Aktionsgruppen. Leitfaden. Die häufigsten Fragen

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1 Aktionsgruppen Plan International Deutschland e. V. Bramfelder Str Hamburg Telefon Fax Leitfaden Die häufigsten Fragen Immer wieder werden Aktionsgruppen-Mitgliedern detaillierte Fragen zu Plan und zur Patenschaft gestellt - nicht nur von Interessierten, sondern auch von Plan-Paten. Dieser Katalog ergänzt die Informationen aus den anderen Plan-Materialien, sodass Sie auf die häufigsten Fragen vorbereitet sind. Selbst Patin/Pate, können Sie die Arbeit von Plan und das Prinzip der Patenschaften Interessierten am besten anhand Ihres eigenen Patenkindes nahe bringen. Inhaltlich reichen die eigene Patenschaft und das allgemeine Informationsmaterial über Plan aus. Lesen Sie immer wieder mal gründlich z.b. die Broschüre Öffne deine Augen... und die Hintergrundinfoblätter Kindorientierte Gemeindentwicklung sowie Das Plan-Patenschaftsmodell oder gehen Sie Ihre Patenmappe durch. Als Aktionsgruppen-Mitglied erhalten Sie auch weitere Informationen. Jedoch kann niemand von ehrenamtlichen Paten erwarten, dass sie Experten in Fragen der Entwicklungsproblematik sind oder alles über Plan wissen. Wenn Sie eine Frage nicht beantworten können, verweisen Sie bitte ruhig an das Hamburger Plan-Büro. Ein paar Stichpunkte in Kürze: - Plan arbeitet im Gegensatz zu einigen anderen Organisationen unabhängig von Volkszugehörigkeit und Religion sowie ohne politischen oder staatlichen Auftrag. - Über Patenschaften werden Selbsthilfeprojekte finanziert. Für die Verwaltung wurden im Finanzjahr 2010 bei Plan Deutschland nur 18,2% des Spendenaufkommens verwendet. - Plan Deutschland wurde das Spendensiegel des DZI (Deutsches Zentralinstitut für Soziale Fragen) zuerkannt. Dieses steht für geprüfte Transparenz und Wirtschaftlichkeit im Spendenwesen. - Interkultureller Austausch ist einer der Arbeitsansätze von Plan und wird entsprechend in die Arbeit integriert. - Im Mittelpunkt der Arbeit von Plan stehen die Kinder. - Plan engagiert sich stark für die Kinderrechte. 1

2 Inhaltsverzeichnis Plans Arbeitsweise 4 Ziele und Visionen Von der Vision zur Realität Kinder haben Rechte Kindorientierte Gemeindeentwicklung Plans Grundsatz: auf Kinder hören und sie beteiligen Fokus Mädchen Bewusstseinsveränderung durch Plan Patenschaften bei Plan International 6 Patenkinder trotz Projektarbeit in den Programmgebieten Verwendung der Patenschaftsbeiträge Auswahl eines Plan-Programmlandes Auswahl der Programmgebiete Auswahlkriterien der Patenkinder in Deutschland Abschluss der Patenschaft (kein Vertrag) Struktur International 9 Koordinierungsstelle, Nationale Organisationen, Büros vor Ort Struktur in den Plan-Programmgebieten Zusammenarbeit mit anderen Organisationen Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Gemeinden Arbeiten für Plan im Ausland Berichte über Patenfamilie und Projekte 11 Infos zu Beginn der Patenschaft Jährliche Infos und Berichte Allgemeine Informationen 12 Armut Alter des Patenkindes Foto des Patenkindes Zusammensetzung Patenfamilie Änderung des Kindnamens Gesundheitssituation des Patenkindes oder Familienmitglieds Informationen zum Schulbesuch 14 Was tut Plan? Warum ein Kind nicht zur Schule geht Schulgebühren Sonderleistungen 2

3 Besuch 15 Besuch beim Patenkind Regeln zum Schutz der Patenkinder Besuchsanmeldung Einladung nach Deutschland Korrespondenz Pate Patenkind 16 Öffnen von Briefen und Geschenken Direkte Kommunikation zwischen Paten und Patenkind Der Postweg der Patenpost Briefe vom Paten Briefe vom Patenkind Geschenke Regeln für den Geschenkversand Portoersatz bei Geschenken Keine Geschenke in die neuen Programmländer Gemeindegeschenke/Geschenke für Schulen Übersetzungen 23 Pate wünscht Originalbrief vom Patenkind ohne englische Übersetzung Gründe für Diskrepanz im Textumfang zwischen Übersetzung und Original Sonderleistungen 23 Übernahme und/ oder Beteiligung an Kosten für medizinische Versorgung Sachspenden Einzel- und Projektspenden 24 Welche Projektarten können wir zum Bespenden anbieten? Patenschaftsende 25 Beendigung durch den Paten Beendigung durch das Programmbüro Gründe für die Beendigung seitens Plan Vorschlag zur Übernahme einer anderen Patenschaft Mittelverwendung 27 Transparenz und Berichterstattung Rechnungsprüfung Kostenanteil/Aufwendungen 3

4 Plans Arbeitsweise Ziele und Visionen Plan setzt sich für eine Welt ein, in der sich alle Kinder frei entfalten und entwickeln können - in einer Gesellschaft, die Kinderrechte schützt und Kinder mit Würde und Respekt behandelt, unabhängig von Herkunft, Religion und politischen Verhältnissen. Kindorientierte Gemeindeentwicklung Plan arbeitet für Kinder und mit ihnen. Der Ansatz der kindorientierten Gemeindeentwicklung basiert auf den Rechten der Mädchen und Jungen auf Schutz, Förderung und gleichberechtigter Beteiligung gemäß der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen. Nachhaltige Entwicklung Ob Kinder, Eltern, Lehr- und Gesundheitspersonal, lokale Nichtregierungsorganisationen oder Behörden vor Ort: Gemeinsam setzen sich alle Projektbeteiligten für eine nachhaltige Entwicklung nach den Bedürfnissen und Rechten der Kinder ein. Wirksames Patenschaftskonzept Das Patenkind ist eine Art Botschafter seiner Gemeinde. Geldbeträge fließen in nachhaltige Selbsthilfeprojekte, sie werden weder an einzelne Patenkinder noch an deren Familien ausgezahlt. Patenschaftsbeiträge, Einzelspenden sowie öffentliche Mittel ermöglichen die langfristige Finanzierung der Programmarbeit. Der Austausch von Patinnen und Paten mit Kindern und Familien stärkt das interkulturelle Verständnis auf beiden Seiten. Prävention und Schutz Für den Schutz der Kinder werden präventive Maßnahmen in den sozialen Strukturen der Gemeinden etabliert, und Plan informiert umfassend über Kinderrechte. Katastrophenhilfe, Wiederaufbau und Katastrophenvorsorge Plan stellt Mädchen und Jungen in den Mittelpunkt der sofortigen Katastrophenhilfe und des mittelbaren Wiederaufbaus. Plans Schwerpunkt hierbei liegt auf Kinderschutz, Bildung und kindorientierter Katastrophenvorsorge. Der Ansatz der Prävention wird verstärkt ausgebaut, um vor den Folgen von Naturkatastrophen besser zu schützen gründete Plan Deutschland seinen Nothilfe-Fonds, um Hilfsmaßnahmen in den Partnerländern notfalls schnell und direkt unterstützen zu können. Von der Vision zur Realität Damit die Vision Realität wird, will Plan Menschen über kulturelle Grenzen hinweg verbinden und ihr Leben bereichern, indem benachteiligte Kinder, deren Familien und Gemeinden in die Lage versetzt werden, ihre eigene Grundversorgung sicherzustellen. Sie sollen die Möglichkeit erhalten, aktiv an der Entwicklung ihrer Gesellschaft mitzuwirken und daraus Nutzen ziehen zu können; der interkulturelle Austausch gefördert wird, um Verständnis und Einigkeit zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen und Länder zu verbessern; wir für die Rechte und Interessen der Kinder eintreten. Die umfassende Einbindung der Gemeinden in den Projektverlauf, die Förderung der Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen sowie die Umsetzung der Kinderrechte sind für Plan die Grundvoraussetzungen einer erfolgreichen Entwicklungszusammenarbeit. Unter Projektarbeit versteht Plan Hilfe zur Selbsthilfe. Plan will Kinder, Familien und Gemeinden in die Lage versetzen, ihre eigene Grundversorgung sicherzustellen. Die Menschen in den Projektgebieten nehmen aktiv an der Planung und Durchführung der Projekte teil und machen sie somit zu ihren Projekten. Dabei fördert Plan 4

