Personeller Umfang der grv

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1 Soziale Sicherung B.3.1 Personeller Umfang der grv Personen, die gegen Arbeitsentgelt oder zu ihrer Berufsausbildung beschäftigt sind, sind in der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) versicherungspflichtig insbesondere sind alle Arbeiter und Angestellten pflichtversichert Für einige spezielle Gruppen von Selbständigen besteht ebenfalls Versicherungspflicht in der grv (z.b. für Handwerker, Bezieher des Existenzgründungszuschusses, Künstler und Publizisten) Unabhängig von der Ausübung einer Erwerbstätigkeit sind auch Kindererziehende (erste 3 Jahren), Pflegepersonen, Wehr- und Ersatzdienstleistende sowie Bezieher von Lohnersatzleistungen (wie Arbeitslosen- oder Krankengeld) pflichtversichert Nicht Versicherungspflichtige können sich freiwillig versichern Beamte, Richter, Soldaten auf Zeit, Berufssoldaten u.a. sind versicherungsfrei : 52,20 Mio. Versicherte, davon 35,13 Mio. aktiv

2 Soziale Sicherung B.3.2 Organisation der grv Träger der GRV (seit Anfang 2005): Deutsche Rentenversicherung einheitlicher Versichertenbegriff, d.h. keine Untergliederung in Arbeiter und Angestellte einzelne Leistungsträger: Deutsche Rentenversicherung Bund (40% der Versicherten in der Dt. Rentenvers.) Die Regionalträger der Deutschen Rentenversicherung (55%) Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See (5%) Körperschaften des öffentlichen Rechts Kontrollgremien paritätisch von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern besetzt (Selbstverwaltung der Rentenanstalten)

3 Soziale Sicherung B.3.3 Leistungen der grv Grundlegende Aufgabe der Rentenversicherung: Abdeckung des Altersrisikos (Lohnersatzfunktion der Rente) ergänzend: durch Arbeitsunfähigkeit bedingte Einkommensausfälle verhindern bzw. im nachhinein beseitigen (Rehabilitierungsmaßnahmen im Bereich der medizinischen und berufsfördernden Leistungen + Übergangsgeld) Regelaltersrenten: jeder Versicherte, der die Regelaltersgrenze (bis Jg. 1946: 65. Geburtstag; Jg : schrittweiser Anstieg bis auf 67. Geburtstag; ab Jg. 1964: 67. Geburtstag) erreicht hat und die allgemeine Wartezeit von 5 Jahren erfüllt hat vorzeitige Altersrenten (darunter: Erwerbsminderungsrenten) Renten wegen Todes (Witwen- bzw. Witwerrenten (große oder kleine), Waisenrente, Erziehungsrenten) Zusatzleistungen (u.a. Zuschüsse zur Kranken- und Pflegeversicherung)

4 Soziale Sicherung B.3.4 Finanzierung der grv Einnahmen der Deutschen Rentenversicherung 2010: 251,25 Mrd., davon: Beitragseinnahmen: ca. 185,29 Mrd. (73,7%) Bundeszuschüsse: 64,886 Mrd. (25,8%) Vermögenserträge und sonstige Einnahmen: 311 Mio. (0,12 %) Beiträge: zu gleichen Teilen vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen (formalgesetzlich; ökonomische Inzidenz?) Höhe der Beiträge bestimmt über: Beitragssatz, Beitragsbemessungsgrenze Beitragssatz: prozentualer Anteil am Arbeitsentgelt (= Beitragsbemessungsgrundlage), der in die Rentenversicherung eingezahlt werden muss Beitragsbemessungsgrenze: Höhe des Arbeitsentgeltes, das maximal bei der Bestimmung der Rentenversicherungsbeiträge berücksichtigt wird Mini-Jobs (Entgelt bis zu 400 pro Monat): Pauschalabgabe des Arbeitgebers darunter: 15% in die Rentenversicherung (gegen eingeschränkten Rentenversicherungsanspruch) Arbeitnehmer kann freiwillig auf regulären Beitragssatz aufstocken für vollen Leistungsanspruch in der grv Gleitzone: zwischen 400,01 und 800 Entgelt pro Monat ( Midi-Jobs ): Arbeitnehmerbeitrag zur grv steigt mit steigendem Bruttolohn von 4,84% (bei 400,01 ) auf den vollen Arbeitnehmerbeitrag von 9,95% an Der gemeinsame Beitrag von Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der RV steigt von 14,79% bei 400,01 auf 19,9% bei 800 an Aufkommensfunktion der grv ist ab der Beitragsbemessungsgrenze regressiv

