Archive Bibliotheken Dokumentationseinrichtungen

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2 Archive, Bibliotheken und Dokumentationseinrichtungen gewährleisten den grundgesetzlich geschützten freien Zugang zu Informationen. Sie sind unverzichtbare Einrichtungen der Kultur, Bildung, Wissenschaft und Forschung, da sie Wissensbestände sichern und zur kulturellen Grundversorgung der Bevölkerung beitragen. Durch Vermittlung von Informationen tragen diese Einrichtungen zur freien Meinungsbildung im demokratischen Gemeinwesen bei, fördern die politische Willensbildung und die persönliche Entwicklung des Einzelnen. Die neuen Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten (IuK) erweitern nicht nur das Aufgabenspektrum dieser Einrichtungen, sondern stellt sie auch vor die entscheidende Herausforderung, Internetzugang für alle zu gewährleisten, um der digitalen Spaltung der Gesellschaft entgegenzuwirken. Eine Voraussetzung hierfür ist ein umfassendes Netz von Archiven, Bibliotheken und Dokumentationseinrichtungen, deren Angebote... unentgeltlich und ohne Einschränkungen für alle zugänglich sind, soziale Benachteiligungen ausgleichen, zur Chancengleichheit aller Bürgerinnen und Bürger bei Aus-, Fort- und Weiterbildung, der kulturellen Betätigung sowie Freizeitgestaltung beitragen, öffentliche Internet-Terminals und die Vermittlung von Medienkompetenz umfassen, Forschung, Wissenschaft und Wirtschaft in der Informationsbeschaffung unterstützen. Aktuelle Probleme von Archiven, Bibliotheken und Dokumentationseinrichtungen Unzureichende Finanzausstattung Die derzeitige Finanzausstattung gefährdet die Sicherung der marktunabhängigen Wissensbestände, die Attraktivität, Medienvielfalt und Leistungsfähigkeit der Archive, Bibliotheken und Dokumentationseinrichtungen. Verlust von demokratischen Kontrollmöglichkeiten durch Privatisierung Der freie Zugang zu Informationen wird zunehmend beeinträchtigt durch die Privatisierung von Archiven (z. B. Betriebsarchiven), Bibliotheken und Dokumentationsein-

3 richtungen. Durch Privatisierung und Ausgliederung von ehemals städtischen Einrichtungen und Betrieben, z. B. im Bereich Verkehr, Ver- und Entsorgung, Krankenhäuser, Theater und Museen gehören diese nicht mehr zur Stadtverwaltung und unterliegen daher nicht mehr der Pflicht, ihre Akten in öffentliche Archive abzugeben. Für die Öffentlichkeit werden dadurch Transparenz und demokratische Kontrollmöglichkeiten, für die Forschung die Verfügbarkeit von Quellen eingeschränkt. Neue Qualifikationsanforderungen alte Eingruppierungen Elektronische und gedruckte Medien in 25 Sprachen, Internetplätze, PC-Arbeitsplätze und Rechercheterminals werden als professioneller Kunden-Service für die Bedürfnisse der unterschiedlichsten Benutzer aller Altersstufen angeboten. Durch den Einsatz moderner Technologien sind Qualifikationsanforderungen gestiegen und Aufgaben sowie Arbeitsweisen komplexer geworden. Dies manifestiert sich auch in neuen, anspruchsvolleren Ausbildungsordnungen wie z. B. der Ausbildung zur/zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste. Die Eingruppierung der Beschäftigten ist den veränderten Arbeitsplatzanforderungen und Tätigkeiten jedoch noch nicht angepasst worden. Was will ver.di? Damit Archive, Bibliotheken und Dokumentationseinrichtungen auch künftig ihre Aufgaben unter veränderten Rahmenbedingungen erfüllen können, fordern wir: Bundeseinheitliche Rahmengesetzgebung mit Mindeststandards Bibliotheken und Archive müssen als Dienstleistungseinrichtungen der öffentlichen Hand durch Gesetze rechtlich abgesichert werden, da sowohl die wissenschaftlichen als auch die öffentlichen Bibliotheken in den Bereich der Pflichtaufgaben fallen. Notwendig ist die Schaffung einer bundeseinheitlichen Rahmengesetzgebung, damit eine ausreichende finanzielle Ausstattung grundsätzlich gegeben ist. Bessere Aus-, Fort- und Weiterbildung Fort- und Weiterbildung ist unabdingbarer Bestandteil von Personalentwicklung in den ABD-