5 die Selbstständigkeit der Menschen und den Aufbau von Strukturen innerhalb der Projektgebiete. Dieser Ansatz bringt langfristige Erfolge. Plan engagiert sich in den sechs Arbeitsfeldern Bildung Gesundheit Familienplanung und -beratung Wasser und Umwelt Einkommenssicherung Katastrophenhilfe Für sein Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit erhielt Plan 2011 den Walter-Scheel- Preis des Bundesentwicklungsministeriums. Kinder haben Rechte Plan setzt sich dafür ein, dass die Rechte der Kinder respektiert und angewandt werden. Bereits 1989 verabschiedeten die Vereinten Nationen die Kinderrechtskonvention: 54 Artikel legen weltweit geltende Rechte für Mädchen und Jungen fest. Die Beteiligung, die Gleichberechtigung und die Achtung vor der Meinung des Kindes werden genauso berücksichtigt, wie der Schutz, die Versorgung und die Förderung zum Wohl des Kindes. Plan unterstützt Workshops, Aufklärungskampagnen und Jugendclubs, in denen Kinder sich frei äußern und für ihre Rechte eintreten können. Plans Grundsatz: auf Kinder hören und sie beteiligen Will man die Situation von benachteiligten Kindern verbessern, muss man sie an Entscheidungen teilhaben lassen. Für den langfristigen Erfolg eines Programms ist es notwendig, die Sicht der Kinder und Jugendlichen zu kennen. Deshalb werden sie in viele Prozesse eingebunden. Plan nennt diesen Ansatz kindorientierte Gemeindeentwicklung (CCCD - Child Centred Community Development). Mädchen und Jungen überraschen oft durch einfache Lösungsvorschläge. Sie kennen ihr Umfeld genau und haben einen sehr klaren Blick auf ihre Lebensumstände. Plan schult und bestärkt Kinder darin, selbstbewusst ihre Rechte einzufordern und wahrzunehmen. Die kindorientierte Gemeindeentwicklung zielt nicht auf kurzfristige Ergebnisse oder Leistungen ab, sondern auf Bewusstseinsbildung und Selbstbestimmung aller Beteiligten. Die Kinder sollen von den erwachsenen Gemeindemitgliedern wertgeschätzt werden. Ihnen soll mit Achtung begegnet und ihre Kreativität gefördert werden. Der Schlüssel zu einer kindorientierten Gemeindeentwicklung ist die Partizipation aller Gruppen einer Gemeinschaft an ihrer eigenen Entwicklung. So sind die Gemeindemitglieder aufgefordert, teilzunehmen an Beratungen und Entscheidungen für Projekte im eigenen Umfeld. Für Plan ist die Gemeinde ein gleichberechtigter Partner in der Entwicklungszusammenarbeit. Fokus Mädchen Erst 1979 einigte sich die UN auf die Konvention gegen Diskriminierung von Frauen. Die im Jahre 1989 beschlossene UN-Kinderrechtskonvention spricht sich eindeutig für die Gleichstellung der Geschlechter aus. Trotzdem stehen Mädchen in vielen Ländern dieser Welt immer noch im Hintergrund. Plan verfolgt das Ziel, Mädchen und Jungen in den Programmländern den gleichen Zugang zu Gesundheit und Bildung zu ermöglichen. In den Projektgebieten verfügen die Menschen meist nur über sehr begrenzte Mittel. Diese werden eher für die Jungen als für die Mädchen einer Familie verwendet. Im Krankheitsfall erhalten Jungen eher eine ärztliche Versorgung, Jungen haben meist Zugang zu den besseren Nahrungsmitteln und die Familien bevorzugen Jungen in der Schulausbildung, vor allem wenn Schulgebühren zu zahlen sind. Diese Benachteiligung ist nicht auf die Familienebene beschränkt. Mädchen werden von den Lehrkräften oft weniger gefördert als Jungen, und in der öffentlichen 5

6 Meinung wird dem Schulbesuch von Mädchen und Jungen nicht die gleiche Bedeutung beigemessen. Jungen und Mädchen werden bei Plan deshalb gleichermaßen gefördert, jedoch unter Berücksichtigung ihrer spezifischen Benachteiligungen. Wir setzen uns dafür ein, dass Mädchen und Jungen gleiche Rechte und Chancen erhalten. Selbst bei spezifischen Benachteiligungen von Mädchen, wie der Abtreibung weiblicher Föten, arbeitet Plan ebenfalls eng mit Jungen und Männern zusammen, da sie eine wichtige Rolle für die Lösung dieser Kinderrechtsverletzung spielen. Das deutsche Büro von Plan International nimmt sich des Themas langfristig an. Indem wir in Ausstellungen, Werbeaktivitäten oder Zeitungsartikeln auf die Situation der Mädchen und ihre Benachteiligung aufmerksam machen, erreichen wir, dass viele Menschen in Deutschland mehr über die Diskriminierung von Mädchen erfahren, die sie allein wegen ihres Geschlechts erleiden. Hierauf macht Plan Deutschland mit seiner Mädchen-Kampagne aufmerksam und stellt gezielt Mittel zur Verfügung - zum Beispiel über den Mädchen-Fonds oder Mittel, die über Sinnvoll schenken eingeworben werden. Bewusstseinsveränderung durch Plan Das Bewusstsein in der Gemeinde verändert sich, was laut Aussage der Teams vor Ort - auch auf die lange Partnerschaft zwischen Plan und der Gemeinde sowie auf die Aufklärungsarbeit und Sensibilisierungsprogramme zurückzuführen ist. Die Einstellung der Gemeindemitglieder zu speziellen Themen verändert sich: Sei es die Gleichberechtigung, sei es der Bereich Gesundheit, insbesondere HIV/Aids, Tuberkulose oder allgemeine Hygienemaßnahme, aber auch Tabuthemen und Traditionen wie die weibliche Genitalverstümmelung. Diese alten überlieferten Bräuche werden thematisiert und ein Umdenken beginnt. Ein für Plan besonders großes Anliegen sind die Rechte der Kinder und diese werden vermehrt wahrgenommen. Die Kinder sind sich ihrer Rechte bewusst. Aus Indien wissen wir, dass bei der Einstellung der Eltern gegenüber der Bildung von Mädchen eine positive Veränderung festzustellen ist. Die Eltern sind bereit, ihre Töchter in die Schule zu schicken und sie an außerschulischen Aktivitäten teilnehmen zu lassen. In Indien ist auch eine leichte Veränderung bei der Einstellung zu Kinderehen erkennbar. Patenschaften bei Plan International Mit einer Patenschaft unterstützen Paten die Projektarbeit in den Plan-Programmländern. Unter Projektarbeit versteht Plan Hilfe zur Selbsthilfe. Plan arbeitet in den Arbeitsbereichen Gesundheit, Bildung, Familienplanung und -beratung, Wasser/Umwelt, Einkommenssicherung und Katastrophenhilfe. Die Familien in den Projektgebieten nehmen aktiv am Entwicklungsprozess teil. Gemeinsam wird der Bedarf an Projekten vor Ort zwischen Gemeinden und Plan-Mitarbeitern diskutiert, werden Maßnahmen geplant und durchgeführt. So fördern wir Selbstständigkeit, Selbstbewusstsein und Eigeninitiative. Mit einer Patenschaft helfen Paten nicht nur einem Patenkind, sondern seinem gesamten Lebensumfeld, beispielsweise durch Brunnen- und Schulbauprojekte oder durch die Errichtung einer Gesundheitsstation. Plan berät die Partnergemeinden in Fragen, die die landwirtschaftliche Produktion betreffen, schafft durch Aufklärungskampagnen mehr Wissen in den Bereichen Ernährung, Hygiene oder Familienplanung und vermittelt Kenntnisse, wie eine Verwaltung von Projekten ohne Hilfe von außen möglich sein kann. Informationskampagnen durch Plan stärken aber auch die Beachtung der Kinderrechte oder machen die Bedeutung der Geburtenregistrierung deutlich. Patenkinder trotz Projektarbeit Wir verbinden heute unsere langjährigen Erfahrungen des Patenschaftskonzepts mit modernen Erkenntnissen in der Entwicklungszusammenarbeit. Mit Patenschaften und regelmäßigen 6

