FAMILIEN HEUTE Ausgabe 7 September 2010

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1 Familienberatungsstellen und Elterntelefon - Unsere Partner: FAMILIEN HEUTE Ausgabe 7 September 2010 INHALTSVERZEICHNIS Praxis der Familienberatung: - Familien, die wir sonst verlieren Klienten ohne Probleme werden immer mehr. - Ausbildungslehrgang in systemischer Paartherapie - Ein Resümee Familie: Interessante News und Infos - Trilogie Geschwisterbeziehungen im Erwachsenalter: Neid als Entwicklungschance? - Prüfungsangst oder Schwellenangst? Ein psychoanalytischer Exkurs - Warum brauchen Enkel ihre Großeltern? Aus Forschung und Wissenschaft: - Der Gang zu PsychologInnen als Zeitvertreib? Eine Effizienzstudie am Beispiel der Bulimie - Psychotherapie komplexer Persönlichkeitsstörungen Südtiroler Newsletter social Die jeweils aktuelle Ausgabe unter Familienhandbuch ch.de Elterntelefon fo Auch auf unserer Webpage:

2 Praxis der Familienberatung: Familien, die wir sonst verlieren Klienten ohne Probleme werden immer mehr Immer mehr Klienten der psychosozialen Dienste haben scheinbar kein Problem. Wir Mitmenschen, Sozialdienste, Schulen, oder andere Institutionen sind es, die ein Problem mit ihnen haben. Hochstrittige Paare, vernachlässigende/überforderte Eltern, Familien nahe an der Delinquenz, Familien mit Schulverweigerern, u.a., meiden meist die Dienste. Diese wiederum sehen aber im Namen der Gesellschaft das Kindeswohl gefährdet. Um vorzubeugen, dass das Abdriften dieser Familien nur noch mit Gerichtsbeschlüssen zu verhindern ist, muss man mit ihnen eine Beziehung aufbauen. Man kann dabei nicht warten, bis sie von Problemen berichten, die sie selbst nicht sehen, sondern man muss zu ihnen hin gehen. Der Aufbau einer Beziehung und das Einfühlen in ihre Sichtweise braucht Zeit. Hierzu braucht es große Professionalität, die Bereitschaft für einen langfristigen Kontakt und ehrliches Interesse ihnen helfen zu wollen. So kann man sie in der Auseinandersetzung mit der Realität hinein begleiten und ihnen Orientierung geben. Unsere Dienste sind bis heute aber darauf ausgerichtet, auf Anfragen zu reagieren. Zeit für Beziehung, Vermittelung von Orientierung ist ihnen fremd, nur sehr wenige Dienste können sich (teilweise) räumlich oder zeitlich den desinteressierten und Familien ohne Hoffnung anpassen. Die Anzahl dieser Familien nimmt zu. Wollen wir diesen größer werdenden Teil unsere Bevölkerung nicht sich selbst überlassen, helfen nicht Gesetze, sondern die Dienste müssen aktiv werden. Sie brauchen dazu Zeit für Beziehung und für die kontinuierliche Reflektion über Konzepte und Vorgehensweisen. Beides kostet Ressourcen (Geld, Zeit). Aber billiger bekommen wir es nicht. Selbst im Ehrenamt muss jemand dafür Zeit erübrigen Elternnotruf Zürich Lokale Bündnisse für Familie sse.de/ Ausbildungslehrgang in systemischer Paartherapie - Ein Resümee Die von der Ehe- und Erziehungsberatungsstelle erstmalig angebotene Ausbildung zum/r systemischen Paartherapeuten/in ist nach zwei Jahren mit insgesamt 12 dreitägigen und 5 eintägigen Expertenseminaren zu Ende gegangen. 19 Teilnehmer/innen aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen (Sozialdienste, Familienberatungsstelle, freischaffende Therapeuten/innen) haben sich mit unterschiedlichen Paarthematiken wie Paargeschichte, Herkunftsfamilie, Geschlechterrollen, Sexualität, aber auch Außenbeziehung und Trennung, auseinandergesetzt, um in zukünftigen Beratungsgesprächen in der Lage zu sein, gemeinsam mit den betroffenen Paaren eine, konstruktive Lösung für deren unterschiedlichen Lebenssituationen zu erarbeiten. Als besonders wertvoll und innovativ stellte sich die Wahl der Ausbildner/inner heraus, welche aufgrund ihrer unterschiedlichen Herkunft (Deutschland, Italien, Marokko), den Teilnehmern/inner einen Einblick in den kulturspezifisch unterschiedlichen Herangehensweisen an Situationen ermöglichten.

