Fachkonferenz Auf dem Weg in eine neue Kommunalpolitik: Örtliche Teilhabeplanung für Menschen mit Behinderung

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1 Universität Siegen WS 2010/2011 Seminar: Kommunale Teilhabeplanung Dozent: Herr A. Rohrmann Master Bildung und Soziale Arbeit Protokoll erstellt von Evelyn Müller, Mat. Nr.: Fachkonferenz Auf dem Weg in eine neue Kommunalpolitik: Örtliche Teilhabeplanung für Menschen mit Behinderung Protokoll: Menschen in Heimen als Herausforderung für kommunale Behindertenpolitik Moderation: Kerstin Steinfurth Sozialministerium Rheinland-Pfalz Referentin: Marita Boos-Waidosch Behindertenbeauftragte Mainz Referentin: Doris Rüter Behindertenbeauftragte der Stadt Münster Workshop-Thema: Beauftragte für Menschen mit Behinderung und in Behindertenbeiräten involvierte Personen sollen versuchen, eine bessere Integration von behinderten Menschen, die in Heimen leben, in das Gemeindeleben zu erreichen. Diskussion: Wie kann dies gelingen? Am Anfang der Debatte wollte Frau Steinfurth von den Gastreferentinnen wissen, ob sie persönlich zum Workshopthema passende Schlüsselerlebnisse mit Heimbewohnerinnen und - bewohnern erfahren haben und weshalb sie sich dafür entschieden haben, den Beruf der Behindertenbeauftragten zu wählen. Marita Boos-Waidosch, die im Kindesalter an der Infektionskrankheit Poliomyelitis (Kinderlähmung) erkrankte, kann sich heute nur noch mit Hilfe eines elektrischen Rollstuhls fortbewegen. Durch die Behinderung hat sie viele eigene Erfahrungen im Bereich der Betreuung von behinderten Menschen gemacht. Sie selbst lebte in einer Behinderteneinrichtung, in der die Verpflegung und die Therapie gut waren, der Ausgang in die Stadt und die Aktivitäten außerhalb der Einrichtung jedoch sehr begrenzt waren. Bei einer Fahrt mit dem Stadtbus erlebte sie einen jungen Mann aus einem Heim, der vollkommen integriert mit anderen Gleichaltrigen plauderte. Dies war ihm nur möglich, weil die Stadtbusse alle von Rollstuhlfahrern nutzbar sind. Durch ihre Arbeit als

2 Behindertenbeauftragte der Landeshauptstadt Mainz möchte sie behinderten Menschen die Chance geben, alle Räume zu nutzen, die die Stadt bietet. Doris Rüter ist seit 1996 in der Koordinierungsstelle für Behindertenfragen der Stadt Münster tätig. Sie arbeitet eng mit der Kommission zur Förderung der Inklusion von Menschen mit Behinderungen (KIB_ vom Rat eingerichtetes Gremium) zusammen. In der KIB waren bis 2009 die Menschen mit geistiger Behinderung nicht direkt vertreten. Eine Vertretung für behinderte Menschen aus Heimen gibt es in der KIB nicht. Frau Rüter war es daher gemeinsam mit anderen Akteuren in Münster ein Anliegen, für Menschen mit geistiger Behinderung größere Beteiligungsmöglichkeiten und ein Mitspracherecht bei Entscheidungen zu erreichen. Eine weitere Frage, die von Frau Steinfurth gestellt wurde, bezog sich auf die angewandten Methoden, die eingesetzt werden, um an die Informationen über die Interessen und Bedürfnisse von behinderten Menschen heranzukommen. Darauf gaben Frau Rüter und Frau Boos-Waidosch folgende Auskünfte: Frau Rüter besucht 1 bis 2 mal im Jahr die Selbstvertretungsgruppe WiM Wir Menschen mit Lernschwierigkeiten in Münster, die von einer Mitarbeiterin der Evangelischen Familienbildungsstätte in Münster (Paul-Gerhardt Haus) organisiert wird. Durch die regelmäßigen Treffen können immer wieder Anregungen der geistig behinderten Bürger von Münster gesammelt und von Frau Rüter bearbeitet und/oder an die KIB und ihre Arbeitsgruppen sowie ggf. weiteren Gremien weitergegeben werden. Frau Boos-Waidosch bietet Beratungssprechstunden an und informiert sich in Behindertenwerkstätten, in Selbsthilfegruppen und in verschiedenen Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen über die aktuellen Wünsche und Anliegen der behinderten Menschen zur Lebensqualitätsverbesserung in der Stadt Mainz. Teilnehmen und Investieren wurden als zwei wichtige Ziele herausgestellt, die verfolgt werden müssen, um eine bessere Integration von in Heimen lebenden behinderten Menschen in die Gemeinden zu erreichen. Kerstin Steinfurth schlug vor, die Ziele zu konkretisieren und ab Hand von guten Beispielen deren Umsetzungschancen zu verdeutlichen. Frau Boos- Waidosch und Frau Rüter stellten darauf hin Ansatzmöglichkeiten vor, die zu Verbesserungen der Lebensqualität von behinderten Menschen in Gemeinden beitragen könnten. Themen waren: Mobilität (öffentlicher Nahverkehr, Infrastruktur (Toiletten, Standards), freie