7 Spenden kann langfristig und gesichert geholfen werden. Plan ist eine der wenigen Hilfsorganisationen, die regelmäßig auf der Ebene der einzelnen Familien Daten für die Projektarbeit sammelt und auswertet. Diese Daten, die die momentane Situation darstellen, bringen uns aktuelle Erkenntnisse zum Bedarf in den Projektgebieten und zu den Projektergebnissen. Es ist den Paten möglich, durch Berichte über die Entwicklung und durch Austausch von Briefen an der Projektarbeit teilzuhaben. Das Patenkind sehen wir als Botschafter einer Gemeinde, wodurch die Projekte ein "menschliches Gesicht" bekommen. Dieses ist uns sehr wichtig, denn das Kind steht immer im Mittelpunkt unserer Arbeit. Eines unserer Anliegen ist der interkulturelle Austausch zwischen den Kontinenten und Kulturen, welcher zu mehr Verständnis weltweit führt und die kindbezogene Projektarbeit unterstützt. Kinder lernen durch die Kommunikation mit den Paten, sich in Briefen oder Zeichnungen auszudrücken. Sie werden somit als eigenständige Persönlichkeit wahrgenommen, schöpfen Selbstvertrauen und werden in ihrer Entwicklung gefördert. Die Patenschaft in den Programmgebieten Verwendung der Patenschaftsbeiträge Paten unterstützen im Rahmen ihrer Patenschaft nachhaltige Selbsthilfeprojekte in dem Lebensumfeld ihres Patenkindes. Erfahrungsgemäß hat es wenig Sinn, nur einem einzelnen Kind zu helfen, da seine ganze Lebensgemeinschaft mitwachsen muss. Paten helfen also mit, das gesamte soziale Umfeld des Patenkindes dauerhaft zu verbessern. Plan-Projekte können zum Beispiel die Errichtung einer Krankenstation oder einer Schule sein, Aufklärungskampagnen in Gesundheitsfragen, die Durchführung von Einkommen schaffenden Maßnahmen oder der Bau eines Brunnens. Die Familien nehmen aktiv an der Planung und Durchführung der Projekte teil. Diese Teilnahme schafft Selbstständigkeit und ist somit eine nachhaltige Hilfe für das gesamte Lebensumfeld eines Kindes. Dagegen schaffen direkte Zahlungen an die Familien Abhängigkeit und verbessern die Situation nicht langfristig. In unseren Broschüren, auf unseren Internetseiten und in Marketingaktionen machen wir deutlich, dass Plan mit Projekten und nicht mit Direktauszahlungen Kindern und ihren Familien hilft. Auswahl eines Plan-Programmlandes Besonderes Gewicht bei der Auswahl eines neuen Partnerlandes kommt dem Human Development Index (HDI) zu dieser ist jährlich Teil des Weltentwicklungsberichtes der Vereinten Nationen. Der HDI ist ein Indikator für den wirtschaftlich-sozialen Fortschritt eines Landes und setzt sich aus drei Komponenten zusammen: Lebenserwartung (bei Geburt), Bildungsrate (Einschulungsquote und Analphabetenquote der Erwachsenen) und Lebensstandard (reale Kaufkraft pro Kopf). Dieser HDI darf nicht mehr als 0,72 Punkte betragen. Zum Vergleich: Norwegen ist auf dem 1. Platz mit einem Index von 0,938 Punkten, Deutschland auf Platz 10 mit 0,885 Punkten, Peru mit 0,723 auf Platz 63 und auf dem letzten Platz ist Zimbabwe mit einem Index von 0,140 Punkten (Zahlen aus dem Jahr 2010). Weitere Kriterien für die Auswahl eines Landes: Plan muss politisch gewollt das Land muss politisch stabil sein die Regierung geht humanitäre Verpflichtungen im eigenen Land ein die Regierung verpflichtet sich vertraglich, Plan die Projekthoheit zu überlassen (die Gelder müssen über Plan-eigene Konten fließen) 7

8 ausreichende Bevölkerungszahl (Bevölkerungsdichte/Wirtschaftlichkeit der Programmarbeit) keine Überschneidung mit anderen Patenschaftsorganisationen angemessene interne und externe Kommunikationsmöglichkeiten und andere logistische Unterstützung die Kindersterblichkeitsrate liegt pro 1000 Lebendgeburten bei über 40 Sterbefällen Auswahl der Programmgebiete Die Programmgebiete werden nach ihrer Bedürftigkeit ausgewählt. Ausschlaggebend sind eine hohe Analphabetenrate, geringes Einkommen und hohe Kindersterblichkeit. Plan konzentriert sich auf die besonders hilfsbedürftigen Gebiete und arbeitet hier mit den Regierungsstellen eines Landes zusammen. Im nächsten Schritt stellt Plan den ausgewählten Gemeinden das Konzept vor. Die Bereitschaft der Gemeindemitglieder für eine kooperative und langfristige Zusammenarbeit ist maßgeblich für den Beginn der Arbeit. Zu den weiteren Schritten gehören die Bedarfsanalyse mit der Gemeinde und erste Planungen über Ziele und Projekte. Wenn diese Gespräche zwischen Plan und einer Gemeinde erfolgreich verlaufen sind, werden Patenkinder aufgenommen. Auswahlkriterien der Patenkinder Bei den ersten Gesprächen mit den Menschen in einer neuen Gemeinde werden auch die Aufnahmekriterien für Patenkinder erklärt. Plan bittet darum, ein Kind zwischen 1 und 12 Jahren als Patenkind zu benennen. Die Familien, die sich vor Ort zu einer Partnerschaft mit Plan entschlossen haben, bestimmen in der Regel selbst, welches ihrer Kinder Patenkind wird. Vielfach sind es die Mütter, die diese Auswahl treffen. Die Familien werden ermutigt, das jüngste Kind auszuwählen für den längeren Bestand einer Patenschaft. In manchen Gebieten helfen auch Kinder- und Jugendgruppen bei der Entscheidung, welche Kinder Patenkinder werden. Durch die Aufnahme von mehr als einem Kind pro Familie kann auch in abgeschiedenen und gering bevölkerten Gegenden eines Projektgebietes erfolgreich gearbeitet werden. In vielen Ländern leben gerade die Randgruppen und die Ärmsten der Armen in schwer erreichbaren, ländlichen Gemeinden. Diese Aufnahmerichtlinie ermöglicht es Plan, auch diesen Teil der Bevölkerung zu erreichen. Die Kosten für die Patenbetreuung in den Projektgebieten können reduziert und gleichzeitig der Kontakt zu den Kindern und ihren Familie vertieft werden, wenn mehr als ein Patenkind in der Familie leben. Das Budget kann gezielter in einer überschaubaren Anzahl von Gemeinden eingesetzt werden. Plan-Mitarbeitern können die Gemeinden gut betreuen und häufiger besuchen auch ein deutlicher Vorteil für die regelmäßige Kommunikation. Ein wichtiger Punkt ist auch unser Arbeitsansatz der kindorientierten Gemeindeförderung (CCCD): Alle Kinder einer Gemeinde sollen mit in die Programmarbeit einbezogen werden. Die Familie eines Patenkindes hat somit keinen zusätzlichen Vorteil von Plans Seite aus, außer in Bezug auf die Kommunikation mit den Paten. Auch wenn die internationalen Richtlinien ermöglichen, mehrere Kinder pro Familie als Patenkinder aufzunehmen, haben wir keine Informationen darüber, ob es Geschwister- Patenkinder in der Familie gibt und welcher Nationalen Organisation diese zugewiesen sind. Da jedoch alle Familienmitglieder von der Projektarbeit profitieren und häufig auch an der Korrespondenz teilhaben, kommt eine Patenschaft ohnehin auch den Geschwisterkindern zugute. 8