5 Soziale Sicherung B.3.5 Beitragssätze und Beitragsbemessungsgrenzen in der grv Jahr Beitragssatz grv (% des Bruttoarbeitsentgelts) Beitragsbemessungsgrenze alte Bundesländer (DM/ ab 2002 monatlich) , , , , , , , , Beitragsbemessungsgrenze neue Bundesländer (DM/ ab 2002 monatlich) , , , , , , , ,1 DM 8700 DM , , , , , , , , , ,

6 Soziale Sicherung B.3.6 Beitragsaufkommen in der grv Beitrag zur grv (in ) ,9 % 15 % Einkommen (in ) 5500

7 Soziale Sicherung B.3.7 Beitragssatz im ULV der grv Kennzeichnend für die grv: Umlageverfahren Budgetbeschränkung der grv: Einnahmen = Ausgaben s BZ Ed = RB Rd (BZ = Zahl der Beitragszahler, Ed = Durchschnittseinkommen der Beitragszahler, RB = Zahl der Rentenbezieher, Rd = Durchschnittsrente) RB s = BZ Rd Ed Beitragssatz = Rentnerquote Rentenniveau

8 Bestimmung der individuellen Rente (1) Monatsbetrag der Rente (MR): MR = PEP RF ARW, PEP = (Σ EP) ZF RF [0,1; 1,0] ARW t Soziale Sicherung B.3.8 BE t 1 100% AVAt 1 RVBt 1 RQt 1 = ARW t 1 1 α 1 BEt 2 100% AVAt 2 RVBt 2 RQt 2 (PEP = persönliche Entgeltpunkt, RF = Rentenartfaktor, ARW = aktueller Rentenwert, EP erworbene Entgeltpunkte, ZF Rentenzugangsfaktor) erworbene Entgeltpunkte (EP) für Beitragszeiten: grundsätzlich Entgeltpunkte = Verhältnis des eigenen beitragspflichtigen Entgelts zum Durchschnittsentgelt aller Versicherten des entsprechenden Jahres (z.b. ein Versicherter mit beitragspflichtigem Einkommen in Höhe des Durchschnittsentgelts: 1 EP) beitragsfreie Zeiten: Anrechnungszeiten (Arbeitslosigkeit, Krankheit, Schwangerschaft, Besuch einer Schule, Fachhochschule usw. nach dem 16. Lebensjahr), Ersatzzeiten (Zeiten des Militärdienstes) sowie Zurechnungszeiten (bei Rente wegen Erwerbsunfähigkeit); Gesamtleistungsbewertung beitragsgeminderte Zeiten: Monate, die zum Teil aus Beitragszeiten und zum anderen Teil aus beitragsfreien Zeiten bestehen; Gesamtleistungsbewertung Zuschläge bzw. Abschläge zu einem durchgeführten Versorgungsausgleich oder Rentensplitting verschiedene weitere Zuschläge Rentenzugangsfaktor (ZF): Abschlag von 0,3 % pro Monat, den man vor Vollendung des 65. Lebensjahrs in Rente geht Rentenartfaktor (RF): Altersrente 1,0; Rente wg. teilweiser Erwerbsminderung 0,5; Rente wg. voller Erwerbsminderung 1,0; Erziehungsrente 1,0; große Witwen-/Witwerrente 0,55; kleine Witwen-/Witwerrente 0,25; Vollwaisenrente 0,2; Halbwaisenrente 0,1