3 Wohnwirtschaft, Netzwerke durch Zusammenarbeit mit verschiedenen Ämtern zu bilden, behinderte Menschen in Gremien/ Konferenzen selbstverständlich zu beteiligen (Problem der Verständlichkeit und Nachvollziehbarkeit Rahmenbedingungen schaffen, z.b. leichte Sprache). Diskussion: Im offenen Gesprächskreis wurde das Thema leichte Sprache diskutiert. Ein Wohnstättenleiter der AWO kritisierte die Umsetzung der leichten Sprache, da eine komplizierte Sprache gegeben sein muss, um besser inhaltlich differenzieren zu können. Zudem war er der Ansicht, dass es in vielen Bereichen sehr schwierig sein wird, die schwere Sprache in eine leichte Sprache herunter zu brechen. Frau Rüter und Frau Boos- Waidosch begegneten dem Wohnstättenleiter mit dem Argument, dass jeder Mensch ein Recht auf Informationen habe. Sie sind sich sehr wohl bewusst, dass sie auch mit einer leichten Sprache nicht alle Menschen der Zielgruppe erreichen werden. Trotzdem eröffnen sie durch die leichte Sprache einem Teil der behinderten Menschen einen neuen Zugang zu einem eigenständigeren Leben innerhalb der Gemeinde. Zudem teilten sie mit, dass es deutschlandweit Übersetzungsbüros für die Umsetzung von Texten in leichte Sprache gebe. Ein Parteimitglied der FDP stellte die Frage, wie es möglich ist, in die Behindertenhilfe zu investieren, wenn die nötigen Finanzmittel nicht gegeben sind. Auf die Frage entgegnete Frau Rüter, dass es nicht nur größere Maßnahmen mit einem hohen finanziellen Aufwand gibt, sondern dass es wichtig sei, auch klein anzufangen. Es solle bei Gebäuden beispielsweise da angesetzt werden, wo gerade ein Umbau geplant sei. Außerdem soll bei einer Umgestaltung oder einem Neubau darauf geachtet werden, dass dieser mühelos auch von behinderten Menschen genutzt werden könne. Schließlich schaffe Barrierefreiheit nicht nur Menschen mit Behinderung Zugang, sondern diene ebenso Senioren und Eltern mit Kinderwagen ( Design für alle ).. Abschluss: Zum Abschluss fassten die beiden Gastreferentinnen die nachstehende Frage zusammen: Wie können wir es schaffen, dass die Gesellschaft behinderte Menschen besser wahrnimmt? Frau Rüter und Frau Boos-Waidosch waren beide der Ansicht, dass es wichtig sei, einfach mit kleinen Schritten zu beginnen. Ansatzpunkte waren: Guten Beispielen zu folgen, an konkreten Projekten zu arbeiten, bei der Gestaltung von Aktionsplänen von Kommunen Einfluss zu

4 nehmen, einen stärkeren Austausch zwischen verschiedenen Ämtern und Institutionen zu schaffen und das Bewusstsein der Menschen gegenüber behinderten Menschen zu sensibilisieren. Frau Boos-Waidosch äußerte zum Schluss den Wunsch, dass für jede behinderte Person ein Lebens-, Zukunftsplan entwickelt werden sollte, um den behinderten Menschen in unserer Gesellschaft ein Gesicht zu geben.

5 Ergebnisübersicht: Netzwerke Mobilität Kommunikation Interessenvertretung Bewusstsein schaffen UN-Konvention gilt! (nicht nur in Projekten) Teilhabekonferenz Infrastruktur - leichte Sprache - Selbsthilfe - Beteiligung an Gremien inhaltliche Auseinandersetzungen müssen erfolgen (Toiletten) Empowerment Stadtteilkonferenz Verkehr - nicht nur Sozialbereich - Rahmenbedingungen entwickeln (Fahrdienst) Stadtplanung Umwelt Wohnen - gute Vorbereitung - Kirchengemeinden - Sitzkultur ändern - Assistenz für Menschen mit Lernschwierigkeiten Struktur fordern - von Menschen mit Behinderungen erarbeiten/ Anregen, dass es noch etwas anderes gibt korrigieren lassen - Zeit nehmen und erklären Sozialführerschein Den Menschen ein Gesicht geben

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