3 Familie: Interessante News und Infos Trilogie Geschwisterbeziehungen im Erwachsenalter: Neid als Entwicklungschance? Die typischen Rivalitätsthemen, die sich vom Jugendalter weiter ins Erwachsenenalter ziehen, sind zumeist leistungsbezogen: Berufserfolg und berufliche Anerkennung spielen vor allem zwischen männlichen Geschwistern häufig eine bedeutsame Rolle. Im mittleren und späten Erwachsenenalter verblassen die genannten Rivalitätsinhalte mehr und mehr, Konflikte und Auseinandersetzungen entzünden sich häufiger an familienbezogenen und einstellungs- sowie wertorientierten Themen. Neid und Eifersucht können über die Zeit aufrechterhalten werden bzw. wiederaufflammen, wenn z.b. das eine Geschwister kinderlos bleibt, Ehe- und Partnerschaftsprobleme durchlebt oder arbeitslos wird. Geschwisterbeziehungen werden vor allem dann auf die Probe gestellt wenn es um die Pflege der eigenen Eltern, sowie um das Teilen des Erbes geht. In dieser Phase, die oft von viel Neid und Missgunst geprägt ist, distanzieren sich Geschwister zunehmend voneinander. Neid kann erst dann zur Entwicklungschance werden, wenn er als Herausforderung verstanden wird, als Ruf des Lebens zu Entwicklung und zu Wachstum, besser auf sich zu schauen, mehr zu sein als zu haben. Ein gesundes Selbstwertgefühl und die Ausrichtung auf die eigenen Ressourcen sind dabei der springende Punkt. Wenn dies gelingen kann, bilden gute geschwisterliche Beziehungen auch nach dem Tod der Eltern, die Grundlage für das Gefühl, dass die Familie weiterlebt, auch wenn die Eltern nicht mehr da sind. Aber dies ist eine ganz schöne Entwicklungsaufgabe! Prüfungsangst oder Schwellenangst? Ein psychoanalytischer Exkurs In Phasen des Übergangs in eine neue Lebensphase wie Schuleintritt, Pubertät, Ende der schulischen Ausbildung, können innere und äußere Anforderungen zu Konflikten führen, welche in Form von Ängsten sichtbar werden. Aus psychoanalytischer Sichtweise regrediert der Geängstigte dabei auf eine frühere Entwicklungsstufe der Gefahreneinschätzung Er kann sich bedroht fühlen von unkontrollierbaren Impulsen oder Trieben (Triebangst), die das Selbst und die Identität gefährden, wenn sie die Person überschwemmen. Wünsche nach Autonomie und Orientierung an eigenen Bedürfnissen, welche sich von den Erwartungen der Bezugspersonen unterscheiden, wecken Angst vor Bestrafungen bzw. Enttäuschung und damit Verlust und Trennung von Bezugspersonen. Jugendliche ringen um eine persönliche Interpretation der Welt, was zeitweise zu Verunsicherung und Schwächung führen kann. Um diesen narzisstischen Notstand zu überwinden, flüchten sie sich in Tagträume und Größenphantasien. Jedes mögliche Scheitern bei einer Prüfung kann die derartige Stabilisierung zerrütten, da damit reale Begrenzungen deutlich werden. Gibt es frühere, traumatische Insuffizienzerlebnisse, so können diese reaktiviert werden und die Angst vor sozialer Vernichtung zusätzlich erhöhen. Prüfungsängste, oft auch in Verbindung mit einer Depression oder somatischen

