Ökonomie und/oder Natur

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1 Birger P. Priddat Ökonomie und/oder Natur Zur Abschätzung ökonomischer Reichweiten ökologischer Ideen Schriftenreihe des IÖW 11/88

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3 Schriftenreihe des IÖW 11/88 BIRGER P. PRIDDAT: ÖKONOMIE UND/ODER NATUR Zur Abschätzung ökonomischer Reichweiten ökologischer Ideen Berlin, April 1988 ISBN

4 Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) GmbH Die aktuellen und zukünftigen Probleme der Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik werden nur auf dem Weg der systematischen. Verknüpfung ökonomischen, ökologischen und sozialwissenschaftlichen Sachverstands zu bewältigen sein. Daraus folgt ein wachsender Bedarf an innovativer, ergebnisorientierter Forschung, an interdisziplinärer Theoriebildung und Politikberatung. Mit diesem Verständnis akquiriert das IÖW Forschungsprojekte und Gutachten, veranstaltet Fachtagungen und veröffentlicht die Ergebnisse seiner Arbeit in einem regelmäßig erscheinen den "Informationsdienst" sowie der institutseigenen Schriftenreihe.

5 ÖKONOMIE UND/ODER NATUR ZUR ABSCHÄTZUNG ÖKONOMISCHER REICHWEITEN ÖKOLOGISCHER IDEEN. BIRGER P. PRIDDAT 1. GIBT ES EINE ÖKOLOGISCHE DIMENSION DER ÖKONOMIE? VON DER ANTIKE BIS N.GEORGESCU-ROEGEN 2. ÖKONOMIE ODER NATUR.URSPRÜNGE. FÜLLE UND RETRIBUTION DER NATUR BEI JOHN LOCKE UND FRANCOIS QUESNAY 3. ÖKONOMIE UND NATUR. DER GEBRAUCHSWERT DER NATUR, ÜBER H.IWLERS "NATUR IN DER ÖKONOMISCHEN THEORIE" 4. UBER DAS VERHÄLTNIS VON WIRTSCHAFT UND ETHIK IN ÖKOLOGISCHER HINSICHT 5. EDITORISCHE NOTIZ

6 1 GIBT ES EINE ÖKOLOGISCHE DIMENSION DER ÖKONOMIE? VON DER ANTIKE BIS N. GEORGESCU-ROEGEN. Die ökologische Kritik an der Ökonomie, sie habe, modern, "die Natur vergessen", vergißt selber, daß die ökonomische Theorie "die Natur" aus ihren produktionstheoretisehen Grundlagen herausgenommen hatte. D.h. erstens: Natur und Ökonomie waren bereits einmal in Relation gesetzt gewesen; zweitens: Die Trennung beider hatte Gründe. Von einer Naturvergessenheit der Ökonomie läßt sich i.d.s. nicht reden. Ob wir die Gründe akzeptieren, ist eine zweite Frage. Aber jene Rekapitulation "der Natur", deren "Einheit" auch die moderne öko nomie wieder in sich aufnehmen soll, setzt sich damit nochmals den Gründen aus, die die "klassischen" Ökonomen und deren Nachfolger im 19. Jahrhundert bereits ausführten, als sie die physiokratische Version der ausschließlichen Natur-Produktivität kritisierten. Insofern ist eine theoriegeschichtliche Skizze durchaus zur kritischen Betrachtung "ökologischer Naturphilosopheme" von Nutzen. Dieser Versuch soll im folgenden unternommen werden. Wenn er auch längere Passagen theoriegeschichtlich bleibt, ist der Zweck der Darlegung, wie sich unschwer zeigen läßt, ein Infragestellen fragwürdiger Ideen, die "Naturbilder" oder "Naturbewußtsein" vor die umweltökonomische Analyse stellen. Diese bleibt für diesen Aufsatz unfraglich (was nicht heißt, daß sie nicht ihre eigene Fraglichkeit hat). So entsteht oft der Eindruck, daß eine hol istische Natur-Idee (sine philosophia) mit moralisch-politischen Imperativen kurzgeschlossen wird, um die Forderung nach ökonomischer Analysekompetenz in ökologischen Dingen umgehen zu können, und damit den Vorwurf aufrecht zu erhalten, gleichsam "zu beweisen", daß "die Ökonomie" "die ökologischen Probleme" gar nicht zu lösen in der Lage sei. Der alte moralische Verdacht gegen "die Ökonomie", sie verderbe die Sitten, wird auf ihren Naturumgang erweitert bzw. an ihm restauriert - wobei, unausgesprochen, und manchmal auch schon expli zit, der Glaube sich einstellt, "die Natur" sei selber von sittlicher Ordnung oder jedenfalls Muster hierfür, dem nur zu folgen sei, um die Welt "natürlich" zu adjustieren - in grober Vereinfachung des Standpunktes der

7 2 physiokratisehen Ökonomie des 18. Jahrhunderts. Hierbei wird ein wenig übersehen, daß "die Natur" selber keine Sitten offenbart, sondern nur wir an ihr. Die Physiokraten gingen noch einen Schritt weiter: Indem sie als das entscheidende Erkenntnisorgan der zu regulierenden prästabilierten Harmonie von ordre de la nature und ordre de la morale die neue Wissenschaft der économie etablierten. Deren Zweck war auch keine "Erhaltung der Natur" sondern die bienfaisance,das Wohlergehen der Gesellschaft. Aber in einem hat der Verweis auf die "Natur-Ökonomie" der Physiokraten recht: daß sie der Natur eine Rolle im Produktionsprozeß zubilligten, die modern nicht mehr behauptet wird und auf antike Traditionen zurückverweist. Eine "ökologische"rubrizierung antiker Naturmodelle bedarf aber, neben besonderen philosophischen Problemen, mehr als ihre bloße Behauptung - und zudem eine Widerlegung eben jener Gründe, die zu ihrer Abschaffung führte. Daß der ökonomische Begriff der Natur nur ein methodischer ist, eine leere Menge, die ihren Wert erst durch ökonomische Aktivitäten erfährt, bleibt eigentümlich übersehen oder gerät zum Vorwurf. Um zu ermessen, ob es der Ökonomie an einem "Naturbegriff" ermangelt, wie die ökologische Diskussion manchmal schon vorab zu wissen meint, sind einige Ausfuhrungen über die Genese dieser methodischen Disposition vonnöten. Denn die neuzeitliche Ökonomie ist nicht a priori ohne Naturbegriff, sondern konstituiert sich gerade dort, wo es um produktionstheoretische Fragen geht, auf dem Fundament einer Naturphilosophie. In diesem Sinne ist der methodische Naturausschluß aus der modernen Ökonomie das Ergebnis einer Reflektion über das Verhältnis von Ökonomie und Natur und nicht, wie man vermeint, eine Unterlassung. Damit sind die ökologischen Fragen nicht beiseite geschoben, aber es wird sich fragen lassen, ob die ökologische Anfrage an die Ökonomie von vornherein ein naturphilosophisches Problem anzeigt bzw. ob es nötig ist, die "Einheit der Natur" zu beschwören, um die Umweltfragen ökonomisch und politisch beantworten zu können. Für diesen Zweck aber begrenzen wir uns auf die Skizze der Geschichte der Produktionstheorie: auf die Frage nach der Allokation natürlicher Ressourcen, die das andere ökologische Problem der Vergiftung und Verschmutzung der Ressourcen nicht vordringlich ins Visier nimmt. Von der endgültigen und universalen Industrialisierung und, in der Folge, der Verwissenschaftlichung des Produktionsprozesses, seiner Technologisie-

8 3 rung, war die "Produktion" nicht von vornherein ein Akt menschlicher Herstellung, sondern immer auch, je nach Theorie ausschließliche oder partielle, Produktion der Natur selber - am deutlichsten in der Ökonomie der Physiokraten des 18. Jahrhunderts, in Mischformen noch bei den englischen "Klassikern" und den frühen deutschen NationalÖkonomen (und dort nicht nur bei den sogenannten "Romantikern"). Die Produkte der Natur sind "obtained by labour. Nature, indeed, produces them". Die Arbeit, setzt Ricardo den Satz fort, präpariere (prepares) die Naturprodukte "for our services" (D. Ricardo, On the prinaiples of political economy and taxation, Vol. I seiner Works (ed. P. Sraffa), Cambridge, London/N.Y./Melbourne 1975; S. 85). Um die Valenz dieser Definition zu untersuchen, ist ein Exkurs über die antike Tradition der ökonomischen Theorie und ihrer spezifischen Konstel- > lation zur "Natur" sinnvoll. a) Antiker ökonomiebegriff Ricardos Definition des Verhältnisses von Natur und Arbeit entspricht genau dem, was S.T. Lowry als Quintessenz der antiken Theorie der Allokation natürlicher Ressourcen zusammenfaßt: "Only nature produces wealth, man can organize it" (S.T. Lowry, The classical greek theory of natural ressource economics, S. 203 ff. in: Land Economics, Vol. XLI, no. 3, 1965; S. 207). Lowry's Sentenz resümiert die bekannten antiken Schriftsteller, die sich ökonomischen Fragen zugewandt hatten: Hesiod, Xenophon, Piaton und Aristoteles. Die aristotelische oikonomike (im 1. Buch seiner Politik) trennt ganz selbstverständlich zwischen einer "natürlichen" Ökonomie (oikonomike chrematistike), die dem autarken Erwerb des oikos' diene (und einen "natürlichen" Handel einschließt (metabletike)), und zwischen einer "unnatürlichen" Ökonomie (kepelike chrematistike), die den Erwerb um des Erwerbs willen auffaßt, vornehmlich den (Fern- bzw. See-)Handel und die Geldgeschäfte. Die Prädikation der "natürlichen" Ökonomie (kata physin) bezieht sich z.e. darauf, daß der Erwerb selbstredend Erwerb von Naturprodukten der Landwirtschaft (georgike) ist, z.a. auf ein metaphysisches Argument, daß nur dasjenige Sein vollendet sei, das sein ihm immanentes Telos erlangt. Handel und Geldgeschäfte dagegen, die die unendliche Praxis des Erwerbens betrieben, negierten die "Natur des Seins" in ihrer schlechten Unendlichkeit (s. dazu: M. Riedel, Politik und Metaphysik bei Aristoteles, S. 63 ff. in: derselbe, Metaphysik und Metapolitik, Ffm. 1975). Was nicht seinsgemäß sei, ist unnatürlich, d.h. verstößt gegen die Physis und bedrohe schließlich die

9 4 Lebensform der koinonia in der Polis. Dieses Verhältnis von Metaphysik und Politik (inklusive der Ökonomik) schließt grundsätzlich aus, daß die Menschen etwas für und durch sich herstellen, was nicht eine formale Vollendung des in der Materie (hyle) immanent Angelegten sei. Die Metaphysik des Stoff (hyle)/form(morphe, eidos)-verhältnisses umschließt alle menschlichen Tätigkeiten, weshalb es in der griechisch-antiken Ökonomik auch keinen gesonderten Produktions-Begriff gibt, sondern nur den der Nachahmung (mimesis) des natürlichen (physischen) Werde-Geschehens. Die menschlichen Herstellungen sind in einer physis/techne-relation begründet. Welche Bedeutung dieser Topos für die Herausbildung der "klassischen" Produktionstheorie der ökononomen hatte, läßt sich nicht ohne Rekurs auf die Physiokratie verstehen (und nicht ohne daran zu erinnern, welche Traditionswirkungen die aristotelische Philosophie bis in die Moderne hatte, solange sie die einzige systematische Konzeption der Ökonomie war, die auch philosophischen Ansprüchen gerecht wurde). b) Produktion als Regeneration. Die Physiokratie. Ober den antiken Hintergrund der physiokratisehen Ökonomie ist schon genügend verlautet worden. Das Kunstwort "Physiokratie" (von "phyein", wachsen lassen und " kratein", herrschen) thematisiert einen Grundgedanken, der nicht sogleich als "Naturbeherrschung" oder "Naturherrschaft" interpretiert werden kann, sondern als Idee, die "Natur" als zu achtende Voraussetzung menschlicher Gesellschaft zu betrachten, die die aufgeklärte Vernunft in der Form einer Wissenschaft der Ökonomie zu ermessen lehrt. Drei Einkommensklassen - classe productive oder laboureuse (der Bauern, Pächter und Landarbeiter), classe propriétaire (Grundbesitzer) und der Rest der Gesellschaft, die classe stérile (Handwerker, Händler, Manufakteure und alle anderen Bürger, inklusive Staat und Militär) - entsprechen den drei Kategorien, auf die Aristoteles seine Ökonomie gegründet hat: erwerben (1. classe), b e s i t z e n (2. classe), g e b r a u c h e n (3. classe). Aristoteles' K t e s i s / c h r e s i s -Schema (siehe dazu: R. Nickel, Das Begriffspaar Besitzen und Gebrauchen. Diss. Phil. Berlin 1970) zieht erwerben und besitzen in dem einen Begriff der ktesis zusammen, da der, der etwas besitzt, nach dem Verständnis der "natürlichen" Ökonomie, nicht mehr zu erwerben braucht (oder nur soviel, um seinen Besitz zu erhalten). Die Größe des Besitzes ist durch das Gebrauchs-Maß bestimmt. Was, nach Aristoteles, ein oikos braucht, ist konventionell (nach den "Sitten") bestimmbar.

10 5 Die ktesis-chresis-formel steht wiederum im metaphysischen Kontext, wonach ein Gebrauch über den Gebrauch hinaus den immanenten Zweck (telos) des Seins verletze. François Quesnay, der Begründer der Physiokratie, allerdings transponiert den antiken Gehalt der ökonomischen Kategorien in die Moderne. Die classe productive e r w i r b t die Naturprodukte; die classe stérile geb r a u c h t sie. Der aristotelische-antike oikos ist als privatwirtschaftliche Institution aufgelöst bzw. transponiert in das Modell einer nationalen, autarken Ökonomie. Nicht mehr der "merkantilistische" Reichtumserwerb zur Vergrößerung der nationalen Macht (qua Außenhandelsüberschuß), sondern die nationale Selbstversorgung durch die eigene Agrikultur und die Erhaltung dieses "nationalökonomischen" Zustandes ist Quesnays Hauptanliegen - die Allokation der national-natürlichen vor der internationalen oder Handelsressourcen. I.d.S. trennt er Erwerb und Gebrauch und wertet sie verschieden. Der Gebrauch ist unproduktive Tätigkeit zur Erhaltung der eigenen Existenz, während allein die Klasse der Pächter und Landarbeiter produktiv agiere» indem sie die Nettowertschöpfung betreibe, die die Gebrauchsaktivitäten, letztlich den nationalen Konsum aller anderen Gesellschaftsmitglieder ermögliche und produziere. Das Brutto- oder Gesamtprodukt einer (nationalautarken) Wirtschaft - le produit total - ergibt, nach Abzug der advances, der Wiedererstattungskosten bzw. Investitionen in die Landwirtschaft, das Nettoprodukt (le produit net): die Neu wertschöpfung. Der gesamtwirtschaftliche Neuwert, gemessen in physischen Einheiten, entsteht demnach vollständig in der Agrikultur (zu der traditionell Bergbau, Fischfang und Forstung gerechnet werden). I.d.S. ist der Begriff "produktiv" doppeldeutig interpretierbar: 1. Versi on: Allein die Natur "produziert", die classe productive erwirbt die Naturprodukte. 2. Version: Die Natur produziert zwar allein und ausschließlich, aber erst die Transformation der rohen Materien in menschlichen Zweckzusammenhänge ist der wirkliche produktive Akt, sozusagen eine Verwandlung der Natur-Produkte in ökonomische Produkte. In dieser Version wird nur das, was die Menschen anbauen (Agrikultur als Kultivation) und der Natur zu entnehmen für wert befinden, als ökonomisches Produkt klassifiziert, während der Produktionsbereich der Natur an und für sich unendlich viel größer sein mag, als es die menschliche Ökonomie mit ihren eignen Zwecken interessiert.

11 6 Bei Quesnay gelten beide Versionen. Die wichtigste Aussage besteht darin, daß die Natur "produziert" und daß die menschliche Formierung der Materien zur Wertschöpfung nichts beiträgt. Das antike Materie/Form-Schema wird eindeutig zur Seite der Materie-Produktion verschoben. Die Voraussetzung einer Naturproduktivität ist das Fundament der physiokratisehen Ökonomie. Aber die Agrikultur ist eine Präparation der Böden für eine gezielte und bezweckte "Natur-Produktion", d.h. selber schon formierte Natur-Produktivität. Die produktive Arbeit der classe laboureuse besteht logischerweise für Quesnay in der régénération, der Re-Kultivierung (durch Re-Investition der avances) der Felder. Beide Arbeitsmodi - der agrikulturelle und der sterile - sind Formierungen der Materie. Die Selbstformierung der Natur (hier wäre der Begriff der autopoiesis angebracht) zu bestimmten rohen Stoffen ist zwar ein aller menschlicher Ökonomie vorgängiger Prozeß, ein Apriori der Natur, aber in nur spezifischer Weise. Die wirkliche, für die Menschen relevante Produktion geschieht in der Formierung der Äcker, d.h. durch die Herstellung der auf menschliche Zwecke ausgerichteten produktiven Potenz der Natur. Ohne menschliche Formierungsaktivitäten bleibt die Fülle der Naturproduktionen auch bei den Physiokraten wertlos. Die neue Wissenschaft von der Ökonomie gilt fortan als allgemeine Wissenschaft der Bewertung der Resultate natürlicher Prozesse. Aber - und das ist der signifikante Unterschied zur späteren "Neoklassik", die die Naturressourcen als gegeben voraussetzt - die physiokratisehe Ökonomie betrachtet noch die Herstellung der Bedingungen für die Gegebenheit der Ressourcen als ihre eigene Aufgabe. Diese "Produktion der Naturproduktivität" - eine moderne Formulierung für die alte agrikultureile Aufgabe - definiert den spezifischen Charakter des physiokratisehen Modells und darin ein frühes, rudimentäres Kapitaltheorem: daß die Verteilung der Nettoproduktion in Re-Investition (der Landwirtschaft) und gesamtwirtschaftlichen Konsum die Erhaltung künftiger "Naturproduktivität" bzw. deren Steigerung (im Rahmen des Bevölkerungsanstieges) mit zu bemessen habe. Dieses spezifische Allokationstheorem - im "tableau économique" arithmetisch rechenbar gemacht - läßt es der aufgeklärten Ökonomie des 18. Jahrhunderts erscheinen, als ob die "Gesetze der Natur" (ordre de la nature, lois naturelles) die ökonomischen Handlungen (die dem ordre de la morale zugehören) determinieren würden.

12 7 2) Die weitere Entwicklung des Produktionsbegriffes. Die Einsicht in ihre selbst gesetzten Voraussetzungen, daß im Allokationszusammenhang jede Arbeit produktiv sei, die zur Erhaltung der gesamtwirtschaftlichen Produktivität beiträgt, wird, außer bei Turgot, erst von Adam Smith vollzogen (und die unproduktive Tätigkeit einzig denjenigen zugewiesen, die ihre Einkommen bloß konsumieren). Die arbeitswerttheoretische Wende der englischen "Klassik" bewertet alle kapital produzierenden Prozesse als produktiv. Ihre Schwierigkeit bestand darin, die Produktionsresultate wieder in physischen Einheiten messen zu wollen, während das Kapitalkriterium selber schon eine ausschließlich ökonomische Bewertung impliziert. Jeder Prozeß, der über den Gebrauch (Subsistenzkriterium) hinaus Werte schafft (overplus), ist demnach produktiv. Eine solche Definition setzt voraus, daß die "Natur-Produktion" nurmehr noch als allgemeine Voraussetzung gelten kann, die effektiv nur in dem Maße der auf sie angewandten Arbeits-Investition erscheint. Smith und Ricardo sehen, unterschiedlich, wohl auch noch "Naturkräfte", jedenfalls im Ackerbau, an der Hervorbringung der Früchte beteiligt, aber ihre Mitwirkung ist ökonomisch nicht mehr von Belang, da sie, als freie Kräfte, keinen Arbeits- oder Kapitalaufwand erfordern. (Dagegen spricht scheinbar das Zitat, das wir zu Anfang dieser Erörterungen von Ricardo bezogen hatten. Es beweist aber das Gegenteil. Ricardo schreibt diese Sentenz, die so prägnant das antike Naturproduktivitäts-Konzept aufrecht erhält, im Kapitel Uber den "Bergbau", der als einziger naturnaher Produktionsprozeß nicht durch Kultivationsbemühungen gepflegt und dessen Regeneration durch menschliche Arbeit nicht betrieben werden kann). Bei Ricardo nimmt die Gesamtproduktivität der Bodenfläche, trotz zunehmenden Arbeitseinsatzes auf den schlechteren, d.h. minder fruchtbareren Böden, ab. Die "Naturproduktivität" erscheint bei ihm, residual, als Differenz zwischen "guten" und "schlechten" Bodenqualitäten. Langfristig sei die Steigerung der agrikulturellen Produktivität weder durch Erschließung zusätzlicher Böden noch durch zusätzlichen Arbeitsaufwand aufrecht zu erhalten. Auch hier haben wir noch einen, wenn auch in Wachstumsprozesse umformulierten, Rest antiker Naturphilosophie: "Die "Naturproduktivität" determiniert die menschliche Produktivität (oder, um es genauer zu sagen, die Industrie) an der absoluten Grenze der Bodenproduktivität. In diesem stagnierenden Finale werden menschliche und Naturproduktion wieder identisch. Aber der ökonomische Handlungsspielraum liegt in dem weiten Feld vor dieser Grenze.