9 Die Patenschaft in Deutschland Abschluss der Patenschaft (kein Vertrag) Patenschaftsbeiträge sind freiwillige regelmäßige Spenden. Mit der Übernahme einer Patenschaft wird kein Vertrag zwischen dem Paten und Plan abgeschlossen. Wir verstehen die Zusage, eine Patenschaft übernehmen zu wollen, als Bereitschaft und Absicht, regelmäßige Beitragszahlungen für eine Patenschaft vorzunehmen. Diese regelmäßigen Spenden machen die langfristig angelegte Projektarbeit innerhalb des Umfeldes des Patenkindes erst möglich und sichern die Vorhaben, die Plan zusammen mit den Gemeinden mittel- und langfristig vereinbart hat. Paten können die Patenschaft jederzeit beenden und die Beitragszahlungen einstellen. Fristen müssen dabei nicht beachtet werden. Plan bittet in einem solchen Fall aber um Nachricht, um über die Wünsche des Paten informiert zu sein. In dem Fall der Beendigung sucht Plan so schnell wie möglich einen neuen Paten für das Patenkind. Struktur international In weit mehr als sechzig Ländern weltweit ist Plan tätig Länder, in denen die Programmarbeit durchgeführt, solche, wo die Paten und Spender betreut werden, und solche, wo beides gleichzeitig geschieht. Wie die Organisation strukturiert ist, zeigt das Folgende: Koordinierungsstelle (IH International Headquarter) Das IH oder International Headquarters ist die internationale Koordinierungsstelle von Plan. Einige der Aufgaben der Koordinierungsstelle: Strategien entwickeln (gemeinsam mit den Regionalen, Nationalen und Länderbüros) die internationale Arbeit koordinieren Plan-Büros bei der Lösung von Problemen unterstützen IH-Mitarbeiter regelmäßig an internationalen Meetings teilnehmen lassen Gelder von den Nationalen Organisationen ins Field transferieren Das Büro ist in Woking bei London. Hier arbeitet auch der internationale Geschäftsführer (CEO/Chief Executive Officer). Nationale Organisationen (NO) In 18 Ländern weltweit suchen wir Paten, werben um Einzelspenden und informieren die Öffentlichkeit sowohl über Themen zum Schutz und Wohlergehen von Kindern als auch über den Ansatz der "Hilfe zur Selbsthilfe" und die Entwicklung in den Programmländern. Zusätzlich zu den reinen NOs gibt es zwei Länder, die FCNOs (Field Country National Organisations) genannt werden: Indien und Kolumbien. In diesen Ländern werden sowohl klassische Programmarbeit betrieben wie auch Fundraising-Aktivitäten. Die Büros vor Ort (Field) Die Bezeichnung Field wird innerhalb Plans für die Programmländer benutzt dahinter verbergen sich die Regionalbüros, Länderbüros und Programmbüros. Struktur in den Plan-Programmgebieten Plan führt in vier Regionen Projektarbeit durch: Westafrika, Ost-/Südafrika, Mittel-/Südamerika und Asien. Innerhalb der Regionen sind die Partnerländer mit den jeweiligen Länderbüros. In den Programmgebieten befinden sich dann wiederum die kleineren Programmbüros. Regionalbüros (Regional Office) Den Vorsitz hat hier jeweils ein Regionaldirektor in den weltweit vier Regionen: WARO (Western Afrika Regional Office) Sitz Dakar/Senegal, RESA (Regional Office East and South Africa) Sitz Nairobi/Kenia 9

10 ROA (Regional Office of the Americas) Sitz Panama Stadt/Panama ARO (Asian Regional Office) Sitz Bangkok/Thailand Länderbüros (Country Office) Geleitet wird ein Länderbüro vom Country Director. Ihm stehen in einem leitenden Team Manager für die Bereiche Administration/Finanzen, für Programmarbeit und für den Bereich Sponsorship (Patenbetreuung) zur Seite. Programmbüros (Program Units, Field Offices, ES4) Programmbüros koordinieren die Arbeit in einem Projektgebiet und sind dem Länderbüro unterstellt. Sie werden von einem Program Unit Manager (PUM) geleitet. Der Sponsorship- Manager im Länderbüro berät die Programmbüros in Patenbetreuungsangelegenheiten. Zusammenarbeit mit anderen Organisationen Es ist Prinzip von Plan, die Arbeit vor Ort mit anderen Organisationen zu koordinieren. So arbeitet Plan im Rahmen von Projekten und Kampagnen häufig mit internationalen, nationalen und lokalen Organisationen oder auch mit staatlichen Stellen und Regierungen zusammen. Die Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen geschieht beispielsweise vorrangig dann, wenn für die Durchführung von Projekten/Programmen ein spezielles Wissen erforderlich ist, über das Plan nicht verfügt. In diesem Fall schließt sich Plan mit Partnerorganisationen zusammen, um Projekte gemeinsam zu realisieren. Plan ist in verschiedenen Netzwerken vertreten und arbeitet gemeinsam mit anderen internationalen Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit. Gerade im Bereich der Humanitären Hilfe ist die Abstimmung und Kooperation mit anderen Organisationen wichtig und notwendig. Um auch auf Regierungsebene für die Umsetzung gemeinsamer Ziele stärker auftreten zu können, kooperiert Plan mit anderen Organisationen. Indien stellt als Programmland eine Ausnahme dar. Aufgrund der gesetzlichen Situation ist es ausländischen Nicht-Regierungs- Organisationen in Indien nicht erlaubt ohne eine indische Partnerorganisation tätig zu sein. Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Gemeinden In den Plan-Gemeinden setzen sich ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Arbeit von Plan ein. Dieses können auch die Eltern, Familienangehörige von Patenkindern oder andere Mitglieder der Gemeinde sein und immer mehr auch Kinder oder Jugendliche selbst. Ehrenamtliche Gemeindehelfer stehen dem Plan-Mitarbeiter bei der Erstellung von Fortschrittsberichten zur Seite oder unterstützen die Patenkinder beim Briefeschreiben und sammeln die Briefe ein (Informationen zur Erstellung von Dokumenten werden als erste Kontaktaufnahme zwischen Plan und den Familien von festen Mitarbeitern erhoben!). Auch helfen sie bei der Beschaffung von Materialien für die Projekte in ihrer Gemeinde. Sie leben und arbeiten in der Gemeinde und haben den direkten Kontakt zu den Familien eine wichtige Basis für die erfolgreiche Arbeit von Plan. Wer für Plan dieses Ehrenamt übernehmen möchte, sollte innerhalb der Gemeinde anerkannt sein und sich für diese besonders einsetzen wollen. Um ehrenamtlicher Gemeindehelfer zu sein, ist kein spezieller Beruf und kein bestimmtes Alter erforderlich. So kann beispielsweise eine Gruppe von Kindern als ehrenamtliche Gesundheitshelfer in Schulen tätig sein. Von großer Bedeutung ist aber, dass die ehrenamtlichen Kräfte schreiben und lesen können, woran die Mitarbeit in einigen Ländern schließlich scheitert. Weiterhin sollte ein Gemeindehelfer Menschen anleiten, sich unterschiedlichen Anforderungen gegenüber flexibel zeigen und Konfliktsituationen meistern können. Ein Gesundheitshelfer sollte 10

11 darüber hinaus ein Grundwissen im Gesundheitsbereich und Erfahrung in der Arbeit als Gesundheitsbetreuer haben. Dies ist die Theorie! In der Praxis ist die Umsetzung in mehrfacher Hinsicht problematisch. So funktioniert ein Ehrenamt vielerorts nicht ohne eine gewisse Motivation bestenfalls in Form materieller Dinge: ein kleines Entgelt, ein Fahrrad oder beispielsweise ein neues Dach über dem Kopf. Wer während der Erntezeit den Großteil des Tages in die Feldarbeit eingespannt ist, kann am Abend nicht noch zahlreiche Patenkinder und ihre Familie betreuen. Teilweise sind einem Gemeindemitarbeiter mehr als 300 Patenkinder zugeteilt. Und diejenigen innerhalb der Gemeinde, die lesen und schreiben können, bekommen leichter eine bezahlte Anstellung und stehen somit aus Zeitgründen nicht mehr zur Verfügung. Arbeiten für Plan im Ausland Grundsätzlich ist es nicht möglich für Plan in den Programmgebieten zu arbeiten. Vor Ort beschäftigen wir möglichst Einheimische, die mit den kulturellen Gegebenheiten vertraut sind und die lokale Sprache sprechen. Plan ist es wichtig, langfristig Arbeitsplätze und Chancen für die Menschen vor Ort zu schaffen. Arbeitseinsätze kurz oder lang bedürfen einer Einarbeitung und Betreuung. Diese Zeit fehlt wiederum den Plan-Mitarbeitern für die Erledigung der Arbeit. Somit sind Einsätze vor Ort für Plan nicht effizient. Um die Sicherheit des Mitarbeiters zu gewährleisten, müssten Arbeitseinsätze in oftmals unsichere Gebiete begleitet und betreut werden. Diese Sicherheitsmaßnahmen würden zusätzlich Zeit benötigen und Kosten verursachen. Berichte über Patenfamilie und Projekte Plan ist es wichtig, die Paten umfassend und regelmäßig über Veränderungen in der Patenfamilie zu informieren. Darüber hinaus sollen Paten ausführliche Informationen zu Projekten und Hintergründen bekommen. Aus diesem Grund wurden verschiedene Dokumente erstellt, die Paten zur Verfügung gestellt werden. Im Laufe der Patenschaft bekommen Paten folgende Berichte: Informationen über Patenkind und Familie (Sponsored child introduction) Zu Beginn einer Patenschaft erhalten Paten Basisinformationen zum Patenkind und seiner Familie gibt, und zwar in Form von Aufzählungen und kurzen erklärenden Textpassagen. Dem Dokument liegen zwei Fotos vom Patenkind und der Familie bei. Gebietsbeschreibung (Area overview) Die Gebietsbeschreibung wird unter Einbeziehung von Kindern und deren Gemeinden erarbeitet und dem Dokument zum Patenkind angehängt. Die Meinungen der Kinder können als Zitate einfließen. Das Dokument hat eine standardisierte Überschrift und Einleitung. Der Leser soll einen Überblick über das Gebiet erhalten, in dem das Patenkind lebt. Von Bedeutung ist eine Beschreibung des Bedarfs an Maßnahmen, die zur Verbesserung der Situation beitragen würden. Das Dokument umfasst zwei Seiten mit drei bis fünf Farbfotos und einer Landkarte des beschriebenen Gebietes. Programmstrategie (Country strategic plan summary ) Die Programmstrategie ist eine Kombination aus allgemeiner Länderinformation und dem Entwicklungsplan des Landes. Es handelt sich um eine Zusammenfassung des Strategieplans, der alle fünf Jahre für jedes Programmland erstellt wird. Wir versenden dieses Papier mit der Patenmappe. Das zweiseitige Dokument enthält drei bis fünf Fotos. Der Inhalt bezieht sich auf 11