9 Soziale Sicherung B.3.9 Bestimmung der individuellen Rente (2) Aktueller Rentenwert ARW t : BE t 1 100% AVAt 1 RVBt 1 RQt 1 ARW = t ARWt 1 1 α 1 * BE t 2 100% AVAt 2 RVBt 2 RQt 2 Lohnkomponente Beitragskomponente Nachhaltigkeitsfaktor BE t-1 : Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer im vergangenen Kalenderjahr BE * t-2: Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer im vorvergangenen Kalenderjahr unter Berücksichtigung der Veränderung der beitragspflichtigen Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer (ohne Beamte), einschl. der Bezieher von Arbeitslosengeld (Definitionsgrundlage weicht also von BE t-1 ab) AVA: Altersvorsorgeanteil (in %); fiktive Belastungsänderungen im Zusammenhang mit der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge RVB: durchschnittlicher Beitragssatz in der grv (in %) RQ: Rentnerquotient = Äquivalenzrentner/ Äquivalenzbeitragszahler α: Gewichtungsparameter für den Nachhaltigkeitsfaktor (z.zt.: 0,25) Änderung des aktuellen Rentenwertes bestimmt durch: Änderung des durchschnittlichen beitragspflichtigen Bruttoeinkommens Änderung des Rentenversicherungsbeitrages in der grv Änderung des Altersvorsorgeanteils Nachhaltigkeitsfaktor, d.h. Änderung des Rentnerquotienten (Demographie, Arbeitsmarkt) politisch gesetzter Parameter α Schutzklausel (seit 2004): Reduzierung des aktuellen Rentenwerts durch die kombinierte Anwendung von Beitragskomponente und Nachhaltigkeitsfaktor ausgeschlossen

10 Soziale Sicherung B.3.10 Riester-Rente (1) 2001: AltersvermögensergänzungsGesetz, AltersvermögensGesetz Paradigmenwechsel in der Altersvorsorge: Stabilisierung des Beitragssatzes (statt Stabilisierung des Rentenniveaus) Einstieg in eine kapitalgedeckte private Alterssicherung Förderberechtigt sind alle Pflichtmitglieder der grv sowie Beamte u.a. Nur vom Staat (BaFin) zertifizierte Verträge, die gewisse Mindestanforderungen erfüllen, werden gefördert, u.a.: die Vorsorgebeiträge dürfen nicht vor dem 60. Lebensjahr ausgezahlt werden die Leistung muss als lebenslange Rentenzahlung erfolgen zu Beginn der Auszahlungsphase muss mindestens die Summe der eingezahlten Beiträge (Eigenleistung + staatliche Zulage) garantiert werden Zur Anschaffung oder Herstellung von selbstgenutztem Wohneigentum ist eine Kapitalentnahme (bis zu 100%) möglich seit 2008 kann gefördertes Altersvorsorgekapital auch verwendet werden für den Bau oder Kauf einer selbstgenutzten Wohnimmobilie, die Entschuldung einer selbstgenutzten Wohnimmobilie oder den Erwerb von Anteilen an Wohngenossenschaften ( Wohn-Riester ) Zudem sind seitdem auch Einzahlungen auf Bausparpläne förderfähig; Tilgungszahlungen auf Darlehen für die Finanzierung einer selbst genutzte Wohnimmobilien können steuerlich begünstigt werden

11 Riester-Rente (2) Soziale Sicherung B.3.11 Die Förderung im Rahmen der Riester-Rente erfolgt in Form einer Zulage oder über einen steuerlichen Sonderausgabenabzug Die maximale Förderung bestimmt sich durch den Mindesteigenbeitrag = prozentualer Anteil (Altersvorsorgeanteil) der für die GRV beitragspflichtigen Einkommen des Vorjahres (aktuell: 4%) höchstens jedoch 2100 pro Jahr 2 Formen von Zulage: Grundzulage (für jeden Förderberechtigten und dessen Ehepartner): 154 wer jünger als 25 Jahre und unmittelbar Zulage berechtigt ist, erhält einmalig eine um 200 erhöhte Grundzulage Kinderzulage: 185 bzw. (bei ab 2008 Geborenen) 300 je Kind Sockelbetrag: 60 Förderung auch über steuerlichen Sonderausgabenabzug möglich Zulageberechtigte kann seine Altersvorsorgebeiträge einschl. der Zulage jährlich als Sonderausgaben steuermindernd geltend machen (max ) Leistungen aus der privaten Altersvorsorge müssen später voll versteuert werden nach anfänglichen Akzeptanzproblem (bis Ende 2004: nur ca. 4,19 Mio. Verträge) mittlerweile (Mitte 2010) bereits ca. 13,85 Mio. abgeschlossene Riester-Verträge neben der individuellen Förderung auch Förderung von verschiedenen Formen der betrieblichen Altersvorsorge seit 2005: Basisrente ( Rürup-Rente ): kapitalgedeckt; staatliche Förderung durch Sonderausgabenabzug; vorrangige Zielgruppe: Selbständige mit hoher Steuerbelastung

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