13 8 Der physiokratische Normalfall der bestimmenden Naturproduktivität wird bei Ricardo zu einem Phänomen langfristiger Wachstumsprozesse, und es bedurfte nur noch der neuen Agrartechnologien (der rationellen Fruchtwechsel und der Düngung (A. Thaer) und der chemischen Düngung (J.v.Liebig)), um die "Natur-Grenz-Produktivität" und damit die statische "Natur"-Determination antiken Musters in den philosophischen Hintergrund zu rücken, der nicht mehr zur ökonomischen Analyse gehört. In dieser Verschiebung der Stoff/Form-Topik werden die formenden Kräfte menschlichen Tuns endgültig dominant. Bei J.St. Mi 11 ist die Natur zwar auch noch die erste produzierende Instanz: sie "bietet den Stoff dar", "verschafft das Material" und "sie gewährt auch Kräfte". "Der Mensch hat keine anderen Mittel auf den Stoff einzuwirken, als indem er ihn bewegt" Er "übt diese Macht aus, indem er sich entweder vorhandener Naturkräfte bedient, oder Gegenstände zu solcher Mischung und Verbindung zusammenfügt, daß Naturkräfte dadurch hervorgebracht werden", nämlich "Kraft, welche zur Erreichung menschlicher Zwecke nützlich wird" (J.St. Mill, Grundsätze der politischen Ökonomie (Obers. A. Soetbeer), Hamburg 1852, l.bd., Kap. Produktion, S ). Die Kräfte-Terminologie entstammt der neuen, klassischen-mechanisehen Physik und ist in der Lage, Aktions-Reaktionsschemata so zu verwenden, daß die (passive) Materie bzw. die potentiellen Kräfte der "Natur" durch (aktive) menschliche Einwirkungen (oder indirekt durch wissenschaftliche Nutzung der Naturkräfte) in zweckdienliche Formen gebracht werden, ciie, unter dem Einfluß der utilitaristischen Philosophie, hier "nützliche" heißen. Die Ökonomie als Theorie menschlicher Produktionskräfte kann die "Natur" als Konglomerat verschiedener passiver oder potentieller Kräfte - Energien wie Materien - voraussetzen und das Maß der Formierung durch den Aufwand an Kräfte-Anwendungen bestimmen. I.d.S. ist jetzt die Ökonomie mit einer "Physik sozialer Kräfte" kompatibel, in die sich die Naturkräfte bruchlos einschließen lassen, ohne daß die Gesetze der Physik gebrochen werden müssen. Die Wechselwirkungen zwischen "natürlichen" und "menschlichen" Kräften bei der Produktion hängt ab von der Organisation ökonomischer und technischer Prozesse, d.h. auf technologisch-industriellem Niveau, von der "Herstellung der Naturprozesse" als industriellen. Die Stoff/Form-Topik gibt noch ein Erklärungsschema her, aber die zugrundeliegende physis-techne-relation ist ganz auf die Seite der techne verschoben, der nach nur noch das "als Natur" erscheint, was ökonomisch-technisch her-

14 9 stellbar geworden ist. Die naturphilosophische Fundierung der Ökonomie, die ihre Entstehung so fördern konnte, ist in ein operatives Naturverhältnis verwandelt und die Redeweise von den "knappen natürlichen Ressourcen" zeigt an, daß die "Natur" nicht mehr als eine unerschöpfliche Produzentin gilt, sondern daß vielmehr die Grenze ihrer Erscheinung durch die Allokationskompetenz der Wirtschaft bestimmt wird. In der deutschen Nationalökonomie des 19. Jahrhunderts ist dieser Verwandlungsvorgang der Naturproduktion in ökonomische Naturoperati vität besonders dokumentiert. Seine Entwicklung soll an anderer Stelle nachgezeichnet werden; aber ein Aspekt ist von besonderer Bedeutung: Die Einflüsse der Physik des 19. Jahrhunderts führen z,b. bei K.H. Rau, dem bekanntesten National Ökonomen der l.h. des 19. Jahrhunderts, zur Erkenntnis, daß "Die Werthserhöhung, insoferne sie aus einer körperlichen Veränderung hervorgeht,..., wie die Verzehrung, nur auf Umgestaltungen, Verbindungen und Trennung der auf der Erde vorhandenen Stoffe beruhen (kann), deren Menge im Ganzen, wenn man die Atmosphäre mit einrechnet, unabänderlich ist" (K.H. Rau, Lehrbuch der Politischen Ökonomie, Leipzig und Heidelberg 1855, S. 88). Der hier spezifisch zugerichtete 1. Hauptsatz der Thermodynamik (in der Formulierung Clausius': Die Energie des Universums ist konstant) dient Rau (ebenso wie anderen Ökonomen) zur endgültigen Begründung der menschlichen Produktivität, ohne auf naturphilosophische Naturproduktivitätserklärungen zurückgreifen zu müssen. Denn die menschliche Produktion formiert die Materie auf mannigfachste Weise, ohne ihre Substanz im mindesten zu ändern. Die stoffliche Konstanz der Materien und Energien erlaubt einen unendlichen Formwandel ohne Rücksicht auf die alte physiokratische Natur- Regeneration. Die ökonomischen Werte sind allein Form-Produkte ohne Rückwirkungen auf die Naturidentität. Natur-Stoff und Wert-Form werden zwei ontologisch distinkten Sphären zugeordnet. Ob die "Natur" Materien und Energien "produziert", ist für die ökonomische Wissenschaft nunmehr ohne Belang. Die menschliche Produktion besteht nicht in der Herstellung von Materien und Stoffen, sondern von Nützlichkeiten, wie Alfred Marshall zum Ende des 19. Jahrhunderts resümiert: "Der Mensch kann materielle Dinge nicht erschaffen.wohl kann er in der geistigen und moralischen Welt neue Ideen produzieren, aber wenn ihm nachgesagt wird, materielle Dinge hervorzubringen, stellt er in Wirklichkeit nur Nützlichkeiten her. Mit anderen Worten: Seine Bemühungen und Opfer bestehen im Verwandeln der Form oder in der Mischung der

15 10 Materie, um die Befriedigung der Bedürfnisse besser zu bewerkstelligen" (A.Marshall, Principles of Economics, Cambridge 1961 (9.AufV. nach der 8. von 1920; 1. Aufl. 1890), S.63). Die alte naturphilosophische Grundlage ist zwar noch in der Semantik präsent, aber nicht mehr ihr Gehalt. Die Produktion, als Formwandel betrachtet, hat nichts mehr mit der der Materie immanenten Gestalt (morphe) zu tun. Die Utilities, die die Menschen produzieren können, sind eher, wie Marshall nahelegt, new ideas (der eidos-aspekt des antiken Formbegriffs). Der Schritt zu einer ideellen Wertbestimmung, die durch "Natur" in keiner Form mehr determiniert wird, ist endgültig vollzogen - sozusagen eine neo-platonische Wendung gegen die aristotelische Natur-Metaphysik im philosophischen Untergrund der modernen Ökonomie. Die "Neoklassik" und ihre subjektive Werttheorie haben auch die Produktionstheorie der Ökonomie verwandelt. d) Ober einen Aspekt der ökologischen Renaissance in der modernen Ökonomie. Mit der "neoklassischen" Reformulierung der Ökonomie Ende des 19. Jahrhunderts ist "die Natur" zum Parameter ökonomischer Modelle, zu einem Faktum vorgegebener Ressourcen geworden. Eine solche Formulierung läßt anklingen, als ob die Ökonomie etwas wesentliches verloren hätte, wenn sie zu Naturvorgängen keine Aussagen mehr macht. Sie ist eine Wissenschaft des sozialen Handelns unter spezifischen, ökonomischen Rationalitätsbedingungen geworden. Für die Zwecke des menschlichen Handelns reicht es hin, die Mittel der Handlungsrealisation nach dem Kriterium ihrer Verfügbarkeit zu betrachten und, im zu ermittelnden Maße, Verfügbarkeiten herzustellen. Mit dieser rechtlichökonomischen Kategorie können natürliche und technische Prozesse ausreichend analysiert werden, wenn man weiterhin davon ausgehen kann, daß die natürlichen Ressourcen zwar knapp, aber subsitutierbar sind. Der ökonomische "Naturbegriff" wird operationalisiert und keinem "Naturbild" mehr zuordenbar (wie auch die Naturwissenschaften kein "Naturbild" mehr pflegen). Die Ökonomie des 19. Jahrhunderts vollzieht - in eigner, d.h. z.t. natürlich ungeeigneter Weise - die Entwicklung der Physik ihrer Zeit nach und damit auch deren Wandlung von Naturphilosophie in Naturwissenschaft. Der moderne ökologische Vorwurf, daß die Ökonomie "die Natur" vergessen habe, übersieht generös, daß dies alle Wissenschaften angeht, auch gerade die Naturwissenschaften. Ohne Kritik des "Naturbildes" der Naturwissenschaften kann der Ökonomie keine besondere Verfehlung vorgehalten werden. Gerade die Frage der RessourcenVerknappung gehört von vornherein zum Gegenstandsbereich der modernen Allokationstheorie, ist grosso modo ihre Basis.

16 11 Die Kernfrage "ökologischer Ökonomie" richtet sich auf das Theorem der freien Substituierbarkeit der Produktion, die voraussetzt, daß bei Verknappungen spezifischer natürlicher Ressourcen andere, freie, d.h. bisher noch nicht verfügte in den Produktionsprozeß eingesetzt werden (was wiederum neue Technologien voraussetzt, diese wiederum wissenschaftlichen Fortschritt, etc.). Wenn nun die "Erde" als Reservoir eines finiten Ressourcenbestandes betrachtet wird, der durch beschleunigte Industrialisierung absehbar erschöpft würde, kann von freier Verfügbarkeit nicht mehr unbedenklich die Rede sein. Die Erd-Ökonomie käme - irgendwann einmal - unweigerlich an eine Grenze und das ökologische Gedankenmodell erweist sich in dieser Hinsicht als universalisiertes Stagnationsmodell vom Ricardo-Typ. Allerdings ist die Zeitbestimmung "irgendwann" ein Problem: denn gemessen werden kann der Ressourcenverbrauch nur im Verhältnis zum endgültigen Verbrauch und seiner Entwicklung - ein nicht prognostizierbarer Wert, da er auch die künftigen Technik- und Produktionsverbrauche mit erwägen können müßte. Zudem ist die darin eingelagerte normative Behauptung, daß künftige Generationen dieselbe Verbrauchsstruktur haben sollen, eine philosophisch-moralisch schwierige Behauptung einer bestimmten Verantwortungsethik. Die Behauptung der "Einheit der Natur" und ihrer "Erhaltung" verbindet sich mit einer moralischen Behauptung der "Kontinuität" der Lebensqualität - beides aber sind statische Versionen der Weltentwicklung, die weder geschichtliche noch evolutionäre Komponenten im ausreichenden Maße berücksichtigen, d.h. möglicherweise eine Idee des "Fortschritts" transportieren, die den Erkenntnismöglichkeiten über die Real Prozesse nicht gerecht werden und in etwa eine Technologie der Moral der Welterhaltung vertreten, die einen geschichtlich oder evolutionär-kontingenten Zustand "verewigen" will. Doch sind diese Fragen nicht hier zu besprechen, aber zu erwähnen, da sie auch an das folgende Konzept heranzutragen sind, das, von einem Ökonomen, die moderne Produktionstheorie der "neoklassischen" Ökonomie kritisiert. Die prognostizierte Erschöpf!ichkeit der Erd-Ressourcen führt sie wieder als Variablen ins ökonomische System zurück; die Wiederaufbereitung der Ressourcen und die Erhaltung ihrer natürlichen Regeneration lassen die physiokratischen Gedanken als durchaus moderne Konzepte erscheinen. Denn es gälte, den Produktionsbegriff neu zu formulieren und nicht mehr nur die Allokation natürlicher Ressourcen, sondern auch ihre Reproduktion zu betreiben. Da die Reproduktion natürlicher Ressourcen aber Energie verbraucht, ist die Substitution von knappen in weniger knappe Materien und Energien kein beliebig erweiterbarer Prozeß, sondern nur die Energiepotentiale der Erde determiniert.

17 12 So lautet Nicolas Georgescu-Roegens Konsequenz, die er aus der Analyse der ökonomischen Produktionstheorie und ihrem Verhältnis zur Thermodynamik gewinnt. Ausgehend von der Begrenztheit der ricardianisehen Bodenproduktivitätstheorie, die lediglich die räumliche Ausdehnung betrifft, kritisiert er den eindimensionalen Ressourcenbegriff der modernen Produktionstheorie. Die Fruihtbarkeit des Bodens und seiner Vegetation sei im geschlossenen System Sonne/Erde allein durch die Einstrahlung der Sonnenenergie bewirkt. Die "Materie"-Bestände der Erde sind nicht regenerierbar und die Fruchtbarkeit der Böden nur in dem Maße des Energiezuflusses. Spezifisch für die moderne industrielle Produktion sei nun, daß nicht nur Produkte, sondern auch Abfall (waste) produziert werde. Energieeinsparungen sind geboten. "Der wirtschaftliche Kampf des Menschen (dreht) sich um niedrige Entropie aus der Umwelt"^Entropie, ein thermodynamisches "Maß für Unordnung" energetischer Strukturen, definiert die freie Energie der Naturressourcen (z.b. Kupfererz) als Zustand "niedriger Entropie", der durch den ökonomischen Produktionsprozeß 1. in freie Energie niedriger Entropie (höherer Ordnung, d.h. z.b. Kupferbleche) und 2. in gebundene Energie höherer Entropie (höherer Unordnung; Wärme, Abfall) verwandelt wird. Die eindimensionale Transformation von Materie in formierte Produkte zum menschlichen Gebrauch verzweigt in eine doppelte Produktion, deren Hauptteil einen Energieverbrauch anzeigt, der sich in nicht brauchbaren oder regenerierbaren Resultaten niederschlägt. Niedrige Entropie wird ständig vernichtet und in ökonomisch nicht verwendbare höherentropische Energieformen überführt. Aus dieser Perspektive ist jede höhergeordnete Struktur (niedrige Entropie) allein von ökonomischem Wert und das ökologisch-ökonomische Ziel sei die Minimierung von waste-outflow oder höherentropischen Abfällen. Einzig die Landwirtschaft kann sich durch den sonnenenergetischen Einfluß regenerieren. Dem ökonomischen Konzept Georgescu-Roegens liegt eine modernisierte Version der physiokratischen Ökonomie zugrunde, denn nur der Boden hat energetische Regenerierungskompetenz, während die subterranen Naturressourcen unweigerlich abgebaut würden. Weder können die Menschen Materie und Energie schaffen noch verbrauchen. Die Natur "produziert", wie bei Quesnay, autonom. Die Menschen können, wie in der antiken und der physiokratisehen Theorie, die Naturproduktionen nurmehr verwalten oder organisieren. Das Maß der natürlichen (d.h. jetzt energetischen) "Fruchtbarkeit" determiniert, in the long run, das Ausmaß industrieller Produktion. Der physiokratisehe ordre naturel, thermodynamisch aufgewertet, versetzt den Beobachter Georgescu- Roegen in die Lage, der "Species Homo sapiens... ein kurzes, aber anregendes Leben (zu) genießen" anheimzustellen.

18 13 In einem Schema läßt sich die Logik dieses Konzeptes deutlich machen: Ökonomie Der Terminus "Reproduktion" (den Roegen nicht verwendet) bezeichnet ein mögliches energetisches Gleichgewicht, demnach die Ökonomie soviel Energie verbraucht, soviel an Sonnenenergie zufließt (alle technologischen Energiesparmaßnahmen und die möglichen Variablitäten eingerechnet). In diesem Sinne ist jeder Verbrauch über das solarenergetische Agrarproduktionsmaß hinaus ein Verbrauch nichtregenerierbarer Naturmaterie (es sei denn, eine prometheische Innovation würde einen Energieproduktionsprozeß kreieren, der weniger Energie verbraucht als er herstellt). Unter diesen Bedingungen ist die Industrieentwicklung in toto eine der künftigen Produktionsbedingungen gefährdende Tendenz. Georgescu-Roegen kommt, über die thermodynamische Analyse, zu einem weltökonomischen Resultat, das in erweiterter Dimension die Industrie-Kritik der vor-klassischen Ökonomie wieder aufnimmt: das Verhältnis von notwendiger und von Luxus-Produktion (das der aristotelischen Unterscheidung von "natürlicher" und "unnatürlicher" Ökonomie für die spätere Ökonomie schon zugrundeliegt). Folglich kann sich Roegen auch nicht, jedenfalls nicht in letzter Konsequenz, moralischer Urteile enthalten, die, ähnlich wie bei den Physiokraten, durch die (jetzt thermodynamisch formulierten) Naturgesetze präjudiziert werden. Die Frage, wieviel und welche Güter produziert werden sollen, wird durch die Energiepotentiale der "Erd-Ökonomie" - durch den Zusammenschluß von Warenund Energiehaushalt - unabhängig von den menschlichen Begehren definiabel. Wie bei Quesnay, läuft Georgescu-Roegens ökologische Ökonomie darauf hinaus, den ordre de la moral auf den ordre de la nature abzustimmen. Nicht nur die Ökonomie, sondern auch die Moral (als das ausrichtende Bewußtsein, in allen Handlungen energetisch zu "sparen") wird naturdeterminiert. Die ökonomischen

19 14 Formierungen der natürlichen Materien und Energien werden der menschlichen Beliebigkeit entnommen und die Solarenergie hat in die naturgegebene (quasiimmanente) Form der agrikulturell en Produktion gewandelt zu werden. Die physiokratische Renaissance erfolgt in schärferer Form, da ja die neue sterile Klasse, die Industrie insgesamt, nicht bloß ihre Existenz erwirtschaftet, ohne zum Neuwert beizutragen, sondern zudem noch den Energieverbrauch erhöht. Nun ist Georgescu-Roegen keine ausdrückliche Tendenz zu einer weltweiten Agrarwirtschaft nachzusagen, aber die Logik seines Konzeptes geht über die Energiesparwirtschaft hinaus und stellt einen neuen Beitrag zur alten Stadt/Land, Industrie/Agrikultur und Luxus/notwendige Produktion - Schematik vor. Georgescu-Roegens höchst distinguierte Kritik an der "neoklassischen" Produktionstheorie kommt scheinbar ohne das pauschale Naturphilosophem von der "Einheit der Natur" aus. Und doch, in letzter Instanz, ist die relative Geschlossenheit des Energiesystems Erde ein theoretisches Konzept, das das ökonomische Produktionsverhalten verantwortlich macht für seinen Fortbestand. Daraus ergibt sich, daß jede Formation sozialen Verhaltens natürlich-energetischen Grenzbedingungen unterliegt, die einzuhalten und zu beachten zur conditio sine qua non des Fortbestandes der Menschheit wird. Eine Formulierung der Art, daß auch "die Natur" gefährdet sei, kann nicht angebracht werden, weil die Transformation der niederentropischen Energie in höherentropische Zustände "die Natur" weiterhin erhält, wenn auch in unverfügbarerer und damit human nutzloser Form. Georgescu-Roegens thermodynamisch begründete Ökonomie, die er neuerdings bio-economics nennt, analysiert die Bedingungen natürlicher Prozesse unter dem Blickwinkel, wie wir sie, notwendig in Richtung auf Entropiezunahme, behandeln. Den Schaden hat allein unsere Gattung, nicht "die Natur". Damit ist seine Ökonomie naturphilosophischen Darstellungen enthoben, indem sie sich auf die Seite der Moral, speziell der Art der Jonasschen Verantwortungsethik, schlägt: Wir sollen ermessen lernen, wie wir uns künftig verhalten wollen in Hinblick auf den Gattungserhalt. Die alten Schwierigkeiten sind durch das neue thermodynamisehe Gewand nicht beseitigt. Formvorschriften des Energiegebrauchs und Rücksicht auf die Materie-Immanenz machen zwar keine neue Naturphilosophie, aber die gleichen moralischen Konsequenzen, wie sie die Physiokraten - damals allerdings in theologischer Absicht - vorexerzierten. Ober die Probleme seiner Interpretation der Thermodynamik kann hier nicht verhandelt werden.