4 Bereichen. Diese muss vor allem im Zusammenhang mit den anhaltenden Strukturveränderungen wie dem Ausbau der Informations- und Kommunikationsinfrastrukturen auf technisch hohem Niveau auch und insbesondere in strukturschwachen Regionen erfolgen. Fortund Weiterbildungsangebote sind inhaltlich mit Themen so auszurichten, dass alle Berufsgruppen im ABD-Bereich angesprochen und erfasst werden. Die systematische Entwicklung der sozialen Kompetenzen im Service und in den innerbetrieblichen Abläufen muss in allen Ausbildungsgängen Standard sein. Ausbildungsstellen für Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste müssen überall angeboten, umfassend finanziert und mit ausreichender Unterrichtskapazität ausgestattet werden. In Zusammenarbeit mit den Bundesländern, den Berufsverbänden und den Arbeitgebervereinigungen wird ver.di für Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste eine berufsbegleitende Weiterbildung einfordern, die diese zu Fachwirtinnen und Fachwirten qualifiziert und ihnen somit die Perspektive eines der Diplom-Ausbildung gleichwertigen Abschlusses ermöglicht. Parallel dazu ist im Beamtenrecht bundesweit für eine grundsätzliche Durchlässigkeit zwischen den bibliothekarischen Laufbahnen zu sorgen. Tarifpolitische Reformen Die speziellen Tätigkeitsmerkmale für Angestellte in Bibliotheken und Archiven sind aufzuheben. Stattdessen sollen die allgemeinen Tätigkeitsmerkmale des BAT (Fallgruppen 1) sowie der Grundsatz gleiches Geld für gleichwertige Arbeit gelten. Der Gefahr der Tarifflucht ist angesichts zunehmender Tendenzen, Bibliotheken in anderen Rechtsformen (Eigenbetrieb, GmbH, Public- Private-Partnership) zu betreiben, entschieden entgegenzutreten. Angemessene Arbeitszeitregelungen Wir sprechen uns für großzügige Öffnungszeiten bei entsprechender Ausstattung mit Fachpersonal (z. B. Umgang mit Erweiterung der Öffnungszeiten an Wochenenden und Abenden) aus, d.h. für kundenfreundliche Bibliotheken, die sich an den Bedürfnissen der Besucherinnen und Besucher und der Beschäftigten orientieren. Dabei muss der tatsächliche Bedarf an Sonn- und Feiertagen erhoben und in Einklang mit den Bedürfnissen der Beschäftigten gebracht werden.

5 Die gute Verbindung ver.di Fachbereich Bildung, Wissenschaft und Forschung Baden-Württemberg Gisela Walter (Tel.: 07 11/ ) Bayern Barbara Zahn (Tel.: 0 89/ ) Berlin/Brandenburg Andrea Scherer (Tel.: 0 30/ ) Hamburg Roland Kohsiek (Tel.: 0 40/ ) Hessen Walter Lochmann (Tel.: 0 69/ ) Niedersachsen/Bremen Brigitte Schütt (Tel.: 05 11/ ) Nordrhein-Westfalen Uwe Meyeringh (Tel.: 02 11/ ) Rheinland-Pfalz Peter Schmitt (Tel.: / ) Saarland Stefan Schorr (Tel.: 06 81/ ) Sachsen Dr. Jens Festersen (Tel.: 03 51/ ) Sachsen-Anhalt Werner Theis (Tel.: 03 91/ ) Nord (Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern) Jens Mahler (Tel.: 04 51/ ) Thüringen Thomas Voß (Tel.: 03 61/ ) Bundesverwaltung (Berlin) Karin Vollmar (Tel.: 0 30/ )

6 Impressum: ver.di Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft e. V.. Potsdamer Platz Berlin. Verantwortlich: Petra Gerstenkorn. Bearbeitung: Renate Singvogel Gestaltung: Hauer + Ege GmbH. Druck: Union-Druckerei, Frankfurt/M. W

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