12 die Projektaktivitäten und die Hauptanliegen auf Länderebene und wird in einer leicht verständlichen Sprache formuliert. (Dieses Dokument wird schrittweise durch ein neues Papier ersetzt Plan in ) Einmal im Jahr bekommt der Pate: Entwicklungsbericht (Sponsored child update) Der Entwicklungsbericht ist ein einseitiges Dokument und ebenfalls eine Mischung aus Aufzählungspunkten und kurzen erklärenden Textpassagen. Es birgt Basis-Informationen über die Familie, über Bildung sowie Gesundheit und wird über eventuelle wichtige Veränderungen im Leben der Patenfamilie berichten. Darüber hinaus finden wir hierin eine kurze Liste von Projekten, die im Umfeld des Patenkindes durchgeführt wurden/werden. Das Dokument wird jährlich erstellt und begleitet von einer aktuellen Gebietsbeschreibung, die über Entwicklungen im weiteren Lebensraum des Patenkindes berichtet. Aktuelle Gebietsbeschreibung (Area update) Dieser Entwicklungsbericht stellt einige Projekte innerhalb des Gebietes, in dem das Patenkind lebt, vor. Hierbei handelt es sich um ein Dokument, das in Zusammenarbeit mit den Kindern und den Gemeindemitgliedern erstellt wird. Zitate von Kindern sind angedacht, um die Sichtweise der Kinder auf die Geschehnisse in ihrem Lebensumfeld zu zeigen. Das Dokument wird jährlich erstellt. Auch hier finden wir eine standardisierte Überschrift und Einleitung. Das Dokument besteht aus zwei Seiten mit drei bis fünf Farbfotos. Auf unseren Internetseiten stellen wir weitere Informationen zu den einzelnen Programmländern, den jeweiligen Länderstrategien und Arbeitsschwerpunkten zur Verfügung. Diese sind jederzeit unter Wo wir arbeiten einzusehen. Allgemeine Informationen Armut Armut und Bedürftigkeit äußern sich sehr unterschiedlich und sind nicht immer offensichtlich. Armut hat jedoch viele Gesichter, die sehr vielfältige Hintergründe haben können. Die Information über den Besitz eines Hauses, der in den Berichten erwähnt wird, sagt nichts über die tatsächliche Situation aus. So kann sich das Haus in einem sehr schlechten Zustand befinden oder wie oft üblich nicht auf eigenem Grund und Boden stehen. Aber auch die Einkommenssituation kann leicht fehlgedeutet werden. Die Eltern haben vielleicht beide eine Arbeitsstelle, aber die niedrigen Löhne reichen trotzdem nicht aus, um die Familie zu versorgen. Aus unserer Erfahrung wissen wir, wie wichtig es den Menschen vor Ort ist, bei den Fotoaufnahmen für die Patenschaftsunterlagen würdevoll abgebildet zu werden. Sie tragen dafür ihre beste Kleidung oder leihen sich Kleidungsstücke innerhalb der Familie oder Gemeinde. Natürlich gibt es Gebiete, in denen die Bedürftigkeit der betreuten Familien in Bild und Bericht deutlich erkennbar ist. Dieses trifft besonders auf die Länder Afrikas zu. Aber auch in anderen Ländern haben die Kollegen vor Ort die jeweilige Lebenssituation der Patenfamilien geprüft, bevor sie in unser Patenschaftsprogramm mit der Projektarbeit aufgenommen wurde. Das wesentliche Kriterium für die Aufnahme ist die Bedürftigkeit der Familie. Alter des Patenkindes Einem Datum wird in vielen Ländern, besonders in Afrika, keine große Bedeutung beigemessen. Dies gilt auch für das Geburtsdatum, welches vielerorts nicht gefeiert wird. Angaben zum Geburtsdatum können meistens nur vage gemacht werden, da oft bedeutende Ereignisse als Erinnerungshilfe dienen, beispielsweise eine besonders gute Ernte oder ein Naturereignis. 12

13 Offizielle Geburtsregister werden nicht in allen Programmländern oder in allen Gebieten eines Landes geführt. Es sind vor allem Kinder aus armen Familien und Kinder ethnischer und religiöser Minderheiten, sowie Mädchen, die nicht registriert werden. Geburtenregistrierung ist ein fundamentales Recht. Deshalb arbeitet Plan eng mit anderen Hilfsorganisationen an Maßnahmen zur Registrierung. Ohne eine Urkunde oder eine Eintragung in den Meldestellen sind die Kinder nicht sichtbar und haben kaum Rechte. Das genaue Geburtsdatum ist daher im Nachhinein schwer feststellbar und bei Befragungen damit nicht verfügbar. Fragt man die Familien im Rahmen der Datenerfassung für die jährlichen Fortschrittsberichte, werden immer wieder unterschiedliche Angaben zum Alter der Patenkinder gemacht. Foto des Patenkindes Kinder wirken auf den Fotos oft nicht fröhlich und entspannt, denn Fotografieren ist für Menschen in vielen Regionen der Plan-Programmländer ungewöhnlich. Angst vor der unbekannten Technik oder Scheu vor Fremden können Gründe sein. Fotos werden größtenteils von Plan-Mitarbeitern gemacht. Viele Familien legen Wert darauf, auf den Fotos besonders gut gekleidet zu sein. Viele tragen ihre besten Kleidungsstücke oder leihen sich extra für das Foto etwas aus. Oft werden die Fotos vor dem Haus der Patenfamilie oder vor einem Plan-Projekt aufgenommen, um hier auch das Umfeld zu zeigen. Die Patenkinder und ihre Familien erhalten einen Abzug der Fotos. Nicht immer kann das Geschlecht des Kindes per Foto bestimmt werden. Wie selbstverständlich entscheiden wir nach uns bekannten Kriterien wie Haarlänge oder Kleidung. Die Haarlänge ist nicht unbedingt ein Hinweis auf das Geschlecht. In Asien beispielsweise gibt es viele Jungen mit langen und Mädchen mit kurzen Haaren. Dies hängt oftmals mit einer religiösen Tradition zusammen, die Haare auch bei Jungen so lange nicht zu schneiden bis im Alter von ca. 4-7 Jahren die Haare in einer rituellen Zeremonie geschoren werden. Patenkinder wirken manchmal klein für ihr Alter. Dies kann eine Folge von Mangel- oder Unterernährung sein. In anderen Fällen wirken Jugendliche sehr erwachsen und ernst für ihr Alter. In den Programmländern müssen die Kinder und Jugendliche oft schon früh Verantwortung übernehmen und auch körperlich arbeiten. Zusammensetzung Patenfamilie In vielen Programmländern Afrikas und Asiens leben Menschen in Großfamilien, besonders im ländlichen Raum. Das bedeutet, dass mehrere Kernfamilien (Eltern und eigene Kinder) in einem engen Verbund leben. Dabei unterscheiden die einzelnen Kinder und ihre Eltern nicht, ob es sich bei den Kindern innerhalb der Großfamilie um wirkliche Geschwisterkinder, Halbgeschwister oder Cousinen und Cousins handelt. Der Mutterbegriff wird ebenfalls anders gesehen, denn auch die Tanten eines Kindes im Familienverbund werden als Mütter bezeichnet. Werden bei den jährlichen Befragungen jeweils andere Familienmitglieder angetroffen und interviewt, ist die Wahrscheinlichkeit für abweichende Informationen hoch. Dabei kann es geschehen, dass beispielsweise in einem anderen Ort arbeitende Angehörige als Teil der Familie gesehen werden oder nicht. Die Verwandtschaft sieht die Familienzusammensetzung jeweils aus ihrem eigenen persönlichen Blickwinkel. Änderung des Kindnamens Es kann mehrere Gründe dafür geben, dass ein Brief an den Paten nicht den bekannten Kindnamen aufführt oder wir den Paten über eine Namensänderung informieren müssen. Es ist möglich, dass es bei der Erfassung der Kinddaten zu einer falschen Buchstabierung, falsche Transkription oder zu einem Tippfehler gekommen ist. Viele Kinder haben auch mehrere Vorund Nachnamen, die nicht immer alle angegeben werden. Eventuell ändert sich auch nur der Rufname des Kindes über die Zeit (aus traditionellen Gründen). 13