20 15 Die größeren Schwierigkeiten entstehen an den normativen Implikationen, denn es geht bei Georgescu-Roegen nicht um eine technisch-ökonomische Kritik der bisherigen Produktionstheorie, sondern um die Formulierung einer ökologischen Allokationstheorie, die ermessen will, wie zwischen aktuellem (Energie-)Verbrauch und zukünftigem (Energie)Kapital je aktuell entschieden wird. Die "Minderschätzung künftiger Bedürfnisse", die Böhm-Bawerk zur Grundlage seiner Kapitaltheorie nahm, wird bei Roegen ins Gegenteil, zum Gegenstand ausdrücklichen Allokationswillens gewandelt. Ob aber die künftigen Generationen - wieviele und in.welchem Ausmaß - heute schon je mit-alloziiert werden können, bleibt, neben den schon erwähnten philosophischen Problemen, auch ökonomisch fraglich, da wir ja nicht die künftigen Bedürfnisse, sondern die künftigen Produktionspotenzen zu erwägen hätten. Roegen bleibt hier vorsichtig, nicht erwartete Entwicklungen sind immer möglich. Deshalb bleibt nichts anderes zu tun übrig, als jetzt Energien einzusparen, um die künftigen Möglichkeiten nicht zu beschränken. Eine solche Regel aber ist eine moralische Verlautbarung, die die Allokation der Ressourcen von - relativ fraglichen - Erwägungen über unsere Neigung, späteren Generationen vorzusorgen, abhängig machte. Auch nützt hier nichts mehr, eine physikalische Grundlage der Ökonomie gewonnen zu haben, da die aktuellen und künftigen Bedarfe soziale Faktoren sind. Diese Ökonomie birgt die gleichen Vorsorgestrukturen wie jede kapitaltheoretische Erwägung, aber mit einem Unterschied. Georgescu-Roegen stellt eine Theorie des effizienten Energieverbrauchs vor, die insofern eine metaökonomische (thermodynamo-technologische) Norm generiert, als sie, abstrakt, in der Lage ist, Produktionsprozesse (und nicht nur Produkte) zu bewerten. Damit werden die Effizienzkriterien der Allokation verschärft: anstatt über das Verhältnis von Konsumtion und Produktion bzw. Investition zu entscheiden, wird ein zusätzlicher Wahlakt zwischen verschiedenen Graden entropiefördernder Produktionsprozesse erforderlich. ökonomisch kann man sich, auf diesem Abstraktionsniveau, leicht vorstellen, daß eine Energiebilanzbehörde Produktionswerttaxierungen über Technologiesteuern durchsetzt, um Substitutionsvorgänge zu beschleunigen. Oder es werden Rohstoffzölle erhoben. Die ökonomischen Probleme aber heben sich dadurch nicht auf, da die Steueroder Zolldifferenzen zwischen verschiedenen Materien und Energien sofort Wettbewerbsvor- oder-nachteile erzeugen. Konkret hängt jeder Zukunftsenergiewert jeder Materie oder Energie von vagen Schätzungen ab, deren Publi-

21 16 kation sowieso gleich die Erzeuger(weltmarkt)preise modifiziert und damit die national-wirtschaftlichen Regulationen nicht nur aufheben kann, sondern zudem zwingt, ständig, für jede Materie, je neu zu berechnen. Georgescu-Roegens energie-technische Theorie, die metaökonomisch auftritt, hat, bei jeder Anwendung, sofort Folgen für die internationale Preisstruktur, was erforderlich machte, dem global definierten Energieproblem mit weltökonomischen Maßnahmen zu antworten. Das aber zeigt die abstraktive Redlichkeit dieses technologischen Ansatzes, die einen Vorschlag zur Besinnung, nicht aber für die Realisation macht. Neben dem moralischen Ton, der umstandslos humanistisch jede beliebige Nachfolgepopulation in aktuellen Allokationssituationen mitzuversorgen überlegen läßt, treten ökonomische Probleme auf, die die Verwirklichung politischer Maßnahmen selber wieder ökonomisch desavouieren.. Das Ansinnen, Uber die ökonomische eine energie-technologische Rationalität zu stellen, fällt doch wieder der ökonomischen anheim. In diesem Spannungsfeld - zwischen Politik, Ökonomie und Bedarfsmoral - bleibt die ökonomische Problematik allemal auf die praktischen Möglichkeiten begrenzt, die sie ökonomisch zu realisieren weiß. Der ökonomiekritische Impetus dieser Theorien geht nicht auf eine andere Ökonomie, wiecfer Wunsch nach Alternativen oft vermeldet, sondern darauf, die Ökonomie anders einzusetzen, denn das ökologische Problem hat sich noch einer gänzlich anderen Entwicklung zu stellen, die diese energieökonomische Langfristperspektive unwichtig machen könnte. Denn was nützt das thermodynamische Raisonnement über unbestimmte Energiepotentiale, wenn die Vergiftung der Rohstoffe und der Lüfte und Wässer ein akut werdendes Problem anzeigt, das die Frage, ob wir möglicherweise die 50. Generation nach uns miterhalten sollten, obsolet machen könnte. Der Rekurs auf die "Einheit der Natur" (die Roegen nicht naturphilosophisch, sondern thermodynamisch einführt), die Idee der prästabilierten Harmonie in ökologischer Absicht, setzt mit eigentümlicher Verkennung auf moralische Erkenn tniskräf te von einer universalen Dignität, daß die Befürchtung, das ganze sei eine idée pure und ohne Realisationsbasis, sich unweigerlich aufdrängen muß. Die Zeit aber drängt, die ökologi*schen Probleme existieren. Haben wir nicht, statt ein neues Denken zu reflektieren, das unserem ja recte entgegenstehen solle, dieses Denken für die Lösungen zu verwenden? Statt es, auf die vielfältigste Art, zu verweisen auf die unentdeckten Lagerstätten seiner vermeintlich "höheren" Natur?

22 17 3) Anmerkungen zur "Herstellung der Natur" Wenn wir Georgescu-Roegens bioeconomics als den elaboriertesten Versuch einer ökologischen Ökonomie betrachten, können wir Betrachtungen über die "Herstellung der Natur" nur eingeschränkt zustimmen. Sinnvoll ist dieser Ausdruck gegen unbedenkliche Wünsche der Art zu verwenden, "die Natur wiederherzustellen" - eine gleichsam ästhetische Auffassung "der Natur", die ein kontingentes Naturbild, einen gewünschten Naturzustand, wie er gerade imaginiert wird oder gewollt werden soll, konserviert. Daß wir angesichts fortgeschrittener Industrialisierung und Agrikultivierung "die Natur" nur noch aus Reservaten kennen, die wir wiederum ebenfalls her-gestellt haben, mag als Hinweis genügen. "Wiederherstellung der Natur" wäre eine normative Entscheidung zugunsten anderer Kultivationsprodukte; "die Natur", so wie sie an und für sich sei, wiederherzustellen, wäre ein ökologisch unvertretbarer Zustand, da wir als eil des Oikos' mindestens darin leben können müßten (forderte jemand ein "Recht der Natur" gegen sich selber, müßte der ökologische Diskurs sprachlos bleiben ). "Herstellung der Natur",.nn sie als Grenze der Wandlungsfreiheit gemeint ist, bedarf ebenfalls ökologischer Abwägungen, die leicht zu fordern, aber schwierig zu rechnen sind. Denn wie sollen wir ermessen, was die Natur braucht, ohne unsere Zwecke einzusetzen, da wir ja entscheiden, was ihr Brauchtum sei. Diese Aussage ist nicht auf einen "objektiven" Zweck der Natur zu bringen, da wir ihr enthalten sind. Gerade bei einer Vorstellung von der "Einheit der Natur" wären ihre Zwecke auch unsere. Was aber leitet uns zu entscheiden, inwieweit unsere Zwecke nicht auch ihre sind? Roegen begrenzt sich hierin wohlweislich auf das Kriterium der Transformationstendenz zunehmender Entropie, d.h. auf ein Maß an Unbrauchbarkeit der Natur bzw. an Unverfügbarkeit ihrer für uns. "Herstellung der Natur" ist i.d.s. eine Metapher für den Versuch, die Entropievermehrung durch unser Handeln möglichst zu verzögern, um sie gattungsgeschichtlich nicht zu schnell bedrohlich werden zu lassen. Radikal ist das (regenerative) Sonnenenergiepotential absolutes Maß, um die "relative Ewigkeit" der Gattung und ihre Versorgung zu gewährleisten. I.d.S. ist die "Herstellung der Natur" eben jene "natürliche Herstellung" oder Reproduktion, die die Energiebilanz noch neutral sein läßt. Begriffsradikal heißt das: Abbau der Industrietendenz auf Null (bzw. ihre Dimensionierung auf das Maß der technisch möglich werdenden Konvertion von Solarenergie).

23 18 Die metaphorische Rede von der "Herstellung der Natur" kann also nur meinen, a) daß künftige Generationen dieselbe Natur-Potenz (an Materie und Energie) zur Verfügung haben sollen, b) daß unsere Natur-Umwandlungen diesen Regenerationsaspekt strikte einzuhalten haben. Jeder Verstoß ist eine Deminuierung einer (unschätzbaren) n-ten Generation. Dabei ist aber der Sinngehalt der Metapher von einem quasi-natürlichen Erhaltungssatz (der Erd-Energien) auf den des Gattungserhaltens verwandelt worden, und der natursphilosophische Gehalt, der eingespielt wird, als normative Sozial philosophie dechiffrierbar. Die "Natur-Frage" aber als soziale Frage zu thematisieren, die Uber die Grenzen des Begehrs und seine sozial-ökonomische Organisation neu zu verhandeln hat, stellt Ethik und Ökonomik vor neue Probleme, die weder durch energietechnologische noch durch naturphilosophische Imperative entscheidbarer werden. Den historischen Gewinn sozialer Autonomie an "das Andere" der Natur oder an den zukünftigen Gattungserhalt zu delegieren, hat in jeder Blickrichtung einschneidende Konsequenzen, die unsere Gesellschaft hic et nunc so stark betreffen, daß in den sozialen Auseinandersetzungen, die eine imperativische Lösung der Umweltprobleme hervorriefe, bereits schon die nächste Generation kein Argument mehr sein würde. In ökologisch radikalisierten Allokationszusammenhängen würde weniger "die Natur", sondern die soziale Frage, d.h. die Erlangung von Verfügungsrechten, in erweiterter Dimension brisant. (1) - Nicolas Georgescu-Roegen: Was geschieht mit der Materie im Wirtschaftsprozeß? S. 17 ff. in: Brennpunkte. Publikation des Gottlieb Duttweiler Institutes, Bd.V, Nr.2, 1972; siehe zu Roegen besonders: E.K.Seifert, Geleitwort, in: N.Georgescu- -Roegen, The Entropy Law and the Economic Process in Retrospect. Übersetzung des IÖW, Berlin, Schriftenreihe Nr.5/1987; dort auch die Bibliographie Roegens.

24 19 ÖKONOMIE ODER NATUR. FÜLLE UND RETRIBUT ION DER NATUR BEI JOHN LOCKE UND FRANCOIS QUESNAY. Drei Stadien der Geschichte der Ökonomie lassen sich auseinanderhalten 1. die vorneuzeitliche Konzeption aristotelischer Provenienz, 2. die neuzeitlichen Übergangstheorien, 2. schließlich die moderne Ökonomie seit dem 19. Jahrhundert. Die ethische Einbettung der alten Ökonomie aristotelischer Herkunft wurde in der Neuzeit von Problemen abgelöst, die z.e. die Legitimation des Handels und der monetären Ökonomie, z.a. die Idee einer selbständigen menschlichen Produktion betrieben. Die Herausbildung der Konzeption autonomer Geldwirtschaft läuft parallel zur Entwicklung früher Produktionstheorien, die das Verhältnis von Natur-Produktion und menschlicher Neuwertschöpfung neu bestimmten. Die Genese der modernen Ökonomie ist in der Neuzeit weitaus stärker den philosophischen Fragen verpflichtet, die die Autonomie des Handlungssubjektes mit der Entelechie des Naturprozesses konfrontierten. Am Beispiel der lockeschen Naturrechtsökonomie und der physiokratischen Vorstellung zeigen sich die Antinomien neuzeitlicher Ökonomie am deutlichsten in der Bestimmung der produktiven Kräfte. Dem Ordnungsschwund der alten Welt galt es durch die Ordnung der äußeren Natur - in der Physik - und der der menschlichen Natur - in der ökonomischen Fundierung der Gesellschaftsorganisation - das Projekt der Moderne entgegenzusetzen. Die moderne Ökonomie beginnt mit der englischen Klassik der Spätaufklärung; die neuzeitliche mit der handelsökonomischen Literatur und den staatsfiskalistischen Konzepten des 16. und 17. Jahrhunderts. Davor wurden ökonomische Fragen entweder in der Rechtsmaterie oder in Kommentaren zum 1. Buch der Politik und zum 5. Buch der Nikomachischen Ethik des Aristoteles behandelt, mit dem Schwerpunkt in Münzgeld- und Zinsfragen 1^. Die aristotelische Konzeption der Ökonomik war bis in die Neuzeit die e i n z i g e t h e o r e t i s c h Form der Wirtschaftsbetrachtungen. Im großen und ganzen wurde der traditionelle Verbund von Politik, Ethik und Ökonomik gewahrt. Der Bruch dieser Einheit vollzog sich endgültig erst im 19. Jahrhundert.

25 20 G.W.F. Hegel, der die moderne Ökonomie seiner Zeit hinreichend kannte, beschrieb 1821 in der "Rechtsphilosophie" die Zäsur zwischen alter und neuer Ökonomie in einer Nuance, die uns auf das Thema führt: "In unserer Zeit wird die Ökonomie auch auf reflektierende Weise, wie eine Fabrik, betrieben und nimmt dann einen ihrer Natürlichkeit widerstrebenden Charakter des zweiten Standes (des bürgerlichen; B.P.) an. Indessen wird dieser erste Stand (der landbauende Adel; B.P.) immer mehr die Weise des patriarchischen Lebens und die substantielle Gesinnung desselben behalten. Der Mensch nimmt hier mit unmittelbarer Empfindung das Gegebene und Empfangene auf, ist Gott dankbar dafür und lebt im gläubigen Zutrauen, daß diese Güte fortdauern werde. Was er bekommt, reicht ihm hin; er braucht es auf, denn es kommt ihm wieder. Dies ist die einfache, nicht auf Erwerb des Reichtums gerichtete Gesinnung; man kann sie auch die altadelige nennen, die, was da ist, verzehrt. Bei diesem Stande tut die Natur die Hauptsache, und der eigne Fleiß ist dagegen das Untergeordnete, während beim zweiten Stande gerade der Verstand das Wesentliche ist und das Naturprodukt nur als Material betrachtet werden kann". 2 ) Nicht der Gegensatz zwischen älterer Gesinnungs- gegenüber moderner Verstandesorientierung der Ökonomie - die Entgegensetzung von Ethos und Logos -, sondern die im letzten Satz beanspruchte Differenz in der Naturauffassung ist das Entscheidende: In der älteren Ökonomik aristotelischer Provenienz - und nichts anderes trägt Hegel ins Zitat - "tut die Natur die Hauptsache", während der modernen Ökonomie des frühen 19. Jahrhunderts die Natur nurmehr als Material der Neuformierung des industriösen Verstandes vorkommt. Natur und Produktion geraten in Gegensatz. Es ist genauestens auf die Semantik zu achten: die Natur als Material der menschlichen Formierung ist noch bei Hegel Produkt der Natur - die Menschen produzieren hier gar nicht. So bleibt zu unterscheiden zwischen einer P r o d u k t i o n der Natur und der m e n s c h 1 i - chen P r o d u k t i o n, die Natur-Materie nach dem Bilde formt, das der Verstand zu setzen weiß. 3 ) Die neuzeitliche Ökonomie konzentriert sich auf die Produktion des Reichtums (wealth/richesse). Reichtum ist das Produkt nationaler wirtschaftlicher Bemühungen und in der kameralistischen Tradition eine Staatsaufgäbe. Produktion und Distribution sind in der klassischen, vornehmlich der englischen, Ökonomie Komplementärbegriffe. Nicht nur das makroökonomische Resultat, der Reichtum oder wealth of nations, sondern auch die Verteilung auf die verschiedenen Einkommensklassen nach Maßgabe ihrer produktiven Beiträge gehört

26 21 zum Kern ökonomischen Wissens. Die Frage der Neuwertschöpfung - welche ökonomische Tätigkeit produktiv sei - bewegt die klassische Ökonomie bis an ihr Ende in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Vorsichtig noch hantiert Adam Smith mit dem Produktionsbegriff; im "Inquiry to the Nature and Causes of the Wealth of Nations" (1776) werden die "causes" der Reichtumsentstehung mit dem terminus technicus "productive Powers of Labour" im 1. Buch des Werkes eingeführt. In J. Steuarts "Principle of Political Economy" (1767) gibt es noch keinen ökonomischen Produktionsbegriff; im 2. Buch seines Werkes spricht er lediglich von "Trade and Industry". Die klassische Konnotation "wealth is produced and distributed" taucht 4^ erstmals im Artikel "Political Economy" der 5. Ausgabe der Encyclopaedia Britannica von 1810 auf.^ Auch D. Ricardos "Principles of Political Economy and Taxation" (1817) führen weder Produktion noch Distribution in der systematischen Gliederung, obwohl die Einleitung dieses Thema verspricht. Erst sein Schüler und Freund, J. Mill, der Vater J.St. Mills, gliedert sein Buch "Elements of Political Economy" (1821) "klassisch": 1. Production, 2. Distribution, 3. Interchange, 4. Consumption; und Torrens im selben Jahr publiziertes Werk formuliert den Titel als "Essay on the Production of Wealth". Und erst bei J. St. Mill erfolgt endgültig die Trennung von Produktion -die nach "natural laws" sich richtet - und Distribution, die der normativen Verfügung der Gesellschaft anheimgestellt ist. ) Beide letztgenannten aber, Mill wie Ricardo, haben noch Schwierigkeiten, den Produktionsbegriff gänzlich zum ökonomischen zu erheben; die Grenze zwischen menschlicher Produktion (= Arbeit) und Naturproduktion (= Hervorbringung der Natur)^ sei nicht leicht zu ziehen; und auch wenn Ricardo vordem - im, wenn auch kritischen, Anschluß an A. Smith's Ökonomie - die Arbeit besonders hervorhebt, so sind die Naturkräfte noch eigenständig, die Produkte der Natur "obtained by labour. Nature, indeed, produces them". 8 ) Arbeit, setzt er fort, "prepares them (die Naturprodukte; B.P.) for our service". Noch am Anfang des 19. Jahrhunderts wird der von Hegel für unsere Zwecke aufgeworfene Gegensatz von natürlicher und menschlicher Produktion bestätigt und verschwindet erst in den werttheoretischen Debatten des späteren Jahrhunderts. Doch ist der Objektbereich der Ökonomie bereits gesichert. Die Naturkräfte, durchaus selbständige Untersuchungsobjekte der Naturwissenschaften, interessieren die Ökonomie nur insofern, wie sie Werte

27 22 schaffen, d.h. wie sie nach dem Bilde des menschlichen Verstandes durch tätige Umformung zweckdienlich werden. Für die neuzeitliche Ökonomie, auf die die klassische gründet, ist dieses Fundament noch nicht gesichert; ihre Antinomien beziehen sich aus der Schwierigkeit, ältere Natur- und Ordnungsauffassungen durch einen Begriff der selbsttätigen Zwecksetzung zu ersetzen, der die Ökonomie erst zu einem eigengesetzlichen Gebilde zu entwickeln erlaubte. Die lapidare Entgegensetzung in Hegels Fußnote bezeichnet einen Jahrhunderte andauernder Prozess des 'Projektes der Moderne 1 von der älteren kosmischen Naturordnung, der die Polis und deren Ökonomie eingefügt galt, bis zur Autonomie des neuzeitlichen Subjektes, das die Natur seiner Verstandeskräfte entfaltet und darin nicht mehr naturvorgegebenes Telos, sondern sich selbst zu setzende Zwecke realisiert. Nun wäre es ein Mißverständnis, der älteren Ökonomie eine Konzeption vernünftigen Handelns abzusprechen, aber die Zielsetzungen sind andere: "Ein aristotelischer Theorieansatz betrachtet die paradigmatischen subjektiven Zielsetzungen als von der Ordnung der Natur bestimmt. Vernunftgeleitet zu handeln bedeutet, gemäß der Einsicht in diese Ordnung zu handeln. Im Gegensatz dazu ist der moderne Freiheitsbegriff prozedural definiert. Wir sind rational in dem Maße, in dem unser Denken prodedurale Standards erfüllt,.... Vernunftgeleitet zu handeln bedeutet nun, eignes Handeln an Methoden und Maßstäben zu orientieren, die dem Kanon rationaler Prozeduren entsprechen, z.b. gemäß klarer Kalkulation zu verfahren oder selbstbestimmten Gesetzen Folge zu leisten, da sie den Erfordernissen der Vernunft entsprechen. Vernunftgeleitet zu handeln ist daher synonym mit der als Freiheit verstandenen Selbststeuerung - entsprechend einer Ordnung, die das Subjekt selbst geschaffen hat, und im Gegensatz zur angenommenen Ordnung der Natur". 9) Die ältere Ökonomie zentriert die menschlichen Zwecke auf die Einhaltung oder Erfüllung einer Naturordnung. S.T. Lowry definiert diesen Topos prägnant: "Only nature produces wealth, man can organize it"*^. Jene Ordnung der Dinge ist neuzeitlich verwandelt in die einer Natur, die vom freien Subjekt erwartet, ihre Gesetze vorgeschrieben zu bekommen; mit der Folge, daß die Natur als selbst produktive nicht mehr in Erscheinung tritt. Mit der neuzeitlich erlangten Autonomie des Subjektes gilt die Natur als eine tabula rasa der eignen Zwecksetzungen. Nicht mehr die "Natur der Natur", sondern die des mensch-

28 23 liehen Verstandes ist wissenschaftsbestimmendes Moment geworden - und darin das Fundament auch der neuen Wissenschaft der Ökonomie. Damit sind wir in den Spannungsbereich der Herausbildung der neuzeitlichen Ökonomie getreten, zu John Locke, der, als philosophical economist, und als Engländer, im 17. Jahrhundert eine Naturrechtsökonomie der freien Subjektautonomie gegenüber der Natur entwickelte. Und ihr entgegen stellt sich ein halbes Jahrhundert später die im aufgeklärten Frankreich entworfene physiokratische Ökonomie mit einer anderen Produktionstheorie, worin die Natur allein produktiv ist. Im Folgenden geht es nicht um die Darstellung früher Vorformen moderner; ökonomischer Produktionstheorie, sondern darum, die besondere Bedeutung einer p r o t o ö k o n o m i s c h e n Theorie der P r o d u k t i o n der N e u z e i t hervorzuheben. Bevor nicht die Fundamente des Verhältnisses von natürlicher und menschlicher Produktion analysiert sind, kann von einer Eigengesetzlichkeit der Ökonomie, im strengen Sinne nicht die Rede sein. 1. Fülle der Natur und Selbsterhaltung durch Arbeit: John Lockes Naturrechtsökonomik John Locke ist in der ökonomischen Theoriegeschichte ein wenig unterschätzt worden, weil man seine geld- und zinstheoretisehen Essays für die Ökonomie, seine Naturrechtslehre für die Politik reservierte, ohne den Zusammenhang herzustellen, den sie für ihn bildeten. 11 ) Den ökonomischen theoretischen Kern bildet das 5. Buch der II. treatise, worin das Recht auf Eigentum durch die Pflicht, es arbeitend zu erwerben, postuliert wird. Frei und unabhängig kann ein Bürger der lockeschen Gesellschaft nur durch ein selbsttätig erworbenes Eigentum sein, durch fortwährende Tätigkeit. Der Grund für diese Arbeitspflicht besteht ökonomisch in der Selbsterhaltung 1. seiner selbst, 2. danach der anderen, der Gesellschaft, wobei (1) die notwendige Voraussetzung für (2) ist. Dieses utilitaristische Moment ist grundsätzlich schöpfungstheologisch eingebettet: Gott hat den Menschen die Erde zur Bewahrung und vollständigen Inbesitznahme übereignet. 1^) Das dominium terrae findet sich ideal in Obereinstimmung mit expansivem Außenhandel und Kolonialisie-

