. SIA / SWB Bern Prof. Dr. Otto Kölbl EPFL Ecublens VD Prof. Dr. Pierre Frey EPFL Ecublens VD Mohamed Boussalh CERKAS Ouarzazate SPONSOREN Schule für Gestaltung Bern und Biel reinhardpartner Bern team-k Burgdorf VITRINE AG Bern Reisegruppe SWB Bern Kölbl Otto (Lausanne 2010) Ecole polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL). Synthèse de l inventaire du patrimoine architectural de la Vallée du Drâa, Maroc. Frey Pierre (Lausanne 2010) Learning from Vernacular. Ausstellungskatalog Rossinière. Rademacher Christina (Bonn 2008) Gehen, damit andere bleiben können? Migration, Geschlecht und sozio-ökonomischer Wandel in einem Das Gebäude wird eine Ausbildungsstätte für nachhaltiges Bauen beherbergen. 30% der Jungendlichen in Marokko sind Analphabeten. Ausbildungsmöglichkeiten sind notwendig, um Arbeitslosigkeit zu verhindern. Die Bauwirtschaft in Marokko floriert. Es mangelt jedoch an Leitbildern für nachhaltiges Bauen, die technologisch den lokalen Verhältnissen angepasst sind und sensibel mit dem kulturellen Kontext im Dialog stehen. Das «Teaching Centre for Sustainability» bietet Jugendlichen in einem Vorort von Marrakesch die Möglichkeit, einen zukunftsorientierten Beruf zu erlernen. verwenden. In diesem Projekt übernehmen wir traditionelles Wissen ergänzt mit modernen Technologien, um den Anforderungen an Sicherheit und Komfort von heute zu entsprechen. Wir wollen zu Nachhaltigkeit motivieren und durch intelligenten Einsatz natürlicher Baumaterialien, veredelt mit modernen Technologien und passiven Entwurfsmechanismen, mit einer modernen Architektursprache begeistern. Anna Heringer, Martin Rauch, Elmar Nägele, Ernst Waibel mit Salima Naji südmarokkanischen Oasendorf. Dissertation. Schlütter Dierk (Bayreuth 2006) Stadtentwicklung, Wassermanagement und Ressourcenkonflikte in Ouarzazate. Eine sozialgeographische Analyse im südlichen Marokko. Dissertation. Knaup Julia (Marburg 2003) Oasenwirtschaft in den Maghrebländern: Typologie und regionale Kennzeichen. Liebelt Claudia (Köln 2003) Die Wasserwirtschaft im südmarokkanischen Dratal im Spannungsfeld von lokaler und staatlicher Ressourcenkontrolle. Forschungsbericht. Adam Jürgen-Axel, Harr Ulf (München 1982) Tradition Improvisation, Marokko. Studie zum Wohnen an der Fachhochschule München. Sowie weitere Einträge und Publikationen aus dem Internet. Fotos: SWB Postfach 3000 Bern 7 Dank Teaching Centre

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