14 Gesundheitssituation des Patenkindes oder Familienmitglieds Paten erhalten in den jährlichen Fortschrittberichten Informationen zum Gesundheitszustand des Patenkindes. Diese basieren auf dem Kenntnisstand am Tage des Interviews und sollen sich auf den Gesundheitszustand des abgelaufenen Jahres beziehen. Daher kann es vorkommen, dass in Briefen des Patenkindes von Erkrankungen die Rede ist, die in den Berichten nicht aufgeführt sind. Was die Patenfamilie über sich preisgeben möchte, liegt allein in ihrer persönlichen Entscheidung und wird von Plan in jedem Fall respektiert. Besonders kritische Themen werden bei den Patenfamilien nicht angesprochen. Beispiele dafür sind Fragen zu einer HIV-Infektion, zu körperlich oder geistigen Einschränkungen und zur Genitalverstümmelung. Plan empfiehlt auch den Paten, von solchen Fragen Abstand zu nehmen und die Privatsphäre zu achten. Informationen zum Schulbesuch Arbeitsbereich Bildung Bildung ist ein wichtiger Arbeitsbereich von Plan. Ziel ist es, jedem Patenkind Zugang zu einer Grundschulausbildung zu ermöglichen. Auch für die Paten ist Bildung ein sehr wichtiges Thema. Viele erwarten, durch die Patenschaft einem Kind den Zugang zu Bildung zu verschaffen. Was tut Plan? Plan baut zusammen mit den Gemeinden Schulen oder stattet bestehende Schulen besser mit Schulbüchern oder Mobiliar aus. Plan organisiert Fortbildungskurse für Lehrpersonal und engagiert sich auch für besondere Bildungsmaßnahmen, wie beispielsweise Schreibkurse für ältere Kinder oder Erwachsene sowie außerschulischen oder praxisbezogenen Unterricht. Außerdem leistet Plan in den Gemeinden Aufklärungsarbeit, um die Familien bzw. die Patenkinder zum Schulbesuch zu bewegen. Plan berät die Familien und macht auf die Chancen aufmerksam, die eine Grundschulausbildung eröffnen kann. Warum ein Kind nicht zur Schule geht Es gibt vielfältige Gründe dafür, weshalb Kinder nicht zur Schule gehen. In manchen Gemeinden sind keine Schulen vorhanden, nicht gut ausgestattet oder es stehen keine ausgebildeten Lehrkräfte zur Verfügung. In manchen Projektgebieten sind die Entfernungen einfach zu weit oder die Wege zu gefährlich. Familien sind oftmals auch auf die Mithilfe der Kinder in der Hausoder Feldarbeit angewiesen oder können das Schulgeld nicht aufbringen. Plan motiviert die Kinder und Familien, die Schule zu besuchen. Zwingen kann Plan die Eltern jedoch nicht. Wenn die Einsicht in den Sinn eines Schulbesuchs fehlt, kann Plan zu diesem Zeitpunkt nichts weiter unternehmen. Wir empfehlen dem Paten, in Briefen an die Patenfamilie auf die Wichtigkeit von Bildung hinzuweisen. Dies kann durchaus dazu führen, dass die Eltern ihre Entscheidung überdenken und die Kinder in die Schule schicken. Schulgebühren In einigen Ländern bezahlt Plan für besonders bedürftige Familie die Schulgebühren. Langfristig muss Plan versuchen, dass die Familien dieser Kinder die Schulgebühren selbst aufbringen können. Da Plan immer nur für eine begrenzte Zeit innerhalb bestimmter Projektgebiete arbeitet, wird die Fortsetzung der Schulausbildung nur mit der finanziellen Unabhängigkeit und Selbstständigkeit der Familien möglich. So kommt Projekten im Kleinkreditbereich, zum Beispiel zum Aufbau eines kleinen Geschäfts oder Gewerbes, eine andere Bedeutung zu. Hiermit kann Plan Alternativen schaffen, damit die Familien die Schulgebühren langfristig selber tragen können. 14

15 Sonderleistungen Manche Paten fragen nach der Möglichkeit von Sonderspenden für Patenkinder. Einige würden ihrem Patenkind gerne Bargeld oder Sachspenden zukommen lassen. Andere fragen nach Wegen, Schulgebühren oder Kosten für die medizinische Versorgung des Patenkindes zu übernehmen. Wir lehnen Sonderspenden jeglicher Art für ein einzelnes Patenkind oder die gesamte Familie ab, da sie nicht mit dem Konzept von Plan vereinbar sind. Mit einer Sonderspende werden ein einzelnes Patenkind und seine Familie aus ihrer Gemeinschaft herausgehoben. Plan hilft aber allen Mitgliedern einer Gemeinde und fördert die Entwicklung der Eigenständigkeit. Eine Sonderleistung für eine Familie ruft Neid und Missgunst bei den anderen Gemeindemitgliedern hervor. Dieses kann dazu führen, dass die bevorzugte Patenfamilie isoliert wird. Für die Realisierung der Projekte ist ein starker Zusammenhalt der Gemeindemitglieder unabdingbar - Isolation, Neid und Missgunst sind nicht förderlich. Für Gemeindemitglieder erscheint eine Extrazuwendung nicht transparent, sondern willkürlich. Die Familien in der Nachbarschaft können nicht verstehen, warum eine einzelne Familie bevorzugt wird. Verständlicherweise kommt es zu Gefühlen von Misstrauen und Vertrauensverlust gegenüber Plan-Mitarbeitern. Besuch Wie geht ein Besuch des Patenkindes vor Ort vonstatten, was müssen Paten tun? Wie wird so ein Besuch organisiert, was muss bei der Reiseplanung berücksichtigt werden und wie steht Plan den Paten zur Seite? Besuch beim Patenkind Ein Besuch bei dem Patenkind ist für Paten und Patenkind meistens ein unvergessliches Erlebnis. Die Paten haben die Gelegenheit, ihr Patenkind persönlich kennenzulernen und so die Verbindung zu vertiefen. Plan unterstützt und fördert diese Besuche, denn die Paten gewinnen so einen Einblick in unsere Arbeit und die Gegebenheiten vor Ort. Das schafft Vertrauen und stärkt die Bindung zu Plan. Diese Paten können aus erster Hand über unsere Arbeit berichten und überzeugen auf diesem Weg oft noch andere Menschen davon. In enger Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort klären die Mitarbeiter des Hamburger Büros organisatorische Fragen rund um den Besuchstag. Um die Anreise, Hotelbuchungen und notwendige Impfungen kümmert sich der Reisende selbst. Wie läuft ein Besuchstag vor Ort ab? Die Paten fahren in der Regel gemeinsam mit einem Mitarbeiter von Plan in die Gemeinde des Patenkindes. Auf dem Weg dorthin werden ihnen oft einige Projekte von Plan vorgestellt, um ihnen einen umfassenderen Einblick in die Arbeit von Plan zu geben. Danach folgt der wohl wesentliche Teil: das Treffen mit dem Patenkind. Viele Besucher werden dann festlich von der ganzen Gemeinde begrüßt. Zum Schutz der Patenkinder hat Plan einige Regeln festgelegt: Ein Besuch des Patenkindes beschränkt sich auf einen Tag und muss in Begleitung eines Plan- Mitarbeiters stattfinden. Plan ist es wichtig, dass das Patenkind während des Besuchs innerhalb der Gemeinde bleibt und seine vertraute Umgebung nicht verlässt. Daher ist es nicht möglich, das Kind außerhalb der Gemeinde zu treffen oder auf einen Ausflug mitzunehmen. Besuche sind nur nach vorheriger Anmeldung durch das deutsche Büro möglich! 15