29 24 rung. Die theologische Einbettung ist nicht nur ein Remeniszens an die Zeit, sondern legt eine Ambivalenz des Arbeitsbegriffes offen, die durch die schlichte Lektüre des 5. Buches der II. treatise nicht erlangt wird. Selbstverständlich gilt die Arbeit/Reichtum-Relation in dem Sinne, daß jeder sich selber zu erhalten hat, und auch in dem erweiterten, daß nur diejenigen Gottes Schöpfung vollenden und erhalten können, die sich selber zu erhalten verstehen, was die Erhaltungsbedingungen für die sich fruchtbar vermehrende Gattung der industrious, der fleißigen Christen gegenüber den faulen Indianern, einbeschließt. Ausschließlich die Arbeit ist in diesem Sinne produktiv: Werte entstehen ohne Beihilfe der Natur; darauf kommen wir gleich genauer zurück. Die Locke eigentümliche Konnotation der selbsterhaltenden Arbeit und der schöpfungstheologisch deduzierten Annektion unfruchtbarer Böden der Erde, d.h. aller Landpartien nicht vollendeter Schöpfung, die nach dem Paradiesmodell in fruchtbare Gärten zu verwandeln wären, verschiebt den Grundgehalt des Arbeitsbegriffes auf die Handelstätigkeit: auf den vom Verstand (reason) 1 ^ j getragenen Fleiß (industry). Der Arbeitsbegriff wird verallgemeinert, von der körperlichen Hantierung auf jede klug disponierende Handlung erweitert. Diese Verallgemeinerung gehört zusammen mit der besonderen Bedeutung des Geldes in der lockeschen Ökonomie, die in der gewöhnlichen Interpretation der Bedeutung der Eigentum/Arbeit- Relation unterschlagen wird. Ebenso wie Hegel, den wir zitierten, macht Locke eine Unterscheidung zwischen dem natural State, in dem jeder soviel erwarb, wie er brauchte und wie die Natur hergab, und dem civil State der Gesellschaftsentwicklung, der mit der Einführung des Geldes keine natürlichen Grenzen des Begehrs mehr gewährleistet. Locke wiederholt hier lediglich die aristotelische Grundunterscheidung zwischen oikonomike chrematistike (bzw. oikonomia kata physin), der natürlichen, agrarischen Erwerbsform der Wirtschaft, und dem auf Geldverkehr basierenden Handel, der kapelike chrematistike, der unnatürlichen, nämlich strukturell maßlosen Form. Locke aber betreibt die endgültige I n v e r s i o n der aristotelischen Ökonomie, indem er seine Argumentation auf ein anderes Ziel hinauslaufen läßt: auf die Legitimation des Geldgebrauches. Das ist der entscheidende Schritt systematischer Natur in der Entwicklung der neuzeitlichen ökonomischen Theorie. Im 5. Buch der II. treatise entfaltet Locke die geldtheoretischen Konsequenzen seiner Eigentum/

30 25 Arbeit-Relation am Beispiel einer inselbesitzenden Familie ( 45 Es gibt kein Geld, aber genügend fruchtbaren Acker. Locke stellt die entscheidende Frage, die aus den Bestimmungen der älteren oeconomia und ihrem autarkisehen Grundkonzept herausführen soll: "Welche Veranlassung könnte auf seiner solchen Insel irgendein Mensch haben, seinen Besitz an dem was der eigne Fleiß erzeugte oder was er für ebenfalls verderbliche, nützliche Dinge mit anderen eintauschen könnte, über das hinaus zu vergrößern, was für den Bedarf seiner Familie und zu ihrer reichhaltigen Versorgung notwendig ist?" 14) Die Antwort auf diese Frage ist in einem anderen, universelleren Zusammenhang von Locke schon vorher entschieden worden. In der I. treatise ( 37) bestätigt er, daß Gott Noah und seine Söhne mit "unendlich viel mehr" ausgestattet habe, "als alle zusammen für ihre Bedürfnisse brauchten". In der II. treatise nimmt Locke diesen Gedanken wieder auf: daß die "Menschen zu Abrahams Zeiten" nicht mehr Eigentum brauchten, "als sie wirklich nutzen konnten" ( 38). Die Menschen "haben durch stillschweigende und freiwillige Zustimmung einen Weg gefunden, wie ein Mensch auf redliche Weise mehr Land besitzen darf als er selber nutzen kann, wenn er nämlich als Gegenwert für den Oberschuß (overplus) an Produkten Gold und Silber erhält, jene Metalle, die in der Hand des Besitzers weder verderben noch umkommen und die man, ohne jemandem Schaden zuzufügen, aufbewahren kann". 15) Im Insel bei spiel wird die hier resümierte Verbindung von overplus und Ansammlung dauerhaften Geldes mit dem Handel verknüpft; "denn ich frage, welchen Wert soll ein Mensch zehn- oder hunderttausend Acres vortrefflichen, fertig bebauten und gut mit Vieh besetzten Bodens mitten im Inneren Americas zumessen, wo er keinerlei Hoffnung hat, mit der übrigen Welt Handel treiben zu können, um durch den Verkauf seiner Erzeugnisse Geld zu gewinnen?" 16) Geldgebrauch, Handel und Bodenvermehrung - durch Aneignung, Kultivierung oder Produktivitätsverbesserung - bilden einen geschlossenen Zusammenhang, innerhalb dessen sich die neuzeitliche (Außen-)Handelsmarktökonomie entfaltet. Die spezifische Definition der Geldfunktion lautet: Geld - als selber dauerhafter (Münz-)-Gegenstand - macht den Besitz d a u e r h a f t. Denn Geld, im Gegensatz zu den durch die Arbeit hergestellten Gütern, verdirbt nicht. Hiermit werden keine Phänomene beschrieben, sondern Definitionen gesetzt. Güter sind, selbst die haltbarsten, letztendlich Gegenstände des Konsums und damit vom Wesen der Sache her vergänglich. Geld hingegen erhält sich im Gebrauch, wechselt den Besitzer, behält aber den Wert (unabhängig von

31 26 den gesondert behandelten ökonomischen Valutierungen). Die lockesche Legitimation des Geldes als, dauerhafter Besitz - in der Art der Formel des "Gebrauchs ohne Verbrauch" - ist nicht nur ein Gegenargument gegen den Verdacht, daß das Geld unendlichen Begehr und Maßlosigkeit entfessele. 17^ Ein Eigentum, das nur im Gebrauch Bedeutung erlangt, ist, auch als Geld, weiterhin erst einmal ein "barren thing". Von seiner prinzipiellen Sterilität wird das Geld erst durch eine produktive Verwendung befreit. Der Gesamtzusammenhang der produktiven Verwendung des Geldes ist die neue Ökonomie des expansiven Außenhandels, deren Theorie Locke entwirft. Der Zusammenhang zwischen dem Geld und der Bodenvermehrung stellt sich nun wie folgt dar: da nichts bloß um des Verderbens willen hergestellt werden darf, sondern nur das, was auch gebraucht wird (weil sonst den anderen, die es brauchen könnten, etwas weggenommen wird), entsteht ein Konflikt zwischen dem schöpfungstheologisch lancierten Gebrauchsgebot der ganzen Erde und der dadurch erzeugten Oberproduktion. Erst das Geld - und der Tausch der Oberproduktion (overplus) gegen das Geld - garantiert legitime Eigentumsvermehrung, denn der eine behält das Geld als dauerhafte Form des Besitzes und inkorporierter Arbeit, der andere erhält, was er braucht, zum Konsum. Der Oberschuß ist sozial - durch den Markt - vermittelt und die monetäre Handelsökonomie dynamischen Typos' legitimiert. Wie sich zeigt, ist die Eigentum/Arbeit-Relation nicht unabhängig vom gesamtökonomischen Kontext zu verstehen. Arbeit ist bei Locke ein universaler Begriff der Schöpfungsaneignung in ökonomischer Sicht; der Ausbau der Arbeitsfähigkeiten, zu der mehr der Verstand und die Handlungsklugheit als das Vermögen, körperlich tätig zu sein, gehören, ist eine dynamisch konzipierte Form der Selbsterhaltung menschlicher Gesellschaft. Wir haben, in Lockes Ökonomie, eine angelsächsisch insulare Version der Autonomie des neuzeitlichen Subjektes vorliegen, das sich die Zwecke seines Handels unter der Bedingung der Selbsterhaltung frei selber setzt, um den Schöpfungsauftrag erfüllen zu können. Locke steht noch in der Tradition der nominal istischen Scholastik seit Duns Scotus (eine Tradition gerade der Oxforder Universität, die auch Lockes Schule und Lehrstätte war), die die Freiheit Gottes vor die Vernunftnotwendigkeit der geschaffenen Ordnung stellt, so daß auch die potentia.absoluta - die völlige Freiheit Gottes gegenüber seiner Schöpfung - vor die potentia ordinata - die Selbstbeschränkung Gottes auf die in seiner Schöpfung auch für ihn geltende Ordnung - kommt.

32 27 Ockham unterscheidet innerhalb dieses Zusammenhanges zwischen universaler Kontingenz - der Freiheit Gottes gegenüber der Welt - und innerweltlicher Kontingenz - der voluntas creata, der Freiheit des Menschen. Die beiden Kontingenzen entsprichen sich und der menschliche freie Wille sowie sein Handeln können als Realisationen des göttlichen Willens verstanden werden. Die Vernunft, sagt Locke, ist die Stimme Gottes in uns. 18 ) Die Natur ist in der lockeschen Ökonomie zum Sujet der Verstandesautonomie verwandelt worden. Im 5. Buch der II. treatise wird der Natur 1. Fülle, 2. Wertlosigkeit zugeschrieben. 1^) Die Prädikationen sind komplementär gesetzt: Die Fülle der Hervorbringungen ist solange ohne Wert für die Menschen, bevor sie sie nicht arbeitend sich angeeignet haben. Im Umkehrschluß ist es dann ausschließlich die Arbeit, die Werte erzeugt. Doch damit ist der ökonomische Sinn noch nicht erfaßt. Werte sind der Ausdruck dauerhaften Besitzes; die qua Arbeit erzeugten Güter sind als reine consumptiva noch ohne ökonomischen Wert, der sich erst im Austausch des Überflusses der autarken Erzeugungen ergibt. Wert hat ein Gut nur im äußeren Sinne: indem es auf dem Markt gegen Geld abgeschätzt wird, einen Preis bekommt. Der Arbeitswert führt bei Locke nicht zu einer Arbeits-Wert-Theorie in der Art der englischen Klassik, sondern ist systematisch mit dem Geld verknüpft; und deshalb kann die Arbeit nur dann produktiv sein, wenn sie ihre Resultate auf dem Markt, im Handel realisiert. Arbeit und Produktion, und damit kommen wir auf das Hauptthema zurück, stehen in einem komplexeren Zusammenhang. Die Fülle der Natur ist eine neutrale Fülle, die den menschlichen Zwecksetzungen nirgendwo entspricht. Die Natur erscheint gleichsam als eine potentia, die durch die Arbeit erst aktualisiert werden muß. In dieser Aktualisierung der Naturpotenz aber erscheint die Arbeit nurmehr als eine Ursache in einer Reihe anderer als causa efficiens. Die vier Ursachen der scholastischen Tradition - causa materialis (der Stoff)/ causa formalis (die Form) / causa finalis (der Zweck)/ und causa efficiens (die den Effekt bewirkende Ursache) - geraten in der Neuzeit, außer der letzten, in Vergessenheit. Causa efficiens erscheint als die einzige, die Anspruch erheben kann, eine Ursache genannt zu werden, weil sie allein wahrnehmbar etwas bewirkt. Im 26. Kapitel des II. Buches seines "Essay Concerning Human Understanding" legt Locke die Beziehungen von Ursache und Wirkung offen.

33 28 "Wenn ein Ding ganz von neuem gebildet wird, so daß kein Bestandteil jemals vorher existierte, wenn zum Beispiel eine neue Partikel der Materie, die vorher kein Dasein besaß, in rerum natura zu existieren beginnt. In diesem Fall sprechen wir von SCHÖPFUNG (creation). Wenn ein Ding zwar aus lauter schon vorher existierenden Partikeln gebildet wird, das Ding selber aber, das sich in dieser Weise aus präexistenten Partikeln zusammensetzt, die, gemeinsam betrachtet, eine bestimmte Zusammenstellung von einfachen Ideen bilden, früher keinerlei Dasein besaß, wie zum Beispiel dieser Mensch, dieses Ei, diese Rose, diese Kirsche usw.. Bei dieser Art von Entstehung sprechen wir von ERZEUGNIS (generation), wenn sie auf eine Substanz bezogen ist, die im gewöhnlichen Naturverlauf durch ein inneres Prinzip zustandekommt, das durch ein äußeres Mittel oder eine äußere Ursache in Tätigkeit gesetzt und empfangen wird und auf eine für uns nicht wahrnehmbare Weise wirkt. Ist die Ursache dagegen äußerlich und wird die Wirkung durch eine für uns sinnlich wahrnehmbare Trennung oder Nebeneinanderstellung unterscheidbarer Teile erzeugt (produced), so sprechen wir vom MACHEN (making). Hierzu gehören alle künstlichen Dinge. Wird eine einfache Idee erzeugt, die vorher nicht in dem betreffen den Gegenstand vorhanden war, so nennen wir das VERÄNDERUNG (alter nation). Somit wird ein Mensch erzeugt (generated), ein Gemälde gemacht (made); beide werden verändert (altered), wenn in ihnen eine neue, vorher nicht vorhandene sinnlich wahrnehmbare Qualität oder einfache Idee erzeugt (produced) wird. Alle Dinge, die auf diese Weise zur Existenz gelangen und vorher nicht vorhanden waren, heißen Wirkungen; diejenigen, die diese Existenz bewirken, Ursachen." 20) Die Schöpfung (creation) bleibt ausschließlich Gottes Handlungsvermögen, Erzeugung (generation) und Herstellen, Machen (making) sind durch die Menschen bewirkt; beim making ist dieses sicher, bei der generation aber nur zur Hälfte: So kann wohl ein Mensch einen anderen zur Welt bringen helfen. Mann und Frau treten als externa! agent or cause in Erscheinung, die ein internal principle in Gang setzen - die embryonale Entwicklung des neuen Menschen. Von den vier Produktionsmodi Lockes: 1. creation 2. generation 3. making 4. alternation sind der 1. und der 3. Modus wohl definiert; beim 2. aber, der generation stellt sich sofort eine Analogie zur Eigentum/Arbeit-Relation im 27 der II. treatise her. Dort wird die Arbeit des menschlichen Körpers als Mischung (mixed) mit der Natur bezeichnet. In der Analogie von Arbeit und generation erfahren wir den lockeschen Produktionsbegriff. Die Natur (auf ihrem ordinary course) erzeugt ihre Hervorbringungen, Früchte nach einem inneren Prinzip, dessen Wirken wir nicht wahrnehmen können. Für den natural State in Lockes naturrechtlicher Gesellschaftstheorie reicht diese Fülle der Naturproduktionen für die Menschen, die sie aufheben, jagen und sammeln. Diese frühe Aneignungs-

34 29 Arbeit verwandelt sich im civil State in geordnete Agrikultur. Auf den Kulturböden aber erzeugt die Natur ihre Fülle nur durch die auf sie aufgewendete Arbeit. Die agrikulturellen Arbeiter treten als äußere Ursache (external agent or cause) in Tätigkeit, die der Natur einen gezielten Impuls geben. Zwei Produktions-Formen sind zu unterscheiden: 1. Die Natur, die, indem sie ihr internal principle wirken und den Dingen, die sie entwickelt, ihren Lauf läßt, produziert - die alte, alles in ihrer eigenen Lebendigkeit hervorbringende Physis (natura naturans). 2. der neuzeitliche Arbeiter, der der Natur gegenüber als causa efficiens auftritt, die die Naturmaterie anregt, ihr einen Impuls oder Stoß gibt, damit sie das ihrige beginne und ausführt. Der neuzeitliche Arbeiter vollendet, was die Natur von sich aus für ihn nicht leistet, nach dem Bild seiner Vorstellung. Diese zweite Natur (des civil State) ist die eine der "two sorts of beings in the world... such as a purely material, without sense, perception, or thought"^), der die andere Sorte, die neuzeitlichen Arbeitermenschen, gegenübertreten: "sensible, thinking, perceiving beings, such as we find ourseives to be".^ Wo die Naturdinge als Rohstoffe des menschlichen Handelns betrachtet werden, sind die naturteleologisehen Traditionen aufgegeben. Man verschiebt die Produktion der Natur auf die des Arbeiters, da offensichtlich die Naturfrüchte nur wegen ihres Arbeitseinsatzes hervorgebracht werden. Der Charakter dieser Verschiebung wird selbst nicht genau gesehen, da ja die Natur weiterhin ihre Produkte hervorbringt, aber ihr wird die selbsttätige Ursächlichkeit abgesprochen und es gilt nun, daß der kultivierende Arbeiter den Naturprozess erst in Gang bringt. Die Gründe für diese Verschiebung sind schließlich erkenntnistheoretischer Art. Da"man den Prozess, der in der Natur abläuft und ihre eigenständige Produktivität ausmacht (ihr internal principle) nicht wahrnehmen kann, erscheint jetzt der Arbeiter, gleichsam substitutiv, als Bewirker des Resultates. Folglich wird die Produktion der Natur nicht mehr als eigenständiger Prozess verstanden, sondern als Voraussetzung der eignen Arbeit. Die Entprozessual isierung der Natur, ihre Konstatierung als natura naturata, entspricht der Prozessual isierung des Arbeitssubjektes in der Neuzeit.

35 30 Die Tätigkeit des Arbeiters lockescher Provenienz wird identisch mit seiner Selbst- und Lebenserhaltung: er produziert jetzt sein Leben selber, und alle vormalige Lebendigkeit der wirkenden Physis zieht ein in die Selbsterhaltung des menschlichen Lebens, dessen Handeln als Bewirken, und die Vernunftnatur des neuzeitlichen Menschen entfaltet formende Aktivitäten, die künstlichen, d.h. vom Verstände her entwickelten Zwecken folgen. Diese Modifikation des ordinary course of nature in Richtung auf menschliche Lebens-Mittel-Produktion ist bei Locke in dem bisher noch vernachlässigten 4. Produktionsmodus: der alternation, thematisiert. 'Alternation 1 überformt 'generation' und 'making', wenn es neue Qualitäten erzeugt. Die Umformung der Naturprodukte zu ökonomischen Werten ist eine solche alternation. Causa finalis, traditionell eine Naturabsicht, wird nun zu einer durch die Notwendigkeit der menschlichen Selbsterhaltung bedingten- neuen Zwecksetzung. Was bedeutet alternation oder Veränderung? Nichts anderes als eine Bewegungsänderung (die einen bewegten Körper, dem eine von anderswo her bezogene Kraft einwohnt, in seiner Richtung abändert). So gibt die Billardkugel einer anderen einen Impuls, indem sie die Bewegung überträgt (transfer), aber nicht erzeugt (produce) Die Übertragung kann auch als ein beim anderen Körper hervorgerufener Obergang (alternation), eine Veränderung von der Ruhe in die Bewegung angesehen werden. Dadurch entsteht aber noch keine eigentliche Tätigkeit, merkt Locke gleich an. 24 ) Der 'transfer' ist mit der 'alternation' synonym zu setzen, wodurch wir genauer wissen, daß die 'alternation' die Veränderung der Bewegung eines anderen Körpers ist, ohne daß wir eine bestimmte Idee der aktiven Kraft erlangen; "denn die Körper gewähren uns keinerlei Idee von einer ihnen innewohnenden Kraft, eine Tätigkeit, sei es Bewegung oder Denken, zu beginnen". 25 ) 'Only transfer, but not produce 1 ist die analoge Formel für den Arbeiter. 'Transfer 1 oder 'alternation' ist die durch "Reflexion erhaltene Idee eines Beginns", die durch die Fähigkeit unseres Willens glaubhaft wird, die Organe unseres Körpers in Bewegung zu setzen. 2 ) Damit ist die Mitarbeit der Natur, ihre aktive Kraft, wiederum nicht ausgeschlossen, nur ist sie nicht wahrnehmbar und bleibt eine "unbestimmte Idee" 27 ). Allein deshalb können die Menschen glauben, daß sie die endgültigen Bewirker einer Handlung sind: Indem sie den Impuls

36 31 geben, ändern sie die Richtung einer aktiven Kraft, ohne selbst diese Kraft zu sein. Die Natur ist nicht mehr identisch mit dem "inneren Prinzip", aus dem heraus die Bewegung der Körper erfolgen soll. Da die inneren Kräfte unzureichend verstanden werden, muß der reflektierende Verstand auf die Kausalität der Bewirkung durch aktive Verursachung ausweichen, wenn er seine Resultate haben will. In der Analogie von Arbeits-Kraft zu sprechen, führt auf energetische Irrwege; die Arbeit erzeugt neue Zwecke durch die Änderung der Bewegungsrichtung der durchaus, im alten Sinne, aktiven Naturproduktivität. Aber die durch den Verstand in Gang gesetzte Wirkung dieser Veränderung ist das entscheidende Resultat, nicht die Kraftäußerung des menschlichen Arbeiters. Die ökonomische Theorie der Arbeit ist eine Theorie der instrumentellen Vernunft, der die Naturbewegungen nurmehr Gegenstand der Reflexion und tätigen Änderung geworden sind. 28 ) Die Arbeit aber ist nicht vollständig Produktion, da in der generativen Mitwirkung der Natur im agrikulturellen Prozess noch die ältere Produktionsidee, die allein der Natur vorbehalten war, mitschwingt. Lockes analytische Ambivalenz zeigt die Schwierigkeit der Ablösung des alten Bildes, die erkenntnistheoretisch besser zu gelingen scheint als im ökonomischen Kontext. Die Abschaffung der Naturzwecke für die Belange menschlichen Handelns aber schlägt sich nicht nur in der protoökonomisehen Produktionstheorie, sondern ebenso auch in der Werttheorie nieder: die ältere bonitas intrinsecas, die den Dingen inhärente Qualität, the intrinsic value, gilt nicht mehr, wie noch in der Scholastik, für die ökonomische Wertbestimmung, sondern allein der Preis (bonitas extrinsecas), der sich nach Marktumständen, nicht aber nach der Natur der Dinge richtet. Einzig beim Geld führt Locke noch eine Debatte um dessen intrinsischen Wert, indem er dem Silbergehalt der Münzgeldmenge eine verläßliche Konstanz zuschreiben möchte, die die Funktion des Geldes als Werterhaltungsmittel normieren soll. 29 ) Damit ist aber die Geld"Natur" durch gesellschaftliche Konvention definiert; die sozialvertrag!iche Institutionalisierung des Geldes wird zur neuen Rechtsnatur, die die Aufgaben der älteren Natürlichkeit einer Sache übernimmt.