4 Symptomen können einen anstehenden Entwicklungsschritt scheinbar unüberwindbar blockieren und die betreffende Person damit auf der noch sicher scheinenden Entwicklungsebene zurückhalten. Wenn Sie mehr zum Thema wissen möchten: Tabbert-Haugg, Christine: Alptraum Prüfung. Pfeiffer bei Klett-Cotta Verlag, 2003 Warum brauchen Enkel ihre Großeltern? Die Großeltern sind neben den Eltern die wichtigsten Bezugspersonen im Leben eines Kindes. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Kinder, die in engem Kontakt zu den Großeltern leben, über besondere soziale Kompetenzen verfügen, über einen größeren Wortschatz und häufig auch über bessere Schulnoten. Da Großeltern nicht mehr erziehen "müssen", verfügen sie in der Regel über mehr Gelassenheit als die Eltern. Sie können ihr Enkelkind in der Entwicklung entscheidend fördern, wenn sie die Eltern in ihrer Erziehungstätigkeit ergänzen und eine komplementäre Rolle zu ihnen übernehmen. Sie können dem Kind seelische Unterstützung, Sicherheit und Zuflucht oft auch dann gewähren, wenn dies den Eltern aufgrund äußerer Umstände nicht möglich ist oder wenn sich zwischen Eltern und Kind ein heftiger Konflikt abspielt. Durch die Großeltern, aber auch andere Bezugspersonen lernen die Kinder, dass das Leben auch ganz anders sein kann, mit unterschiedlichen Lebensentwürfen. Das bereitet ein Kind darauf vor, dass im Leben eines Erwachsenen Flexibilität gefragt ist. Leider haben nicht alle Eltern, Großeltern, die Ihre Kinder begleiten. In diesem Fall ist es wünschenswert, dass die Kinder eine andere Bezugsperson tolerieren, denn durch eine gute Beziehung zu andere Personen wird die Seele der Kinder gestärkt. Aus Forschung und Wissenschaft: Der Gang zu PsychologInnen als Zeitvertreib? Eine Effizienzstudie am Beispiel der Bulimie In der heutigen Zeit fragen sich kritische Menschen oft, ob es eigentlich die so genannten Seelenklempner für die Menschheit wirklich braucht, denn zur Lösung von Problemen müsste doch auch der Bekannten- oder Familienkreis als Zuhörer genügen. Dass diese Aussage zumindest für spezifische, komplexe Probleme nicht gelten kann, zeigt eine Studie (Donà, 2009) aus dem Bereich Essstörungen. Es konnten anhand von mehreren psychologischen Tests und Interviews mit 16 Süd- und Nordtirolerinnen, welche ehemals an Bulimia nervosa erkrankt waren, interessante Erkenntnisse erzielt werden: Acht der 16 Frauen hatten sich zur Behandlung ihrer Bulimie aktiv in die Hände von PsychologInnen begeben; diesen geht es heute psychisch, physisch und sozial weitgehend besser als der anderen Untersuchungs-Hälfte, welche sich selbst, z.b. durch eigenständiges Lesen oder Aufsuchen von Vorträgen, Hilfe verschafft hatte. Erstere sind mit ihrem Körper und ihrer Persönlichkeit um einiges zufriedener als die Sich- selbst- Helfenden, sie sind selbstbewusster und blicken hoffnungsvoller in die Zukunft. Man kann an dem Beispiel Bulimie erkennen, dass es für die Überwindung seelischer Störungen, speziell bei spezifischen und schwerwiegenden Problematiken, PsychologInnen als professionelle Unterstützung braucht.

5 Psychotherapie komplexer Persönlichkeitsstörungen Persönlichkeitsstörungen zeigen sich häufig in Verbindung mit einer Reihe von Symptomen oder von diesen überlagert. So können unterschiedliche Angstformen auftreten, ebenso kommt es häufig zu impulsivem Handeln (Agieren), zu Depressionen, schweren Arbeitsstörungen, Zwängen, antisozialem Verhalten, chronischen Selbstverletzungen, suizidalem Verhalten und Abhängigkeitserkrankungen. Psychosomatische Symptome können auftreten und manchmal fehlen klare Symptome völlig. Psychodynamisch wird von Störungen der Selbstregulation (stark wechselnde Stimmungen und Affekte, fehlende Impulskontrolle) und des Selbsterlebens (instabile Identität) sowie, damit verbunden, von Störungen der Interaktion mit anderen gesprochen. Für Psychoanalytiker galten Persönlichkeitsstörungen lange Zeit als unbehandelbar. In der Psychoanalytisch interaktionellen Therapie wird mittlerweile versucht, diesen Patienten gerecht zu werden. Äußerlich in Form eines Alltagsgesprächs unterstützt der Therapeut die Selbstregulation des Patienten, indem er an dessen Stelle als ergänzendes Selbst Gefühle wahrnimmt und ausdrückt. Der Therapeut reagiert (antwortet) aber auch auf die Art der Kontaktaufnahme des Patienten und zeigt sich dabei als eigenständige Person. Der Patient erkennt dadurch die Wirkung seines Verhaltens auf den Interaktionspartner. Dies motiviert ihn, das eigene Handeln so zu steuern, dass der Kontakt mit anderen Personen wohltuend gelingt und nicht zur ständigen Neuinszenierung von früheren, traumatischen Beziehungserlebnissen mit den damit verbundenen Kränkungen und Beschämungen führt. Wenn Sie mehr zu diesem Thema erfahren möchten: Streek, Ulrich: Psychotherapie komplexer Persönlichkeitsstörungen Redaktion der Ausgabe 7: Stefan Eikemann, Kathrin Hauser, Deborah Visintainer, Eva Maria Donà, Irmgard Ganterer, Herausgeber: Ehe- & Erziehungsberatung Südtirol Sparkassenstr Bozen Sie finden uns auch in Meran, Bruneck, Schlanders und St. Ulrich Tel Tel Wir informieren Sie, dass Ihre adresse aus öffentlich zugänglichen Archiven stammt. Sie können die vom Datenschutzgesetzes L.D. Nr. 196/2003 vorgesehenen Rechte ausüben und sich von unseren Archiven streichen lassen, indem Sie ein an folgende Adresse schicken La informiamo che la sua è stata trovata su internet che è un ambito pubblico. E' Sua facoltà esercitare i diritti della legge sulla tutela dei dati personali D.L. N 196/2003. Se non desidera ricevere ulteriori comunicazioni ci invii una al seguente indirizzo

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