16 Besuchsanmeldung Die Anmeldung zu einem Besuch soll mindestens sechs Wochen vor dem Besuchstag geschehen, denn die Organisation und die Absprache mit der Familie des Patenkindes benötigt Zeit. Interessierte Paten erhalten von den Besuchsbetreuern in Hamburg auf Anfrage einen Leitfaden, ein Blatt zum Schutz der Kinder, ein Anmeldeformular und Infos zu dem Projektgebiet. Eine Anmeldung des Besuches vor Ort kann nur erfolgen, wenn das schriftliche Anmeldeformular der Paten vorliegt und damit verbunden die Unterschrift mit der Bestätigung, sich an die Regeln des Kinderschutzes zu halten. Folgende Angaben benötigen wir bei der Anmeldung: Patennummer Patenkindnummer Ankunfts- und Abreisetag im Zielland Datum des Besuchstages Anzahl der Besucher, Namen der Mitreisenden Sprachkenntnisse: Sollte der Pate einen deutschsprachigen Übersetzer benötigen, bitten wir unsere Kollegen um entsprechende Organisation. Die Kosten trägt der Pate. Einladung nach Deutschland Paten fragen uns, ob es eine Möglichkeit gibt, das Patenkind einmal nach Deutschland einzuladen. Sie möchten den Kindern auf diesem Weg ermöglichen, die deutsche Sprache zu lernen, eine Ausbildung oder einfach Urlaub zu machen. Einen Besuch des Patenkindes in Deutschland lehnen wir aus folgenden Gründen ab: Die Familie bietet den Kindern Schutz und Sicherheit. Eine Trennung soll vermieden werden, um die Kinder nicht unnötig zu verunsichern Die Kinder hätten vermutlich Schwierigkeiten, die neuen, unbekannten Eindrücke und das Erlebte einzuordnen und zu verarbeiten. Durch Berichte über Kinderhandel, Kindersklaven, Prostitution und Adoption wächst die Skepsis der Eltern, ihre Kinder in die Obhut fremder Menschen zu geben Aufgrund der mangelnden Sprachkenntnisse kann es zu Missverständnissen und Problemen kommen. Plan fühlt sich für die Sicherheit der Kinder verantwortlich. Wenn das Kind außerhalb der Gemeinde ist und weder Plan noch die Familie bei dem Kind sind, kann Plan dieser Verantwortung nicht mehr gerecht werden. Korrespondenz Pate und Patenkind Der persönliche Austausch in Briefen zwischen Paten und Patenkindern ist ein wichtiger Teil des Plan-Ansatzes. Es geht darum, Menschen auf verschiedenen Erdteilen zu verbinden, Wissen über andere Kulturen zu vertiefen und Paten mit Informationen über Ereignisse und Erfolge im Lebensumfeld des Kindes zu versorgen. Dieser Austausch läuft nicht immer reibungslos und muss von Plan begleitet und gefördert werden. Was tut Plan, um die Kommunikation zu unterstützen? Plan bemüht sich intensiv, den Austausch zwischen Patenkind und Paten zu ermöglichen und adäquat zu begleiten. Aus diesem Grund macht Plan verschiedene Angebote und Aktionen, um auf die Bedeutung des Briefwechselns hinzuweisen und Paten zu motivieren, ihrem Patenkind zu schreiben: 16

17 Vorstellungsbogen für Paten in der Willkommensmappe, vorgefertigte Postkarten in jeder Plan Post Möglichkeit, Briefe über unsere Internet-Seiten als an uns zu schicken Übersetzungsservice durch Ehrenamtliche für Paten ohne Englischkenntnisse Jährliche Encourage-to write-aktion. Im Rahmen dieser Aktion werden alle Paten angeschrieben, die ihrem Patenkind länger als zwei Jahr nicht geschrieben haben. Angeschriebene Paten erhalten einen vorformulierten Brief an das Kind, welcher nur unterschrieben werden musste, dazu eine Aufmerksamkeit, die dem Patenkind geschickt werden kann (z.b. ein Freundschaftsband oder einen Aufkleberbogen) und einen Bestellschein für den Plan Shop. Durch die Aktionen erreichen wir, dass bis zu 20 Prozent der angeschriebenen Paten die Korrespondenz aufnehmen. Regelmäßige Thematisierung in der Plan Post und auf unserer Internet-Seite Hintergrundinformationen zu dem Thema, die bei Bedarf an Paten geschickt werden ein wechselndes Warensortiment an Kindgeschenken im Plan Shop Die Erfolge dieser Bemühungen: Etwa 60 Prozent der Paten schreiben ihrem Patenkind jedes Jahr oder senden ein Geschenk. In anderen NOs ist der Anteil der schreibenden Paten deutlich niedriger. So berichtet das niederländische NO, dass momentan etwa 14 Prozent ihrer Paten schreiben. Richtlinien für die Kommunikation Plan fühlt sich den Patenkindern gegenüber verantwortlich und hat daher zum Schutz der Kinder Richtlinien für die Kommunikation erstellt: Öffnen der Briefe und Geschenke Plan öffnet die Briefe und Geschenke an die Patenkinder und prüft diese vor Weiterleitung. Auf diesem Weg soll gewährleistet werden, dass der Inhalt der Sendung nicht unangemessen oder gar schädigend für Kinder und Jugendliche ist. Es soll weitestgehend ausgeschlossen werden, dass politische, religiöse oder andere missverständliche Inhalte an die Familien vor Ort weitergereicht werden. Darüber hinaus erreichen uns immer wieder Briefe, denen Fotos beiliegen, die aus kulturellen Gründen unangebracht sind. Beispielsweise Fotos auf dem Paten sehr freizügig gekleidet zu sehen sind. Des Weiteren gibt es auch praktische Gründe, die es erfordern, die Sendung der Paten vor dem Versand zu öffnen: Ein eventueller Übersetzungsbedarf muss festgestellt und notwendige Übersetzungen durch die ehrenamtlichen Helfer veranlasst werden. Verpackungsmaterial wie Kartons oder Briefumschläge müssen entfernt werden, um das Gewicht der Sendung zu reduzieren und die Versandkosten gering zu halten. Es werden keine Inhalte der Briefe im Computersystem festgehalten. Es geht nicht darum, Briefe im Einzelnen zu lesen. Schreiben und eventuell beiliegende Fotos etc. werden lediglich in Hinblick auf Auffälligkeiten geprüft. Würde das deutsche Büro nicht diesen Weg gehen, und alle verschlossenen Umschläge an die Paten zurücksenden, würden hierdurch extrem hohe Kosten von etwa ,00 Euro pro Jahr verursachen. 17