37 32 2. Rétribution der Natur und Limitation der Industrie nach Naturgesetzen: François Quesnays physiokratische Ökonomie. Das ökonomische Konzept der Physiokratie ist von François Quesnay in der Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelt worden. Quesnay war protegée der Madame Pompadour am Hofe Louis XIV und Louis XV und zuvor Arzt im Fach der Chirurgie. Die Bezüge, die die interpretierende Literatur hieraus schon herstellen zu können meint, daß er als Mediziner eine "oeconomie animale" geschrieben habe, woraus Rückschlüsse auf seine économie humaine zu ziehen seien, trügen. Das Kreislaufmodell, das das Fundament der physiokratischen Ökonomie bildet, ist weniger dem harvey'-sehen Blutkreislaufmodell nachgebildet als vielmehr ein Modell des Billardtisches. Le zig-zag, wie der tableau économique populär hieß, entspricht einer impulstheoretisehen Konstruktion einer Impetus-Physik. Damit ist aber in Ersatz eines physiologischen kein mechanisches Weltbild inauguriert, sondern nurmehr ein Bezug zur malebranchischen Metaphysik herauszulesen, deren okkasionalistische Grundthese Gott als einen Mitspieler beim menschlichen Handeln auffaßt, der bei Gelegenheit menschlichen Tätigwerdens seine Macht einsetzt, gleichsam wie der Stoß eines göttlichen Billardspielers. 3^ Der Mensch ist nur die angelegentliche Ursache seiner Handlungen, Gott die wahre und primäre Ursache, die Natur sein Handlungsraum. Natur ist bei Quesnay noch - sehr antik - in der Art der Physis konzipiert: eine natura naturans, die selber zeugt und hervorbringt. Sie ist die einzige Quelle der Reichtümer. Durch die Membran des Ackerbodens hindurch springen die Früchte in die Welt im jährlichen Zyklus nach Maßgabe einer guten agrikultureilen Behandlung. Das ist das Fundamentaltheorem: Die Natur als Quelle der Werte. Die agrikulturelle Arbeit der laboureurs, der Pächter, Landarbeiter und Bauern, bringt die Werte hervor, weshalb die agrikulturelle Klasse die wahrhaft produktive ist. Dagegen erscheinen alle Tätigkeiten der Handwerke, Manufakturen, des Handels und aller Dienstleistungen als steril, d.h. unfruchtbar, keine neuen Werte erzeugend. Die dritte Klasse der Grundbesitzer (classe propriétaire) - wesentlich der Adel - ist Wächter und Kontrolleur der einzigtn Reichtumsquelle der Menschen: ihrer Äcker, die nicht brach liegen dürfen.

38 33 Die classe productive, die laboureurs, erzeugt die Reichtümer der Nation und erhält dafür im Austausch alles für ihre Erzeugungstätigkeit und für ihren eigenen Lebensunterhalt zusätzlich nötige. Die beiden anderen Klassen sind von dieser Primärproduktion abhängig. In dem Maße, wie die classe productive über ihre Subsistenz hinaus Reichtümer erzeugt, können die beiden anderen Klassen existieren und sich entwickeln. Industrieentwicklung ist in diesem Sinne ganz abhängig von der Produktivität der Agrikultur. Denn beide letztgenannten Klassen verzehren nur, was die laboureurs in Ko-Operation mit der Natur erzeugt haben. Die Gliederung des tableau économique, des politischen Körpers ("la famille nationale" 31 ), in drei Klassen folgt der fundamentalen Idee, die die ganze physiokratische Konzeption bestimmt: "Daß die Herrscher und die Nation niemals die Tatsache aus den Augen verlieren, daß der Boden der alleinige Quell der Reichtümer ist, und daß es die Landwirtschaft ist, welche diese vervielfältigt". 32 ) In seinem Dialog "Ober die Arbeiten der Handwerker" erläutert Quesnay dieses Fundament: "Alle Menschen, welche arbeiten, konsumieren, um existieren zu können. Aber der Konsum vernichtet die SubsiStenzmittel. Sie müssen also von neuem hervorgebracht werden. Nun ist es die Arbeit des Landwirts, die nicht nur die SubsiStenzmittel hervorbringt, welche er selbst vernichtet hat, sondern auch diejenigen, welche von allen anderen Konsumenten vernichtet werden. Im Gegensatz hierzu verschafft die Arbeit des Handwerkers diesem nur ein Recht auf Teilnahme am Verbrauch der Subsistenzmittel, welche durch die Arbeit des Landwirts von neuem hervorgebracht werden". 33^ Handwerker (artisans) werden von den Landwirten (cultivateurs) aufgrund eines Konzeptes unterschieden, dessen Basis die Produktion als R e g e n e r a t i o n bildet. Quesnay unterscheidet streng zwischen einer "Kombination von Reichtümern" und einem "Generieren", d.h. einer "Schöpfung von Reichtümern". Das "Generieren" aber wird als Hervorbringung der Natur angesehen, an deren Produktivität oder Fruchtbarkeit den Menschen mittels ihrer Arbeit teilzunehmen (prendre part) erlaubt (permis) ist. 34 ) Die cultivateurs empfangen alles nur direkt aus den Händen der Natur, welche durch Vorschüsse (avances) und Pflegearbeiten (soins) produktiv gemacht worden ist. 35 )

39 34 Und so dürfen wir, wollen wir die physiokratische Ökonomie in ihrem Kern verstehen, den terminus "produktive Arbeit" nicht dahingehend mißdeuten, als ob die Arbeit selbst produktiv wäre. Sie kultiviert nur den Boden oder Acker, der mittels solcherart initiierter Natur- Arbeit die Früchte zeugt und also produziert. Die laboureurs oder cultivateurs sind die Ko-Operateure der Naturproduktion. Von sich aus betätigt sich die Natur nur für ihre eigenen Zwecke. Sie bleibt für sich und ist unfruchtbar in menschlichen Belangen. Ihre "Zwecke" sind nicht unsere. Die classe productive lenkt die Hervorbringungen der Reichtümer der Natur in die Richtung menschlicher Zwecke. Schließlich gelingt die 'Humanisierung' der Naturproduktionen nur in der Einrichtung und Einhaltung des ordre naturel: der Homöostase von Mensch- und Natur-Verhalten, die Mirableau/Quesnay den "concert universel" 3 ) nennen. In allem aber ist die Natur zuerst produktiv. "Was immer (dieser Arbeitsmann) für seine Subsistenz verzehrt' hat, muß von der Erde bereits vorher produziert worden sein. Es ist also nicht seine Arbeit, mittels derer seine SubsiStenzmittel produziert worden waren. Der Verzehr der SubsiStenzmittel hat ebenfalls nichts produziert, da dieser nur eine Vernichtung der von der Erde im voraus produzierten Reichtümer ist". 37 ) Das Naturapriori ist unhintergehbar. Die Handwerker (artisans) modifizieren nurmehr die Formen der von den Primärproduzenten oder laboureurs erzeugten "echten" Reichtümer; 3 ) sie verbessern die Rohmaterialien durch KOMBINATION, was streng vom "Generieren, oder einer Schöpfung von Reichtümern (zu unterscheiden ist; B.P.), welche eine Erneuerung oder einen realen Zuwachs von Reichtümern zustandebringt, die des Wiedererstehens fähig sind". 39 ) WIEDERERSTEHEN war ein Substitut Quesnay's für PRODUKTION im Sinne von REGENERATION. Der grundlegende Begriff der Regeneration erklärt die sonst etwas eigentümliche Redeweise von" "... mehren und immerfort erhalten". 4^) Während das "mehren" auf Ertragssteigerung abzielt, steht für Quesnay die Produktion zugleich in der Verpflichtung, die Grundlagen bzw. Voraussetzungen der Mehrungen zu erhalten und zu pflegen. Quesnay benutzt ein - vorsichtig formuliert - makroökonomisch ausgeweitetes ususfructus- Theorem. Der römischrechtliche ususfructus verpflichtet den Pächter eines Ackers, nur soviel von den Erträgen zu nehmen, daß seine Fertilität erhalten bleibt.

40 35 "Die Quelle der durch sterile Arbeiten erworbenen Reichtümer würde nach recht kurzer Frist versiegen, wenn diese Reichtümer für den Bedarf des täglichen Lebens verbraucht werden würben, ohne durch Kulturarbeiten erneuert zu werden. Diejenigen, die den üppigen Wohlstand der Imperien dieser Art von Reichtümern zuschreiben würden, wären wie Kinder, die in einem Garten sehr viel mehr Wert auf die Blumenraoatten legen als auf die Pflanzen und Bäume im Küchengarten." 41 ) Der "tableau économique".- das Schema der Quesnay'schen Ökonomie - will dieses Verhältnis von Lebenserhaltungsbedarf und Erhaltungsbedarf als Voraussetzung künftiger Lebenserhaltung - das Verhältnis von "Blumen-" und "Kücheilgarten" - ausmessen und proportionieren. Die Methode des tableau économique wird arithmetisch aufgefaßt in Form einer Verteilungsbilanz zwischen den drei Klassen im Verlauf eines Jahres. Ihre Faszination als erstes Kreislaufmodell der Makroökonomie geht hin bis zu W. Leontieff, der sich für seine Input- Output- Anal y se von Quesnay inspirieren ließ. Die Bedeutung der Methode ist zwar systematischer, dennoch aber anderer Art, als die modern- economics herauszulesen beansprucht. Im tableau économique werden die Bilanzen der menschlichen Moral ökonomisch verrechnet. Der ordre de la moral, oder die Sittlichkeit, wird ins Verhältnis gesetzt zum ordre de la nature. Die Erinnerung an das antike Verhältnis von kosmos und polis hilft nicht besonders zur Erklärung. Der Zusammenhang ist "moderner", und zwar nach dem Modell der Theodizee zu verstehen, die das Verhältnis von Natur und Gnade untersucht. Gott hat die Welt im Prinzip wohl geordnet. Die Obel der Welt sind von den Menschen selbst erzeugt. Nur wenn die Menschen die Obel als Resultate ihres Handelns erkennen und wenn sie ihr Handeln auf den göttlichen Ordnungsplan (eine oeconomia divina) auszurichten vermögen, können sie der Gnade teilhaftig werden. Die Ökonomie dient der Berechnung der Gnadenwege, indem sie Abweichungen von der Naturordnung notieren läßt und gesetzeshafte Vorschläge machen kann, wie der ordre de la moral, zu dem auch die ökonomischen Institutionen gehören, in Obereinstimmung mit dem Naturzugesetz zu bringen ist. Die Nation hat dazu selber die Mittel des ordre positif, der korrigierenden Gesetzgebung. Die Klassen haben sich letztendlich gemäß ihrer durch die Naturordnung vorgeschriebenen Weise zu verhalten,

41 36 wenn die Selbsterhaltung aller nicht gefährdet werden soll. Wenn die classe stérile mehr produziert, als die classe productive versorgen kann, werden die Naturgesetze, d.h. die Pläne Gottes, verletzt und die Menschen schaffen sich selber die Obel der Not. Es ist interessant, daß in diesem Falle der Luxus nicht moralisch, sondern ökonomisch aus dem Konzept der Selbsterhaltung kritisiert wird. Die Ökonomie steht auf dem Fundament einer Naturkonzeption, und der wohl geregelte Kreislauf, der auf die natürlichen Fertilitäten abgestimmt ist, bezeugt das Modell einer natürlichen Ökonomie. Die praedeterminatio physica zwingt die Menschen zur Einhaltung einer natürlichen Ordnung, wenn sie nicht in Not geraten wollen, d.h. Obel erzeugen wollen und damit den Entzug der-gnade Gottes. Die Natur ist somit nicht ausschließlich auf die Produktivität der Erde, sondern - weiter gefaßt - auf die Vorleistungen Gottes ausgerichtet. Ihre Fülle gibt die Natur her, wenn die Menschen das Buch der Natur zu lesen verstehen (Aufklärungsaspekt) und sich den erkannten Gesetzmäßigkeiten fügen. Die menschliche Handlungsfreiheit findet ihre Grenzen in der Erkenntnis und Befolgung der Wege der Vorsehung, die sich in der Natur offenbaren. Die Natur ist kein friedlicher Partner, sondern droht, ihre Nahrungsproduktion in ungenießbare Früchte zu verwandeln, wenn sie nicht ständig und im richtigen Maße kultiviert wird. Die Wüstungen und Brachländer, die die in die Städte abwandernden Bauern zurücklassen, sind der Ausgangspunkt für Quesnays ökonomisches Raisonnement.^ Die Resurrektion der Natur, die ehedem fruchtbares Land in wilde Natur zurückzuwandeln droht, steht im Hintergrund der physiokratischen Berechnungen jenes schmalen Pfades, der die notwendige Agrikultur ins angemessene Verhältnis zur gesellschaftlichen Gesamterhaltung zu setzen hat. Nicht die heilige Ehrfurcht, sondern die Furcht vor ihrer potentiellen Wildheit bringt die Physiokratie auf die Erstellung eines Modells natürlicher Ökonomie. In diesem Sinne ist der ordre de la moral nicht bloß ein humaner Kanon von Rechten und Pflichten, sondern ein doppelt eingefaßtes Naturrecht, das die Menschen z.e. von Natur aus haben, z.a. aber immer auf die Naturverpflichtung hin zu prüfen haben. Der wissenschaftliche Vorteil der Physiokratie im 18. Jahrhundert ist ein Kalkül der Gnade, die Ökonomie eine Meßkunst, die Aufklärung schafft

42 37 über die notwendigen Zusammenhänge, in die menschliches Handeln sich begeben muß, um Prosperität zu fördern und Not abzuwenden. Denn könnte die Produktion von Reichtümern, die sich aus der handwerklichen oder sterilen Arbeit ergäben, größer sein "als die jährliche Reproduktion, die selber das Maß der jährlichen Ausgaben der Nation abgibt? Es ist offensichtlich, daß hier nur eine Zirkulation ohne Steigerung von Reichtum vorliegt,..., wobei deren Ausmaß gleich dem der Reichtümer ist, welche das Territorium jährlich hervorbringt. Die Arbeiten der Handwerker und Künstler können sich also nicht über den Anteil an den Ausgaben ausdehnen, welchen die Nation dafür, nach Maßgabe des Gesamtausmaßes, zu verwenden in der Lage ist. Diese Arbeiten können also den Reichtum, welchen die Nation jährlich ausgibt, nicht steigern, und zwar weil ihnen selbst Grenzen erwachsen aus dem Ausmaß dieses Reichtums, welcher sich nur durch die Arbeiten in der Landwirtschaft, nicht aber durch die Ausgaben für die Arbeiten des Handwerks erhöhen kann. Somit liegt der Ursprung, die prinzipielle Ursache jeder Ausgabe und jeglichen Reichtums in der Fruchtbarkeit des Bodens, dessen jährliche Erträge man eben nur durch seine Erträge selbst vervielfachen kann". 43 ) Das physiokratische System ist etwas komplexer als hier unter dem einzigen Gesichtspunkt des Verhältnisses von Natur und Ökonomie dargelegt worden ist. Es stellt eine Gesellschaftstheorie dar, die den Zusammenhang von Ökonomie, Recht, Politik und Sittlichkeit in eigenständiger Ordnung zu gliedern versucht. Die Folgerungen - so das "laisser-faire"-prinzip (für den Außenhandel) und der impot unique, die Einheitssteuer auf die Pachterträge - sind bekannter geworden als das System selbst. Aber nicht diese Spezifikationen, sondern der Grundzusammenhang von Naturproduktivität und Neuwertschaffung hat die spätere Ökonomie noch beschäftigt.

43 38 3. Rezeption der Natur und Freigabe der Industriedynamik: Die Auflösung der Antinomie im 19. Jahrhundert. Es hat sich zeigen lassen: daß die neuzeitliche Ökonomie antinomischer Gestalt ist, die zu der Frage nach den Quellen des Reichtums zwei Antworten bereit hält, die von der philosophischen Basis des Weltverständnisses nicht getrennt werden können. I. die ältere, die die gesamtwirtschaftliche Neuwertschöpfung an die richtige Bemessung der natürlichen Produktivität bindet, und II. die neuere, die die Neuwertschöpfung an die Ausweitung der menschlichen Produktionsvermögen, der Entwicklung der sie tragenden Marktformen und -institute bindet. Die II., lockesche Version baut auf die Kritik und Inversion der aristotelischen Ökonomietradition, während die Physiokratie in ihrem Versuch, natürliche Grenzen des Reichtumserwerbs zu bestimmen, das aristotelische Programm wieder aufnimmt, wenn auch mit modernen Mitteln der Sozial Produktsberechnung. Lowrys schon zitierte Definition des antiken Wirtschaftstypus 1 - only nature produces wealth, man can organize it - wird bei Quesnay zu einem Imperativ, die Naturdisposition der Ökonomie in korrekter Bemessung zu realisieren. Die Freiheit der menschlichen Zwecksetzungen - Lockes ökonomischer Handlungsimpetus - wird von den Physiokraten in eine strenge Gesetzesbindung gebracht, deren Einhaltung den Vorteil bringt, die geheimen Intentionen der Natur zu verwirklichen, was die Gnade Gottes erwirkt, das Gute in der Welt (und damit die Welt als positive Schöpfung) erhält und von vornherein die Schuld tilgt. Zwei unterschiedliche theologische Bezugsrahmen lassen sich extrahieren. Bei Locke ist die Erhaltung der Schöpfung identisch mit einer dynamischen Handelsexpansion und der Aneignung der Weltressourcen. Die Unschuld der Natur in das den Menschen Dienliche zu verwandeln ist die universelle Aufgabe der Arbeit. Allein die tätigen und industriösen Christen (in denen die Stimme Gottes Vernunft erzeugt) haben die Kompetenz, den Schöpfungsauftrag zu verstehen und zu realisieren. Die Vernunft ist die besondere Fähigkeit der menschlichen Geschöpfe, die komplexe Idee der Welterhaltung formierend zu aktualisieren. Die Natur besitzt kein inneres Prinzip mehr, das zu erforschen und auszuführen die Menschen leben, sondern ist, wie der Verstand selbst, eine tabula rasa, die neu zu besetzen die wichtigste Aufgabe wird.

44 39 Anders die Physiokraten, die der Welt, d.h. der Natur und der Gesellschaft, innere Gesetzmäßigkeiten zuschreiben, die, durch aufklärende Vernunft, erkannt und befolgt werden müssen, damit der nämliche Telos, der Locke auch bewegte, erfüllt wird: die Schöpfungserhaltung. Die Wahrheit dessen sei evident; das menschliche Wirtschaften hat die Wege der Vorsehung zu analysieren und zu gehen. Wie bei Locke schon angedeutet, wird dessen nominal istische Grundlage bei den Physiokraten durch die thomistische Präposition ersetzt: die potentia ordinata, die Selbstbeschränkung Gottes auf die in seiner Schöpfung auch für ihn geltende Ordnung. Im Rahmen der theodizialen Fassung der Ökonomie interessiert Quesnay dabei weniger die Ordination Gottes als die der Menschen, deren Freiheit, von den Wegen der Vorsehung abzuweichen, kalkulable Störungen in der Gesamtwirtschaftsrechnung verursachen, deren praktische Folgen Verarmung und Not sind, d.h. selbstverschuldeter Entzug der Gnade. Die Frage nach einer Selbsterhaltungsordnung in der Neuzeit läßt als Antwort die Ökonomie als einen gesellschaftlichen Handlungszusammenhang konstituieren, der nicht nur die Handlungsfreiheit, sondern auch die Bedingungen ihrer Erhaltung etabliert. Die Schöpfungserhaltung setzt die Selbsterhaltung der Menschen voraus. Die Organisation der Selbsterhaltung - die neue Ökonomie - soll diejenige Sicherheit gewährleisten, die vordem die göttliche Weltordnung bot. Beide, Locke wie Quesnay, thematisieren die Sicherheit der Selbsterhaltung. Bei Locke garantiert wohl die Arbeit die aktuelle Reproduktion, aber erst die Institutionalisierung einer monetären Ökonomie sichert den dauerhaften Erhalt des Erarbeiteten. Allein das gesellschaftlich verabredete Institut des Geldes kann den selbstgeschaffenen Besitz dauerhaft gewähren. Die Verderblichkeit aller Dinge, der Naturfrüchte, wird durch eine gesellschaftliche Instanz in ein Vorsorgeinstrument verwandelt. Die ökonomische Sachdiskussion geht dann - in den Zins - und Geldessay Lockes - auf die Frage, wie das Verhältnis von Geld- und Gütermenge bemessen sein müsse, damit der Geldwert konstant bleibe. Die ökonomischen Fachfragen sind Ausdifferenzierungen der Grundfragen, wie die Ökonomie die menschliche Selbsterhaltung organisieren kann. Die neue Ontologie der bürgerlichen Gesellschaft (des civil state) ist eine dynamische Sicherung durch tätige Arbeit und gesellschaftliche Institutionen, die deren Resultate wertbeständig aufbewahren und wieder in den investiven

45 40 Kreislauf einschießen lassen. Die ontologische Qualität der verschwundenen alten Kosmos-Natur wird nunmehr als dynamische Entelechie der Arbeit einer Sozial Vertragsgesellschaft dargestellt. Diese neue Form der Dauerhaftigkeit der Welt muß ständig hergestellt werden. Ihre Instabilität kann nur durch die Kontinuation der Arbeit und deren vorsorgende Oberschußproduktion, die neuen Unsicherheiten gewappnet gegenüberstehen läßt, beantwortet werden. Die kapitalistische Wirtschaft, deren Form bei Locke erst rudimentär, bei den Physiokraten deutlicher, wenn auch, mit ihrem Begriff der avances, wesentlich auf die Agrarinvestitionen beschränkt, sich herausbildet, ist eine historische Konsequenz der im Ordnungsschwund der Neuzeit hervortretenden Unsicherheit. Dieselbe Kontingenz, die im Verlust der alten Ordnungen die menschliche Handlungsfreiheit (nominalistisch) begründet, erfordert eine Selbsterhaltungsorganisation, die sich nicht mit den aktuell befriedigenden Resultaten zufrieden gibt, sondern die Vorsorge soweit treibt, daß den Kontingenzen der Zukunft ein Kapital zuhanden ist, damit die Handlungsfreiheit der wirtschaftlichen Selbsterhaltung nicht unerwartet beeinträchtigt werden kann. Die Fülle der Natur, ihre noch nicht kultivierte Erdfläche, bot genügend Anreiz zur Handelsexpansion und den entsprechenden Dispositionen. Bei den Physiokraten dagegen war es die sensible Natur, die sie zum Opfer-Begriff der avances greifen ließ. Die Dauerhaftigkeit der wiederkehrenden Naturproduktion sei allein durch eine Einschränkung des menschlichen Verzehrs zu bewerkstelligen: nur wenn der Natur gegeben würde, was ihres ist, gäbe sie, was den Menschen zukäme.. Die besondere Form der prästabilierten Harmonie, die die eigenartige Theodizee der Physiokraten ausmacht, ist eine Art Investition in die Dauerhaftigkeit nicht der menschlichen Gebilde, wie sie das englische Naturrecht vorschlägt, sondern in der Natur, der selber in einer gewissen Weise archaische Göttlichkeit zukommt: der moderne Kapital begriff, der bei den Physiokraten herausgebildet wurde, ist zugleich ein Begriff alteuropäischen Naturopfers, was aber nicht darüber hinwegtäuschen darf, daß der Grund für diese Konstruktionen die Sorge um die Unsicherheit ist, die die neuzeitliche Menschheit, auf sich allein gestellt, auszuhalten lernen muß: das Wesen der Existenz ist, mag nun heideggerisch einfließen, die Sorge, und die Ökonomie, ganz unheideggerisch, der Versuch, die

46 41 Sorge in Besorgung zu transformieren, die Existenz auf Dauer zu stellen. Die Naturrechtsverfassung der Ökonomie bei Locke, in der die vernünftigen Gesellschaftsorgane sich selber Gesetze des vernünftigen Handelns geben, steht in Korrespondenz zur neuzeitlichen Einrichtung der Physik, die die mechanische Ordnung der Naturkräfte beschreibt und experimentell ermittelt, in einer Weise, die den Physiokraten nahelegen konnte, eine innigere Entsprechung von Physik und Moral zu konstituieren, deren Meßbarkeit das neue System der Ökonomie vermittelt. Dem lockeschen Optimismus der ökonomischen Weltaneignung steht die aufgeklärte, physiokratische Skepsis gegenüber, die der Wirtschaftsentwicklung nur dann Erfolg zuspricht, wenn die Gesetze der Natur und die Wege der Vorsehung eingehalten werden. Sicherheit ist nunmehr nur durch exakte Berechnung gewährleistet. Die arithmetische Präzision, die die Physiokraten anstreben, ist ein Zeichen ihrer Furcht vor den kulturellen Verfehlungen der Menschen, die die Natur in ihrer ursprünglichen Wildheit wieder hervorbrechen lassen könnte. Die kalkulierte Allokation der Gesamtwirtschaft wird zur politischökonomischen Aufgabe des Staates, und kann nicht, wie bei Locke und der in seiner Tradition stehenden späteren englischen "Klassik", der freien Marktbildung überlassen bleiben. Aus den Antinomien der neuzeitlichen Ökonomie entwickeln sich - rudimentär - die späteren Divergenzen zwischen Markt und Plan. Im 19. Jahrhundert klärt sich endgültig die Frage des Verhältnisses von Natur, Arbeit und Produktion - der produktionstheoretische Komplex der neuzeitlichen Ökonomie. Produktiv sind alle jene wirtschaftlichen Handlungen, die Werte erzeugen. Lockes Ansinnen wird konsequent zuende gedacht, und die Physiokraten erscheinen als einseitige Konzeptualisten, die an der Substanz der rohen Materien hängen blieben, ohne die ökonomische Realität in der arbeitsformenden Aktualisierung des Stoffes zu begreifen. Die neuen Naturwissenschaften und ihre Entwicklungen brachten die Verwandlung der Materien in eine allgemeine Form: die Substanz der Materie bliebe allemal gleich (Summenkonstanz), aber ihre Formen könnten ins Unendliche wachsen. Dieses Spiel der Formen war der jungen Nationalökonomie oder Volkswirtschaftslehre Grund genug, die alte Frage nach dem produktiven Beitrag der Natur an der Wertschöpfung endgültig aufzuheben; denn wenn die Substanz der gesamten

47 42 Weltmaterie immer die gleiche bleibt, werden ökonomische Neuformierungen - die nunmehr in Wert-Formen verwandelte Materie - die ontologische Qualität der Natur nicht beeinträchtigen. 44 ) Die technischen und ökonomischen Möglichkeiten scheinen unbegrenzt zu sein und nur an den Fortschritt des Kenntnisstandes der Natur- > Wissenschaften und ihrer praktischen Anwendung in industrieller Technik gebunden. Das Naturproblem ist für die Ökonomie ein naturwissenschaftlich-technologisch separierbares geworden, und die Wirtschaftswissenschaft kann sich endgültig ihrem eignen Gegenstand zuwenden: dem Problem der Allokation von Gütermengen und Bedarf. Mit der Umnennung der poli.tical economy in pure economics am Ende des 19. Jahrhunderts ist auch die Genesis der produktionstheoretischen Protoökonomie des Verhältnisses von Natur und Arbeit beendet. Paul Natorp resümiert in seiner "Wirtschaftsphilosophie" eben jenen Zusammenhang: "Die Substanzgrundlage des Naturgeschehens muß konstant gedacht werden, damit eine Rechnung der Natur aufgestellt werden kann. Sie kann nur rechnen mit einem festen Grundbestande, oder wenn auch mit einem beweglichen, dann einem wiederum nur nach einem festen Gesetz veränderlichen Bestände. Anders die Praxis. Die Möglichkeitsgrundlage für sie ist zwar für die einzelne Berechnung (...) auch als festbleibend anzunehmen; aber die Praxis selbst weiß sehr wohl, sie bleibt nicht fest, sie darf gar nicht festbleiben, sie soll vielmehr sich beständig steigern, um für die niemals in feste Schranken sich einschließenden, sondern stets sich selbst steigernden, ins Unendliche kühnlich hinausstrebenden Zielsetzungen der Handlung immer wieder bereitzustehen. Aber das ändert nichts an der Grundvoraussetzung des verfügbaren (...) Fonds, der jedenfalls auch fernerhin zu erhaltenden, dann aber nach Möglichkeit zu steigernden Substanz der Handlungsmöglichkeiten, mit der hauszuhalten, zu rechnen ist, nach der das Handeln hier und jetzt sich ausrichten und, für hier und jetzt, sich begrenzen lassen muß. Hieraus ergibt sich nun als die erste Gestalt-Gehaltphase der Handlung: das wirtschaftliche Handeln".45) Natorp denkt in den Bahnen des 19. Jahrhunderts. Die "Substanz der Handlungsmöglichkeiten" ist die "Erhaltung des Möglichkeitsgrundes selbst" 46^. Die Praxis, die, hier, ganz aristotelisch konzipiert, ihr Ziel in sich selber hat, ist bei Natorp als "Möglichkeitsgrund... ein Analogon der Materie in der Natur" 47 ). Die neue Natur der Praxis - Substanzerhaltung der Handlungsmöglichkeit - ist, ökonomisch konkretisiert, in der Struktur der KapitalWirtschaft beschrieben. Das Projekt der Moderne endigt im 19. Jahrhundert in der dauerhaften Praxis menschlicher Handlungsmöglichkeiten, die sie sich mittels der ökonomischen Organisation des gesellschaftlichen Lebens geschaffen haben. Die alte Entelechie der Natur ist in die Selbsther-

48 43 vorbringung und damit -erhaltung der Praxis wirtschaftlichen Handelns transformiert worden - von der (protoökonomisehen) Naturtheorie zur Vorherrschaft handlungstheoretischer Analyse. Dem Resümee des 19. Jahrhunderts ist noch hinzuzufügen: Die Natur erscheint nicht mehr als Gabe oder materielle Voraussetzung des ökonomischen Handelns, sondern wird durch die naturwissenschaftlichen Möglichkeiten und die ökonomischen Anwendungen selber auf neue und systematische Weise rekonstruierbar. Der industriellen Umwandlung aller Materien stand nichts mehr im Wege, zumal jetzt auch künstliche Materien, die in der bloßen Fülle der Natur nicht vorkamen, entwickelt wurden. Damit wurde 1. die ehemalige Fülle der Natur zur Fiktion erklärt, da letztlich das menschliche Ingenium, die technische Vernunft und die dispositive Klugheit des innovativen Unternehmers die Menge der möglichen Materien zu bestimmen schien, und 2. war auch die Idee der Retribution der Natur sorglos aufzugeben, da dort, wo die Natur von sich aus nichts mehr hergeben wollte, ein künstlicher Stoff zu erfinden war, der den natürlichen ersetzte. Die alte Vorstellung der FÜLLE der NATUR - Lockes barocke Auffassung - und die konträre der RETRIBUTION der NATUR - die furchtsame Auffassung der durch das Erdbeben zu Lissaborl 8 lrschütterten Aufklärung, die die Resurrektion der Wildnis fürchtete - verwandelte sich im 19. Jahrhundert in eine neue Auffassung der REZEPTION der NATUR. Diese Redeweise scheint aus zwei Gründen tauglich zu sein. 1. bezeichnet sie den Status einer neutralen Natur, die weder Fülle (= unbegrenzte Ressource) noch Vernichtung (= absolute Knappheit) anzeigt. 2. bindet sie die ökonomische Nutzung der Natur an die naturwissenschaftliche Kompetenz, d.h. an ein erkenntnistheoretisches Programm der Naturwahrnehmung, das die industrielle Revolution, die kontrollierte Energieumwandlung i.w.s., möglich machte. In dieser Vorstellung des 19. Jahrhunderts wird die Ökonomie zum Allokationssystem, das die Kosten der Ressourcenverwertung und die Alternativen der Substitution bemißt. Natorp beschreibt diese Tendenz als "totale Wechselbeziehung des Ganzen der Natur zum Ganzen der Zweckwelt... Ausgesprochen ist es oft genug, etwas in der Wendung, daß die höchste Kunst wieder Natur werde" 4^ In dieser pathetischen Rhetorik ist das 'ökologische Problem', das die moderne Ökonomie wieder mit der protoökonomisehen Fragestellung nach den legitimen Produktions-Werten i.w.s. stellt, längst mitgedacht.

49 44 "Es bildet sich dann ein Drang der Eroberung, der Bemächtigung der Natur als ganzer durch den "Geist"; so sagt man dann gern. Schon hingedeutet wurde aber auf die darin liegende Gefahr der Vergewaltigung, der Denaturierung der Natur, und dann, in der Rückwirkung auf den Vergewaltiger selbst, auch dieses sich so nennenden Geistes, d.h. der Zwecksetzungen selbst. Aber diese Gefahr könnte leicht besiegt werden; wäre nur der Geist recht geistig, so müßte er das Geistverwandte, dem Geist zugekehrte und Antwortgebende im Natürlichen selbst erkennen und aus ihm sich selbst stärken und steigern. Dann würden beide sich nicht mehr bloß äußerlich gegenüberstehen als Gebraucher und Gebrauchtes, sondern es würde sich zwischen beiden wie ein eheliches Verhältnis innerlichster Gemeinschaft herausbilden. Es würde die Naturgrundlage nicht, indem sie gebraucht würde, zugleich verbraucht und durch den Verbrauch verdorben werden, sondern, vom Geist befruchtet, willig und dankbar wieder ihm fruchten Und damit enthüllte sich dann ein noch größeres... Ziel", das schon zitierte der Wechselbeziehung zwischen Natur und Zweckwelt. Die Wechselwirkungsdefinition Natorps weist aus dem Resümee des 19. Jahrhunderts auf Fragestellungen des 20.. Die Trennung von eigengesetzlicher Natur und ihrer Wissenschaft und zwischen einer eigengesetzlichen Ökonomie ist kein wieder aufhebbarer Akt. Solange die Naturgesetze - im 19. Jahrhundert - deterministisch und reversibel aufgefaßt wurden, konnte die Ökonomie die Natur zur disponiblen Voraussetzung ihres Handlungskreises machen, indem sie den Naturwissenschaften die Verwaltung jener Naturinterpretation überließ. Am Ende des 20. Jahrhunderts aber sind die Naturwissenschaften zu einer diametral entgegengesetzten Auffassung gelangt, in der Irreversibilität und Instabilität die Hauptrollen spielen. Die Analyse von Instabilitäten oder Krisen aber ist schon länger das Untersuchungsfeld der modernen Ökonomie. Ist möglicherweise die "Naturvergessenheit" der modernen Ökonomie nicht ein Zeichen für den Umstand, daß die Ökonomie zwischenzeitlich mit komplexeren Phänomen konfrontiert war als die ältere Naturwissenschaft? Gesetzt den Fall, dies wäre so: dann würden sich Natorps Forderung nach Wechselwirkung erst heute erfüllen lassen. Eine ökologische Ökonomie aber, ihrer theoriegeschichtlichen Genesis bewußt, brauchte die Natur nicht zum "Mythos" stilisieren.

50 45 Fußnoten 1 - siehe dazu den fundierten Uberblick: 0.Langholm,Price and Value in the Aristotelian Tradition,Bergen/Oslo/Troms 1979; und: derselbe: Wealth and Money in the Aristotelian Tradition, Bergen/0slo/Troms«É 1983, und. derselbe, The Aristotelian Analysis of Usury, Bergen/Oslo/Troms 1984; 2-6.W.F.Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts, Frankfurt a,m.1976; Zusatz zu 203; 3 - Es dient weiter die hyle/stoff-eidos,morphe/form-topik der aristotelischen Metaphysik als erklärendes Schema. 4 - nach E.Cannan: A History of the Theories of Production and Distribution from 1776 to 1848; Reprint N.Y.1967 (der 3. Auflage von 1917); chap. II; 5" - worin E.Cannan irrt; die Formulierung gigt es bereits in der Überschrift zum I.Buch in Adam Smith's "Wealth of Nations"; 6 -siehe hierzu: E.F.Paul: Moral Revolution and Economic Science, Westport/London.1979; 7 - J.Mill: Elemente der Nationalökonomie, Halle 1824;S.9; 8 - D.Ricardo: On the principles of political economy and taxation, vol.i der Works (ed.p.sraffa), Cambridge/London/N.Y./Melbourne 1975; S.85; 9 - Ch.Taylor: Die Motive einer Verfahrensethik, in: (Hrsg. W.Kuhlmann) Moralität und Sittlichkeit, Frankfurt a.m. 1986; S.115 f.; 10 - S.T.Lowry: The classical greek theory of natural resource economics; in: Land Economics, vol. XLI, no ; S.207; 11 - siehe dazu: B.P.Priddat: Die vollständige Erschliessung der Erde durch vernunftgemäßen Gebrauch des Geldes, über John Lockes Versuch einer naturrechtlich fundierten Ökonomik. Frankfurt/M.;Sern;N.Y. 1988; 12 - J.LOcke: Zwei Abhandlungen über die Regierung (Hrsg. W.Euchner),Frankfurt a.m.1977; I.Abhdlg ; II.Abhdlg: 26; 13 - J.Locke: a.a.o., II 34; 14 - J.Locke: a.a.o.; II 48; 15 - J.Locke: a.a.o.; II $ 50; 16 - J.Locke: a.a.o., II 48; 17 - Lockes Geldtheorie ist eine moralische Legitimation des Geldgebrauches und eine Inversion der aristotelischen Tradition der Ökonomie J.Locke: a.a.o.; I 86; 19 - J.Locke: a.a.o.; II 41-44; 20 - J.Locke: Essay Concerning Human Understanding, II. Buch, 26. Kap.; 21 - J.Locke.: Essay...a.a.O., IV.Buch, 10.Kap.,9; 22 - J.Locke: Essay...,a.a.O.; dito; 23 - J.Locke: Essay...,a.a.O.; II.Buch, 21.Kap.; 24 - J.Locke: dito; 25 - J.Locke: dito; 26 - J.Locke: dito; 27 - J.Locke: dito;

51 In der erkenntnistheoretischen Abteilung seiner Philosophie untersuche Locke "nature's action upon man", während die naturrechtliche Abteilung das Entgegengesetzte zeige - die durch die Arbeit der Menschen vermittelte Herrschaft über die Schöpfung (W.Stark: The Ideal Foundations of Economic Thought, London 1944; S.1). Die Erkenntnisprozesse - nature's. action upon man - erscheinen als "active opeeations of things upon the passive mind of man"(dito).umgekehrt behandeln die Menschen die Natur nach ihren Zweckvorstellungen. Damit die Menschen aber die Natur solchermassen behandeln können, muß sie ihnen passiv, ohne Eigenaktivität - als Stoff oder Material - gegenübertreten (dito) O.Locke: Further Considérations concerning raising the Value of Money, S.131 ff in: J.Locke, The Works of John Locke, vol 5, London 1823; 30 - siehe dazu: A.KUbota: Fondement philosophique de la théorie économique de François Quesnay, S.26 ff. in: derselbe. Essais sur François Quesnay, Tokyo 1960; und auch: H.Rieter: Zur Rezeption der physiokratisehen Kreislaufanalogie in der Wirtschaftswissenschaft, in: (Hrsg. H.Scherf) Studien zur Entwicklung der ökonomischen Theorie I, Berlin 1982; 31 - Marquis de Mirabeau: La science ou les droits et les devoirs de l'homme, Lausanne 1774 (Reprint Aalen 1970), S. XXIX; 32 - F.Quesnay: Allgemeine Maximen der Wirtschaftspolitik eines agrikolen Königreiches, S. 294 ff. inî derselbe, ökonomische Schriften, (Hrsg. M.Kuczynski, Berlin 1976, II. Bd., I.Hbd., S.295; 33 - F. Quesnay: über die Arbeiten der Handwerker, S. 234 ff. in: a.a.o.; S.270 f.; 34 - siehe dazu: F.Quesnay:a.a.O*; S.263 und S.237; und: Marquis de Mirabeau (d.ä.), Victor de Riqueti: Philosophie rurale, Amsterdam 1764 (Reprint Aalen 1972), 3 Bde., 1. Bd., II. Kap., S.37; an diesem Werk Mirabeaus hat Quesnay entscheidend mitgearbeitet; 35 - F.Quesnay: über den Handel, S.167 ff. in: a.a.o.; S.170; 36 - Marquis de Mirabeau: Philosophie rurale, a.a.o.; S. XXXVI; 37 - F.Quesnay: über die Arbeiten...,a.a.O. ; S.244; 38 - F.Quesnay: a.a.o.; S.237; 39 - F.Quesnay: a.a.o.; S,240; 40 - F.Quesnay: Anaylse du Tableau économique, S.381 ff. in: E.Schneider, Einführung in die Wirtschaftstheorie, IV.Teil, Tübingen 1970; S.387; 41 - F. Quesnay: Uber den Handel..., a.a.o.; S.147; 42 - siehe dazu die frühen ökonomischen Artikel Quesnays, die er für die Enzyklopädie geschrieben hat( Pächter, Getreide, Stuern, Bevölkerung) in: F.Quesnay, ökonomische Schriften, a.a.o., 1. Bd., 1.HBd.,S.1-335; 43 - F.Quesnay: über die Arbei ten. m m f d«â 0.; S.243; 44 - "Die Werthserhöhung, insoferne sie aus einer körperlichen Veränderung hervorgeht, kann, wie die Verzehrung, nur auf Umgestaltungen, Verbindungen und Trennung der auf der Erde vorhandenen Stoffe beruhen, deren Menge im Ganzen, wenn man die Atmosphäre mit einrechnet, unabänderlich ist" (K.H.Rau, Lehrbuch der politischen Ökonomie, Leipzig und Heidelberg 1855, S.88); siehe dazu auch: B.P.Priddat: Natur und Ökonomie. Uber das Verschwinden der Natur..aus der ökonomischen Theorie von Quesnay bis Menger, Diskussiosnpapier-Nr.82-am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Hannover, Jan 1986;