18 Direkte Kommunikation zw. Paten und Patenkind Direktversand von Briefen/Geschenken Die Kommunikation zwischen Paten und Patenkind soll grundsätzlich über das betreuende NO und die entsprechenden Plan-Büros vor Ort laufen. Es ist nicht angedacht, dass Briefe oder Geschenke direkt verschickt werden. Neben den bereits genannten Gründen des Kinderschutzes sprechen auch einige praktische Gründe dagegen, dass Paten und Patenkinder sich direkt austauschen: Viele der Programmgebiete liegen sehr abgelegen, sodass es häufig weder ein Postzustellsystem noch Postanschriften gibt. Würde eine Sendung direkt geschickt werden, könnte eine Patenfamilie weder die anfallenden Zollgebühren zahlen, noch das notwendige Porto für ein Antwortschreiben aufbringen. Plan kann ein Programmland durch die Sammelsendungen per Kurier relativ kostengünstig beliefern und setzt sich bei den zuständigen Behörden für eine Zollbefreiung ein. Manchmal beinhalten Sendungen Dinge, die nicht in die Länder vor Ort weitergeleitet werden können. Die Mitarbeiter des Hamburger Büros kontrollieren die Geschenksendungen darauf, ob die einzelne Teile gegen Zollvorschriften verstoßen. Ein weiterer Grund ist der Datenschutz. Plan gibt keine Adressen oder Namen an Dritte weiter. Wir schützen damit unsere Förderer gegen den Missbrauch ihrer Anschriften. Es könnten Paten-Anschriften auf ihrem Weg zum Patenkind in falsche Hände geraten. Wir möchten vermeiden, dass unsere Paten Bitt und- Bettelbriefe aus dem Land ihres Patenkindes erhalten. Die Kommunikation mit den Patenkindern ist ohne Übersetzungen kaum möglich. Für viele Paten übernimmt das Büro in Hamburg die Übersetzung - mit Hilfe der ehrenamtlichen Übersetzer. Vor Ort wird ein großer Teil der Post in die lokalen Sprachen übersetzt, da die weltweiten Verkehrs- und Handelssprachen in den Projektgebieten meist nicht verstanden werden. Beispielsweise werden in Kenia 40 unterschiedliche Sprachen gesprochen, im Niger sind wir mit neun Sprachen konfrontiert, in Indien sind es sechs und auch in vielen Ländern Lateinamerikas ist Spanisch nicht die erste Sprache der Patenkinder in Ecuador ist Quechua von Bedeutung oder in Paraguay Guarani. Direkte E- Mail-Kommunikation zwischen Pate und Patenkind bzw. den Büros vor Ort Um die Postlaufzeit zu verkürzen, werden wir von vielen Paten gefragt, ob es eine Möglichkeit gibt, dem Patenkind oder dem betreuenden Plan-Büro eine zu senden. Diese Möglichkeit gibt es bisher nicht. Folgende Gründe sprechen dagegen: Plan möchten die Kinder vor unangemessenen und kind-gefährdenden Inhalten schützen. Ein Screening der -Inhalte wie es bisher bei Briefen geschieht- wäre kaum möglich. Ein direkter Austausch könnte zur Überlastung der IT-Infrastruktur in den Büros führen. In vielen Büros teilen sich Mitarbeiter einen PC. Durch Stromausfälle kann nicht gewährleistet und nachvollzogen werden, dass s vollständig ankommen. In vielen Büros ist es üblich, E- Mails durch Einwählen in das internationale Telefonnetz herunterzuladen. Dies ist mit hohen Kosten verbunden. Der Ausdruck der E- Mails ist teuer, in manchen Field-Ländern sind für Druckerpatronen hohe Preise zu zahlen, besonders in West-Afrika. Des Weiteren würde es erschwert, Paten Hilfestellung bei Anfragen zu geben, da keinerlei Nachvollziehbarkeit unsererseits besteht. Es wäre für uns nicht sichtbar, wann der Pate etwas geschickt hat. Wir möchten es dem Paten möglichst erleichtern, den Briefkontakt aufzubauen und zu halten. Daher bieten wir unseren Paten an, ihre Patenpost per an unser Hamburger 18

19 Büro senden. Wir drucken die dann aus und leiten sie auf dem üblichen Postweg an das Patenkind weiter. Der -Account lautet: Der Postweg der Patenpost Ein Brief oder Geschenk hat auf dem Weg zum Patenkind einige Stationen zu durchlaufen. Die Briefe und Geschenke der Paten werden nach Empfang im Hamburger Büro alle geprüft, im Computersystem registriert und versandfertig gepackt. Ist eine Übersetzung notwendig, wird diese mit Hilfe der ehrenamtlichen Übersetzerinnen und Übersetzer erstellt. Die ersten Schritte auf dem Weg zum Patenkind beginnen mit dem Versand aus dem deutschen Büro nach Holland, wo Patenkorrespondenz aus verschiedenen Patenländern aus Kostengründen gesammelt wird. Der Versand dorthin geschieht alle zwei Wochen. Von Holland werden die Briefe und Geschenke baldmöglichst in die Programmländer per Kurier weitergeleitet. Nach Ankunft im Programmland befindet sich die Post zunächst im Zolllager. Plan versucht durch Einschaltung zuständiger Behörden, die Pakete zollfrei einführen zu dürfen. Ist die Post im Länderbüro, erfolgt die Sortierung, Übersetzung in die lokale Sprache, die Auslieferung in das Projektgebiet des Patenkindes und von dort in die Gemeinde. Die Auslieferung in die Gemeinde wird mit anderen anstehenden Aktivitäten verbunden, um doppelte Wege zu vermeiden und kostengünstig zu arbeiten. Sind die Briefe oder Geschenke in der Gemeinde eingetroffen, folgt die baldige Auslieferung durch meist ehrenamtliche Gemeindehelfer. Die Zustellung ist oft nicht sofort möglich, da die Familien nicht immer zuhause sind. Nach der Übergabe lässt Plan dem Patenkind ein wenig Zeit für eine Antwort. Nach wenigen Wochen besucht eine ehrenamtliche Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter die Familie erneut, um einen Brief einzusammeln oder mit dem Kind eine Antwort anzufertigen. Ist diese erstellt, wird der Brief zurück nach Deutschland geschickt mit ganz ähnlichen Etappen wie auf dem Hinweg. Pro Richtung benötigen die Sendungen etwa 12 Wochen. 19

20 Briefe Briefe von Paten Einige Paten sind unsicher, was sie ihrem Patenkind schreiben können. Was ist angemessen und welche Themen sind eventuell zu vermeiden, da sie leicht zu Missverständnissen oder Problemen führen können? Worüber kann man schreiben? Geeignete Themen sind beispielsweise: Informationen über das Land/die Wohnumgebung der Paten. Familie - Wer gehört zur Familie der Paten? Informationen zum Tagesablauf/Freizeitverhalten der Paten Die heimische Natur-/Tierwelt: Welche Tiere leben im Land der Paten? Haben die Paten Haus und/ oder Nutztiere? Die Jahreszeiten/das Klima im Land des Paten Feste und Bräuche. Welche Feste feiern die Paten? Gibt es spezielle Bräuche? Wir empfehlen den Paten, ihren Briefen möglichst Fotos (und/oder Postkarten) beizulegen, um Informationen anschaulicher darzustellen. Um die Kinder nicht zu überfordern, raten wir, sich in den Briefen auf wenige und kindgerechte Fragen zu beschränken. Worüber man besser nicht schreibt Politische und religiöse Themen sind generell kritisch. Schnell werden kulturelle Tabus verletzt, ohne dass dies beabsichtigt wird. Post mit religiösem oder gar missionarischem Inhalt leiten wir daher grundsätzlich nicht an die Patenkinder weiter. Hierbei unterscheiden wir, ob in allgemeiner Form über Religion und religiöse Bräuche geschrieben wird, oder ob versucht wird, andere Menschen aktiv zu einem bestimmten Glauben zu bekehren (zum Beispiel durch beiliegende Broschüren, Bibeltexte, Heiligenbildchen usw.). Unangemessene Patenbriefe könnten eine ernste Gefahr für den Stand Plans in den Gemeinden und damit für unsere Arbeit bedeuten. Briefe vom Patenkind Je nach Land, Region, Alter und sozialem Hintergrund des Patenkindes fallen Briefe ganz unterschiedlich aus. Einige sind bunt und lebendig, andere wiederum scheinbar unpersönlich und kurz. Die Patenkinder werden von den Plan-Mitarbeitern zum Schreiben aufgefordert. So sollen sie auf erhaltene Briefe und Geschenke des Paten antworten. Schreibt der Pate jedoch sehr oft gilt die Regelung, dass fünf Antwortbriefe pro Jahr ausreichen. Da es vielen Patenkindern sehr schwer fällt, einen Brief an einen Paten zu schreiben, von dem sie nicht mehr Informationen haben als den Namen, verpflichtet sie Plan nicht dazu, dem Paten zu schreiben, wenn sie selbst keine Post vom Paten erhalten. In vielen Ländern unterstützt Plan das Schreiben z.b. durch Workshops für die Familien oder Weiterbildungsmaßnahmen für die Gemeindehelfer. Schwierigkeiten im Briefwechsel Warum ist ein Brief von einem Patenkind so unpersönlich formuliert? Kindern fällt es grundsätzlich nicht so leicht, einen Brief zu schreiben das schließt Kinder, die z.b. in Deutschland leben, mit ein. Kindern aus den Programmländern fällt diese Aufgabe oft noch schwerer. In vielen Ländern ist der briefliche Kontakt nicht üblich, Informationen werden vornehmlich mündlich weitergegeben. Viele Kinder haben Angst, einen Fehler zu machen. In den Programmländern haben die Kinder großen Respekt vor Erwachsenen und es ist ihnen oft fremd, sich über Gefühle zu äußern. Kinder werden in ihrem Alltag auch kaum ermuntert, einen Brief zu schreiben oder eine Zeichnung anzufertigen. So wirken die Briefe aus dem Blickwinkel eines deutschen Erwachsenen nicht persönlich, obwohl sie mit viel Mühe angefertigt worden sind. 20

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