52 P.Natorp: Vorlesungen über praktische Philosophie, Erlangen 1925; S. 372 f.; 46 - P.Natorp: a.a.o.; S.371; 47 -P.Natorp: a.a.o.; S.370; 48 - Das Erdbeben von Lissabonn 1755 war nicht nur für Goethe (s.dichtung und Wahrheit) bemerkenswert, sondern ein Einschnitt in alle theodizialen Konzeptionen, die die Welt als Realisation des göttlich Guten denken wollten.auch die Teleologie der Natur wird erschüttert; ihre "Ruinenhaftigkeit" verbindet sich mit katastrophentheoretischen Konzepten (siehe dazu: H.Blumenberg, Der Prozeß der theoretischen Neugierde, Ffm. 1973; Kap. X, bes. S. 227 ff.) P. Natorp: a.a.o.; S.369; 50 - P. Natorp: a.a.o.; S.368 f.;

53 48 ÖKONOMIE UND NATUR. DER GEBRAUCHSWERT DER NATUR. ÜBER H.IMMLERS "NATUR IN DER ÖKONOMISCHEN THEORIE. Hans Immler untersucht in seinem Buch "Natur in der ökonomischen Theorie" (Opladen 1985) das 'Naturproblem' in der ökonomischen Theoriegeschichte seit Aristoteles (über Thomas von Aquin, Morus, Hobbes, Petty, Locke, Smith, Ricardo) bis auf Marx. Allein bei den Physiokraten des 18. Jahrhunderts findet er eine "Ökonomie, die sich in Obereinstimmung mit der Natur befindet" (Immler 409). In den anderen ökonomischen Konzeptionen scheint dagegen das Naturproblem abhandengekommen zu sein. Ist aber überhaupt das Naturproblem der älteren ökonomischen Theorien identisch mit dem der sogenannten "ökologischen Frage"? Die "Natur" ist vielfältiger Natur. Darin besteht eine besondere Schwierigkeit. Immler nennt "Natur... zunächst die physische Umwelt der Menschen" (Immler 15). Der Umweltbegriff bezeichnet eine systematische Differenz von "Welt" und "Nichtweit". "Natur" wird unter Anwendung des Umweltbegriffes zum Sammelbegriff für alle Nichtartefakten. Die "Welt" der "Umwelt" ist Artefakt, ein Hergestelltes menschlicher Architektur; die "Umwelt" der "Welt" Material des Weltenbauhauses oder unverfügbares Vorereignis eines jeden menschlichen Tuns. Für die ökonomische Theorie macht sich Immler die Unterscheidung von Welt und U m w e l t als Differenz von A r b e i t und Natur zueigen (Immler 15 ff.) wie es im Begriff der "physischen Umwelt" schon angeklungen ist. Damit aber wird die "Natur" nicht natur-, sondern systemtheoretisch eingeführt. Der Topos von Natur und Arbeit ist eine Betrachtungsweise des 19. Jahrhunderts: "So arbeitet der Mensch, das Fatum der Vernunft, die Notwendigkeit der Natur in menschliche Freiheit umzusetzen" (Trendelenburg 187). Für das 20. Jahrhundert verschiebt der Topos auf das Verhältnis von Welt und Umwelt. Beide Topoi sind nicht uneingeschränkt aufeinander abbildbar und zudem nur mittelbar auf die Ökonomie bezogen. Eine, wenn auch vage, ökonomische Nomenklatur

54 49 gewinnt Immler durch die Verwandlung des Natur/Arbeit-Verhältnisses in die werttheoretische Fragestellung des Verhältnisses von Gebrauchs«und Tauschwert. Die moderne Tauschwertanalyse sei über die älteren Werttheorien hinweggegangen» die den Wert "als physische Qualität gesehen, d.h. sein Entstehen auf physisch-naturale Quellen zurückgeführt" (Immler 27) habe. 1. P h y s i s c h e oder G e b r a u c h s w e r t e? Die physische Qualität der Güter und Dinge erhebt sich bei Immler zu einem Gegenprogramm gegen die werttheoretische Ökonomie. An Aristoteles wird der Vorrang der Gebrauchswertanalyse für das 'ökologische Problem' herausgehoben: "Die Versorgung mit Gebrauchswerten ist nicht mehr das Ziel dieser Produktionsweise (der Chrematistik, die Geld um des Geldes willen erwirbt; B.P.), sondern wird zum Mittel. Deshalb kann Aristoteles auch davon sprechen, daß die physischen Gebrauchswerte den wirklichen Reichtum darstellen, dagegen die Geldwerte lediglich einen vermeintlichen" (Immler 32 f.). Diese Gebrauchswertbestimmung ist nur scheinbar ein antikes oder aristotelisches Theorem. In der Kritik der einseitigen Tauschwertanalyse bei Ricardo kommt von Immler dasselbe Argument: "Die physische Natur einschließlich der menschlichen Natur und ihrer Arbeit zeigt sich dann in einer unüberschaubarea Zahl von Qualitäten, die nicht miteinander kommensurabel sind. Dann ist nicht nur die ricardianische Wertlehre vollkommen hinfällig, es erscheint überhaupt ausgeschlossen, inkommensurable Qualitäten über eine gemeinsam angenommene Quantität des Werts messen und bewerten zu wollen. Eine Ökonomie der Naturqualitäten wird sich daher nicht lange damit aufhalten, die physischen Qualitäten in abstrakte Quantitäten umformen zu wollen, sondern muß im Gegenteil die naturalen Eigenschaften begreifen lernen. Dies ist nicht das Ende aller Ökonomie, wohl aber das Ende einer, die sich anmaßt, alles an einer Elle messen zu wollen und dazu noch behauptet, diese Elle wäre absolut" (Immler 236). Die Gebrauchswertökonomie avanciert zu einer Ökonomie der Naturqualitäten. Die wertbildenden Aspekte der Natur sollen dem Tauschwert eine Art Rücksicht auf die Natur imprägnieren. Andere - natural- -qualitative - Maße sollen gelten. Im engeren Sinne rekonstruiert Immler eine Gebrauchswertökonomie, die sich gegen die Tauschwertökonomie der englischen "Klassik" von Smith und Ricardo wendet und

55 50 wiederholt damit eine Reaktion deutscher Ökonomen des 19. Jahrhunderts (s. dazu Friedländer, Wagner 329 ff.). Immler unterscheidet am Gebrauchswert einen physisch-qualitativen (Immler 245) und einen natural-utilitären (Immler 243) Aspekt, und zwar so, daß "im Gebrauchswert (...) daher ein Naturverhältnis des Menschen zum Ausdruck" (Immler 246) kommt, wozu die "Eigenschaft des Warenkörpers... des Eisens, des Weizens, des Diamanten etc." (Immler 246) erkoren ist. Ist nun eine Gebrauchswertanalyse dieses Typus' identisch mit einer Art von ökologischer Warenkunde, worin die physische Herkunft der Sachen ihre Natur ausmacht? Immler bleibt unschlüssig. Die Naturverkörperung im Stoff der Güter bezeuge deren Qualität, womit ihre Tauglichkeit, Trefflichkeit bzw. das Zutagekommen der Natur der Sache gemeint sein soll. Die ältere Unterscheidung zwischen value und virtue (die auf die scholastische Unterteilung von bonitas extrinsecas und bonitas intrinsecas zurückgeht (Taeuber 186 ff.)) geht auf das Verhältnis von innewohnender Güte der Sache und ihren von außen gesetzten Preis zurück; letztendlich auf die arete (Tugend, besser Trefflichkeit), die Dingen wie Menschen zueignet (die "Tugend des Messers ist seine Schneidfähigkeit"). Damit ist aber nicht die natürliche Qualität der Sache, sondern ihre Güte im Hinblick auf den Telos, dem sie dient, gemeint. Die Natur (der Sache) liegt ja in ihrer Vollendung und nicht im Zugrundeliegenden (so wie die Materie (hyle) nicht als bloße Möglichkeit Natyr ist, sondern erst eine Natur in der jeweiligen Ausformung oder Realisation (eidos, morphe-aspekt) erhält). Analysieren wir für einen Moment Immlers Ari Stotel es rezeption, die dem Stagiriten eine Konzep-: tion des "physisch-begrenzten Gebrauchswertes" (Immler 33) unterstellt. "Das aristotelische Nutzen- und Wertdenken ist gründlich im natürlichen Lebenszusammenhang verankert" (Immler 32). Immler nimmt die aristotelische Unterscheidung von Gebrauchs- und Tauschaspekt an Gütern (Aristoteles Politik I, 9) als eine, wenn auch unerklärte, "innere Verknüpfung von Gebrauchs- und Tauschwert" (Immler 33). Von einer Werttheorie spricht Aristoteles aber nicht. Er stellt sein Konzept der oikonomik auf den Unterschied von natürlichem und unnatürlichem Erwerb ab. Aristoteles' Grundunterscheidung findet bei Immler diese Formulierung: "Widerspruch zwischen dem physisch-begrenzten Gebrauchswert und dem grenzenlosen Tauschwert" (Immler 33). Imnler verwendet ein Aristoteleszitat aus der Gigon-

56 51 Obersetzung der Politik (Aristoteles Politik 61 f.; bei Immler 33 f.), worin der Satz steht, daß diejenigen, die ihr ganzes Interesse auf den Gelderwerb richten, um Genuß in überfülle zu haben, "gegen die Natur" handelten. Folglich ist nach Immlers Überlegungen die ktetike chrematistike eine natürliche Erwerbskunst im Sinne des "physisch-begrenzten Gebrauchswertes". Es bleibt ungenau. Die oikonomia kata physin ist zwar eine natürliche oder naturnahe Ökonomik, die mehr die Landwirtschaft (georgike) als den Handel ins Zentrum ihrer Überlegungen rückt, hat aber nichts zu tun mit natürlicher Ressourcenbegrenzung, sondern mit einer Telosgerichtheit. Die oikonomike ist eine Kunst, dem guten und vollendeten Leben den dafür genötigten Reichtum, d.h. die Mittel zur Verfügung zu stellen. Die natürliche Grenze der Versorgung entsteht nicht an Naturmaßen, sondern an menschlich-ethischen Maßsetzungen aus dem Wissen, was man für das gute und vollendete Leben alles braucht. Die bloß um des Erwerbes willen geschäftige Praxis aber hat jedes Maß verloren und unterstellt sich dem Zwang, nur noch erwerben zu sollen statt in politischer und theoretischer Praxis sich zu bilden und zu vervollkommnen. Die unendliche Praxis des Gelderwerbes erfüllt sich in keiner endlichen Form. Eine Praxis aber, die ihr Ziel in sich trägt, aber nicht die Praxis des guten Lebens (eupraxis) verfolgt, verstößt nicht nur moralisch gegen die guten Sitten der Polis, sondern zerstört die gemeinsamen Lebensbedingungen, indem sie den Tugendkodex negiert. Es geht auch hier wieder um die Natur des Menschen, die in der Vervollkommnung des guten Lebens erst zutagetritt. Immlers Beschreibung des oikonomia-systems zeigt eine unfertige Aristoteles-Rezeption: "Im Zentrum steht der Begriff des Bedürfnisses. Zur Bewältigung ihres physischen und sozialen Lebens bedürfen die Menschen der Natur. Ihre eigene Natur bestimmt diese Bedürfnisse. Die Bedürfnisse können sich auch nicht beliebig von der inneren und äußeren Natur des Menschen entfernen. Beispielsweise können die Menschen wohl auf das Bedürfnis verzichten, Gold und Edelsteine zu besitzen, nicht dagegen auf jenes, das das physische Leben sichert, also etwa auf Nahrungsmittel. Die Entwicklung der Bedürfnisse und somit die Bestimmung der Gebrauchswerte bleibt daher einerseits immer an das Naturverhältnis der Menschen gebunden, andererseits ändern sich Bedürfnis, Nutzen und Gebrauchswert jeweils abhängig vom gesellschaftlichen Entwicklungsstand. Aristoteles gibt nicht nur diese in sich stimmige Erklärung für die Entstehung des Gebrauchswertes, er deutet auch an, daß eine Krise des Gebrauchswerts entstehen könne, wenn nämlich der Nutzen und Gebrauch nicht mehr vom physischen Bedürfnis, sondern vom unbegrenzten Streben nach Gelderwerb bestimmt werde. Wie anders sollte seine Kritik am falschen Geldreichtum innerhalb der Chrematistik verstanden werden?" (Immler 33)

57 52 Natur wird auch hier aufgeteilt in innere und äußere des Menschen (in Welt und Umwelt). Die physische Notwendigkeit - nämlich zu leben, Lebens-Mittel zu brauchen - wird zu einem Maßstab aufgeschwungen, der bei Aristoteles in dieser "materialistischen Manier" nicht zu finden ist. Für die höchste Praxis - das theoretische Leben in Muße - ist Reichtum eine unbedingte Voraussetzung. Reichtum ist potentiell unbegrenzt, wenn er gemäß der Tugendausbildung des Eigners gebraucht wird. Nirgends werden "Natur und Reichtum an physischnaturale Grenzen" (Immler 34) gebunden. Auch ist die "Grenzlosigkeit des Geldstrebens" keine Gefahr für "die physische Natur", wie Immler Aristoteles' Ökonomik zu einer "Modernen Abhandlung zum Konflikt zwischen Ökologie und Ökonomie" (Immler 34) stilisieren möchte. Zugunsten einer naturalökonomisehen Konstruktion verzichtet Immler auf die Analyse des ktesis-chresis-topos, der ein Maß nicht an ökologisch zu definierendem, physisch-begrenzten Gebrauchswert oder an einer "umfassenden Kategorsie des physischen Werts" (Immler 34) ermittelt, sondern in der ethischen Analyse des rechten Gebrauches. Die Grenzen liegen in der Natur des Tugendcharakters der freien Polites. Damit ist eine zugrundeliegende Bindung der oikonomia an die Landwirtschaft nicht geleugnet (Rau 13 f. hielt Aristoteles 1821 noch physiokratische Neigungen vor), Natur aber keine ressourcial begrenzte Macht, sondern liegt in den Menschen, die ihre arete-vervollkommnung erst zu gewinnen haben. Daß die Menschen Bedürfnisse (chreia) haben, die nicht«beliebig zu erfüllen sind, macht gerade eine Lehre vom ökonomischen (oikonomike) nötig, aber keine Ökologie. Ober richtige und falsche Bedürfnisse entscheiden die Sitten und die Tugendhaftigkeit der Polites. Ein natürliches Verhältnis zwischen tierhaftem Bedürfnis und tugendgebildeter Vernunftbegrenzung ist kein Natur-, sondern ein Kulturausdruck, der die Natur des Menschen in ihrer Entfaltung anspricht. Natur ist das zu Vollendende, nicht der Anfang. Die Theorie des "physischen Gebrauchswertes" bleibt in einer sehr vagen Einheitslehre von Verflechtungen zwischen natürlichen Voraussetzungen und menschlichen Lebensbedürfnissen (Immler 236) stecken. Vermutungen über unausgesprochene organizistische Anlehnungen lassen sich hier nicht verfolgen, auch nicht die andere Vermutung, daß der als "physische Qualität" verstandene Gebrauchswert dem "intrinsic value" verwandt ist, und zwar als Wertsubstanz. Immler scheint eine Umschrift der Marxschen Arbeitswertverkörperungs- in eine Naturwertverkörperungs-

58 53 theorie vor Augen zu schweben, läßt sie aber nicht deutlich genug werden. Die "physische Qualität" des Gebrauchswertes bleibt ein hypothetischer Begriff. 2. R e p r o d u k t i o n der P h y s i o k r a t i e Immler interessiert sich mehr Tür einen anderen Aspekt des Gebrauchswertes - das Entstehen jener hypothetischen "physischen Qualität aus " p h y s i s c h - n a t u r a l e n Quellen" (Immler 27; Sperrung von mir; B.P.). Diese Betrachtung führt ihn zu der physiokra tischen Anschauung der R e p r o d u k t i v i t ä t der N a t u r, und damit zu einer Formulierung, die der "ökologischen Frage" näherzukommen scheint. Die Basis der physiokratisehen Ökonomie ist eine naturale Produktionstheorie, wonach nur die Natur produziert, die menschliche Arbeit nur Beihilfe leistet. Eine Arbeitswerttheorie ist undenkbar. Die ökonomische Societät teilt sich in drei Klassen: 1. die Landarbeiter und Pächter, die produktiv genannt werden, weil sie die Gaben der Natur ernten. 2. die Besitzer der Böden (der Adel), 3. alle anderen, die steril oder unfruchtbar sind, da ihre Arbeit lediglich die Naturstoffe umwandelt, nicht aber deren Wert erhöht. Immler weist Quesnay, dem Protagonisten der Physiokratie, ein ökonomisch-ökologisches System nach, dessen Kreislaufmode 11 der jährlichen h Produktion und ihrer Verteilung (der "tableau économique") als Reproduktionsmodell zu verstehen ist, in dem soviel der avances (ein früher Kapital begriff) für die nächstjährige Produktion aufgewendet werden müssen, daß die Gesamtproduktion der nationalen Ökonomie auf altem Niveau gewährleistet bleibt. Quesnay basiert auf einem usus-fructus-gedanken. Vom Früchteertrag ' darf soviel genommen werden, daß noch Aussaat für die nächste Fruchtfolge übrigbleibt; die Fruktifikationsfähigkeit insgesamt soll erhalten bleiben, d.h. für die Physiokraten: die Reproduktionsbasis der Gesellschaft (Immler 330). Nur soviel sterile Produktionen wie die Reproduktionskapazität der produktiven Landwirtschaft erlaubt ist in der physiokratisehen Ökonomie erlaubt. Damit ist eine "natürliche Grenze" der ökonomischen Entwicklung durch die Bindung an ein Fruktifikationstheorem gegeben. Diese Idee der ökonomischen Reproduktionsgrenze ist deutlicher noch \

59 54 bei David Ricardo ausgeprägt. Immler bleibt dieser "Naturschrankentheorie" bzw. dem langfristigen Pessimismus bei Ricardo gegenüber ambivalent, erwähnt ihn (Immler 220) als Differenz von "Wert und Natur" (Immler 236): "Je mehr Wert produziert wird, desto weniger Natur bleibt übrig" (Immler 237), hält dieses aber an anderer Stelle für eine "seltsame Natursicht Ricardos" (Immler 219). Ricardo zieht aber nur eine Konsequenz aus dem physiokratischen Makromodell (mit Malthus' bevölkerungspolitischer Hilfe): die Industrie kann sich (und mit ihr die Arbeiterbevölkerung) nur soweit ausdehnen, bis der letzte unfruchtbare Boden bebaut ist und bis dessen Kultivation mehr Früchte verzehrt als für die Industriearbeiterernährung bei Lohnminimum verteilt werden kann. Die "Grenzen der Produktion" finden sich als ein frühes, quasi-ökologisches Theorem im modernen Sinne bei dem schellingianisehen Ökonomen F. Schmitthenner: "Es ist eine interessante Frage, ob jemals für ein Volk der Zustand eintreten könne, wo seine Industrie, im Besondern Production und Erwerb, keines Fortschrittes mehr fähig wäre? Wäre die Arbeit das alleinige Princip des Tauschwerthes, so könnte diß natürlich nie der Fall sein, indem mit der Zunahme der Arbeitskräfte auch eine unbedingte Zunahme der tauschwerthen Güter Statt finden würde. - Kann übrigens dieser Zustand in der Wirklichkeit nicht absolut Statt finden, so kann derselbe relativ doch sehr wohl eintreten. Wenn nämlich auch die Kapital- und Arbeitskräfte einer unendlichen Erweiterung fähig sind, so ist diß mit den Naturkräften nicht der Fall, da dieselben ein gegebenes Quantum sind, und ebensowenig mit den Vortheilen der Weltstellung, die zunächst die Bedingungen des Erwerbes im auswärtigen Handel sind. Es können in einem Lande die Naturfonds so ausgebeutet, die Naturkräfte so apprgpriirt und benutzt sein, daß es nicht mehr möglich ist, wo locaie Naturkräfte mitwürken müssen, weiter Kapitalien und Arbeit anzuwenden. In diesem Falle, wo die Bevölkerung ihr absolut höchstes Maß erreicht hat, werden natürlich die Kapitalrenten und der Arbeitslohn sehr niedrig stehen. Ebenso können die vortheil haften Conjuncturen einer gegebenen Weltstellung so ausgebeutet sein, daß auch Kapitalien in dem auswärtigen Handel angelegt, keine bedeutende Rente mehr geben und auch in dieser Hinsicht die Industrie eines Volkes ihr Maximum erreicht hat. Ein Beispiel dieses Zustandes bietet Holland vor der französischen Revolution dar, wo dann auch die Kapitalien theils zu sehr niedrigen Zinsen standen, theils im Auslande angelegt waren." (Schmitthenner, 345). Schmitthenner wiederholt nur Ricardo, macht aber dessen absolute Verknappung natürlicher Ressourcen als "Gränzen der Production" (Schmitthenner 344) sichtbar. Wo national oder "local" natürliche Ressourcen knapp werden, scheint eine Substitution der rohen Materien oder ihre technische, chemische oder andere Verwandlung von Schmitthenner nicht einberaumt zu werden. Das "ökologische" Problem absoluter Naturgrenzen

60 55 wird noch nicht mit einer Theorie der Allokation knapper Ressourcen aufgelöst. Die Sehe!lingsche Naturphilosophie, ihr Blick für die Verwandlung der Kräfte, hat den schellingianischen Ökonomen nicht erreicht. Damit repräsentiert Schmitthenner einen ähnlichen Mangel an Einschätzung der Produktivkraftentwicklung der modernen Ökonomie wie Immler, der zum einen die Begrenztheit der physiokratischen Sichtweise kennt (Immler 423), zum anderen aber die ricardianische Problemdarlegung weder aufnehmen noch überwinden kann, weil er bei der Dichothomie von Natur und Arbeit verharrt. "Es kommt aber darauf an, die Einheit von innerer und äußerer Natur der Menschen als gesellschaftlich produzierendes Subjekt zu verstehen. Das soll heißen, daß weder die physische Ordnung noch der arbeitende Mensch jeweils allein das gestaltende Subjekt sein können. In der "produzierenden Natur" müssen vielmehr beide Komponenten der gesellschaftlichen materiellen Produktion, die äußere Natur und die menschliche Arbeitskraft, als tätige und bestimmende Einheit gesehen werden." (Immler 425). Der entscheidende Mangel - sozusagen ein "naturalistischer Fehlschluß" der Ökonomiekritik - der Immlersehen Konsequenz ist seine reduzierende Formel, dernach "innerer Wert" gleich "menschliche Arbeitskraft" (Immler 425) sein solle. Immler kritisiert die Physiokratie (die er im Prinzip für rechtens hält), weil sie die Produktion in die "äußere Natur" verlagere; "sie hat die äußere Natur des Menschen von seiner inneren Natur getrennt" (Immler 424 f). Immler wiederholt interessanterweise die Physiokratiekritik der deutsehen Ökonomie des frühen 19. Jahrhunderts, die die einseitige Zuordnung der Produktionsfaktoren - ausschließlich entweder der Natur (bei den Physiokraten) oder ausschließlich der Arbeit (bei der englischen "Klassik") - vermeiden und ein "organisches und synkretistisches" (Schmitthenner 244) Konzept der Vermittlung beider Produktivkräfte anstrebten. Die Redeweise von einer "inneren Natur" des Menschen bedeutet in diesem Zusammenhang den Versuch, der äußeren Natur und ihrer produktiven Potenz nicht bloß die Arbeitskraft, sondern alle formierenden, auch die geistig-sittlichen wie die geistig-intellectuellen, Kräfte gegenüberzustellen. Zur Theorie der Produktion gehört fortan auch das Denken und die Culturentwicklung. (Schmitthenner 1-4). In diesem Punkt geht Schmitthenner 1839 über Immler 1985 hinaus, da Immler einen entfalteten Begriff der "inneren Natur" auf das menschliche Arbeitsvermögen reduziert, statt sie auf die Potenzen der produktiven Einbildungskraft zu beziehen, die die "natürlichen Grenzen"

61 56 nicht als sinnliche Achtung der Materien, sondern als innovative Erweiterung ihrer Nutzung im "Gebrauch ohne Verbrauch" bedeuten könnte. Im "Gebrauch ohne Verbrauch" - einer scholastischen (uti et frui Thomas von Aquin)) - wird das usüsfructus-theorem angesprochen, demnach jemand eine geliehene Sache nur gebrauchen, d.h. Oberschuß des fructus' davon ziehen darf, ohne aber die Substanz mindern zu dürfen. Der von den Physiokraten und, wie ich meine, von Immler hervorgehobene naturale Reproduktionsaspekt ist der Idee des ususfructus nachgebildet. Wie überhaupt die Immlersche Idee mit einem Satz sich zusammenfassen läßt: daß die Menschen in ihrem ökonomischen Handeln immer die Bedingungen ihrer künftigen Handlungsmöglichkeiten (desselben Niveaus?) mitproduzieren müssen. Formuliert aber Immler damit nur wieder modernes Naturrecht bzw. dessen Selbsterhaltungsidee, die er bei den Physiokraten als stoische Konzeption der oikeiosis'zugrundeliegen sieht (Immler Teil II, Abs. 4)? Die Selbsterhaltung setzt voraus die Miierhaltung der Erhaltungsbedingungen bei allen Handlungen. "Bei der physischen Reproduktion geht es also darum, für den gesellschaftlichen Produktionsprozeß solche Bedingungen zu schaffen, daß der materielle Reichtum der Natur einschließlich der menschlichen Arbeit nicht zerstört, sondern erhalten und erweitert wird. Hinter dieser Formulierung verbirgt sich ein grundsätzlich neues Verständnis von gesellschaftlicher Produktion, weil die herrschenden industriell-kapitalistischen und industriell-sozialistischen Produktionssysteme den produzierten Reichtum der Gesellschaft wesentlich im Verzehr der natürlichen Produktivkräfte und nicht in deren Erhaltung und Erweiterung erkennen." (Immler 426). Ist aber die E r h a 1 t u n g der Natur und ihrer Produktionsagenten der ökologischen Weisheit letzter Schluß? Wäre nicht vielmehr das in der ökologischen Frage angesprochene eigentümliche Verhältnis von Physik und Ethik (Picht) eher nichtkonservativ zu betrachten? Und zwar im Sinne der Entwicklung der Produktivkräfte des Denkens, die eine Kunst der politischen Ökologie für die Ökonomie entfalten, die damit wieder auf ältere Dichotomien von "economic as a science and as an art" zurückgeführt wird. Denn die Kunstlehre des ökonomischen ist reserviert für die Probleme der erwägenden Vernunft, die nichts endgültig zu lösen vermag. Die "ökologische Frage" würde den Handlungsbereich der Kunstlehre erweitern, nicht aber ihn umkehren.

62 57 Literatur: Friedländer, F.: Immler, H.: Picht, G.: Rau, K.H.: Schmitthenner, F. Taeuber, W.: Trendelenburg, A. Die Theorie des Werthes, Dorpat 1852 Natur in der ökonomischen Theorie, Opladen 1985 Das philosophische Problem der Ethik, in: derselbe, Hier und Jetzt, I, Stuttgart 1981 Ansichten der Volkswirthschaft, Leipzig 1821 National-Oekonomik, in: derselbe: Zwölf Bücher vom Staate, Gießen 1839 Geld und Kredit im Mittelalter, Berlin 1933 Notwendigkeit und Freiheit in der griechischen Philosophie, in: derselbe, Beiträge zur Philosophie, Berlin 1855, 2. Bd. ( ) Wagner, F.: Grundlegung der politischen Ökonomie, Leipzig 1892

63 58 OBER DAS VERHÄLTNIS VON WIRTSCHAFT UND ETHIK IN ÖKOLOGISCHER HINSICHT. Der Zusammenhang ist zu befragen, nicht zu postulieren. Ober das Verhältnis von Wirtschaft, Ethik und Ökologie vermeint man dieses zu wissen: daß die Ökonomie ein eigengesetzliches Marktallokationssystem sei, dessen negative externe Effekte der Produktion wie der Konsumtion die Verursachung der ökologischen Probleme. Marktwirtschaftliche Regulation der Externalitäten, die Internali sierungen, seien Kompromisse, die aus der Natur der Sache zu partiellen Lösungen neigen und einen Schädigungsrest immer einkalkulieren. Auch seien marktwirtschaftliche Lösungen reaktiver Art, die die Antizipation von Folgewirkungen nicht gewährleisteten. Zwar ist die Zukunft des ökonomischen Handelns ungewiß, aber die Folgen dieses Handelns an natürlichen Medien wie Wasser, Luft und Erde seien mit Mitteln der Naturwissenschaften in ihren zukünftigen Resultaten zu berechnen. Ober die Ökologie ist der naturwissenschaftlichen Objektivität ein Einlaß in die Ökonomie gegeben, was zur Folge hat, daß die Ökonomie, zumindest in diesen Fragen, mit stabilen (negativen) Erwartungen arbeiten müsse. Da sich zudem die Ökonomie als unfähig erweise, ökologischen Problemen adäquat zu begegnen, solle nach anderen gesellschaftlichen Regulationssystemen gesucht werden. Die Gesellschaft müsse ihre Zwecke, die sie mit der "Natur" verfolgen wolle - und die ihr durch die naturwissenschaftlichen Wertvorgaben definiert würden -, bestimmen und Normen entwickeln, denen das ökonomische System sich danach anzupassen habe. Das heißt mit anderen Worten, daß der ethische Diskurs der Gesellschaft normativ die "Naturfrage" klären müsse, um dann geeignete Institutionen zur Einhaltung der beschlossenen Normen zu kreieren. Z.e. meint man, daß der Staat bereits die geeignete Institution sei, der mit Verboten und Sanktionen die Normen einhalten lassen könne, zum anderen meint man, daß die gesellschaftlichen Teilsysteme, die nicht das

64 59 Wohl des Ganzen, sondern ihre eigenen Interessen verfolgen, die Normen durch Reflexion ihres Handelns und der Wirkungen auf das Handeln aller anderen gleichsam selbstbegrenzend realisieren sollten. Der 1. Vorschlag benutzt die politische Macht des Staates, der 2. entwickelt die transzendentale Bedingung einer rationalen Verfassung gesellschaftlichen Handelns. Beide Vorschläge sind verschiedenen Abstraktionsgrades und haben verschiedene Verwirklichungschancen; beide die Handlungsfreiheiten: der 1. machtpolitisch gegen die erwiesene mangelnde Einsicht der Gesellschaftsmitglieder (Meritorisierung), der 2. idealtypisch aufgrund der verlangten vernünftigen Einsicht der Handelnden in die Notwendigkeit ihrer partiellen Interessenselbstbegrenzung. Beiden Vorschlägen aber entgeht, daß zur Abwägung der vernünftigen Zwecke im Naturumgang es nicht ausreicht, seinen Willen zu bekunden und durchzusetzen, sondern daß die Unifikation der volonte generale das größte Problem darstellt, da nicht allgemein definiert ist, was "Natur", "Schädigung", "Rückwirkung der Naturschädigung auf die Lebensverhältnisse", d.h. was "ökologische Probleme" heißen kann. Nicht nur die allgemeinen Normen, sondern auch die Regulationsformen ihrer Anerkennung und Durchsetzung müssen bekannt und akzeptiert sein. Damit verbindet sich ein zweites Problem. Bei jeder Abwägung der Zwecke im Umgang mit der Natur sind zugleich die Kosten zu ermitteln, die jede Alternative erfordert. Das aber wird die Hauptschwierigkeit sein in der Normendiskussion. Solange der ethische Diskurs ohne Berücksichtigung der Eingriffe in die materielle Lebenssituation vonstatten geht, ist die Einsicht vermutlich aller durchaus zu erlangen. Wenn aber aufgerechnet wird, welche produktiven Anstrengungen oder konsumtiven Einschränkungen zu leisten sind, welche Sozial Institutionen aufzugeben sind, dann zerfällt die ideale Unifikation des normativen Diskurses, und die verschiedenen ökologischen Gefährdungen werden relativiert, auf andere Verursacher verschoben, nicht zur Kenntnis genommen. Am Problem der

65 60 gesellschaftlichen Regulation ökologischer Beeinträchtigungen erscheint unhintergehbar die ökonomische Grundproblematik: welche Güter in welchen Mengen und welchen Qualitäten zu welchem Preis, d.h. letztlich: zu welchen Leistungen? Es ergibt daheraus eine These: ob nicht die ökonomische Regulation bereits das zu leisten imstande ist, was der ethische Vorschlag ihr meint unterbreiten zu sollen: ein System der rationalen Selbstbegrenzung des Handelns? Der Unterschied wäre dieser: daß die ökonomische Regulation nicht auf die moralische Instanz der persönlichen Einsichtsfähigkeit 'des Handlungsträgers rückgreifen bräuchte. Das Allokationssystem wäre ein moralisch entlastetes Handlungssystem in Verfolgung der ethischen Absicht, gesellschaftliche Normen zu erstellen und zu r e a l i s i e r e n. Damit ist nur dieses gesagt: die ökologische Absage an die Kompetenz der Ökonomie scheitert an der Unmöglichkeit, ein ordinierendes Regulationssystem zu entwerfen, das Ökologische Wertpriorität und ökonomische Präferenz in einem Hand!ungsVollzug bewältigt. Zur Erhaltung der Heterogenität der Zwecke gehört eine Abwägung, die nicht schon vorentschieden sein darf. Die Debatten zur Frage sozialistischer Regulationssysteme und ihrer Effekte für die Lebensformen sind zu Rate zu ziehen. Diese Argumentation dient der einleitenden Fragestellung nach dem Verhältnis von Ökonomik, Ethik und ökologik. Das Verhältnis ist durch den Gang der Argumentation nicht festgelegt, nur ist eine Skepsis vorgetragen: ob die ethische Anfrage an die Ökonomie im Prachtgewand der ökonomischen Unbeflecktheit wird auftreten können und wie die An-Maßung der höheren Werte in ein Maßsystem aller Werte überführt werden kann. Die Frage i s t ungeklärt, deshalb zu diskutieren. Die Ökonomie aber tritt gleichberechtigt in den Diskurs und ist in der Lage, die Frage nach einer ökologischen Ökonomie aufzunehmen, ohne die Vorleistung der "Schuld", d.h. der Sache nach ungerechtfertigter Selbstbegrenzung, auf sich nehmen zu müssen.

66 61 Daß die ökonomische Wissenschaft die ökologische Frage nach den Maßstäben ihrer Sache bemißt, ist selbstverständlich. Das Problem beginnt, wo sie mit ihren Maßstäben die Sache des ökologischen nicht zu fassen versteht. Darin geht sie aber konform mit allen anderen Wissenschaften. In diesem Zusammenhang gewönne eine ökologische Ökonomie eine Bedeutung, indem sie die Naturbedingungen ihrer zukünftigen Ökonomiefähigkeit analysiert und prüft, inwieweit die Marktverfassung dies gewährleistet. Leistet sie es nicht, werden neue Institutionen gebildet, und die ethische Frage, welche Verhaltensnormen diese Institute verlangen sollen, gewinnt Raum an der Frage, welche Regulationssysteme hierfür bereitstehen könnten. Der ethische Diskurs in der Ökonomie aber ist womöglich nicht unabhängig von der Frage zu führen, welche Lebensformen zu welchen Kosten, d.h. zu welchem Verzicht auf andere Lebensaspekte, gewählt werden k ö n n e n. Wie gelebt werden s o l l t e, scheint abhängig zu werden von der Frage, wie die Verantwortung für die Folgen aktueller Entscheidungen heute bereits verteilt wird.

67 62 4. EDITORISCHE NOTIZ Die vier Aufsätze stehen in wechselseitig erläuterndem Zusammenhang. Der erste Aufsatz versucht eien allgemeine Kritik der ökologischen Infragestellung, wie sie häufig an der Ökonomie geübt wird. In seinen historischen Passagen verweist er auf den zweiten Aufsatz, der in der Entwicklung des theoriegeschichtlichen Problems genauer zu werden versucht. Der dritte aufsatz bezieht sich auf die im ersten angesprochene Frage, ob eine "Gebrauchswertökonomie" das ökologische Fundament der Wirtschaftstheorie werden könnte. Der vierte Aufsatz verhält sich in systematischer Absicht zur Relation Ethik/Ökologie/Ökonomie. Zu den ersten drei Aufsätzen gibt es ihnen korrespondierende andere, die hier angeziegt werden sollen, ad 1) ad 2) ad 3) - a) eine ( noch vague ) Vorfassung der Georgescu-Roegen-Kritik siehe in: "Boden als Produktionsfaktor in der ökonomischen Theorie", in: Bodenschutzpolitik und ökologische Wirtschaftsforschung, IÖW-Schriftenreihe Nr.6, 1987; - b) zu einem anderen und weiter gefaßten Aspekt der Kritik an Georgescu-Roegen siehe: "Natur-Stoff und Wert-Form. Zur Modernisierung der Naturgeschichte der Ökonomie". Veröffentlichung Herbst 1988 in: (Hrsg.) R.P.Sieferle, Selbstverständnisse der Moderne. - c) in Hinblick auf die allgemeinen Perspektiven siehe: "Naturoder Modernitätsschutz?" in: Priddat/Meran/Zundel: ökologische Ethik der Ökonomie?, IÖW-Schriftenreihe Nr.7,1987; - d) "Ist die Moral das letzte Refugium der Ökonomiekritik? 11 S. 7 in: IÖW-Informationsdienst Nr.1, April 1987; - a) zum "Gebrauchswertaspekt" der "romantischen Ökonomie" siehe: "Poesie der Ökonomie, über die poietische oder romantische Ökonomie" in: POIESIS, Nr.2, 1986; - b) über den Gebrauchswertaspekt in der deutschen Nationalökonomie im Allgemeinen: "Die politische Wissenschaft von Reichtum und Menschen. Aristotelische Aspekte in der deutschen Nationalökonomie des 19. Jahrhunderts", erscheint Frühjahr 1989 im Archiv für Sozial- und Rechtsphilosophie. über die Herkunft der vier Aufsätze folgendes: ad 1) - Referat auf einem kleinen Symposion ( mit Prof. H. Immler) der "Forschungsgruppe Soziale Ökologie" (Frankfurt a.m.) am Hier Erstveröffentlichung.

68 63 ad 2) - eine völlig überarbeitete, ergänzte und in Partien neu konzipierte Fassung des Diskussionspapiers Nr.82 /Jan, 1986 des FB Wirtschaftswissenscahften der Universität Hannover ( Vortrag bei Prof Dr. K.H.Hennings), "Natur und Ökonomie"; hier Erstveröffentlichung der Neufassung; ad 3) - Der dritte Aufsatz entstammt den "Miszellen" (Diskussionspapier Nr. 17/ 1986 aus dem Institut für Politisceh Wissenschaft der Universität Hamburg); seine Veröffentlichung dient hier dazu, die Kritik an H. Immlers Konzeption auch einem größeren Leserkreis zugänglich zu machen; ad 4) - Der vierte Aufsatz war zuerst veröffentlicht in: "Was ist - was kann ökologische Wirtschaftsforschung leisten?" Materialien zur Arbeitstagung der VÖW ( in Wuppertal). Da diese Materialien nicht als Diskussionsschrift des IÖW/VÖW erhältlich sind, erfolgt hier der 2. Abdruck mit dem selben Argument wie bei (3).

69 Publikationen des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung Das IÖW veröffentlicht die Ergebnisse seiner Forschungstätigkeit in einer Schriftenreihe, in Diskussionspapieren sowie in Broschüren und Büchern. Des Weiteren ist das IÖW Mitherausgeber der Fachzeitschrift Ökologisches Wirtschaften, die allvierteljährlich im oekom-verlag erscheint, und veröffentlicht den IÖW-Newsletter, der regelmäßig per über Neuigkeiten aus dem Institut informiert. Schriftenreihe/Diskussionspapiere Seit 1985, als das IÖW mit seiner ersten Schriftenreihe Auswege aus dem industriellen Wachstumsdilemma suchte, veröffentlicht das Institut im Eigenverlag seine Forschungstätigkeit in Schriftenreihen. Sie sind direkt beim IÖW zu bestellen und auch online als PDF-Dateien verfügbar. Neben den Schriftenreihen veröffentlicht das IÖW seine Forschungsergebnisse in Diskussionspapieren 1990 wurde im ersten Papier Die volkswirtschaftliche Theorie der Firma diskutiert. Auch die Diskussionspapiere können direkt über das IÖW bezogen werden. Informationen unter Fachzeitschrift Ökologisches Wirtschaften Ausgabe 2/2010 Das IÖW gibt gemeinsam mit der Vereinigung für ökologische Wirtschaftsforschung (VÖW) das Journal Ökologisches Wirtschaften heraus, das in vier Ausgaben pro Jahr im oekom-verlag erscheint. Das interdisziplinäre Magazin stellt neue Forschungsansätze in Beziehung zu praktischen Erfahrungen aus Politik und Wirtschaft. Im Spannungsfeld von Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft stellt die Zeitschrift neue Ideen für ein zukunftsfähiges, nachhaltiges Wirtschaften vor. Zusätzlich bietet Ökologisches Wirtschaften online als Open Access Portal Zugang zu allen Fachartikeln seit der Gründung der Zeitschrift In diesem reichen Wissensfundus können Sie über Artikeln durchsuchen und herunterladen. Die Ausgaben der letzten zwei Jahre stehen exklusiv für Abonnent/innen zur Verfügung. Abonnement unter: IÖW-Newsletter Der IÖW-Newsletter informiert rund vier Mal im Jahr über Neuigkeiten aus dem Institut. Stets über Projektergebnisse und Veröffentlichungen informiert sowie die aktuellen Termine im Blick Abonnement des Newsletters unter Weitere Informationen erhalten Sie unter oder Sie kontaktieren die IÖW-Geschäftsstelle Berlin Potsdamer Straße Berlin Telefon: Fax: vertrieb(at)ioew.de

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